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Demokratie ja, aber bitte ohne Lemminge

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EMOKRATIE ist, wenn man abstimmt und die Mehrheit entscheidet — oder? So simpel sehen das anscheinend viele Leute. Und wählen mit dem Bauch den, der die einfachsten, aber emotional eingängigsten Parolen verbreitet.

So haben beim Brexit-Plebiszit viele Gebildete dagegen und für die EU-Mitgliedschaft gestimmt, also Leute, die gewohnt sind, ihren Kopf zum Denken zu benutzen und nicht nur als Hutablage. Eine Mehrheit ließ sich aber durch emotionale Retro-Parolen im Verbund mit dreisten Lügen für den Brexit mobilisieren. Es kam sogar zu einem Mord an einer jungen Politikerin, die sich für den Verbleib in der EU einsetzte.
Jetzt haben sie den Salat: Zank und Streit um die richtige Strategie bei den Austrittsverhandlungen, das jahrelang ruhende Nordirland-Problem kocht wieder hoch, Schottland liebäugelt mit einem erneuten Anlauf zur Unabhängigkeit, und die Wirtschaftsvertreter beschweren sich über drohende Nachteile für die britische Wirtschaft nach dem EU-Austritt.
Das alles konnte man vorher wissen.
Wenn da nicht die Desinformations-Kampagne der von Pressezar Rupert Murdoch gesteuerten Massenblätter gewesen wäre: Da konnte man einmal zu Recht von „Lügenpresse“ sprechen.
Ansonsten ist der Begriff „Lügenpresse“ ja bei uns von Rechten besetzt, die damit das Vertrauen in unsere Medien untergraben wollen. Klar: Gut informierte BürgerInnen werden den Teufel tun und Leute wählen, die ihre Parolen dem Heimatfilm der 1950er Jahre entnehmen, die folglich null Lösungen für die heutigen und zukünftigen Probleme anbieten.
Wer denken kann (und will!) und sich unsere heute drängenden Probleme im Land und in der Welt anschaut, der sieht, dass 1. die Welt komplizierter ist, als uns Populisten weismachen wollen, und dass 2. darum allein aus dem Bauch heraus gar nichts gelöst werden kann, sondern dass viele Lösungen nur möglich sind nach viel ernsthafter Sacharbeit und oft langwierigen Verhandlungen mit den Beteiligten und Betroffenen.
Sowas ist natürlich manchen Leuten zu langweilig und bietet keine Möglichkeiten, sich mit schnellen Lösungen in Szene zu setzen. Entsprechend führen sich die Vertreter rechter Parteien in den Parlamenten auf. Sie sind spezialisiert auf Sprücheklopfen und populistische Parolen, versagen aber in der Sacharbeit, wo es wirklich um Änderungen und Verbesserungen für die Bevölkerung geht.
Sie verweigern echte Sacharbeit mit der vorgeschobenen Begründung, das gehe ja eh alles in die falsche Richtung; dahinter steckt ihre kaum verhüllte Ablehnung der Demokratie überhaupt. Sie wollen einen autoritären Staat, gelenkt (natürlich) von einem der Ihrigen. In ihren Augen machen Putin, Orban, Erdogan und ja, auch Trump Vieles richtig.
Sie alle benutzen scheinbar demokratische Verfahren, um ihre Macht zu vergrößern. Ebenso die PiS-Regierung in Polen. Nachdem sie die Bevölkerung mit Bauch-Parolen in Stimmung und dazu gebracht haben, mit Mehrheit für sie zu stimmen, lassen sie die Macht nicht mehr los und gehen schrittweise daran, alle Teile des Staates umzukrempeln, wo sich noch Opposition regen und artukulieren könnte: „Machtergreifung“ nannten die Nazis ihr ganz ähnliches Vorgehen.
Auch bei uns wollen Feinde dieses demokratischen Systems die Macht durch emotional beeinflusstes Abstimmungsverhalten erobern, um dann die Demokratie in ihrem Sinne umzubauen, d.h.: von innen abzuschaffen. Äußerlich bleibt eine ausgehöhlte Fassade von staatlichen Institutionen, die in Wahrheit gleichgeschaltet sind und sich eben nicht mehr gegenseitig kontrollieren, wie es in einer funktionierenden Demokratie sein sollte.
Aber damit sind wir noch nicht am Ende der Beschreibung, was Demokratie wirklich und dem Wesen nach ist. Freie und geheime Wahlen, Mehrheitsentscheidungen, Teilung der staatlichen Gewalt in Legislative, Exekutive und Jurisdiktion, damit verbunden die gegenseitige Kontrolle dieser klassischen „drei Gewalten“, dazu Meinungsfreiheit und freie Medien. Lange Zeit sprach man – besonders in den USA – von der Presse als „vierter Gewalt,“ weil sie nicht nur für informierte BügerInnen sorgte, sondern auch staatliches Handeln kritisch hinterfragte. Das ist bei einer Konzentration am Markt nicht mehr so einfach (siehe R. Murdoch beim Brexit); und das Internet macht die Sache noch schwieriger für die traditionellen Medien, in denen hauptberufliche Journalisten das Handwerk der Nachrichten noch gründlich gelernt haben.
Auch da setzen die Rechtsaußen an und wollen mit der Parole „Lügenpresse“ (oder vornehmer: „Mainstream-Medien“) die wenig durchblickenden Menschen verunsichern und auf Internet-Kanäle locken, wo genau das stattfindet, was die „Lügenpresse“ angeblich tut oder beabsichtigt. Geradezu grotesk: Da unterstellen braungefäbte Populisten unseren öffentlich-rechtlichen Medien eine vom Staat gelenkte Einheits-Berichterstattung (wie sie damals in der DDR geübt und davor von Goebbels vorgegeben wurde), empfehlen dann stattdessen (!!) den russischen Kanal Russia Today (RT). Das findet jeder gut informierte Nachrichten-Konsument zum Lachen, doch Andere erhoffen sich tatsächlich, dort die „bei uns verschwiegene Wahrheit“ zu erfahren. Putin als erfahrener Geheimdienst-Chef und Machthaber hat ganz andere Interessen…
Aber wem sage ich das?! Man kann vielseitig informiert sein, auch aus sehr unterschiedlichen Quellen. Aber man sollte dann in der Lage sein, das Gelesene, Gesehene, Gehörte vernünftig einzuordnen. Dabei ist Voreingenommenheit keine so gute Hilfe. Denn dann läuft man Gefahr, mit den sprichwörtlichen Lemmingen in eine Richtung zu laufen, ohne zu sehen, wo es hin(ab)geht.

W. R.

mehr über Demokratie und ihre Probleme  >Clio 10.

Und am Rande noch eine kleine Denkaufgabe: Warum lobt Donald Trump seinen „Freund“ Boris Johnson, das Gesicht der Brexit-Kampagne und Ex-Außenminister von GB?

Und eine Frage eines irritierten Fernsehzuschauers: Am 10. Juli 2018 schaue ich die Nachrichten und sehe ungläubig einen Bundesinnenminister Seehofer (CSU), wie er seinen „Masterplan“ zur Asylpolitik der Öffentlichkeit vorstellt. Wie bitte?? Der ist immer noch Innenminister, nach allem, was er sich in den letzten Wochen gelappt hat? Und bei seiner aktuellen Quertreiberei? (Und nach all seinen früheren Purzelbäumen, siehe z.B. >Blog vom 04.07.2015)

Bach-Revival

Wer buddelt denn da? Es ist die Stadt Köln, die im Westen, zwischen Stadtwald und Marsdorf, Natur und Landschaft weiter zu beleben unternimmt: Sie „revitalisiert“ ein Teilstück des Frechener Bachs.
Lange Zeit, d.h. seit Jahrtausenden floss der Frechener Bach, ähnlich dem Duffesbach in Hürth, von der Ville herunter ins Rheintal der Kölner Bucht. Im Unterschied zum Duffesbach, der in den Rhein mündete, floss der Frechener Bach nur bis zum Gebiet des heutigen Stadtwald und versickerte dort in einem Sumpf, der gegen Ende des 19. Jahrhunderts zu einem Park umgewandelt wurde. Durchlässige Kiesschichten unter dem Sumpf leiteten das zufließende Wasser ins Grundwasser und weiter Richtung Rhein.
Der Bachlauf wurde im späten 19. Jahrhundert ab Stüttgenhof geändert: Statt durch die flache Talsenke wurde er nun durch einen Graben geführt, der sich entlang des neu gebauten Bahnkörpers Richtung Militärring zog.
Damit wurde in diesem Bereich der historische Bachlauf beseitigt. Später wurde das Wasser meist nicht einmal mehr durch den Graben geleitet, sondern in den in Marsdorf quer laufenden Randkanal, der Sümpfungswasser des Braunkohletagebaus abführte.
Ab Marsdorf wird nun der Bach „revitalisiert“, was bedeutet, dass man ihn in ein halbwegs natürliches Fließgewässer zurückverwandeln will. Dazu wird das Bachbett neu gestaltet und in besagtem Abschnitt hinter dem Stüttgenhof ganz neu gegraben. Die Versickerung soll dann in einem Kiesbett vor dem Militärring stattfinden.
Im neu belebten Frechener Bach soll eine Flora und Fauna angesiedelt werden, die einem natürlichen Bachlauf entspricht. Man darf gespannt sein, wie sich das Ganze in den kommenden Jahren entwickelt.
Aus der Sicht des Historikers wäre anzumerken, dass der neu gegrabene Bachverlauf nicht ganz dem historischen entspricht. Um genau zu sein: auf jeden Fall nicht dem prähistorischen in der Jungsteinzeit (siehe auch unten: Kartenskizze). Denn das jungsteinzeitliche Dorf der Bandkeramiker, das um 1930 archäologisch untersucht wurde, lag zum Schutz vor Hochwasser erhöht über dem Bachbett in einem Bereich (punktierte Linie in der Kartenskizze), den der neu entstehende Bachverlauf jetzt durchschneidet. Der prähistorische Bach floss in der (heute kaum erkennbaren) Talsohle, doch kann er durchaus in den folgenden Jahrtausenden seinen Verlauf variiert haben. Die Bahntrasse durchschneidet den Dorfbereich im südlichen Zipfel, sie existiert seit 1893.

         Kartenskizze: Das Gelände im Kölner Westen, wo der Frechener Bach revitalisiert wird         

Mehr Einzelheiten zu diesem Projekt eines Bach-„Revival“ findet man hier: Frechener Bach wird revitalisiert – Stadt Köln  Eine Kleinigkeit in diesem Text ist zu berichtigen: Im Unterschied zu Haus Vorst war der Stüttgenhof nie ein Adelssitz, auch wenn er von einem Wassergraben geschützt wird (der besonders zur Blüte der Rododendron-Büsche einen idyllischen Anblick bietet).

Für diejenigen, die noch weitere historische Fakten genau wissen wollen, sei hier Folgendes berichtet:

In historischer Perspektive floss der Frechener Bach vom Quellgebiet an der Burg Benzelrath bis fast an die Stelle der Versickerung immer durch Frechener Gebiet. Genauer gesagt: Seit dem Mittelalter bis Ende des 18. Jahrhunderts war es die „Herrschaft Frechen“. Im 19. Jahrhundert, in

Karte des alten Landkreises Köln (Ausschnitt) im Frechener Stadtarchiv, mit Gemeindegrenzen (schwarze Linien); gedruckt 1862; anklicken!

preußischer Zeit, wurde der Landkreis Köln westlich der Stadt Köln gebildet, und dabei wurde Üsdorf aus der ehemaligen Herrschaft Frechen der Gemeinde Lövenich zugeteilt; der östliche Zipfel der Herrschaft Frechen, der bis knapp vor den Militärring reichte, wurde hinter dem Stüttgenhof abgezwackt und der Gemeinde Efferen zugeschlagen. Ab diesem Zeitpunkt endete das Gebiet der Gemeinde Frechen direkt hinter dem Stüttgenhof. Das blieb so bis zur „Gebietsreform“, die 1974 festlegte, dass ab 1.1.1975 Kölns Stadtgrenze weiter nach Westen verschoben wurde und damit Marsdorf und der Stüttgenhof fortan zu Köln gehörten. Die Stadtgrenze Kölns verlief nun entlang der Autobahn A4, das Frechener Kreuz wurde umgetauft in Kreuz Köln-West.

Der alte Lauf des Frechener Baches ist übrigens in der oben abgebildeten Karte gut zu sehen, wenn man sie anklickt.

W. R.

 

Wäre es doch virtual reality!

Trump 2015: Während der Bekanntgabe seiner Kandidatur zeigte er schon, wes Geistes Kind er ist (Zeichnung nach einem Pressefoto)

Wieder einmal wird gejammert und gewehklagt über Präsident Trump. Also Leute, wann begreift der Letzte, dass Trump anders tickt, dass er permanent im Wahlkampf ist, dass er seinen Vorgänger Obama hasst und alles — wie angekündigt (!) — kaputtmachen will, was Obama in seiner Amtszeit zuwege gebracht hat, z.B. „Obamacare“ oder den Atomdeal mit dem Iran. In Sachen Klimaschutz und Waffengesetze (siehe Bild links) tickt er ebenfalls völlig anders, und das können Viele nicht nachvollziehen. Ist ja auch schwierig.
Trump ist kein vernünftiger Politiker, kein Staatsmann, kein Diplomat — sondern ein Egomane mit einer sehr eigenen Wahrnehmung der Welt. Manchmal wirkt er geradezu kindisch im Reden und Verhalten. Sein Umgang mit Regierungschefs auch befreundeter Länder ist sehr oft nur peinlich. Er schreckt vor keiner Sottise zurück, z. B. „Clean Coal!“ als Slogan für seine Freie Fahrt den Umweltzerstörern. So etwas kannten wir bisher nur von abgedrehten Diktatoren irgendwelcher Länder, mit denen der Wirtschaft zuliebe Kontakte unterhalten wurden.
Und spätestens bei diesem Gedanken muss uns die Frage beschleichen: Wie weit rücken die Trump-geführten USA noch von uns weg? Wieviel an gewohnten, verlässlichen Verhältnissen geht da den Bach hinunter? Wieviele Regierungen können in Zukunft auf das schlechte Beispiel der USA verweisen und ebenfalls „die Sau ‚rauslassen?“
Wer uns vor 10 oder mehr Jahren eine Welt mit einem US-Präsidenten Trump’scher Art vorausgesagt hätte, dem hätten wir damals gesagt: Irre abwegig, mach ein Computerspiel draus mit „virtual reality“. Jemand hätte Trump damals so ein Ding schenken sollen, damit er seine Egomanie im virtuellen Raum ausleben könnte. Jetzt tut er’s leider in der realen Wirklichkeit — er mit seinen gruseligen Ansichten.
Was erwartet Ihr?

W. R.

Saubere Alternativen

Wie der Grantler im Blog-Beitrag vom 22.08.2017 schon deutlich machte: Es ist hanebüchen, wie Autokonzerne und Regierung mit unserer Gesundheit Schindluder treiben, damit weiter Auspuffgase unsere Luft belasten können. Ähnlich läuft es auch bei der Verstromung der Braunkohle.
Was soll das für ein großer Fortschritt sein, den Elektroautos bringen? VW-Chef Müller meinte auf einmal, die Zukunft gehöre eher dem Elektro-Antrieb als dem Verbrennungsmotor. Nanu, so plötzlich? Und alle reden nun von der kommenden Elektro-Mobilität. Die ist angeblich alternativlos. Dabei ist der ökologische Fußabdruck von jemandem, der ein E-Auto fährt, auch nicht so klein, wie man auf den ersten Blick hoffen möchte. Mich erstaunt, dass weder aus Politikermund noch in den Medien von der Alternative Wasserstoff-Antrieb zu hören oder lesen ist. Solche Motoren (die es auch schon gibt) haben praktisch null schädliche Emissionen, da kommt nur Wasserdampf raus, der nicht einmal stinkt.

Doch Achtung, zu meinem Erstaunen brachte kürzlich die Club-Zeitschrift „ADAC-motorwelt“ (Nr. 2/2018, S. 22-24) einen Bericht über ein neues Auto mit Brennstoffzellentechnik, das nur Wasserstoff tankt. Drei Autohersteller in Fernost haben bisher schon ein Modell mit dieser Technik im Programm.

Der Artikel kritisierte, dass die Autoindustrie in Deutschland diese Alternative vernachlässigt. Dementsprechend wenig Tankstellen gibt es bisher im Lande. Hört man etwa davon, dass „die Politik“ Anreize schaffen will, um diese Technologie am Markt zu fördern? Nö, alle reden vom E-Auto. Und neuerdings vom „autonomen Fahren“. Letzteres wird wohl als große Gewinnaussicht betrachtet, die Leute sollen heiß darauf gemacht werden. Ganz anders die oben erwähnte Brennstoffzellentechnik, die wird beschwiegen. Vielleicht sucht man derweil nach Ausreden, um uns zu erklären, warum man die Entwicklung dieser Technik nicht zu marktfähigen Autos vorantreibt. Das sind Richtungsentscheidungen in den Konzernzentralen: Deutsche Hersteller waren schon in den 1990er Jahren mit dieser Technik beschäftigt, setzten dann aber ganz auf den Diesel — und hängen jetzt zurück.

Mir stinkt’s! Da biege ich zu Fuß aus einer Seitenstraße in eine viel befahrene Straße ein, und starker Auspuffgestank dringt mir in die Nase. Wieso stinkt das hier so sehr? Nach kurzem Nachdenken geht mir ein Licht auf: Wir haben Temperaturen um Null Grad – da haben die Abschaltvorrichtungen natürlich die Abgasreinigung der Diesel abgeschaltet, und die Autos pöffen alles raus, was der Motor hergibt. Außerdem: Viele fahren kurze Strecken, da kommt der Katalysator gar nicht erst zur Wirkung… Alles Augenwischerei: Unsere Autos fahren weitgehend ungefiltert herum, die Luft ist entsprechend schlecht an viel befahrenen Straßen, besonders im Winter. Da kann man als Fußgänger nur flach atmen, als Autofahrer die Luftzufuhr von außen schließen, und als Anwohner Türen und Fenster geschlossen halten.  Besserung ist nicht in Sicht.

W. R.

Donald Troll und sein triviales Geheimnis

Nein, auf dieser Website gibt es keinen Jahresrückblick 2017, und hier gibt es auch keine ständigen Aufreger über Donald Trumps Ergüsse und Verfügungen. Warten wir weiter (vergebens?) auf vernünftige Äußerungen oder Direktiven von Trump! (Oder finden wir uns ab mit dem Kaschperl im Oval Office?) Wes Geistes Kind er ist, zeigte er gleich nach Amtsantritt u.a. mit seiner Anordnung, die Vorhänge im Oval Office durch goldene zu ersetzen.
Wer tiefer darüber nachdenken will, wie ein Troll ins Weiße Haus gewählt werden konnte, und warum er (wie der SR schon Anfang des Jahres befürchtete) einfach so weiter kaschpert, findet Anregung unter diesem Link: (1)Donald Trump – Die USA haben sich kaputt amüsiert – Kultur – Süddeutsche.de und auch hier: (2)Ein Faktenchecker erzählt von seinen Lieblingslügen – Digital – Süddeutsche.de

So, nun habt Ihr erstmal genug „food for thought“. Ein gutes Jahr 2018 allen BesucherInnen wünscht der

SR

Eine Lektion „Newspeak“

Wollt Ihr mal wissen, wie Unterdrückung konkret aussieht? Habt Ihr genug von alten Geschichten aus dem Geschichtsbuch? Wollt Ihr wissen, wie das heute abgeht? Dann schaut euch an, was in der Türkei läuft: http://www.spiegel.de/lebenundlernen/uni/tuerkei-recep-tayyip-erdogan-will-wissenschaftler-in-deutschland-anklagen-a-1175459.html
Warum wird da überhaupt diese „Terroristen“-Show veranstaltet? Weil Erdogan, seit er sich im Bündnis mit Gülen in den Sattel geschwungen hat, die Konkurrenz ausschalten und Alleinherrscher sein will. Erdogans Kampf gegen Leute mit anderen Meinungen fing schon lange vor dem gescheiterten Putsch (Juli 2016) an. Danach ließ er die Maske ganz fallen und entließ eine Menge Kriminelle aus den Gefängnissen, weil er seine vielen politischen Gefangenen sonst nicht mehr hätte unterbringen können. Wie man schon in Orwells „1984“ lesen konnte, wird auf dem Weg in die Diktatur auch „Newspeak“ eingeführt: So sind alle, die anderer Meinung als der Große Bruder sind, Staatsfeinde und Terroristen. Das ist also gar nicht originell. (Orwell hatte vor allen die Regime Hitlers und Stalins als Beispiele vor Augen.) In den letzten Jahren ist rund um den Globus die Bezeichnung „Terroristen“ zum Lieblingswort der Diktatoren geworden, um damit Andersdenkende zu kriminalisieren.
Was sagt denn so ein Wort noch aus, das inflationär gebraucht wird? Aus dem Munde gewaltbereiter Diktatoren klingt das ja fast schon wie ein Lob für deren Gegner, zumindest zeigt es, dass sie diese Gegner fürchten. Erdogan hat fleißig darauf hin gearbeitet, alle „Terroristen“ in den Medien mundtot zu machen, viele sitzen in Haft. Gleichzeitig behauptet er, die Türkei sei „ein demokratisches Land“ — „Newspeak“ eben. Was er sonst an grotesken Behauptungen hinausschreit, konnte man z.B. im Blog-Eintrag „Drah di net um“ vom 24.3.2017 lesen. Im Zweifel kann man im Voraus erwarten: Alles, was Erdogan nicht passt, ist eine „Verschwörung des Auslandes gegen die Türkei.“ Aber sicher doch, Kritik an Erdogan wird den Türken als Feindschaft gegen die Türkei verkauft, um die Solidarität der Bevölkerung mit ihrem Sultan einzufordern. Auch das ist ein alter Hut.

Noch nicht schlapp gelacht? Dann lies mal das hier: (2) Verschwörungstheorie in der Türkei: Geheimbotschaften in der Jeanshose – Politik – Tagesspiegel

Man könnte (siehe den o.g. Blog-Eintrag) das Gebaren Erdogans und seiner Regierung  nur noch als Realsatire verstehen und darüber lachen — wenn er es nicht todernst meinte. Man könnte sich zurücklehnen und sarkastisch sagen: Gut, dass Erdogan die Armee durch seine „Säuberungen“ geschwächt hat, das nützt immerhin den Kurden im Irak und in Syrien. Auch Stalin hatte seine Armee „geköpft“ — und wurde dann von Hitlers „Russlandfeldzug“ fast überrollt. Solche Egoshooter stellen eben die Sicherung ihrer persönlichen Macht über das Wohl des Landes.

Und wieso gibt es schon wieder so viele trollige Regierungschefs in der Welt? Wieso können Superreiche ihre Milliarden ungestört an Steuerforderungen vorbei in Oasen schieben? Seit Veröffentlichung der Panama-Papers und Paradise-Papers kann das niemand mehr leugnen. Hängt da vielleicht Manches miteinander zusammen? Das mutmaßt z.B. dieser Kommentar: Rechtsruck der Welt: Macht! Macht! Macht! – Kolumne – SPIEGEL ONLINE

Manche Milliardäre haben, wie wir gesehen haben, wirklich Macht und dabei die Boshaftigkeit, ihre privaten Anliegen gegen das Allgemeinwohl durchzusetzen — ich erinnere nur an die Anti-EU-Kampagne des Pressezars Rupert Murdoch in Großbritannien. Er hat großen Anteil am Ausgang des Referendums für den Brexit. Und er trieb (zusammen mit Anderen) genug Stimmvieh zusammen, um das Land in die Bredouille zu stürzen.

Donald Trump will in den USA Steuererleichterungen für Großverdiener durchsetzen. Ist sicher Zufall, dass er selbst davon profitieren würde, oder? Seine Steuererklärung sollen die Leute auch nicht sehen. Das ist die Arroganz der Macht. Sie machen sich kaum die Mühe, ihren unverfrorenen Egoismus zu verschleiern. Das geht bald ganz ohne „Newspeak“, weil die meisten Leute verlernen, genau und kritisch hinzuhören und sich ‚was dabei zu denken. Weil sie lieber auf einfache, gängige Slogans hören, an die sie durch ständige Werbe-Berieselung gewöhnt sind.

W. R.

Bauernschläue gegen Weitsicht

Es widerspricht eigentlich der erklärten Absicht und üblichen Praxis, hier im Blog die momentan aktuelle Tagespolitik zu kommentieren — aber diese Ausnahme muss sein.

1. Der noch amtierende Landwirtschaftsminister der geschäftsführenden Bundesregierung … Ach, lesen Sie selbst diesen frischen Artikel hier, den ich Ihnen im Link anbiete, ein Sachartikel und zugleich berechtigter Kommentar: http://www.tagesspiegel.de/politik/streit-um-glyphosat-zustimmung-klientelpolitik-von-der-duemmsten-sorte/20638232.html
2. Da wir gerade bei den aktuellen Nachrichten dieses Tages (27.11.2017) sind, erwähne ich auch jene, wie ich glaube, ungute Entwicklung in der EU: In Osteuropa schließen Staaten Verträge mit China, die zur Folge haben, dass die kommende Weltmacht mehr Einfluss in der EU bekommt…
Wer glaubt, dass so etwas (→2.) die EU stärke und enger zusammenbringe, der hat wohl noch keinen Arzttermin derhalben bekommen. Und wer dem CSU-Landwirtschaftsminister (→1.) glaubt, dass er rein sachlich und berechtigterweise in Brüssel für Glyphosat entschieden habe, der … (siehe oben).

W. R. am Abend des 27. Nov. 2017

P.S. Die Überschrift stellt indirekt die Frage: Sollen solche Politiker uns regieren dürfen? Wollen wir uns das Treiben solcher Egoshooter und Trolls schweigend gefallen lassen? Ist denen komplett entfallen, wofür sie eigentlich gewählt und zuständig sind? Deutsche Politiker schwören im Amtseid, dass sie sich bemühen, „Schaden vom Volke abzuwenden“. Manche Politiker bei uns und anderswo haben da eine „flexiblere“ Vorstellung von ihren Amtspflichten, wie in vielen Ländern, in denen Machthaber ihre erste Pflicht darin sehen, sich selbst und ihre Anhänger zu bedienen. Gut, in demokratisch verfassten Staaten ist mehr Kontrolle, in autokratischen von vorneherein mehr Willkür möglich. (Das spricht auf jeden Fall dafür, die Demokratie nicht leichtfertig abzuschaffen, denn wer sich von einem autoritären System Besserung verspricht, muss sich eher auf das Gegenteil gefasst machen — wie zahlreiche Beispiele in Vergangenheit und Gegenwart zeigen.)

P.P.S. (Nachtrag am 24.02.2018:) Ich warte immer noch darauf, dass endlich mehr Schaden vom Volke abgewendet wird. In Sachen Diesel- bzw. Verbrennungsmotor geht nichts voran, ebenso wenig in Sachen Klimaschutz. In Talkrunden im Fernsehen wird über Koalitionen, Perspektiven für Parteien und Machtoptionen von Politikern debattiert… und ich höre nichts von der Macht der Lobbyisten, die sowohl die Energie- wie die Landwirtschaftspolitik massiv beeinflussen, nicht zu reden von Waffenexporten usw. Welchen Spielraum für richtige Entscheidungen für die Bevölkerung haben Politiker und Abgeordnete überhaupt? Manchmal frage ich mich, ob da der Eine oder die Andere nur noch herumeiert, um zu kaschieren, dass er oder sie Lobby-Interessen vertritt.

Selten tritt Einer so dummdreist auf wie Landwirtschaftsminister Schmidt am 27.11.2017: „So isser, der Schmidt.“ Bleibt mir weg mit euren Argumenten für Mensch und Umwelt! Glyphosat ist gut (für den Profit der großagrarischen, industriellen Landwirtschaft).

Dabei ist diese Verlängerung für Glyphosat-Zulassung ja nur ein Symptom, dahinter sieht man die ganze verfehlte Art zu wirtschaften, über die die Politik ihre Hand hält. Vielfältige Schäden für Natur und Umwelt werden billigend in Kauf genommen. Das betrifft uns alle. So werden z.B. die Wasserpreise für uns Endverbraucher erhöht, weil die Wasserwerke immer mehr Aufwand für genießbares Trinkwasser treiben müssen. Wie das? Die Großbetriebe produzieren Unmengen Gülle, die als Dünger auf die Felder gekippt werden und z.T. ins Grundwasser absinken. Könnte man das ändern?

Wer jetzt über Alternativen in der Politik nachdenkt, denkt vielleicht an Wahlplakate der AfD. Aber diese selbsternannte „Alternative für Deutschland“ ist keine. Schaut euch nur an, was die zum Thema Umwelt und Klima bieten, dann wisst ihr Bescheid. Die versuchen, sich der Kohle- und Atomlobby an den Hals zu werfen. Also: Schlimmer geht’s immer, nämlich mit denen. Passt bloß auf, dass Ihr nicht aus bloßem Protest-Bauchgefühl Leute wählt, die uns lediglich noch mehr für dumm verkaufen wollen.

 

Politik in den Köpfen

Ein paar Gedanken (unvollständig und vorläufig) am Tag nach der Bundestagswahl vom 24.09.2017:

Es ist schon erstaunlich, dass es in Deutschland und anderen europäischen Staaten Menschen gibt, die den alten Nationalismus propagieren, den sehr viele, wenn nicht die meisten Menschen in Europa doch für „retro“ oder gänzlich „out“ halten. Doch gibt es umtriebige Politiker, die anstreben, auf einer neu entfachten nationalistischen Flamme ihr Süppchen zu kochen, Stimmen zu fangen und Macht zu gewinnen.
Wenn wir den Blick auf Deutschland richten, dann sehen wir, dass eine Partei namens AfD mit nationalistischen und Retro-Parolen aufgetreten ist und weniger deshalb, als vielmehr trotzdem, mit über 12 % der Wählerstimmen im Herbst 2017 in den Bundestag einzieht.
Viele fragen sich, was denn die Menschen geritten haben mag, die ihre Stimme statt ihrer früher bevorzugten Partei nun der AfD gegeben haben. Weiterlesen

Queen of hearts

London, Kensington Palace, Parkseite, Sept. 1997 — Foto: W. R.

An den 31.08., den Todestag von Lady Di, alias Princess Diana, wird in den Medien vorab schon eifrig erinnert. Es war vor 20 Jahren, 1997, als der plötzliche Tod von Princess Diana (36) die Welt schockte. Eine Woche später kam ich nach London und konnte live erleben, wie ständig Menschen mit Blumensträußen zu den verschiedenen Orten kamen, wo ihrer gedacht wurde:  ihr letzter Wohnsitz Kensington Palace; das Kaufhaus Harrod’s (der Erbe Dodi Al-Fayed starb mit ihr im Unfallwagen); Westminster Abbey, wo der Trauergottesdienst stattfand und Elton John zum Abschied sang: „Good-bye England’s Rose“; Buckingham Palace; St. James‘ Palace… und ich weiß nicht wo noch.

Nachdem die Medien eine Weile über alles um den Tod und die Trauer berichtet hatten, ging immer noch die Welle der Trauer um Diana um die Welt. So etwas war seit Menschengedenken nicht passiert — und brachte so manchen Kommentator in den Medien aus der Fassung, der gewöhnlich mit scharfem Verstand das politische Tagesgeschehen analysierte und einordnete, der gewohnt war, als Journalist kritische Distanz nach möglichst allen Seiten zu wahren — ihm fehlte das Verständnis, die große Trauer von Menschen zu begreifen, die zumeist Diana gar nicht persönlich gekannt hatten, und er war nahe daran, diese überdreht oder gar hysterisch zu nennen.

Mir schien diese weltumspannende Anteilnahme nicht so unbegreiflich, sie schien mir ein Ausdruck echter Trauer um einen Menschen, der — obwohl in den Kreisen der Reichen, Mächtigen und Schönen verkehrend — nie auf kalte Distanz zu den Menschen „da unten“ gegangen war. Wo Diana auftrat, strahlte sie Menschlichkeit und Anteilnahme aus, zeigte Mitgefühl und spendete hautnah Trost. Das war schon sehr außergewöhnlich, und es kontrastierte besonders scharf zum kalten Hofzeremoniell und dem steifen Auftreten der Windsors. Denn Diana kommunizierte auch auf der emotionalen Ebene mit Menschen.

Titelseite von Montag, 08.09.1997

Mit Blick auf „die da unten“, auf „die Massen“, von denen ein Großteil echte Trauer empfand, könnte man von einem Phänomen sprechen, das religionsgeschichtlich und kunsthistorisch Assoziationen zur „Schutzmantelmadonna“ weckt, einer Darstellung der Maria, die im 13. Jahrhundert aufkam und Maria (oft als Himmelskönigin mit Krone) zeigte, die ihren weiten Mantel ausbreitete und Menschen darunter barg und unter ihren Schutz nahm. So beteten denn die Menschen zu dieser Madonna, wenn sie sich nach Schutz und Geborgenheit sehnten. Und Diana erschien als eine solche Madonna, wenn sie z.B. Minenopfer oder krebskranke Kinder besuchte und ihnen Zuwendung schenkte.

Das waren nicht bloß Gesten für die Kameras, Diana erreichte etwa mit ihrer wirksamen Unterstützung der Kampagne gegen Landminen in Angola und Bosnien, dass einige Monate nach ihrem Tod eine Charta zur Ächtung dieser Waffen geschrieben und von 122 Staaten unterzeichnet wurde.

Ein Jahrzehnt zuvor hatte sie ebenfalls etwas Besonderes erreicht. Sie besuchte ein Londoner Krankenhaus und wendete sich dort Aids-Kranken zu. Unbefangen und furchtlos gab sie ihnen die Hand, setzte sich zu ihnen und unterhielt sich mit ihnen. Das war zu jener Zeit eine Sensation! Wer das damals mitbekommen hat, weiß, wie die Leute über Aids sprachen, und dass sie einen großen Bogen um HIV-Infizierte machten wie um Aussätzige. Das Fernsehen war dabei (Diana nutzte gern auch die Medien für ihre Ziele) und sorgte dafür, dass Dianas Auftreten wahrgenommen wurde. So bewirkte sie, dass das Problem „Aids“ in der Folgezeit anders diskutiert, und dass von Medizinern verstärkt nach Therapien gesucht wurde.

Lady Diana lebensgroß in Madame Tussaud’s, London (Foto: W.R., Mai 1997)

Ihr Einsatz, das kann man sagen, ging über Worte und Gesten weit hinaus. Die weltweite Resonanz erklärt sich auch aus der Hoffnung vieler Menschen, die Reichen und Regierenden möchten aus Einsicht mehr für die Menschen dasein, sich menschlicher zeigen und und sich nicht nur um Machterhalt und noch mehr Reichtum sorgen. So betrachtet war die Welle der Trauer auch eine politische Demonstration: Seht, welch ein Verlust! Solche Menschlichkeit wünschten wir uns mehr bei denen da oben!

Natürlich war Diana kein Engel und keine Göttin, sondern ein Mensch. Ihre Beliebtheit resultierte z.T. auch aus ihrem öffentlich gemachten Leiden in den Ehejahren und an der Kälte des Königshofes. Ehemann Charles kam da schlecht weg, aber in meinen Augen nicht ganz zu Unrecht, wenn er z.B. nach seiner Liebe zu Diana gefragt wurde und in seiner Antwort eher auswich und etwas von „love, whatever that means“ brabbelte. Prince Charles war selbst nicht gerade mit viel Liebe und Zuneigung aufgewachsen und daher wohl nicht der einfachste Partner in einer Beziehung. Diana war anders und legte auch großen Wert darauf, ihren beiden Söhnen Liebe zu geben und sie diese emotionale Wärme spüren zu lassen.

An letzterem mangelt es ja oft: Manche Eltern behaupten, ihre Kinder zu lieben, vermitteln es aber nicht, weder mit Worten noch mit Gesten, Zuwendung und zärtlichen Berührungen. Bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts galt vielen noch als ideale Erziehung, ein Kind nicht zu verhätscheln, sondern auch Härte spüren zu lassen, und noch krasser: Wer sein Kind liebt, der züchtigt es, wurde behauptet. Besonders Väter waren dadurch furchteinflößende Tyrannen. Bei den Nazis, aber auch in englischen Eliteschulen galt die Leitlinie: Gut ist, was hart macht. Man vermittelte damit zugleich auch Verklemmtheit und Angst vor körperlicher Nähe. Diana dagegen steht für einen menschlichen, modernen Umgang mit Kindern. Und das ist gut so.

Ich sah nach dem Wochenende des Trauergottesdienstes: Die Schlagzeile oben hatte recht, überall, wo Blumen für Diana niedergelegt wurden, teils mit ihrem Foto und letzten Grüßen, kamen weiterhin Menschen, um ihre Trauer zu bekunden, und ließen das Blumenmeer weiter anwachsen. Den Skeptikern, die darüber den Kopf schüttelten, kann man mit einem Goethe-Zitat nur sagen: „Wenn ihr’s nicht fühlt, ihr werdet’s nicht erjagen.“

W. R.

Der Grantler meint…

Das hältst du im Kopf nicht aus: Den Diesel kriegen sie nicht sauber, auf dem „Diesel-Gipfel“ haben sie nicht viel zustande gebracht, aber gemeinsam kreischen sie: „Bloß keine Fahrverbote in Innenstädten!“ Ist ja gerade Bundestagswahlkampf, da muss man etwas lauter tun, als ob man was täte… Ja, so sieht sie aus, die „Blaufront“ von Automobilwirtschaft und Politik.
„Blaufront“: Sie versprechen das Blaue vom Himmel herunter, die Autobauer erfinden schöne Etiketten wie „bluetec“ und „blue motion“, die nach sauberer Luft unter blauem Himmel klingen sollen (Die Zigaretten-Werbung hat’s vorgemacht: gesundes Rauchen). Was hinter schönen Werbebildern wirklich passiert, ist nun allseits bekannt.
Den Bewohnern größerer Städte und den Anwohnern an Hauptverkehrsstraßen kann man nur raten: Flach atmen! Und zu Hauptverkehrszeiten nicht lüften, sondern Fenster und Türen geschlossen halten, bis die schlechte Luft ein wenig verweht ist („Bis die Gefahr vorüber ist“, kann man leider nicht sagen).
So bleiben in unserer Republik manche Dinge so lange auf dem Tisch liegen (oder unter dem Teppich, wo sie hingekehrt wurden), bis es zum Himmel stinkt. Weiterlesen