Archiv des Autors: Wolfgang Reinert

Gedenktag – und DENKtag!

Am 27. Januar ist Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus. Der Tag wurde gewählt als Erinnerung an die Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz im Jahr 1945.
Der Zvilisationsbruch des millionenfachen, organisierten Massenmordes ist so unerträglich, dass es sogar Leute gibt, die das Unfassbare einfach nicht wahr haben wollen. Diese Holocaust-Leugner sind halt zu schwach, um die historischen Fakten auszuhalten, sie wollen die Schande dieser Verbrechen nicht eingestehen. Es soll nicht sein, was nicht sein darf: Die Deutschen, die sich gern als „Volk der Dichter und Denker“ bespiegelten, wollten die Augen davor verschließen, dass dasselbe auch als „Volk der Richter und Henker“ gelten konnte.
Aber Leugnen hilft nicht, weder beim Holocaust noch beim Klimawandel. Im Gegenteil: Je länger man einen Teil der Wirklichkeit leugnet und ausblendet, desto größer wird der Schaden. Jeder in Psychologie bewanderte Mensch kann Ihnen das erklären: Verdrängung beseitigt das Problem nicht, es brodelt unter der Oberfläche weiter, besonders, wenn dabei Schuldgefühle im Spiel sind.
Aus einem Schuld-Dilemma gibt es nur einen möglichen Ausweg: Ein Geständnis und eine ehrliche Aussprache zwischen Täter und Opfer — und dann vielleicht ein Verzeihen von Seiten des Opfers. Dazu müssen die Beteiligten viel seelische Kraft aufbringen, und ein Gelingen ist nicht sicher: Ausgang offen.

Im Fall Holocaust haben wir es mit zwei Ebenen zu tun: Da ist einmal die Ebene der Täter, ihre persönliche Verantwortung für Mordtaten und Beihilfe zum Mord. Das sind die Ausführenden, aber daneben gibt es die Glieder in der Befehlskette, die höheren Vorgesetzten, die wussten, was sie anordneten, und es gibt die Organisatoren, die dazu beitrugen, dass der Massenmord in großem Stil durchgeführt werden konnte. Und außerdem gibt es noch diejenigen, die von der KZ-Maschinerie der SS profitierten, indem sie billige Arbeitskräfte mieteten. Wir wissen inzwischen aus verschiedenen Prozessen, in welcher Weise bei diesen Helfern und Profiteuren des Unmenschen-Systems Schuld festgestellt wurde, persönlich zugerechnete Schuld, wohlgemerkt. Auf einer weiteren Ebene betrifft die Frage nach Verantwortung und Schuld auch die Deutschen, insbesondere die Unterstützer und Dulder des Nazi-Regimes. Viele Deutsche schämten sich nach dem Krieg, weil sie Hitler auf den Leim gegangen waren und den Weg in Deutschlands Verderben unterstützt hatten. Nicht alle davon wussten oder ahnten das Ausmaß, in dem Verbrechen von Staats wegen verübt worden waren. Deutschland stand am Pranger der Weltöffentlichkeit, und diesmal — anders als 1918 in der Kriegsschuldfrage — konnte man über die Sachlage schwerlich diskutieren.

Aber leider muss man auch sagen: Antisemitismus und Hass auf Juden gab es in Deutschland schon vor der Hitler-Herrschaft. Daher nahm ein Teil der Bevölkerung es Hitler nicht übel, dass er den Antisemitismus besonders betonte. Das ermöglichte den Nazis, dieses Gift weiter in die Köpfe einzuträufeln und den Widerstand bei Vielen zu lähmen, die eigentlich meinten, dass man so mit Menschen nicht umgehen sollte. Wie weit die Nazis gehen würden, war ja auch schwer vorstellbar: Erst eine schrittweise Ausgrenzung aus der Gesellschaft, zunehmende Verleumdung und Entwürdigung, dann Deportation in Ghettos und Lager, und dann in großer Zahl durchgeführte Morde mit dem erklärten Ziel, soviele Juden wie nur möglich zu vernichten, soweit man sie im besetzten Europa greifen konnte.

Und das auf einer irr-sinnigen Grundlage: Sogar die Hirne gebildeter, intelligenter Menschen waren vom Gift des Antisemitismus verseucht, sie glaubten ihren dumpfen Vorurteilen mehr als dem Gebrauch ihres Verstandes. Wie kann sich Homo Sapiens nur so weit von Vernunft und Denken entfernen, dass er diese Gottesgabe nicht angemessen nutzt?

Aber diese Frage beschleicht mich heute auch im Hinblick auf Hass und Hetze, die viele Leute im Netz und in allerlei Mitteilungen absondern. Das ist ähnlich irrsinnig wie der antisemitische Unfug. Wer selbst als Mensch respektiert werden will, kann nicht so über andere Menschen herfallen. Punkt.

W. R.

Köln-Notizen 01/2020, Dreikönigstag

Die Heiligen Drei Könige sind in Köln besonders präsent — sind doch ihre Gebeine, geborgen in einem prachtvollen, goldenen Schrein, das Zentrum des Kölner Doms, der für ihre würdige Unterbringung und Repräsentation gebaut wurde. In vielen Kirchen sind sie Teil der Weihnachtskrippenszene, am 6. Januar, ihrem Gedenktag, gesellen sie sich zum Ensemble der Figuren.
Derzeit sind diese drei Figuren in manchen Kirchen nicht präsent, sie wurden entwendet. Damit wollten Aktivisten auf die aktuelle Flüchtlingsproblematik aufmerksam machen. Wieso das? Der Zusammenhang leuchtet kaum ein: Die drei Weisen, Sterndeuter, Könige sind laut Matthäus, der sie in seinem Evangelium auftreten lässt, von Osten nach Jerusalem gekommen, um einen neugeborenen König aufzufinden, zu ehren und zu beschenken, den sie schließlich in Bethlehem finden. Von Flüchtlingen ist da keine Rede. Erst kurz nach dem Besuch der Drei flüchten Maria und Josef mit Jesus nach Ägypten, um Jesus vor der Ermordung zu retten.
Um auf die Situation von Flüchtlingen aufmerksam zu machen, die z.B. auf griechischen Inseln unter unmöglichen Bedingungen in überfüllten Lagern hausen, wären Aktionen sinnvoller, die den Verhinderern einer menschlichen Flüchtlingspolitik in Europa Druck machen und sie nicht mit bloßen Lippenbekenntnissen zu einem „christlich-abendländischen“ Europa davonkommen lassen. „An ihren Taten sollt ihr sie erkennen,“ heißt es ja schon in der Bibel!
Also: Statt Helfer im Mittelmeer zu kriminalisieren, sollten die EU-Staaten sich endlich zu einer gemeinsamen Haltung und konkreten Hilfsmaßnahmen gegenüber Flüchtlingen durchringen, endlich einige schon auf dem Papier vorhandene Maßnahmen umsetzen und sich vor Erdogans Erpressungsdrohungen mit der massenhaften Weiterleitung syrischer Kriegsflüchtlinge nicht in die Hosen machen.
Gut, das ist leicht gesagt, und geredet wurde schon viel. Aber, wie es im Fußball heißt, „entscheidend is auf’m Platz!“
Wenn es nicht die „christlichen Werte“ sind, die Europa hochhält, wie steht es dann mit den Menschenrechten? Deren Respektierung wird nur solange gefordert, wie keine wirtschaftlichen Interessen auf dem Spiel stehen. Da lob ich mir doch den damals vielgeschmähten Fußballer Özil, der neulich öffentlich gegen die Unterdrückung der Uiguren in China protestierte — wofür sich dann wiederum sein Verein offiziell entschuldigen zu müssen glaubte! Immer, wenn Sportler öffentlich politischen Protest äußern, springen viele „Offizielle“ im Dreieck. Das kennt man ja auch aus den USA.
Aber was soll aus dieser Welt werden, wenn wir den Mächtigen und Offiziellen jede Schweinerei durchgehen lassen?
W. R.

Übrigens: Im Januar 2014 gab es bereits einen Blog-Beitrag „Drei Könige“.

Gute Nachrichten

Muster eines jap. Kimonos (Ausschnitt)

ES gibt auch noch gute Nachrichten. He, hallo, Ihr Miesepeter und Weltuntergangsapostel da draußen! Lasst Euch nicht ins Bockshorn jagen! Die Nachrichtenlage mag zwar beschissen sein, doch das liegt auch an der Art der Berichterstattung, und die wendet sich meist an unser alarmistisches Gehirn, das schlechte Nachrichten und Katastrophenmeldungen stärker beachtet als die beruhigenden Mitteilungen. Das ist unser Steinzeit-Gehirn (das wissen wir doch inzwischen, wenn wir gut Informiert sind).
Und weil unsere Medien um Einschaltquoten, Reichweite usw. buhlen, treiben sie in den Nachrichten auch ständig eine neue Sau durch’s Dorf („Bad news is good news“). Das hat u.a. den Nachteil, dass die Leute kaum zum Nachdenken kommen, denn ehe etwas im Bewusstsein gesackt und verarbeitet ist, kommt schon der nächste Aufreger um die Ecke (möglichst in Großbuchstaben, you know what I mean).
Sowas sehe ich mit Unbehagen, da ich zu den Menschen gehöre, die nicht nur Nachrichten sacken lassen, sondern auch Zusammenhänge herstellen wollen. Die sich also bei isolierten Nachrichten auch was denken wollen, sie einordnen und in Ruhe bewerten wollen.
Wer das nicht tut, bleibt oft an der Oberfläche der Dinge und begreift die tieferen Zusammenhänge nicht. Oder er macht gedankliche Schnellschüsse und ordnet Dinge ohne  Nachdenken in irgendwelche Verschwörungstheorien ein. Dafür soll es ja im Internet reichlich Angebote geben, mal dumm-dreist, mal clever ausgetüftelt. Weiterlesen

Danke, Greta!

Nachdem es den rechten Geiferern nicht gelungen war, die Person mit persönlichen Beleidigungen madig zu machen, nachdem es Christian Lindner (FDP) nicht gelungen war, ihr und den anderen jungen Demonstrierenden die Sachkompetenz abzusprechen, bemühten sich weitere Personen, Greta Thunberg und die Bewegung Fridays-For-Future zu diskreditieren. Da war z.B. im ZDF ein Beitrag im „Auslandsjournal“ über einen „Personenkult“ um Greta, den die Autorin da sehen will, da gab es angeblich Greta unkritisch anhimmelnde jugendliche Fans, da wurde ein Stab von Leuten thematisiert, die Gretas PR planen, usw. Im Internet-Begleittext des ZDF stand tatsächlich: „Greta spaltet.“
Da schlag doch einer lang hin! Man glaubt es kaum: Greta T. wird da in ein schräges Licht gestellt, als ob man über einen Donald Trump berichtete! Und das ist noch nicht alles: Nun will man Gretas Glaubwürdigkeit massiv untergraben, indem alle Medien unisono melden, ihre Segel-Überfahrt nach New York habe doch, scharf gerechnet, eine schlechtere CO2-Bilanz, als wenn sie geflogen wäre — was sich nur errechnen lässt, wenn man noch ein paar sidekicks dazuzählt. Aber egal, Hauptsache, es gibt schlechte PR für Greta, man will ja endlich mal Negativ-Schlagzeilen über sie produzieren und vor allem: ihre Glaubwürdigkeit untergraben.
Wer ist „man“? Das sind z.B. Leute, die gewissen „Altparteien“ nahestehen, die Panik bekommen angesichts davonlaufender JungwählerInnen, und da sind Leute, die einer Uraltpartei* (die sich fälschlich „Alternative“ nennt) nahestehen, die Panik bekommen, weil sie nicht mehr die Themen in der öffentlichen Debatte bestimmmen, sondern einem Thema hinterherlaufen müssen, zu dem sie aber auch gar nichts Brauchbares zu bieten haben.
Ist schon bemerkenswert, was alles versucht wird, um Greta vom Sockel zu stoßen. Dabei sind es doch eher die Medien, die ihr einen Promi- und sogar Heldinnen-Status zuschreiben, während sie selbst bei öffentlichen Auftritten auf dem Teppich bleibt und ernsthaft und sachlich zur Thematik spricht.
Wäre ich ein Verschwörungstheoretiker, dann sähe ich jetzt eine konzertierte Kampagne ins Werk gesetzt, die in Berliner Hinterzimmern bei Hintergrundgesprächen zwischen Politikern und Medienleuten ausgeheckt wurde. Solche Theorien braucht aber keiner, der einfach nur seinen kritischen Verstand arbeiten lässt und wie gewohnt fragt: Wer hat in diesem Spiel welche Interessen? Wem geht die Klimadebatte gegen den Strich? Wer möchte lieber ein gemächliches Weiter-so im gewohnten Politikbetrieb, wo die Ungeduld der jungen Leute nur stört?
Selbst-denkenden Menschen brauche ich das nicht zu sagen. Durch Gretas öffentliches Auftreten ist aber Vielen bewusst geworden: Das ist keine jugendliche Ungeduld, das ist das berechtigte Verlangen nach einer lebenswerten Zukunft! Fridays-For-Future hat für Klarheit gesorgt: Wir hören und sehen, wer auf der Bremse steht.

Danke für die Klärung, Greta!

W. R.

 * Uralt-Partei? Das wird klar, wenn man sich anhört, was von der AfD an Äußerungen und Parolen kommt. Das ist inhaltlich Altbackenes und Gestriges, Fremdenfeindlichkeit, Provinzmief, und Reaktionäres. Ansonsten versuchen sie immer wieder, Begriffe umzudeuten, Tabus zu brechen und damit zu provozieren — was ihnen bisher mehr Medien-Aufmerksamkeit brachte, als es ihren inhaltlichen Punkten angemessen wäre (weil die zum Gähnen sind). Aber auch diese Masche nutzt sich auf Dauer ab.

Sie können ja weiter von einem Klimawandel (hört sich eher harmlos an) reden, der natürliche Ursachen habe (prima, da brauchen wir nichts zu ändern und können die Erde weiter verheizen), oder Sie hören mal richtig hin, wenn wirkliche Fachleute die globale Erderwärmung und ihre Ursachen erklären.

Wenn Sie ein Weiter-wie-bisher wünschen und die entsprechenden Politiker wählen, werden Sie in einigen Jahren darüber stöhnen, dass es nun soweit gekommen sei, dass man wirklich nicht mehr viel gegen die katastrophalen Folgen der globalen Erderwärmung tun könne. Die weltweiten Auswirkungen werden uns überrollen und für Alle Folgen haben (allein schon durch die gigantischen Kosten, mit denen die Katastrophen bekämpft werden müssen).

Niemand wird ein Raumschiff zum Mars oder sonstwohin besteigen und die verheizte Erde hinter sich lassen können. Denn dummerweise nimmt die Erderwärmung immer mehr Fahrt auf. Umsiedlung auf den Mond oder den Mars (für wieviele Menschen? 50? 80? 116?) bleibt eine Illusion, schon weil die technischen Voraussetzungen frühestens in einigen Jahrzehnten evtl. in greifbare Nähe kommen, wenn überhaupt. Die Zeit haben wir nicht. Und für 8 Milliarden Menschen ist das eh keine Option.

Nachtrag vom 29.09.19: Dazu ausführlicher > Klimawandel: Es wird Zeit für zivilen Ungehorsam – Kolumne – SPIEGEL ONLINE

Ergänzung vom 30.11.2019: Wir erwähnten ihn früher schon, aber wir müssen wieder an den Kallendresser erinnern und verweisen z.B. auf diesen Artikel: James Black sagte 1977 die Klimakrise voraus – leider arbeitete er bei Exxon – SPIEGEL ONLINE

Noch eine Ergänzung vom 07.12.2019 — auch solche Meinungsäußerungen müssen erlaubt sein! >Hass gegen Kinder im Internet: Habt ein wenig Anstand – Kolumne – SPIEGEL ONLINE —

Nachdem Greta in New York vor der UN-Vollversammlung ihre „How dare you“-Wutrede gehalten hatte, kritisierten Einige sie wegen ihres emotionalen Auftritts. Ja herrgottnochmal,

aus: Kölner Stadt-Anzeiger, 23.12.2019, S. 14

was sollen die jungen Leute denn noch tun neben all den friedlichen Demonstrationen? Auf die große Mehrheit der Wissenschaftler wollen viele Entscheider in der Welt immer noch nicht hören. Da kann einem leicht der Kragen platzen, besonders nach dem Trauerspiel der Klimakonferenz in Madrid. Vielleicht solle man die Klimakatastrophen-Leugner und diejenigen, deren Geschäftsmodell auf dem Weiter-wie-bisher fußt, mal nach Australien zur Brandbekämpfung schicken oder in den bereits verbrannten Regionen Urlaub machen lassen.

Warum bestreiten etliche Leute eigentlich so eifrig das, was 99% der Wissenschaftler sagen? Dazu hier eine sachliche, psychologische Erklärung: EU-Klimapaket: Zerschlagt das Kartell des Nichtstu Da ist nicht nur ein psychologisches Phänomen wirksam, sondern auch Profitgier mächtiger Konzerne, deren Einfluss auf Politik und einen Teil der Medien immer noch das Geschäftsmodell „Weiter-wie-bisher“ propagiert. Das sieht man besonders deutlich im Falle Australiens: Klimakrise in Australien: Verrat an der Bevölkerung – SPIEGEL ONLINE

Apropos Australien: Pressezar Rupert Murdoch beherrscht dort ähnlich wie in Großbritannien einen großen Teil der Medien, und das auf unheilvolle Weise. In Australien verharmlosen seine Zeitungen die Klimakrise und die katastrophalen Buschbrände, um das Kartell von Kohleindustrie und Regierung zu schützen; in Großbritannien hetzten sie viele Jahre lang auch mit Fake News gegen die EU und befeuerten die Brexit-Kampagne. Dazu mehr: Rupert Murdoch: Der gefährlichste Mann der Welt – Kolumne – DER SPIEGEL

Köln-Notizen Aug. ’19

Folgen des Klimawandels berühren uns nicht — oder doch? Na gut, da waren zwei Hitze-Sommer, da waren in verschiedenen Regionen „Jahrhundertfluten“, ja mei, das kann halt passieren, das Wetter ist halt unzuverlässig, oder? Jetzt bombardieren sie uns vermehrt mit Meldungen von Klimaschäden: riesige Waldbrände in Sibirien, zuviel Wärme in der Arktis und schnelles Abschmelzen des Eises, und so.  Fehlt noch ein Sack Reis, der in China umfällt, oder was?
Und jetzt dies: Hier bei uns, z.B. im Kölner Stadtwald, werden vermehrt Buchen und andere Bäume gefällt, weil sie vertrocknen oder wegen Trockenheit anfälliger für Pilze und Schädlinge geworden sind und umzufallen drohen. Und ein Biologe stellt fest, dass er schon mehrere Tigermücken in Köln gesichtet hat (die gehören eigentlich in die Subtropen und Tropen).
Wer mal rausfährt, z.B. ins Bergische Land, sieht schon an der Autobahn immer wieder Fichten, die braun geworden sind oder schon wie Gerippe dastehen. Und beim Waldspaziergang sieht man jede Menge gefällte Fichten, die vom letzten Sturm umgedrückt oder abgebrochen wurden, und von denen die meisten, sogar für Laien sichtbar, von Borkenkäfern heimgesucht worden waren.
Aber so isser, der Homo Sapiens: Was er nicht zur Kenntnis nehmen will, das verdrängt er. Nicht alle sind blöd genug, Donald Trumps Behauptung zu folgen und den (zum großen Teil von Menschen gemachten) Klimawandel als „Erfindung der Chinesen“ abzutun. Aber viele wollen gern glauben, dass alles übertrieben sei und nicht so schlimm. Vor allem wollen die meisten nicht vom Gewohnten lassen und schon gar nicht auf irgendetwas verzichten.
Kein Wunder, dass vielen, vor allem jungen Menschen der Kragen platzt und sie mit der „Fridays-for-Future“-Bewegung der schläfrigen Politik Beine machen wollen. Erste Erfolge sind da, krasses Beispiel ist die Kehrtwende des ergrünten bayrischen Ministerpräsidenten Söder (CSU).
Währenddessen hatte sein Parteikollege Scheuer (Bundesverkehrsminister) den grandiosen

E-Scooter liegen am Stadtwaldgürtel herum, Köln, Anfang August 2019: ein „Beitrag zur Verkehrswende“

Einfall, Elektroroller für den öffentlichen Straßenverkehr zuzulassen — als Beitrag zur Verkehrswende. Mit den Folgen lässt er die Städte allein, es gibt Unfälle, oft werden die Roller einfach irgendwo stehen oder liegen gelassen. Im Nachhinein denkt man über verschärfte Regeln nach.
Der Homo Sapiens Germanicus der Gegenwart will meist auf Gewohntes nicht verzichten, wie schon gesagt, und er will seit Neuestem sich nichts von niemandem mehr sagen lassen. Regeln — wozu? Sollen sich doch Andere daran halten, ich nicht, mir sagt keiner was! Man erlebt es im Straßenverkehr, und auch sonst im menschlichen Miteinander, das oft zu einem Gegeneinander entgleist. Es scheint, als degeneriere bei vielen Exemplaren des Homo Sapiens die Fähigkeit, sich in ein soziales Miteinander einzuordnen. Manche scheinen da geistig überfordert, da vermisst man die soziale Intelligenz.
Ist das eine Art von Wohlstandsverwahrlosung, die in den wohlhabenden Industrieländern um sich greift? Findet deshalb vielleicht auch das Ertrinkenlassen von Flüchtlingen im Mittelmeer Zustimmung in Teilen der Bevölkerung Europas? Man kann doch nicht ernsthaft behaupten, das stehe im Einklang mit den Werten der Europäischen Union — oder etwa doch? Die viel beschworene „christlich-jüdische Kultur des Abendlandes“, moralische Grundlage Europas — was ist sie praktisch wert? Politikergewäsch? Und welche Werte will eigentlich Pegida verteidigen — gegen den Islam?
Entweder haben wir es da durch die Bank mit hohlen Phrasen zu tun, oder diese Menschen wissen überhaupt nicht, wovon sie reden.

W. R.

Nachtrag am 10.09.2019: Erneut widmet der Kölner Stadt-Anzeiger dem Thema Waldsterben im Stadtgebiet einen langen Artikel:

Ist schon traurig! Ausgerechnet Buchen erliegen in großer Zahl der Trockenheit. Diese schönen Laubbäume, Schmuck des deutschen Waldes, deren silbergrau wie Säulen aufragende Stämme mit ihrem geschlossenen Laubdach an manchen Stellen geradezu Natur-Kathedralen bilden…

Wenn es überhaupt gelingt, im veränderten Klima diese Bäume nachzupflanzen, dann brauchen sie 80-100 Jahre, um bei gutem Wachstum die aktuellen Verluste zu ersetzen. Das werden die jetzt jungen Leute kaum noch erleben.

Niedergang

UM Brexit war hier schon am 24.06.2016 Wesentliches zu lesen. Was nicht im Voraus kommentiert werden konnte, ist der politische Wahnsinn, der sich nach dem Referendum in Regierung und Parlament Großbritanniens fortsetzt. Vorläufiger Höhepunkt dieses Dramas um den endgültigen Niedergang Britanniens ist die Meldung, dass ausgerechnet Boris Johnson die größten Chancen hat, nach Theresa May britischer Regierungschef zu werden. Sind die noch bei Trost? Premierminister soll ein überführter Lügner werden, der das Referendum maßgeblich mit Falschbehauptungen beeinflusst hat? Ein politischer Spieler, der das wohlwollende Schulterklopfen von Präsident Trump genießt (Was für eine Empfehlung!!).  Das Land schreddert sich politisch selbst zu Klein-Britannien, demnächst ein noch treuerer Vasall der USA. Das alles ist schlechte Realsatire, dazu fällt den echten Satirikern nichts Neues mehr ein.

Nun mal langsam, wird jetzt Manche(r) denken: „Klein-Britannien“, das ist doch maßlos übertrieben! Ich aber gebe zu bedenken: 1. leidet schon in „Vorfreude“ auf den Brexit der Finanzplatz London und ein großer Teil der britischen Wirtschaft, 2. ist die Einheit des United Kingdom gefährdet, da in Nordirland fast niemand eine neue EU-Außengrenze zur Republik Irland will, und weil in Schottland die Befürworter der schottischen Unabhängigkeit nur darauf warten, mit einem zweiten Referendum doch noch die Loslösung von Großbritannien zu schaffen. In Schottland gab es ja auch 2016 keine Mehrheit für den Brexit.

Aber der Ritt über den Bodensee geht weiter, Boris Johnson ist nun sogar Premierminister geworden (nicht als Folge allgemeiner Wahlen, sondern durch Abstimmung von Mitgliedern der Konservativen Partei alias Tories). Und er setzt seine populistisch-kalkulierten Traumtänzer-Auftritte fort: Er will in seiner ersten Rede als Premier das Land zum großartigsten der Welt machen (wie originell! Trump lässt grüßen) und verspricht eine „goldene Zukunft“. Genau wie Trump tönt er nach seiner Kür nicht staatsmännischer, er bleibt großspurig wie zuvor.

Und sein „Freund“ Trump hilft ihm mit der Aussicht auf ein Freihandelsabkommen. Denn Trump freut sich über alles, was die EU schwächt. Am liebsten verhandelt er sowieso mit jedem Land einzeln, da kann er am besten Druck machen und eine gegnerische Front aufbrechen, die ihm in multilateralen Verhandlungen Paroli bieten könnte.

Was für ein Abstieg, zumindest in moralischer Hinsicht: Großbritannien galt immer als „Mutterland der Demokratie“ und leistete sich dann ein solches, mit falschen Behauptungen und einer Prise Fremdenfeindlichkeit manipuliertes Referendum. Und danach behaupten britische Politiker steif und fest: Das Volk hat gesprochen, wir müssen jetzt den Willen des Volkes respektieren und ausführen: bloß kein neues Referendum! (Denn einige Leute sind aufgewacht und wollen nicht mehr Stimmvieh für Lügner sein, die sie respektlos hinter’s Licht geführt haben.)

Und Trumps Amerika ist auch zum rassistischen Zerrbild dessen verkommen, was der Welt einmal mit seiner Unabhängigkeitserklärung (1776) eine großartige Erklärung der Menschenrechte lieferte.* Trumps weißer Rassismus, seine Frauenfeindlichkeit und seine rabaukenhafte Amtsführung ohne Respekt vor der Verfassung (und der Würde seines Amtes)  lassen die USA als Vorbild für Demokratie verblassen. Seine Äußerungen und sein Auftreten werden zunehmend bizarr. Entweder wollen die USA solch einen Mann nicht mehr im Amt dulden — oder die USA sind nicht mehr die ideelle Führungsmacht des „Freien Westens“, somit müsste die Freiheitsstatue dauerhaft verhüllt werden (was de facto schon mit vielen Maßnahmen geschieht).

Außerdem macht Trump die Welt unsicherer, indem er multilaterale Abkommen kündigt, indem er mit dem Knüppel „Strafzölle“ um sich schlägt, indem er sich oft aufführt wie ein Mafioso. Nun schwächt er auch noch den Verteidigungshaushalt der USA, um endlich Geld für sein Propaganda-Projekt der Mauer an der mexikanischen Grenze zu bekommen. Auch die Todesstrafe soll an Bundes-Gefangenen wieder vollstreckt werden… Alles, um seine reaktionären weißen Wähler zu beeindrucken. Für den Wahlkampf zur Wiederwahl müssen eben auch ein paar Menschenleben geopfert werden.

Was sind das bloß für Politiker, die da mit populistischen Wellen an die Macht gespült werden! Für Moral und menschlichen Anstand scheint es in manchen Ländern derzeit keine Mehrheit zu geben. Überforderte Menschen wählen Steinzeit-Parolen, haben dabei ein gutes Bauchgefühl und glauben jeden Schwachsinn, wenn nur die Vokabeln „Heimat“, „Volk“ und „Vaterland“ darin vorkommen. Das ist so kuschelig-retro wie das schöngemalte Bild der Vergangenheit, in die man zurück will. Wollt Ihr? Dann baut schon mal neue Luftschutzbunker und hamstert Vorräte für den nächsten Krieg. Und wenn es klopft, öffnet die Tür, ehe sie von einem Gestapo- oder Stasi-Kommando eingetreten wird. Auch das war Teil eurer ach so kuscheligen Vergangenheit!

Dann schafft auch alle Kalender ab, die die Fake-News verbreiten, dass die Zeit voranschreite und sich nicht zurückdrehen ließe. Und das Wort „Zukunft“ darf nur noch benutzen, wer wie BoJo „goldene Zukunft“ sagt und verspricht, uns dahin zu führen. Wenn Desorientierung und Verblödung eine Mehrheit befallen haben, gibt es eben kein Halten mehr.

SR

 * mehr dazu >6. Die amerikanische Unabhängigkeitserklärung | Netzwerk Menschenrechte

Nachtrag am 30.08.2019: Was BoJo von Demokratie hält, zeigte er diese Woche mit seinem Coup, das Parlament in verlängerte Ferien zu schicken — bis 2 Wochen vor dem EU-Austrittsdatum (31.10.1019). Zum Machterhalt ist ihm auch dieses Mittel recht, wie Trump inszeniert er sich (schon im Wahlkampf für zukünftige Parlamentswahlen) als „starker Mann“, der sich durchsetzt ohne Rücksicht auf Verfassung und politische Regeln.

Aber jeder ist zu irgendwas gut, und sei es nur als schlechtes Beispiel. BoJo zeigt uns allen, wie Populisten mit nationalistischen Parolen ein Land ruinieren, sobald sie an der Macht sind.        mehr >Parlamentarismus – Volk + Anführer = nationale Größe? – Politik – Süddeutsche.de

Nachtrag am 15.09.2019: Was der ganze Brexit-Unfug wirklich bedeutet, beleuchtet aus kritischer Distanz dieser Kommentar > Großbritannien: Der Brexit – eine gigantische Zeitverschwendung – Politik – Tagesspiegel

Gelbe Karte, und dann weiter so?

In der Europawahl haben sie die gelbe Karte gezeigt bekommen: Tut was! Kümmert Euch um die drängenden Probleme! Und was tun die Parteien der Großen Koalition? Erstmal Personaldebatten anzetteln, es geht schon am Wahlabend los: Wem kann man die Schuld an den Stimmenverlusten zuschieben, wen kann man vom Posten entfernen und durch einen anderen Kandidaten ersetzen, der auf seine Chance wartet?
Die vor allem jungen Leute, die aus INHALTLICHEN Gründen andere Parteien gewählt haben, reiben sich die Augen: Jetzt machen die erstmal ihre Machtspielchen, darauf haben wir ganz sicher nicht gewartet! Wo bleibt die inhaltliche Debatte, wo bleiben die Taten, die erforderlich sind? Unglaublich, aber diese Leute da meinen, das sei erstmal eine Frage der Nasen, die sie dem Wahlvolk präsentiert haben, und die müsse man nun austauschen. Das ist doch bloß ein Weitermachen wie bisher, das bringt doch keinen Schritt weiter!
Rezo mit seinem Video kurz vor der Wahl hat den Nagel offensichtlich auf den Kopf getroffen, und das gilt leider auch noch Tage nach der Wahl! Glauben die vielleicht, sie könnten Greta, Rezo und die vielen anderen Aufgeweckten der jungen Generation einfach ignorieren und den Protest aussitzen?

W. R.

Wer nun meint, das sei doch zu pauschal gesagt, und das wolle sie/er genauer wissen — aber gern, hier ein detaillierter Kommentar vom 02.06.19: SPD und CDU nach der Europawahl: Wählerschelte und Selbstzerfleischung – SPIEGEL ONLINE

Wer nun meint, der Grünen-Hype gehe vorüber, und dann gehe es weiter wie zuvor — Vorsicht! Vielleicht hat der ja noch gar nicht erfasst, um was es wirklich geht? Ein Kommentar sieht das dramatisch und, wie mir scheint, nicht so abwegig: Klimawandel: Den Absturz kann man nicht wegdiskutieren – Kolumne – SPIEGEL ONLINE vom 09.06.19.

Aber wozu?

Fanatismus und Terror wie im Mittelalter, das ist anscheinend das Wunschziel vieler „moderner“ Terroristen. Ob Christchurch (Neuseeland) im März oder Sri Lanka im April 2019, die Mordanschläge zeigen uns, wie die schlimmsten Mörderbanden ticken. Es gibt immer einen Grund zu morden, es kommt ihnen gar nicht darauf an, warum, und gegen wen sich ihre Bomben und automatischen Waffen richten. Hauptsache: Viel Kawumm erzeugen, viel Leid anrichten, großes Medien-Aufsehen erreichen. Toll, gelungen!
Aber wozu? Das ist Nebensache, auch wenn sie behaupten, es ginge ihnen um eine Sache, eine wichtige. Blutige Anschläge sind nie eine positive Reklame für eine Sache. Einziges Resultat: Sie setzen eine Spirale von Gewalt und Gegengewalt in Gang, befeuert von Rachegedanken — eine Steinzeit-Logik, die nicht in unsere Zeit passt.

An ihren Taten sollt ihr sie erkennen: Unfähig zu Aussprache und Versöhnung, kennen sie nur eine Fortsetzung der Gewalt. So auch die jüngste „Heldentat“ einer kleinen Gruppe namens Neue IRA, die in Nordirland wieder Bürgerkrieg herbeiwünscht und bei ihrer Aktion eine junge Journalistin erschießt, die nichts weiter tat als ihren Job zu machen. Diese Narren! Sie verstehen nicht, dass die Bevölkerung weder Krieg noch Bürgerkrieg wünscht, sie verirren sich in ihren krausen Gedanken zu der Illusion, eine „Propaganga der Tat“ würde ihnen Sympathien gewinnen und neue Anhänger zuführen. Ein Blick in die Geschichte lehrt, dass meist das Gegenteil eintritt: Mit Gewalttaten verscherzen sich Terroristen die Sympathie, die vielleicht bei einem Teil der Bevölkerung für ihre politischen Ziele bestand. Das lernen hoffentlich auch die Extremisten, die sich derzeit unter die Gelbwesten in Frankreich gemischt haben.

Anscheinend funktioniert es beim Homo Sapiens meist so: Je mehr Gewaltbereitschaft er entwickelt, umso weniger ist er fähig, kluge politische Konzepte zu denken, und noch weniger, sie mit kühlem Kopf umzusetzen. Was folgt daraus?

S. R.

Was steht im Grundgesetz?

O sind die Rezepte gegen explodierende Immobilienpreise und Mieten? In Berlin und anderen großen Städten haben es Viele satt, auf Einsicht und Taten der Politik zu hoffen, sie gehen auf die Straße und fordern wirksame Maßnahmen — auch Enteignung von Giganten der Wohnungsgesellschaften, die Mieter auspressen und vertreiben.

Sofort kreischen reflexhaft Stimmen: „Enteignungen? Um Gottes willen, das ist Sozialismus!“ oder: „Das verstößt gegen das im Grundgesetz verbriefte Recht auf Eigentum!“

Ein Tipp vom SR: Schaut Euch GG Art. 14 an, und Ihr wisst es besser!

Und überhaupt: Das Thema ist viel zu wichtig, um es Populisten und Dummschwätzern zu überlassen. Dazu ein Link zu ernsthafter Information und sachlicher Befassung: Wohnungsnot: Warum Enteignungen kein Sozialismus sind – sondern Demokratie – Gerechtigkeit – bento

Für alle, die jetzt mal genau ins Grundgesetz (GG) schauen wollen, hier der Link: GG – Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland

S. R.

Nachtrag: Eine weitere Reaktion von Politikern war der Spruch „Davon [Enteignung] entsteht keine einzige neue Wohnung!!“ Stimmt, ist aber trotzdem die falsche Reaktion, denn es ging bei der Forderung nach Enteignung gerade nicht um neue Wohnungen, sondern um bestehende, wo Mieter von großen Eigentümergesellschaften abgezockt werden. Darüber wurde schon in Magazin-Sendungen im Fernsehen berichtet: Es gibt Gesellschaften, die ihre tausende von Mietern nicht nur mit Mieterhöhungen bedrängen, sondern mehr noch mit überzogenen Nebenkosten-Abrechnungen. Höhepunkt: Vielen wurden Hausmeisterkosten berechnet, obwohl sich kein Hausmeister blicken ließ; oder Reparaturen von Kellerfenstern, die gar nicht existieren. Kaltschnäuzige Rechnung der dreisten Vermieter: Mieter gucken nicht genau genug in die Abrechnung und zahlen; oder sie scheuen ein juristisches Vorgehen und zahlen lieber, um ihre Ruhe zu haben; oder sie ziehen entnervt aus.

Eins stimmt auf jeden Fall: Dieser Umgang mit Mietern widerspricht dem Geist des Artikels 14 GG, weil das Recht auf Eigentum hier grob missbraucht und auf sehr unsoziale Art der Profit gesteigert wid.

Wer da mit dem oben zitierten Spruch kommt, will bewusst vom eigentlichen Problem ablenken.

 

Lasst mehr Frauen ran…

UM Weltfrauentag (8. März) finde ich einen Kommentar, der immerhin eins für sich hat: er klingt logisch > https://www.tagesspiegel.de/meinung/internationale-politik-ohne-gleichberechtigung-kein-frieden/24073842.html

Zum Thema „Waffen und Männer“ kann ich aus eigener Erfahrung und Einsicht beitragen: Entgegen der von populistischen Politikern wie Trump oder Salvini verkündeten Ansicht, dass mehr Waffen (insbesondere Schusswaffen) mehr Sicherheit geben sollen, sage ich: Mehr Waffen schaffen mehr Unsicherheit. Und eine Schusswaffe im Haus ist eine permanente Bedrohung für seine Bewohner. Denn oft wird diese Waffe, wenn sie denn zum Einsatz kommt, anders benutzt, als sich der Beschaffer das vorgestellt hat.

Gemeinhin denken die Leute, dass junge, heißblütige Männer die Welt unsicherer machen. Aber wenn man sich die älteren und alten Säcke anschaut, die einen großen Teil der Welt regieren, dann fragt man sich doch, wieso gerade unter deren Regierung so viele blutige Konflikte in der Welt existieren. Es ist offensichtlich, dass so ein Trump die Welt unsicherer macht, weil er multilaterale Abkommen kündigt und sich politisch unberechenbar verhält, weil er schon im Wahlkampf seine Nähe zu den Waffenfabrikanten nicht verbarg, und für zivile Amokläufe und Massaker nur das Mittel kennt, dass sich alle bewaffnen sollten. Toll, so einen Dummschwätzer hat die Welt noch gebraucht. Und wer hat ihn in dieses bedeutende Amt gewählt? Menschen, die einen politikunfähigen Selbstdarsteller als Rache am Establishment wählten, als Krawall-Otto und Anti-Kandidaten. Nur: Diese „Rache“ geht nach hinten los, wie die Ergebnisse seiner Politik zeigen. Am Ende haben auch und gerade viele Trump-WählerInnen* das Nachsehen.

Das haben auch diejenigen Briten, die 2016 für den „Brexit“ gestimmt haben. Ihre heillos zerstrittene Politiker-Kaste hat ihnen nicht nur das Plebiszit eingebrockt, sondern auch die endlosen Nervereien um die Art und Weise, wie der Brexit vollzogen werden soll. Männlicher Macht-Poker auf Kosten des Gemeinwohls findet da statt, auch die wenigen weiblichen Politiker mühen sich, auf männliche Art mitzumischen — wie es schon Margaret Thatcher tat (die sogar übte, ihre Stimme tiefer und damit männlicher klingen zu lassen). Was hat Thatcher dem Land beschert? Knallharte neoliberale Politik. Und auch Kriegsherrin war sie, um die Falkland-Inseln für Großbritannien gegen argentinische Ansprüche zu halten. Um welchen Preis?

Darum: Der oben verlinkte Kommentar ist zumindest diskussionswürdig.

W. R.

* Im Sinne von Gender-Sensibilität wird auf dieser Website oft, aber nicht in allen möglichen Fällen, das große i im Wort gesetzt (Binnen-I), um (im vorliegenden Fall) Wählerinnen und Wähler gleichermaßen zu benennen. Die Sache mit dem Sternchen (*) im Wort (Gendersternchen) hält der SR derzeit für nicht notwendig. Eine Diskussion darüber kann ganz schön vertrackt werden, wie z.B. dieser scharfsinnige und kompetente Artikel zeigt:  Debatte Geschlechtergerechte Sprache: Eine für alle – taz.de