Archiv der Kategorie: Zukunft

Mein kleiner Beitrag

Das bisschen Müll, das ich zurücklasse – ach komm, das fällt doch gar nicht ins Gewicht! Was bewirkt schon mein kleiner Beitrag gegen die großen Verschmutzer? Was bewirke ich Einzelner überhaupt, wenn ich auf viel Fleischkonsum verzichte oder weniger Auto fahre?
Verführerisch raunt uns eine Stimme ins Ohr: Dein kleiner Beitrag bewirkt doch gar nichts, um den Klimawandel zu bremsen! Lass doch erst einmal die Anderen ihr Verhalten ändern!
Und noch eine teuflische Stimme ruft: Was können wir überhaupt tun? Wir können die Erderwärmung nicht stoppen. Wir können den Plastikmüll nicht mehr aus den Ozeanen holen. Wir können… ja, was denn? Einfach alles laufen lassen, uns in das Schicksal ergeben, unseren Kindern und Enkeln eine Welt des Untergangs hinterlassen?
Das haben wir uns so vorgestellt: Wir kosten es noch aus, uns einfach gehen zu lassen. Verzichten und umdenken sollen dann Andere, wir nicht.
Und dann kommt ein nicht gekannter Sturzregen über uns, zerstört Schienenwege und sogar Autobahnen, sogar fern vom Katastrophengebiet stehen wir nun im Stau. Das hatten wir uns nicht vorstellen können!
Junge Menschen sagen uns: Was habt Ihr denn geglaubt! All die Warnungen seit Jahrzehnten, Ihr habt sie nicht ernst nehmen wollen. Wir haben im Schulunterricht gelernt, wie das zustande kommt und was für Folgen das hat. Darum sind Viele von uns auf die Straße gegangen und haben mit „Fridays For Future“ für eine vernünftige Klimapolitik demonstriert. Aber Ihr wolltet uns nicht ernst nehmen, habt sogar gemeint, das Thema sollten wir den Fachleuten überlassen (so Lindner von der FDP). Jetzt begreift Ihr hoffentlich, wer die wahren Fachleute sind, und wer Euch was vom Pferd erzählt.
Das Dilemma ist: Solange Ihr nicht kapiert, dass jeder einzelne Beitrag zählt; solange Ihr nicht begreift, dass die ganze Misere menschengemacht ist; solange Ihr nicht anfangt, Euren kleinen, aber wichtigen Beitrag zu leisten — so lange besteht für die Menschheit keine Hoffnung.
Ihr meint: Das ist übertrieben und dramatisiert? Jetzt fangt Ihr ja schon wieder an, Euch zu drücken und die Augen zu verschließen! So geht’s weiter abwärts! Da hilft nur noch eins: Wir, die die Katastrophe noch abwenden wollen, müssen Euch entmachten. Ihr lasst uns keine andere Wahl…
M. B.

Spuren des Homo Sapiens, der glaubte, über der Natur zu stehen

Dies ist ein Gastbeitrag von Mark Bogner, dem wir hier eine Stimme gegeben haben – stellvertretend für seine Generation.

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Zukunft der Menschheit

SO ist der Mensch: Was nicht ins Weltbild passt, wird geleugnet bis zum Gehtnichtmehr. Oder umgekehrt: Was so prima und einfach ins Weltbild passt, das wird gern geglaubt (selbst wenn es bei genauer Betrachtung nicht stimmen kann). Damit ist schon viel gesagt über das Schicksal der Menschheit – wenn man Geschichte, Gegenwart und mögliche Zukunft ins Auge fasst.
Diese „Erfindung der Chinesen“ (D. Trump), gegen die wir nichts tun können (AfD): die durch Menschenhilfe beschleunigte Klimaerwärmung, wird uns noch lehren: Egal, was Ihr denkt oder glaubt, die Natur lässt sich ihre Gesetze nicht von menschlichem Wunschdenken vorschreiben. „Der Mensch denkt, Gott lenkt“, lautet ein alter Spruch. Denn unsere Vorfahren kannten die Macht der Natur und ihre Wucht, mit der sie zuschlagen kann.

Doch dann, als man sich des „wissenschaftlich-technischen Fortschritts“ bewusst wurde, begann die Hybris: Man konnte die Natur bezwingen, wie man schon die Welt kolonisiert und unterworfen hatte.
Als die Brücke über den Tay, ein Vorzeigeobjekt damaliger Baukunst und 1879 längste Brücke der Welt, von einem mächtigen Sturm samt einem darüber fahrenden Zug in die Fluten gerissen wurde, dichtete Theodor Fontane:

„Tand, Tand, ist das Gebilde von Menschenhand.“

Der Stolz britischer Schiffsbaukunst, die „Titanic“, versank 1912 im Meer – auch das ein Fanal, das man als Warnung hätte verstehen können.

1914 begann das große Schlachten, der Erste Weltkrieg, der die Menschen fassungslos auf in diesem Ausmaß nie dagewesenes Leid und Zerstörung blicken ließ. Dementsprechend hart bestraften die Siegermächte die Verlierer, vor allen Deutschland, womit sie aus Rachsucht und mangelnder Weitsicht dem „Führer“ Bühne und Aufstieg bereiteten – und sich selbst neues Leid in einem Krieg, den man den Zweiten Weltkrieg nennt. Den Weg dahin bereiteten auch die militärischen Führer aus dem Ersten Weltkrieg, Hindenburg und Ludendorff, die sich vor der Verantwortung für die deutsche Niederlage drückten und die „Dolchstoßlegende“ erfanden: Angeblich sei der Aufstand in der Heimat der Front in den Rücken gefallen und habe die Niederlage ausgelöst. (In Wahrheit war der Krieg schon lange vor dem Kieler Matrosenaufstend verloren.)

Die Legende vom „Dolchstoß“ glaubten damals viele Deutsche, die der Kriegspropaganda nach wie vor folgten: Die Armee war angeblich „im Felde unbesiegt“ in die Heimat zurückgekehrt. So blieben die beiden Kriegsherren ungestraft bei ihrer Lüge. Nur eine Minderheit zog aus dem entsetzlichen Schlachten die Schlussfolgerung: „Nie wieder Krieg!“

Und nach dem Zweiten Weltkrieg war endlich Schluss mit Lügen und Selbstbetrug? Denkste! Viele Deutsche duckten sich weg und behaupteten, das Nazi-Regime nie unterstützt zu haben, beschwiegen diese Zeit nach Möglichkeit und stürzten sich in Wiederaufbau und Geldverdienen. In Westdeutschland betäubte das „Wirtschaftswunder“ bei Vielen das Nachdenken über die Vergangenheit. Das Gefühl „Wir sind wieder wer“ griff um sich, man integrierte sich im Kalten Krieg ins westliche Bündnis und Wirtschaftssystem und wollte die NS-Zeit als „Betriebsunfall der deutschen Geschichte“ ablegen.

Es passt eben besser ins eigene Weltbild, das Prinzip „Wir sind die Guten“ aufrechtzuerhalten und Anderen die Schuld an Krieg und Katastrophen zuzuschieben. Dann braucht man ja nichts zu überdenken oder zu ändern. Schön bequem!

Nach diesem Prinzip verfängt bei Vielen auch der Irrglaube, die von Menschen mitverursachte globale Erwärmung sei nicht unsere Schuld, wir könnten sogar nicht einmal etwas dagegen tun. Das ist so ziemlich das Faulste und Ignoranteste, was die Menschheit sich leistet.* Wie verbohrt oder blind muss man sein, um abzustreiten, was offensichtlich ist? Was wir aktuell, im Juli/August 2021, gehäuft in den Nachrichten von Katastrophen hören und sehen (Flutkatastrophen, Brandkatastrophen), ist die exakte Bestätigung von wissenschaftlichen Voraussagen! Und diese Voraussagen gab es schon in den 1980er Jahren.**

Man könnte daraufhin am Homo Sapiens verzweifeln und sagen: Er hat’s nicht besser verdient, er will ja mehrheitlich nicht auf Vernunft hören und benutzt sein Gehirn bloß für egoistisches, engstirniges Vorteilsdenken. Für diese Beurteilung gibt es unbestreitbar gute Gründe. Aber das ist nicht alles. Es gibt auch einen Teil der Menschheit, der nicht im Strom der Denkfaulen und Egozentrischen mitschwimmt. Dieser Teil versucht, gegen die Mehrheit Humanität, Empathie, Solidarität, Vernunft, Weitsicht hochzuhalten.

Wer ein einseitig schlechtes Menschenbild hat, der unterstützt indirekt die blutigen Diktatoren, die in einigen Staaten dieser Erde an der Macht sind (und diese nicht mehr hergeben wollen). Den Gewaltherrschern dieser Erde ist eins gemeinsam: Sie verachten die Menschen prinzipiell als manipulierbar, verführbar, einer „starken Hand“ bedürftig, und sehen sie als Masse, die zu lenken ihre Aufgabe sei. Angeblich weiß nur der Diktator, was für diese Masse gut ist (nämlich, was für ihn selbst gut ist). Alle Kritik muss daher zum Schweigen gebracht werden: Die Masse soll nur glauben, nicht denken, nicht wissen. Diesem Ziel dient alle staatliche Propaganda. Das alles wird begründet mit der angeblichen Unreife der Masse und der Schlechtigkeit der Menschen.

Wenn die Menschheit noch zu retten ist, dann… Ja, was? Jetzt denkt mal bitte selbst weiter! Brauchen wir mehr Diktatoren, die als Zuchtmeister die Massen mit Zuckerbrot und Peitsche zu Zielen treiben, die die Diktatoren vorgeben? Oder brauchen wir mehr Aufklärung und Menschlichkeit, damit Vernunft und Mitgefühl eine Mehrheit erreichen?

In diesen Zeiten geht es nicht um Kleinigkeiten. Es geht um Grundsätzliches. Und ja, selbst wenn Euch das übertrieben vorkommen sollte: Es geht um die Zukunft der Menschheit. Über diese Zukunft wird in unserer Gegenwart entschieden, nicht irgendwann später.

W. R.

Nachtrag am 03.09.21: Neulich fanden Journalisten heraus, dass eine russische Firma im Internet versucht, Fake News über das Impfen zu verbreiten, und dazu besonders in bestimmten sozialen Medien aktiv ist, die besonders in Afrika und Lateinamerika genutzt werden. Diese Desinformationskampagne will den Leuten einreden: Wer sich impfen lässt, wird zum Schimpansen!

Ja, da müsst Ihr laut lachen! Zu komisch! Nur: Die Kampagnen-Betreiber wissen, dass gerade in diesen Kontinenten viele Menschen wenig Bildung bekommen und noch sehr einem magischen Weltbild verhaftet sind. Magisches Weltbild heißt: Man glaubt an Zauberei und den Bösen Blick, an Hexen, u.a.m. (Das war auch bei uns in Mitteleuropa vor Jahrhunderten sehr verbreitet). Was man sich halt so vorstellt, wenn man viel glaubt und wenig weiß, wenn man anfällig ist für alle möglichen Gerüchte und aufregende Falschmeldungen. Ja, Ihr merkt schon: Das ist auch bei uns nicht so selten, da ja ständig Verschwörungsmythen im Netz verbreitet werden – und sogar von Einigen geglaubt werden.

Man könnte jetzt überlegen lästern über die geistigen Schimpansen, über Leute, die sich im Netz verrückt machen lassen und sensationellen Stuss eher glauben als wissenschaftlich geprüfte Tatsachen. Aber Vorsicht vor Hochmut: Kehrt auch vor Eurer eigenen Tür, und seid vorsichtig gerade im Wahlkampf, wenn dubiose News an Euch herangespült werden. Denn es gibt sie, die Produzenten von Fake News, die alles versuchen, um Unruhe ins Netz zu tragen, Leute zu verunsichern und Zweifel gegen die nach guten journalistischen Standards arbeitenden Medien zu säen.

Wollt Ihr nicht zu Bildungs-Schimpansen werden, dann schaltet Euer Hirn nicht ab bei abenteuerlichen Meldungen, die auf Euren Bauch zielen und Euer Denken ausmanövrieren wollen. Ihr wollt Beispiele? Klar, z.B. die jüdisch-bolschewistische Weltverschwörung (die Hitler sogar, ohne rot zu werden, in seinen offiziellen Reden nannte), oder: Die Weiße Rasse ist allen anderen überlegen (eine nicht haltbare Behauptung, mit der weiße Bildungsschimpansen sich selbst bauchpinseln), oder: Impfen macht unfruchtbar (Gegenbeweise werden stur ignoriert), oder… ach, Ihr habt sicher auch schon einigen Blödsinn im Internet vorgefunden.

Aber Ihr, hoffe ich, habt genug fundiertes Wissen und fallt schon deshalb nicht auf jeden Betrugsversuch herein. Hab ich recht?

__________________

* die Menschheit? Sagen wir genauer: Die von einer Verdummungskampagne der Ölindustrie und von ihnen bezahlten Multiplikatoren irregeführte Menschheit, darunter auch die offiziellen Vertreter der hiesigen AfD (Gauland etc.)

** Der „Spiegel“ brachte das Thema als Titelgeschichte im August 1986(!); als aufrüttelnde Mahnung zeigte das Titelbild den Kölner Dom in einem rundum überschwemmten Gebiet.

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Trotzdem cool bleiben

Nein, zum aktuellen Bundestagswahlkampf will sich der SR hier nicht äußern. Aber W.R. als Privatperson wundert sich doch, dass es interessierter Einflussnahme gelingt, die öffentliche Meinung so zu beeinflussen, dass Nebensachen zu großen Themen aufgebauscht werden, damit wichtige Themen in den Hintergrund gedrängt werden. Was ist gemeint? Dazu verweise ich als Beispiel auf diesen Artikel: https://www.klimareporter.de/deutschland/laschet-bestellt-die-feuerwehr-fuer-2038

Dazu mag frau/man selbst eine Position haben oder finden. Hier in der F.U.F. geht es, wie schon öfter gesagt, nicht um tagespolitischen Hickhack, uns geht es um Themen, die auf längere Sicht aktuell und von Bedeutung sind. Mit anderen Worten: Wir wollen das Denken nicht vernachlässigen, nur weil wieder ein paar Aufreger in den Medien hochgepuscht werden (nicht zu reden von diversen „sozialen Netzwerken“).

Unser Motto: Trotzdem cool bleiben und die wesentlichen Dinge nicht aus den Augen verlieren!

W. R.

Update 18.07.2021: Auch wenn man sich ganz aus dem Wahlkampf heraushalten will, kann man nicht umhin festzustellen, was Viele auch in den Medien sagen – erst recht nach den katastrophalen Wetterereignissen vom 14.-17. Juli. Wir brauchen das nicht erneut zu zitieren, der o.a. Link zu „Klimareporter“ war schon deutlich genug, und der wurde VOR den aktuellen Überflutungskatastrophen in Deutschland geschrieben. Die aktuellen Nachrichten stoßen jedenfalls auch die Begriffsstutzigeren mit der Nase auf die oben erwähnten wesentlichen Dinge.

Dazu ein Update vom 09.08.2021, die UN haben soeben ihren Weltklimabericht veröffentlicht, in Südeuropa sind viele Brände immer noch nicht unter Kontrolle, Spitzenpolitiker sichern schnelle Finanzhilfen für die direkt Betroffenen zu – doch fehlen mir bisher die Ansagen zur Vermeidung oder Eindämmung komender Katastrophen, und daher kommt hier ein Link als Hilfe zum Durchblick bei den kommenden Wahlen: Der WWF-Wahlprogrammcheck 2021 Ein wenig Orientierung ist schon hilfreich…

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Danke, Greta!

Nachdem es den rechten Geiferern nicht gelungen war, die Person mit persönlichen Beleidigungen madig zu machen, nachdem es Christian Lindner (FDP) nicht gelungen war, ihr und den anderen jungen Demonstrierenden die Sachkompetenz abzusprechen, bemühten sich weitere Personen, Greta Thunberg und die Bewegung Fridays-For-Future zu diskreditieren. Da war z.B. im ZDF ein Beitrag im „Auslandsjournal“ über einen „Personenkult“ um Greta, den die Autorin da sehen will, da gab es angeblich Greta unkritisch anhimmelnde jugendliche Fans, da wurde ein Stab von Leuten thematisiert, die Gretas PR planen, usw. Im Internet-Begleittext des ZDF stand tatsächlich: „Greta spaltet.“
Da schlag doch einer lang hin! Man glaubt es kaum: Greta T. wird da in ein schräges Licht gestellt, als ob man über einen Donald Trump berichtete! Und das ist noch nicht alles: Nun will man Gretas Glaubwürdigkeit massiv untergraben, indem alle Medien unisono melden, ihre Segel-Überfahrt nach New York habe doch, scharf gerechnet, eine schlechtere CO2-Bilanz, als wenn sie geflogen wäre — was sich nur errechnen lässt, wenn man noch ein paar sidekicks dazuzählt. Aber egal, Hauptsache, es gibt schlechte PR für Greta, man will ja endlich mal Negativ-Schlagzeilen über sie produzieren und vor allem: ihre Glaubwürdigkeit untergraben.
Wer ist „man“? Das sind z.B. Leute, die gewissen „Altparteien“ nahestehen, die Panik bekommen angesichts davonlaufender JungwählerInnen, und da sind Leute, die einer Uraltpartei* (die sich fälschlich „Alternative“ nennt) nahestehen, die Panik bekommen, weil sie nicht mehr die Themen in der öffentlichen Debatte bestimmmen, sondern einem Thema hinterherlaufen müssen, zu dem sie aber auch gar nichts Brauchbares zu bieten haben.
Ist schon bemerkenswert, was alles versucht wird, um Greta vom Sockel zu stoßen. Dabei sind es doch eher die Medien, die ihr einen Promi- und sogar Heldinnen-Status zuschreiben, während sie selbst bei öffentlichen Auftritten auf dem Teppich bleibt und ernsthaft und sachlich zur Thematik spricht.
Wäre ich ein Verschwörungstheoretiker, dann sähe ich jetzt eine konzertierte Kampagne ins Werk gesetzt, die in Berliner Hinterzimmern bei Hintergrundgesprächen zwischen Politikern und Medienleuten ausgeheckt wurde. Solche Theorien braucht aber keiner, der einfach nur seinen kritischen Verstand arbeiten lässt und wie gewohnt fragt: Wer hat in diesem Spiel welche Interessen? Wem geht die Klimadebatte gegen den Strich? Wer möchte lieber ein gemächliches Weiter-so im gewohnten Politikbetrieb, wo die Ungeduld der jungen Leute nur stört?
Selbst-denkenden Menschen brauche ich das nicht zu sagen. Durch Gretas öffentliches Auftreten ist aber Vielen bewusst geworden: Das ist keine jugendliche Ungeduld, das ist das berechtigte Verlangen nach einer lebenswerten Zukunft! Fridays-For-Future hat für Klarheit gesorgt: Wir hören und sehen, wer auf der Bremse steht.

Danke für die Klärung, Greta!

W. R.

 * Uralt-Partei? Das wird klar, wenn man sich anhört, was von der AfD an Äußerungen und Parolen kommt. Das ist inhaltlich Altbackenes und Gestriges, Fremdenfeindlichkeit, Provinzmief, und Reaktionäres. Ansonsten versuchen sie immer wieder, Begriffe umzudeuten, Tabus zu brechen und damit zu provozieren — was ihnen bisher mehr Medien-Aufmerksamkeit brachte, als es ihren inhaltlichen Punkten angemessen wäre (weil die zum Gähnen sind). Aber auch diese Masche nutzt sich auf Dauer ab.

Sie können ja weiter von einem Klimawandel (hört sich eher harmlos an) reden, der natürliche Ursachen habe (prima, da brauchen wir nichts zu ändern und können die Erde weiter verheizen), oder Sie hören mal richtig hin, wenn wirkliche Fachleute die globale Erderwärmung und ihre Ursachen erklären.

Wenn Sie ein Weiter-wie-bisher wünschen und die entsprechenden Politiker wählen, werden Sie in einigen Jahren darüber stöhnen, dass es nun soweit gekommen sei, dass man wirklich nicht mehr viel gegen die katastrophalen Folgen der globalen Erderwärmung tun könne. Die weltweiten Auswirkungen werden uns überrollen und für Alle Folgen haben (allein schon durch die gigantischen Kosten, mit denen die Katastrophen bekämpft werden müssen).

Niemand wird ein Raumschiff zum Mars oder sonstwohin besteigen und die verheizte Erde hinter sich lassen können. Denn dummerweise nimmt die Erderwärmung immer mehr Fahrt auf. Umsiedlung auf den Mond oder den Mars (für wieviele Menschen? 50? 80? 116?) bleibt eine Illusion, schon weil die technischen Voraussetzungen frühestens in einigen Jahrzehnten evtl. in greifbare Nähe kommen, wenn überhaupt. Die Zeit haben wir nicht. Und für 8 Milliarden Menschen ist das eh keine Option.

Nachtrag vom 29.09.19: Dazu ausführlicher > Klimawandel: Es wird Zeit für zivilen Ungehorsam – Kolumne – SPIEGEL ONLINE

Ergänzung vom 30.11.2019: Wir erwähnten ihn früher schon, aber wir müssen wieder an den Kallendresser erinnern und verweisen z.B. auf diesen Artikel: James Black sagte 1977 die Klimakrise voraus – leider arbeitete er bei Exxon – SPIEGEL ONLINE

Noch eine Ergänzung vom 07.12.2019 — auch solche Meinungsäußerungen müssen erlaubt sein! >Hass gegen Kinder im Internet: Habt ein wenig Anstand – Kolumne – SPIEGEL ONLINE —

Nachdem Greta in New York vor der UN-Vollversammlung ihre „How dare you“-Wutrede gehalten hatte, kritisierten Einige sie wegen ihres emotionalen Auftritts. Ja herrgottnochmal,

aus: Kölner Stadt-Anzeiger, 23.12.2019, S. 14

was sollen die jungen Leute denn noch tun neben all den friedlichen Demonstrationen? Auf die große Mehrheit der Wissenschaftler wollen viele Entscheider in der Welt immer noch nicht hören. Da kann einem leicht der Kragen platzen, besonders nach dem Trauerspiel der Klimakonferenz in Madrid. Vielleicht sollte man die Klimakatastrophen-Leugner und diejenigen, deren Geschäftsmodell auf dem Weiter-wie-bisher fußt, mal nach Australien zur Brandbekämpfung schicken oder in den bereits verbrannten Regionen Urlaub machen lassen.

Warum bestreiten etliche Leute eigentlich so eifrig das, was 99% der Wissenschaftler sagen? Dazu hier eine sachliche, psychologische Erklärung: EU-Klimapaket: Zerschlagt das Kartell des Nichtstu Da ist nicht nur ein psychologisches Phänomen wirksam, sondern auch Profitgier mächtiger Konzerne, deren Einfluss auf Politik und einen Teil der Medien immer noch das Geschäftsmodell „Weiter-wie-bisher“ propagiert. Das sieht man besonders deutlich im Falle Australiens: Klimakrise in Australien: Verrat an der Bevölkerung – SPIEGEL ONLINE

Apropos Australien: Pressezar Rupert Murdoch beherrscht dort ähnlich wie in Großbritannien einen großen Teil der Medien, und das auf unheilvolle Weise. In Australien verharmlosen seine Zeitungen die Klimakrise und die katastrophalen Buschbrände, um das Kartell von Kohleindustrie und Regierung zu schützen; in Großbritannien hetzten sie viele Jahre lang auch mit Fake News gegen die EU und befeuerten die Brexit-Kampagne. Dazu mehr: Rupert Murdoch: Der gefährlichste Mann der Welt – Kolumne – DER SPIEGEL

Noch ein Fundstück zum Thema, ein Beitrag von der guten Sarah Bosetti: Sarah Bosetti | Greta Thunberg – YouTube

Köln-Notizen Aug. ’19

Folgen des Klimawandels berühren uns nicht — oder doch? Na gut, da waren zwei Hitze-Sommer, da waren in verschiedenen Regionen „Jahrhundertfluten“, ja mei, das kann halt passieren, das Wetter ist halt unzuverlässig, oder? Jetzt bombardieren sie uns vermehrt mit Meldungen von Klimaschäden: riesige Waldbrände in Sibirien, zuviel Wärme in der Arktis und schnelles Abschmelzen des Eises, und so.  Fehlt noch ein Sack Reis, der in China umfällt, oder was?
Und jetzt dies: Hier bei uns, z.B. im Kölner Stadtwald, werden vermehrt Buchen und andere Bäume gefällt, weil sie vertrocknen oder wegen Trockenheit anfälliger für Pilze und Schädlinge geworden sind und umzufallen drohen. Und ein Biologe stellt fest, dass er schon mehrere Tigermücken in Köln gesichtet hat (die gehören eigentlich in die Subtropen und Tropen).
Wer mal rausfährt, z.B. ins Bergische Land, sieht schon an der Autobahn immer wieder Fichten, die braun geworden sind oder schon wie Gerippe dastehen. Und beim Waldspaziergang sieht man jede Menge gefällte Fichten, die vom letzten Sturm umgedrückt oder abgebrochen wurden, und von denen die meisten, sogar für Laien sichtbar, von Borkenkäfern heimgesucht worden waren.
Aber so isser, der Homo Sapiens: Was er nicht zur Kenntnis nehmen will, das verdrängt er. Nicht alle sind blöd genug, Donald Trumps Behauptung zu folgen und den (zum großen Teil von Menschen gemachten) Klimawandel als „Erfindung der Chinesen“ abzutun. Aber viele wollen gern glauben, dass alles übertrieben sei und nicht so schlimm. Vor allem wollen die meisten nicht vom Gewohnten lassen und schon gar nicht auf irgendetwas verzichten.
Kein Wunder, dass vielen, vor allem jungen Menschen der Kragen platzt und sie mit der „Fridays-for-Future“-Bewegung der schläfrigen Politik Beine machen wollen. Erste Erfolge sind da, krasses Beispiel ist die Kehrtwende des ergrünten bayrischen Ministerpräsidenten Söder (CSU).
Währenddessen hatte sein Parteikollege Scheuer (Bundesverkehrsminister) den grandiosen

E-Scooter liegen am Stadtwaldgürtel herum, Köln, Anfang August 2019: ein „Beitrag zur Verkehrswende“

Einfall, Elektroroller für den öffentlichen Straßenverkehr zuzulassen — als Beitrag zur Verkehrswende. Mit den Folgen lässt er die Städte allein, es gibt Unfälle, oft werden die Roller einfach irgendwo stehen oder liegen gelassen. Im Nachhinein denkt man über verschärfte Regeln nach.
Der Homo Sapiens Germanicus der Gegenwart will meist auf Gewohntes nicht verzichten, wie schon gesagt, und er will seit Neuestem sich nichts von niemandem mehr sagen lassen. Regeln — wozu? Sollen sich doch Andere daran halten, ich nicht, mir sagt keiner was! Man erlebt es im Straßenverkehr, und auch sonst im menschlichen Miteinander, das oft zu einem Gegeneinander entgleist. Es scheint, als degeneriere bei vielen Exemplaren des Homo Sapiens die Fähigkeit, sich in ein soziales Miteinander einzuordnen. Manche scheinen da geistig überfordert, da vermisst man die soziale Intelligenz.
Ist das eine Art von Wohlstandsverwahrlosung, die in den wohlhabenden Industrieländern um sich greift? Findet deshalb vielleicht auch das Ertrinkenlassen von Flüchtlingen im Mittelmeer Zustimmung in Teilen der Bevölkerung Europas? Man kann doch nicht ernsthaft behaupten, das stehe im Einklang mit den Werten der Europäischen Union — oder etwa doch? Die viel beschworene „christlich-jüdische Kultur des Abendlandes“, moralische Grundlage Europas — was ist sie praktisch wert? Politikergewäsch? Und welche Werte will eigentlich Pegida verteidigen — gegen den Islam?
Entweder haben wir es da durch die Bank mit hohlen Phrasen zu tun, oder diese Menschen wissen überhaupt nicht, wovon sie reden.

W. R.

Nachtrag am 10.09.2019: Erneut widmet der Kölner Stadt-Anzeiger dem Thema Waldsterben im Stadtgebiet einen langen Artikel:

Ist schon traurig! Ausgerechnet Buchen erliegen in großer Zahl der Trockenheit. Diese schönen Laubbäume, Schmuck des deutschen Waldes, deren silbergrau wie Säulen aufragende Stämme mit ihrem geschlossenen Laubdach an manchen Stellen geradezu Natur-Kathedralen bilden…

Wenn es überhaupt gelingt, im veränderten Klima diese Bäume nachzupflanzen, dann brauchen sie 80-100 Jahre, um bei gutem Wachstum die aktuellen Verluste zu ersetzen. Das werden die jetzt jungen Leute kaum noch erleben.

Lasst mehr Frauen ran…

UM Weltfrauentag (8. März) finde ich einen Kommentar, der immerhin eins für sich hat: er klingt logisch > https://www.tagesspiegel.de/meinung/internationale-politik-ohne-gleichberechtigung-kein-frieden/24073842.html

Zum Thema „Waffen und Männer“ kann ich aus eigener Erfahrung und Einsicht beitragen: Entgegen der von populistischen Politikern wie Trump oder Salvini verkündeten Ansicht, dass mehr Waffen (insbesondere Schusswaffen) mehr Sicherheit geben sollen, sage ich: Mehr Waffen schaffen mehr Unsicherheit. Und eine Schusswaffe im Haus ist eine permanente Bedrohung für seine Bewohner. Denn oft wird diese Waffe, wenn sie denn zum Einsatz kommt, anders benutzt, als sich der Beschaffer das vorgestellt hat.

Gemeinhin denken die Leute, dass junge, heißblütige Männer die Welt unsicherer machen. Aber wenn man sich die älteren und alten Säcke anschaut, die einen großen Teil der Welt regieren, dann fragt man sich doch, wieso gerade unter deren Regierung so viele blutige Konflikte in der Welt existieren. Es ist offensichtlich, dass so ein Trump die Welt unsicherer macht, weil er multilaterale Abkommen kündigt und sich politisch unberechenbar verhält, weil er schon im Wahlkampf seine Nähe zu den Waffenfabrikanten nicht verbarg, und für zivile Amokläufe und Massaker nur das Mittel kennt, dass sich alle bewaffnen sollten. Toll, so einen Dummschwätzer hat die Welt noch gebraucht. Und wer hat ihn in dieses bedeutende Amt gewählt? Menschen, die einen politikunfähigen Selbstdarsteller als Rache am Establishment wählten, als Krawall-Otto und Anti-Kandidaten. Nur: Diese „Rache“ geht nach hinten los, wie die Ergebnisse seiner Politik zeigen. Am Ende haben auch und gerade viele Trump-WählerInnen* das Nachsehen.

Das haben auch diejenigen Briten, die 2016 für den „Brexit“ gestimmt haben. Ihre heillos zerstrittene Politiker-Kaste hat ihnen nicht nur das Plebiszit eingebrockt, sondern auch die endlosen Nervereien um die Art und Weise, wie der Brexit vollzogen werden soll. Männlicher Macht-Poker auf Kosten des Gemeinwohls findet da statt, auch die wenigen weiblichen Politiker mühen sich, auf männliche Art mitzumischen — wie es schon Margaret Thatcher tat (die sogar übte, ihre Stimme tiefer und damit männlicher klingen zu lassen). Was hat Thatcher dem Land beschert? Knallharte neoliberale Politik. Und auch Kriegsherrin war sie, um die Falkland-Inseln für Großbritannien gegen argentinische Ansprüche zu halten. Um welchen Preis?

Darum: Der oben verlinkte Kommentar ist zumindest diskussionswürdig.

W. R.

* Im Sinne von Gender-Sensibilität wird auf dieser Website oft, aber nicht in allen möglichen Fällen, das große i im Wort gesetzt (Binnen-I), um (im vorliegenden Fall) Wählerinnen und Wähler gleichermaßen zu benennen. Die Sache mit dem Sternchen (*) im Wort (Gendersternchen) hält der SR derzeit für nicht notwendig. Eine Diskussion darüber kann ganz schön vertrackt werden, wie z.B. dieser scharfsinnige und kompetente Artikel zeigt:  Debatte Geschlechtergerechte Sprache: Eine für alle – taz.de

Zukunft – ein Auslaufmodell?

Zukunft? Nein danke! Oder was? Haben wir eigentlich noch Grund, uns eine positivere, eine bessere Zukunft für dieses Land, für diesen Kontinent, für unseren Planeten zu erhoffen? Was uns einige Leute als große Versprechen der Zukunft an die Wand projizieren, sieht doch eher nach negativer Utopie aus. Algorithmen bestimmen immer mehr Bereiche unseres Lebens, je weiter die Digitalisierung fortschreitet, und China führt uns deutlich vor Augen, wie der Überwachungsstaat in naher Zukunft Alle beobachtet, gängelt, bewertet und damit Lebenschancen verteilt oder verweigert.
Auch bei uns hat die allgegenwärtige Datensammelei schon zu Auswirkungen geführt, von denen die Betroffenen selbst oft nicht einmal erfahren. Weiterlesen