Archiv für den Monat: Oktober 2018

Gruselt euch!

Halloween? Geh weg, brauch ich nicht. Mir reicht zum Gruseln der Auftritt von Donald Trump in den Fersehnachrichten. Zum Gruselkabinett gesellen sich dann noch der aussichtsreichste Präsidentschaftskandidat in Brasilien*, und Italiens Innenminister Salvini. Ja, muss ich noch mehr Namen aufzählen? Stöbert mal in den Blog-Beiträgen der letzten Monate, und Ihr findet weitere.

Inzwischen gibt es so viele A…, die frech aus der Deckung kommen und Phrasen unmenschlichen Inhalts in Kameras blöken oder im Internet posten. Sind die darauf etwa stolz? Wie kann ein Mensch, dessen Verstand noch nicht von Eitelkeit und Geltungssucht vernebelt ist, stolz sein auf den Beifall von Kleingeistern und hasserfüllten Psychopathen? Wie arm ist das denn? Wie schlimm muss ein Land herunterkommen, damit eine großmäulige, menschenverachtende, frauenhassende Vogelscheuche zum Präsidenten gewählt wird? Wie bekloppt muss das Weltbild von solchen Wählern und Wählerinnen sein, dass sie sich das Heil von einer solchen Witzfigur erhoffen? Und wie wenig müssen solche Menschen von Politik verstehen?

Ganz zu schweigen davon, dass die Mehrzahl der Menschen offenbar nichts aus der Geschichte lernen will, vielmehr unbedingt Brecht bestätigen will, der einmal schrieb: „Die dümmsten Kälber wählen ihre Schlächter selber.“ Wo bleibt der politisch-moralische Fortschritt, den sich viele Menschen nach dem Ende des Kalten Krieges erhofften? In manchen Ländern, so scheint es, sind viele Leute so vergesslich, dass sie nicht mehr wissen, wie schrecklich Krieg ist und wie es dazu kommen kann; wie machtgeile Politiker die Leute behumsen und an der Nase herumführen; wie auf menschenverachtende Worte oft reale Diskriminierung und schließlich Gewalt gegen Minderheiten folgt; wie ein fremdenfeindlicher Mob bis zu Mordtaten aufgestachelt werden kann; und so fort.

Was ist das, was diesen Menschen Gedächtnis und Verstand benebelt? Was treibt viele dazu, doch wieder Versprechungen zu glauben, bloß weil die ihre Wünsche und Sehnsüchte artikulieren? Was treibt viele dazu, einer Politik zuzustimmen, die im Grunde gegen ihre eigenen Interessen gerichtet ist? Was macht diese Menschen zu Stimmvieh, das lieber blind glaubt, als mit eigenem kritischen Verstand zu urteilen?

Und warum sagt man ihnen nicht, dass eine Wahl kein Fun-Event ist, bei dem der absurdeste Kandidat einen Publikums-Preis gewinnt? Warum lehrt man die einfacheren Gemüter nicht, sich auf ihre eigenen Interessen zu besinnen und genau hinzuhören und hinzuschauen, wer was anbietet, und wer sich wirklich für die Interessen des Wählers/der Wählerin einsetzt? Im Zweifel gilt der Spruch: „An ihren Taten sollt ihr sie erkennen.“ Und nicht etwa: Glaubt denen mit den schönsten Phrasen.

Aber leider haben Viele ein kurzes Gedächtnis und erinnern sich nicht mehr, wie sie erst neulich behumst wurden. Es gibt ja heute so viel Ablenkung, da fällt es einem schwer, mal richtig nachzudenken und das Wesentliche zu erkennen…

W. R.

* dazu mehr hier: „Trump der Tropen“ – eine Bedrohung auch für Umwelt, Klima und Aktivisten | Greenpeace Magazin

Nachsatz am 29.10.: Obiger Beitrag war nicht etwa speziell auf die gestrige Landtagswahl in Hessen gemünzt, sondern (wie immer in diesem Blog) weitreichender gemeint.

Doch ein Punkt aus dem ganzen Statistik-Salat zur Hessen-Wahl ist mir aufgefallen: In der Wahlanalyse nach Altersgruppen wählten überdurchschnittlich viele jüngere Leute die Grünen, bei der CDU-Wählerschaft überwogen eher die Älteren. Daraus könnte man schließen: Zukunftsthemen wie Umwelt- und Klimaschutz sind den Jüngeren wichtiger als den Älteren, weil sie voraussichtlich noch längere Zeit in dieser Zukunft verbringen und die Folgen heutiger Versäumnisse ausbaden müssen.

Noch’n Nachsatz zum Nachsatz: Die Statistik sagt, dass unter den AfD-Wählern der Männer-Anteil deutlich höher ist als der von Frauen. Was sagt uns das? Eine Autorin stellt dazu ganz eigene Überlegungen an: Wahlverhalten von Männern: Sehnsucht nach klaren Verhältnissen – SPIEGEL ONLINE

 

Murks mit Amtsstempel

Gern wird pauschal gesagt und hundertfach wiederholt: Das Vertrauen der Bürger in „die Politik“ schwindet. Dieser Tage gibt es aber Anlässe, die eher das Vertrauen in unsere Behörden schwinden lassen. Aktuell zwei Fälle in Köln:
1. Der Attentäter vom Hauptbahnhof, der am 15.10.18 eine Menge Menschen anzünden wollte und zwei Menschen schweren Schaden zugefügt hat, war offenbar nur deshalb in Deutschland, weil das BAMF vor Jahren geschludert und den Termin verpasst hatte, bis zu dem eine Rückführung nach Tschechien (wo er zuerst Asyl beantragt hatte) möglich gewesen wäre. Sogenanntes Behördenversagen

Schlagzeile 19.10.2018 Kölner Stadt-Anzeiger

gibt es also nicht nur im sattsam bekannten Fall Amri — oder im Fall der NSU-Morde.

2. Ein bestens integrierter, fließend Deutsch sprechender, sein Geld als Chefkoch in einem Kölner Restaurant selbst verdienender Mensch, der vor Jahren als Flüchtling kam, bekommt von der für ihn zuständigen Ausländerbehörde in Siegburg keine Arbeitserlaubnis mehr! Niemand versteht den Sinn dieses Behördenbescheides. Anscheinend wollten da Entscheider nach Vorschrift eine Akte abarbeiten und hatten Angst vor einer Rüge „von oben“, wenn sie ihren Verstand ein wenig mehr einsetzen und ein wenig über den Sinn ihrer Maßnahme nachdenken würden. Jetzt folgt der verdiente Shitstorm für eine total blödsinnige Entscheidung.

Aber ehe ich nun auf die handelnden Amtleute draufhaue, frage ich: Was ist das für ein Murks-Laden bei unseren Behörden, wenn Mitarbeiter nicht nach gesundem Menschenverstand entscheiden dürfen, sondern stur nach Vorschrift vorgehen müssen? Da liegt doch Weiterlesen