Zukunft – ein Auslaufmodell?

Zukunft? Nein danke! Oder was? Haben wir eigentlich noch Grund, uns eine positivere, eine bessere Zukunft für dieses Land, für diesen Kontinent, für unseren Planeten zu erhoffen? Was uns einige Leute als große Versprechen der Zukunft an die Wand projizieren, sieht doch eher nach negativer Utopie aus. Algorithmen bestimmen immer mehr Bereiche unseres Lebens, je weiter die Digitalisierung fortschreitet, und China führt uns deutlich vor Augen, wie der Überwachungsstaat in naher Zukunft Alle beobachtet, gängelt, bewertet und damit Lebenschancen verteilt oder verweigert.
Auch bei uns hat die allgegenwärtige Datensammelei schon zu Auswirkungen geführt, von denen Betroffene oft nicht einmal erfahren. Spätestens seit den Enthüllungen von Edward Snowdon weiß man, wie weit das die NSA und andere Dienste schon getrieben haben. Google weiß eh schon jede Menge Dinge über uns. Und wer Geld dafür zahlt, kann bei bestimmten Firmen große oder kleinere Datensätze kaufen, die detaillierte Persönlichkeitsprofile enthalten. Was der Käufer damit macht? Das bleibt ihm überlassen.
Es gab schon immer naive Leute, die mangels Fantasie oder aus Bequemlichkeit die Achseln zuckten und sagten: „Na und? Ich habe nichts zu verbergen.“ Die Datensammler offenbar schon, wie ihre Geheimniskrämerei zeigt.

Da wird eifrig an Künstlicher Intelligenz (KI) gebastelt, als ob es bloß um irgendeine technische Neuheit ginge, aber kaum jemand fragt, ob die Welt das wirklich braucht, und ob da nicht Risiken auftauchen, die zunächst nicht beherrschbar sind und unreguliert herumgeistern. Im Zweifel werden erst einmal Vorteile an die Wand projiziert: KI soll das Leben leichter machen. Ah ja? Wessen Leben? Und für wen wird was leichter?

Immer wieder wird vom Autonomen Autofahren berichtet, das in Zukunft den Chauffeur überflüssig machen soll. Millionen Busfahrer in aller Welt sehen sich also in Zukunft arbeitslos. Brauchen wir wirklich das „autonom“ fahrende Auto? Jahrzehnte lang verkaufte uns die Autowerbung in Hochglanzbroschüren und rasanten Werbespots den immer weiter erhöhten „Fahrspaß“. Damit ist es also bald vorbei, weil die Industrie dann ihre neue, autonome Kfz-Generation verkaufen will. Dann wird uns die Werbung als höchstes Autofahrer-Glück das Herumlümmeln und Filmegucken während der Fahrt anpreisen. Du hast kein Steuer mehr in der Hand, alles geht automatisch, das gute, alte Autofahren ist abgeschafft. (Von der heute schon wuchernden Datensammelei der Autofirmen wollen wir gar nicht erst reden.)

Dann wird bei Formel-1-Rennen prämiert, wer am elegantesten hinter dem (überflüssigen) Steuer herumgelümmelt ist und die besten Faxen gemacht hat. Oder die Fahrer werden gleich ganz arbeitslos, ihre Fotos verbleichen in einer Hall of Fame der Formel-1-Geschichte.

Wer erzählt uns ehrlich, welche Folgen der rasante „Fortschritt“ der Digitalisierung nach sich zieht? Von „der Politik“ erwarte ich nicht viel, sie hinkt sowieso der rasanten technischen Entwicklung hinterher. Die kriegen ja nicht einmal in den Griff, die BürgerInnen vor Pöbelei und  Mobbing im Internet zu schützen. Große Firmen, die Internet-Plattformen betreiben, lassen sich nur zu Konzessionen herbei, wenn Abwanderung von Kunden in größerer Zahl droht.

Überhaupt, das Internet. Träumte man in den 1990er Jahren noch von unbegrenzter Meinungs- und Informationsfreiheit, ist längst Ernüchterung eingetreten. Autoritäre Regierungen finden Wege, diese Freiheiten auch im Internet einzuschränken. Und sie nutzen es für verdeckte Aktionen, um in anderen Ländern Desinformation und Verwirrung zu verbreiten. Oder sie spionieren technische Entwicklungen bei innovativen Betrieben aus, kopieren deren Produkte und bringen sie billiger auf den Markt. Kennt Ihr alles längst? Das will ich hoffen! Es soll ja immer noch Betriebe geben, die ihre Computersicherheit vernachlässigen und so am falschen Ende sparen.

Wie leichtsinnig oder unbedacht doch manche Menschen zu Werke gehen! Kein Wunder, dass es immer wieder auch zu Pannen und Unfällen kommt, sei es im Straßenverkehr, im Atomkraftwerk, am Operationstisch, beim Servieren heißer Suppe, oder beim Benutzen eines Kondoms beim Geschlechtsverkehr. Wieso Letzteres? Weil so ein Gummi bei falscher Handhabung reißen kann, oder weil ein Dummi ihn gleich weglässt und damit riskiert, dass das HIV-Virus weiter verbreitet wird.

Wird sich das in Zukunft bessern? Was die Menschen und ihr Verhalten betrifft, wohl kaum. Und daher ist auch zu befürchten, dass „die Politik“ im Großen und Ganzen keine Fortschritte machen wird. Wenn unsere Demokratie einigermaßen stabil bleibt, können wir froh sein. Warum? Mensch, schau dich um in der Welt, und beantworte die Frage selbst! Und wenn wir es in unserer Demokratie schaffen, die Spaltung  in Arm und Reích einigermaßen abzumildern und einen Rest von Solidarität in unserer Gesellschaft zu erhalten und zu stärken, dann haben wir schon viel erreicht und können einen sozialen Frieden genießen, den viele andere Länder nicht kennen. WENN, wie gesagt…

Ein altes Sprichwort sagt: Wenn’s dem Esel zu wohl ist, dann geht er auf’s Eis. Wer die Menschen kennt, muss befürchten, dass einige gegen Eseleien nicht gefeit sind und leichtfertig auf’s Spiel setzen, was wir derzeit in Deutschland, in Europa haben. Nicht alles ist gut im Staate D., vieles ist verbesserungsbedürftig (Mietenanstieg, Pflegenotstand, Kinderarmut, ausgedehnter Niedriglohnsektor, u.a.m.). Statt also solchen Eseleien nachzulaufen, wie sie z.B. „Reichsbürger“ vertreten, sollte man mit etwas Realitätssinn seine überschüssige Zeit und Energie für konkrete Verbesserungen einsetzen.

Wer mit scharfem Blick die sozialen Verhältnisse analysiert, könnte zu der Ansicht kommen, dass Deutschland in den letzten zwei Jahrzehnten zu einem Ausbeuterparadies gemacht wurde. Wieso das? Also, wenn ein Unternehmen Aktivitäten auslagert und an billiger arbeitende Subunternehmer vergibt, dann heißt das: Diese Subunternehmer arbeiten billiger, weil sie schlechtere Löhne an ihre Mitarbeiter zahlen. Diese Mitarbeiter haben also einen Job, einen schlecht bezahlten, fallen damit aber aus der Arbeitslosenstatistik. Können sie aber von diesem Job nicht leben, wird ihr Lohn aus Steuermitteln vom Staat aufgestockt.

Das kann man auch so sehen: Der Staat zahlt Geld, um Niedriglöhne zu subventionieren und der Öffentlichkeit stolz eine sinkende Arbeitslosenquote zu verkünden. Das ist doppelte Augenwischerei. Und eine Art, die Leute zu behumsen und Beruhigungspillen zu verteilen. Was das mit dem Thema „Zukunft“ zu tun hat? Was für eine Frage! Denk mal kurz an Rente und Altersarmut… !

Das Thema „Zukunft“ hat, wie Alle wissen (sollten), noch eine viel größere, globale Dimension. Es geht um den Klimawandel, den wir unbedingt stoppen sollten, aber inzwischen nur noch abbremsen können. Viel Zeit ist schon ohne wirksame Gegenmaßnahmen verstrichen, seit in den 1980er Jahren deutlich davor gewarnt wurde — und die globale Erwärmung beschleunigt sich sogar. Darüber sollten wir alle informiert sein, das brauche ich hier nicht auszubreiten. Gebremst wurden wirksame Gegenmaßnahmen bisher von Großkonzernen mit kurzfistigem Profitinteresse, die „der Politik“ auf den Füßen stehen und Politiker nötigen, die Bevölkerung dummzuschwätzen.

In diesem Lichte muss man Greta Thunberg: Das Gesicht der globalen Klimabewegung – SPIEGEL ONLINE unbedingt lobend erwähnen:  You Are Stealing Our Future: Greta Thunberg, 15, Condemns the World’s Inaction on Climate Change – YouTube

Klar, dass auch hier die Nebelkerzenwerfer versuchen, die Person madig zu machen, weil es keine Sachargumente gegen ihr Anliegen gibt. Globale Erwärmung: So entlarven Sie Klimawandel-Leugner – SPIEGEL ONLINE

Fridays for future!

W. R.