Persönliches

„Persönliches“ – das kann man ganz allgemein als Personenbezogenes verstehen, oder auch als mehr oder weniger bekannte oder besondere Persönlichkeiten Betreffendes, oder auch als eher subjektive Äußerungen und Stellungnahmen, eben aus persönlicher Sicht. All das schwingt auf dieser Unter-Seite von fu-frechen.de mit, und zuvorderst geht es hier um Personen, die schon auf anderen Unter-Seiten dieser Website genannt wurden, wo aber kein Ort und kein passender Moment war, um Näheres zu bemerken. —

Nachfolgend wird erinnert an: Jens Hagen, Günter Krüger, Ulrich E. Schumann, Heinrich Böll, Josef Buschheuer. Die Reihenfolge richtet sich nach den Todesdaten, wir beginnen mit dem zuletzt Verstorbenen und gehen zeitlich zurück.

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Wir erinnern uns an…___________________________________________________

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043… das leider schon verstorbene, kreative Multitalent Jens Hagen. Eine Ausstellung in der Kölner Stadtbibliothek tat dies bis 07.08.14. Der Kölner Autor, Journalist, Fotograf, Dichter … usw. starb vor 10 Jahren und wäre in diesem Jahr 70 Jahre alt geworden.

Mehr zu Jens Hagen erfähren Interessierte u.a. hier: Zentralbibliothek: Jens Hagen – Am Rand der Wörter – Stadt Köln und: Gedenken an den Kölner Schriftsteller und Künstler Jens Hagen – WDR 3  [leider 2016 nicht mehr im Netz verfügbar, man schaue dafür in:] Jens Hagen – Wikipedia sowie „Total real“ – Verliebt in Jens Hagen – über die aktuelle Ausstellung in der Fotopension in Köln – NRhZ-Online – Neue Rheinische Zeitung 

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Hagen arbeitete viel mit einer alten Schreibmaschine und setzte ihre Eigenarten bewusst in Texten ein. — Ein Großteil seines Nachlasses versank 2009 mit dem Stadtarchiv in der U-Bahn-Baugrube.

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d.d..

… den 2009 verstorbenen Brühler Künstler und Kulturaktivisten Günter Krüger. Wir haben ihn bereits in der Laudatio zur Verleihung des Animus-Preises (>F.U.F.-Bibliothek) vorgestellt und gewürdigt. Dem ist wenig hinzuzufügen. W. R. lernte ihn Anfang der 1970er Jahre IMG_3480 kennen und schätzen als ideensprühenden, vielseitig kreativen Kopf. Günter gelang es auch, sich in historische Personen bzw. Lebenssituationen einzufühlen — was der Gestaltung seines Museums für Alltagsgeschichte in Brühl sehr zugute kam. In den 1990ern besuchte W. R. ihn dort und machte ein paar Fotos, Später lernte er seine Publikationen kennen,

Objekt im MfA

Installation im MfA

die sich vor allem mit der lokalen und regionalen Geschichte beschäftigten, so mit dem Stilwandel in der Töpferei des Spätmittelalters, mit Balthasar Neumann als „tüchtigem Bauleiter“ im Brühler Schloss, mit Max Ernst als Dada-Rebell und experimentierfreudigem Künstler (den die Stadt Brühl, Jahrzehnte später, als international renommiertes Aushängeschild vereinnahmen und zum Ehrenbürger machen wollte), u.a.m. Siehe auch: Seit 30 Jahren ein Rufer in der Wüste | Region – Kölner Stadt-Anzeiger und Nachruf: Geschichte bewahrt und geschrieben | Region – Kölner Stadt-Anzeiger  sowie Museum für Alltagsgeschichte – Museumsinsel | Museum für Alltagsgeschichte.

W. R.

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…den 2001 verstorbenen Bibliophilen Ulrich E. Schumann.

Auf der Unter-Seite F.U.F. – der Club findet sich im Fest- und Gedenkkalender der F.U.F. zum 20. März eine Notiz zu Ulrich Schumann. Da er leider schon im Februar 2001 verstarb, und da er ein F.U.F.- Mitglied der ersten Stunde war, hält der S.R. es für angebracht, ihm hier auf dieser Website etwas mehr Raum zu geben und an ihn zu erinnern.

Zunächst blicken wir in das „Lexikon bemerkenswerter Persönlichkeiten“ von 2008. Der Eintrag wurde schon in der Festschrift vom 20.03.2010, S. 23f., zitiert. Wir folgen ihm hier weitgehend:

Ulrich E. Schumann

Dichter, Privatgelehrter; 1948-2001
010-Zeichng. U.S. 1973

Ulrich an seinem Schreibtisch, um 1970, Zeichnung von W. R., Ausschnitt

Ulrich Eckart Schumann wurde am 20.03.1948 in der DDR geboren, wuchs bis zu seinem 10. Lebensjahr in Zeulenroda (bei Gera in Thüringen) auf und folgte dann seinen Eltern in die BRD nach Köln. Hier besuchte er das Schiller-Gymnasium, machte dort im Nov. 1966 sein Abitur und studierte an der Universität zu Köln Germanistik und Geschichte. Nach dem 1. Semester zog ihn die Bundeswehr zum damals 18monatigen Wehrdienst ein. Danach führte er das unterbrochene Studium fort (das bei seiner großen Belesenheit und seinem breit gefächerten Interesse nicht nur der engen Bahn der Studienfächer galt) und schloss dieses mit dem Ersten Staatsexamen für das Lehramt an Gymnasien ab. Er trat den Referendardienst an und unterrichtete nach dem Zweiten Staatsexamen an Gymnasien in Wuppertal und Solingen. Er war ein halbes Jahr aus gesundheitlichen Gründen in den Ruhestand versetzt, als er am 05.02.2001 an Herzversagen starb. Er wurde auf dem Friedhof von Köln-Esch beigesetzt.

Ulrich Schumann war schon in der Schule seinen Lehrerinnen und Lehrern durch zwei Dinge

Während einer Vorlesung gezeichnet m. schwarzem Kugelschreiber

aufgefallen: 1. seine außergewöhnliche Belesenheit und daher auch Sicherheit im sprachlichen Ausdruck, 2. seine Beharrlichkeit in der Behauptung seiner Individualität, die sich u.a. in der schwer leserlichen Handschrift und später auch in seiner Haartracht äußerte. Er ließ die Lehrer weitgehend auflaufen, die ihn beschworen, wenigstens in Klassenarbeiten deutlicher zu schreiben. Und in Zeiten der Beatlemania war er der Erste in seiner Schulklasse, der sein Haar länger wachsen ließ, als es die bürgerliche Konvention Mitte der Sechziger Jahre gebot. Mehr als die Beatles liebte er aber die Rolling Stones zu hören.

U. ca1988

Ulrich Im Entree von Schloss Burg im Bergischen Land

Seine äußere Erscheinung blieb auch später unkonventionell. Das dunkle Haar trug er meist lang herabfallend, dazu mal Lippen-, mal Vollbart. Man erinnert sich an seinen langen, dunklen Ledermantel, den er trug wie ein Samurai seine Rüstung. So wirkte er, wenn er einem auf einem Gang in der Uni mit finsterem Blick entgegenkam. Auch als Lehrer legte er wenig Wert auf gepflegt-bürgerliches Aussehen, meist sah man ihn in Jeans und abgewetzten Turnschuhen.

Sein Geld gab er lieber für Bücher aus, neue wie alte, war gern gesehener Kunde in Antiquariaten und baute sich eine stattliche Bibliothek auf. War es Bibliophilie, oder schon Bibliomanie? Jedenfalls investierte er viel Geld in seine Bücher – und las sie auch!

Wer ihn abends besuchte, konnte leicht den Eindruck gewinnen, dass er sich von Kaffee, Rotwein und selbstgedrehten Zigaretten ernährte. Letztere nutzte er vielseitig: Die Zigarettenblättchen dienten ihm als Lesezeichen in seinen Büchern. Und die volle Kaffeekanne war unerlässlich, wenn er sich spätabends noch an die Korrekturen von Klassenarbeiten und Klausuren setzte.

Seine SchülerInnen waren von seiner Belesenheit beeindruckt und nannten ihn den „Professor“. Er scheute aber auch keine Mühen, um seinen SchülerInnen die Schätze der Bücherwelt näher zu bringen. Oft schleppte er ganze Stapel von antiquarischen Büchern herbei, um ihnen historische Begebenheiten und kulturhistorisches Ambiente anhand illustrierter Folianten zu veranschaulichen. Das dürfte seinerzeit eine Rarität in der Schule gewesen sein.

Nach seinem Tod veräußerte die Familie seine Sammlung: Sie ging als „Schumann-Bibliothek“ an die Herzogin-Amalia-Bibliothek in Weimar. Dort suchte man die durch den Brand von 2004 zerstörten Bestände wieder aufzufüllen, insbesondere betraf das Literatur des 18. und frühen 19. Jahrhunderts. So blieb, was der Bibliophile zu Lebzeiten zusammentrug, für Kultur- und Bücherfreunde erhalten, die nach Weimar pilgern.

Ulrich E. Schumann las nicht nur, er schrieb gelegentlich auch poetische Texte. Diese sind, soweit bisher bekannt, noch nicht gesammelt oder gar ediert worden. Auf der Trauerfeier bei seiner Beerdigung wurde ein Text von ihm mit dem Titel „Der Schwimmer“ verteilt. Daneben existieren verstreute Texte, die hier und da aufgehoben wurden.

Sein Schulfreund W. R., mit dem er bis ca. 10 Jahre vor seinem Tod in zeitweise sehr regem Kontakt und Gedankenaustausch stand, bewahrt noch einige Texte, Originalmanuskripte 012-U.S. Autograph Was wird man sagen... -text cound Autographen in seinem Privatarchiv. Außerdem gibt es Tonbandaufnahmen, in denen Ulrich Schumann seine Texte selbst spricht. Sie sind bisher nicht digitalisiert oder ediert.

Rechts abgebildet ist ein Autograph aus den frühen 1970er Jahren. Ulrich hatte während der Straßenbahnfahrt nach Frechen auf ein Blatt als Gedächtnisstütze einen Text gekritzelt, den er bei einem Besuch bei W.R. für eine Tonbandaufnahme selbst sprechen wollte. Den Schluss schrieb er nicht leserlich aus, sprach ihn aber frei ins Mikrofon.

Nach seinem Ableben bekam dieser Text eine zusätzliche, fast prophetisch anmutende Note, die dem Autor bei der Niederschrift wohl nicht bewusst war, als er diese grundsätzliche, philosophische Fragestellung aufwarf, mit der er den Text einleitete: „Was wird man sagen blieb…“

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Anmerkung:

Die historisch gut Informierten haben wahrscheinlich bemerkt, dass oben zu Beginn der Kurzbiografie eine sachliche Ungenauigkeit vorkam. Als U. E. Schumann geboren wurde, gab es die DDR noch nicht, da sie erst am 07.10.1949 offiziell gegründet wurde. An Ulrichs Geburtstag, dem 20.03.1948, tagte noch der Alliierte Kontrollrat der vier Siegermächte des Zweiten Weltkriegs in Berlin. Der Vertreter der sowjetischen Besatzungsmacht verließ unter Protest die Sitzung, weil die Westmächte die Einführung einer neuen Währung für die drei Westzonen ohne Einverständnis der Sowjetunion vorbereiteten. Damit hörte die gemeinsame Regierungsgewalt der Siegermächte über Deutschland formal auf zu existieren. Praktisch zeichnete sich schon vorher eine Teilung Deutschlands an der späteren deutsch-deutschen Grenze ab.

Subjektiv, d.h. aus der Sicht Schumanns, kann man aber sagen, dass er bis zu seinem 10. Lebensjahr in der DDR lebte. Wie wir bereits aus den biografischen Angaben ersehen können, hatte das jedoch keinen entscheidenden Einfluss auf seinen Charakter: Er war Individualist nach allen Seiten.

W. R.

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Skizze vor laufendem Fernseher

… den 1985 verstorbenen Kölner Schriftsteller Heinrich Böll. Dieser Tage wurde an sein Ableben vor 30 Jahren erinnert (im Kölner Stadt-Anzeiger ganzseitig am 15. und 16.7.2015). Diese Erinnerung hier könnte auch unter „Köln-Notizen“ im Blog erscheinen, doch ich greife das Thema unter „Persönlich“ auf — weniger, weil ich Böll persönlich näher gekannt hätte; ich sah ihn lediglich einmal, in den 1970er Jahren, mit seiner Frau abends auf dem Rudolfplatz an der Bahnhaltestelle stehen — in seinem nicht mehr modischen Mantel und der Baskenmütze, die er oft trug. Dieses Outfit passte zu seinem unspektakulären Auftreten: Böll war kein Großkotz und kein selbsternannter Wortführer einer höheren politischen Moral.

Ich kannte bis dahin etliche seiner Werke, die ich in den 1960ern gelesen hatte, z.B. „Und sagte kein einziges Wort“, „Ansichten eines Clowns“, „Irisches Tagebuch“, und einige Kurzgeschichten. Seine Kurzgeschichte „An der Brücke“ (von 1950) hatten wir im Schulunterricht gelesen, und mein Freund Ulrich (s.o.) mochte sie nicht, weil sie ihm zu sensibel, ja süßlich, zu idealistisch, ja zu quietistisch erschien (gemessen an seinen Lieblingsautoren Bertolt Brecht oder Arno Schmidt).  Später hatte ich eine Phase, in der auch mir kämpferische Lektüre und schärfere Satire besser gefielen, und so konnte ich Bölls Erzählungen nicht mehr viel abgewinnen.

Doch dann kam die Zeit der RAF-Terrorismus-Hysterie, und Bölls Roman „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ kam heraus und wurde verfilmt. Ich sah den Film und war mit Böll versöhnt; besonders ist mir die Szene in Erinnerung, in der der Kabarettist Achim Strietzel eine gekonnt seifige Grabrede auf den getöteten Boulevard-Journalisten hält: Satire vom Feinsten.

Der Hintergrund: Böll hatte in jenen Jahren viele Anfeindungen zu ertragen. CDU-nahe Katholiken schäumten gegen ihn, enttäuscht vom ehemaligen katholischen Vorzeige-Literaten, die Bildzeitung machte sich zum Sprachrohr der „staatstragenden“ Law-and-Order-Fetischisten und verunglimpfte Böll als Sympathisant der RAF, der er nicht war. Bölls Wochenendhaus in der Eifel ging in Flammen auf.

Es war eine Zeit, in der das Land gespalten wurde nach dem Motto „Wer nicht für uns ist, ist gegen uns“ (wie es George W. Bush jr nach „9/11“ in den USA ausrief). Wie wir inzwischen wissen, führt die kräftig geschürte Terrorismus-Furcht zum Abbau von Bürgerrechten, zur Ausweitung von Überwachung in die eigentlich geschützte Privatsphäre…

Und da schließt sich wieder eine Verbindung zu Böll: In seiner frühen, oben schon erwähnten Kurzgeschichte lässt er bewusst seine heimlich angeschmachtete „Geliebte“ durch das Netz behördlicher Erfassung schlüpfen, wenn es auch nur um eine Zählung von Passanten einer Brücke geht. So nennt er sie am Schluss die „ungezählte Geliebte“ , die er selbst bei einer Kontrolle seiner Arbeit nicht mitzählt. Wenn man so will, war dies ein kleiner, symbolischer Akt des Widerstands gegen totale Erfassung.

Angesichts der heutzutage ausuferndern Überwachung durch NSA, BND etc. ist das plötzlich wieder aktuell: Sowohl Geheim- als auch nicht geheime Dienste sammeln uferlos Daten über uns, handeln damit, basteln daraus Persönlichkeitsprofile — und unmerklich wird die Grenze zur Manipulation überschritten.

W. R., im Juli 2015

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Josef auf einem Gruppenfoto nach der mündl. Abiturprüfung 3.11.1966

… den viel zu früh verstorbenen Josef Buschheuer, Gründungsmitglied der F.U.F. 1970. Mit den Klassenkameraden >Ulrich Schumann (s.o.) und W. R. machte er Anfang November 1966 Abitur und studierte dann an der Universität zu Köln Französisch und Philosophie. Hochgewachsen, sportlich, gutaussehend mit seinen dunklen Locken, lebenslustig und zugleich nachdenklich, so sehe ich ihn in meiner Erinnerung in der Zeit, als ich ihn öfter im „E-Raum“ der Uni traf und dort bei einem Heißgetränk mit ihm und Ulrich S. über Gott und die Welt, Politik und Sex redete und diskutierte.

Josef heiratete seine langjährige Freundin, gründete eine Familie und wurde nach dem Ersten Staatsexamen Studienreferendar für das Lehramt an Gymnasien.

Unweit ihres Wohnortes im Erftkreis badete die Familie bei schönem Wetter oft im Liblarer See. Eines Nachmittags, so berichtete im Juli 1979 der Kölner Stadt-Anzeiger, sagte er zu seiner Frau: „Ich schwimme noch mal eben ans andere Ufer.“ Nachdem er losgeschwommen war, sah sie ihn nicht wieder. Er blieb verschwunden, Polizei und Taucher suchten die Umgebung und den See ab. Erst Tage später wurde er tot im See gefunden.

Josef galt als geübter Schwimmer, da er regelmäßig im Schwimmbad seine Bahnen zog. Doch die Baggerseen von Kiesgruben und ausgekohlten Tagebauen sind tückisch. Immer wieder gibt es tödliche Badeunfälle, weil es in solchen Gewässern Kältezonen gibt, die manchmal an die Oberfläche reichen. Schwimmer, die da hineingeraten, bekommen oft einen Krampf, manchmal auch einen Herzstillstand, und gehen meist unbemerkt unter, ohne um Hilfe zu rufen. Auch in den heißen Julitagen 2015 gab es einige derartiger Unfälle.

W. R., im Aug. 2015

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