Archiv für den Monat: November 2013

Köln-Notizen #10

50Uije, da kriegt der Kölner Heimatstolz einen ‚reingewürgt!  Schon 2012 hatte man mit gewohnt großstädtischer Herablassung gegenüber dem Umland entschieden, die Jan-und-Griet-Sage weiterhin in Köln zu verorten (nachdem eine Heimatforscherin sie nach Bergheim bzw. Quadrath-Ichendorf geholt hatte, >http://www.ksta.de/region/fund-jan-liebte-griet-in-bergheim,15189102,16198278.html

Doch gewitzte Bergheimer ließen sich das von Köln nicht bieten und nahmen den willkommenen Zuwachs an heimatlichem Sagengut zum Anlass, nun ihrerseits die Sage von Jan und Griet in einem volkstümlichen Spektakel mit historischen Kostümen in Szene zu setzen – an den wahren Originalschauplatzen, wie sie sagen, „su, wie et en ech jewese is!“ >http://www.ksta.de/bergheim/geschichte-jan-von-werth-trifft-griet-in-bergheim,15189172,25431462.html

Das ist legitim, andere Orte haben Ähnliches vorgemacht. Und es ist gewitzt, weil sie hiermit eine Gelegenheit ergreifen, Geschichtsbewusstsein wie Heimatstolz in Bergheim zu stärken und dabei keck der Großstadt Köln die Stirn zu bieten. Die klammheimliche Freude darüber ist dem Autor des Buches DIE BEATUS-CHRONIK anzumerken (siehe dort S. 115).

W. R.

13g+

Köln-Notizen #9

50Am 6.11.2013 meldete der Kölner „Express“: In Köln gibt es Kindergärten, wo erwogen wird, den Muslimen keinen Sankt- Martinszug mehr zuzumuten. Muss das sein: „Sankt-Martin“ umbenannt in „Sonne-Mond-und-Sterne-Fest“? Wieso ist das politisch korrekt, um muslimische Kinder im Kindergarten nicht zu diskriminieren?

Multi-Kulti ja – aber das geht doch etwas zu weit: Die eigene Kultur wird aus dem Spektrum ausgeblendet, um sie „Anderen nicht aufzudrängen.“ Wenn ich als ErzieherIn ein Problem mit der abendländischen Kultur habe, muss ich mein Problem doch nicht Anderen aufdrängen. Die aus anderen Kulturen Zugewanderten sind sich sehr wohl bewusst, dass sie in ein Land gekommen sind, das seine eigene Kultur hat. Wenn ihre Kinder im Martinszug mitgehen und das als ein buntes Event erleben und  genießen, werden sie damit doch nicht genötigt, von ihrem Glauben und ihrer Kultur abzufallen.

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Skulptur auf der Martinssäule in Frechen, Wolf-Siedlung: Die Mantelteilung

Zudem heißt es in Stellungnahmen von Muslimen, dass sie in der Martinsfigur ein positives Vorbild für die Kinder sehen: Teilen und Helfen. Könnte es sein, dass deutsche ErzieherInnen das z.T. vergessen haben? Gerade in Zeiten des neoliberalen Wirtschaftsdenkens mit seinem (in der Tendenz) totälitären Ökonomismus könnte man den Kindern sagen: Es gibt noch etwas Anderes als Profitjagd, Ausbeutung der Beschäftigten und egoistischer Anhäufung von materiellem Reichtum.

Von daher kann man sich auch fragen, ob ein Politiker der Linken und Andere gut beraten oder informiert sind, wenn sie Sankt Martin negativ sehen und seine Abschaffung fordern. Oder stört es, wenn das Teilen aus Mitleid und Nächstenliebe geschieht statt aus politischem Kampf? Im Islam spielte übrigens das Spenden für die Armen schon immer eine wichtige Rolle, darum finden Muslime auch Sankt Martin gut. Nebenbei bemerkt: In früheren Zeiten war auch bei Christen das Spenden für Arme und Benachteiligte eine weit verbreitete Selbstverständlichkeit. (Heute verweist man sie an den Staat, an Hartz IV, usw.)

Man muss – bei aller heute viel geübten Kritik an den Kirchen oder am Christentum überhaupt – nicht das Kind mit dem Bade ausschütten und alles ablehnen, was irgendwie damit zu tun hat. Ein bisschen mehr Differenzierung kann helfen, zwischen Menschlichkeit und Moral auf der einen Seite und evtl. Bevormundung und Selbstherrlichkeit durch die Institution Kirche auf der anderen Seite zu unterscheiden.

Und was man von den Kirchen fordert, sollte man vielleicht auch bei sich prüfen: Genüge ich selbst den moralischen Ansprüchen, die ich an Andere stelle?

Manche sagen als Ausrede: Die Welt ist schlecht, da muss ich mit den Wölfen heulen und sehen, wo ich bleibe… Ja, wenn du die Welt „schlecht“ nennst, sagst du doch selbst, dass das kein guter Zustand ist – und wer könnte das ändern, wenn nicht Menschen mit ihrem Verhalten? Da setzt doch so ein Sankt Martin ein Zeichen der Hoffnung: Nein, nicht die ganze Welt ist schlecht, und auch nicht alle Menschen, denn es gibt auch die Bereitschaft zu teilen und Menschen in Not etwas abzugeben.

Also dann: Straße frei für Sankt-Martins-Züge und für Demonstrationen gegen Ausbeutung und für Mindestlohn!

-SR-

Eine weitere Meinung >http://www.tagesspiegel.de/meinung/streit-um-aktbilder-und-st-martin-unsere-falsche-toleranz-mit-einwanderern/9086388.html