Donald Troll und sein triviales Geheimnis

Nein, auf dieser Website gibt es keinen Jahresrückblick 2017, und hier gibt es auch keine ständigen Aufreger über Donald Trumps Ergüsse und Verfügungen. Warten wir weiter (vergebens?) auf vernünftige Äußerungen oder Direktiven von Trump! (Oder finden wir uns ab mit dem Kaschperl im Oval Office?)
Wer tiefer darüber nachdenken will, wie ein Troll ins Weiße Haus gewählt werden konnte, und warum er (wie der SR schon Anfang des Jahres befürchtete) einfach so weiter kaschpert, findet Anregung unter diesem Link: (1)Donald Trump – Die USA haben sich kaputt amüsiert – Kultur – Süddeutsche.de und auch hier: (2)Ein Faktenchecker erzählt von seinen Lieblingslügen – Digital – Süddeutsche.de

So, nun habt Ihr erstmal genug „food for thought“. Ein gutes Jahr 2018 allen BesucherInnen wünscht der

SR

Eine Lektion „Newspeak“

Wollt Ihr mal wissen, wie Unterdrückung konkret aussieht? Habt Ihr genug von alten Geschichten aus dem Geschichtsbuch? Wollt Ihr wissen, wie das heute abgeht? Dann schaut euch an, was in der Türkei läuft: http://www.spiegel.de/lebenundlernen/uni/tuerkei-recep-tayyip-erdogan-will-wissenschaftler-in-deutschland-anklagen-a-1175459.html
Warum wird da überhaupt diese „Terroristen“-Show veranstaltet? Weil Erdogan, seit er sich im Bündnis mit Gülen in den Sattel geschwungen hat, die Konkurrenz ausschalten und Alleinherrscher sein will. Erdogans Kampf gegen Leute mit anderen Meinungen fing schon lange vor dem gescheiterten Putsch (Juli 2016) an. Danach ließ er die Maske ganz fallen und entließ eine Menge Kriminelle aus den Gefängnissen, weil er seine vielen politischen Gefangenen sonst nicht mehr hätte unterbringen können. Wie man schon in Orwells „1984“ lesen konnte, wird auf dem Weg in die Diktatur auch „Newspeak“ eingeführt: So sind alle, die anderer Meinung als der Große Bruder sind, Staatsfeinde und Terroristen. Das ist also gar nicht originell. (Orwell hatte vor allen die Regime Hitlers und Stalins als Beispiele vor Augen.) In den letzten Jahren ist rund um den Globus die Bezeichnung „Terroristen“ zum Lieblingswort der Diktatoren geworden, um damit Andersdenkende zu kriminalisieren.
Was sagt denn so ein Wort noch aus, das inflationär gebraucht wird? Aus dem Munde gewaltbereiter Diktatoren klingt das ja fast schon wie ein Lob für deren Gegner, zumindest zeigt es, dass sie diese Gegner fürchten. Erdogan hat fleißig darauf hin gearbeitet, alle „Terroristen“ in den Medien mundtot zu machen, viele sitzen in Haft. Gleichzeitig behauptet er, die Türkei sei „ein demokratisches Land“ — „Newspeak“ eben. Was er sonst an grotesken Behauptungen hinausschreit, konnte man z.B. im Blog-Eintrag „Drah di net um“ vom 24.3.2017 lesen. Im Zweifel kann man im Voraus erwarten: Alles, was Erdogan nicht passt, ist eine „Verschwörung des Auslandes gegen die Türkei.“ Aber sicher doch, Kritik an Erdogan wird den Türken als Feindschaft gegen die Türkei verkauft, um die Solidarität der Bevölkerung mit ihrem Sultan einzufordern. Auch das ist ein alter Hut.

Noch nicht schlapp gelacht? Dann lies mal das hier: (2) Verschwörungstheorie in der Türkei: Geheimbotschaften in der Jeanshose – Politik – Tagesspiegel

Man könnte (siehe den o.g. Blog-Eintrag) das Gebaren Erdogans und seiner Regierung  nur noch als Realsatire verstehen und darüber lachen — wenn er es nicht todernst meinte. Man könnte sich zurücklehnen und sarkastisch sagen: Gut, dass Erdogan die Armee durch seine „Säuberungen“ geschwächt hat, das nützt immerhin den Kurden im Irak und in Syrien. Auch Stalin hatte seine Armee „geköpft“ — und wurde dann von Hitlers „Russlandfeldzug“ fast überrollt. Solche Egoshooter stellen eben die Sicherung ihrer persönlichen Macht über das Wohl des Landes.

Und wieso gibt es schon wieder so viele trollige Regierungschefs in der Welt? Wieso können Superreiche ihre Milliarden ungestört an Steuerforderungen vorbei in Oasen schieben? Seit Veröffentlichung der Panama-Papers und Paradise-Papers kann das niemand mehr leugnen. Hängt da vielleicht Manches miteinander zusammen? Das mutmaßt z.B. dieser Kommentar: Rechtsruck der Welt: Macht! Macht! Macht! – Kolumne – SPIEGEL ONLINE

Manche Milliardäre haben, wie wir gesehen haben, wirklich Macht und dabei die Boshaftigkeit, ihre privaten Anliegen gegen das Allgemeinwohl durchzusetzen — ich erinnere nur an die Anti-EU-Kampagne des Pressezars Rupert Murdoch in Großbritannien. Er hat großen Anteil am Ausgang des Referendums für den Brexit. Und er trieb (zusammen mit Anderen) genug Stimmvieh zusammen, um das Land in die Bredouille zu stürzen.

Donald Trump will in den USA Steuererleichterungen für Großverdiener durchsetzen. Ist sicher Zufall, dass er selbst davon profitieren würde, oder? Seine Steuererklärung sollen die Leute auch nicht sehen. Das ist die Arroganz der Macht. Sie machen sich kaum die Mühe, ihren unverfrorenen Egoismus zu verschleiern. Das geht bald ganz ohne „Newspeak“, weil die meisten Leute verlernen, genau und kritisch hinzuhören und sich ‚was dabei zu denken. Weil sie lieber auf einfache, gängige Slogans hören, an die sie durch ständige Werbe-Berieselung gewöhnt sind.

W. R.

Bauernschläue gegen Weitsicht

Es widerspricht eigentlich der erklärten Absicht und üblichen Praxis, hier im Blog die momentan aktuelle Tagespolitik zu kommentieren — aber diese Ausnahme muss sein.

1. Der noch amtierende Landwirtschaftsminister der geschäftsführenden Bundesregierung … Ach, lesen Sie selbst diesen frischen Artikel hier, den ich Ihnen im Link anbiete, ein Sachartikel und zugleich berechtigter Kommentar: http://www.tagesspiegel.de/politik/streit-um-glyphosat-zustimmung-klientelpolitik-von-der-duemmsten-sorte/20638232.html
2. Da wir gerade bei den aktuellen Nachrichten dieses Tages (27.11.2017) sind, erwähne ich auch jene, wie ich glaube, ungute Entwicklung in der EU: In Osteuropa schließen Staaten Verträge mit China, die zur Folge haben, dass die kommende Weltmacht mehr Einfluss in der EU bekommt…
Wer glaubt, dass so etwas (→2.) die EU stärke und enger zusammenbringe, der hat wohl noch keinen Arzttermin derhalben bekommen. Und wer dem CSU-Landwirtschaftsminister (→1.) glaubt, dass er rein sachlich und berechtigterweise in Brüssel für Glyphosat entschieden habe, der … (siehe oben).

W. R. am Abend des 27. Nov. 2017

P.S. Die Überschrift stellt indirekt die Frage: Sollen solche Politiker uns regieren dürfen? Ja, wollen wir uns das Treiben solcher Egoshooter und Trolls schweigend gefallen lassen? Ist denen komplett entfallen, wofür sie eigentlich gewählt und zuständig sind? Deutsche Politiker schwören im Amtseid, dass sie sich bemühen, „Schaden vom Volke abzuwenden“. Manche Politiker bei uns und anderswo haben da eine „flexiblere“ Vorstellung von ihren Amtspflichten, wie in vielen Ländern, in denen Machthaber ihre erste Pflicht darin sehen, sich selbst und ihre Anhänger zu bedienen. Gut, in demokratisch verfassten Staaten ist mehr Kontrolle, in autokratischen von vorneherein mehr Willkür möglich. (Das spricht auf jeden Fall dafür, die Demokratie nicht leichtfertig abzuschaffen, denn wer sich von einem autoritären System Besserung verspricht, muss sich eher auf das Gegenteil gefasst machen — wie zahlreiche Beispiele in Vergangenheit und Gegenwart zeigen.)

Politik in den Köpfen

Ein paar Gedanken (unvollständig und vorläufig) am Tag nach der Bundestagswahl vom 24.09.2017:

Es ist schon erstaunlich, dass es in Deutschland und anderen europäischen Staaten Menschen gibt, die den alten Nationalismus propagieren, den sehr viele, wenn nicht die meisten Menschen in Europa doch für „retro“ oder gänzlich „out“ halten. Doch gibt es umtriebige Politiker, die anstreben, auf einer neu entfachten nationalistischen Flamme ihr Süppchen zu kochen, Stimmen zu fangen und Macht zu gewinnen.
Wenn wir den Blick auf Deutschland richten, dann sehen wir, dass eine Partei namens AfD mit nationalistischen und Retro-Parolen aufgetreten ist und weniger deshalb, als vielmehr trotzdem, mit über 12 % der Wählerstimmen im Herbst 2017 in den Bundestag einzieht.
Viele fragen sich, was denn die Menschen geritten haben mag, die ihre Stimme statt ihrer früher bevorzugten Partei nun der AfD gegeben haben. Weiterlesen

Queen of hearts

London, Kensington Palace, Parkseite, Sept. 1997 — Foto: W. R.

An den 31.08., den Todestag von Lady Di, alias Princess Diana, wird in den Medien vorab schon eifrig erinnert. Es war vor 20 Jahren, 1997, als der plötzliche Tod von Princess Diana (36) die Welt schockte. Eine Woche später kam ich nach London und konnte live erleben, wie ständig Menschen mit Blumensträußen zu den verschiedenen Orten kamen, wo ihrer gedacht wurde:  ihr letzter Wohnsitz Kensington Palace; das Kaufhaus Harrod’s (der Erbe Dodi Al-Fayed starb mit ihr im Unfallwagen); Westminster Abbey, wo der Trauergottesdienst stattfand und Elton John zum Abschied sang: „Good-bye England’s Rose“; Buckingham Palace; St. James‘ Palace… und ich weiß nicht wo noch.

Nachdem die Medien eine Weile über alles um den Tod und die Trauer berichtet hatten, ging immer noch die Welle der Trauer um Diana um die Welt. So etwas war seit Menschengedenken nicht passiert — und brachte so manchen Kommentator in den Medien aus der Fassung, der gewöhnlich mit scharfem Verstand das politische Tagesgeschehen analysierte und einordnete, der gewohnt war, als Journalist kritische Distanz nach möglichst allen Seiten zu wahren — ihm fehlte das Verständnis, die große Trauer von Menschen zu begreifen, die zumeist Diana gar nicht persönlich gekannt hatten, und er war nahe daran, diese überdreht oder gar hysterisch zu nennen.

Mir schien diese weltumspannende Anteilnahme nicht so unbegreiflich, sie schien mir ein Ausdruck echter Trauer um einen Menschen, der — obwohl in den Kreisen der Reichen, Mächtigen und Schönen verkehrend — nie auf kalte Distanz zu den Menschen „da unten“ gegangen war. Wo Diana auftrat, strahlte sie Menschlichkeit und Anteilnahme aus, zeigte Mitgefühl und spendete hautnah Trost. Das war schon sehr außergewöhnlich, und es kontrastierte besonders scharf zum kalten Hofzeremoniell und dem steifen Auftreten der Windsors. Denn Diana kommunizierte auch auf der emotionalen Ebene mit Menschen.

Titelseite von Montag, 08.09.1997

Mit Blick auf „die da unten“, auf „die Massen“, von denen ein Großteil echte Trauer empfand, könnte man von einem Phänomen sprechen, das religionsgeschichtlich und kunsthistorisch Assoziationen zur „Schutzmantelmadonna“ weckt, einer Darstellung der Maria, die im 13. Jahrhundert aufkam und Maria (oft als Himmelskönigin mit Krone) zeigte, die ihren weiten Mantel ausbreitete und Menschen darunter barg und unter ihren Schutz nahm. So beteten denn die Menschen zu dieser Madonna, wenn sie sich nach Schutz und Geborgenheit sehnten. Und Diana erschien als eine solche Madonna, wenn sie z.B. Minenopfer oder krebskranke Kinder besuchte und ihnen Zuwendung schenkte.

Das waren nicht bloß Gesten für die Kameras, Diana erreichte etwa mit ihrer wirksamen Unterstützung der Kampagne gegen Landminen in Angola und Bosnien, dass einige Monate nach ihrem Tod eine Charta zur Ächtung dieser Waffen geschrieben und von 122 Staaten unterzeichnet wurde.

Ein Jahrzehnt zuvor hatte sie ebenfalls etwas Besonderes erreicht. Sie besuchte ein Londoner Krankenhaus und wendete sich dort Aids-Kranken zu. Unbefangen und furchtlos gab sie ihnen die Hand, setzte sich zu ihnen und unterhielt sich mit ihnen. Das war zu jener Zeit eine Sensation! Wer das damals mitbekommen hat, weiß, wie die Leute über Aids sprachen, und dass sie einen großen Bogen um HIV-Infizierte machten wie um Aussätzige. Das Fernsehen war dabei (Diana nutzte gern auch die Medien für ihre Ziele) und sorgte dafür, dass Dianas Auftreten wahrgenommen wurde. So bewirkte sie, dass das Problem „Aids“ in der Folgezeit anders diskutiert, und dass von Medizinern verstärkt nach Therapien gesucht wurde.

Lady Diana lebensgroß in Madame Tussaud’s, London (Foto: W.R., Mai 1997)

Ihr Einsatz, das kann man sagen, ging über Worte und Gesten weit hinaus. Die weltweite Resonanz erklärt sich auch aus der Hoffnung vieler Menschen, die Reichen und Regierenden möchten aus Einsicht mehr für die Menschen dasein, sich menschlicher zeigen und und sich nicht nur um Machterhalt und noch mehr Reichtum sorgen. So betrachtet war die Welle der Trauer auch eine politische Demonstration: Seht, welch ein Verlust! Solche Menschlichkeit wünschten wir uns mehr bei denen da oben!

Natürlich war Diana kein Engel und keine Göttin, sondern ein Mensch. Ihre Beliebtheit resultierte z.T. auch aus ihrem öffentlich gemachten Leiden in den Ehejahren und an der Kälte des Königshofes. Ehemann Charles kam da schlecht weg, aber in meinen Augen nicht ganz zu Unrecht, wenn er z.B. nach seiner Liebe zu Diana gefragt wurde und in seiner Antwort eher auswich und etwas von „love, whatever that means“ brabbelte. Prince Charles war selbst nicht gerade mit viel Liebe und Zuneigung aufgewachsen und daher wohl nicht der einfachste Partner in einer Beziehung. Diana war anders und legte auch großen Wert darauf, ihren beiden Söhnen Liebe zu geben und sie diese emotionale Wärme spüren zu lassen.

An letzterem mangelt es ja oft: Manche Eltern behaupten, ihre Kinder zu lieben, vermitteln es aber nicht, weder mit Worten noch mit Gesten, Zuwendung und zärtlichen Berührungen. Bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts galt vielen noch als ideale Erziehung, ein Kind nicht zu verhätscheln, sondern auch Härte spüren zu lassen, und noch krasser: Wer sein Kind liebt, der züchtigt es, wurde behauptet. Besonders Väter waren dadurch furchteinflößende Tyrannen. Bei den Nazis, aber auch in englischen Eliteschulen galt die Leitlinie: Gut ist, was hart macht. Man vermittelte damit zugleich auch Verklemmtheit und Angst vor körperlicher Nähe. Diana dagegen steht für einen menschlichen, modernen Umgang mit Kindern. Und das ist gut so.

Ich sah nach dem Wochenende des Trauergottesdienstes: Die Schlagzeile oben hatte recht, überall, wo Blumen für Diana niedergelegt wurden, teils mit ihrem Foto und letzten Grüßen, kamen weiterhin Menschen, um ihre Trauer zu bekunden, und ließen das Blumenmeer weiter anwachsen. Den Skeptikern, die darüber den Kopf schüttelten, kann man mit einem Goethe-Zitat nur sagen: „Wenn ihr’s nicht fühlt, ihr werdet’s nicht erjagen.“

W. R.

Der Grantler meint…

Das hältst du im Kopf nicht aus: Den Diesel kriegen sie nicht sauber, auf dem „Diesel-Gipfel“ haben sie nicht viel zustande gebracht, aber gemeinsam kreischen sie: „Bloß keine Fahrverbote in Innenstädten!“ Ist ja gerade Bundestagswahlkampf, da muss man etwas lauter tun, als ob man was täte… Ja, so sieht sie aus, die „Blaufront“ von Automobilwirtschaft und Politik.
„Blaufront“: Sie versprechen das Blaue vom Himmel herunter, die Autobauer erfinden schöne Etiketten wie „bluetec“ und „blue motion“, die nach sauberer Luft unter blauem Himmel klingen sollen (Die Zigaretten-Werbung hat’s vorgemacht: gesundes Rauchen). Was hinter schönen Werbebildern wirklich passiert, ist nun allseits bekannt.
Den Bewohnern größerer Städte und den Anwohnern an Hauptverkehrsstraßen kann man nur raten: Flach atmen! Und zu Hauptverkehrszeiten nicht lüften, sondern Fenster und Türen geschlossen halten, bis die schlechte Luft ein wenig verweht ist („Bis die Gefahr vorüber ist“, kann man leider nicht sagen).
So bleiben in unserer Republik manche Dinge so lange auf dem Tisch liegen (oder unter dem Teppich, wo sie hingekehrt wurden), bis es zum Himmel stinkt. Weiterlesen

Reformation und Lutherjahr

Luther-Statue im Berliner Dom

 In diesem Jahr 2017 feiert Deutschland nicht nur das Jubiläum „500 Jahre Reformation“, die Stadt Frechen im Besonderen feiert auch „300 Jahre Evangelische Kirche in Frechen.“ mehr >Jubiläumsjahr 2017 – Geschichte im Überblick – Evangelische Kirchengemeinde Frechen

Wie nicht nur Historiker wissen, sind das keine rein religions- und kirchengeschichtlichen Daten — vielmehr fand die Reformation in Deutschland (das es politisch nicht gab) wie auch im Rheinland in einem politischen Spannungsfeld statt; sie verwob sich untrennbar mit der politischen Entwicklung Europas, des Heiligen Römischen Reiches, und der Territorien. Das zeigt sich auch beim Blick auf die konkrete Situation im Rheinland: Köln, genauer: der Rat und die tonangebenden Familien der Freien Reichsstadt, wehrten sich mehrheitlich gegen den Geist der Reformation, sodass protestantisch gesinnte Menschen den Gottesdienst außerhalb Kölns aufsuchen mussten, in Frechen oder Bachem (das heute zu Frechen gehört). Dort hielt der Landesherr, der Herzog von Jülich, seine schützende Hand über die Minderheit der Lutherischen, und ließ sie gewähren.

Köln dagegen erwarb sich den Ruf der „papistischsten Stadt Deutschlands“, wo besonders die Universität im 16. Jahrhundert zur konservativen Hüterin des Katholizismus wurde. Ein Versuch des Kurfürsten des Erzstifts Köln, sein Territorium in die Reformation zu führen, mündete in den Truchsessischen Krieg, der das Experiment beendete. Welche Gebiete katholisch und welche protestantisch blieben oder wurden, hing fortan von den politischen Machtverhältnissen ab. Die Untertanen durften ihre Konfession nicht frei wählen, sie mussten sie sogar wechseln, wenn der Landesherr es bestimmte. Selbst nach dem unsäglichen Dreißigjährigen Krieg (1618-48) blieb diese Regelung bestehen. Religiöse Toleranz kam erst später auf, etwa als in Preußen ab 1740 König Friedrich II. regierte.

Als Luther 1517 seine 95 Thesen gegen den Ablasshandel und für eine Kirchenreform veröffentlichte, ging es um Glaubensfragen.* Das Jahr 1517 gilt als Beginn der Reformation, es ist ein Epochenjahr: Hier kam eine Bewegung in Gang, die Deutschland und Europa veränderte.

Zeitungs-Ausriss zum Beginn des Luther-Jahres

Geht uns nix an? Doch, zumindest haben wir in Deutschland einmalig in diesem Jubiläumsjahr 2017 einen zusätzlichen allgemeinen Feiertag: den 31. Oktober, den Tag der Thesenveröffentlichung, daher „Reformationstag“. Übrigens: Schon damals zeigte sich, was das neue Massenmedium des Buchdrucks bewirken konnte: Die Schriften Luthers wurden von Druckern eifrig ins Land getragen und hatten großen Anteil an der Verbreitung von Luthers Gedanken in der Bevölkerung.

W. R.

* Noch immer streiten Wissenschaftler darüber, ob Luther sein Thesenpapier an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg nagelte oder nicht. Fakt ist: Das Papier war Grundlage für eine akademische Disputation, und eine solche konnte durchaus im Kirchenraum stattfinden. Vorstellbar, dass die Thesen für Disputanten und Interessierte auch an der Tür befestigt wurden. Sie waren in Latein abgefasst und schon von daher an akademische Kreise gerichtet (An Universitäten war die Unterrichtssprache bis ins 18. Jahrhundert Latein). Die Thesen selbst wurden auch nicht für ein breiteres Publikum gedruckt, erst sehr viel später erschien eine deutsche Version.

Hooligans in Hamburg

           wenig Hirn und viel Gewalt

Der G20-Gipfel in Hamburg geht zu Ende, Rauchschwaden der Ausschreitungen angereister Hooligans verfliegen, und der Streit um die richtige Polizei-Taktik geht weiter. Schon Tage zuvor beklagten sich Teilnehmer an Protest-Aktionen über das Verhalten der Polizei. Doch lasse ich das nicht als Ausrede gelten, um das Verhalten der Hooligans vom „Schwarzen Block“ zu rechtfertigen oder auch nur zu relativieren. Die Randale-Touristen haben mit Politik und begründetem Protest nichts am Hut. Das Demonstrationsrecht ist Teil des Rechts auf freie Meinungsäußerung und kein Freibrief für selbsternannte Rächer der Unzufriedenen und Benachteiligten, um brennend und plündernd durch Wohnstraßen zu ziehen und wahllos Eigentum auch „kleiner Leute“ zu zerstören. Das ist pubertäre Gewalttätigkeit, die niemand als politische Äußerung ernst nehmen kann. Mehr ->https://daily.spiegel.de/news/gewalt-beim-g20-gipfel-kampf-den-zwerghasen-a-18684
Man wüsste gern mehr über den ernstzunehmenden Protest, seine Anliegen, seine Begründungen.* Doch die Medien, na klar, bringen Bilder von Krawall und Gewalt, von der Kaperung der Demos durch vermummte Schwarzer-Block-Kämpfer, die so tun, als wären sie Teil des Protestes. Sind sie aber nicht. Sondern sie sind eher ein Anlass für die Polizei, den Protest insgesamt zu stoppen und aufzulösen. Das führt zu falscher Frontbildung und macht den friedlichen Protest kaputt, er geht fast unter in den Medien.
Schon Wochen vor dem G20-Gipfel fanden konzertierte Anschläge auf Anlagen der Deutschen Bahn statt und behinderten den Zugverkehr für die Bevölkerung. Was sollte das? Von einer auch nur ansatzweise verständlichen Begründung habe ich nichts gehört. Aber mir war klar: Das ist kein politischer Protest, das ist nur Sabotage, wenn nicht im Ansatz schon Terrorismus, mit der simplen Begründung: „Wir können es, also machen wir es. Wen das trifft, interessiert uns nicht.“ Sowas kann schon deshalb keine politische Aktion sein, weil man damit die Bevölkerung nur gegen sich aufbringt. Wo ist der Unterschied zu den Hooligans in und an Fußballstadien? Die wollen auch nur Krawall und Gewalt als Selbstzweck. Und verursachen erhöhten Einsatz von Steuergeldern für Polizei-Einsätze.
Es sieht aber nicht so aus, als könnte man den Adrenalin-Junkies unter den Hools mit Argumenten kommen. Vielleicht sind die zu sehr von ihrem Darm gesteuert (vgl. Beitrag „Homo Sapiens“?).

W. R.

* Wer nach den sachlichen Kritikpunkten am G20 fragt, erhält vielleicht Hinweise durch folgende Links:  1. Interview mit  Heike Löschmann von der Heinrich-Böll-Stiftung >G20-Kritik: „Ein Durchregieren der Großen und Starken“ – heute-Nachrichten ; 2. Statements auf der Attac-Homepage >Attac Deutschland – Startseite – Attac Deutschland  – www.attac.de    Dies zur Information, als Beispiele für die kritischen Standpunkte.

„Homo Sapiens“?

Der Mensch hängt am Gewohnten, und deshalb ist er manchmal auch geistig träge. Das muss Jeder zugeben, der auch nur einen Funken Selbstkritik aufbringen kann. So weigert der Mensch sich oft, Neues zur Kenntnis zu nehmen, und findet es zu mühsam, es in sein Weltbild zu integrieren. Manche empfinden es schon als Zumutung, ihre Meinung und ihr Urteil zu überprüfen, weil sie sich für unfehlbar halten (Alles Idioten außer mir!).
Infolgedessen treffen wir oft Menschen an, die mental in vergangenen Zeiten hängengeblieben sind und die Veränderungen in der Welt erst leugnen, dann verurteilen; die sich kategorisch dagegen wehren, ihre längst zu Vorurteilen verkrusteten Ansichten zu überdenken. Das Phänomen kennt jeder, nimmt es aber meist nur an Anderen wahr.
Aber es gibt Unterschiede: Die Hardcore-Rechthaber laufen z.B. in Pegida-Demos mit und fordern ein Zurück in eine rückwärtsgewandte Utopie; sie sammeln Wehrmachts-Militaria und dekorieren damit die Wände in ihrer Bundeswehr-Kaserne; sie fordern „Grenzen dicht!“ und wettern gegen die Globalisierung; sie suchen Zuflucht in der scheinbar kuscheligen Wärme völkischen Bio-Deutschtums…
Typisch dabei ist, dass sie z.B. ausblenden, welche Vorteile auch sie persönlich durch Globalisierung und Einwanderung genießen, dass Deutschland insgesamt von der EU wie vom zugänglichen Weltmarkt ganz schön profitiert. (Toll, die T-Shirts für zwei Euro! Warum die bei uns so billig sind? Keine Ahnung.)
Und sie blenden aus, welche teuer und blutig erkauften Erfahrungen wir Deutschen mit völkischen Vorstellungen, Rassismus, und nationalistischer Überheblichkeit gemacht haben.
Deshalb ist ihnen auch nicht klar, wie schnell man mit Retro-Parolen eine Diktatur der Mehrheit über Minderheiten herbeireden kann, und wie schnell aus nationalistischem Gesülze und Säbelrasseln eine Kriegsgefahr heraufziehen kann. Selbst Erfahrungen aus jüngster Vergangenheit wie im zerfallenen Jugoslawien in den 1990er Jahren werden da nicht zur Kenntnis genommen, gar nicht zu reden von der Krim und der Ost-Ukraine…
Und wenn wir ins eigene Land schauen, dann graut es jedem Demokraten bei manchen Äußerungen jenes Voll-Horst in Bayern und seinen Parteigenossen, und es gruselt ihm bei der wiederaufgewärmten Diskussion um den Begriff „deutsche Leitkultur“, die, man glaubt es kaum (oder doch?), vom deutschen Innenminister entfacht wurde.
Es will einfach in manchen Köpfen nicht heimisch werden: Das Grundgesetz als demokratische Verfassung geht eben nicht von völkischen Leitgedanken aus, sondern ganz klar vom Prinzip der allgemeinen Menschenrechte, die für alle Menschen gelten. Das steht in Artikel 1 und ist näher ausgeführt in den folgenden Grundrechten. Da steht aber auch rein gar nichts von besonderer Bevorzugung biologischer oder anderer Merkmale.
Das ist den Völkischen und Rechtsaußen natürlich ein Dorn im Auge, und deshalb versuchen sie, die Bundesrepublik als Staat verächtlich zu machen, wärmen uralte Nazi-Parolen auf und zielen darauf ab, die Legitimation dieses Staates zu untergraben. Da kommen z.B. sogenannte Reichsbürger daher und behaupten unverfroren, wir lebten juristisch noch im Deutschen Reich, und verspotten die BRD als „GmbH“. Nimmt man das ernst, muss man erkennen, dass sich da ein paar Besserwisser etwas zusammengestrickt haben und das als oberschlauen Durchblick verkaufen — wohl wissend, dass 99% der Bevölkerung das gar nicht überprüfen können und daher einige darauf hereinfallen werden, sofern es nur überzeugend und laut vorgetragen wird.
Was für einen Staat wollen solche Leute? Einen, wo die Maschinengewehre rattern und alles in Scherben fällt? Ja, geht’s euch zu gut?
Wenn’s dem Esel zu wohl wird, geht er auf’s Eis. Dieser alte Spruch benennt die alte Erfahrung,

Detail am Portal der Ringschule in Frechen (Oomssche Keramik)

dass es immer Menschen gibt, die, sei es aus Langeweile oder Leichtsinn, zum Zündeln neigen und dann sehen wollen, was passiert und wieviel Unheil sie anrichten.
Und dazwischen rennen heutzutage noch ein paar Blödiane herum, die alles mit dem Handy filmen wollen und den Rettungskräften schamlos im Wege stehen. Daran sieht man: Die Esel und Egoisten werden nicht alle. Im Zweifel hilft nur, konsequent dagegen einzuschreiten.
Der Mensch, von Wissenschaftlern vor langer Zeit „homo sapiens“ getauft, hat eben so seine Defekte. Er mag ja „sapiens“, also weise oder wissend sein, oder, wie es auch heißt, „vernunftbegabt.“ Aber diese Selbsteinschätzung hat eben auch ihre Defekte. Wissenschaftler vertreten seit Kurzem die Ansicht, dass wir nicht nur von unseren Hirn gesteuert werden, sondern auch von unserem Darm. Und dann setzen einige noch eins drauf und verkünden, dass eine dritte Instanz auch noch mitredet: die Darmbakterien.
Bis zu drei Gehirnen? So etwas kann einen schon ins Grübeln bringen. Wer hätte nicht schon einmal gedacht, wie schwer es doch ist, alte Gewohnheiten abzulegen, und wer hätte nicht schon einmal geseufzt, wenn er in mit viel Willensstärke überwundene Unarten zurückfiel?
Ist das jetzt eine Entschuldigung für alle Konservativen und Retro-Utopisten, und für alle, die sich ändern wollten und es aufgegeben haben? Sollen wir uns ganz dem „Bauch“ überlassen, dem Darm und der Bakterien-Flora unsere Entscheidungen überlassen (oder unterschieben)? Im Abendland war man einmal stolz auf die fortschrittlichen Denker, z.B. auf einen Descartes, der den Satz prägte: „Ich denke, also bin ich.“ Sollen wir in Zukunft sagen: „Ich verdaue, also bin ich“?
Dann wird man womöglich im Abendland bald den lauten Rülpser höher schätzen als einen klugen Ausspruch. Na, dann Prost Mahlzeit! Dann können wir uns keine intelligenten Talkshows und Diskussionen mit einem gewissen geistigen Niveau mehr anhören, um „food for thought“ mitzunehmen und uns am Mitdenken zu erfreuen, sondern dann wird zumindest das bayrische Fernsehen nur noch Dauer-Livesendungen aus den Bierzelten des Oktoberfestes ausstrahlen, das von irgendeinem Vollhorst eröffnet wird mit den Worten „Ich rülpse, also bin ich“ — und dafür tosenden Applaus erntet.

Bin ich jetzt zynisch, gönne ich den Leuten ihr harmloses Vergnügen nicht? I wo, ich habe eher eine Portion Mitleid mit den Menschen, sie sind mir nicht unsympathisch. Und: Ich schließe mich selbst nicht aus, wenn ich auf Defekte des Homo Sapiens hinweise. Mehr noch: Ich ziehe nicht einfach nur her über Menschen, die in unserer Welt der Beschleunigung, des schnellen Wandels, der Informationsflut mental nicht Schritt halten und sich überfordert fühlen. Ich versuche sie zu verstehen — wie ich überhaupt meist versuche, jemanden oder einen Sachverhalt zu verstehen, ehe ich darüber urteile. Und schließlich bin ich selbst jemand, der noch im analogen Zeitalter aufgewachsen ist und sich nur zögerlich mit der digitalen Welt anfreunden kann. Andererseits bin ich gewohnt, in Zusammenhängen zu denken und Vieles zu hinterfragen. Und mich nicht nur für ein Schmalspur-Thema zu interessieren. So verschaffe ich mir einen weiteren Horizont. Doch manchmal beneide ich fast diejenigen Leute, die scheinbar unbelastet von Wissen und Grübeln ganz unmittelbar das Leben genießen. Als Rheinländer kann ich das mit Hilfe von Alkohol im Karneval ganz gut. Aber sonst?

Der Rheinländer Konrad Adenauer sagte einmal den weisen und zugleich pragmatischen Satz: „Man muss die Menschen nehmen, wie sie sind. Andere haben wir nicht.“ Also muss man auch den Homo Sapiens nehmen, wie er mit gewissen Defekten ist, oder soll man besser sagen: wie er mit seinem Darm und seinen Bakterien ist. Und mit seiner Portion Selbstüberschätzung und Egozentrik. Und dass er am Gewohnten hängt, weil ihn Veränderungen manchmal ängstigen, oder schlicht überfordern.

W. R.

Nachtrag 15.05.17: Weil der Mensch am Gewohnten hängt, müsste er sich eigentlich viel mehr Sorgen um seine Umwelt machen, die Klimaveränderung müsste ihn ängstigen — doch leider scheint es ihn zu überfordern, die globalen Zusammenhänge wahrzunehmen und sein eigenes, kleines Umfeld gedanklich ins große Ganze einzuordnen.

Es gibt auch zuviele Ablenkungen, die ihn am ruhigen, gründlichen Nachdenken hindern, und es gibt egoistische Profitinteressen, die langfristiges, vorausschauendes und nachhaltiges Planen und Handeln bei uns Konsumenten sabotieren, um schnelle Gewinne zu machen. Und es gibt den unsäglichen Donald Trump, Prototyp eines dummschwätzenden Populisten und Egozentrikers, dem völlig egal ist, welchen Mist er den Leuten erzählt, wenn sie ihn nur wählen.

Man muss erst sehen, dass Insekten immer weniger werden und kaum noch Bienen unsere Obstbäume bestäuben, damit bei einigen Menschen eine Warnlampe aufleuchtet. Der Rest tanzt weiter auf dem Vulkan und meint, das werde schon gut gehen, und man könne weitermachen wie bisher.

Peter Berthold schreibt vorn in sein Buch Unsere Vögel (2017): „Dieses Buch ist all denjenigen gewidmet, die sich nicht entmutigen lassen, von unserer wunderbaren Natur so viel wie möglich in die Zeit nach homo horribilis hinüberzuretten.“ Mit Homo horribilis (schrecklicher Mensch) meint er den Teil der Art homo sapiens, der wie oben gesagt, unsensibel, gedankenlos und egoistisch die Natur mit Füßen tritt. Und er hofft offensichtlich, dass es eine Zukunft geben wird, in der homo sapiens seinen Verstand gebraucht und den hohen Wert der ihn umgebenden Natur erkennt, um sie zu schonen und zu bewahren, ehe das meiste davon zerstört ist.

Arthur Schopenhauer schrieb bereits im 19. Jahrhundert: „In dieser Welt leben die Tiere in der Hölle, und die Menschen sind ihre Teufel.“

Homo Sapiens hat alles im Griff...

Egal ob Sie sich nun als homo sapiens sehen oder überlegen, inwieweit Sie (zumindest aus der Sicht von Mitgeschöpfen) eher ein Teufel bzw. homo horribilis sind — Selbstüberschätzung ist der sicherste Weg in die (unbemerkte) Manipulation durch Andere. Wer glaubt, HerrIn seines/ihres Willens und seiner/ihrer Entscheidungen zu sein, sehe sich vor: Hochmut kommt vor dem Fall. Nicht nur Darm und Darmbakterien reden mit, es kommt vielleicht noch hinzu, dass Sie von außen manipuliert werden. Ja, Sie, Sie da am Smartphone, und am Computer! Kann nicht sein, denken Sie, ich habe alles unter Kontrolle. Moment mal, vielleicht haben Sie noch nicht von Captology gehört, von den Methoden, Sie zu steuern, ohne dass Sie es bemerken: Sie sollen erst handeln, dann denken — oder das Denken gleich unterlassen. Mehr dazu >Digitale Überredungstechnik lässt Menschen nach ihrer Pfeife tanzen – SPIEGEL ONLINE

March for Science

Am 22.04.2017 kann die Freie Universität Frechen nicht umhin, auf den March for Science hinzuweisen: Das Thema Wissenschaft statt gefühlte Wahrheiten hat ja in letzter Zeit an Aktualität zugenommen. Wer für Bildung und Aufklärung ist, kann daher nur zustimmen, wenn gerade Demokraten auf die Bedeutung gesicherter Fakten verweisen. Mehr >Science March Germany

Und es wurde dabei auch an Wissenschaftler appelliert, ihre Erkenntnisse nicht allein FachkollegInnen mitzuteilen, sondern sie mehr als bisher auch unters „Volk“ zu bringen, d.h. in verständlicher Form der Offentlichkeit zu kommunizieren.

Es gibt in Deutschland (anders als in den angelsächsischen Ländern) ja immer noch Vorbehalte dagegen, die hehre Wissenschaft allgemeinverständlich zu publizieren. Man bleibt lieber im Elfenbeinturm einer in sich kreisenden Wissenschaft, wie es z.B. die Philosophie an den Universitäten noch weitgehend ist. Wie sonst wäre zu erklären, dass es Kritik an einem Mann wie Richard David Precht gab, der Philosophie auf verständliche Sprache herunterbricht und sogar in phantastischer Weise in der Lage ist, lange, fundierte Vorträge frei, d.h. ohne Redepapier vor einem Saal-Publikum zu halten. Precht sitzt gelegentlich auch mal in einer Fernseh-Talkshow, und seine Redebeiträge sind so klar, verständlich und begründet, dass er oft mit wenigen Sätzen das Thema der Sendung schon umfassend behandelt, während andere Teilnehmer sich z.T. in Phrasen ergehen und/oder sich auf politisches Hickhack einlassen.

Das musste bei dieser Gelegenheit einmal gesagt werden. Precht bekam wegen seiner Verdienste, Wissenschaft in einem guten Sinne zu popularisieren, für eins seiner früheren Bücher bereits den Animus-Preis (siehe >F.U.F.-Bibliothek).

Ein Beispiel, wie wissenschaftliche Erkenntnisse in konkrete Praxis und produktives (im Gegensatz zu destruktivem) Verhalten umgesetzt werden können, findet sich hier: >Bildung für nachhaltige Entwicklung | Greenpeace

Es geht also! Man muss nur aus dem schluffigen Trott des Altgewohnten herauskommen und an den richtigen Stellen Mut zur Veränderung aufbringen.

W. R.

Übrigens: Im Juni findet wieder die phil.cologne statt. Mehr >Startseite | phil.cologne