Archiv des Autors: Wolfgang Reinert

Endlich Beweise!!

Virologen sind überrascht: Das hätten sie nicht gedacht! Da greift ein offenbar ansteckender Keim um sich, der sich Dummheit nennt. Leute, die davon infiziert werden, glauben jeden Mist, der im Internet verbreitet wird, und liken fleißig unwissenschaftlichen Murks, der aber so schön glaubhaft daherkommt. Eine Menge dieser Infizierten konnte man heute* in Berlin in einer Demo laufen sehen: Die Gefahr des Corona-Virus leugnen sie und stellen die große Mehrheit der Wissenschaftler als Lügner hin, denn sie sind die erleuchteten Durchblicker, die die ganze Corona-Verschwörung durchschauen! Woher beziehen sie ihre Informationen? Von dubiosen, dafür aber heilsbringerisch auftretenden Leuten in den sozialen Medien und auf YouTube-Kanälen. Ich weiß, wovon ich rede, denn ich habe mir ein paar von denen angeschaut und angehört, weil ich mich vorurteilsfrei aus verschiedenen Quellen informieren möchte.
Ich stellte fest: Wer genau hinhört, merkt schnell, wo die Schwachstellen dieser „Enthüllungen“ sind – aber viele Verschwörungsgläubige hören ja nur noch kritisch hin, wenn etwas von seriösen „Mainstream“-Medien kommt.
Dabei wissen sie noch nicht von einer wahrhaft skandalösen Verschwörung: Rechtsradikale, „Reichsbürger“, durchgeknallte Sektenführer, russische und chinesische Agenten und Trumps nun abgelöster US-Botschafter (der Merkel ebenso hasst wie sein Chef) haben unbemerkt eine Substanz in das Kerosin sämtlicher Verkehrsflugzeuge gemischt, die Deutschland überfliegen. Die Kondensstreifen dieser Flugzeuge verteilen Verdummungs-Aerosole über das Land. Wie die Corona-kritischen Demos zeigen, haben sie damit schon Erfolge erzielt, besonders bei Leuten, die sich nicht mit Gesichtsmasken schützen.
Damit Ihr das glaubt, gehe ich mit dieser Enthüllung morgen in die sozialen Netzwerke und eröffne zusätzlich einen YouTube-Kanal, wo diese Verschwörung aufgedeckt wird. Parole: „Endlich Beweise!!“ Wetten, dass ich hohe Klickzahlen kriege?
W. R.

*Coronaleugner demonstrieren in Berlin: „Ihr denkt, ihr werdet verschont von den Tribunalen? Werdet ihr nicht!“ – Berlin – Tagesspiegel.

bienenfleißig

m Tag der Bienen schwankt der Sinn zwischen einem sehr sinnvollen, informativen Beitrag zu den Bienen – und einem Artikel über die bienenfleißige Zensur in Polen, wo die regierende PiS alles tut, um weiter an der Rest-Demokratie zu sägen, europäische Werte zu missachten und ihr autoritäres Regime zu festigen. Was dabei Übereifer bewirken kann, liest man hier:

(1) Aufruhr um populäres Radioprogramm in Polen: Ein regierungskritischer Song – und schon wird eine beliebte Sendung abgesetzt – Politik – Tagesspiegel

Aber den informativen, Neues enthaltenden Beitrag über Honigbienen wollte ich Euch nicht vorenthalten. Also entspannt Euch und begebt Euch neugierig ins Reich der Natur: (1) Der 20. Mai ist Weltbienentag: „Im Bienenvolk gibt es keine Verlierer“ – Wissen – Tagesspiegel

Im Übrigen dürfte zumindest den NaturfreundInnen nicht entgangen sein, dass wir schon seit Jahren einen deutlichen Schwund an Insekten verzeichnen. Das ist nicht nur ein Thema für die Wissenschaft, die die (weltweit!) abnehmende Artenvielfalt in der Natur mit Besorgnis beobachtet.

Jeder Mensch, der sich draußen bewegt und nicht die Musikstöpsel in den Ohren hat, sondern mit wachen Sinnen seine Umgebung wahrnimmt, muss bestätigen: Früher war mehr Gesumme in den Wiesen und an den Weihern, und es war bunter durch viele umherflatternde Schmetterlinge und viel mehr Wildblumen.

Wie ertragen die das?

IR sehen, es geht: Ein großes Land wählt einen inkompetenten Dödel zum Präsidenten, der sich durch schlechtes Benehmen, großmaulige Ankündigungen, schamloses Selbstlob, und irrlichternde Entscheidungen immer wieder selbst disqualifiziert. Und dennoch, oder gerade deswegen, lieben und unterstützen ihn seine Anhänger, denn seht, er ist einer von uns, er redet und benimmt sich wie wir, wir verstehen ihn und er uns, einen besseren Präsidenten können wir uns gar nicht vorstellen.
So scheint das für Donald Trump zu funktionieren. Und wenn er Glück hat, kann das sogar für seine Wiederwahl funktionieren. Jedenfalls ordnet er alles diesem Ziel unter. Das Wohl des Landes interessiert ihn nur soweit, wie er sich als mächtiger Präsident wohlfühlen und in Szene setzen kann. In den Augen von Menschen, die nicht zu seinen Wählern und Anhängern zählen, ist er eine schlechte Karikatur eines geltungssüchtigen Möchtegern-Fürsten mit absolutistischem Glanz. Solche Kritik stört aber einen Trump nicht, ihm ist nur wichtig, bei seinen Anhängern gut anzukommen.
Man möchte eigentlich gar nicht mehr über ihn reden, aber das geht nicht, wenn so ein unreifer Kindskopf dieses Amt innehat und einfach nicht die Klappe halten kann – und wieder mal Mist baut, für den Andere verantwortlich sein sollen. Es gibt dafür mittlerweile zahlreiche Beispiele. Und weil er es nicht versteht, dass es gut wäre, auch mal den Mund zu halten, liefert er zuverlässig immer neue Klöpse und Aufreger. Er muss zu Allem unreflektiert seinen Senf geben, am liebsten über Twitter; das kommt seinen knappen, kindisch übertriebenen Formulierungsmöglichkeiten entgegen.

Aber genau damit verhält er sich so wie die Mehrheit der Menschen, die in den „sozialen Netzwerken“ unterwegs sind: Nachricht und Unfug werden oberflächlich wahrgenommen, nebeneinander gestellt, gleichwertig konsumiert, und spontan gelikt, kommentiert, geteilt. Auch Trump hat keine Ahnung, was guter Journalismus ist, für ihn ist eine Meldung bei den rechtslastigen Fox-News, die ihm spontan gefällt, mehr wert als ein Artikel in der New York Times, der nach den Regeln des Journalismus recherchiert wurde und dessen Autor seine Quellen kritisch geprüft hat.

So beschimpft er denn auch Vertreter des Qualitäts-Journalismus auf seinen Pressekonferenzen oft: „You are Fake News!“ Denn Kritik und kluge Einwände mag er gar nicht, und demgemäß verhält er sich, er lobt, er beschimpft, er prahlt aus dem Bauch heraus. Mit der Wahrheit nimmt er es auch nicht genau, er lässt sich beim Lügen ertappen, er sucht die Schuld für seine Fehler immer bei Anderen – eine Erklärung dafür, dass in seinem Beraterkreis eine hohe Fluktuation herrscht. Das verstärkt noch die Tendenz zu sprunghafter und planloser Politik.

Schlimmer geht immer: In der Corona-Krise heizt er die aggressive Stimmung an, spaltet weiter das Land, ruft indirekt zum Sturz von Gouverneuren auf, die wirksame Maßnahmen durchsetzen – sofern es Demokraten sind: „Befreit Michigan!“ Und schon rotten sich bewaffnete Demonstranten vor dem Gouverneurs-Amtssitz zusammen. Das bewegt sich schon gefährlich in die Nähe eines Bürgerkriegs.

„Make America great again“ – dass ich nicht lache! Trump demontiert das Ansehen der USA wie ein Horrorclown. Armes Amerika! Da bleibt einem das Lachen im Halse stecken. Wie ertragen die Vernünftigen im Lande das nur?*

W. R.

*Antwort: gar nicht. (5) Eine Weltmacht höhlt sich selbst aus: Die USA sind auf dem Weg zu einem „failed state“ – Politik – Tagesspiegel

Nachtrag am 04.05.2020: Wie könnte es anders sein, nicht nur in den USA, sondern auch bei uns versuchen verschiedene Akteure, auf der Corona-Krise ihr eigenes Süppchen zu kochen: „Das wird man ja wohl mal sagen dürfen“: Der fehlgeleitete Furor der Corona-Kritiker – Politik – Tagesspiegel

Aktueller Einwurf Juni 2020:

Nachtrag im Juli 2020: Wer die Nachrichten verfolgt, sieht, dass es über Trump im Prinzip nichts Neues zu melden gibt. In der Bevölkerung scheint aber der Überdruß an seiner Schaumschlägerei zu wachsen. Denn die Menschen müssen seine verfehlte Politik der Verharmlosung des Covid 19 Virus ausbaden. Sie glauben immer weniger seinen markigen Beteuerungen des „Wir haben alles im Griff“. Und sein autoritäres, brachiales Vorgehen gegen Demonstranten kommt nicht gut an bei Leuten, die noch an die Demokratie im Lande glauben wollen.

Typisch für Trump sind auch seine sprunghaften Kehrtwendungen. Monatelang lehnte er es ab, mit Mund-Nasen-Schutz aufzutreten. Dann plötzlich zeigt er sich mit Maske und sagt, er habe nie etwas gegen die Masken gehabt. Dass seine Anhänger ihrem Vorbild folgten und mehrheitlich seine Wahlveranstaltungen ohne Masken besuchten, dass danach die Infektionszahlen in derselben Gegend sprunghaft anstiegen – das interessiert einen Trump nicht. Hauptsache, er hatte seine Show.

Sieben Jahre schon

Sieben Jahre schon beglückt diese Website fu-frechen.de den interessierten und denkbereiten Teil der Welt. Offizieller Start war am Welttag des Buches, damit verbunden war ein Statement: Diese Website ist wie interessante Bücher für Leute gemacht, die nicht dem hektischen Konsum, sondern dem bedachten, mitdenkenden Gebrauch von Kulturgütern frönen. Erst in dieser Zeit der Corona-Krise geht vielen Menschen auf, dass die verbreitete Hektik „vor Corona“ nicht das Maß allen Lebens sein kann… So nehmen sich manche – teils genötigt durch das „stay-at-home“-Prinzip – endlich mal Zeit, in Ruhe zu sichten, was im Internet auf sie einflutet, sie lernen ein Stück weit, genauer hinzusehen und hinzuhören, und auszuwählen. Und manch Eine/r macht die Erfahrung, dass sich beim Husch-Husch-Zappen durch möglichst viele Kanäle und Websites Manches leicht überhört oder übersieht, was Einem/r erst beim zweiten Hinhören bzw. Hinsehen auffällt. Und dabei dämmert irgendwann auch die Erkenntnis: Man verpasst vielleicht mal etwas, wenn man Einiges weglässt, aber man gewinnt auch Lebensqualität, wenn man auswählt und das dann umso mehr genießt/auswertet/wertschätzt. Also: mehr Klasse, weniger Masse.

Am 23. April, dem Welttag des Buches, sei auf die Unterseite >F.U.F.-Bibliothek hingewiesen. Alles Weitere dort!


Es geht ohne „starken Mann!“

In der Corona-Krise fallen die Masken der Populisten und Autokraten (Selbstherrscher). Erst leugnen sie die Pandemie, dann überlegen sie, wie sie die Krise für sich nutzen können: Sie spielen „Starker Mann“ und sperren die Landesgrenzen (weil angeblich alles Schlechte mal wieder aus dem Ausland kommt), als Nächstes greifen sie zum weitreichenden Mittel einer Ausgangssperre; doch sie erweisen sich als unfähig und machtlos gegen die Krise.

Let’s think of the wavering millions
Who need leaders but get gamblers instead
(heißt es in Salt of the Earth, einem Lied der Rolling Stones)

Leider sind die „wavering millions“ (kann man übersetzen mit „wankelmütige Massen“) in gewisser Hinsicht auch unbelehrbar. So gab es in der Nachkriegszeit in Deutschland viele Menschen, die in der Nazizeit sozialisiert waren und im Bestand ihrer eingetrichterten Lebensweisheiten einfache Botschaften mitschleppten wie den Mythos vom „starken Mann“, der in schwieriger Lage „durchgreifen“ und „Ordnung schaffen“ sollte/könne/müsste/werde, Menschen, die den Parlamentarismus der westlichen Demokratie mit dem Diskutieren und Debattieren verschiedener politischer Lösungen als zu langwierig und als geistig anstrengend empfanden und daher für „schnelle Lösungen“ plädierten, dabei auch brachiale Hauruck-Verfahren in Kauf nehmen wollten (solange sie selbst davon nicht Schaden nahmen).

Und in Ländern, in denen die Menschen jahrzehntelang von sozialistischen Diktaturen gegängelt und kontrolliert wurden, fehlt Vielen ohnehin die politische Bildung, um sich vorzustellen, wie parlamentarische Demokratie funktioniert, und wie Wahlen mit einem durch freie Medien informierten Wahlvolk funktionieren.

Leider scheint das auch auf viele Menschen im „Mutterland der Demokratie“, in Großbritannien, zuzutreffen. Wie sonst erklären wir uns die Brexit-Abstimmung? Ja klar, zuerst damit, dass nicht „leaders“, sondern „gamblers“ das Wahlvolk in den Brexit getrieben haben, denen persönliche Profilierung und Parteipolitik wichtiger waren als das Wohl des Landes und seiner Bevölkerung. Erst recht sehen wir solche Machtpolitik in der Türkei, wo gerade (wegen Corona) jede Menge Kriminelle aus den überfüllten Gefängnissen entlassen werden, während die Massen an politischen Häftlingen drin bleiben — weil Präsident Erdogan das so will. Da haben wir ein „schönes“ Beispiel für den Unfug vom „starken Mann“, der angeblich einem Land gut tut.

Gegen diesen Unfug hilft nur, eine Demokratie, wo sie vorhanden ist und leidlich funktioniert, vor der Gefahr der Aushöhlung durch Machtkonzentration, Aufhebung der Gewaltenteilung und Einschränkung der Meinungsfreiheit zu schützen. Was diese Bedrohung anrichtet, sehen wir derzeit z.B. in Ungarn oder Polen.

Aber auch der Troll im Weißen Haus in Washington tut so, als sei die in der Verfassung verankerte Gewaltenteilung etwas Lästiges und Überflüssiges, jedenfalls da, wo sie seinem Ego und seinen persönlichen Interessen im Wege steht. Sein platter Slogan „Make America great again“ ist ein gutes Beispiel für nationalistische Augenwischerei. Egomanen wie Trump unterscheiden nicht zwischen nationalem Interesse und Eigeninteresse, sie meinen: Ist doch klar, dass mein Vorteil der des Landes ist. So wird in vielen Ländern Nationalismus als Ablenkung und Betrug am Wähler benutzt, von China bis Großbritannien, von Russland bis in die USA, und bis Brasilien. Und auch bei uns, wer hätte das gedacht, versuchen einige Polit-Chaoten, die nationalistische Karte zu spielen und die Leute zu behumsen, als lebten wir in den 1930er Jahren.

Wollen wir hoffen, dass es weiterhin in diesem Lande genug Leute gibt, die politisch gebildet und wachen Geistes aufpassen, dass die Lehren aus den Diktatur-Zeiten in Deutschland nicht vergessen werden. Es wäre schön, wenn auch im übrigen Europa die Menschen das Denken nicht vergessen würden und sich erinnern, was für Unheil uns droht, wenn wir wie Lemminge den Volksverführern hinterherlaufen.

W. R.

P.S.  Der Bundestag beschließt am 27.03.20 im beschleunigten Verfahren ein Gesetzespaket zur Unterstützung der Wirtschaft. Gut so, denn damit beweist das demokratische System, dass es in der Krise handlungsfähig ist (und keinen „starken Mann“ braucht).

P.P.S. Ungarns „starker Mann“ Victor Orban ergreift am 30.03.20 die Gelegenheit, anlässlich der Corona-Krise mit einem Ermächtigungsgesetz seine Macht auszuweiten (Das Parlament entmachtet sich selbst per Beschluss) und gleich auch noch die Presse- und Meinungsfreiheit weiter zu reduzieren. Heil, Orban! — oder was? Was nun, Wertegemeinschaft Europäische Union? Man denke mal in Ruhe über die Folgen nach: Ungarn: Viktor Orbán beschädigt die Demokratie – DER SPIEGEL  Der Schaden ist größer, als es auf den ersten Blick scheint!

Die USA sind auch derzeit mit einem „starken Mann“ gesegnet, der nicht einmal merkt, was für eine unernste Figur er macht: Vom Coronavirus völlig überfordert: Trumps Narzissmus wird zur tödlichen Bedrohung für die USA – Politik – Tagesspiegel

Die Evangelikalen, die Trump und Bolsonaro begeistert unterstützen, behaupten: Die Corona-Pandemie ist eine Strafe Gottes für die Sünden der Menschen. Nicht gerade originell, das Muster war schon im Mittelalter gängig in den christlichen Kirchen. Und welche Sünden straft Gott jetzt? Die Evangelikalen haben es direkt von Gott erfahren: Sexuelle Freizügigkeit, Abtreibungen, offen gelebte Homosexualität, und alles, was einem Konservativen in einer

Trump: 2015 zeigte er schon, wes Geistes Kind er ist

modernen, offenen Gesellschaft missfällt. Wer käme da noch auf den Gedanken zu überlegen, ob Gott nicht andere Sünden missfallen, z.B. der Missbrauch der christlichen Religion für tagespolitische Zwecke, z.B. die Instrumentalisierung Gottes für ganz irdische Auseinandersetzungen, etwa um eigene Moralvorstellungen durchzusetzen, z.B. die Leugnung der ursprünglichen Botschaft eines Jesus von Nazareth… durch Waffenverherrlichung und Förderung einer frauenfeindlichen Gewaltkultur.

Klopapier gegen Coronaviren?

OTRUF wählen, weil im Supermarkt das Klopapier alle ist. Geht’s noch? Ein Witz? Nein, so geschehen am letzten Wochenende in einem Kölner Stadtteil. Ist das Dummheit oder Unwissen? Oder ist das ein sicheres Symptom dafür, dass der Homo Sapiens zu degenerieren beginnt?
Wer hat denn so wenig Durchblick, dass er für solche Sachen den Notruf wählt, der nur für Fälle eingerichtet wurde, in denen es um Leib und Leben geht und schwere gesundheitliche Schäden verhindert werden sollen? Man denkt: Sowas weiß doch jede(r). Denkste!
Ebenso daneben ticken Leute, die Rettungssanitäter oder Feuerwehrleute anpöbeln und angreifen. Das ist auch mit Drogen (z.B. Alkohol) nicht zu entschuldigen, denn sowas sollte einfach tabu sein. Ist es ja auch für die Mehrheit der MitbürgerInnen. Aber wieso nimmt die Minderheit der Dummen und zugleich Gewalttätigen zu?
Vielleicht liegt es daran, dass der Trend zu mehr individueller Freiheit bei einigen Leuten den Irrtum auslöst, ohne Regeln und Einschränkungen funktioniere das Leben noch viel besser. Man erlebt das heutzutage öfter z.B. im Straßenverkehr, und zwar nicht nur bei Autofahrern. Man beobachtet vermehrt egoistisches Verhalten, gepaart mit rücksichtsloser Ellbogenmentalität.  Aber selbst bei eigentlich harmlosen Dingen wie Feiern schütten sich vor allem jüngere Menschen so mit Alkohol zu, dass sie desorientiert und bald besinnungslos, auf jeden Fall würdelos Unfug und Pöbeleien veranstalten. Ist das so toll, die Sau rauszulassen bei (vermeintlicher) Freiheit von Verantwortung?

Vielleicht ist es z.T. auch eine Folge des Jugendwahns: Unter Jungsein verstehen Viele nicht nur körperlich fit und gutaussehend sein, sondern auch mental unbeschwerter, spontaner, risikofreudiger und hemmungsloser (gern unter Drogeneinfluss) zu handeln. So laufen denn z.B. vermehrt ältere Menschen spontan über die Straße, ohne auf eine größere Lücke im Verkehr zu warten oder die paar Meter bis zum Zebrastreifen zu gehen. Bleibt man so länger jung, oder erhöht man so lediglich sein Unfallrisiko? Oder ist das der Mode geschuldet, spontanen Bauchentscheidungen zu folgen, ohne den Verstand zu beteiligen?

Es ist geradezu Realitätsverweigerung, wenn Menschen in der gegenwärtigen Corona-Krise alle Warnungen ignorieren, keine Sicherheitsabstände einhalten, sich sogar in Gruppen treffen; und da gibt es sogar welche, die glauben, sie müssten sich schnell infizieren, um dann auch schnell immun zu sein gegen erneute Ansteckung. Selbst schuld? Wenn es nur sie allein beträfe! Aber sie stecken Andere an, ehe sie überhaupt wissen, dass sie infiziert sind, und sie verursachen womöglich das vorzeitige Sterben von Älteren, mit denen sie in Kontakt kommen.

Und ganz egoistisch gesehen: Wer weiß denn, wie im Fall einer Infektion sein eigener Krankheitsverlauf sein wird? Wer auf die Vorsichtsregeln von Experten schon nicht hört, der weiß doch erst recht nicht, was bei einer Erkrankung auf ihn zukommt. Wer weiß denn, ob nur Menschen aus der „Risikogruppe“ der Alten und Vorerkrankten daran sterben können? Selbst die Virologen können derzeit keine sicheren Aussagen darüber machen, sie lernen das Virus erst kennen.

Es kursierte bei jungen Leuten einmal der Spruch: „No risk, no fun.“ Selten habe ich einen dümmeren Spruch gehört! Frau/man kann eine Menge Spaß und Lebensfreude genießen, ohne dabei gefährliche Risiken einzugehen. Ich würde sogar so weit gehen zu behaupten: Es macht Spaß und erfüllt eine/n mit großer Genugtuung, wenn frau/man besonnen und mit Verantwortung für sich und Andere handelt. Und dann kommt man auch nicht auf die Idee, Klopapier zu horten oder Experten-Ratschläge zu ignorieren.

W. R.

P.S.(1)  Wie schon oft, tauchen auch zu diesem Thema angebliche Experten auf und behaupten Dinge, die die Bevölkerung verwirren. Ein Lungenfacharzt geht derzeit damit hausieren, dass es gar keine gefährliche Pandemie gebe und das aktuelle Corona-Virus wie andere zuvor nur wieder ein Erkältungserreger sei. Dem widersprechen andere Wissenschaftler heftig: Das aktuelle Virus aus der großen Familie der Corona-Viren verhält sich anders als zuvor bekannte Viren dieser Gruppe.

Hatten wir nicht vor einiger Zeit schon mal einen Lungenfacharzt, der zu einem aktuellen Thema der allgemeinen Ansicht der Wissenschaft widersprach und sogar in mehreren Talkshows im Fernsehen auftrat? Als er dann massiv widerlegt wurde, hörte man nichts mehr von ihm. (Da ging es um Grenzwerte beim Schadstoff-Ausstoß von Diesel-Fahrzeugen.)

Inzwischen ist es aber offenbar noch leichter, Falschmeldungen im Internet zu streuen und Verwirrung zu stiften. Ich sag jetzt mal: Dahinter steckt eine Verschwörung, um unseren Staat zu destabilisieren. Wie das? Ganz klar: Da treten Leute auf, die sich mit konträren Thesen wichtig machen wollen, ferner agieren da Leute aus dem „Flügel“, „Reichsbürger“, diverse rechtsradikale Kampfgruppen, Putins Trollfabriken, und Hobby-Unruhestifter, um das Vertrauen in unsere Regierung und die Institutionen zu untergraben — damit es zu Chaos kommt, das bewaffnete Hitler-Fans nutzen wollen, um ihren „Tag X“ ausrufen und die Macht zu ergreifen (wovon sie unentwegt träumen).

Und ich vergaß zu erwähnen: Die Corona-Pandemie ist eine Erfindung der US-Demokraten (sagte Donald Trump), schließlich war die Klimakatastrophe (laut Trump) ja auch eine Erfindung der Chinesen oder ist zumindest maßlos übertrieben. Und ich sage Euch: Gegen Corona-Infektion hilft Unmengen Cola saufen (weil ich gerade ein Aktienpaket von denen gekauft habe), und… Wollt Ihr noch mehr Unsinn lesen und glauben? Dann „informiert“ Ihr Euch am besten gleich bei Fox News (Trumps Lieblingskanal) und bei RT (von Putin finanziert).

Nachtrag dazu: Wer sich eine ganze Palette von verqueren bis abstrusen Wortmeldungen zum Thema Corona antun möchte, klicke diesen Link an: (5) Verschwörungstheorien zum Coronavirus: Die Schäbigen, die Tödlichen und die Saudummen – Reportageseite – Tagesspiegel  Und versucht nicht, mit Anhängern von Verschwörungs-„theorien“ zu diskutieren! Wollt Ihr Leuten mit Fakten kommen, die unbedingt an fantastischen Schwachsinn glauben wollen? Da tut’s auch der Glaube an den Weihnachtsmann: Kann man den sachlich widerlegen?

P.S.(2)  In den Medien fragen manche Journalisten, ob und wie lange sich die Leute gefallen lassen, dass ihre persönlichen Freiheiten, ihre Grundrechte eingeschränkt werden. Hallo? Will da jemand die Menschen zur Unvernunft aufwiegeln? Es ist doch zuallererst meine persönliche Freiheit, nach meinem eigenen gesunden Menschenverstand zu handeln und deshalb den Empfehlungen der kompetenten Gesundheitsexperten zu folgen! Das schränkt meine Freiheit überhaupt nicht ein, weil ich das tue, was ich tun will — nämlich meine Gesundheit schützen, so gut es geht nach dem aktuellen Stand der Wissenschaft. Wer dagegen opponiert, ist entweder nicht ganz bei Trost, oder ist sowieso gegen alles, nach dem pubertären Motto: Ich lasse mir von niemandem vorschreiben, was ich zu tun habe. Deshalb schlage ich auch gute Ratschläge in den Wind – aus Trotz, nicht aus besserem Wissen.

Pubertär oder kindisch, jedenfalls hat Trump mit dem anfänglichen Abwiegeln ein Eigentor geschossen. Und dem Land geschadet. Die hochfliegenden Börsenkurse und eine gute Wirtschaftslage, die er seiner „fantastischen“ Politik gutschrieb, sind dahin, dunkle Wolken verdüstern damit auch die Aussichten auf seine Wiederwahl…

Denken würde helfen

Was für ein abgestandener Gedankenmist ist das denn? Da gibt es, kaum zu glauben, immer noch einige Leute, die nicht mitbekommen haben, wie daneben gegriffen die Ideen von einer „Überlegenheit der weißen Rasse“ und der Werteskala von menschlichen „Rassen“ überhaupt sind. Wir schreiben das 21. Jahrhundert, die Wissenschaft ist längst über die Irrtümer von Rassetheorien hinweggegangen!
Aber das ist der Fluch des Internets: In „social media“, in Foren, in Kommentarspalten wird jede Menge Unsinn gesülzt, und immer gibt es ein paar un-informierte Schwachmaten, die nicht klar denken und auf Unsinn hereinfallen. Diese Sülze im Internet produziert offenbar eine Menge Opfer von Fake News.
Auch die Täter von ausländerfeindlichen Mordtaten sind in diesem Sinne Opfer, nämlich Opfer ihrer Leichtgläubigkeit und Verirrung in einer Echokammer im Internet. Aber wer kein kritisches Denken gelernt hat, der hat es auch nicht leicht, oberflächlichen und irreführenden Unsinn zu durchschauen. Das ist traurig — und in der Demokratie gefährlich. Denn die Stimmen von Schwachmaten (nennen wir sie mal so, und nicht schärfer) zählen bei Wahlen ebenso wie die von denkenden Menschen, die sich über Politik eine sachlich begründete Meinung bilden.

Aber bevor wir die in die Irre Denkenden bedauern und bemitleiden, hüten wir uns vor Verniedlichung und Bagatellisierung: Die Mordtaten und Anschläge der letzten Jahre, die aus braun verseuchter Hirnsuppe entstanden, sind alles Andere als Streiche Verirrter und Gutgläubiger. Strafrechtlich gibt es da kein Vertun.

Und außerhalb der Strafverfolgung gibt es auch kein Vertun: Wer meint, dass es doch nicht schlimm sei, Menschen nach Herkunft oder Aussehen zu kategorisieren und unterschiedlich zu bewerten; wer von einer „Überlegenheit der weißen Rasse“ schwadroniert und sich einbildet, als weißer Mann etwas Besseres zu sein; wer die Fantasie von einer „jüdischen Weltverschwörung“ und derlei Unfug für eine reale und bedrohliche Sache hält; wer meint, Menschen allein nach Äußerlichkeiten beurteilen zu müssen — der oder die macht sich lächerlich, zumindest in den Augen der Menschen, die Menschenkenntnis und Lebenserfahrung haben; und der oder die stellt sich ins Abseits bei Menschen, die auf der Höhe des wissenschaftlichen Standards und der Allgemeinbildung miteinander reden und diskutieren.

Wer bräunlichen Mist glauben oder vertreten will, begibt sich selbst in ein Getto von geistigen und moralischen Schwachmaten. Tja, leider ist das so. Punkt. Und ja: Denken würde helfen, um da wieder herauszukommen. Und Selbst-Denken hilft, um da gar nicht erst zu landen.

Das wirst auch Du können, Du Homo Sapiens, dem Gott ein Hirn und (hoffentlich) eine Portion Verstand mit auf den Weg gegeben hat. Du musst nur lernen, davon Gebrauch zu machen.

W. R.

Schilda in Thüringen?

Nicht im Erfurter Rathaus, sondern im Landtag von Thüringen schien dieser Tage Licht zu fehlen. Diejenigen CDU- und FDP-Abgeordneten, die das Spiel der AfD nicht durchschauten, hätten Erleuchtung gebraucht. Und die, die es trotz der erkannten Möglichkeit darauf ankommen ließen, dass die Demokratie beschädigt, dass der Wählerwille ignoriert, dass Parteibeschlüsse beiseite geschoben wurden, hätten mal vorher bei Licht in den Spiegel schauen und sich fragen sollen, ob sie dieses Verhalten in Ordnung fanden. Und da muss man auch in die Parteizentralen in Berlin blicken und fragen, ob es da an Licht und Klarheit mangelte… Weiterlesen

Gedenktag – und DENKtag!

Am 27. Januar ist Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus. Der Tag wurde gewählt als Erinnerung an die Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz im Jahr 1945.
Der Zvilisationsbruch des millionenfachen, organisierten Massenmordes ist so unerträglich, dass es sogar Leute gibt, die das Unfassbare einfach nicht wahr haben wollen. Diese Holocaust-Leugner sind halt zu schwach, um die historischen Fakten auszuhalten, sie wollen die Schande dieser Verbrechen nicht eingestehen. Es soll nicht sein, was nicht sein darf: Die Deutschen, die sich gern als „Volk der Dichter und Denker“ bespiegelten, wollten die Augen davor verschließen, dass dasselbe auch als „Volk der Richter und Henker“ gelten konnte.
Aber Leugnen hilft nicht, weder beim Holocaust noch beim Klimawandel. Im Gegenteil: Je länger man einen Teil der Wirklichkeit leugnet und ausblendet, desto größer wird der Schaden. Jeder in Psychologie bewanderte Mensch kann Ihnen das erklären: Verdrängung beseitigt das Problem nicht, es brodelt unter der Oberfläche weiter, besonders, wenn dabei Schuldgefühle im Spiel sind.
Aus einem Schuld-Dilemma gibt es nur einen möglichen Ausweg: Ein Geständnis und eine ehrliche Aussprache zwischen Täter und Opfer — und dann vielleicht ein Verzeihen von Seiten des Opfers. Dazu müssen die Beteiligten viel seelische Kraft aufbringen, und ein Gelingen ist nicht sicher: Ausgang offen.

Im Fall Holocaust haben wir es mit zwei Ebenen zu tun: Da ist einmal die Ebene der Täter, ihre persönliche Verantwortung für Mordtaten und Beihilfe zum Mord. Das sind die Ausführenden, aber daneben gibt es die Glieder in der Befehlskette, die höheren Vorgesetzten, die wussten, was sie anordneten, und es gibt die Organisatoren, die dazu beitrugen, dass der Massenmord in großem Stil durchgeführt werden konnte. Und außerdem gibt es noch diejenigen, die von der KZ-Maschinerie der SS profitierten, indem sie billige Arbeitskräfte mieteten. Wir wissen inzwischen aus verschiedenen Prozessen, in welcher Weise bei diesen Helfern und Profiteuren des Unmenschen-Systems Schuld festgestellt wurde, persönlich zugerechnete Schuld, wohlgemerkt. Auf einer weiteren Ebene betrifft die Frage nach Verantwortung und Schuld auch die Deutschen, insbesondere die Unterstützer und Dulder des Nazi-Regimes. Viele Deutsche schämten sich nach dem Krieg, weil sie Hitler auf den Leim gegangen waren und den Weg in Deutschlands Verderben unterstützt hatten. Nicht alle davon wussten oder ahnten das Ausmaß, in dem Verbrechen von Staats wegen verübt worden waren. Deutschland stand am Pranger der Weltöffentlichkeit, und diesmal — anders als 1918 in der Kriegsschuldfrage — konnte man über die Sachlage schwerlich diskutieren.

Aber leider muss man auch sagen: Antisemitismus und Hass auf Juden gab es in Deutschland schon vor der Hitler-Herrschaft. Daher nahm ein Teil der Bevölkerung es Hitler nicht übel, dass er den Antisemitismus besonders betonte. Das ermöglichte den Nazis, dieses Gift weiter in die Köpfe einzuträufeln und den Widerstand bei Vielen zu lähmen, die eigentlich meinten, dass man so mit Menschen nicht umgehen sollte. Wie weit die Nazis gehen würden, war ja auch schwer vorstellbar: Erst eine schrittweise Ausgrenzung aus der Gesellschaft, zunehmende Verleumdung und Entwürdigung, dann Deportation in Ghettos und Lager, und dann in großer Zahl durchgeführte Morde mit dem erklärten Ziel, soviele Juden wie nur möglich zu vernichten, soweit man sie im besetzten Europa greifen konnte.

Und das auf einer irr-sinnigen Grundlage: Sogar die Hirne gebildeter, intelligenter Menschen waren vom Gift des Antisemitismus verseucht, sie glaubten ihren dumpfen Vorurteilen mehr als dem Gebrauch ihres Verstandes. Wie kann sich Homo Sapiens nur so weit von Vernunft und Denken entfernen, dass er diese Gottesgabe nicht angemessen nutzt?

Aber diese Frage beschleicht mich heute auch im Hinblick auf Hass und Hetze, die viele Leute im Netz und in allerlei Mitteilungen absondern. Das ist ähnlich irrsinnig wie der antisemitische Unfug. Wer selbst als Mensch respektiert werden will, kann nicht so über andere Menschen herfallen. Punkt.

W. R.

P.S. Und kommt mir bloß nicht mit der Rechtsaußen-Parole vom „Schuldkult“! Wir alle wissen (wenn wir klar denken): Die Schuldigen am Holocaust und anderer Nazi-Verbrechen sind benannt, es gibt keine Erbschuld, keine Schuld der Nachgeborenen an diesen Verbrechen. Wer aber diese Verbrechen verharmlost oder gar zu leugnen versucht, der lädt in der Tat neue Schuld auf sich, weil er damit versucht, die Konsequenzen aus den Nazi-Verbrechen auszuhebeln, z.B. die Werte des Grundgesetzes (→Art. 1!) und der Demokratie.

Die Bundesrepublik Deutschland als Rechtsnachfolgerin des Deutschen Reiches hat eine Verpflichtung, von Staats wegen angerichtete Schäden nach Möglichkeit wiedergutzumachen. Das kann angesichts des vielfach zugefügten menschlichen Leids natürlich nur  ansatzweise, und manchmal nur symbolisch gelingen. Denn wie soll man etwa die Auslöschung ganzer Familien wieder gut machen?