Archiv für den Monat: September 2015

Des sog I dir…!

Der Urbayer spricht...

Sepp, der Urbayer, spricht…

Des sog I dir: Unser beliebtes bayrisches Rumpelstilzchen schafft es tatsächlich wieder in die Negativschlagzeilen! Er und seine CSU wettern gegen Merkels Flüchtlingspolitik. Damit nicht genug, setzt er dem übervollen Fass noch die Krone auf: Er will Viktor Orban aus Ungarn zu einer Klausurtagung seiner Landtagsfraktion einladen. Wäre es nicht Horst Seehofer, man würde es kaum glauben. Aber es scheint ihm wirklich ernst zu sein: Die Medienberichte über 1ebhunderte bayrische BürgerInnen, die in München Hbf. einlaufende Züge mit Flüchtlingen begrüßen und sie sogar mit Beifall empfangen – das geht ihm entschieden zu weit, das sendet ja ein falsches Signal in die Welt! „Willkommenskultur“ kann er gar nicht hören! Neiiiin, halt, halt, die anständigen Bayern sind doch gegen Flüchtlinge, und sie sind in der Mehrheit!! So wie in Ungarn, wo sein Bruder im Geiste regiert. Der erklärt im Fernsehen, dass „illegaler Grenzübertritt ein Verbrechen“ sei (und … sollt Ihr im Kopf ergänzen: … schon deshalb alle Flüchtlinge Kriminelle seien). Viktor kennt sich eben aus mit Rechtspopulismus, und Horst will ihn einladen, um von ihm noch was zu lernen.

Was uns nur noch fehlt: Seehofer lädt die berüchtigte Kamerafrau, die Flüchtlingskinder tritt,  (>Kommentar zur ungarischen Kamerafrau: Bild für die Folgen ungarischer Hetzpolitik | Politik – Kölner Stadt-Anzeiger) nach München ein und spendiert ihr eine Sause auf dem Oktoberfest – inklusive Selfie mit dem bayrischen Ministerpräsidenten, das per Facebook verbreitet wird, um das „wahre, bodenständige“ Bayern zu zeigen, das solidarisch mit den besonders „bodenständigen“ Ungarn ist.

Wenn das so weitergeht, wird man bald fordern, dass Ungarn und Bayern aus der EU ausgeschlossen werden — zumindest auf Zeit, bis sie zur Besinnung kommen bzw. ihre Regierungen aufhören, Fremdenfeindlichkeit und Rassismus zu befeuern. Als Urbayer muss ich sagen: Mir ist unser schönes Bayern zu schade, um es so in Verruf bringen zu lassen, wie es derzeit Rumpelstilzchen mit seiner Rumpeltruppe versucht. Des sog I dir!

Vroni, noch eine Maß, bitt schön! Ich muss mir die Politik schön saufen.

Ja Moment amoal, fast hätt ich vergessen zu erwähnen: Nicht nur Bayern und Ungarn sind es, viele europäische Länder tragen zur Blamage Europas vor der Welt bei, weil sie zuwenig oder gar keine Flüchtlinge aufnehmen wollen. Aber das ist auch noch nicht alles: Man hört, dass die UN von den Geberländern zuwenig Geld bekommen, um die Flüchtlingslager um Syrien mit genug Nahrung zu versorgen. Das treibt die Menschen erst recht zur Verzweiflung und auf den Weg nach Europa. Ja was denn sonst?

I moan, es ist ein Unding, wie Regierungen reihenweise das Problem vor sich herschieben – und es damit noch schlimmer machen. Wer, wenn nicht unsere Regierungen, hat denn Botschaften im Ausland und Geheimdienste etc., die ihnen frühzeitig mitteilen können, was da als „Flüchtlingswelle“ anrollt? Sapperment, seit wann haben wir denn ertrinkende Flüchtlinge auf überladenen Nussschalen im Mittelmeer? Doch nicht erst seit einer Woche oder einem Monat! Host mi? Des sog I dir: Das kollektive Versagen in Europa hat daraus erst eine „Flüchtlingskrise“ gemacht.

Und wo wir schon mal beim Abwatschen sind: Auch die steinreichen Öl-Scheichs mischen mit, die schieben den Terrorbanden Geld zu, damit sie Syrien ins Chaos stürzen. Mei, und da gibt’s trotzdem jede Menge Touristen, die an den Golf fliegen, die gelackten Riesen-Hochhäuser anhimmeln und staunen, was man mit viel Geld alles machen kann. I sog dir was: Das würde mir im Traum nicht einfallen!

Vielleicht fahre ich doch noch nach München und begrüße Flüchtlinge am Bahnhof. So als „Statement“, wie das heutzutage heißt. Im Klartext: Mir san mir, aber Unmenschen, des san mir net! Prosit!

Sepp

13g+

Köln-Notizen #21

50Auch das darf eigentlich nicht wahr sein: Wieder greift jener Artikel des „kölschen Grundgesetzes“ nicht: „Et hätt noch immer jot jejange.“ Da war man nicht so pingelig bei der Gestaltung der Wahlzettel für die kommende Oberbürgermeister-Wahl und hat – abweichend von der Vorlage – die Namen von Parteien ziemlich fett und ins Auge springend gedruckt, die Namen der Kandidaten und Kandidatinnen dagegen sehr klein. Da drei der sieben Nominierten keiner Partei angehören und in ihrer Zeile auf dem Wahlzettel daher auch kein fett gedruckter Parteiname erscheint, ergibt sich schon bei flüchtigem Hinsehen ein optisches Missverhältnis – so als ob die im Layout weniger auffallenden nur unter „ferner liefen“ rangierten (vgl. Foto >Nach dem Stimmzettel-Chaos: Wann findet nun die OB-Wahl in Köln statt? | Köln  | EXPRESS ).
Das war eine ganz augenfällige Benachteiligung der Parteilosen, und das war auch sehr auffällig deshalb, weil unter den zwei aussichtsreichsten Kandidaten der eine mit Partei-Nennung ins Rennen ging, die eine aber ohne, und erst in Zeile 6 von 7.
6ePeinlich daran finde ich, dass dieser Wahlzettel erstmal nonchalant durchgewunken und gedruckt wurde. Erst eine Anfrage bei der Bezirksregierung stoppte die Wahl – 10 Tage vor dem Wahltermin musste die Wahl  abgeblasen und verschoben werden.
Ein peinliches Debakel für die Beteiligten, und ein Dilemma für alle Betroffenen. Die schon zahlreich abgegebenen Stimmen werden mit dem alten Wahlzettel ungültig. Auf ein Neues – wenn alle mitmachen. WählerInnen können sauer werden, wenn ihre Stimmen nicht so ernst genommen werden, sei es durch inkorrekte Wahlzettel oder schlampige Stimmenauszählung.
Nun, W. R. predigt schon seit Langem allen, die es hören wollen: Politische Mitwirkung und Mitbestimmung darf sich nicht in einem Kreuzchen bei Wahlen erschöpfen. Beschwert Euch nicht am Stammtisch über nicht eingehaltene Wahlversprechen, über Lobbykratie, über Mauschelpolitik – äußert Eure Meinung, und bringt Kritik und Protest da vor, wo sie gehört werden können! Lehnt Euch nach der Wahl nicht bequem zurück, sondern guckt den Leuten auf die Finger, die in Eurem Auftrag Politik machen sollen!

Das ist der Sinn von Demokratie, und so sollte sie funktionieren. Lasst Euch daher die Demokratie nicht madig machen, wacht lieber mit Anderen darüber, dass ihre Regeln eingehalten werden. Wenn Ihr meint, „die da oben machen eh, was sie wollen“ und „wir können da sowieso nichts machen“, dann lasst Euch doch gleich von einem Diktator regieren – und dann wird Euch aber Hören und Sehen vergehen!! Ich denke, DIESE Wahl ist doch klar: Lieber eine einigermaßen funktionierende Demokratie als eine Gewaltherrschaft mit Meinungsterror!

Man darf über diese Demokratie meckern, das gehört schließlich zur garantierten Bürgerfreiheit. In der Schweiz kennt man den Spruch: „Wer sein Vaterland liebt, der meckert drüber.“ Logisch, weil man immer über Verbesserungen diskutieren kann. Die Schweiz ist eben ein ziemlich demokratisches Land.

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P.S. Es könnte jemand einwenden, das „Gelaber“ über funktionierende Demokratie sei ja gut und schön, aber zu allgemein, und sage noch gar nichts über konkrete Handlungsmöglichkeiten. Bitte schön, wer von selbst nicht darauf kommt, dem sei geholfen: Da könnte man z.B. das oben gefallene Stichwort „Lobbykratie“ aufgreifen und ein konkretes Beispiel liefern, wo 1. eine Lobby, die die Interessen einer kleinen Bevölkerungsgruppe vertritt, die Umsetzung vernünftiger Verbesserungen für Umwelt- und Klimaschutz in unserem Land blockiert, und wo 2. Leute, die sich auskennen, gemeinsam aktiv werden können, indem sie in die Öffentlichkeit gehen und  die Interessen der großen Mehrheit artikulieren und vertreten. Das Beispiel: „Trophäenjagd abschaffen“ | Greenpeace . Hier kann man selbst überlegen, wie man sich einbringt.

Inzwischen gibt es sogar im Internet Portale, wo man z.B. einen Aufruf an Politiker oder Parlamente signieren kann – und damit schon mal seine Meinung kundtut (Beispiel: > Campact – bewegt Politik! – Campact ). Das ist ein Anfang… Man kann dort Initiativen zu bestimmten Themen unterstützen. Man kann aber auch selbst eine Initiative in Form einer Petition an ein Parlament starten, z.B auf der Plattform „openPetition“. Wer früher meckerte, er könne nichts tun außer mal ein Kreuzchen auf einem Wahlzettel machen, der informiere sich nun über Mitwirkungsmöglichkeiten im 21. Jahrhundert.

W. R.13g+