Archiv für den Monat: Mai 2015

Köln-Notizen #20

50Da staunt der Kölner und wundert sich die Kölnerin: Warum legt Wien vor, wo doch Viele sagen, Köln sei die schwulenfreundlichste Stadt in Deutschland? Ja, aber eben nicht in Großdeutschland – und darum kann Wien vorpreschen und als erste Stadt weltweit Paare als Ampelmännchen einführen. Paare, und zwar gleichgeschlechtliche! Mehr dazu hier: >Ampelpärchen erregen international Aufsehen – wien.ORF.at
Es ist gut vorstellbar, dass die Ampelpärchen tatsächlich mehr Aufmerksamkeit und Beachtung finden als die Single-Männchen, und dass so die Unfälle wegen Missachtung roter Ampeln reduziert werden.

Das ist ein Schritt zu mehr Bürgernähe: Die Lebenswirklichkeit – zumindest der Großstadt –  wird so besser abgebildet. Immerhin bleiben ja die einsamen Ampelmännchen auch erhalten. Ampelfrauen wurden bisher trotz einiger Vorstöße nur vereinzelt durchgesetzt, obwohl da auch auf die Lebenswirklichkeit verwiesen wurde (Mehr als 50% der Bevölkerung sind weiblich!). Mehr >Ampelfrau – Wikipedia . Da simmer dabei in Köln, zumindest in Ehrenfeld: >Verkehr: Kölns erste Ampelfrauen leuchten | Köln – Kölner Stadt-Anzeiger

Wer jetzt sagt: „Wir haben wichtigere Probleme als diese!“ hat natürlich Recht, aber mit diesem Satz kann man so ziemlich jede Diskussion totschlagen, die einem nicht passt oder momentan überflüssig vorkommt. Doch Vorsicht mit „wichtig – unwichtig“! Wenn ich auf so ein Wiener Ampelpärchen blicke (>Fotos: Wien testet homo- und heterosexuelle Ampelmännchen – SPIEGEL ONLINE), denke ich beim Stichwort „wichtig“: Da nimmt gerade ein Einheimischer einen traumatisierten Flüchtling aus Syrien bei der Hand und geleitet ihn sicher zu einer Unterkunft, wo er versorgt werden kann. Und dann sind wir mitten im Thema „Menschlichkeit“. Ist das unwichtig?

W. R.

P.S.: Aktueller Nachtrag zu Köln und Liberalität gegenüber sexuellen Orientierungen >Flashmob vor dem Kölner Dom: Rainbowflash gegen Homophobie | Innenstadt – Kölner Stadt-Anzeiger

13g+

Wohlfühlen ohne Diät?

270Welt-Anti-Diät-Tag 6. Mai! Was fällt Einem dazu ein? Erstmal den letzten Schoko-Hasen verputzen, der von Ostern noch übrig ist. Mampf, schleck! Und dann? Mal sehen, vielleicht zum Abendbrot noch ein paar zusätzliche Kalorien aus dem Weinglas über den Gaumen rinnen lassen.
Nun gibt es auch Weltgegenden, wo diese Frage sinnlos ist: Da ist man froh, wenn man Tage erlebt, an denen man überhaupt genug Nahrung aufnehmen kann, um die Mindest-Kalorienzahl zu erreichen. Da hätte man gern mal das Luxusproblem, sich beim Essen einschränken zu müssen.
Aber wozu ein Anti-Diät-Tag? Der soll wohl ein Statement gegen das zwanghafte Sichschlankhungern sein, ein Zeichen gegen den Wahn vieler Leute, ihre körperliche Erscheinung durch Diät und künstliches Hungern optimieren zu müssen.
Da schießt im Eifer aber auch manch Einer über’s Ziel hinaus: Einige Leute wettern in den Medien z.B. gegen Heidi Klums Fernsehshow „Germany’s Next Top Model“, weil ihre Models einem Figur-Terror unterworfen würden und den jugendlichen Zuschauerinnen suggerieren würden, sie müssten alle so aussehen wie diese Models.
Nachdem ich ein paar Sequenzen dieser Show gesehen habe, kann ich diese wütende Kritik kaum nachvollziehen. Hier geht es doch eindeutig um eine Einführung in den Model-Business, und Heidi Klum wie ihre Mit-Juroren betonen oft genug, dass sie die „Mädels“ auf den harten Model-Alltag vorbereiten wollen. Wenn eine Zuschauerin also nicht ganz gezielt auf eine Model-Karriere hinarbeitet, braucht sie diese Models auch nicht als zwingende Figur-Vorbilder zu sehen.
Eine Kritik am Schlankheitswahn im Allgemeinen ist ja durchaus berechtigt – aber für diesen ist Heidi Klum nicht verantwortlich. Man muss vielmehr breiter ansetzen und junge Mädchen darauf hinweisen, dass sie ihr Selbstwertgefühl nicht in erster Linie, zumindest nicht nur an ihrer Figur festmachen sollten. Dabei nicht zu vergessen: Auch die jungen Männer sollten von ihren blöden Bemerkungen über weibliche Figuren Abstand nehmen und sich weltmännisch zeigen! Männer mit Hirn und Erfahrung wissen es nämlich besser: Um eine „Granate“ im Bett zu sein, muss eine Frau nicht eine „Topmodel“-Figur haben, sondern eher andere Qualitäten. Welche? Ja, das wüsstet Ihr gern, Ihr grünen Jungs! Wenn Ihr Euch mal richtig informiert, statt irgendwelchen Porno-Seiten im Internet zu glauben, dann seid Ihr bald schlauer. Für den Anfang, z.B. hier >Sex: Frauen sind im Bett selbstbewusster als früher – SPIEGEL ONLINE
Und überhaupt: Lernt genauer hingucken, hinhören, und nachdenken, dann seht Ihr bald besser hinter die Kulissen von Werbung und Glitzer-Shows. Lasst Euch keinen Bären aufbinden, fragt Euch lieber: Wer hat welches Interesse daran, mir diese Bilder zu zeigen — und welches Frauenbild wird da eigentlich vermittelt? Was hat das mit der Wirklichkeit im Allgemeinen und mit meiner persönlichen Lebenswelt im Besonderen zu tun? (Das gilt nicht nur für dieses Thema!)119

Zum Thema Essen und Diäten nur noch dies: Informiert Euch über eine sinnvolle Ernährung, über gesunde Essensgewohnkeiten, lernt überflüssige und überzuckerte Kalorienbomben zu meiden, etc. Vielleicht kommt Ihr dann ganz ohne sogenannte Diät von selbst auf Euer Wohlfühlgewicht… und hört auf, Euch verrückt machen zu lassen und von einer Diät-Mode zur nächsten zu hecheln.

Also, nehmt Platz an einer appetitlichen Kaffeetafel und genießt jeden Bissen!

Und, Mädels, wenn Ihr Euer Erscheinungsbild verbessern wollt: Setzt nicht nur beim Thema „Figur“ an. Guckt mal ab und zu im Fernsehen „Shopping Queen“ und hört mal genau hin, wenn Guido Maria Kretschmer seine Bemerkungen macht. Da ist so mancher Tipp dabei, wie frau auch so, wie sie ist, ihr Erscheinungsbild optimieren kann, etwa indem sie Kleidungssünden vermeidet und sich in Farbe, Farbzusammenstellung und Proportion vorteilhafter präsentiert.

Das soll aber nicht heißen: Statt Diät halten nun shoppen gehen, bis der Arzt kommt (oder bis der Überziehungskredit ausgereizt ist). Und auch nicht: viel, aber nur billig kaufen — da kommen wir schon in das nächste Problemfeld, denn wir wissen ja, dass irgendwo auf dem Globus unterbezahlte Näherinnen unter miesen Bedingungen dafür schuften…

W. R.

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