Archiv der Kategorie: Kölner Stadtarchiv-Einsturz u. -Neubau

Köln-Notizen März-2017

Während die diesjährige LitCologne zu Ende ging, legte Oberbürgermeisterin Henriette Reker feierlich am Eifelwall den Grundstein für den Neubau des Historischen Archivs der Stadt Köln. Als erstes Stadtoberhaupt hatte sie am 3.3. auch an der Gedenkfeier für den Archiveinsturz und seine drei Opfer teilgenommen und dort gesprochen. Kurz zuvor hatte der Stadtrat die Schenkung des Hinweisschildes (s. Foto links) angenommen, das Mischa Kuball für den Einsturzort entworfen hatte.
Auf der Gedenkfeier wurde auch das Stück „Kölner Klagegesang“ aufgeführt; mehr dazu >ArchivKomplex ist eine Webseite von Künstlern und Architekten zum Archiveinsturz in Köln   Auch der S.R. der FUF wohnte der Feier bei und machte ein paar Fotos.

Da man immer von zwei Todesopfern des Einsturz hörte, nämlich den beiden jungen Männern Khalil (24) und Kevin (17), dabei aber ein weiterer Mensch vergessen wurde, der indirekt auch Opfer des Einsturzes war, brachte der Kölner Stadt-Anzeiger am 3.3. einen ausführlichen Nachruf auf Josefine Borcilo (84): Sie verlor zunächst durch den Einsturz ihre Wohnung, wurde in einem Hotel untergebracht, verlor einige Tage später auch ihren Lebensmut und schied aus dem Leben, ohne die schon bereitstehende neue Wohnung zu beziehen. Mehr > Kölner Stadtarchiv: Nachruf auf Josefine Borcilo: Die wunde Seele vom Waidmarkt kam nicht zur Ruhe | Kölner Stadt-Anzeiger

Foto oben links: 2 der (lesenswerten!) Infotafeln zum Ereignis 2009 (Bild anklicken!) —– rechts: Die Anwesenden lauschen dem „Kölner Klagegesang“ während der Gedenkfeier am Einsturzort.

S. R.

Aktueller Nachtrag am 26.05.2017: Nach Berichten des Kölner Stadt-Anzeigers im Mai 2017 erhebt die Staatsanwaltschaft Anklage „wegen fahrlässiger Tötung und  Baugefährdung“ gegen mehrere Personen, die am Bau und an der Bauaufsicht beteiligt waren. Anscheinend führten unter Zeitdruck schlampig ausgeführte Arbeiten an Teilen der Schlitzwand in über 20m Tiefe sowie Vertuschung und mangelnde Kontrolle durch die Bauaufsicht zum Schlamm- und Gerölleinbruch, der dem Stadtarchiv den Untergrund entzog und zum Einsturz führte. Mehr und Genaueres >Archiveinsturz Köln: Vorwürfe an Baufirma und Kölner Verkehrsbetriebe wegen Baugefährdung | Kölner Stadt-Anzeiger

Köln-Notizen #19

50+sNun ist es schon sechs Jahre her, dass am 3.3.2009 um 13.58h das Historische Archiv der Stadt Köln einstürzte und zwei junge Menschen in den Tod riss. Der materielle Schaden war gewaltig, außerdem das Image Kölns ramponiert. Die Forschung nach der Ursache der Katastrophe zieht sich hin – aus guten Gründen, wie ein Kommentar im Kölner Stadt-Anzeiger erläutert:  Kommentar zum Stadtarchiv: Sorgfalt ist bei Stadtarchiv-Ermittlungen wichtiger als Eile | Debatte – Kölner Stadt-Anzeiger .

Ein neues Gebäude für das Stadtarchiv ist geplant, wenn auch leider in einer Spar-Version. Die aufwändige Restaurierung der teils nur verschmutzten, teils auch beschädigten Archivalien dauert an. Die unterirdisch verlaufende Strecke der Nord-Süd-Bahn an der Severinstraße kann erst mit vielen Jahren Verspätung in Betrieb gehen. Die beiden Toten des 3.3.09 sind nicht wieder lebendig zu machen.

Das Thema ist hier im Blog schon mehrfach behandelt worden, und es bleibt uns auch noch Jahre erhalten: Womöglich folgen der Ursachenfeststellung ja noch Prozesse um Entschädigungen (siehe Kommentar im Link oben, sowie >Köln-Notizen #13), in denen es um sehr viel Geld gehen wird. Wir erinnern uns: Wenn es ein Grundbruch war, werden die Baufirmen erleichtert aufatmen, wenn es aber ein Baufehler war, haften sie (bzw. ihre Versicherungen).

-SR- 03.03.2015

13g+

Köln-Notizen #13

50Was gibt’s Neues zum Thema „Archiveinsturz“? Wer das Thema in den Medien verfolgt, sagt: nichts. Aber für die große Mehrheit der Übrigen verweise ich auf die News, die man z.B. hier findet: http://www.express.de/koeln/es-geht-um-ueber-eine-milliarde-archiv-einsturz–schadenersatz-gibt-s-wohl-erst-in-zwoelf-jahren,2856,27690872.html

Köln kann sich also auf eine lange Wartezeit einstellen, bis geklärt ist, wer und was ursächlich für die Katastrophe vom 03.03.2009 verantwortlich ist. Bis dahin könnte sogar der Neubau des Stadtarchivs an anderer Stelle längst eingeweiht sein. Dennoch: W.R. wird am Thema weiter interessiert bleiben und ggf. berichten bzw. kommentieren.

Mehr zum Thema >Köln-Notizen #11.

W. R.

13g+

Köln-Notizen #11: Fünf Jahre Archiveinsturz

50Was W. R. in der Vorbemerkung zum Buch DIE BEATUS-CHRONIK über den Kölner Archiveinsturz schrieb, muss an dieser Stelle nicht wiederholt werden. Aber die Erinnerung an, und das Entsetzen über diese Katastrophe sind weiterhin lebendig, und das nicht nur bei vielen KölnerInnen, sondern auch bei Menschen außerhalb von Köln.

Im o.g. Buch sind drei Weblinks notiert, die Informationen zum Thema und zum thematischen Umfeld liefern. Auch aktuelle Entwicklungen werden dort dargestellt und z.T. kritisch kommentiert. Deshalb finden sich diese Links auch in diesem Beitrag unten aufgeführt. Im Übrigen zieht sich die Thematik auch durch mehrere Beiträge (Köln-Notizen #1, und weitere) hier im Blog.

Inzwischen naht der fünfte Jahrestag des Einsturzes, der zwei junge Menschen das Leben kostete. Es gibt Diskussionen um die passende Würdigung dieses Jahrestages; außerdem wird die Frage „Wer ist schuld an der Katastrophe?“ virulent: Der Staatsanwalt muss Schuldige benennen, um die drohende Verjährung zu unterbrechen – wie man in den Medien genauer nachlesen kann, z.B. in einem ausführlichen Überblick hier:  http://www.rundschau-online.de/koeln/archiveinsturz-suche-nach-schuldigen-wird-konkret,15185496,25887980.html

Wäre dies nicht schon Thema und Diskussionsstoff genug, wird jetzt auch darüber debattiert, ob der Rosenmontaggszug am 03.03.2014 wirklich die Einsturzstelle meiden und umfahren sollte bzw. muss – oder gerade nicht. Auch dazu findet sich ein Zeitungsartikel („Eine Stadt im Spagat“) auf der folgenden Seite: http://www.archivkomplex.de/

Die offizielle Seite der Stadt Köln stellt natürlich Informationen zur Thematik bereit:  http://www.stadt-koeln.de/5/kulturstadt/historisches-archiv/

Und neben Archivkomplex (s.o.) begleitet noch eine weitere Website nicht nur das Thema „Historisches Archiv“ kritisch: http://www.koelnkannauchanders.de/nicht_vergessen/stadtarchiv/

Neben den o.a. aktuellen Fragen steht seit langem eine weitere im Raum: Wie soll an der Einsturzstelle in Zukunft des Ereignisses gedacht werden, d.h. in welcher Form soll dort eine Erinnerungsstätte entstehen? Man sieht: Die Thematik wird sich nicht so bald erledigt haben, sie wird Köln noch längere Zeit umtreiben.

W. R.

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Köln-Notizen #8

50Betr.: Historisches Archiv

Wie der KStA heute (10.09.13) im Köln-Teil meldet, gibt es für den Neubau des Historischen Archivs bei realistischer Einschätzung eine weitere Verzögerung. Was Kritiker schon beim Schwenk des Stadtrates auf die „Kleine Lösung“ (>K-N #6, Juli ’13) befürchteten, tritt ein: Der nach überarbeiteter Planung (kleinmütige Lösung) geplante Abschluss der Bauarbeiten im November 2018 bedeutet noch keine Eröffnung für die Nutzer, denn dann wird erst noch viel Zeit gebraucht, um das Archiv einzuräumen (Die Nutzer sollen schließlich da auch durchfinden). So ist mit einer Eröffnung nicht vor Ende 2019 zu rechnen.

Der Kommentar von A. Damm kritisiert: „Ein beschämendes Zeugnis für die Planung im Rathaus: Zehn Jahre nach dem Unglück am Waidmarkt werden die Kölner immer noch kein neues Stadtarchiv haben.“ Dem ist wenig hinzuzufügen…

55-Ornam.1b+Nachtrag vom 11.09.13: Das Historische Archiv hat Personalmangel. Ohne zusätzliche Helfer würden sich Rettung und Erfassung der Archivalien massiv verzögern. Die 35 befristeten Einstellungen muss der Rat noch bewilligen. Der KStA zitiert die Archivleiterin Frau Schmidt-Czaia: „Wenn die Stellen bis zum 1. Januar nicht besetzt sind, kommen die Arbeiten zum Erliegen.“ –

Derweil nehmen die Arbeiten am Besichtigungsschacht an der Einsturzstelle ihren Fortgang. Aber vor dem Frühsommer 2014 wird voraussichtlich kein Taucher zur in 27 m Tiefe vermuteten Schadstelle in der sogenannten Schlitzwand vordringen. So werden frühestens im Sommer 2014 erste Untersuchungsergebnisse zur möglichen Unglücksursache zu erwarten sein, und dann wird es wohl vor Gericht weitergehen mit der Klärung der Haftungsfragen — vorausgesetzt, man hat die Ursache gefunden. Vom Gutachter der Baufirmen wurde ja angezweifelt, dass ein Baufehler in der Schlitzwand das Unglück ausgelöst habe (Schließlich geht es hier um große Entschädigungssummen!).

55-Ornam.1b+

Köln-Notizen #6

50Betr.: Historisches Archiv

Das war zu befürchten, doch leider bleibt sich die Politik des offiziellen Köln hier treu: Die Mehrheit im Stadtrat hat sich nicht besonnen und einer gewagten Sparprognose folgend am 18.07.2013 die „kleine Lösung“ des Archivneubaus beschlossen.

„Gewagt“ in zweifacher Hinsicht: Während Kritiker den finanziellen Nutzen des Sparbeschlusses in Frage stellen und monieren, dass der Spareffekt übertrieben, die Folgekosten des neuen Beschlusses dagegen heruntergerechnet worden seien, stöhnen Andere über den neuerlichen Imageschaden Kölns, das sich doch gern als „Kulturstadt“ mit weltstädtischem Flair darstellt.

Köln ist Kulturstadt eher dank des Engagements vieler seiner Bewohner und weniger dank weiser politischer Beschlüsse – dieser Eindruck drängt sich leider auf. Das Köln regierende Ensemble mag einiges vom Geld und viel von politischen Hakeleien und Sandkastengezänk verstehen, doch fehlt es einer Mehrheit anscheinend des öfteren an Sachkunde und mehr noch an Weitsicht. Und weltstädtisch? Köln wird in Sachen Archiv ja nicht einmal seiner Verantwortung gegenüber der Nation gerecht. (Siehe dazu auch den Artikel in der Süddeutschen Zeitung, nachzulesen auf www.archivkomplex.de)

Weitsicht und nachhaltiges Investieren scheinen nicht nur in der Kölner Politik inzwischen eher verpönt zu sein. Es dominiert die kurzfristige Kosten-Nutzen-Kalkulation sowohl im finanziellen Bereich als auch im politischen Alltagsgeschäft, das zuweilen einer Kabbelei im Kasperle-Theater ähnelt – mit einem Horizont, der nicht über den Tellerrand der nächsten Wahl hinausreicht. Zur Unterhaltung des Wahlpublikums wird dem politischen Gegner ab und zu ein Beinchen gestellt oder hinterrücks Sand ins Hemd gestreut, der sich dann als Sand im Getriebe auswirkt und wichtige Entscheidungen verhindert oder beeinträchtigt.

Liebe Politiker, das ist zuwenig! Ihr kostet uns auch Geld und finanziert teure Wahlkämpfe teils mit Steuermitteln – Wahlkämpfe, die wenig Substanz und Niveau erkennen lassen, und die von denkenden Wählern nicht ernst genommen werden können.

Ach – genug der Politikerschelte. Was dann? Ja, was wohl: Mischt Euch mehr ein und wartet nicht bis zu den Wahlen, um Eure Meinung da kundzutun, wo sie wahrgenommen wird!

W. R.

13g+

Köln-Notizen #5

50

„Historiker entsetzt über Stadt Köln“, überschreibt der KStA von Dienstag, 16.07.2013, auf S.22 seinen Bericht über den Skandal um die Planung zum Neubau des Kölner Stadtarchivs. Aus der Presse-mitteilung nationaler Verbände von Archivaren und Historikern wird u.a. zitiert: „In einem unwürdigen Schauspiel begräbt die Stadt Köln ihr Stadtarchiv ein zweites Mal, diesmal im letztlich undurchschaubaren Gewirr ihrer Entscheidungen.“ Offenbar sei den Verantwortlichen die Tragweite ihrer Hinhaltepolitik in keiner Weise bewusst.

Wir haben zur Sache schon in den Köln-Notizen #1 berichtet, und unser Kommentar dort (neben dem Bild) hat leider weiterhin Gültigkeit.

W. R.

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Köln-Notizen #1

50Im Kölner Stadtrat wurde im April 2013 vorgeschlagen, die bereits beschlossene Planung für den Archiv-Neubau zu überdenken, genauer: den Entwurf abzuspecken und eine billigere Version zu planen, in die die Kunst- und Museumsbibliothek nun doch nicht integriert werden soll.

Köln hat zwar einerseits Finanzprobleme, andererseits aber die Verpflichtung, das Stadtarchiv nach dem Desaster von 2009 in angemessener Weise wieder zu errichten und sich als Kulturstadt nicht selbst zu desavouieren. Die Initiative „Archivkomplex“ hat gegen die Revisionsabsichten eine Petition verfasst, die alle interessierten BürgerInnen im Internet lesen und ggf. unterschreiben können: www.archivkomplex.de. Der Autor W. R. hat dies natürlich bereits getan.

Nach Umfragen sollen Anfang Juni 2013 die Mehrheit der Kölner Bürger für die Sparversion sein. Vermutlich steht das im Zusammenhang mit der Diskussion um die Archäologische Zone am Rathaus – ein völlig anderes Projekt. Vielleicht sind es „der Kultur“ weniger nahestehende Befragte, die lieber z.B. mehr Schlaglöcher auf den Straße Kölns repariert sehen wollen. (Umfrage siehe KStA 8./9.6.13, S. 36)

Die Frage ist nur, ob man verschiedene Ausgabenbereiche so gegeneinander ausspielen kann; ebenso ist die Frage, ob die Stadt bei klammer Kasse „einfach“ da Gelder streichen soll, wo es sich nicht um die sogenannten Pflichtaufgaben handelt – also bei „der Kultur“.

01fDie Frage ist auch, ob sich Köln einen (weiteren) Ansehensverlust leisten will, indem es vier Jahre nach dem Einsturz seines Stadtarchivs (schon wieder) langfristig wichtige kulturelle Institutionen stiefmütterlich behandelt, die über Köln hinaus von Bedeutung sind.

Man kann hier nicht achselzuckend sagen: Jeder blamiert sich eben, so gut er kann. Hier geht es um Entscheidungen mit langfristiger Tragweite, die nicht im nächsten Haushaltsjahr oder nach den nächsten Kommunalwahlen einfach revidiert werden können.

Die Entscheidung im Kölner Stadtrat ist vom 18.06. auf den 18.07.2013 verschoben worden. Also: Zeit, noch Proteste zu senden und ggf. an weiteren Protestaktionen teilzunehmen.

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Wie steht es eigentlich währenddessen in den stillen Hallen, wo die materiellen Schäden am Kölner Archivgut aufgearbeitet werden? In welcher Art die Archivalien Schaden genommen haben, und wie sie restauriert werden, kann man im Überblick auf www.stadt-koeln.de/kulturstadt/historisches-archiv  lesen und anschauen.

Bei einer Führung durch das RDZ in Köln-Porz konnte der SR der F.U.F. selbst sehen, wie viele Fachkräfte mit Spezialpinseln und -schwämmen etc.29-RDZ, 10.10.2012 behutsam an der Säuberung und Restaurierung der geborgenen Stücke arbeiten. Im RDZ steht auch eine große Maschine, die die durchfeuchteten Akten und Bücher, die nach der Bergung umgehend vereist worden waren, um Verfallsprozesse zu stoppen, langsam auftaut und zugleich trocknet, sodass kein Pilzbefall entsteht. Die Maschine ist enorm teuer, es gibt nur wenige davon.

W. R.

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