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Skakespeare!

127+Zum 23. April, dem Welttag des Buches, darf ein Beitrag nicht fehlen, der das Shakespeare-Jubiläum 2014 zum Anlass nimmt, dem großen Sohn Englands zu huldigen und, da der 23. 04. sein mutmaßlicher Geburtstag ist, einen Blick auf die Person William Shakespeare zu werfen. Wenig ist tatsächlich bekannt, d.h. zweifelsfrei durch die historische Forschung gesichert. Wer sich die bekannten Fakten und Vermutungen nochmals ansehen möchte, kann  z.B. diesen Link anklicken: http://www.dieterwunderlich.de/William_Shakespeare.htm

Die meisten Besucher von fu-frechen.de haben sicher schon vom Mann aus Stratford-upon-Avon gehört, der als Schauspieler, Autor und Mitbesitzer eines Theaters in London bekannt wurde und sich später in seinem Heimatort zur Ruhe setzte, in dessen Kirche er auch beigesetzt wurde.

Ein Bildnis von W. S.

Man will sich natürlich ein Bild von ihm machen: Wie sah er aus? Doch was auf den ersten flüchtigen Blick einfach erscheint, entpuppt sich gleich als Problem. Es gibt zwar drei bekannte Bildnisse, die W. S. zeigen sollen, aber sie sehen doch verschieden aus (Abb. siehe engl. Wikipedia-Seite http://en.wikipedia.org/wiki/William_Shakespeare ):

1. Die Grabbüste. Einige Zeit nach seinem Tod (1616), aber vor 1623, wird auf dem Grabmal in der Trinity Church in Stratford eine Büste aufgestellt, die W. S. in typischer Dichterpose mit Feder in der Hand zeigt. Dieses Abbild, in seinem heutigen Aussehen, „vermittelt den Eindruck selbstzufriedenen Spießertums“ (Schabert* S. 181), womit sich gerade die Verehrer des Dichters nicht anfreunden konnten und können. Außerdem wurde es im Laufe der Zeit mehrfach verändert, sodass es womöglich nicht in seinem ursprünglichen Aussehen erscheint. Das Bemühen des 18. Jahrhunderts, sich ein würdigeres Bild anstelle jenes Grabmonuments zu formen, erkennt man deutlich in der steinernen Figur des Ehrenmals in Westminster Abbey in London (1741), siehe http://www.westminster-abbey.org/our-history/people/william-shakespeare .

2. Der Droeshout-Stich. Jedem dürfte dieses Bild schon einmal begegnet sein, es ist die meist gezeigte historische Illustration zur Person Shakespeares. Aber zeigt dieser Kupferstich vorn in der First-Folio-Ausgabe von Shakespeares Werken (1623) wirklich lebensnah den Dichter? Der ausführende Künstler Martin Droeshout war beim Tod des Dichters 15 Jahre alt und hat ihn womöglich nie selbst gesehen. Das Bild befriedigt jedenfalls auch nicht die Erwartungen an ein künstlerisch anspruchsvolles Abbild: „Der Droeshout-Stich (…) ist von überwältigender Mittelmäßigkeit. Er stimmt vorne und hinten nicht.“ (Bryson** S.12)

Die beiden Darstellungen 1. und 2. „sind authentisch nur insofern, als sie tatsächlich Shakespeare meinen und möglicherweise auf mündliche Instruktionen von Auftraggebern zurückgehen, die ihn kannten.“ (Suerbaum*** S.14)

3. Das Chandos-Porträt. Dieses Gemälde aus der Zeit Shakespeares zeigt einen Mann um die 40 mit Ohrring, Bärtchen und hoher Stirn. Es kam 1747 in den Besitz einer Familie Chandos, daher der Name. Dieses Gemälde wurde 1856 der National Portrait Gallery in London geschenkt; dass es Shakespeare darstelle, wurde sofort angezweifelt, weil es nicht der damaligen Erwartung an das Erscheinungsbild des großen Dichters entsprach. Leider kann nicht zurückverfolgt werden, ob es wirklich „Englands größten Barden“ oder einen Zeitgenossen darstellt.

4. Das Cobbe-Porträt. Seit Neuestem steht ein weiteres Bildnis des Dichters zur Auswahl: das sogenannte Cobbe-Porträt, wie das Chandos-Porträt nach der Familie benannt, in deren Besitz es lange Zeit war. Man vermutet, dieses Bild könnte Droeshout als Vorlage oder Anregung für den Stich (s.o.: 1.) gedient haben. Mehr> The UK’s leading expert on Tudor portraiture gives her verdict on the Cobbe portrait of Shakespeare | Culture | The Guardian

Im englischen Wikipedia gelangt man auf http://en.wikipedia.org/wiki/Portraits_of_Shakespeare zu einer Bildergalerie, die eine Auswahl von 12 Porträts zeigt, darunter auch zweifelhafte und zweifelsfrei gefälschte.

Fazit der Bilderschau: Wir haben also bis zu vier Porträts, die als lebensnahe Bildnisse zur engeren Wahl stehen, wissen aber nicht, wie W. S. wirklich ausgesehen hat. Darum habe ich mir selbst ein Bild gemacht, angelehnt an 2. und 3., und die Zeichnung oben eingefügt. –

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War Shakspere überhaupt „Shakespeare“?

Verschiedene Theorien behaupten, dass die weltberühmten Dramen und Dichtungen gar nicht von besagtem William Shakespeare aus Stratford stammen könnten, der ein frühes Dokument mit „Shakspere“ unterschrieb (Die heute übliche Schreibweise hat W. S. nicht benutzt, dafür in jeder uns bekannten Signatur eine andere Variation).  Die Autorenschaft seiner Werke wird stattdessen diversen mehr oder weniger prominenten Zeitgenossen zugeschrieben: Marlowe, Bacon, u.a.

Als Mark Twain Europa bereiste und 1873 in Stratford Station machte, fand er die Grabbüste auch derart unpassend, dass er sich mit der Identität Shakespeares näher befasste: Sein Essay „Is Shakespeare dead?“ erschien 1909, worin er das Testament des W. S. aus Stratford zerpflückt und findet, das sei der letzte Wille eines Geschäftsmannes ohne den geistigen und emotionalen Hintergrund des großen Dichters. Twain favorisiert Francis Bacon als Autor der weltberühmten Werke.

Der Kinofilm „Anonymous“ von 2011 geht von dem Adligen Edward de Vere (1550-1604) als Autor aus, der sich des Schauspielers W. S. als Strohmann und Pseudonym bedient habe, da er selbst, als Adliger am königlichen Hof, nicht als Dichter für das öffentliche Theater habe in Erscheinung treten dürfen. Der Kandidat wurde erstmals 1920 ins Spiel gebracht und hat Manches für sich, selbst ohne den o.g. Film. In aller Ausführlichkeit behandelt diese Theorie Kurt Kreiler****.

Sigrid Löffler fasste 2001 die Lage sehr gut zusammen:

Der Barde aus Stratford ist in den letzten Jahren wieder ins Gerede gekommen (im Gespräch ist er als weltweit meistgespielter Dramatiker sowieso immer). Im Lichte neuer Theorie-Moden, die „Shakespeare“ als Sammelnamen für viele Autoren-Einflüsse deuten, machen auch alte Ketzer-Thesen wieder Karriere, die dem Biedermann aus Stratford das geniale Werk nie zutrauten und mit anderen Verfassern liebäugelten. Shakespeare-Detektive sind allenthalben an der Arbeit. Die einen wollen wissen, wo der Barde in den sieben „verlorenen Jahren“ gesteckt hat, die anderen rufen Edward de Vere zum wahren Shakespeare aus.*****

Doch die Frage nach der Person Shakespeares, mit all ihrem spekulativen Reiz, tritt zurück hinter dem Werk dieses William Shakespeare, wer immer sich auch als Person hinter diesem Namen verbirgt. Wir können uns glücklich schätzen, dass Freunde 1623 die Werke als Buch herausgaben, denn Vieles aus den Federn seiner Zeitgenossen ist nicht erhalten.

W. R.

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* Ina Schabert, Shakespeare-Handbuch. Stuttgart 1972
** Bill Bryson, Shakespeare wie ich ihn sehe. München 2008
*** Ulrich Suerbaum, Der Skakespeare-Führer. Stuttgart 2001
**** Kurt Kreiler, Der Mann, der Shakespeare erfand: Edward de Vere, Earl of Oxford. Berlin 2011; eine Rezension dazu: William Shakespeare: Das Geheimnis des Genies – Kultur – Tagesspiegel
***** Sigrid Löffler im Editorial zu: LITERATUREN: Das Journal für Bücher und Themen. Hrsg. Friedrich Berlin Verlag. Nr. 3/4 (Doppelheft), März/April 2001, S. 1
28kIn dieser Ausstellung des MAK ist u.a. das Kölner Exemplar des First Folio zu sehen (bis 27.07.2014). 
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