This wooden O

„This wooden O“: Shakespeare, and all that jazz

Clock tower with Big Ben, seen from Westminster Pier by the Thames river in the evening sun

Auf dieser Unterseite erscheint viel Britisches, aber auch Literarisches, oder sagen wir besser: Kulturelles, das mit den Britischen Inseln, mit der englischen Sprache, mit Vielem zu tun hat, was Anglisten, Anglophile, Historiker, Theaterinteressierte, Reisefreudige usw. aufhorchen und genauer hinschauen lässt.
Damit Sie hier nicht zuviel vorfinden, was Sie anderswo schon genauso gelesen und gesehen haben, werden an geeigneten Stellen Links gesetzt, die zu Internet-Seiten führen, auf denen sich schon Andere qualifiziert und/oder originell zu Themen dieser Unterseite geäußert haben. Solches müssen wir hier nicht paraphrasieren und wiederkauen.
Eine Frage vorweg: Sind Sie des Englischen soweit mächtig, dass Ihnen die Lektüre längerer englischer Texte keine besondere Mühe macht? Kurze Angaben oder Zitate, wie nebenstehende Bildunterschrift, werden die BesucherInnen dieser Unterseite sicher mühelos verstehen. Wer aber im Englischen zu den Fortgeschrittenen gehört, also „a good command of the English language“ besitzt, mag sicher gerne auch auf englischsprachige Beiträge zu den Themen dieser Unterseite zugreifen.
Daher setzt der S.R. hier einen link zu einer Seite, die sich „ThoughtCo“ nennt und zum Themenbereich Shakespeare eine Menge Beiträge in englischer Sprache bietet, die über das Allgemeinwissen hinausreichen, aber keine wissenschaftlichen Abhandlungen sind (und also allgemeinverständlich formuliert). Da bleibt noch genug zum Nachforschen übrig für diejenigen mit größerem Wissensdurst:  Everything You Need To Know About Shakespeare Plays .
Wer sich eher auf das Inhaltliche konzentrieren will und das in deutscher Sprache, ist hier ebenfalls gut aufgehoben: Wie Sie sehen, wird diese Unterseite deutschsprachig gestaltet. Auch die unten eingestellte Arbeit über Skakespeares Bezug zu Geschichte und Politik seiner Zeit ist in Deutsch geschrieben.
Anglophil? Kann man das noch sein, wenn die Briten den „Brexit“ durchführen und aus der EU austreten? Langsam! 1. „Die Briten“ sind durchaus nicht alle für den Brexit. 2. Die Propaganda der Brexit-Kampagne im Vorfeld der Abstimmung operierte teils mit handfesten Lügen über Nachteile der Mitgliedschaft des United Kingdom (UK) in der EU. 3. Die Bevölkerung wurde massiv durch einen Großteil der Presse gegen die EU aufgehetzt, vor allem durch Blätter des Medienzars Rupert Murdoch. 4. Ein Teil der jungen Generation, vor allem der Gebildeten, hielt einen Sieg der Brexit-Befürworter für so unwahrscheinlich, dass sie gar nicht erst abstimmte. Siehe dazu >Blog, „Ein rabenschwarzer Tag für die EU“, Juni 2016.
Man/frau kann dem ganzen Brexit-Knatsch auch etwas Positives abgewinnen: Hier ein Beispiel > (2)Kolumne von Carolin Emcke: Ironie – Politik – Süddeutsche.de
Das ganze Brexit-Desaster (das nicht nur für die EU, sondern auch für das UK mehr Nachteile als Vorteile bringen dürfte), ändert rein gar nichts an den Dingen, die wir schon vorher an den Britischen Inseln und ihrer Sprache schätzten und liebten. Darum nennen wir diese Unterseite ganz bewusst „This wooden O“. Viele von Euch wissen sofort, was gemeint ist: In einem Skakespeare-Stück wird auf

This wooden O: The Globe Theatre, Replica, London 1997

das Theater Bezug genommen, das seinerzeit ein hölzerner Rundbau war (Henry V, Act I, Prologue, 14). Wer in London den Nachbau des „Globe“ gesehen hat, hat eine Vorstellung davon — oder schaut auf die Homepage und gewinnt Einblicke von oben und von innen: Home / Shakespeare’s Globe . Aber auch in Neuß bei Düsseldorf gibt es einen solchen Theaterbau nach historischem Vorbild, wo Shakespeare-Dramen aufgeführt werden. Näheres >Shakespeare Festival im Globe Neuss 7. Juni bis 7. Juli 2018

William Shakespeare — ein großer Name. Doch wer genau steckt dahinter?  Immer mal wieder wird spekuliert: War er wirklich der offiziell als der Mann aus Stratford-upon-Avon gerühmte „Swan of Avon“? Die wahre Identität wollen Manche aufgedeckt haben und schreiben seine Werke anderen Zeitgenossen zu. Dieser Frage ging W. R. in einem Blog-Beitrag im April 2014 nach, der nun auf dieser Unterseite von fu-frechen.de einen Platz findet:
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Skakespeare!

127+Zum 23. April, dem Welttag des Buches, darf ein Beitrag nicht fehlen, der das Shakespeare-Jubiläum 2014 zum Anlass nimmt, dem großen Sohn Englands zu huldigen und, da der 23. 04. sein mutmaßlicher Geburtstag ist, einen Blick auf die Person William Shakespeare zu werfen. Wenig ist tatsächlich bekannt, d.h. zweifelsfrei durch die historische Forschung gesichert. Wer sich die bekannten Fakten und Vermutungen nochmals in einem guten Überblick ansehen möchte, kann z.B. diesen Link anklicken: http://www.dieterwunderlich.de/William_Shakespeare.htm

Die meisten Besucher von fu-frechen.de haben sicher schon vom Mann aus Stratford-upon-Avon gehört, der als Schauspieler, Autor und Mitbesitzer eines Theaters in London bekannt wurde und sich später in seinem Heimatort zur Ruhe setzte, in dessen Kirche er auch seine letzte Ruhestätte fand.

Ein Bildnis von W. S.

Man will sich natürlich ein Bild von ihm machen: Wie sah er aus? Doch was auf den ersten flüchtigen Blick einfach erscheint, entpuppt sich bald als Problem. Es gibt zwar drei bekannte Bildnisse, die W. S. zeigen sollen, aber sie sehen doch verschieden aus (Abb. siehe engl. Wikipedia-Seite http://en.wikipedia.org/wiki/William_Shakespeare ):

1. Die Grabbüste. Einige Zeit nach seinem Tod (1616), aber vor 1623, wird auf dem Grabmal in der Trinity Church in Stratford eine Büste aufgestellt, die W. S. in typischer Dichterpose mit Feder in der Hand zeigt. Dieses Abbild, in seinem heutigen Aussehen, „vermittelt den Eindruck selbstzufriedenen Spießertums“ (Schabert* S. 181), womit sich gerade die Verehrer des Dichters nicht anfreunden konnten und können. Außerdem wurde es im Laufe der Zeit mehrfach verändert, sodass es womöglich nicht in seinem ursprünglichen Aussehen erscheint. Das Bemühen des 18. Jahrhunderts, sich ein würdigeres Bild anstelle jenes Grabmonuments zu formen, erkennt man deutlich in der steinernen Figur des Ehrenmals in Westminster Abbey in London (1741), siehe http://www.westminster-abbey.org/our-history/people/william-shakespeare .

2. Der Droeshout-Stich. Jedem dürfte dieses Bild schon einmal begegnet sein, es ist die meist gezeigte historische Illustration zur Person Shakespeares. Aber zeigt dieser Kupferstich vorn in der First-Folio-Ausgabe von Shakespeares Werken (1623) wirklich lebensnah den Dichter? Der ausführende Künstler Martin Droeshout war beim Tod des Dichters 15 Jahre alt und hat ihn womöglich nie selbst gesehen. Das Bild befriedigt jedenfalls auch nicht die Erwartungen an ein künstlerisch anspruchsvolles Abbild: „Der Droeshout-Stich (…) ist von überwältigender Mittelmäßigkeit. Er stimmt vorne und hinten nicht.“ (Bryson** S.12)

Die beiden Darstellungen 1. und 2. „sind authentisch nur insofern, als sie tatsächlich Shakespeare meinen und möglicherweise auf mündliche Instruktionen von Auftraggebern zurückgehen, die ihn kannten.“ (Suerbaum*** S.14)

3. Das Chandos-Porträt. Dieses Gemälde aus der Zeit Shakespeares zeigt einen Mann um die 40 mit Ohrring, Bärtchen und hoher Stirn. Es kam 1747 in den Besitz einer Familie Chandos, daher der Name. Dieses Gemälde wurde 1856 der National Portrait Gallery in London geschenkt; dass es Shakespeare darstelle, wurde sofort angezweifelt, weil es nicht der damaligen Erwartung an das Erscheinungsbild des großen Dichters entsprach. Leider kann nicht zurückverfolgt werden, ob es wirklich „Englands größten Barden“ oder einen Zeitgenossen darstellt.

4. Das Cobbe-Porträt. Seit Neuestem steht ein weiteres Bildnis des Dichters zur Auswahl: das sogenannte Cobbe-Porträt, wie das Chandos-Porträt nach der Familie benannt, in deren Besitz es lange Zeit war. Man vermutet, dieses Bild könnte Droeshout als Vorlage oder Anregung für den Stich (→ 1.) gedient haben. Mehr> The UK’s leading expert on Tudor portraiture gives her verdict on the Cobbe portrait of Shakespeare | Culture | The Guardian

Im englischen Wikipedia gelangt man auf http://en.wikipedia.org/wiki/Portraits_of_Shakespeare zu einer Bildergalerie, die eine Auswahl von 12 Porträts zeigt, darunter auch zweifelhafte und zweifelsfrei gefälschte.

Fazit der Bilderschau: Wir haben also bis zu vier Porträts, die als lebensnahe Bildnisse zur engeren Wahl stehen, wissen aber nicht, wie W. S. wirklich ausgesehen hat. Darum habe ich mir selbst ein Bild gemacht, angelehnt an 2. und 3., und die Zeichnung oben am Beginn dieses Beitrags eingefügt. –

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War Shakspere überhaupt „Shakespeare“?

Verschiedene Theorien behaupten, dass die weltberühmten Dramen und Dichtungen gar nicht von besagtem William Shakespeare aus Stratford stammen könnten, der ein frühes Dokument mit „Shakspere“ unterschrieb (Die heute übliche Schreibweise hat W. S. nicht benutzt, dafür in jeder uns bekannten Signatur eine andere Variation). Die Autorenschaft seiner Werke wird stattdessen diversen mehr oder weniger prominenten Zeitgenossen zugeschrieben: Marlowe, Bacon, u.a.

Als Mark Twain Europa bereiste und 1873 in Stratford Station machte, fand er die Grabbüste auch derart unpassend, dass er sich mit der Identität Shakespeares näher befasste: Sein Essay „Is Shakespeare dead?“ erschien 1909, worin er das Testament des W. S. aus Stratford zerpflückt und findet, das sei der letzte Wille eines Geschäftsmannes ohne den geistigen und emotionalen Hintergrund des großen Dichters. Twain favorisiert Francis Bacon als Autor der weltberühmten Werke.

Der Kinofilm „Anonymous“ von 2011 geht von dem Adligen Edward de Vere (1550-1604) als Autor aus, der sich des Schauspielers W. S. als Strohmann und Pseudonym bedient habe, da er selbst, als Adliger am königlichen Hof, nicht als Dichter für das öffentliche Theater habe in Erscheinung treten dürfen. Der Kandidat wurde erstmals 1920 ins Spiel gebracht und hat Manches für sich, selbst ohne den o.g. Film. In aller Ausführlichkeit behandelt diese Theorie Kurt Kreiler****.

Sigrid Löffler fasste 2001 die Lage sehr gut zusammen:

Der Barde aus Stratford ist in den letzten Jahren wieder ins Gerede gekommen (im Gespräch ist er als weltweit meistgespielter Dramatiker sowieso immer). Im Lichte neuer Theorie-Moden, die „Shakespeare“ als Sammelnamen für viele Autoren-Einflüsse deuten, machen auch alte Ketzer-Thesen wieder Karriere, die dem Biedermann aus Stratford das geniale Werk nie zutrauten und mit anderen Verfassern liebäugelten. Shakespeare-Detektive sind allenthalben an der Arbeit. Die einen wollen wissen, wo der Barde in den sieben „verlorenen Jahren“ gesteckt hat, die anderen rufen Edward de Vere zum wahren Shakespeare aus.*****

Doch die Frage nach der Person Shakespeares, mit all ihrem spekulativen Reiz, tritt zurück hinter dem Werk dieses William Shakespeare, wer immer sich auch als Person hinter diesem Namen verbirgt. Wir können uns glücklich schätzen, dass Freunde 1623 die Werke als Buch herausgaben, denn Vieles aus den Federn seiner Zeitgenossen ist nicht erhalten.

W. R.

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* Ina Schabert, Shakespeare-Handbuch. Stuttgart 1972
** Bill Bryson, Shakespeare wie ich ihn sehe. München 2008
*** Ulrich Suerbaum, Der Skakespeare-Führer. Stuttgart 2001
**** Kurt Kreiler, Der Mann, der Shakespeare erfand: Edward de Vere, Earl of Oxford. Berlin 2011; eine Rezension dazu: William Shakespeare: Das Geheimnis des Genies – Kultur – Tagesspiegel
***** Sigrid Löffler im Editorial zu: LITERATUREN: Das Journal für Bücher und Themen. Hrsg. Friedrich Berlin Verlag. Nr. 3/4 (Doppelheft), März/April 2001, S. 1
28kIn dieser Ausstellung des MAK ist u.a. das Kölner Exemplar des First Folio zu sehen (bis 27.07.2014). 
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Diesem Beitrag aus dem Shakespeare-Jubiläumsjahr 2014 folgt ein längerer Aufsatz über den historischen und politischen Hintergrund, mit dem Shakespeare und seine Werke, darunter besonders die History Plays, verwoben sind. W. R. schrieb als Student im Jahr 1974 eine Hauptseminar-Arbeit, die noch heute lesenswert erscheint. Ihr Titel ist etwas sperrig, der Textinhalt aber ist leichter zu genießen:

„Studien zum politischen Bewusstsein der Elisabethaner, insbesondere des Theaterpublikums von Shakespeares Historien“

anklicken: shakespeare.pdf

W. S. leibhaftig in Wachs bei Mme. Tussaud

Die „Elisabethaner“ im Titel dieser Schrift sind schlicht die Engländer, die zur Zeit von Queen Elizabeth I lebten. Die Königin aus dem Hause Tudor regierte von 1558 bis zu ihrem Tode 1603. Auch sie steht lebensgroß als Wachsfigur im Festornat im Kabinett der Madame Tussaud in London (siehe Foto rechts). In ihrer Regierungszeit scheiterte die spanische Armada (1588), ausgesandt zu einer Invasion Englands, um das Land zurück zum Katholizismus zu führen.

Nach der Lektüre der Abhandlung von W. R. werden Viele feststellen: Dies ist ein interessanter, zum Weiterdenken anregender Beitrag zur Kulturgeschichte nicht nur der Britischen Inseln…