„Die Beatus-Chronik“

Allegorische Darstellung der „Universitas Frekenae“, nach einer Buchmalerei Anf. 14. Jh.

Das hat Frechen noch nicht gesehen und Köln noch nicht gehört: Eine mittelalterliche Chronik enthüllt den bislang unbekannten Plan aus dem Beginn des 14. Jahrhunderts, in Frechen eine Universität zu gründen. Erfunden? Gelogen? Gefälscht? Oder sieben Jahrhunderte lang ignoriert, beiseite geschoben, vertuscht, totgeschwiegen, und vergessen?

Im Abgleich mit dem Stand der historischen Forschung zeigt sich, dass die Chronik genau das berichtet, was damals, um das Jahr 1300, möglich war und was nicht. Der Plan wie auch das Scheitern des Projekts „Universitas Frekenae“ passt in die historische Großwetterlage, d.h. in die politischen Machtspiele und -interessen und die kulturellen Rahmenbedingungen der europäischen Geschichte in den Jahrzehnten um 1300. Damit ist die Beatus-Chronik auf jeden Fall ein historisches Werk, das uns das späte Mittelalter näher bringt und Einblicke in die Vorstellungswelt jener Zeit ermöglicht.

Wenn man bedenkt, dass unsere Geschichtsbücher in der Schule uns Einiges von Köln, aber nichts von Frechen berichtet haben, dann wird uns hier sogar eine Flut von Informationen geboten, die wir uns sonst mühsam zusammensuchen müssten. Hier wird der Scheinwerfer der Aufmerksamkeit nicht auf die große Stadt Köln gerichtet, wie wir es gewohnt sind, sondern auf das „Freie Kaufdorf Frechen“, das bereits in der Zeit der fränkischen Merowinger-Könige diesen

Eine Lektüre, die auch der hl. Audomar empfiehlt, damit man etwas mehr über ihn erfährt

Status erlangte und damit eine Art „Freihandelszone“ war, wenn es auch bald vom wieder aufblühenden Köln überschattet wurde.

Diese Chronik füllt eine Lücke im historischen Gedächtnis Frechens: Die Stadt erinnert sich meist nur ihrer großen Zeit als Töpfer-Ort im 16. bis 18. Jahrhundert, auf die auch das Stadtwappen verweist. Die davor liegende Zeit, das Mittelalter, wird dagegen als größtenteils „weißer Fleck“ oder fast leere Seite im Buch der lokalen Geschichte wahrgenommen, und folglich im historischen Gedächtnis der Stadt meist übergangen. Das soll nicht länger so bleiben, zumal auch diese Epoche ein sehr lehrreiches Kapitel sein kann!

Apropos „historisches Gedächtnis“: Der Herausgeber dieser Chronik widmet sein Buch den beiden jungen Menschen, die 2009 beim Einsturz des Kölner Stadtarchivs ums Leben kamen. (Dort lagerten übrigens auch einige Frechen betreffende Dokumente aus dem Mittelalter.) In seiner Vorbemerkung zum Buch begründet er diese Widmung mit der anhaltenden Betroffenheit über dieses Ereignis. Deshalb wird auch auf fu-frechen.de das Thema weiterverfolgt und auf aktuelle Entwicklungen hingewiesen (>Blog>Köln-Notizen).

Der Herausgeber der Beatus-Chronik wendet sich ausdrücklich nicht nur an Historiker, sondern auch an ein größeres, historisch interessiertes Publikum, dem er mit Anmerkungen zum Text, mit Hintergrund-Informationen, und sogar noch als „Ausklang“ des zweiten Teils mit einer anschaulichen Kurzgeschichte deutlich macht, was die Historie für unsere Gegenwart bedeutet.

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Der Chronist Beatus

Dabei hat dieses Buch durchaus einen doppelten Boden: Man kann es als ein populärwissenschaftlich angelegtes Werk lesen, wie es der Herausgeber in der Einführung deklariert; man kann aber auch auf Hintergründiges stoßen und Zusammenhänge finden, die nicht gleich ins Auge springen, und sich zum Nachdenken, z.B. über Sinn und Wesen von „Geschichte“, anregen lassen. Für das anspruchsvollere, akademisch gebildete Publikum gibt das Nachwort einer Geisteswissenschaftlerin am Schluss weitere Denkanstöße. Alles in Allem kann man sagen: Dieses Buch bietet in verständlicher Sprache Jeder und Jedem etwas, sowohl den historischen Laien als auch den Informierteren, den mit normaler Schulbildung Ausgestatteten ebenso wie den akademisch Gebildeten.

Das Anliegen des Autors, möglichst Vielen Information, Aufklärung und Orientierung anzubieten, entspricht seiner Grundhaltung, die scheinbar beiläufig in einer Bemerkung im Buch aufscheint: „Keiner ist unwichtig.“ Er schließt in diesen Satz die beiden Opfer des Archiveinsturzes in Köln ein, sowie die vielen Menschen, die ungenannt im Dunkel der Geschichte bleiben, so auch eine ganze Ortschaft (nämlich Frechen), die im Schatten Kölns wenig Beachtung fand. —

1-Buch B.C.

Ein gutes Geschenk für Leute, die sich für Geschichte interessieren!

Und wo bekomme ich dieses Buch?

Bestellen kann man es in jeder Buchhandlung zum Preis von 15,50€. Als Book-On-Demand wird es bei Bestellung gedruckt, daher kann es ein paar Tage dauern. Dasselbe gilt für die Online-Bestellung, z.B. bei Geschichte | Sachbuch | MV-Buchhandel  * —  Wer „Die Beatus-Chronik“ als E-Book lesen möchte, kann das Buch für 7,99€ bei verschiedenen Anbietern herunterladen.

W.R., im April 2013, aktualisiert im Dez. 2013

* Man beachte dazu die Aktualisierung von Nov. 2016 → FAQ, unter der Antwort auf Frage 1!

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~~~~~  FAQ  ~~~~~

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Schon kurz nach der Veröffentlichung des Buches DIE BEATUS-CHRONIK im April 2013 erreichten mich, den Herausgeber, die ersten LeserInnen-Fragen. Nachdem ich diese mündlich beantwortet hatte, kam mir in den Sinn, dass auf der FUF-Website, also hier, doch ein Platz wäre, allen LeserInnen (sowie anderen an diesem Buch Interessierten) Antworten und Informationen anzubieten. Dieser Service versteht sich für einen Autor von selbst, solange er nicht die Gelegenheit hat, sowohl bei Lesungen öfter ins Gespräch mit dem Publikum zu kommen, als auch in Radio- und TV-Kultursendungen ausführlich über sein Buch Auskunft zu geben.

Bis Juli 2014 habe ich 9 FAQs registriert, auf die ich im Folgenden antworten möchte.

FAQ (Frequently Asked Questions/Häufig gestellte Fragen) zum Buch DIE BEATUS-CHRONIK und die Antworten des Herausgebers.

.Frage 1: Wo gibt es dieses Buch, nur im Internet-Handel oder auch im Buchladen?

Das Buch bekommt man für 15,50€ bei zahlreichen Händlern im Internet wie auch im nächsten Buchladen vor Ort. Jeder Buchhändler bestellt es Ihnen, sodass Sie es in wenigen Tagen in Händen halten können. Wer es sich auf seinen E-Reader herunterladen will, wird für 7,99€ im 30aInternethandel bedient. Bei einigen Anbietern kann man neben dem Info-Text über das Buch auch eine Leseprobe anklicken.

Vom Verkaufspreis (den der Verlag bestimmte) wird der Herausgeber/Autor nicht reich, vielmehr deckt sein Erlös bestenfalls einen kleinen Teil seiner eigenen Kosten. Das Buch erscheint auf dem Wege des Self-Publishing (worauf sich der MV-Verlag in Münster schon lange spezialisiert hat), und der Autor hat den Satz inklusive sämtliche Abbildungen selbst besorgt.

Ein Leser meinte: „In diesem Buch ist Stoff für gleich mehrere Bücher.“ Wahr gesprochen! Denn die KäuferInnen bekommen viel Buch für’s Geld. Hier trifft das Wort 1bp„preiswert“ mit Sicherheit zu. Daran zeigt sich auch: Dieses Buch ist nicht primär kommerziell (auf maximale Verkaufszahlen) konzipiert, also auch nicht auf eine bestimmte Seitenzahl künstlich aufgebläht, sondern im Gegenteil inhaltlich stark aufgeladen.

Außerdem kann man davon ausgehen, dass der Inhalt nicht so schnell veraltet (siehe auch unten: Fragen 6 und 8). Auf jeden Fall sollten Interessierte die Chance nicht verpassen, sich diese, fast möchte man (mit Frau Bogner-Lafranc, vgl. unten, Frage 6) sagen: „heimliche Frechener Bibel“, für ihren Bücherschrank zu sichern (auch als Langzeit-Investition).

Aktualisierung im November 2016: Der MV-Verlag befindet sich in einem Insolvenzverfahren, sodass Bestellung und Auslieferung des Buches dort nicht mehr möglich sind. Wer interessiert ist, kann derzeit noch beim Herausgeber W. R. ein nagelneues Exemplar erwerben (für 15,- €, solange der kleine Vorrat reicht). Ansonsten wird es für die Meisten ein Leichtes sein, diejenigen Anbieter im Internet zu finden, die das Buch noch neu oder gebraucht im Bestand haben.

Grundsätzlich ist das Buch damit für Interessenten weiterhin verfügbar (was wichtig ist für ein längerfristig aktuelles Buch). Wer sich in die Stadtbibliothek Frechen begibt (was sich immer lohnt), kann dort (1. Stock, Signatur: Dek-REI) im Buch blättern und lesen oder es ausleihen.

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Die Zeitungsartikel im KStA/Rhein-Erft (20./21.04.2013) und in der KR/Rhein-Erft (09.05.2013), die Buch und Autor vorstellten, waren zwar ausführlich, ließen aber bei einigen LeserInnenn noch Fragen offen, z.B. diese:

Frage 2: Fiktion oder historische Tatsachen? Was ist denn nun diese Chronik, und hat es in Frechen wirklich den Versuch der Gründung einer Universität im Mittelalter gegeben?

Das ist eine gute, und wenn es um Geschichte geht, auch wichtige Frage. Doch eine kurze, 1bfschnelle Antwort wäre unredlich und würde am Kern des Buches vorbeizielen, geht es doch darin auch um das Problem der geltenden „historischen Wahrheit“.*

Im „Nachwort des Herausgebers“ (S. 77ff.) ist zu lesen, dass die Beatus-Chronik, erstmals gedruckt, einem größeren Publikum vor allem einen Einblick ins Mittelalter ermöglichen soll und keineswegs ein bloß lokalgeschichtliches Werk ist. Als studierter Historiker nimmt der Herausgeber auch eine Einbettung in überregionale Zusammenhänge und die europäischen Geschichte des Mittelalters vor, und er spricht viele Aspekte der Mentalitätsgeschichte an. Außerdem stellt er für das heutige Publikum zeitgeschichtliche und aktuelle Bezüge her.

Auf S. 78 fallen nicht nur nebenbei Schlüsselwörter wie „food for thought“, Weiterdenken, und WvdV+weitere Forschungen. Und schon sind wir mitten in der Problematik der Geschichte, nämlich bei ihren z.T. nur vorläufigen Ergebnissen, bei oft wenig sicheren Fakten und Erkenntnissen, bei der somit veränderlichen Betrachtung und Bewertung unserer Vergangenheit. Diese Problematik wird eigens thematisiert in Teil II „Hintergrund“ mit dem ersten Aufsatz „Überraschungen…“ (mehr für Interessierte auch auf dieser Website unter >Clio).

Man kann sogar sagen, dass die Frage, die das Publikum stellt, sich im Grunde wie ein roter Faden durch fast das ganze Buch zieht, mal indirekt, mal direkt thematisiert. Als Historiker möchte der Herausgeber den Leuten eben nicht vorgaukeln, Geschichte sei ein feststehendes Faktengerüst zum Auswendiglernen, also bloß ein Wissensgebiet mit in Stein gemeißelter, ewig gültiger Wahrheit. Nein, Geschichte ist mehr, es ist ein Betätigungsfeld für Neugierige, die die Oberfläche der Welt und die scheinbar oft zusammenhanglose Folge von Ereignissen hinterfragen wollen, für Denker, die Zusammenhängen nachspüren und sie wenigstens ein Stück weit aufhellen und verstehen wollen.

Im Buch auf den Seiten 96 bis 98 wird deutlich ausgeführt und begründet, was Geschichte ist, und warum die Beschäftigung mit ihr so wichtig ist. Und am Schluss, im Nachwort der geschätzten Frau Dr. Bogner-Lafranc, wird den Durchblickern ins Gewissen geredet, sich nicht allein im stillen Kämmerlein oder im kleinen Zirkel von Spezialisten an ihrem Wissen zu ergötzen, sondern auch eine gesellschaftliche Verantwortung wahrzunehmen, d.h. sich auch anderen, weniger informierten Menschen mitzuteilen, und das in verständlicher Form. (Daran hapert es leider oft: Es gibt eine Menge Wissenschaftler, die sich nur in der Fachsprache und nur in komplexen Schachtelsätzen schriftlich ausdrücken können).

In diesem Buch geht es — auf einer weiteren, hintergründigen Ebene — nicht darum, ob die Universität in Frechen nachweislich um 1300 gegründet werden sollte: Eigentlich ist das Fragen viel wichtiger als die evtl. gefundenen Antworten. Die Frage, ob es hätte sein können, muss mit „ja“ beantwortet werden. Warum? Das lässt sich anhand des reichen Materials in diesem Buch herausfinden, und darum sind auch die Anmerkungen zum Chronik-Text z.T. sehr ausführlich. Sowohl der Versuch der Universitätsgründung als auch sein Scheitern lassen sich vor dem historischen Hintergrund  plausibel nachvollziehen.

2-Beatus scriptor-BIn diesem Sinne ist also das Scheitern des Universitätsprojekts von 1300 ein Vorgang, der historische Fakten und Verhältnisse beleuchtet und illustriert. Erst lange Zeit danach (hinterher ist man immer schlauer) können wir im Rückblick sagen: Der Plan konnte nicht gelingen, jedenfalls nicht in dieser historischen Gesamtsituation. Dafür bietet die Chronik des Beatus sich als Quelle an, weil sich der Chronist Beatus an — auch aus heutiger Sicht — gültige, nachprüfbare „historische Fakten“ hält und nicht zum Fabulieren neigt wie manche seiner Kollegen, andererseits aber durchaus emotional beteiligt ist und teils sehr entschieden urteilt.

Streng wissenschaftlich sagt der heutige Historiker: Solange ein Vorfall, ein Ereignis oder ein Projekt wie das einer mittelalterlichen Universität in Frechen nur in einer Quelle vorkommt, eine Bestätigung durch eine weitere aber (noch) nicht vorliegt, können wir nicht von einem gesicherten Fakt sprechen. Doch egal, ob Sie bei der Lektüre dieses Projekt als Fakt, als Sage oder Mythos ansehen — Sie erhalten auf jeden Fall Einblick in die realen Verhältnisse im beginnenden Spätmittelalter. Und was dann wirklich zum anerkannten Fakt der Geschichte wird, mag der Fortgang der historischen Forschung und Diskussion entscheiden.          050

Neben einer historischen Darstellung und Diskussion geht es in diesem Buch auch um moralische Fragen. Daher fällt, bei dieser thematischen Bandbreite des Buches, die Einordnung in eine gängige Schublade schwer. Bei Verlag und Handel wird es mit Recht in der Kategorie „Geschichte“ bzw. „historisches Fachbuch“ geführt.

Besonders für die Frechener von heute könnte man dieses Buch als Bereicherung des historischen Gedächtnisses ansehen, außerdem als einen Beitrag zur Einordnung Frechener und rheinischer Geschichte in den europäischen Hintergrund.

Für LeserInnen aus anderen Regionen konkretisieren sich am lokalen Beispiel allgemeine Aussagen über das Mittelalter (Brecht: „Die Wahrheit ist konkret“) und zeigen ein differenziertes Bild, das auch europäische Geschichte einbezieht. Außerdem werden aktuelle Fragen politischer und moralischer Natur berührt, die viele Menschen heute umtreiben.

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* Nachtrag  29.01.2017: Als hätte ich es vorausgeahnt, wird ja inzwischen diskutiert, dass wir im „postfaktischen“ Zeitalter leben, wo Lüge und Wahrheit, Fakten und Verschwörungstheorien oft austauschbar bzw. gleichrangig behandelt werden. Daran sind z.T. die sozialen Medien und Internetforen schuld, die nicht nur alles gleichrangig nebeneinander stellen, sondern auch per Algorithmus dem User eine Blase oder Echokammer bauen, wo sich nur noch seine Vorlieben und bevorzugten Ansichten abbilden. Dort wird aber — im Gegensatz zu den hergebrachten Medien — keine Einordnung bzw. Orientierungshilfe geboten, wie sie gelernte Journalisten in besagten Medien bereitstellen. Folglich stehen „fake news“ unbewertet neben echten Nachrichten, der durchschnittlich gebildete bzw. informierte User kann Falschmeldungen und Desinformation meist nicht erkennen und durchschauen — und glaubt folglich Manches davon.

Frage 3: Ist es ein Buch nur für historisch Interessierte?

Kurze Antwort: Jein. Man kann feststellen: Zumindest ab S. 73 (von 171) bezieht sich eine Vielzahl von Aussagen auch auf die Gegenwart, sodass man nicht mehr von bloß historisch interessanten Fakten oder Details sprechen kann (vgl. Antwort auf Frage 2). Der Autor legt großen Wert auf den Gegenwartsbezug und damit auf die Aktualität von Geschichte. Er macht deutlich, dass „Geschichte“ im Grunde überhaupt nur aus dem Interesse an Fragen und Problemen der Gegenwart betrieben wird. So gesehen, ist DIE BEATUS-CHRONIK auch ein Buch über Geschichte.

W. R., im Juli 2013

1h

Foto: DIE BEATUS-CHRONIK in guter Gesellschaft, gesehen in einem Buchladen in Frechen

Falls jemand Näheres zu Wehlers Buch (Mitte) erfahren möchte: >http://www.zeit.de/2013/11/Hans-Ulrich-Wehler-Umverteilung-Ungleichheit

Frage 4: Wenn ich, wie gewohnt, ein Buch vorn zu lesen anfange und in diesem Fall DIE BEATUS-CHRONIK, überwältigt von den vielen Informationen, schon auf Seite 20 erschöpft beiseite lege – habe ich dann etwas falsch gemacht?

Als Herausgeber habe ich zwar versucht, die LeserInnen in der Einführung vorzuwarnen und ihre Erwartungen auf das Kommende einzustimmen, dennoch ist es wohl kein leichter Brocken für Nicht-HistorikerInnen. Das liegt auch an der o.a. „Flut von Informationen“, die ich zum historischen Hintergrund zusammengetragen habe.

Ein Leser aus Frechen berichtete mir, er habe erst im zweiten Anlauf, das Buch eher von hinten nach vorn angehend, verstanden, dass es für sein Aufnahmevermögen so besser funktioniere. Mit den Erläuterungen sei der Zugang jedenfalls leichter gewesen. Aber, denke 1bsich, da wusste er ja auch schon genauer, was ihn erwartete, und konnte der Thematik und dem Text der Chronik mit genauerer Erwartung zu Leibe rücken.

Wie auch immer, grundsätzlich habe ich als Autor auch die weniger gut informierten LeserInnen im Auge gehabt und den Text sprachlich darauf abzustimmen versucht. Inhaltlich sollten die Anmerkungen und der „Hintergrund“ (=Teil II) helfen, die Chronik im Zusammenhang zu sehen und zu verstehen. Dabei habe ich, wie ich zugeben muss, die Anmerkungen nicht auf das Allernötigste beschränkt, vielmehr den LeserInnen die Möglichkeit gegeben, en passant ihr Wissen zu erweitern und dabei einige in Umlauf befindliche falsche Annahmen und Einschätzungen zu korrigieren.

Das mag der Eine als heillose Überfrachtung sehen, der Andere hingegen als erfreulich vielfältige Palette von Zusatzinformationen sowohl für sein Bild vom Mittelalter als auch für sein Verständnis der regionalen Geschichte. Aus der Sicht des Herausgebers/Autors war dies jedenfalls eine Gelegenheit, Interesse an der regionalen wie allgemeinen Geschichte zu füttern und dem Publikum über die reine Edition eines Chronik-Textes hinaus ein erweitertes, sowohl informatives wie gedanklich anregendes Buch an die Hand zu geben. Nicht zuletzt sollte es auch Ansporn sein, sich mehr mit Geschichte zu befassen, dabei aber auch kritisch zu Werke zu gehen.

W. R., im August 2013

Frage 5: Warum ist das Buch auch als E-Book erschienen?

Warum sollte es nicht? Die Interessierten sollen wählen dürfen, ob sie beim Lesen eine Papierausgabe in Händen halten oder das Buch auf ihrem elektronischen Bildschirm (Computer, Tablet-PC oder E-Reader) goutieren wollen. Mir kommt es darauf an, dass es möglichst allen Interessierten zugänglich ist. Diejenigen, die z.B. bereits einen E-Reader besitzen, wollen ihn ja sicher auch benutzen.

Wenn Sie mich persönlich fragen: Ich möchte Bücher lieber in traditioneller Form in Händen halten und darin blättern. Aber ich will meine Vorlieben nicht Anderen aufdrängen. Ich möchte aber auch nicht auf einige LeserInnen verzichten, nur weil ich vielleicht nostalgische oder medienkritische Ressentiments gegen das E-Book habe.

Wer sich für weitere Fragen zum Buchmarkt interessiert, kann dazu mehr in >F.U.F.-Bibliothek finden.

W. R., im Septemder 2013

Frage 6: Welchen Stellenwert oder welche Bedeutung hat dieses Buch im Hinblick auf die Geschichte Frechens und der Region?

Da möchte ich mich als Herausgeber und Autor zurückhalten und die Antwort Anderen überlassen, nämlich den LeserInnen sowie den Fachleuten in den Bereichen Geschichte, Religionswissenschaft, Ethik, u.a.

Frau Dr. Bogner-Lafranc, die das Nachwort für das akademische Publikum, S. 137-145, beisteuerte, meinte dazu im Januar 2013:

Diese Veröffentlichung wird kein Strohfeuer oder ein schnell verpuffender Knalleffekt sein – im Gegenteil, aus meiner Sicht wird dies voraussichtlich ein Langzeit-Brenner. Nach meiner Einschätzung werden sich die Verkaufszahlen zwar kurzfristig in Grenzen halten, und das Buch wird wohl kaum auf einer Bestsellerliste auftauchen – aber langfristig wird es immer wieder zitiert werden, es wird andere Veröffentlichungen beeinflussen und — wer weiß? — womöglich auf lange Sicht sogar als eine Art „Frechener Bibel“ geschätzt werden. Darum werde ich es mir auf jeden Fall in meinen Bücherschrank stellen.

Diese Äußerung lasse ich unkommentiert hier stehen. Ich kann nur sagen: Das Buch enthält Anregungen und Fragen bzw. Denkanstöße zu vielen Themen und ist auf jeden Fall ein Diskussionsbeitrag von nicht nur tagesaktueller Bedeutung.

Frage 7: Ist die lokalpatriotische Note in diesem Buch nicht ein wenig peinlich oder aufgesetzt, vielleicht sogar unangebracht und abwegig?

IMG_4257Was für eine Frage! Ich muss doch sehr bitten. Aber gut, ich werde sie trotzdem sachlich beantworten.

Der Zugang zum historischen Frechen findet hier nicht nur in sachlicher, nüchterner Art statt. Vielmehr schwingen da auch Gefühle mit, die im Buch selbst im zweiten Teil unter der Überschrift „Frechens Vineta“ angesprochen werden, und zwar in dem vorangestellten Zitat, in dem der Begriff „Vineta“ für das Interesse an einer teils sagenhaften, näher zu ergründenden, weit zurückliegenden Vergangenheit eines Ortes steht (S. 101).

Wenn man in die Frühe Neuzeit zurückgeht, wird einem sofort bewusst, dass Frechen ein solches, versunkenes Vineta besitzt: Fast der gesamte Ortskern im Bereich Hauptstraße-Alte Straße-Oberdorf ist dicht besetzt mit Relikten früherer Töpfer-Werkstätten, die bei jedem Ausschachten für ein Bauvorhaben zutage treten (und seit Jahrzehnten die Raubgräber anlocken). Was Wunder: Wir wissen von Zeiten, in denen gewaltige Mengen an Tonkrügen und -geschirr produziert und von Händlern in alle Welt verkauft wurden. Da muss zeitweise das halbe Großdorf Frechen für die Töpfer-Branche beschäftigt gewesen sein.

Es ist allerdings nicht dieses durch Grabungen und schriftliche Quellen gut belegte „Vineta“ der Frühen Neuzeit, dem sich DIE BEATUS-CHRONIK vor allem widmet, sondern die 1bavorangegangene Zeit des Mittelalters, von der sehr wenig bekannt ist. Das Töpferhandwerk war schon im Mittelalter in Frechen präsent (auch wenn in manch einer Publikation etwas Anderes zu lesen ist). Der Status des Freien Kaufdorfs spielte für Handel und Handwerk auch damals eine nicht unwichtige Rolle.

Für Frechen liegt die Bedeutung dieses Buches u.a. vielleicht gerade in der Anregung, den Ort und seine Geschichte mit mehr Interesse und Wertschätzung zu betrachten, ihn sogar zum Objekt oder Schauplatz von Literatur zu machen, ihn als lohnenden Stoff zu begreifen, und sich von der kleinmütigen Sicht vieler Frechener nicht herunterziehen zu lassen, die von vorneherein nach Köln blicken und Frechen kaum noch eines Blickes für wert halten. Diese fast „nestbeschmutzende“ Identifizierung mit dem großstädtischen Nachbarort ist wohlfeil, um nicht zu sagen: platt und gedankenlos, sie verachtet die eigene Herkunft und glaubt, sich der nahen Großstadt per Identifikation anbiedern zu können, indem sie den eigenen Wohn- oder Herkunftsort heruntermacht.

Im Frechen-Lied des Kabarettisten Rainald Grebe mag es witzig klingen, weil er wohl noch ein Frechen erlebt hat, das, gerade erst nominell Stadt geworden, der traditionell schmähenden Geringschätzung seitens der Kölner nicht viel entgegenzusetzen wusste. Doch das ist heute nicht mehr Stand des wirklichen Lebens und Erlebens.*

Ich kenne jenes Frechen aus meiner Kindheit und Jugend und habe selbst in jungen Jahren  so manche geringschätzige oder satirische Äußerung über die „junge Stadt mit Tradition“ gemacht. Seitdem ist viel Wasser den Rhein hinuntergeflossen, ich habe viele Jahre in Köln gelebt und kenne auch dort manch unschöne Gegenden und Ecken, die wenig vorzeigbar sind. Auch Köln wird von den Kölnern selbst viel kritisiert, z.B. wegen unattraktiver Plätze, die nicht zum Verweilen einladen. Der Tourist sieht Vieles nicht, oder er sieht Köln als One-stop-city, wo man den Dom anschaut, in der Altstadt ein Kölsch trinkt und dann weiterfährt.

Köln wird außerdem von Politik und Verwaltung, sagen wir: nicht immer optimal gemanagt. Das sagen und schreiben (in Leserbriefen an die lokalen Zeitungen) viele Kölner nicht erst seit dem Archiveinsturz von 2009. Auch darum gibt es aus Frechener Sicht derzeit weder Grund noch Anlass, Kölns Expansions-Begehrlichkeiten nachzugeben und sich in die Großstadt eingemeinden zu lassen. Davon würde eher Köln als Frechen profitieren.

W. R., im Oktober 2013

Nachtrag dazu vom 27.11.2013: Wie der Kölner Stadt-Anzeiger heute meldet (siehe Blog, >Köln-Notizen #10), gibt uns Bergheim ein Beispiel, wie man selbstbewusst die lokale Geschichte pflegt und verteidigt und sich dabei lokalpatriotisch gegen Kölner Großstadt-Gebaren behauptet. Jawoll, auch im Rhein-Erft-Kreis ist lebendige Geschichte zu Hause!

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* Wem das noch nicht aufgefallen ist, der mag sich vielleicht bei der Durchsicht der Unterseite >Arts in Frechentown anregen lassen, sich einige Dinge in Frechen noch einmal (oder erstmals genauer) anzusehen, nicht zuletzt die unter >“Frechen sehen (6)“. Da findet aber keine unbegründete Hochjubelei statt, der Autor bleibt kritisch nach allen Seiten. Auf jeden Fall sollte man — auch mit Hilfe der Serie „Frechen sehen“ — erkennen, dass Frechen ein Ort mit eigenem Gepräge ist und ein Profil hat, das diese Stadt von anderen Orten unterscheidet.

Und die Frechener selbst sollten ihren Wohnort wertschätzen, z.B. indem sie mehr darauf drängen, dass „ästhetische Verbrechen“ vermieden werden, und dass Wert auf eine lebenswerte Umwelt gelegt wird — sowohl im Hinblick auf die ästhetische Qualität des Stadtbildes als auch auf die ökologische Wohnqualität.

– W. R. –

Frage 8: Gibt es (neben den Artikeln in der Lokalpresse anlässlich des Erscheinens) Rezensionen zu diesem Buch?

Ja, gibt es, z. B. diese: B.C.-Lit.krit_.-G.A.Finnw_

oder Kurzbesprechungungen und Bezugnahmen, aus denen hier zitiert wird:

„Das Buch richtet den Blick weniger auf Fragen nach der Zuverlässigkeit der Quelle, sondern auf den Text selbst, der in einer lesbaren Fassung, d.h. in heutigem Deutsch, erstmals gedruckt wird. Im Focus stehen der Chronik-Text, seine Entstehungsgeschichte, das historische Umfeld, in dem er entstand, und damit die Zeit und die Situation, wodurch vor dem geistigen Auge des Lesers auch ein Bild des späten Mittelalters um 1300 entsteht.“    Gerhard Gengenheim in: Historische Literatur und ihre Autoren, Folge 5 (2013), Rubrik „Neue Bücher“—

„… ist ein Werk, das sich der einfachen Einordnung in eine literarische Gattung widersetzt und irgendwo zwischen Literatur und Sachbuch anzusiedeln ist. (…) Mich erinnert es an die Sachliteratur des Mittelalters: Der Text eines alten Meisters bzw. Kirchenvaters wurde glossiert und kommentiert, und die Textauslegung entwickelte oft seine Gedanken weiter und leistete damit einen Beitrag zum gelehrten Diskurs. So hat der Herausgeber der Beatus-Chronik auch Zusatzinformationen, Denkanstöße und weiterführende Gedanken aufgeboten, um nicht bloß einen Text zu edieren, sondern die LeserInnen darüber hinaus zu weiterer Beschäftigung mit den angeschnittenen Themen anzuregen.“    Renate Munzinger in: Geschichte in Antike und Mittelalter XXVIII (2013), S. 215, Rubrik „Neu erschienen“ —

„Bemerkenswert aus feministischer Sicht ist die Haltung des Chronisten Beatus: Er setzt sich deutlich ab von der abschätzigen, frauenfeindlichen Sichtweise der Altvorderen wie Kirchenvater Augustinus, und weist auf die altirische Tradition hin, die den Frauen mehr Respekt entgegenbrachte, und die von Missionaren wie Columbanus nach Westeuropa importiert wurde. Hier prallte sie auf die römisch-patriarchalisch geprägte Kirchenhierarchie, der sie auf Dauer unterlag…“      Geneviève Mandel, «Femme, tais-toi», in: La France Médiévale CXVII (2014), S. 185-230; übers. v. J. Bogner-Lafranc

 

Frage 9: Haben Sie schon ein nächstes Buch in Arbeit, und was wird das sein?

Klar, ein Autor oder eine Autorin hat immer, wenn er oder sie ein Buch-Manuskript abschließt, schon Ideen, wie das Thema oder der Gegenstand oder Teilthemen noch weiter, über das fertige Buch hinaus, behandelt werden könnten. Das ergibt sich einfach aus der umfangreichen Materialsammlung, die während der Recherchen entstanden ist und für das vorliegende Buch nur z.T. ausgeschöpft wurde, sowie aus Überlegungen und Einfällen während des Schreibens.

Dabei habe ich, wie oben mehrfach angesprochen, schon reichlich Information in dieses Buch gepackt — und die Geduld oder Aufnahmebereitschaft mancher Leserin und manches Lesers damit sehr strapaziert. Diverse Rückmeldungen von LeserInnen gaben Anlass zu derIMG_4168+ Überlegung, dass ich das nächste Buch anders, nämlich publikumsfreundlicher, konzipieren könnte, wie es ja in Teil II (Hintergrund) von DIE BEATUS-CHRONIK schon weitgehend realisiert wurde: Dieser Teil des Buches liest sich leichter als der vorangegangene Teil I, genauer: als der Chronik-Text und die dazu gehörenden Anmerkungen.

Eines der möglichen, von mir ins Auge gefassten Projekte für ein nächstes Buch wäre eines zur Frechener Geschichte mit Schwerpunkt Frühgeschichte bis frühe Neuzeit. Damit würden die bereits vorliegenden Publikationen zur Geschichte Frechens ergänzt, die den Schwerpunkt in der Zeit ab 1500 (Blütezeit der Töpferei in Frechen) oder ab der Industrialisierung im 19. Jahrhundert haben. Übrigens ist es logisch, dass mehr über die Zeit ab 1500 geschrieben wurde: Erst ab da liegt Einiges an Quellenmaterial zu Frechen vor, aus dem man schöpfen kann, während die Quellendichte für das Mittelalter (besonders vor dem Fund der Beatus-Chronik) doch eher lückenhaft und streckenweise sehr dünn zu nennen ist.

Bisher liegt meines Wissens aus den vergangenen Jahrzehnten nur ein Werk vor, das Frechener Geschichte überhaupt in einem Längsschnitt behandelt: Egon Heegs Publikation zum Frechener Jubiläum „50 Jahre Stadt“ im jahre 2001, herausgegeben vom Stadtarchiv Frechen (und dort noch erhältlich). Heeg beginnt mit Frechens Aufwertung zum Freien Kaufdorf in fränkischer Zeit, fokussiert die Geschichte auf die Dorf- und Gemeindeverfassung  und behandelt ausführlich die Zeit des Nationalsozialismus. Er liefert den Frechenern zum Jubiläum Nachhilfe zum Auffüllen von Wissenslücken vor allem in der lokalen Geschichte — ein, wie ich finde, nötiges, wichtiges und wertvolles Unterfangen, denn es verhilft den heutigen Frechenern zu einem ausgeprägteren geschichtlichen Bewusstsein und der Stadt zu mehr Selbstbewusstsein eingedenk ihrer weit zurückreichenden Geschichte.1ba

Dass es an letzterem immer noch mangelt und viele Frechener weiterhin die nahe Großstadt Köln als Maß aller Dinge sehen, war ein zusätzlicher Grund, DIE BEATUS-CHRONIK herauszubringen, damit diese einseitige Sicht ein wenig korrigiert werde: Wer sich von der reich dokumentierten Geschichte Kölns beeindrucken lässt, sollte auch zur Kenntnis nehmen, dass Frechen ein keineswegs geschichtsloser Ort ist, sondern vielmehr ein eigenes historisches Profil besitzt.

DIE BEATUS-CHRONIK ist keineswegs ein Schnellschuss, und sie wird gerade wegen ihres Reichtums an Information für sicherlich lange Zeit eine 1-Buch B.C.gewinnbringende Lektüre für HistorikerInnen wie für historisch Interessierte bleiben; außerdem kann sie ihnen auch im Hinblick auf Orientierung und Bewertungsmaßstäbe Gewinn bzw. Bestätigung geben. Wer möchte, lese dazu die Ansicht von Frau Bogner-Lafranc zur Bedeutung dieses Buches, zitiert oben unter Frage 6.

Im Schwung der Arbeit an der BEATUS-CHRONIK und ihrer Veröffentlichung erwog ich, wie oben schon angedeutet, ein neues Buchprojekt als historisches Sachbuch. Dieses habe ich auch konzipiert und schon in Teilen als vorläufigen Entwurf niedergeschrieben. Für diese Veröffentlichung wollte ich diesmal nicht auf ein Self-Publishing-Unternehmen, sondern eher auf einen etablierten Verlag zugehen. Dieser sollte ein Buch finanzieren, herausbringen und bewerben, das den Schwerpunkt auf die lokale Geschichte des Ortes Frechen legt.

Jedoch: Mehr denn je schauen kommerzielle Verlage auf die voraussichtlichen Absatzzahlen eines Buches. Es scheint ihnen zuwenig lukrativ, ein Buch für ein geschichtsinteressiertes Publikum nur in Frechen und seiner näheren Umgebung auf den Markt zu bringen. Im Begleitschreiben zur Rücksendung eines solchen Manuskripts liest man höchstwahrscheinlich: Der angesprochene Leserkreis ist zu klein. Und sinngemäß: Das rechnet sich für uns nicht.

Ich gehe davon aus, dass es in Frechen eine nicht geringe Zahl von Menschen gibt, die Sachbücher oder auch Belletristik zu schreiben in der Lage sind und gern ein Buch schreiben würden, das sich mit Frechen beschäftigt bzw. dessen Story dort ihren Schauplatz hat. Doch, wie gesagt, Verlage winken ab, wenn ihnen solche Manuskripte auf den Tisch kommen.

Dabei sollte eigentlich klar sein: Ein Roman, oder überhaupt eine Erzählung, muss nicht unbedingt nur in Köln spielen. Auch Frechen und seine Geschichte sind durchaus literaturfähig. So möge denn die Kurzgeschichte „Vom Himmel hoch“ (DIE BEATUS-CHRONIK, S. 129ff.) als eine Anregung dienen, die selbst wiederum eine literarische Anregung aufgreift (siehe Fußnote S. 133). Schauplatz: der Himmel und — Frechens Innenstadt.

Man kann einen anderen Weg gehen und seine Kreativ-Produkte im Internet veröffentlichen. Fragt sich nur, wieviel Aufmerksamkeit das findet, und ob das eher oder eher nicht das Interesse von etablierten Verlagen weckt… Es ist wie bei vielen anderen Dingen, z.B. Musik, wohl so, dass Viele einen Internet-Auftritt produzieren, aber nur ganz Wenigen der Sprung in den kommerziellen Markt gelingt. Und da zählen nicht allein hohe Klick-Zahlen. Wenn Literatur, Kunst oder Musik zur Ware werden soll, spielen noch weitere Gesichtspunkte eine Rolle, die hier auszubreiten zu weit führen würde.

Noch ein Letztes zur historischen Literatur über Frechen und Umgebung. Als es noch den Rheinland-Verlag gab, wurden dort einige gut bebilderte Bücher über Kulturdenkmäler im Rhein-Erft-Kreis (damals noch Erftkreis) verlegt. Seit der Verlag seine Arbeit eingestellt hat, vermisse ich ähnliche Publikationen auf dem Buchmarkt. Es scheint für HistorikerInnen und KunsthistorikerInnen schwierig geworden zu sein, Bücher über die Region zu veröffentlichen.

Beispiel: In einem besonderen Kraftakt schafften es im Jahre 2011 die Herausgeber Egon Heeg, Axel Kurth und Peter Schreiner mit Unterstützung weiterer Personen, das Buch Königsdorf im Rheinland: Beiträge zu seiner Geschichte zu veröffentlichen. Die Liste der Sponsoren und Beitragenden auf S. 3 allein zeigt schon, dass viel Geld eingeworben werden musste, um dieses umfangreiche, reich bebilderte Sachbuch zu finanzieren. Das Ergebnis kann sich sehen lassen; doch eine derart aufwändige Veröffentlichung stemmt man vielleicht nur einmal im Jahrzehnt.

Da also Verlage eher solche Bücher auf den Markt bringen, die Chancen auf hohe Verkaufszahlen haben, müssen wir wohl oder übel auf so manches Sachbuch über lokale und regionale Geschichte verzichten, weil es nicht publiziert wird. That’s economy, stupid! Verlage sind in aller Regel Wirtschaftsunternehmen, die Gewinne erzielen müssen. Die verlegten Bücher müssen eine möglichst hohe verkaufte Auflage erzielen. Ihre literarische oder künstlerische Qualität allein lässt noch nicht die Kasse klingeln, also muss der Verlag Einiges in Werbung investieren, um gut zu verkaufen. Dafür bündelt er seine Mittel und konzentriert sie auf wenige Produkte in der Hoffnung, dass sie viel gekauft und im günstigsten Fall sogar Bestseller werden.

W. R., im Juli 2014, ergänzt im März 2016

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