Archiv für den Monat: März 2017

„Drah di net um…“

Noch vor einigen Tagen dachte ich, Trump und Erdogan wetteiferten darum, wer von beiden das größte Rumpelstilzchen in der Politik sei. Doch seit gestern muss ich zugeben: Erdogan liegt eindeutig vorn mit seiner Drohung an alle Europäer, sie sollten sich in Acht nehmen, wenn sie raus auf die Straße gehen… Erdogan droht: “Kein Europäer wird mehr sicher sein”
Da kann man nur noch das Lied von Falco (leicht abgewandelt) singen: „Drah di net um, der Erdogan geht um…“ Wobei der hier nicht den Kommissar, sondern eher den Mafia-Boss gibt.*
Gar nicht lustig finden das mit Sicherheit alle, die in der Türkei mit Urlaubern aus Europa Geld verdienen. Erdogan zieht die türkische Wirtschaft damit weiter nach unten.

Mich beschleicht der Gedanke, dass wir diesem Möchtegern-Sultan eines Tages im Rückblick noch dankbar sein könnten, weil er das populistische „Starker-Mann“-Schema dermaßen übertreibt und ad absurdum führt, dass man es nur noch lächerlich finden kann.

Erdogans schon längst autokratisches Regieren hat zwar die Gefängnisse statt mit Kriminellen mit politischen Gefangenen gefüllt, aber den Terror hat er im Lande weder verhindert noch besiegt (Sogar der russische Botschafter wurde im Dezember 2016 auf offener Bühne ermordet). By the way: Wie nennt man eigentlich jemanden, der die Bevölkerung der ganzen EU bedroht? Dieser Mann ist doch wohl mit dem Ausdruck zu bezeichnen, mit dem er selbst so gern um sich wirft, um seine Kritiker zu kriminalisieren: Terrorist. Sorry, was denn sonst? —
Unser neuer Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat am 22.3.2017 in seiner Antrittsrede im Bundestag klare Worte gesprochen. Gut so! Die ganze Rede zum Nachlesen >Steinmeiers Antrittsrede im Wortlaut – Politik – Süddeutsche.de

W. R. (ein Europäer)

* Das Original kann man hier hören >Falco – Der Kommissar – YouTube

Nachtrag vom 23.04.2017: In den Rumpelstilzchen-Wettbewerb hat sich nun auch Nordkoreas Gottkönig Kim Jong Un eingeschaltet. Er droht Australien mit dem Einsatz seiner Atomwaffen und zeigt sich als ein Vertreter des Diktatorentyps „Kraftmeier&Sprücheklopfer“. In der Sportart „Personenkult“ ist er seit langem Weltmeister. Aber trotz der schönen Satire-Vorlagen sollte man nicht vergessen, dass er nach dem Vorbild Stalins keine starken Figuren neben sich duldet; und er versteht keinen Spaß. Bei ihm gibt es z.B. auch einen Schießbefehl auf Menschen, die seinem Machtbereich entfliehen wollen.

Köln-Notizen März-2017

Während die diesjährige LitCologne zu Ende ging, legte Oberbürgermeisterin Henriette Reker feierlich am Eifelwall den Grundstein für den Neubau des Historischen Archivs der Stadt Köln. Als erstes Stadtoberhaupt hatte sie am 3.3. auch an der Gedenkfeier für den Archiveinsturz und seine drei Opfer teilgenommen und dort gesprochen. Kurz zuvor hatte der Stadtrat die Schenkung des Hinweisschildes (s. Foto links) angenommen, das Mischa Kuball für den Einsturzort entworfen hatte.
Auf der Gedenkfeier wurde auch das Stück „Kölner Klagegesang“ aufgeführt; mehr dazu >ArchivKomplex ist eine Webseite von Künstlern und Architekten zum Archiveinsturz in Köln   Auch der S.R. der FUF wohnte der Feier bei und machte ein paar Fotos.

Da man immer von zwei Todesopfern des Einsturz hörte, nämlich den beiden jungen Männern Khalil (24) und Kevin (17), dabei aber ein weiterer Mensch vergessen wurde, der indirekt auch Opfer des Einsturzes war, brachte der Kölner Stadt-Anzeiger am 3.3. einen ausführlichen Nachruf auf Josefine Borcilo (84): Sie verlor zunächst durch den Einsturz ihre Wohnung, wurde in einem Hotel untergebracht, verlor einige Tage später auch ihren Lebensmut und schied aus dem Leben, ohne die schon bereitstehende neue Wohnung zu beziehen. Mehr > Kölner Stadtarchiv: Nachruf auf Josefine Borcilo: Die wunde Seele vom Waidmarkt kam nicht zur Ruhe | Kölner Stadt-Anzeiger

Foto oben links: 2 der (lesenswerten!) Infotafeln zum Ereignis 2009 (Bild anklicken!) —– rechts: Die Anwesenden lauschen dem „Kölner Klagegesang“ während der Gedenkfeier am Einsturzort.

S. R.

Aktueller Nachtrag am 26.05.2017: Nach Berichten des Kölner Stadt-Anzeigers im Mai 2017 erhebt die Staatsanwaltschaft Anklage „wegen fahrlässiger Tötung und  Baugefährdung“ gegen mehrere Personen, die am Bau und an der Bauaufsicht beteiligt waren. Anscheinend führten unter Zeitdruck schlampig ausgeführte Arbeiten an Teilen der Schlitzwand in über 20m Tiefe sowie Vertuschung und mangelnde Kontrolle durch die Bauaufsicht zum Schlamm- und Gerölleinbruch, der dem Stadtarchiv den Untergrund entzog und zum Einsturz führte. Mehr und Genaueres >Archiveinsturz Köln: Vorwürfe an Baufirma und Kölner Verkehrsbetriebe wegen Baugefährdung | Kölner Stadt-Anzeiger