Archiv der Kategorie: Medienkritik

Hier wird auf Beiträge verwiesen, die einen kritischen Blick auf Medien werfen.

So geht’s halt nicht…

Meckern ist hierzulande anscheinend Volkssport. Den Eindruck kann zumindest bekommen, wer sich in die Echokammer der Medien – egal welche – begibt.
Und wieder, wie schon Ende August 2015, habe ich den Eindruck, die „Stimmung in der Bevölkerung“ wird herbeigeredet, bevor überhaupt eine solche klar zu erkennen ist. Damals hieß es, Willkommenskultur schön und gut, aaaaber „die Stimmung könnte kippen.“ Das wurde über Tage ständig in Nachrichten und Kommentaren wiederholt, bis… ja, die AfD Aufwind bekam und damit Wahlerfolge erzielen konnte. (Die Parteiführung bezeichnete das Thema „Flüchtlinge“ als „Geschenk“, denn sie stand bis zum Sommer 2015 nicht gut da, konnte aber die aufgeputschte Stimmung dankbar nutzen und weiter befeuern.)
Derzeit (Febr./März 2021) habe ich wieder den Eindruck, dass eine Stimmung herbeigeredet wird: Die Leute hätten „die Schnauze voll“, sie wollten endlich Lockerungen und Öffnungen – ungeachtet der keineswegs entspannten Lage in der Corona-Krise (denn das ist diese Pandemie auf jeden Fall).
Dann wird auf die Bundesregierung eingeschlagen, als machte sie nur noch Fehler. Jeder denkende Mensch weiß: Das kann so nicht stimmen. Egal, die Medien (ganz besonders die „sozialen Netzwerke“) setzen heutzutage immer mehr auf Emotionen. Das geht natürlich leicht… zu Lasten des nüchternen Abwägens.
Statt emotional draufzuhauen und das Regierungshandeln in Bausch und Bogen schlechtzureden, sollte frau/man besonnen draufschauen und genau hinsehen. „Im Ausland machen sie es besser“, wird gesagt. Die Wahrheit ist differenzierter: Kommt darauf an, wo frau/man hinschaut.
Und die lauten Kritiker und die sehr lauten Verweigerer und Corona-Leugner sollten mal auf Australien oder auf Portugal schauen. Da haben sich die allermeisten Leute an die verordneten Regeln gehalten, die paar unbelehrbaren Leugner drangen nicht durch und traten daher auch nicht in großen Demos auf, wie bei uns. Australien und Portugal hatten sehr hohe Infektionszahlen – und sind davon vergleichsweise schnell, ja fast sensationell, heruntergekommen. Da kann guten Gewissens wieder gelockert und geöffnet werden.
Und bei uns schreien die am lautesten, die sich nicht an Regeln halten, aber auch auf nichts verzichten wollen. Ja, so geht’s halt nicht.
Über Portugal hörte ich: Das ist eine Frage der Mentalität. Was ist bei uns anders? Na, ein Anspruchsdenken an den Staat, gekoppelt mit Individualismus (Mir sagt keiner, was ich zu tun habe) und Egoismus (Die Anderen sind mir egal, Hauptsache, ich komme gut durch). Sogar im Straßenverkehr sehe ich Viele, die die Verkehrsregeln als Option und Vorschlag verstehen, aber den Sinn von Regeln offenbar nicht kapieren. Dass viele Regeln und Konventionen das Miteinander ermöglichen und erleichtern, das sehen sie nicht, weil sie egozentrisch orientiert sind. Dass Regeln auf der Straße zur Vermeidung von Konflikten und Unfällen taugen, das haben Viele nicht auf dem Schirm (Ach, mir ist doch noch nie was passiert!).
Kein Wunder also, dass wir noch lange unter Lockdown etc. werden leiden müssen.
W. R.

P.S.: Jetzt richtet sich massive Kritik gegen den aktuellen Stopp der Impfungen mit AstraZeneca. Für den Stopp wie für das einstweilige Weiterimpfen gibt es Gründe. Ich möchte da nicht mit den verantwortlichen PolitikerInnen tauschen: Wie sie auch entscheiden, es gibt immer Kritik. Hätte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn verkündet, dass trotz Empfehlung des Paul-Ehrlich-Instituts weiter mit AstraZeneca geimpft wird, hätte er sofort zu hören bekommen: Sie spielen mit dem Leben der Menschen! Da er das Impfen gestoppt hat, wird ihm vorgeworfen, durch Weiterimpfen hätten Leben gerettet werden können.

Ein undankbarer Job – in dieser Situation, da die „dritte Welle“ mit teils aggressiveren Virus-Mutationen anrollt, trotzdem viele Leute Lockerungen, Öffnungen, Auslandsreisen wollen und wir oberdrein (ünglücklicherweise) ein „Super-Wahljahr“ haben. Gerade Letzteres wird einige PolitikerInnen erst recht dazu verleiten, den Leuten nach dem Munde zu reden. Und diejenigen, die klaren Kopf behalten und das Richtige tun wollen, können nicht in einem Handbuch der Corona-Politik nachschlagen (Das gibt es nicht, weil so eine Pandemie noch keiner erlebt hat).

Unglücklich ist auch, dass die Bundesländer z.T. aus Vereinbarungen ausscheren und gemeinsam beschlossene Empfehlungen oder Regeln nicht umsetzen. Da wurde eine Inzidenzzahl 100 als Grenze ausgerufen, dennoch verbietet die Landesregierung NRW z.B. der Stadt Duisburg, bei höheren Inzidenzwerten die Schulen (Präsenzunterricht) wieder zu schließen. Das ist, sage ich als selbsternannter Kommunikationsberater, ein Desaster.

Gern würde ich diesen Blog-Beitrag mit einem positiven Schluss beenden. Dass am 18.03.21 AstraZeneca wieder „freigesprochen“ wird und nun mit Hochdruck weitergeimpft werden soll, habe ich erwartet. Aber auch dieses Hin und Her, ungeachtet der Frage der Verantwortlichkeit, war ein Kommunikationsdesaster, weil es Verunsicherung ausgelöst hat. Da brauchen gewisse ausländische Dienste nicht mehr viel Verunsicherung ins Internet und seine „sozialen Netzwerke“ zu streuen – wir machen die Verwirrung schon selbst. —

Daran anschließend, ein Nachtrag vom 09.04.2021: Am frühen Abend des 08.04. höre ich die Nachrichten und kann es kaum glauben. Statt ernsthaft auf die Mahnungen der WissenschaftlerInnen zu hören und – wie vor Tagen Armin Laschet – einen „harten Lockdown“ zum Brechen der dritten Pandemiewelle in Betracht zu ziehen, reden einige PolitikerInnen in den Bundesländern weiterhin über mögliche Lockerungen und „Modellversuche“ mit Lockerungen nach. Mit den Kitas und Schulen verfährt auch jedes Bundesland nach eigenem Konzept. Um dem die Krone aufzusetzen, preschen Bayern und Meckpomm vor und bestellen schon mal den russischen Impfstoff Sputnik, der in der EU noch gar nicht zugelassen ist (und, wie man hört, in absehbarer Zeit auch nicht soweit kommen wird).

Statt mehr Einheitlichkeit und Klarheit gibt es noch mehr Regelwirrwarr, und jedes Bundesland und z.T. jede Region hat andere Regeln und Maßgaben. Die Kanzlerin hat schon vorige Woche in einem Interview deutlich kritisiert, dass sich MinisterpräsidentInnen einiger Bundesländer nicht an die gemeinsamen Absprachen zur Pandemiebekämpfung halten. Dem Virus gefällt das. Und ich als selbsternannter Kommunikationsberater schlage die Hände über dem Kopf zusammen: Wie will man „die Bevölkerung mitnehmen“ und motivieren, sich weiter an die Regeln zu halten, wenn man so ein chaotisches Bild abgibt?

Hätten wir die „Merkel-Diktatur“, von der ein paar Verwirrte faseln, dann gäbe es dieses Chaos wohl nicht. Die Kanzlerin war immer auf Seiten derer, die vor zu schnellen Lockerungen gewarnt haben.

Jetzt (am Abend des 09.04.) kann man nur hoffen, dass sich das Vorhaben durchsetzt, auf Bundesebene das Infektionsschutzgesetz anzupassen und im beschleunigten Verfahren von Bundestag und Bundesrat verabschieden zu lassen. Die Zeit drängt, noch gefährlichere Virus-Mutationen werden wahrscheinlich auftreten. Und für die nächste Pandemie müssen wir auf jeden Fall besser vorbereitet sein. —

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Was du glaubst

IN einer Zeit der wissenschaftlichen Erkenntnisse und der Informationsflut sollte es doch kaum noch Zweifel, Unsicherheit oder verschiedene Meinungen über Fakten geben – denkt der unbefangene Beobachter.
Unsere Welt hingegen sieht anders aus. Nicht nur die Überschwemmung des Internets und seiner „social media“ mit allen denkbaren Meinungsäußerungen und Fake News beeinflussen die Gehirnwindungen unserer ZeitgenossInnen. Hinzu kommt noch die Gewissheit vieler Menschen, dass das einmal als Fakt gesetzte nicht in Frage gestellt werden könne.
In dieser scheinbaren Gewissheit bestritten viele Historiker, dass es bei den Wikingern weibliche Krieger gegeben haben könnte. Erst vor kurzem ergaben DNA-Tests aber unwiderlegbar: Die in einigen Kriegergräbern ehrenhaft bestatteten Kämpfer waren weiblichen Geschlechts.
In dieser scheinbaren Gewissheit entschied z.B. ein Kapitän: Die Leuchtraketen, die die Titanic in der Ferne in die Nacht schoss, müssten das Feuerwerk eines Bordfestes sein, denn gerade dieses „unsinkbare“ Wunderwerk der Technik könne doch gar nicht in Seenot geraten. Und so eilte er nicht zur Hilfe, sondern dampfte weiter auf seinem Kurs.
In dieser scheinbaren Gewissheit wollte der Großteil der Fachwelt der Ärztin nicht glauben, die Ende Januar 2020 in Bayern zu der Erkenntnis kam: An Covid 19 erkrankte PatientInnen können ganz symptomfrei viele Menschen anstecken, bevor auffällt, dass sie nicht gesund sind: https://www.tagesschau.de/inland/gesellschaft/rothe-coronavirus-101.html
Welche Schlüsse sollen wir nun aus diesen und anderen Beispielen ziehen? Erst einmal wollen Menschen an Gewissheiten festhalten, weil diese in ihrem Weltbild Ankerpunkte sind. Daran ist nichts Schlechtes. Es kann aber von Nachteil sein, wenn sie neue Erkenntnisse, die alte in Frage stellen, von vorneherein ablehnen, ohne sie zu prüfen.
Dasselbe gilt natürlich auch für die Flut von Fake News in den diversen Kanälen und Foren im Internet. Wer da alles Fantastische glaubt, weil ihm die seriösen Nachrichten madig gemacht wurden, dem ist leider kaum zu helfen.
Mir tun diese Irrgläubigen echt leid, denn sie haben das Vertrauen in die ernstzunehmenden Nachrichtenmedien verloren, sie lassen sich von Schlagworten wie „Lügenpresse“ oder (vornehmer) „Mainstream-Medien“ beeindrucken – und folgen lieber dubiosen Quellen, sozusagen vom Regen in die Traufe. Während früher hierzulande z.B. ein gewisses Boulevard-Blatt einen schlechten Ruf in puncto journalistischer Sorgfalt hatte, geistern heute im Internet zahlreiche „Nachrichten-Quellen“ herum, die dieses Blatt in puncto Falschmeldungen oder Tatsachenverdrehungen weit überholen.
Diese Sumpfblüten des schrankenlosen Online-Postens gedeihen einzig auf dem Boden des ungeprüften Veröffentlichens ohne Verantwortung. Das ist kein Informieren mehr, das ist zum größeren Teil nur ständiger Kampf um Aufmerksamkeit durch Klick-Zahlen. Das Auffälligste, Skandalöseste, Schlimmste generiert die meisten Klicks und verbreitet sich am weitesten. Das wissen wir ja inzwischen. Das Geschäftsmodell der social media setzt darauf, mit diesem Prinzip die größten Einnahmen zu erzielen. Es geht dabei eben nicht um glaubhafte Nachrichten oder gar um Wahrheit. Das müssten wir alle(?) aber inzwischen wissen.
Darum scheint einstweilen in dieser Welt zu gelten:

Du lebst in einer Welt von Fakten, Nachrichten, Behauptungen und Fake News, die du glaubst. Deine Welt besteht aus dem, was du glaubst – und nicht aus dem, was ist.

Diesen Unterschied muss man sich klarmachen: Meine Wahrnehmung von dem, was ich sehe, höre, und meine Deutung dieser Wahrnehmung, das ist nicht identisch mit objektiver Wahrnehmung, somit ist mein Bild der Welt nicht identisch mit der real existierenden Welt.

Darum brauchen wir, um uns einigermaßen verzerrungsfrei zu informieren, die Profis der Medien, also Journalisten, die darin geschult sind, nicht jeden Mist und jedes Gerücht für wahr zu halten, sondern zu prüfen, wer da etwas behauptet oder meldet, und was wirklich dran ist an der Meldung. Die Profis, die länger im Geschäft sind, lassen sich dabei nicht von ihren persönlichen Gefühlen oder Sympathien leiten, sondern von sachlichen Kriterien. Das macht einen wichtigen Unterschied zu alldem Gedöns, das Leute in den „social media“ posten.

Von daher verstehe ich die Leute nicht, die sagen: Ich lese keine Zeitung, ich informiere mich nicht aus den Nachrichten im Radio und Fernsehen, ich habe etwas Schnelleres, Günstigeres und Besseres: Ich informiere mich „im Internet“. Wenn man nachfragt, wo im Internet, dann kriegt man von Manchen zu hören: Jaa, z.B. bei RT (RussiaToday) und bei so YouTube-Kanälen…

Diese Leute wissen oft gar nicht, wem sie da in Wahrheit zuhören, glauben, folgen. Ganz abstrus wird es für meine Ohren, wenn jemand behauptet (bzw. nachplappert), die gängigen Medien seien alle gekauft oder würden ihre Weisungen direkt aus dem Kanzleramt erhalten – dann aber blauäugig bei RT die Wahrheit erwartet, einem von der russischen Regierung finanzierten Sender, der auch ein deutsches Programm sendet.

Es ist leider so: Viele Leute hierzulande haben nicht gelernt, Nachrichten, Texte, Äußerungen kritisch zu hören und zu lesen. Und es fehlt oft auch an politischer Bildung, um Nachrichten einzuordnen und zu verstehen. (Mehr dazu siehe Blog-Beitrag „Ein wenig mehr Bildung“ vom 13.11.2020)

W. R.

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Endlich Beweise!!

Virologen sind überrascht: Das hätten sie nicht gedacht! Da greift ein offenbar ansteckender Keim um sich, der sich Dummheit nennt. Leute, die davon infiziert werden, glauben jeden Mist, der im Internet verbreitet wird, und liken fleißig unwissenschaftlichen Murks, der aber so schön glaubhaft daherkommt. Eine Menge dieser Infizierten konnte man heute* in Berlin in einer Demo laufen sehen: Die Gefahr des Corona-Virus leugnen sie und stellen die große Mehrheit der Wissenschaftler als Lügner hin, sie selbst hingegen sind die erleuchteten Durchblicker, die die ganze Corona-Verschwörung durchschauen! Grandios. Und woher beziehen sie ihre Informationen? Von dubiosen, dafür aber heilsbringerisch auftretenden Leuten in den sozialen Medien und auf YouTube-Kanälen.

Ich weiß, wovon ich rede, schließlich habe ich mir ein paar von denen angeschaut und angehört, weil ich mich vorurteilsfrei aus verschiedenen Quellen informieren möchte. Und ich stellte fest: Wer genau hinhört, merkt schnell, wo die Schwachstellen dieser „Enthüllungen“ sind – aber viele Verschwörungsgläubige hören ja nur noch kritisch hin, wenn etwas von seriösen „Mainstream“- -Medien kommt.

Dabei wissen sie noch nicht von einer wahrhaft skandalösen Verschwörung:

Rechtsradikale, „Reichsbürger“, durchgeknallte Sektenführer, russische und chinesische Agenten und Trumps nun abgelöster US-Botschafter (der Merkel ebenso hasst wie sein Chef) haben unbemerkt eine Substanz in das Kerosin sämtlicher Verkehrsflugzeuge gemischt, die Deutschland überfliegen. Die Kondensstreifen dieser Flugzeuge verteilen …

… Verdummungs-Aerosole über das Land. Wie die Corona-kritischen Demos zeigen, haben sie damit schon Erfolge erzielt, besonders bei Leuten, die sich nicht mit Gesichtsmasken schützen.
Damit Ihr das glaubt, gehe ich mit dieser Enthüllung morgen in die sozialen Netzwerke und eröffne zusätzlich einen YouTube-Kanal, wo diese Verschwörung aufgedeckt wird. Parole: „Endlich Beweise!!“ Wetten, dass ich hohe Klickzahlen und massenhaft Likes kriege?
W. R.

*Coronaleugner demonstrieren in Berlin: „Ihr denkt, ihr werdet verschont von den Tribunalen? Werdet ihr nicht!“ – Berlin – Tagesspiegel.

Die Verwirrten rufen auf der Demo nach Freiheit. Ja, was denn noch? Ihr nehmt Euch schon die Freiheit heraus, die Infektionsgefahr zu missachten, das Ansteckungsrisiko für Andere und damit deren Wunsch, frei und gesund zu bleiben, zu missachten. Die Freiheit, Party zu machen und in Gruppen dicht gedrängt herumzustehen ist Euch wichtiger als der Schutz Eurer eigenen und der Gesundheit Anderer, nicht zu reden von den Älteren und Immungeschwächten, die eine Covid-19-Infektion schwerkrank machen kann, auch im Hinblick auf Langzeitfolgen. Eure persönliche Freiheit ist der egoistische Wunsch, jederzeit zu tun oder zu lassen, was Euch gerade gefällt, ohne Rücksicht auf irgendwen und irgendwas. Wenn Ihr ältere Verwandte ansteckt – was soll’s, Ihr seid Euch natürlich keiner Schuld bewusst und feiert weiter.

Niemand will Euch – gerade in diesem Land – Eure Freiheit einschränken, darum geht es nicht. Hier geht es darum, die Bevölkerung (eingeschlossen Euch selbst) vor einer Erkrankung zu schützen, von der niemand im Voraus sagen kann, wen sie in welcher Heftigkeit treffen wird – wenn erst die Infektion da ist. Wir wissen noch nicht einmal, wie lange eine überstandene Infektion immun macht. Wir wissen aber, dass eine Anzahl Infizierter sehr schwere Krankheitsverläufe hatten, und dass einige daran gestorben sind.

Ich meine: Freiheit bedeutet Selbstverantwortung. Sichgehenlassen ist was für Besoffene, die sich nicht mehr im Griff haben. Wer sich nur hemmungslos austoben will, hat das noch nicht verstanden. Meine Freiheit besteht darin, mich nach eigenem Verstand zu entscheiden: Will ich gesund bleiben? Will ich mich sozial verhalten und Rücksicht auf Andere nehmen? Es hat in meinen Augen auch etwas mit Menschenwürde zu tun, wenn ich als Mensch wahrnehme, dass andere Menschen genauso Rechte haben und ihre Freiheit nicht durch mein Verhalten eingeschränkt sehen wollen. Und ehe Ihr Euch auf das Grundgesetz beruft, schaut doch erst einmal nach, was da überhaupt drin steht, z.B. im Artikel 1. Und lest auch Artikel 2 mal in Ruhe durch.

W. R.

Nachtrag am 12.09.2020: Die Verquerdenker demonstrieren immer noch gegen — was eigentlich? Dagegen, dass der Staat seiner Pflicht zur Daseinsvorsorge für die Bevölkerung nachkommt? Oder für das Recht auf Dummheit? So langsam fragen sich die Vernünftigen: Was soll das?

Heute kommt die Antwort! Achten Sie auf das erste Foto in diesem Bericht: Proteste gegen Corona-Maßnahmen: Polizei stoppt Demo in München – 10.000 unterwegs – Politik – Tagesspiegel Da enthüllt ein von Demonstranten gezeigtes Banner die Erklärung: Corona bringt als Nebenwirkung auch Verblödung unter die Leute! Damit ist das Rätsel gelöst: Weniger die Aerosole aus Kondensstreifen (s.o.), vielmehr das Covid19-Virus selbst ist eine Virus-Mutation, die viele Infizierte nicht mehr klar denken lässt. Die Infizierten selbst merken nichts, weil die Erkrankung oft symptomfrei verläuft. Und der Volksmund weiß schon lange: Blödheit tut nicht weh. Darum merken jene Demonstranten auf dem Foto nicht, dass sie ein Eigentor schießen.

Aber so isser, der Homo Sapiens: Leicht lässt er sich mitziehen, schöner als Selbstdenken ist die wohlige Wärme der Herde, da guckt man nicht mehr so genau hin, wer da alles unter welcher Flagge mitläuft …

Noch ein Nachtrag am 15.11.2020: Dass diese Verquerdenker den Begriff „Querdenker“ okkupiert haben, dass einige sich Corona-„Rebellen“ nennen, ist eine Anmaßung, die nichts Anderes ist als Etikettenschwindel. Das Wort Querdenker war früher eher positiv besetzt und bezeichnete nonkonformistisch und evtl. innovativ denkende Einzelgänger, die u.U. durchaus inspirierende Impulse einbrachten. Solche Qualitäten kann ich bei dieser Initiative nicht erkennen.

Schon eher sehe ich da Leute, die nach einer bei Nazis beliebten Methode Begriffe besetzen und umdeuten, um Leute zu irritieren und zu behumsen. Nicht zufällig mischen sich Neonazis erkennbar unter die Demonstranten und verbinden das Corona-Leugnen mit ihrer staatsfeindlichen Gesinnung. Was auch bedeutet: Wer mit dem Grundgesetz in der Hand gegen Corona-Maßnahmen protestiert und dabei die Nähe staatsfeindlicher Mitmarschierer duldet, der … (denken Sie selbst weiter!).

Und wer schon nachgedacht hat, münzt das folgende Zitat aus Goethes „Faust“ I, 2128f., gesprochen von Mephisto in Auerbachs Keller, auf die aktuelle Situation:

Den Teufel spürt das Völkchen nie / Und wenn er sie beim Kragen hätte.

Wie ertragen die das?

IR sehen, es geht: Ein großes Land wählt einen inkompetenten Dödel zum Präsidenten, der sich durch schlechtes Benehmen, großmaulige Ankündigungen, schamloses Selbstlob, und irrlichternde Entscheidungen immer wieder selbst disqualifiziert. Und dennoch, oder gerade deswegen, lieben und unterstützen ihn seine Anhänger, denn seht, er ist einer von uns, er redet und benimmt sich wie wir, wir verstehen ihn und er uns, einen besseren Präsidenten können wir uns gar nicht vorstellen.
So scheint das für Donald Trump zu funktionieren. Und wenn er Glück hat, kann das sogar für seine Wiederwahl funktionieren. Jedenfalls ordnet er alles diesem Ziel unter. Das Wohl des Landes interessiert ihn nur soweit, wie er sich als mächtiger Präsident wohlfühlen und in Szene setzen kann. In den Augen von Menschen, die nicht zu seinen Wählern und Anhängern zählen, ist er eine schlechte Karikatur eines geltungssüchtigen Möchtegern-Fürsten mit absolutistischem Glanz. Solche Kritik stört aber einen Trump nicht, ihm ist nur wichtig, bei seinen Anhängern gut anzukommen.
Man möchte eigentlich gar nicht mehr über ihn reden, aber das geht nicht, wenn so ein unreifer Kindskopf dieses Amt innehat und einfach nicht die Klappe halten kann – und wieder mal Mist baut, für den Andere verantwortlich sein sollen. Es gibt dafür mittlerweile zahlreiche Beispiele. Und weil er es nicht versteht, dass es gut wäre, auch mal den Mund zu halten, liefert er zuverlässig immer neue Klöpse und Aufreger. Er muss zu Allem unreflektiert seinen Senf geben, am liebsten über Twitter; das kommt seinen knappen, kindisch übertriebenen Formulierungsmöglichkeiten entgegen.

Aber genau damit verhält er sich so wie die Mehrheit der Menschen, die in den „sozialen Netzwerken“ unterwegs sind: Nachricht und Unfug werden oberflächlich wahrgenommen, nebeneinander gestellt, gleichwertig konsumiert, und spontan gelikt, kommentiert, geteilt. Auch Trump hat keine Ahnung, was guter Journalismus ist, für ihn ist eine Meldung bei den rechtslastigen Fox-News, die ihm spontan gefällt, mehr wert als ein Artikel in der New York Times, der nach den Regeln des Journalismus recherchiert wurde und dessen Autor seine Quellen kritisch geprüft hat.

So beschimpft er denn auch Vertreter des Qualitäts-Journalismus auf seinen Pressekonferenzen oft: „You are Fake News!“ Denn Kritik und kluge Einwände mag er gar nicht, und demgemäß verhält er sich, er lobt, er beschimpft, er prahlt aus dem Bauch heraus. Mit der Wahrheit nimmt er es auch nicht genau, er lässt sich beim Lügen ertappen, er sucht die Schuld für seine Fehler immer bei Anderen – eine Erklärung dafür, dass in seinem Beraterkreis eine hohe Fluktuation herrscht. Das verstärkt noch die Tendenz zu sprunghafter und planloser Politik.

Schlimmer geht immer: In der Corona-Krise heizt er die aggressive Stimmung an, spaltet weiter das Land, ruft indirekt zum Sturz von Gouverneuren auf, die wirksame Maßnahmen durchsetzen – sofern es Demokraten sind: „Befreit Michigan!“ Und schon rotten sich bewaffnete Demonstranten vor dem Gouverneurs-Amtssitz zusammen. Das bewegt sich schon gefährlich in die Nähe eines Bürgerkriegs.

„Make America great again“ – dass ich nicht lache! Trump demontiert das Ansehen der USA wie ein Horrorclown. Armes Amerika! Da bleibt einem das Lachen im Halse stecken. Wie ertragen die Vernünftigen im Lande das nur?*

W. R.

*Antwort: gar nicht. (5) Eine Weltmacht höhlt sich selbst aus: Die USA sind auf dem Weg zu einem „failed state“ – Politik – Tagesspiegel

Nachtrag am 04.05.2020: Wie könnte es anders sein, nicht nur in den USA, sondern auch bei uns versuchen verschiedene Akteure, auf der Corona-Krise ihr eigenes Süppchen zu kochen: „Das wird man ja wohl mal sagen dürfen“: Der fehlgeleitete Furor der Corona-Kritiker – Politik – Tagesspiegel

Aktueller Einwurf Juni 2020:

Nachtrag im Juli 2020: Wer die Nachrichten verfolgt, sieht, dass es über Trump im Prinzip nichts Neues zu melden gibt. In der Bevölkerung scheint aber der Überdruß an seiner Schaumschlägerei zu wachsen. Denn die Menschen müssen seine verfehlte Politik der Verharmlosung des Covid 19 Virus ausbaden. Sie glauben immer weniger seinen markigen Beteuerungen des „Wir haben alles im Griff“. Und sein autoritäres, brachiales Vorgehen gegen Demonstranten kommt nicht gut an bei Leuten, die noch an die Demokratie im Lande glauben wollen.

Typisch für Trump sind auch seine sprunghaften Kehrtwendungen. Monatelang lehnte er es ab, mit Mund-Nasen-Schutz aufzutreten. Dann plötzlich zeigt er sich mit Maske und sagt, er habe nie etwas gegen die Masken gehabt. Dass seine Anhänger ihrem Vorbild folgten und mehrheitlich seine Wahlveranstaltungen ohne Masken besuchten, dass danach die Infektionszahlen in derselben Gegend sprunghaft anstiegen – das interessiert einen Trump nicht. Hauptsache, er hatte seine Show.

Was interessiert einen Trump überhaupt? Dass er Beifall bekommt, dass er wiedergewählt wird. Mit Wissenschaft und Fakten hat er nichts (Gutes) im Sinn, weil die oft seinen Behauptungen und Lügen widersprechen. Konkret: >US-Wahl: „Dass Trump Republikaner ist, ist zweitrangig“ – Medien – SZ.de

Nachtrag am 24.12.2020: Trump ist abgewählt, aber noch im Amt. Und er treibt Unfug und egoistische Manöver bis zuletzt, siehe > US-Präsident Donald Trump: Präsident gnadenlos – Politik – SZ.de

Trump will rundum alle dafür strafen, dass sich seine Erzählung vom (nicht belegten) „Wahlbetrug“ nicht durchsetzt. Das kommt davon, wenn man so einen egozentrischen Kindskopf zum Präsidenten wählt. Doch Schadenfreude ist unangebracht, weil Trump noch bis 20.01.2021 weiteren Schaden anrichten kann. Sein Nachfolger kann einem jetzt schon leid tun.

Gute Nachrichten

Muster eines jap. Kimonos (Ausschnitt)

ES gibt auch noch gute Nachrichten. He, hallo, Ihr Miesepeter und Weltuntergangsapostel da draußen! Lasst Euch nicht ins Bockshorn jagen! Die Nachrichtenlage mag zwar beschissen sein, doch das liegt auch an der Art der Berichterstattung, und die wendet sich meist an unser alarmistisches Gehirn, das schlechte Nachrichten und Katastrophenmeldungen stärker beachtet als die beruhigenden Mitteilungen. Das ist unser Steinzeit-Gehirn (das wissen wir doch inzwischen, wenn wir gut Informiert sind).
Und weil unsere Medien um Einschaltquoten, Reichweite usw. buhlen, treiben sie in den Nachrichten auch ständig eine neue Sau durch’s Dorf („Bad news is good news“). Das hat u.a. den Nachteil, dass die Leute kaum zum Nachdenken kommen, denn ehe etwas im Bewusstsein gesackt und verarbeitet ist, kommt schon der nächste Aufreger um die Ecke (möglichst in Großbuchstaben, you know what I mean).
Sowas sehe ich mit Unbehagen, da ich zu den Menschen gehöre, die nicht nur Nachrichten sacken lassen, sondern auch Zusammenhänge herstellen wollen. Die sich also bei isolierten Nachrichten auch was denken wollen, sie einordnen und in Ruhe bewerten wollen.
Wer das nicht tut, bleibt oft an der Oberfläche der Dinge und begreift die tieferen Zusammenhänge nicht. Oder er macht gedankliche Schnellschüsse und ordnet Dinge ohne  Nachdenken in irgendwelche Verschwörungstheorien ein. Dafür soll es ja im Internet reichlich Angebote geben, mal dumm-dreist, mal clever ausgetüftelt. Weiterlesen

Demokratie ja, aber bitte ohne Lemminge

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EMOKRATIE ist, wenn man abstimmt und die Mehrheit entscheidet — oder? So simpel sehen das anscheinend viele Leute. Und wählen mit dem Bauch den, der die einfachsten, aber emotional eingängigsten Parolen verbreitet.

So haben beim Brexit-Plebiszit viele Gebildete dagegen und für die EU-Mitgliedschaft gestimmt, also Leute, die gewohnt sind, ihren Kopf zum Denken zu benutzen und nicht nur als Hutablage. Eine Mehrheit ließ sich aber durch emotionale Retro-Parolen im Verbund mit dreisten Lügen für den Brexit mobilisieren. Es kam sogar zu einem Mord an einer jungen Politikerin, die sich für den Verbleib in der EU einsetzte.
Jetzt haben sie den Salat: Zank und Streit um die richtige Strategie bei den Austrittsverhandlungen, das jahrelang ruhende Nordirland-Problem kocht wieder hoch, Schottland liebäugelt mit einem erneuten Anlauf zur Unabhängigkeit, und die Wirtschaftsvertreter beschweren sich über drohende Nachteile für die britische Wirtschaft nach dem EU-Austritt.
Das alles konnte man vorher wissen.
Wenn da nicht die Desinformations-Kampagne der von Pressezar Rupert Murdoch gesteuerten Massenblätter gewesen wäre: Da konnte man einmal zu Recht von „Lügenpresse“ sprechen.
Ansonsten ist der Begriff „Lügenpresse“ ja bei uns von Rechten besetzt, die damit das Vertrauen in unsere Medien untergraben wollen. Klar: Gut informierte BürgerInnen werden den Teufel tun und Leute wählen, die ihre Parolen dem Heimatfilm der 1950er Jahre entnehmen, die folglich keine Lösungen für die heutigen und zukünftigen Probleme anbieten, stattdessen Gefühlsduselei als eine politische Haltung verkaufen und dumpfe Vorurteile als „gesundes Volksempfinden.“
Wer denken kann (und will!) und sich unsere heute drängenden Probleme im Land und in der Welt anschaut, der sieht, dass 1. die Welt komplizierter ist, als uns Populisten weismachen wollen, und dass 2. darum allein aus dem Bauch heraus gar nichts gelöst werden kann, sondern dass viele Lösungen nur möglich sind nach viel ernsthafter Sacharbeit und oft langwierigen Verhandlungen mit den Beteiligten und Betroffenen.
Sowas ist natürlich manchen Leuten zu langweilig und bietet keine Möglichkeiten, sich mit schnellen Lösungen in Szene zu setzen. Entsprechend führen sich die Vertreter rechter Parteien in den Parlamenten auf. Sie sind spezialisiert auf Sprücheklopfen und populistische Parolen, versagen aber in der Sacharbeit, wo es wirklich um Änderungen und Verbesserungen für die Bevölkerung geht.
Sie verweigern echte Sacharbeit mit der vorgeschobenen Begründung, das gehe ja eh alles in die falsche Richtung; dahinter steckt ihre kaum verhüllte Ablehnung der Demokratie überhaupt. Sie wollen einen autoritären Staat, gelenkt (natürlich) von einem der Ihrigen. In ihren Augen machen Putin, Orban, Erdogan und ja, auch Trump Vieles richtig.
Diese Politiker benutzen scheinbar demokratische Verfahren, um ihre Macht zu vergrößern. Ebenso die PiS-Regierung in Polen. Nachdem sie die Bevölkerung mit nationalistischen Bauch-Parolen in Stimmung und dazu gebracht haben, mit Mehrheit für sie zu stimmen, lassen sie die Macht nicht mehr los und gehen schrittweise daran, alle Teile des Staates umzukrempeln, wo sich noch Opposition regen und artukulieren könnte: „Machtergreifung“ nannten die Nazis ihr ähnliches Vorgehen.
Auch bei uns wollen Feinde dieses demokratischen Systems die Macht durch emotional beeinflusstes Abstimmungsverhalten erobern, um dann die Demokratie in ihrem Sinne umzubauen, d.h.: von innen auszuhebeln und abzuschaffen. Äußerlich bleibt eine ausgehöhlte Fassade von staatlichen Institutionen, die in Wahrheit gleichgeschaltet sind und sich eben nicht mehr gegenseitig kontrollieren, wie es in einer funktionierenden Demokratie sein sollte.
Aber damit sind wir noch nicht am Ende der Beschreibung, was Demokratie wirklich und dem Wesen nach ist. Freie und geheime Wahlen, Mehrheitsentscheidungen, Teilung der staatlichen Gewalt in Legislative, Exekutive und Jurisdiktion, damit verbunden die gegenseitige Kontrolle dieser klassischen „drei Gewalten“, dazu Meinungsfreiheit und freie Medien. Lange Zeit sprach man – besonders in den USA – von der Presse als „vierter Gewalt,“ weil sie nicht nur für informierte BügerInnen sorgte, sondern auch staatliches Handeln kritisch hinterfragte. Das ist bei einer Konzentration am Markt nicht mehr so einfach (siehe R. Murdoch beim Brexit); und das Internet macht die Sache noch schwieriger für die traditionellen Medien, in denen hauptberufliche Journalisten das Handwerk der Nachrichtenvermittlung noch gründlich gelernt haben.
Auch da setzen die Rechtsaußen an und wollen mit der Parole „Lügenpresse“ (oder vornehmer: „Mainstream-Medien“) die wenig durchblickenden Menschen verunsichern und auf Internet-Kanäle locken, wo genau das stattfindet, was die „Lügenpresse“ angeblich tut oder beabsichtigt. Geradezu grotesk: Da unterstellen braungefäbte Populisten unseren öffentlich-rechtlichen Medien eine vom Staat gelenkte Einheits-Berichterstattung (wie sie damals in der DDR geübt und davor von Goebbels vorgegeben wurde), empfehlen dann stattdessen (!!) den russischen Kanal Russia Today (RT). Das finden gut informierte Nachrichten-KonsumentInnen zum Lachen, doch Andere erhoffen sich tatsächlich, dort die „bei uns verschwiegene Wahrheit“ zu erfahren. Ach Leute, denkt doch mal nach: Putin mit seiner Karriere im Geheimdienst und als gewiefter Machthaber hat ganz andere Interessen…
Aber wem sage ich das?! Man kann vielseitig informiert sein, auch aus sehr unterschiedlichen Quellen. Aber man sollte dann in der Lage sein, das Gelesene, Gesehene, Gehörte vernünftig einzuordnen. Dabei ist Voreingenommenheit keine gute Hilfe. Denn dann läuft man Gefahr, mit den sprichwörtlichen Lemmingen in eine Richtung zu laufen, ohne zu sehen, wo es hin-, und womöglich: hinab geht.

W. R.

mehr über Demokratie und ihre Probleme  >Clio 10.

Und am Rande noch eine kleine Denkaufgabe: Warum lobt Donald Trump seinen „Freund“ Boris Johnson, das Gesicht der Brexit-Kampagne und Ex-Außenminister von GB?

Und eine Frage eines irritierten Fernsehzuschauers: Am 10. Juli 2018 schaue ich die Nachrichten und sehe ungläubig einen Bundesinnenminister Seehofer (CSU), wie er seinen „Masterplan“ zur Asylpolitik der Öffentlichkeit vorstellt. Wie bitte?? Der ist immer noch Innenminister, nach allem, was er sich in den letzten Wochen gelappt hat? Und bei seiner aktuellen Quertreiberei? (Und nach all seinen früheren Purzelbäumen, siehe z.B. >Blog vom 04.07.2015) Ein Politiker und Bundesminister, der verneint, dass der Islam zu Deutschland gehört, muss sich allmählich auch die Frage gefallen lassen, ob Bayern (mit seiner gegenwärtigen, Orban- und Putin-freundlichen Regierung) noch zu Deutschland gehört… Und wer (wie Söder) demonstrativ mit dem Kreuz vor den Kameras herumwedelt, muss sich fragen lassen, was er als Christ gegen das Ertrinken tausender Menschen im Mittelmeer zu tun gedenkt.

Da liegt noch viel Integrationsarbeit vor uns — bis diese Politiker unsere Werte verinnerlicht haben und sich als gute demokratische Vorbilder zeigen. —

Nachtrag am 03.08.2018: Horst Seehofer (CSU) scheint da vom Weg abgekommen zu sein. Anscheinend setzt er mehr auf Vorbild Trump: Er will in Kürze twittern, um seine Wahrheit unters Volk zu bringen, weil die bösen Medien Fake News über ihn verbreiten. Ja, Horst, heul doch! Oder erklärst du auch, wie Trump, die Medien demnächst zu „Feinden des Volkes“?

Das bayrische Rumpelstilzchen auf dem Sessel des Innenministers ist übrigens auch Bundesbauminister, denn das Ressort ist dem Innenministerium unterstellt. Hallo, Ihr verzweifelt eine bezahlbare Wohnung Suchenden: Habt Ihr vielleicht gehört, dass sich Horst um die lange fällige Reform der Mietpreisbremse und um vermehrten Bau von Sozialwohnungen kümmert? Bislang hält er das Land und die EU mit „wichtigeren“ Dingen in Atem, nämlich mit Detailfragen zur Flüchtlingspolitik, und mit Querschlägen gegen die Kanzlerin. Das kommt bei Vielen nicht gut an. So kam es, dass die CSU bei der Landtagswahl ein schlechtes Ergebnis einfuhr und von der erhofften Wiedererlangung der absoluten Mehrheit in Bayern weit entfernt blieb.

Köln-Notizen 1/2016

50+sKöln in allen Nachrichtensendungen: „Die Ereignisse der Silvesternacht am Kölner Hauptbahnhof…“ Keiner weiß noch nix Genaues, aber in den Medien, bei den Politikern und — wie man hört — in den sozialen Netzwerken ist schwer ‚was los. Selten war soviel Rechtbaberei und Schaum-vor-dem-Mund zu hören und zu lesen, und verbale Kraftmeierei. Viele wollen, ehe sie rechts überholt werden, auf den Lukas hauen und noch eins draufsetzen. Fast scheint es, als wollte kaum jemand noch belastbare Informationen zur Kenntnis nehmen, hat man doch längst seine eigene Meinung, und diese auch schon herausposaunt. Sachliche Wortmeldungen gehen in der hochkochenden Aufregung fast unter.

In diesem emotionalen Gebrodel beantwortet Kölns Oberbürgermeisterin eine Frage und erntet einen plötzlichen Shitstorm. Was genau passierte, kann man diesem Kommentar entnehmen: Kommentar zu #Armlaenge: Henriette Reker im Shitstorm der Ignoranten | Politik – Berliner Zeitung

Da sieht man wieder einmal, wie gedanken- und hemmungslos viele Menschen im Netz drauflos kommentieren. Man/frau prügelt auf Frau Reker ein, die schließlich aus eigener Erfahrung spricht: Sie selbst überlebte kürzlich das Messerattentat eines Gewalttäters nur knapp. Also, geht’s noch?

Der S.R. der F.U.F. sieht da eine weitere Bestätigung seiner Ausführungen auf der Seite >Home/Start zur Frage: Warum keine Kommentarfunktion auf dieser Website? Der Eindruck verstärkt sich, dass viele Menschen glauben, im Netz nahezu alles äußern und hinausrotzen zu können. Und sie tun das auch im Brustton der Überzeugung: Ich rotze, also habe ich recht.

Wenn der S.R. mal (zum Glück selten) auf einer Online-Seite von Medien die Kommentare anliest, dann vergeht ihm die Lust am Lesen ziemlich schnell. Spätestens beim dritten oder vierten dieser Kommentare hat jemand vergessen, sein Hirn einzuschalten, oder ignoriert fröhlich Fakten und schleudert einfach Behauptungen als Tatsachen in die Welt, oder hat jeglichen Anstand vergessen, vergreift sich im Ton — wobei man bedenken muss, dass die schlimmsten Ausfälle und Beleidigungen schon von der Redaktion gelöscht wurden. (Außerdem langweilen die Kommentarspalten, weil immer ein Schwall höhnisch-hetzerischer Müll aus der Pegida/AfD-Ecke dabei ist.)

Der S.R. fragt sich manchmal auch, wieso es einer Erwähnung in den seriösen Nachrichten wert ist, wenn in den sozialen Netzwerken irgendein Shitstorm tobt oder eine Hetzkampagne rollt. Denn Vieles im Netz ist inszeniert — oder ist irgendjemand so blauäugig zu glauben, da ertöne „Volkes Stimme“? (vgl. >Start, Fußnote, sowie Fußnoten hier unten)

Wer will, organisiert sowas wie einen Shitstorm mit ein paar Helfern, no problem.* Oder wie kommt z.B. ein Flashmob zustande? Und wie hat jener Mob sich zusammengefunden, aus dem heraus in der o.a. Silvesternacht zahlreiche Diebstähle und sexuelle Übergriffe verübt wurden? In wenn auch geringerem Umfang wurde so etwas übrigens auch aus mehreren anderen Städten in Deutschland gemeldet. Aber die Medien fokussierten sich auf Köln.**

Ach, fast hätte ich’s vergessen: Allen Besuchern dieser Website ein frohes und gesegnetes Neues Jahr — trotz einiger Chaoten und Idioten, die es auch schon im letzten Jahr gab. Mehr zu den allgemeinen Aussichten >Zusammenleben: Die Welt wird nicht untergehen – Kolumne – SPIEGEL ONLINE — lesenswert und diskussionswürdig!

S.R.

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* Man kann immer wieder darüber staunen, wie naiv viele Menschen das Internet und seine Foren als eine Art „Gegenöffentlichkeit“ sehen (oder besser: missverstehen). Wer von „Lügenpresse“ redet, ist hoffentlich so medienkritisch, auch das Internet einzubeziehen! Was da herausgepostet und -gepustet wird, ist oft märchenhaft und bestenfalls amüsant, aber meist eher Gewäsch und kein Gegengewicht zu den etablierten, journalistischen Medien. Also Vorsicht: Es gibt im Internet nicht nur Qualitätsseiten, z.B. fu-frechen.de, sondern auch eine Menge Schund und Hetze, die sich nicht scheut, Falschmeldungen und verfälschte Videos in die Welt zu setzen — und zugleich auf „die Medien“ schimpft, die angeblich „die Wahrheit“ nicht berichten wollen.

„Die Wahrheit“ findet Mancher dann im Internet bei staatlich gelenkten Medien fremder Länder. Ja, was soll man davon halten!! Und wer will sich von Kommentarlawinen beeindrucken lassen, die als getarnte Privatmeinungen von speziell eingerichteten Propaganda-Agenturen ins Netz geschwemmt werden? Wer „Lügenpresse“ ruft und zugleich die Lügen-Posts und Fakes im Internet als Enthüllungen konsumiert, der sollte im Kölner Rosenmontagszug mitgehen: als Narr, der kein Narrenkostüm braucht.

Das vermeintliche Argument „Schwarmintelligenz“ zieht auch nicht mehr. Es erinnert mich fatal an den sarkastischer Spruch: „Sch… schmeckt gut, denn millionen Fliegen können nicht irren.“ Kurzum — bei uns in der F.U.F. gilt immer noch und weiterhin: Selber denken bringt’s! ***

Unter uns, und im Ernst: Wenn es an „den Medien“ eins zu kritisieren gibt, dann wohl das Folgende. Aus Auflagen- oder Quotengründen sehen sich viele einigermaßen unabhängige Zeitungen, Sender etc. genötigt, dem Massengeschmack und den Konsumgewohnheiten der Mehrheit entgegenzukommen und mehr Emotionen und Boulevard-Elemente zu bringen, was zu der bekannten Erscheinung führt: Wie am Beispiel „Silvesternacht in Köln“ zu sehen, treiben alle dieselbe Sau durch’s Dorf und befeuern dabei die Emotionalisierung dieses Themas, das ohnehin schon zum Aufputschen von Emotionen ausgeschlachtet wird. Zugleich werden leider andere, auch wichtige Themen aus den Schlagzeilen nahezu verdrängt.

Weniger beachtet wird z.B. dieses: (2) Oxfam-Studie: 62 Superreiche besitzen so viel wie die ärmsten 3,6 Milliarden – Wirtschaft – Tagesspiegel Aber auch diesem Thema sollte man sich nicht nur emotional stellen, sondern statt einer oberflächlichen Neiddebatte mit schnellen Sprüchen lieber eine sachliche, tiefer gehende Diskussion anstreben (und sich natürlich dazu erst einmal in Ruhe informieren). Ja, und zum obigen Thema sei, ohne schlimme Vorfälle zu relativieren, noch angemerkt: So manche Frau hat quasi eine kleine „Silvesternacht“ schon am hellen Tag, unter deutschen, hellhäutigen Männern, erleben müssen. Da muss auch noch einige „Integrationsarbeit“ geleistet werden!

Wo wir gerade beim Thema „Innere Mission“ (wie das bei den Kirchen heißt) sind: Sind diese Kriminellen integrierbar, die Flüchtlingsheime anzünden, welche immerhin mit unseren Steuergeldern finanziert wurden? Wohin sollen die im Zweifel abgeschoben werden? In Russland hat man dafür Arbeitslager — bei uns nicht, solange wir einen demokratischen Rechtsstaat haben. Denkt mal drüber nach.

** So langsam reicht es mit dem „Köln-Bashing“. Es reicht immer dann, wenn Leute nur noch draufkloppen, ohne vorher nachzudenken. Siehe auch: ***.

*** Zur Schnellschuss-Kommentiererei im Netz fand ich am 20.01. einen sehr dezidierten Kommentar: Social Media und die Hetze: Mehr Dummheit als Hass (Lobo-Kolumne) – SPIEGEL ONLINE Man/frau bilde sich dazu selbst eine Meinung!

S.R.

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