Archiv der Kategorie: Mittelalter-Magazin

Hier sind Beiträge versammelt, die das Mittelalter betreffen

Zum Beispiel: der hl. Martin

052faIn den Köln-Notizen #9 ging es u.a. um den heutigen Blick auf St. Martin und das Verständnis der moralischen Werte, für die diese Figur steht. Diese Figur ist ein Heiliger der katholischen Kirche, außerdem eine historische Persönlichkeit, die im 4. Jahrhundert lebte, in einer Zeit, in der das Christentum im Römischen Reich nicht mehr von Staats wegen verfolgt, sondern anderen Religionen  durch das Toleranzedikt Kaiser Konstantins aus dem Jahre 313 endlich gleichgestellt, und bald darauf sogar vom Staat gefördert wurde.

Streng historisch genommen lebte Martin also in der Spätantike, aber im Übergang zum Mittelalter wurde er zum Nationalheiligen des fränkischen Reiches und auch in den folgenden Jahrhunderten hoch geachtet. Dabei wurden jedoch manche Aspekte seiner Persönlichkeit ignoriert, weil sie nicht ins kirchenpolitische Konzept passten.

Martin hatte seinen eigenen Kopf und war alles Andere als ein stromlinienförmiger Mitläufer. In der berühmten Mantelteilung hängte er sein Mäntelchen gerade nicht nach dem Wind, sondern half einem frierenden Armen, ohne sich um Vorschriften zu kümmern, die ihm das untersagt hätten: Als römischem Armeeangehörigen war es ihm nicht erlaubt, Heereseigentum zu beschädigen oder zu verschenken (Das ist auch heute noch Teil der militärischen Vorschriften). Doch er zerschnitt seinen Mantel und gab dem Frierenden einen Teil, auf dass er sich vor dem kalten Wind schütze.

Die Mantelteilung ist die symbolische Handlung schlechthin, die sich mit dem Namen des heiligen Martin von Tours verbindet. Doch war das nicht die einzige Gelegenheit, bei der Martin sich als Mensch zeigte, der Menschlichkeit und Gewissen über Vorschriften, Regeln oder die Mehrheitsmeinung stellte.

Martin war wenig begeistert vom Trend der christlichen Kirche, von Konstantin und den Nachfolgern nicht nur Wohltaten anzunehmen, sondern sich dem Kaiser und dem Staat sozusagen an den Hals zu werfen und dadurch nicht nur Vorteile zu erlangen, sondern auch eine engere Verbindung mit dem römischen Staat einzugehen und Abhängigkeiten in Kauf zu nehmen.

Man kann sich vorstellen, dass die Kirche, nach der bekannten historischen Entwicklung zur Staatsreligion im Römischen Reich sowie zur engen Zusammenarbeit mit anderen Machthabern wie dem Frankenkönig Chlodwig und den Regierungen bis heute, die Vorbehalte des Martin gegen die Verquickung von Kirche und Staat nicht gern thematisierte.

Und eine weitere Stellungnahme Martins zu einer anderen Entwicklung passte dem Mainstream ebenso wenig: Als der spanische Bischof Priscillian wegen abweichender theologischer Meinungen als Ketzer zum Tode verurteilt wurde, protestierte Martin gegen diesen Beschluss. Martin teilte die Ansichten des Priscillian nicht, wehrte sich aber gegen die neue Praxis, solche Abweichler zum Tode zu verurteilen.

Leider hatte Martins Protest keinen Erfolg, vielmehr wurde es im Mittelalter gängige Praxis, als Ketzer Verurteilte öffentlich zu verbrennen. Die Kirche bzw. ein Inquisitionstribunal verurteilte (streng korrekt) nach festgelegten Kriterien den „Ketzer“, übergab ihn dann zur Vollstreckung des Urteils der weltlichen Gerichtsbarkeit, weil die Kirche „kein Blut an den Händen“ haben wollte. Und dann wurde der Scheiterhaufen angezündet. Ähnlich verfuhr man mit „Hexen“ oder „Hexern“.

Gegen den Hexenwahn und die unmenschliche Praxis der Prozesse, die in der frühen Neuzeit meist unweigerlich zum Todesurteil führten, wandte sich Friedrich Spee von Langenfeld, auch ein Mann der Kirche, in einem Buch mit dem Titel „Cautio Criminalis“ (1631). Daran sieht man: Wer pauschal „die Kirche“ für Ketzer- und Hexenverfolgung sowie andere Grausamkeiten verantwortlich macht, der übersieht, dass Viele in der Kirche moralisch sensibel waren und ihr Gewissen befragten, wodurch sie nicht nur zu kritischen Gedanken geführt wurden, sondern sich auch zu offener Kritik gedrängt fühlten.

Offene Kritik war riskant, man gefährdete nicht nur seine Karriere, man wurde oft auch verdächtigt, mit Ketzern oder Hexen zu sympathisieren. So läuft das immer in autokratischen bzw. autoritär geführten Systemen. Von da führt eine gedankliche Linie bis zu dem Katholiken Hans Küng, der als Theologe seine Kirche kritisierte und damit seine kirchliche Lehrerlaubnis riskierte. Küngs Kritik zielt vor allem auf die absolutistische Macht des Papstes über die Kirche, er favorisiert ein System erweiterter Mitsprache der Gläubigen, z.B. auch mit mehr Macht für die Konzilien, wie es sie in der Geschichte früher teilweise gab.

Kurzum: Es gibt (nicht nur in der katholischen Kirche) durchaus Menschen, die mit einem durch ihre Religion geschärften Gewissen offen ihre Meinung kundtun und sich nicht vor vorgesetzten Autoritäten wegducken. Dafür gab schon Martin von Tours ein Beispiel, das aus erklärbaren Gründen (s.o.) auf seine Mitleidstat gegenüber einem armen Frierenden reduziert wurde.

Man kann sagen: Zumindest in der heutigen Zeit, in der wir demokratische Werte hochhalten und oft von Menschenrechten reden, reicht es nicht mehr, sich stur gegen den „Zeitgeist“ zu stemmen und an Werten aus Kaisers Zeiten festzuhalten. Da müssen Christen mehr bieten als Lippenbekenntnisse, um glaubwürdig zu sein. Sturer Doktrinismus und Fundamentalismus sind keine Qualitätsmerkmale für eine Religion, die für sich beansprucht, die Menschen und ihre Nöte wirklich ernst zu nehmen. –

Quelle zu St.Martin u.a.: Martin Happ, „Die Martinslegende als ein religionsgeographisches Problem“, überarb. Fass. aus: M. Büttner (Hrsg.), Beiträge zum Geographentag in Bonn 1997, Fft./M. 1998, S. 59-88

-SR-

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Mittelalter-Magazin: Kölns Raumproblem

052faDie Stadt Köln hat, wie schon in den Köln-Notizen #3 angesprochen, ein Raumproblem. Vielleicht steckt dahinter aber auch ein aus der Geschichte herrührender Komplex: Köln hatte im Mittelalter und in der Neuzeit kein Territorium außerhalb seiner Mauern, anders als etwa die Freie Reichsstadt Nürnberg.

Wenn im Buch DIE BEATUS-CHRONIK von Köln und Frechen die Rede ist und der Kölner Macht- und Einflussbereich im Mittelalter angesprochen wird, wenn Kölns Bannmeile und auch der Burgbann in einer Karte zu sehen sind (S. 163), dann verschwimmt den meisten LeserInnen das Bild von den tatsächlichen Grenzen Kölner Machtbefugnisse außerhalb seinen Mauern. Aber der Autor wollte die LeserInnen nicht mit dieser schwierigen Materie belasten, zumal ihre differenzierte Betrachtung nicht notwendig zum Kernthema jenes Buches gehört.

Um das für Interessierte aber doch einmal abzuklären, halten wir zunächst fest: Köln war, wie gesagt, eine Stadt ohne eigenes externes Territorium. Köln war umgeben von fremdem Territorium, das zum großen Teil zum Erzstift alias Kurköln gehörte (siehe Karte unten). Und dort regierte als weltlicher Fürst der Erzbischof von Köln, der auf die Stadt Köln nicht gut zu sprechen war. Grund für das seit dem Hochmittelalter meist schlechte Verhältnis waren die Querelen und Konflikte um Kompetenzen in Fragen der Rechtsprechung, der Besteuerung oder der Zölle. Es ging um die Macht, die der formale Herr der Stadt real über Köln ausüben wollte, die ihm aber die Stadtregierung zunehmend streitig machte.

In einem mehrere Jahrhunderte auf und ab schwankenden Maß hatten die Kölner dem Erzbischof das eine oder andere Recht (Privileg) abgerungen, abgeschwatzt oder als Dank für treue Dienste erhalten, so das für die Handelsstadt enorm wichtige Stapelrecht (1259). Allmählich hatte sich die Stadt ein Stück weit aus der Herrschaft und Bevormundung des Erzbischofs gelöst. Auch andere Städte versuchten im Mittelalter, sich vom Stadtherrn zu emanzipieren und politisch von ihm unabhängig zu werden. Das gelang einigen auch, sie wurden reichsunmittelbar; das bedeutete, dass sie nur den Kaiser bzw. König als Herren anerkannten.

Als der Kölner Erzbischof wieder einmal verärgert über die Kölner war, strafte er die Stadt mit neuen Zöllen, die in Zollburgen am Rhein und anderswo erhoben wurden. Er brauchte ohnehin Geld, während die Kölner auf Handel angewiesen waren, den sie aber nicht durch neue Zölle verteuert sehen wollten. Mit der Aussicht auf Zerstörung von Zollburgen waren die Kölner von den Feinden des Erzbischofs gelockt worden, ihm vor der Schlacht von Worringen (1288, mehr >Mittelalter Magazin, ~) in den Rücken zu fallen und zur Gegenseite überzulaufen.

Danach war das Verhältnis verständlicherweise nicht verbessert. Es kam zwar zu keinen großen militärischen Konfrontationen mehr, aber der Erzbischof sah sich weiter als rechtmäßigen Herrn der Stadt, und die Kölner versuchten ohne Erfolg, ihren eng begrenzten Machtbereich vor der mittelalterlichen Stadtmauer zu erweitern. Jedesmal, wenn sie Fakten schaffen wollten, schickte der Erzbischof Soldaten, z.B. als sie im Gelände vor den Toren ein Schützenfest abhielten: Die Soldaten ritten heran und lösten die Veranstaltung auf. Der Erzbischof achtete genau darauf, dass die Kölner nicht auf sein Territorium übergriffen (Becker, S. 78f.).

Wie die Karte hier eher ungenau zeigt, hatte Köln im Mittelalter und danach bis Ende des 18. Jahrhunderts zwei verschiedene Bezirke um sich her: 1. den Burgbann, einen Rechtsbezirk, der ein Stück weit vor den 13+aMauern endete, 2. die Bannmeile, die im Halbkreis um Köln mit etwa 5 km Abstand von der Mauer verlief und im Westen bis in Frechener Gebiet (Herrlichkeit Frechen) reichte.

Wie man bei Becker* ausführlich nachlesen kann, hatte der Rat der Stadt Köln aber in diesen Bereichen vor seinen Toren keine rechtlichen Befugnisse und keine politische Macht. Köln versuchte zwar immer wieder, seine Kompetenzen über das unmittelbare Vorfeld seiner Mauern hinaus auszuweiten, der Erzbischof wachte aber mit Argusaugen über die Einhaltung der Grenzen (s.o.). Dasselbe gilt für den Rhein, an dessen Ufer Köln stieß, während das gegenüberliegende Ufer mit Deutz Territorium des Erzstiftes war. Köln konnte seinen Anspruch auf den Fluss, oder wenigstens die Flussmitte als Grenze, nicht durchsetzen.

Man kann Kölns Interesse ebenso verstehen wie das des Erzbischofs: Letzterer hatte ein am Rhein langgestrecktes und gerade auf der Höhe Kölns ziemlich schmales Territorium, durch Jülichs Vogtei über die Herrlichkeit Frechen von Westen eingeschnürt (vgl. Karte oben). Da wollte er keinen Fußbreit der Stadt Köln überlassen. Er sah sich ohnehin bis zuletzt, bis zur Annexion des Linksrheinischen durch Frankreich (1802), als rechtmäßigen Oberherrn der Stadt Köln, und hatte trotz der verlorenen Schlacht bei Worringen diesen Anspruch nie aufgegeben. Köln war zwar offiziell Freie Reichsstadt geworden (vom Kaiser bestätigt 1475), hatte aber dennoch nicht die volle Souveränität, da vor allem die Burgvogtei über Köln, verbunden mit dem Hochgericht, seit 1279 wieder in der Hand des Erzbischofs war.

Auch die Gerichtshoheit in der Bannmeile ließ sich nicht durchsetzen, sie lag in den Händen Kurkölns, bzw. im Süden das Gericht Rodenkirchen in Händen Bergs, wie auch im Norden die Herrschaft Riehl, im Südwesten stand Efferen und im Westen Frechen unter der Gerichtshoheit Jülichs. Und diese starken Nachbarn ließen keine Eingriffe in ihre Rechte zu. Köln war und blieb auf sein Stadtgebiet beschränkt. Es gab auch keine kleineren Gebiete im näheren Umkreis, die Köln als territorialen Zuwachs hätte erwerben können.

Erst im 19. Jahrhundert, unter ganz anderen Voraussetzungen und ohne territoriale Umklammerung durch den Gegner Kurköln, konnte Köln sein Stadtgebiet ausdehnen und erste Dörfer im Umkreis eingemeinden. Aber da war das Mittelalter längst Geschichte, ebenso das Heilige Römische Reich mit seiner Kleinstaaterei, mit den geistlichen Fürstentümern wie Kurköln, und mit den Freien Reichsstädten. Köln war nun eine Großstadt in Preußen, und die Industrialisierung ließ seine Bevölkerung stark anwachsen. Köln machte seine mittelalterliche Stadtmauer weitgehend platt und wuchs darüber hinaus – in mehreren Schritten während des 20. Jahrhunderts bis zu einer Ausdehnung, von der man bis zum Ende des 18. Jahrhunderts nicht einmal träumen konnte.

Derzeit liegt Kölns Stadtgebiet in den Grenzen von 1975/76, das scheint aber auf lange Sicht nicht das Ende Kölner Begehrlichkeit zu sein (vgl. W. Reinert, DIE BEATUS-CHRONIK, S. 115 u. 164). –

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* Wer sich damit ausführlicher beschäftigen will, sei auf dieses fundierte Buch verwiesen: Hans-Michael Becker, „Köln contra Köln: Von den wechselvollen Beziehungen der Stadt zu ihren Erzbischöfen und Kurfürsten.“ Köln: J.P.Bachem Verlag, 1992.

W. R.

13g+

Mittelalter: Vorsicht vor Missverständnissen

052faAn der Schwelle zum Mittelalter: Vorsicht vor Missverständnissen!

Wer sich mit Geschichte in der Epoche des Mittelalters beschäftigt, stößt mehr oder weniger schnell auf Dinge und Begriffe, die sich mit den uns heute geläufigen Vorstellungen kaum oder gar nicht in Einklang bringen lassen. Dazu gehören nicht nur mentale Bereiche wie Religion und Aberglaube, dazu gehören vor allem Rechtsverhältnisse* und gesellschaftliche Gliederungen und Regeln. Hinzu kommen politische Ordnungen, die nicht nur Hierarchien betreffen, sondern auch territoriale Zuordnungen – und damit nicht genug, auch Begriffe, die wir erst einmal gar nicht verstehen, wie Burgbann, Königsbann oder Bannmeile.

Blickt man in den historischen Atlas des mittelalterlichen Europa, sieht man Grenzlinien und verschieden gefärbte Gebiete und meint zunächst, diese Markierungen entsprächen heutigen Grenzen in politischen Landkarten. Doch da lauert schon das erste Missverständnis: Flächenstaaten und kompakte Herrschaftsgebiete sind dem Mittelalter weitgehend unbekannt, vielmehr sind „Staaten“ damals Personalverbände mit Gefolgschafts- und Abhängigkeitsverhältnissen, also noch keine Staaten im modernen Sinne, die von der Grundidee des Staatsvolkes in einem Staatsgebiet ausgehen und im Idealfall** einen Nationalstaat bilden. Diese Vorstellung verbreitete sich aber erst im 19. Jahrhundert in Europa, vorher dominierten die aus dem Mittelalter überkommenen feudalen Abhängigkeitsverhältnisse.

Wer sich auf der Landkarte des Mittelalters ein Dorf herauspickt und meint, dieses stünde ganz unter der Herrschaft eines Feudalherren, der wiederum einem Fürsten oder König verpfichtet sei, kann auch hier völlig danebenliegen: Oft haben Menschen oder Besitztümer, die im selben Dorf existieren, ganz unterschiedliche Herren und Verpflichtungen. Im Extremfall kann sogar jeder Hof im Dorf einem anderen Herrn abgabepflichtig und zusätzlich noch mit besonderen Pflichten oder Rechten ausgestattet sein.

Ausgehend von der Grundherrschaft, konnte ein Hof dem König (Krondomäne), einem adligen Herren, einem Kloster oder auch einem Domstift gehören – eben allen, die Grundbesitz hatten. Komplizierter noch wird es, wenn z.B. Abgaben eines Besitzes Teil einer kirchlichen Pfründe waren, mit denen ein Pfarrer, Domherr, Bischof etc. versorgt wurde, während andere Pflichten und Rechte aber einem anderen Herren gehören, weil sie z.B. verpfändet wurden. Aus dieser Gemengelage kann sich im Laufe der Jahrhunderte ein Flickenteppich von Besitz- und Rechtsverhältnissen entwickelt haben, der ohne genaues Studium der einzelnen Verhältnisse nicht zu durchschauen ist.

Auch ein freier Besitz konnte durch Erbteilungen im Laufe der Zeit nicht nur zersplittern, sondern auch in unterschiedliche Abhängigkeiten geraten. Das Mittelalter umfasst tausend Jahre, und in dieser Zeit änderte sich Vieles. So versuchten gegen Ende des Mittelalters die Grundherren verstärkt, freibäuerlichen Besitz unter ihre Herrschaft zu bringen. In manchen Gebieten eigneten sie sich auch bisher gemeinschaftlich genutztes Land (Allmende) an, weil sie sich auf das um sich greifende römische Recht beriefen. Im Gegensatz zu germanischer Rechtstradition folgte dieses dem Grundsatz: Kein Land ohne Herren. Im Zweifel beanspruchte also der nächstgrößere adlige Feudalherr das Allmende-Land. Dies war in manchen Gegenden ein Auslöser für Bauernaufstände.

Was die Bildung von Territorien oder Herrschaftsgebieten angeht, so darf man, wie gesagt, auch da nicht mit heutigen Vorstellungen herangehen. Wenn man etwa die Entwicklung im Frankenreich im frühen Mittelalter ins Auge fasst, so stand am Anfang die Eroberung und Landnahme ehemals römischer Provinzen durch die fränkischen Stammesverbände, an deren Spitze der König als Heerführer stand.

Der Besitz an wertvollem, d.h. in erster Linie fruchtbarem Ackerland wurde bisherigen Besitzern der alten Führungsschicht weggenommen, der König verteilte es neu unter seine Gefolgsleute, wie auch sonstige Beute unter den Mitkämpfern verteilt wurde. Die besten Stücke behielt der König für sich. Er hortete nach Möglichkeit Land und Edelmetall, um daraus auch später Gefolgsleute für treue Dienste belohnen zu können.

Das große Frankenreich konnte vom König allein nicht effektiv regiert werden, er setzte Grafen ein, die für ihn Gebiete kontrollierten, indem sie vor allem die höhere Gerichtsbarkeit ausübten. Er selbst ritt möglichst viel umher, denn nur da, wo er präsent war, konnte er auch unmittelbar regieren. Dieses „Reisekönigtum“ stützte sich auf verstreut angelegte Königspfalzen, die als große Wirtschaftshöfe König und Gefolge eine Zeitlang versorgen konnten. Außerdem quartierte er sich auch bei vermögenden Adligen oder Bischöfen und bei reichen Abteien ein, die für die Versorgung und Unterhaltung der Gäste aufzukommen hatten.

Die Adligen, Bischöfe und Abteien erhielten Land als Lehen (=eine Art Leihgabe), die Kirchen und Abteien oft als Schenkungen, und daraus ergab sich in Summe das formale Herrschaftsgebiet des Königs, das Königreich. Doch konnte der König eben nicht „von oben“ beliebig in seine Gebiete hineinregieren: Die kirchlichen Besitztümer waren formal seinem Einfluss entzogen, und oft unterstellten sich Klöster direkt der Herrschaft des Papstes, ansonsten standen sie unter der Aufsicht eines Bischofs. Die Adligen trachteten schon bald danach, ihre Lehen in erblichen Besitz umzuwandeln, was ihnen auch immer häufiger gelang. Daher stützten sich die Könige des Mittelalters hauptsächlich auf das Kronland, den direkten Besitz des Königs.

Einen folgenschweren Einschnitt in dieser Entwicklung nahm Kaiser Friedrich II. von Hohenstaufen vor. Im Jahre 1220 trat er an die Erzbischöfe und Bischöfe eine Reihe seiner Herrschaftsrechte (Regalien) ab, um sich ihre Zustimmung zu seiner Politik zu sichern und sich mehr um seine Herrschaft in Italien kümmern zu können. Ähnlich bedachte er 1232 auch die Großen unter den weltlichen Herren des Reiches mit Privilegien. Die nutzten die Regalien sofort und ausgiebig, um ihre Herrschaft über die ihnen zu Gebote stehenden Gebiete auszubauen und zu sichern. Erst nachdem sie in diesen Gebieten weitgehend die Herrschaft übernommen hatten, kann man hier vorsichtig von ersten „Staaten“ sprechen, die zumindest weitgehend politisch unabhängig waren: Der König bzw. Kaiser hatte dort nicht mehr viel zu bestimmen.

Diese Entwicklung setzte sich in der Goldenen Bulle Kaiser Karls IV. (1356) fort. Im Zuge der Regelung der Kaiserwahl durch sieben Kurfürsten wurden nicht nur letztere in ihrer Macht gefestigt, sondern die Zustimmung anderer Fürsten durch Erhebung von Grafen zu Herzögen erkauft. So war der Erzbischof von Köln nun als einer der Kurfürsten festgeschrieben, während die benachbarten Grafen von Jülich und Berg zu Herzögen aufstiegen.

In Geschichtsatlanten schlägt sich das lediglich in den Bezeichnungen „Kurköln“ für das Erzstift (=weltliches Herzogtum des Erzbischofs von Köln) und „Herzogtum Jülich“ sowie „Herzogtum Berg“ nieder. Der politische Schacher um Macht und Einkünfte wird darin nicht sichtbar. Einkünfte brachte den Kurfürsten jede Kaiserwahl, da Bestechung der Wahlberechtigten durch die Kandidaten üblich war. Das setzte sich weit über das Ende des Mittelalters hinaus fort.

Im Mittelalter wurde also schrittweise die Grundlage der „Kleinstaaterei“ in Deutschland gelegt, die im 19. Jahrhundert die Bildung eines deutschen Nationalstaates behinderte. Doch enthalten wir uns hier besser einer Bewertung: Auch die Idee des Nationalstaates ist in die Jahre gekommen und wird im heutigen Europa nicht mehr durchweg als Nonplusultra (=das Allerhöchste) der historischen Entwicklung gesehen. Will sagen: Das heutige Europa handelt politisch als EU oft nicht harmonisch vereint, vielmehr sperrt sich oft nationaler Eigensinn gegen z.B. eine gemeinsame Außenpolitik.

Das Mittelalter hat aber selbst für das heutige Europa noch eine Bedeutung, die man leicht übersieht: Die Verfechter der europäischen Idee, d.h. des Zusammenwachsens zu einem vereinten oder wenigstens eng zusammenrückenden Europa, berufen sich auf die Vorstellung, dass Europa kulturell eine Einheit bildet, dass (wie vor allem bayrische Politiker gern hervorheben) im Mittelalter ein christliches Abendland entstand, das die Wurzeln eines (kulturellen) Gesamt-Europas ausmacht.

Manche loben Karl den Großen als quasi ersten Europäer hoch, weil sein Frankenreich eine übernational-europäische Idee vorgeprägt habe. Wenn man deshalb in Aachen den Karlspreis an gute Europäer verleiht, habe ich persönlich als Historiker leichte Bauchschmerzen: Hat jener Karl denn wirklich im Sinne von Völkerverständigung und einem friedlich zusammenwachsenden Europa ein Vorbild abgegeben? Daran hätten damals, im 9. Jahrhundert, nicht nur die Sachsen erhebliche Zweifel angemeldet.

Wer Karls Frankenreich im Geschichtsatlas anschaut, der gewinnt leicht einen falschen Eindruck. Die weit gespannten äußeren Grenzen umfassen keineswegs ein wohlorganisiertes, vor allem kein einfach zu regierendes Reich (s.o.). Außerdem drohte auch immer der Abfall von Gebieten, deren Herrscher sich zwar unterworfen, aber später dann doch lieber ohne Karl als Oberherrn regiert hätten. Das traf nicht nur auf Sachsen zu.

Dieses Reich war eben nicht vergleichbar mit dem Römischen Reich, das als Vielvölkerstaat und großer Wirtschaftsraum mit gut gepflegten Verkehrswegen und einheitlicher Währung doch eher als Vorbild Europas taugen könnte – aber eben auch zusammenerobert war und ohne neue Eroberungen fast zwangsläufig in strukturelle Krisen geriet.

Nun, wie auch immer, Geschichte wiederholt sich nicht, und historische Vergleiche hinken schon deshalb. Im Mittelalter jedenfalls wurde der Begriff „Europa“ so gut wie gar nicht verwendet, eher spielte die Idee des christlichen Kaiserreiches eine Rolle, des „Heiligen Römischen Reichs“ in Nachfolge des weströmischen Kaiserreichs. Dessen Grenzen waren noch weniger europa-umgreifend als die des o.a. Karls-Reiches, und hier gilt auch: Was im Geschichtsatlas als zum Reich gehörend gekennzeichnet ist, ist nicht immer fester Bestandteil.

Kurzum: Wer Vorbilder oder Vergleiche aus der Mittelalter-Kiste hervorholt, sollte sich gut informieren und die zahlreichen Schwellen beachten, die wir überwinden müssen, ehe wir die Verhältnisse jener Zeit richtig verstehen können. Das aber ist nicht einfach, wir sind auf die Arbeit von Spezialisten angewiesen, die uns das möglichst nachvollziehbar erklären. Dagegen mag ein Besuch auf einem Mittelalter-Markt unterhaltsam sein, er erklärt uns aber bestenfalls – und anschaulich – ein paar Dinge aus der praktischen Lebenswelt der damals lebenden Menschen.

Der Mittelalter-Markt ist aber in erster Linie eine kommerzielle Veranstaltung, die eher an die Vorstellungen des Publikums anknüpft, als ihm bis dahin fremde Welten realitätsnah zu zeigen. Damit die Besucher nicht weggbleiben, muss man Kompromisse machen, z.B. sprachliche: Die altertümlich klingenden Wendungen, die Akteure in mittelalterlicher „Gewandung“  in der Ansprache des Publikums benutzen, sind eine Kunstsprache mit Elementen aus höfischen Floskeln des 18. Jahrhunderts. Das klingt dem Publikum aus irgendwelchen Romanen oder Hollywood-Filmen noch halbwegs vertraut. Man kann ihm aber keine „Originalsprache“ des Mittelalters zumuten – soweit man sie nach heutiger wissenschaftlicher Erkenntnis korrekt aussprechen könnte – und z.B. eine Variante des Mittelhochdeutschen verwenden. Das würde in den allermeisten Ohren wie eine Fremdsprache klingen.

Ähnliches gilt für die Betrachtung der Bildwelten des Mittelalters, wo es eine uns weitgehend fremd gewordenen Symbolsprache zu entschlüsseln gilt. Noch am Ausgang des Mittelalters, als in  Italien längst die Renaissance Einzug gehalten hat, entstehen in Deutschland Kunstwerke (z.B. von Cranach oder Dürer), die man ohne besondere Kenntnis der mittelalterlichen Symbolik (und selbstredend der Bibel) nicht deuten kann.

Diese Warnung vor Missverständnissen soll niemanden abschrecken, sich mit dem Mittelalter zu beschäftigen, im Gegenteil; aber man darf keine vorschnellen Vergleiche mit der heutigen Lebenswelt ziehen, man muss vielmehr beachten: Vieles hat sich äußerlich wie inhaltlich stark verändert. Am wenigsten trifft dies auf die Natur des Menschen zu, denn die Evolution verändert ihn vielleicht ein wenig in Zehntausenden von Jahren, wenn überhaupt, während die von ihm entwickelte technische Zivilisation der Evolution immer schneller davoneilt. –

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* Wer sich einen Begriff von der Unübersichtlichkeit der Rechtsverhältnisse im Mittetalter machen will, lese Dietmars zusammenfassende Darstellung am Beispiel Köln: „Das Kölner Gerichtswesen im Mittelalter“, in: Carl Dietmar, Das mittelalterliche Köln. Köln: J.P.Bachem Verlag, 2004, S. 35-39. — Auch am Beispiel „Universitas“ und „Universität“ kann man große Unterschiede zwischen den Verhältnissen des Mittelalters und den heutigen erkennen. Siehe dazu ausführlich den Beitrag in der Unterseite „F.U.F. – der Club“, dort weit unten zu finden.

** „Idealfall“ ist hier nicht als Wertung zu verstehen: Wie es den Menschen in einem Staat geht, hat nicht allein mit der Staatsform zu tun. So gibt es Nationalstaaten, die eine homogene Nation künstlich herbeizwingen wollen und deshalb ihren Minderheiten deren eigene Sprache und kulturelle Identität verbieten. Derartige Staatswesen sind keineswegs als Ideal geeignet! Wünschenswert sind eher Staaten, die sich ohne ideologische Überhöhung erst einmal als Organisationsform betrachten, die allen Staatsbürgern ein erträgliches Leben ermöglichen wollen, und daher Interessengegensätze auszugleichen suchen, anstatt die Interessen einer Bevölkerungsgruppe gegen andere durchzusetzen. Diese Einstellung ist auch nach außen, gegenüber anderen Staaten, die beste Voraussetzung für ein friedliches Miteinander.

W. R.

13g+

Als Irland Westeuropas Kultur befruchtete

052Wenig bekannt ist vielen historisch Interessierten, dass es in Europa eine Zeit gab, in der weniger die Parole „Ex oriente lux“ (Aus dem Osten Licht) galt, sondern vielmehr die kulturelle Entwicklung und Weitergabe antiker Gelehrsamkeit sehr von der frühchristlichen Kultur Irlands beeinflusst und geprägt wurde.

Keltisches Hochkreuz, Irland, frühes Mittelalter

Keltisches Hochkreuz, Irland, frühes Mittelalter

Für die Zeit des angehenden Mittelalters sagt Geoffrey Ashe (1976) über Irland: „Soon Erin was the most cultured land of Western Europe: the only one, for instance, where any appreciable number knew Greek.“ Kein Wunder also, dass Missionare aus Irland nach Großbritannien und zum Kontinent ausschwärmten, Christentum und Kultur im Gepäck (s. auch Karten in: DIE BEATUS-CHRONIK, S. 159f.). In der Buchmalerei der westeuropäischen Klöster dominierte der ornamentale Stil der Iren, und Karl der Große betraute den in der irischen Tradition geschulten Alcuin von York mit kulturellen Projekten, um nur zwei Beispiele zu nennen.

Vom sogenannten (!) „finsteren“ Mittelalter konnte also, was die Hochkultur und die Welt der Gelehrten anging, im Irland des frühen Mittelalters überhaupt keine Rede sein. Bei Ashe findet auch ein irischer Mönch Erwähnung „… named Ferghil or Virgil, [who] became bishop of Salzburg and caused a stir by teaching that the earth is round and that other inhabited worlds exist.“ Offenbar waren das Dinge, die Andere damals nicht zu denken wagten.

Ferghil hingegen brachte diese Gedanken aus seinen Studien antiker Literatur mit, die in Irlands Klöstern bewahrt und per Kopie vervielfältigt wurde. Später wurde in Europa Vieles davon als teuflisches Machwerk vernichtet, Abschriften antiker Texte auf Pergament wurden ausradiert und als Palimpsest mit christlicher Literatur neu beschrieben. Noch im Laufe des Mittelalters gingen so etliche Werke antiker Autoren verloren. Von vielen dieser Werke kennt man nur noch die Titel oder kurze Textstellen, die von anderen Autoren in erhaltenen Schriften zitiert wurden.

Die Beatus-Chronik wirft zu Beginn einen Blick auf die Rolle Irlands im frühen Mittelalter (DIE BEATUS-CHRONIK, S. 17). Dem Chronisten lag wohl daran, die Ursprünge einer Bildungs-Tradition darzustellen, in der auch die seinerzeit (um 1300) geplante Universitätsgründung in Frechen stehen sollte.

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5.6.1288 Schlacht bei Worringen

Zu diesem Er052faeignis erschien am 5.6.2013 im Kölner Stadt-Anzeiger ein ganzseitiger Artikel von Carl Dietmar, einem ausgewiesenen Kenner der Geschichte Kölns. Dieser Autor wird daher auch zu verschiedenen Fragen in DIE BEATUS CHRONIK zu Rate gezogen. In der Chronik selbst wird das Ereignis mit wenigen Sätzen behandelt (s.S.26, §55), der Chronist Beatus vergisst dabei nicht, auf den Treubruch der Kölner hinzuweisen: „Doch kurz vor einer wichtigen Schlacht (…) ließen die Kölner ihren Herrn im Stich, wechselten die Seiten…“ Auch Carl Dietmar beschreibt den plötzlichen Seitenwechsel als Vertrags- und Treubruch. Damit folgt er nicht der üblichen Bewertung der Schlacht, die den Treubruch eher übergeht und sie als Entscheidung für die Freiheit der Stadt Köln bejubelt. Dietmar weist zu Recht darauf hin, dass es nicht um Köln, sondern um die Machtverhältnisse am Niederrhein ging, und dass die Schlacht den Limburgischen Erbfolgekrieg entschied.

Dessenungeachtet feierte Köln sich als Mitsieger der Schlacht und stilisierte sie zum entscheidenden Ereignis der Stadtgeschichte im Kampf um Unabhängigkeit vom Stadtherrn, dem Erzbischof. Sogar eine Dankeskapelle für den Sieg wurde gebaut; ab 1309 führte der Rat am Jahrestag der Schlacht eine Prozession zur Bonifatiuskapelle und gedachte feierlich des Sieges.

An der Seite der kölnischen Abordnung kämpfte in der Schlacht im Kontingent des Grafen von Berg ein Haufen bergischer Bauern. Diese Bauern fielen durch ihr Verhalten aus dem Rahmen: Sie nahmen keine Gefangenen, um diese, sofern adelig und vermögend, später gegen Lösegeld freizugeben, vielmehr schlugen sie auf alles ein, was einen bunten Waffenrock trug, auf Freund wie Feind. War dies vielleicht ein frühes Beispiel von Klassenbewusstsein? Sahen diese Bauern in jedem Adligen einen Feind und potentiellen Unterdrücker?

Dietmar schreibt, die bergischen Bauern seien „mit den Regeln ritterlicher Kriegskunst nicht vertraut“ gewesen. Mag sein, dass niemand vor der Schlacht daran gedacht hatte, diese Bauern in einem „Briefing“ in diese Regeln einzuweisen. So gingen sie in die Schlacht, um zu schlachten. Auch deswegen lagen am Ende des Tages tausende Tote auf dem Schlachtfeld –  kein Grund zum Jubeln. Allerdings machten auch die Brabanter in einer kritischen Phase der Schlacht keine Gefangenen und töteten jeden Besiegten. Der Graf von Luxemburg lag am Ende mit seinen Brüdern ebenso unter den Toten wie eine große Zahl Adliger aus den Grafschaften Brabant, Berg, Geldern, Jülich, Limburg und dem Erzstift.

Großer Sieger ist Johann I. Herzog von Brabant, großer Verlierer (unter den Überlebenden) Erzbischof Siegfried von Westerburg.

Handfesten Nutzen haben die Kölner durch die Zerstörung der Zollburg des Erzbischofs in Worringen. Damit hatte Johann von Brabant sie auch geködert, ihrem Stadtherren in den Rücken zu fallen. Aus Kölner Sicht ist es wichtig, die Handelswege um Köln von zusätzlichen Zöllen freizuhalten. Wie die Kartenskizze zeigt, griffen die Kölner in jener Zeit mehrfach auch zu militärischen Mitteln, um Zollburgen des Erzbischofs zu beseitigen, teils im Bündnis mit dem Grafen von Jülich.

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Während Siegfried von Westerburg auf Schloss Burg gefangen saß, eigneten sich einige Kölner seine Besitzungen und Einnahmen in der Stadt an.

Zwei Jahre nach der Schlacht von Worringen tagte in Bonn ein päpstlicher Untersuchungsausschuss zum Treubruch der Kölner gegenüber dem Erzbischof. Köln zahlte die ziemlich hohe Geldstrafe nicht und wurde mit dem Interdikt (Verweigerung kirchlicher Amtshandlungen) belegt, das erst von Siegfrieds Nachfolger Wikbold von Holte 1298 im Zuge einer Aussöhnung mit der Stadt aufgehoben wurde. –

Inhaltlich gestützt auf Carl Dietmars o.g. Artikel und das Buch „Worringen 1288“ von Vera Torunsky, Köln 1988)

Eine weitere Leseempfehlung: Carl Dietmar, Kölner Mythen. Köln 1999, S. 22-31. Hier hält Dietmar nicht mit deutlichen Wertungen zurück, z.B. dieser: „In der sogenannten ‚Köln-Literatur‘ sucht man vergebens nach einem Hinweis auf die Rolle der Stadt als ‚lachende Dritte‘, die – skrupellos und vertragsbrüchig – einen Konflikt ausnutzte, der sie nichts anging.“ (ebda., S. 30)

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