Archiv für den Monat: Juni 2013

Wie kam Audomar nach Frechen?

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Frekena

Die Frage könnte auch lauten: Wie kam Frechen zu Audomar? Denn seltsam: Nur Frechen hat, als einziger Ort in deutschen Landen, eine Kirche, die „Sankt Audomar“ heißt. Heißt das, dass ein 40Heiliger dieses Namens in Frechen wirkte, oder dass ein solcher hier begraben ist?

Weder noch, vielmehr ist Audomar physisch nur in Gestalt einer Reliquie, und zwar eines ziemlich kleinen Knochenstücks, in Frechen anwesend. Dieses wird, wie üblich, in einem Reliquiar aufbewahrt, der in der Kirche auf einem schmalen Seitenaltar zu sehen ist. Der Reliquiar, eine aus Silber gearbeitete Büste, zeigt unter dem Kinn das von einem Bergkristall geschützte Gebein.

So kostbar den Gläubigen Reliquien sind, so verächtlich gingen Soldaten in der Französischen Revolution damit um. In Saint-Omer (deutsch: Heiliger-Audomar) stürmten sie013d damals in die Kathedrale und plünderten das Grab des Heiligen. Die Knochen streuten sie draußen auf das Straßenpflaster. Weniges davon wurde von einem Gläubigen aufgelesen und gerettet.

Aus diesem Rest stammt ebenjenes Knochenteil, das im 20. Jahrhundert der Kirche St. Audomar in Frechen geschenkt wurde. Der wertvolle Reliquiar (siehe Foto links) soll veranschaulichen, wie bedeutsam der Inhalt ist. Das hat Tradition: Viele Heilige wurden in Kirchen nicht einfach in einem Steinsarg bestattet; man bemühte sich, den ideelen Wert in materieller, sichtbarer Form auszudrücken. Darum hat man z.B. die Gebeine der Heiligen Drei Könige im Kölner Dom in einem großen goldenen Schrein mit aufwändigen Verzierungen beigesetzt (siehe Foto unten).

Ansonsten ist Audomar in seiner Frechener Kirche noch als farbig bemalte Holzfigur aus dem 19. 013bJahrhundert präsent. Sie steht neben dem erwähnten Seitenaltar und stellt ihn als bärtigen, segnenden Bischof dar. Sein tatsächliches Aussehen ist unbekannt, weil wir keine authentischen Abbildungen oder Beschreibungen aus seiner Lebenszeit (um 590-670) oder von Zeitzeugen kurz danach kennen.

Das Mittelalter kennt ohnehin kaum porträtähnliche Abbildungen von Heiligen. Selten wird überhaupt bei Heiligen wie bei Herrschern eine äußerliche Besonderheit abgebildet, und auch nur dann, wenn sie überliefert und bekannt, also ein persönliches Kennzeichen war wie das Heiligen-Attribut. Im Falle von Audomar waren Buch und Weinrebe häufig verwendete Attribute.

An seinen Attributen erkannte man den jeweiligen Heiligen. So hat auch der Bildhauer Olaf Höhnen (1933-2009) Anfang der 1980er Jahre die Statue aus Basaltlava gestaltet, die außen am Portal auf einer Halbsäule steht. Für unseren heutigen Geschmack wirkt sie schöner als die aus heutiger Sicht etwas kitschige Figur in der Kirche (siehe oben). Die Kopfbedeckung der Stein-Plastik (Mitra in der Form des frühen Mittelalters) weist Audomar als Mann der Kirche aus. Er wirkte nicht 2anur als Missionar und Klostergründer, sondern auch über drei Jahrzehnte als Bischof.

Wie kam es zu seiner Verehrung als Heiliger? Im frühen Mittelalter war die offizielle Heiligsprechung (Kanonisierung) noch nicht von Rom reguliert und kodifiziert. Als Heilige galten per se die Märtyrer des Glaubens, hinzu kamen im Laufe der Zeit Persönlichkeiten, die sich in herausragender Weise als fromme und karitativ tätige Menschen ausgezeichnet hatten (siehe dazu DIE BEATUS-CHRONIK, S. 56, Anm. 10). Manche ihrer Taten erschienen als Wunder, und nach ihrem Tod wurden oft Wunder berichtet, die sich an ihrem Grab zugetragen hatten oder von ihren Reliquien ausgingen (vgl. D.B.-C., S. 24, § 46).

Als die Zahl der Heiligen immer weiter anwuchs und sich die Gedenktage im Jahreskalender häuften, nahm die Kirchenleitung in Rom die Koordination in die Hand und erließ Regeln. Voraussetzung zur Heiligsprechung wurde 1. ein heiligmäßiges Leben und 2. ein wundertätiges Wirken, d.h. ein über das normalmenschliche Maß hinausgehendes in Form von wundersamer Heilung unheilbar Kranker, oder ähnlichem. Das Verfahren wurde später weiter differenziert und gilt auch für die Vorstufe einer Heiligsprechung, die Seligsprechung.

Für Audomar, seine Mitbrüder Bertin und Momelin sowie andere Zeitgenossen galten noch die einfachen Regeln: Heilig ist, wer als solcher angesehen und verehrt wird. Und diese Verehrung ging meist vom Volk aus, sie wurde seltener von oben verordnet. In vielen Fällen hieß das: Die unmittelbar Betroffenen, die das Charisma und die hilfreiche Tätigkeit des Heiligen selbst erfahren hatten, kürten die Person zum Heiligen. In späterer Zeit wurden von Rom viele Heilige zwar nicht in den offiziellen Kanon übernommen, man tolerierte aber die lokale bzw. regionale Verehrung (Beispiel: Engelbert von Köln, +1225). Die ließ sich in vielen Fällen auch schwer unterbinden, besonders wenn sich ein Pilgerzentrum entwickelt hatte.

Hier kommen auch wirtschaftliche Motive ins Spiel. Pilgerfahrten waren im Mittelalter so bedeutend IMG_1519wie heute Pauschalreisen, Pilger galten wie Touristen als wichtige Einnahmequelle. So profitierte z.B. Köln sehr vom Einzug der Reliquien der Heiligen Drei Könige (1164): In erster Linie Handelszentrum, wurde die Stadt Ende des 12. Jahrhunderts auch noch bedeutendes Wallfahrtsziel und führte die drei Kronen der Heiligen fortan im Stadtwappen.

In Frechen wird es schon im Mittelalter eine Reliquie des Audomar gegeben haben (DIE BEATUS-CHRONIK, S. 22, § 35), vielleicht am Altar platziert oder an sonst prominenter Stelle. Wir wissen nichts von ihrem Verbleib. Möglich, dass sie bei einer Plünderung Frechens geraubt wurde, oder bei anderen Ereignissen verlorenging. Vielleicht war sie auch im Chor vergraben und wurde bei Umbauten der Kirche nicht geborgen (siehe auch D.B.-C., S. 58, Anm. 45-47).

Soweit zur Person des Audomar und seinen Reliquien. Doch noch steht die Frage im Raum, warum Frechen als einziger deutscher Ort das Patrozinium des heiligen Audomar aufweist. Die Antwort liegt wiederum weit zurück, im frühen Mittelalter, als Frechen im Frankenreich lag und in diesem die Dynastie der Merowinger herrschte.

Das von Audomar gegründete Kloster Sithiu, bald umgetauft auf den Namen seines ersten Abtes Saint-Bertin (+709), hatte besondere Beziehungen zum merowingischen Herrscherhaus. Hier wurden die fränkischen Reichsannalen aufgezeichnet; hier nahm man abgesetzte Könige auf, die als Mönche „entsorgt“ wurden (kahlgeschoren und unter Aufsicht gestellt, kamen sie immerhin mit dem Leben davon).

Die Beatus-Chronik berichtet: „Bald nach 720 erhielt die Abtei Saint-Bertin Schenkungen von Landbesitz im Rheinland, in Ripuarien, wie man damals das Land zwischen Rhein und Maas nannte.“ (D.B.-C., S. 21, § 29) Diese Ländereien lagen in Frechen, Gelsdorf und Niederkassel (§ 43). Was das für Frechen bedeutete, berichtet § 45: „Um das Jahr 750 baute die Abtei, als größte Grundbesitzerin am Ort, Frechen eine Kirche aus Holz, die dem heiligen Audomar geweiht wurde.“ Nach dem Rechtsgrundsatz der „Eigenkirche“ war die Abtei wegen ihres Landbesitzes am Ort zu diesem Bau verpflichtet, damit verbunden war das Patronatsrecht (Sie bestimmte den Pfarrer an dieser Kirche).

So bekam das Dorf Frechen im 8. Jahrhundert seine Kirche St. Audomar. Sie wurde am ursprünglichen Zentrum des Dorfes errichtet: An der Kirche war unter Linden der Versammlungs- und Gerichtsplatz, und gegenüber lag der vermutlich erste Gasthof, in „bester Lage“: am Dorfzentrum, und nahe der Fernstraße, die am Dorf vorbeilief (heutige Alte Straße). In der Beatus-Chronik (um 1300) wird dieser Gasthof unter dem Namen „Zur Sonne“ erwähnt. Im 20. jahrhundert stand hier bis zum Abbruch im Jahre 1970 das Gasthaus „Zur Glocke“, dessen Fassaden mit grün-glasierter Ooms’scher Keramik verziert waren.

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                              Kirchplatz mit Linde, Gasthof „Zur Glocke“ und Christus-Statue,                                   vor dem Abbruch der „Glocke“ und der benachbarten Häuser (Blick von der Kirche Richtung Hüchelner Straße; Foto: W. R., Juni 1969)

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Köln-Notizen #2

50Köln hat nicht nur Klüngel und kitschigen Karneval zu bieten (woran sich kritische Geister gern abarbeiten), Köln ist auch eine Stadt der Kultur – immer noch, trotz einiger Misstöne (siehe z.B. Köln-Notizen #1).

Also mal positiv: In Köln gibt es auch echt witzigen und ideenreichen Karneval; und seit einigen Jahren finden so erfreuliche Veranstaltungsreihen statt wie die LitCologne (im März) und neuerdings die PhilCologne (im Juni, in diesem Jahr bis 30.06.).

Daneben floriert ganzjährig eine lebendige Kulturszene, die z.T. vom amtlichen Köln kaum oder wenig wahrgenommen und gefördert wird und daher vom privaten Engagement und Initiativen „von unten“ lebt – und natürlich von einem Publikum, das die Vielfalt zu schätzen weiß und die Aufführungen, Lesungen, Events, Gigs und Konzerte etc. besucht, was einer Großstadt wie Köln, die sich auch als Kulturstadt rühmt, gut zu Gesicht steht. Entsprechend interessiert und ggf. kritisch beobachtet dieses großstädtische Publikum aber auch den Umgang des offiziellen Köln mit Kultur.

Entsprechend laut sind dann Proteste gegen Kürzungen oder Streichungen von Fördergeldern für kulturelle Zwecke zu hören. „Kultur“ zu fördern ist ja bekanntlich keine der gesetzlichen „Pflichtaufgaben“ einer Kommune, also wird bei klammer Kasse dort auch zuerst der Rotstift angesetzt. In Köln gab es deswegen in den letzten Jahren viel Zoff – z.B. bei der Streichung von Zuschüssen für die Freie-Theater-Szene.

Aber bleiben wir mal beim Erfreulichen. Die beiden o.g. Veranstaltungsreihen sehe ich auch im Lichte der Frage, wie sich die Geisteswissenschaften angemessener als unverzichtbarer Beitrag zur Kultur präsentieren und erweisen könnten. Die Kommunikation mit dem Publikum ist dabei ganz entscheidend. Darauf wies auch Richard David Precht in einem Interview mit dem KStA hin (26.06.13, S. 3 / http://www.ksta.de/kultur/richard-david-precht-alles-dreht-sich-um-das-richtige-leben,15189520,23515204.html).

Precht auf die Frage, ob Philosophen sich mehr in den gesellschaftlichen Diskurs einmischen sollten: „Ich möchte nicht jeden zwingen, sich einzumischen. Aber man sollte sich schon die Frage stellen, ob das, was man macht, nicht allein wissenschaftlich relevant ist, sondern auch gesellschaftlich.“

Auch Geisteswissenschaftler, hier im Besonderen die Philosophen, leben und arbeiten ja nicht in einem verantwortungsfreien Raum. Dazu hat auch Julie Bogner-Lafranc Stellung genommen und an die Durchblicker appelliert, ihre gesellschaftliche Verantwortung nicht zu ignorieren und aufklärend zu wirken („Nachwort für das akademische Publikum“, in: DIE BEATUS-CHRONIK, S. 137ff.).

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Köln-Notizen #1

50Im Kölner Stadtrat wurde im April 2013 vorgeschlagen, die bereits beschlossene Planung für den Archiv-Neubau zu überdenken, genauer: den Entwurf abzuspecken und eine billigere Version zu planen, in die die Kunst- und Museumsbibliothek nun doch nicht integriert werden soll.

Köln hat zwar einerseits Finanzprobleme, andererseits aber die Verpflichtung, das Stadtarchiv nach dem Desaster von 2009 in angemessener Weise wieder zu errichten und sich als Kulturstadt nicht selbst zu desavouieren. Die Initiative „Archivkomplex“ hat gegen die Revisionsabsichten eine Petition verfasst, die alle interessierten BürgerInnen im Internet lesen und ggf. unterschreiben können: www.archivkomplex.de. Der Autor W. R. hat dies natürlich bereits getan.

Nach Umfragen sollen Anfang Juni 2013 die Mehrheit der Kölner Bürger für die Sparversion sein. Vermutlich steht das im Zusammenhang mit der Diskussion um die Archäologische Zone am Rathaus – ein völlig anderes Projekt. Vielleicht sind es „der Kultur“ weniger nahestehende Befragte, die lieber z.B. mehr Schlaglöcher auf den Straße Kölns repariert sehen wollen. (Umfrage siehe KStA 8./9.6.13, S. 36)

Die Frage ist nur, ob man verschiedene Ausgabenbereiche so gegeneinander ausspielen kann; ebenso ist die Frage, ob die Stadt bei klammer Kasse „einfach“ da Gelder streichen soll, wo es sich nicht um die sogenannten Pflichtaufgaben handelt – also bei „der Kultur“.

01fDie Frage ist auch, ob sich Köln einen (weiteren) Ansehensverlust leisten will, indem es vier Jahre nach dem Einsturz seines Stadtarchivs (schon wieder) langfristig wichtige kulturelle Institutionen stiefmütterlich behandelt, die über Köln hinaus von Bedeutung sind.

Man kann hier nicht achselzuckend sagen: Jeder blamiert sich eben, so gut er kann. Hier geht es um Entscheidungen mit langfristiger Tragweite, die nicht im nächsten Haushaltsjahr oder nach den nächsten Kommunalwahlen einfach revidiert werden können.

Die Entscheidung im Kölner Stadtrat ist vom 18.06. auf den 18.07.2013 verschoben worden. Also: Zeit, noch Proteste zu senden und ggf. an weiteren Protestaktionen teilzunehmen.

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Wie steht es eigentlich währenddessen in den stillen Hallen, wo die materiellen Schäden am Kölner Archivgut aufgearbeitet werden? In welcher Art die Archivalien Schaden genommen haben, und wie sie restauriert werden, kann man im Überblick auf www.stadt-koeln.de/kulturstadt/historisches-archiv  lesen und anschauen.

Bei einer Führung durch das RDZ in Köln-Porz konnte der SR der F.U.F. selbst sehen, wie viele Fachkräfte mit Spezialpinseln und -schwämmen etc.29-RDZ, 10.10.2012 behutsam an der Säuberung und Restaurierung der geborgenen Stücke arbeiten. Im RDZ steht auch eine große Maschine, die die durchfeuchteten Akten und Bücher, die nach der Bergung umgehend vereist worden waren, um Verfallsprozesse zu stoppen, langsam auftaut und zugleich trocknet, sodass kein Pilzbefall entsteht. Die Maschine ist enorm teuer, es gibt nur wenige davon.

W. R.

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5.6.1288 Schlacht bei Worringen

Zu diesem Er052faeignis erschien am 5.6.2013 im Kölner Stadt-Anzeiger ein ganzseitiger Artikel von Carl Dietmar, einem ausgewiesenen Kenner der Geschichte Kölns. Dieser Autor wird daher auch zu verschiedenen Fragen in DIE BEATUS CHRONIK zu Rate gezogen. In der Chronik selbst wird das Ereignis mit wenigen Sätzen behandelt (s.S.26, §55), der Chronist Beatus vergisst dabei nicht, auf den Treubruch der Kölner hinzuweisen: „Doch kurz vor einer wichtigen Schlacht (…) ließen die Kölner ihren Herrn im Stich, wechselten die Seiten…“ Auch Carl Dietmar beschreibt den plötzlichen Seitenwechsel als Vertrags- und Treubruch. Damit folgt er nicht der üblichen Bewertung der Schlacht, die den Treubruch eher übergeht und sie als Entscheidung für die Freiheit der Stadt Köln bejubelt. Dietmar weist zu Recht darauf hin, dass es nicht um Köln, sondern um die Machtverhältnisse am Niederrhein ging, und dass die Schlacht den Limburgischen Erbfolgekrieg entschied.

Dessenungeachtet feierte Köln sich als Mitsieger der Schlacht und stilisierte sie zum entscheidenden Ereignis der Stadtgeschichte im Kampf um Unabhängigkeit vom Stadtherrn, dem Erzbischof. Sogar eine Dankeskapelle für den Sieg wurde gebaut; ab 1309 führte der Rat am Jahrestag der Schlacht eine Prozession zur Bonifatiuskapelle und gedachte feierlich des Sieges.

An der Seite der kölnischen Abordnung kämpfte in der Schlacht im Kontingent des Grafen von Berg ein Haufen bergischer Bauern. Diese Bauern fielen durch ihr Verhalten aus dem Rahmen: Sie nahmen keine Gefangenen, um diese, sofern adelig und vermögend, später gegen Lösegeld freizugeben, vielmehr schlugen sie auf alles ein, was einen bunten Waffenrock trug, auf Freund wie Feind. War dies vielleicht ein frühes Beispiel von Klassenbewusstsein? Sahen diese Bauern in jedem Adligen einen Feind und potentiellen Unterdrücker?

Dietmar schreibt, die bergischen Bauern seien „mit den Regeln ritterlicher Kriegskunst nicht vertraut“ gewesen. Mag sein, dass niemand vor der Schlacht daran gedacht hatte, diese Bauern in einem „Briefing“ in diese Regeln einzuweisen. So gingen sie in die Schlacht, um zu schlachten. Auch deswegen lagen am Ende des Tages tausende Tote auf dem Schlachtfeld –  kein Grund zum Jubeln. Allerdings machten auch die Brabanter in einer kritischen Phase der Schlacht keine Gefangenen und töteten jeden Besiegten. Der Graf von Luxemburg lag am Ende mit seinen Brüdern ebenso unter den Toten wie eine große Zahl Adliger aus den Grafschaften Brabant, Berg, Geldern, Jülich, Limburg und dem Erzstift.

Großer Sieger ist Johann I. Herzog von Brabant, großer Verlierer (unter den Überlebenden) Erzbischof Siegfried von Westerburg.

Handfesten Nutzen haben die Kölner durch die Zerstörung der Zollburg des Erzbischofs in Worringen. Damit hatte Johann von Brabant sie auch geködert, ihrem Stadtherren in den Rücken zu fallen. Aus Kölner Sicht ist es wichtig, die Handelswege um Köln von zusätzlichen Zöllen freizuhalten. Wie die Kartenskizze zeigt, griffen die Kölner in jener Zeit mehrfach auch zu militärischen Mitteln, um Zollburgen des Erzbischofs zu beseitigen, teils im Bündnis mit dem Grafen von Jülich.

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Während Siegfried von Westerburg auf Schloss Burg gefangen saß, eigneten sich einige Kölner seine Besitzungen und Einnahmen in der Stadt an.

Zwei Jahre nach der Schlacht von Worringen tagte in Bonn ein päpstlicher Untersuchungsausschuss zum Treubruch der Kölner gegenüber dem Erzbischof. Köln zahlte die ziemlich hohe Geldstrafe nicht und wurde mit dem Interdikt (Verweigerung kirchlicher Amtshandlungen) belegt, das erst von Siegfrieds Nachfolger Wikbold von Holte 1298 im Zuge einer Aussöhnung mit der Stadt aufgehoben wurde. –

Inhaltlich gestützt auf Carl Dietmars o.g. Artikel und das Buch „Worringen 1288“ von Vera Torunsky, Köln 1988)

Eine weitere Leseempfehlung: Carl Dietmar, Kölner Mythen. Köln 1999, S. 22-31. Hier hält Dietmar nicht mit deutlichen Wertungen zurück, z.B. dieser: „In der sogenannten ‚Köln-Literatur‘ sucht man vergebens nach einem Hinweis auf die Rolle der Stadt als ‚lachende Dritte‘, die – skrupellos und vertragsbrüchig – einen Konflikt ausnutzte, der sie nichts anging.“ (ebda., S. 30)

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