Archiv für den Monat: März 2022

Terror und Verrat

Kiew, Mariupol … bombardiert, mit Raketen beschossen ohne Rücksicht auf die Zivilbevölkerung, das sind nur Ausschnitte aus dem Bild von Putins Krieg. Wir wussten es schon aus seinen früheren „Spezialoperationen“: Spezial daran ist die unerbittliche Grausamkeit gegen die Bevölkerung, ein Terrorbombardement, das nicht so sehr militärischen Zielen im eigentlichen Sinn dient, sondern eher der Demoralisierung und Zermürbung.

Wir erwähnten bereits, dass es viele Parallelen zwischen Hitlers Vorgehen von 1938 und Putins Vorgehen 2022 gibt. Inzwischen müssen wir auch sehen, wie die Zerstörung von Warschau 1939 dem ähnlich sieht, was Putin in den Städten der Ukraine anrichtet, derzeit extrem in Mariupol. Dem Kriegsherrn geht es darum, größtmöglichen Schrecken zu verbreiten; er will den Krieg dadurch beenden, dass er die Gegenseite mit Grausamkeit schockiert und zum Aufgeben zwingt.

Mit Putin verhandeln? Sinnlos. Er verhandelt nicht, er will die Ukraine plattmachen und unterwerfen. Nichts weniger!
Wer will, wer kann das Monster stoppen? Hitler wurde erst durch einen Krieg mit vielen Opfern niedergerungen, davor schreckt der Westen zurück — und Putin kalkuliert das eiskalt ein, der alte Geheimdienst-Zyniker. Was glaubt Ihr denn, mit wem Ihr es hier zu tun habt?
Neulich hörte ich jemanden am Tresen beim Bier sagen: „Wo sind die Attentäter, wenn man sie mal braucht?“ Nur: Im Falle Hitlers klappte auch das nicht, mehrere Anläufe schlugen fehl, und Deutschland musste das Unglück des Krieges bis zum Ende auskosten. Wie also stoppt man einen regierenden Verbrecher?
Doch immer noch gibt es hierzulande Leute, die sich weiterhin für Putin einsetzen und seiner Propaganda folgen. Der Mann am Tresen redete sich in Rage und meinte dazu: „Sind die noch bei Trost? Oder wollen die sich quasi als Landesverräter profilieren? Soll der Westen schuld daran sein, dass Russland von einem Verbrecher kontrolliert wird? Wie blödsinnig ist das denn?“

Was soll man da antworten? Jetzt Putin zu unterstützen erscheint mir auf jeden Fall als Verrat an der Menschlichkeit.

W. R.

Nachtrag am 15.03.2022: Ich sehe keinen Sinn darin, ständig zu fragen: Was geht in Putins Kopf vor, was will er? Wichtiger ist die Frage: Wie verbaut man ihm die Wege zu weiterer Eskalation, und wie bringt man ihn und seine Unterstützer dazu, den Krieg zu beenden?

Die Stadt Mariupol ist ein Beispiel für Putins Vorgehen: Egal, ob alles zerstört wird, egal, ob die Zivilbevölkerung zu großen Teilen umkommt, es geht allein um das Territorium. Die Menschen sind Verfügungsmasse. Schon früher in der russischen Geschichte (die Putin bekanntlich eifrig studiert hat) gab es Umsiedlungen großen Stils, so ist die russischsprachige Bevölkerung in Teilen der Ukraine durch gezielte Ansiedlung schon zu Zeiten der Zarin Katharina entstanden. Die Krim ist so auch „russisch“ geworden (Nach Putin war sie das „schon immer“). Andere Kriegsherren (z.B. in Ex-Jugoslawien) haben zum Mittel „ethnischer Säuberungen“ gegriffen, d.h. die ansässige Bevölkerung vertrieben und eigene Leute angesiedelt, um dann zu behaupten: Das ist unser Territorium, weil da flächendeckend unsere Leute wohnen.

Man frage also nicht: Was hat Putin vor? Man schaue auf seine Taten. Damit kann man voraussagen: Putin will auf jeden Fall weiteres ukrainisches Territorium zu Russland schlagen und statt der geflohenen und umgekommenen Ukrainer dort Russen ansiedeln. Um die Geflohenen sollen sich Andere kümmern, das interessiert Putin überhaupt nicht. Falls er den Krieg nicht mit einem totalen Sieg beenden kann, will er eine möglichst schwache Ukraine. Und wenn er die Gelegenheit für günstig hält, greift er auch zu anderen Nachbargebieten… Macht Euch da nichts vor! Lest im Zweifel das, was er selbst veröffentlicht hat.

Nachtrag am 16.03.2022: Gutachten des Rechtswissenschaftlers Luchterhandt: „Russland begeht in Mariupol Völkermord“ – Politik – Tagesspiegel

Nach einem Monat Krieg in der Ukraine (25.03.): Eine Einschätzung >Angriffskrieg und Kriegsverbrechen: Der Westen muss den Preis für Putin erhöhen – Politik – Tagesspiegel

Grundsätzlich kann man nur sagen: 1. Die offizielle Politik Russlands ist nacktes Gangstertum. 2. Die Russland-/Putinversteher im Westen sind für Putin „nützliche Idioten“. 3. Die Bevölkerung Russlands ist wie die anderer Staaten keineswegs für Krieg, und gerade die historischen Verweise Putins müssten jedem denkenden Menschen klarmachen, dass Putins Vorstellungen auf Eroberungskrieg und „Verheizen“ von Soldaten wie Zivilbevölkerung hinauslaufen, aber nicht auf ein besseres Leben für die Bevölkerung (Bonzen ausgenommen!).

Wenn Manche hier meinten, man sollte doch erst einmal auf russische Befindlichkeiten Rücksicht nehmen, dann fehlte da die Einsicht, dass es darum schon lange nicht mehr geht, sondern in Putins Sicht um Rückeroberung ehemals russischer oder sowjetischer Territorien. Dabei ist Putin jedes Mittel recht. Das hat er in Syrien, wo er aus machtpolitischen Gründen den äußerst blutigen Diktator Assad unterstützte, gnadenlos vorgeführt. (Wer das für Übertreibung hält, ist schlecht informiert!).

Apropos Befindlichkeiten: Wer fragt denn nach den Befindlichkeiten in Russlands Nachbarstaaten? Dazu ein Beispiel >Ideologisch geschlossen: Sofi Oksanen über Putins Diktatur. – Kultur – SZ.de Ich habe den Eindruck, dass man die Warnungen aus Russlands westlichen Nachbarstaaten vor Putin hier deshalb nicht ernst genommen hat, weil man dachte: Die haben sowieso immer Angst vor dem mächtigen Nachbarn, darauf müssen wir nicht hören. Außerdem wissen wir mit Russland umzugehen… („Wandel durch Handel“, und so).

Und zu guter Letzt noch ein Wort zu den Pazifisten: Den Frieden zu erhalten und zu fördern muss Ziel aller Politik und aller vernünftigen Menschen sein. Selbstverständlich! Doch wenn die Lage so ist, dass Krieg herrscht und Gewalt, dann helfen keine Appelle und Beschwichtigungen in Richtung der Gewalttäter mehr, dann muss sich der Focus auf die Frage richten: Wie stoppt man wirksam die Gewalt?

Ich sage nur: Mariupol. Schaut auf diese Stadt!

Krieg und Gewalt im Vorfeld zu verhindern heißt, schon der Denkweise von Faschisten* und egoistischen Ignoranten entgegenzutreten. Nun sitzt im Kreml ein Faschist, der sein hochgerüstetes Militär einsetzen will, um Großreichträume zu realisieren, die sich an vergangenen Jahrhunderten orientieren. Da will jemand alle mühsam errungenen und verhandelten Regeln und Übereinkünfte über den Haufen werfen — dafür darf es kein „Verständnis“ und kein Entgegenkommen geben. —

Nachtrag am 19.04.22: Putin bestätigt auf ganzer Linie unsere Einschätzung: Er ist der alte Geheimdienst-Zyniker, der keine Probleme damit hat, Fakten ins Gegenteil zu verkehren: (1) „Mutterland und staatliche Interessen“ verteidigt: Putin verleiht Ehrentitel an Brigade nach Gräueltaten in Butscha – Politik – Tagesspiegel Das Z auf den russischen Invasions-Panzern steht offenbar für Zynismus.

* Was ist die Denkweise und Weltanschauung von Faschisten? Dazu lese man hier im Blog den Beitrag „Liebe Faschisten?“ vom 02.10.2020. Auch der Beitrag „Was sagt diese Flagge?“ vom 10.10.20 (beide siehe Spalte rechts unter: „Archive“ / „Oktober 2020“) gibt erhellende Hinweise.

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Ghost-rider Putin

Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt. Ein alter Spruch, stimmt immer noch. Wenn friedliebende Menschen von einem gewaltbereiten Stänkerer nicht in Ruhe gelassen werden, was dann? Wenn Diplomatie und Gespräche über mögliche Probleme nichts bringen und sogar als Schwäche ausgelegt werden…
Pazifismus ist eine ehrenwerte Haltung. Und sie ermöglicht eine friedliche Welt, solange Alle nach denselben Regeln spielen. Aber wenn Einer partout die Regeln missachtet und das als seine Stärke versteht… ?

Kommentare zu Putins Krieg (englischsprachig) aus dem Globalist:

Europe’s New Hitler: Another Psychopath at Work – The Globalist

Putin and Mussolini: Brothers in Spirit – The Globalist

W. R.

Nachtrag am 29.04.2022: Die Pazifisten hierzulande wollen nicht ohne Gegenwehr ihre Position räumen, die besagt, dass Waffenlieferungen an die sich der russischen Aggression erwehrenden Ukraine falsch seien. Das alte Credo aus der hohen Zeit der Friedensbewegung ist der Spruch „Frieden schaffen ohne Waffen.“ Das wäre schön, wenn die Ukrainer ihre Waffen fallen ließen und daraufhin die Russen, moralisch entwaffnet, auch sofort ihre Waffen fallen ließen und sich beide Seiten gerührt und erleichtert in die Arme schließen könnten — und würden. Das wäre die Wunsch-Wirklichkeit.

Wie die öffentliche Debatte derzeit läuft, stellt dieser Artikel dar: Heftige Kritik an offenem Brief an Scholz: „Intellektueller Offenbarungseid“, „Sofa-Pazifismus“, „Position ist Wahnsinn“ – Politik – Tagesspiegel

Dazu noch eine Meinung aus Russland (zitiert im Magazin des Kölner Stadt-Anzeigers):

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Putins Freund…

Was geht uns Donald Trump noch an?“ dachten Viele, als er abgewählt und auch sein Putschversuch am Capitol gescheitert war. Aber leider ist dieses Gespenst von der politischen Geisterbahn nicht verschwunden, sondern wühlt in den USA weiter im Schlamm der rechtslastigen, antidemokratischen Umtriebe und hat die Partei der Republikaner weitgehend im Griff. Dass er sich als Putin-Freund versteht, wussten wir eigentlich schon, und die Wahlkampfhilfe aus Russland hat er bekanntlich gern angenommen. Nur kann er dem gewieften Putin nicht das Wasser reichen und vertrat als Präsident gegen Putin nicht mit Nachdruck amerikanische Interessen.

Aber was soll man sich da in Einzelheiten ergehen, wenn klar ist, dass Trumps Ego weit größer ist als seine Kompetenz als Politiker, und dass er (gerade deshalb) seine persönlichen, wirtschaftlichen Interessen ganz vorn sieht. Wer diese Figur in einer kommenden Wahl nochmal wählt, hat noch immer nichts begriffen und hält Politik für ein Affentheater, in dem derjenige der Größte ist, der am meisten pöbelt und stänkert. Das, muss ich leider sagen, scheint seine Fans zu charakterisieren: Sie spiegeln sich in Trump. (Mehr kann man darüber in früheren Blog-Beiträgen lesen.)

Aktuell blamiert sich Trump in den Augen eines Großteils der Welt mit seinem Kommentar zu Putins Überfall auf die Ukraine. Wer noch Zweifel hatte, muss nun erkennen: Dieser Trump hat mit Demokratie und Menschenrechten rein gar nichts am Hut. Im Gegenteil: Er applaudiert Machthabern, die ihre Interessen mit allen Mitteln durchsetzen wollen und vor gar keiner Gräueltat zurückschrecken.

Das muss doch mal so deutlich gesagt werden!

W. R.

Nachtrag am 09.03.2022: In einem Fernsehbericht über die Spaltung Serbiens in prorussische und prowestliche Stimmen zeigte man Tiitelseiten von Boulevard-Blättern, die in großen Lettern verkündeten: „Ukraine greift Russland an!“ Da bleibt einem die Spucke weg, oder? So viele Lügen sind in die Welt gesetzt von Machthabern und ihren Propaganda-Organen… Dreist wird die Wahrheit ins genaue Gegenteil verkehrt – da sind Viele bei Hitler und Goebbels in die Schule gegangen. Die Erfahrung zeigt allerdings: Im Laufe der Zeit sickert die Wahrheit doch durch, sodass immer mehr Menschen denen misstrauen, die Lügen verbreitet haben, und ihnen gar nichts mehr glauben, selbst wenn sie mal die Wahrheit sagen sollten.

Es macht einen Unterschied, ob jemand sagt: Ich habe mich leider geirrt; oder ob jemand stur an der Erzählung festhält, immer das Richtige gesagt zu haben (was angeblich die Leute nur nicht richtig verstanden haben). Figuren wie Trump haben nicht einmal damit ein Problem, sie behaupten nach einer 180-Grad-Wende einfach: Nein, das habe ich so nie gesagt, oder nie gemeint.

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