Archiv für den Monat: Oktober 2015

DD in Köln

51+r+blSagt dem Attentäter, der am Samstag vor der OB-Wahl zum Wochenmarkt ging, um zu morden, was ich von ihm halte, es genügt ein Wort: „Idiot!“

Einer dieser wildgewordenen Kleinbürger, ein kleines Licht, will in aufgehetztem Umfeld zum großen Held werden. Mann, willst du zu Adolf in die Hölle fahren, um in der Galerie der Unmenschen unter „ferner liefen“ ganz kleingedruckt genannt zu werden? Du bist eine traurige Gestalt, wenn du meinst, dass damit dein Leben einen Sinn bekäme. Du bestätigst den Spruch: „Jeder taugt zu etwas, und wenn es nur als schlechtes Beispiel wäre“ — nämlich als Beispiel für feige Brutalität, die obendrein politisch sinnlos ist. Wieso das? Warte, vielleicht erklärt dir das der Anstaltspfarrer oder ein Psychiater, oder irgendwann ein Durchblicker, der sich deiner erbarmt und dich aufklärt, statt dich aufzuhetzen (wie deine angeblichen Freunde).

Das Übrige könnt Ihr den (ernstzunehmenden) Medien entnehmen, die nicht nur in DD von einigen Verwirrten als „Lügenpresse“ beschimpft werden. Diese rechte Hetze gegen die „Systempresse“ entspringt dem Frust darüber, dass sie in den Medien nicht positiv dargestellt werden und (zu Recht) kaum zu Wort kommen. Dieser Frust entlädt sich als braune Fäkalienflut in den Internet-Foren und als Hass-Mails inkl. Morddrohungen.  Aber diese Ekel-Ergüsse haben auch ein Gutes: Jeder nicht ganz Verblödete kann daran erkennen, was jene selbsternannten Verteidiger „unserer Kultur“ in Wahrheit sind. Da zeigen sie sich ohne Maske — und ersparen uns weiteren Kommentar.

Wir wünschen Frau Reker baldige Genesung!

S. R.

Anmerkung: DD könnt Ihr als Abkürzung für „Dunkel-Deutschland“ verstehen. Es ist zufällig auch das Kfz-Kennzeichen für Dresden, wo so Viele (aber längst nicht Alle) der Pegida nachlaufen und immer verbal-radikaler werden. Dresden lag zu DDR-Zeiten im „Tal der Ahnungslosen“ — das hat wohl noch Nachwirkungen?* Schade jedenfalls, dass soviel Protest-Energie für falsche Ziele vergeudet wird. Mit Goethes Worten: „Ein großer Aufwand, schmählich! ist vertan.“ (Faust II, 5,, 11837).

Das wird man doch noch sagen dürfen!

*Nachtrag vom 16.12.2015: Viel pointierter behandelt diese Frage ein Meinungsbeitrag auf Spiegel-Online: >Toleranz: War die Wiedervereinigung ein Fehler? – SPIEGEL ONLINE

13g+

Steh nicht im Weg rum!

IMG_4401Wochenlang ergingen sich Nachrichtensendungen in Berichten über hilfsbereite Deutsche, die eine „Willkommenskultur“ leben. Dagegen erhob erst Horst Seehofer seine Stimme und kritisierte Angela Merkel für ihr positives Signal „Wir schaffen das!“, dann hieß es in den Medien immer lauter, die „Stimmung könnte kippen“ … bis das von Umfrageergebnissen gestützt wurde, die wachsende Skepsis in der Bevölkerung gegen Merkels Flüchtlingspolitik meldeten. Und kritische ZeitgenossInnen fragten sich: Wird da die kippende Stimmung erst herbeigeredet?

Nun gehöre ich nicht zu den „Lügenpresse“-Leuten, die unseren Medien pauschal nicht mehr glauben, dafür aber vielerlei Verschwörungstheorien aufsitzen. Ich behaupte also nicht, dass sich Merkel-Kritiker aus den Unionsparteien hinter die Medien gesteckt hätten. Das wäre zu simpel. Wenn ich überhaupt Absichten dahinter vermuten würde, dann die (inzwischen) ganz normale Suche der heutigen Medien nach immer neuen Sensations- und Schockmeldungen, um wieder eine neue „Sau durchs Dorf zu treiben“ und die Leute in Atem zu halten, damit Auflagen und Einschaltquoten nicht nachlassen. Das gehört zum Geschäft der Massenmedien dazu, die sich halt seit den späten 1990er Jahren zunehmend auf eine Boulevardisierung eingelassen haben.

Nun denn, die derzeitige — jetzt bin ich doch vorsichtig und setze das in Anführungszeichen — „Flüchtlingskrise“ wird, da bin ich mir ganz sicher, nicht von den Bedenkenträgern gelöst, die alle derzeit versuchen, in den Medien zu Wort zu kommen. Ob sie sich ehrlich Sorgen machen oder nur der Kanzlerin endlich mal Saures geben wollen, ist auch noch die Frage. Auf jeden Fall trägt dieser Aufruhr der Besorgten und Schein-Besorgten erst recht Verunsicherung in die Bevölkerung: Schaffen wir das wirklich? Dabei weiß keiner eine fundierte, realistische Antwort, trotzdem wird geunkt und gewarnt, was das Zeug hält.

Im braunen Sumpf am Rande kriegt man Oberwasser und versucht (mit Seehofers Beistand), diese „Krise“ zur drohende Katastrophe hochzuspielen und Rückhalt „in der Mitte der Gesellschaft“ zu finden. Ängste schüren ist ein billiges Geschäft, wird aber nicht Seehofer und seinen Parteifreunden, sondern eher den unverhüllt ausländerfeindlichen Akteuren wie AfD nutzen. Die waren durch interne Machtkämpfe geschwächt und weiter nach rechts abgedriftet, kriegen aber durch eine hochgejubelte Flüchtlings- und Asyldebatte neuen Zulauf.

Da werden auf abenteuerliche Weise Gefühle, vor allem Ängste, hochgepuscht, dass man einen Lehrfilm über Demagogie davon machen könnte. Den Rechtspopulisten ist dabei ganz klar, dass sie damit keine Probleme lösen helfen. Aber woher denn? Und die Rechtsradikalen schüren gern Chaos, wo es nur geht, weil sie Unruhe stiften und den ganzen Staat als unfähig vorführen wollen. Und dann kommen sie mit Kraftsprüchen und spielen sich als die starken Männer auf, die alles mit Gewalt und Einschüchterung in den Griff kriegen wollen (mehr als Opas Nazi-Rezepte haben sie im Kernprogramm nicht zu bieten).

Wer darauf hereinfällt, der hat es nicht so sehr mit dem Nachdenken und kritischen Hinterfragen, und der hat auch kaum Ahnung von Politik und Geschichte. Leider gibt es viele solcher Menschen, die schon Bertolt Brecht bedauerte: „Die dümmsten Kälber wählen ihre Schlächter selber.“ Unter diesen Kälbern sind aber nicht nur dumme, sondern auch einige mit Schulabschluss. Die haben wahrscheinlich beim Politik-Unterricht unterm Tisch auf dem Handy Spiele gespielt oder Mobbing-SMS gesendet.

Aber was machen wir nun mit der „Krise?“ Na, was wohl? Mit kühlem Kopf das Nötige organisieren; und wenn schon Gefühle, dann vergesst nicht, dass da Menschen in Not ankommen und keine Massen, die uns bedrohen. Diese Menschen wären sicher lieber zu Hause geblieben, wenn sie sich dort in Frieden ernähren könnten. Nichts Anderes wollen 95% aller Menschen auf dem Globus.

Das Wort „Krise“ ist überhaupt nur glaubwürdig aus dem Munde derer, die vor Ort den Flüchtlingen helfen, sowie aller Anderen, die oft bis ans Limit ihrer Kräfte im Einsatz sind. Von „Krise“ darf allenfalls der Amtsleiter, Bürgermeister etc. reden, bei dem alle Aufnahme-Möglichkeiten und alle Hilfsquellen erschöpft sind und trotzdem weitere Flüchtlinge angefahren werden. Diese Leute vor Ort erwarten zu Recht sinnvolle Unterstützung statt Schwarzmalerei und Talk-Gesülze.

Wer „unsere Kultur“ durch Menschen aus fernen Ländern bedroht sieht, mache sich bitte nicht lächerlich. Vergesst nicht das Weltbürgertum eines Schillers und Goethes, auf die Ihr doch so große Stücke haltet. Unsere Kultur kocht im eigenen Saft und degeneriert, wenn sie keine Anregungen von außen mehr bekommt. Aber was sage ich — das wusstet Ihr doch schon, gebt’s zu! Ihr lebt doch heute und nicht in der Kleinstaaterei des 18. Jahrhunderts.

Doch was soll das viele Reden, haltet Euch einfach an den Grundsatz: Ob wir ein zivilisiertes Land sind, erkennt man am ehesten am Umgang mit den Mitmenschen. Und war da nicht Fl 1ajemand, der das Abendland verteidigen wollte? Der sich europäischer Patriot nannte? Wie war das noch mit dem christlichen Abendland, auf dem die europäische Kultur fußt? Sind das alles nur Masken, hinter denen sich gewaltbereite Barbaren verstecken, um friedliche Bürger zu täuschen und auf ihre Seite zu ziehen? Schaut genau hin: An ihren Taten sollt Ihr sie erkennen! (Das steht schon in der Bibel. Und Bethlehem kann überall sein — siehe Karikatur oben.)

So, und bei genauem Hinsehen erkenne ich in der Tat Menschen, die die Werte des christlichen Abendlandes verteidigen: Das sind die vielen amtlichen und freiwilligen HelferInnen, die sich um Flüchtlinge kümmern! Das sind diejenigen, die christliche Werte ernst nehmen — und die Anderen beschämen, die bloß meckern, Befürchtungen äußern, oder hetzen. Und wer es nicht so mit dem Christentum hat, der hilft einfach aus menschlichem Anstand, oder folgt der moralischen Pflicht, die sich aus den Menschenrechten und Artikel 1 des Grundgesetzes ergibt.

Ein paar Leute sagen: „Ich bin stolz, ein Deutscher zu sein.“ Seit Angela Merkel mit der Parole „Wir schaffen das!“ die Welt beeindruckt hat, bin ich geneigt, diesen Stolz auf das freundliche Gesicht Deutschlands zu beziehen und davon auch ein wenig zu empfinden — vorausgesetzt, ich trage dazu bei, dass dieses Vorhaben gelingt und wir Deutsche in ein paar Jahren sagen können: Ja, wir haben das geschafft. Und nicht zuletzt: Auch Zugewanderte, von denen dieses Land bekanntlich viele braucht, werden daran mitwirken, und es wird sich zeigen, dass unser Land durch ihre Aufnahme gewinnt.

Also, Ihr Nörgler und Bedenken-Aufhäufer, macht Euch nicht ins Hemd und arbeitet mit an der Zukunft Deutschlands! Und wer wirklich nicht helfen kann oder will, der sollte wenigstens nicht im Weg ′rumstehen und dummschwätzen.

W. R.

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Im Volk kursiert das Sprichwort: „Wer nichts ist und wer nichts kann, der zündet Flüchtlingsheime an.“ Ja, Kriminalität braucht niemand hereinzubringen, sie ist ja schon bei diesen Deutschen zu Hause.

13g+

Wir…

13wir schaffen das!“ Diese Worte rief unsere Bundeskanzkerin alias „Mutti“ am 31.08.2015 den Zaudernden und Unkenden zu, die nicht wissen, ob sie aus vollem Herzen Flüchtlingen helfen oder aus enger Verzagtheit zweifeln und jammern sollen.

Erste NachrichtensprecherInnen fingen bald danach an, Befürchtungen erst leise, dann lauter zu formulieren: Wenn das so weitergeht, könnte die Stimmung im Lande „kippen“. Nanu – hatten die Fersehnachrichten uns doch Tage und Wochen zuvor Bilder von freundlichen, meist ehrenamtlichen HelferInnen gezeigt, die eine „Willkommenskultur“ leben. Wollte man das jetzt zurücknehmen und einen Stimmungswandel herbeireden?

Aus Bayern kommen, na klar, geballte Unkenrufe der Rumpeltruppe, die sich CSU-Führung nennt und der Kanzlerin in die Parade fährt, um ihr eigenes politisches Süppchen zu kochen. Der Bundesinnenminister kocht auch mit, nachdem er sich Kritik an der Arbeit ihm untergeordneter Behörden anhören musste, und schiebt die Schuld an schlecht funktionierenden Abläufen erstmal den Flüchtlingen zu: Die haben dankbar, kusch und geduldig zu sein und allen Anweisungen ohne Murren zu folgen. (Vielleicht sollte Thomas de Maizière seinen nächsten Urlaub in einer mit hunderten von Flüchtlingen belegten Turnhalle verbringen, oder bei der Lageso in Berlin aushelfen.)

Nachdem sie sich von dem Schock erholt haben, dass viele Deutsche zur Willkommenskultur stehen und weder latente noch offene Fremdenfeindlichkeit wollen, kommen weitere Unionspolitiker mit Kritik an Merkel aus der Deckung oder machen Vorschläge zur Verschärfung des Asylrechts.

Wer weiß denn nicht, dass der Flüchtlingstreck nach Deutschland Probleme bringt? Aber wer unkt los, diese Probleme würden uns überfordern und seien nicht lösbar? Am schlimmsten ist doch, Angst zu verbreiten oder zu verstärken! Das hilft keine Probleme lösen, sondern blockiert vernünftiges Vorgehen. Aber die Bangemacher wollen wohl heimlich genau das erreichen: Je mehr Chaos, desto mehr „Ich hab’s ja immer gesagt“, und desto mehr Wählerstimmen aus dem rechten Milieu.

Wovor sollen wir Angst haben? Kriminelle hatten wir schon vorher genug im Lande, sowohl in Chefetagen wie in einfachen Ganovenkreisen – und wir haben zu wenige Steuerfahnder und zuwenig Polizei, weil da schon jahrelang am Personal gespart wurde. Und wenn Polizei bei Fußballspielen gewalttätige Hooligans in Schach halten muss, fehlt erst recht Personal für die übrige Kriminalitätsbekämpfung. Wenn wir also Angst haben müssten, dann doch vermutlich eher vor Politikern und Bürokraten, die staatliche Leistungen kaputtsparen mit den bekannten Folgen (z.B. gestiegene Zahl von Einbruchsdiebstählen und Computerkriminalität bei geringer Aufklärungsquote, oder marode Brücken…).

Im Übrigen, und zur Erinnerung, ein paar Fakten: Diejenigen, die jetzt laut Frau Merkel kritisieren, behaupteten seit zwei Jahrzehnten (mit Merkel) unisono, Deutschland sei kein Einwanderungsland, und blockierten stur jeden Anlauf zu einem Einwanderungsgesetz. Derweil kamen trotzdem eine Menge Migranten und Flüchtlinge. Letztere stellten Asylanträge und warteten… und warteten… und durften derweil hier nicht ihren Lebensunterhalt selbst verdienen. Nun haben wir eine „Flüchtlingskrise“ ohne passende Gesetze und ohne vorausschauende staatliche Maßnahmen. Toll, vielen Dank dafür!

Dem alten Berg plus der aktuellen Flut von unbearbeiteten Asylanträgen mit einer Änderung oder Abschaffung des Asylrechts zu begegnen, das löst auch kein aktuelles Problem und hält niemanden davon ab, hierher zu kommen oder hier zu bleiben. Danke für die dummen, populistischen Vorschläge!

Ich persönlich fände es schön, wenn wir statt politischer Rechthaberei von den Regierenden und ihren Parteien praktische, aber zugleich humane und verfassungskonforme Lösungen präsentiert bekämen. Man sieht, wer da überfordert ist: Anscheinend die, die sich nicht mit Anderen an einen Tisch setzen können, um mit kühlem Kopf an gemeinsamen und zeitnah machbaren Lösungen zu arbeiten.

Überfordert sind auch die, die von Vorstellungen aus alten Heimatfilmen nicht lassen können. Überfordert sind die, die mit Transparenten demonstrieren, auf denen sie davor warnen, dass „wir Deutsche“ bald „im eigenen Lande“ nichts mehr zu sagen hätten. Aha, plötzlich gehört Euch also das Land, und Ihr habt da das Sagen! Merkwürdig, davon hat man vorher wenig gehört, vielmehr habt Ihr Euch da über vieles Andere beschwert, das Euch in diesem Lande nicht passt, in dem Ihr angeblich das Sagen habt…

Auch in anderen Ländern kochen Populisten ihr Süppchen, so z.B. In Österreich. Da wirbt die FPÖ auf Wahlplakaten mit dem Slogan: „Unsere Heimat, unsere Leut“. Danke für die deutlichen Worte – der Heimatfilm der 1950er Jahre lässt grüßen! Nur: Wie löst man mit kitschiger Nostalgie die Probleme des 21. Jahrhunderts? Na?? Fällt Euch dazu nur Wegducken und Abschotten ein? Tut mir leid, das geht in diesem Jahrhundert nicht mehr.

Für einen „Exportweltmeister“ wie Deutschland ist es sowieso ganz unmöglich, die Globalisierung zu ignorieren und sich abzuschotten. „Wir“ müssen international orientiert sein, wie übrigens andere Staaten auch. Nur haben manche das noch nicht richtig erkannt, und in manchen EU-Staaten streuen Politiker den Bürgern sogar bewusst Sand in die Augen und verbreiten Illusionen von nationalen Alleingängen und Gartenzwerg-Idylle. Das muss man schon Volksverdummung nennen. Aber wer sich nicht selbst informiert, fällt leicht darauf herein, lässt sich bange machen und wählt den Rückschritt ins 19. Jahrhundert, das nun wirklich längst vergangen ist.

W. R.

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