F.U.F. – der Club

Die  FREIE UNIVERSITÄT FRECHEN  32-FUF-ma. Logo-Entwurfist keine Universität im landläufigen Sinne, denn sie hat

  • kein Uni-Gebäude
  • kein festes Personal
  • keine Ämterhierarchie
  • keine umständlichen Aufnahmeformalitäten
  • keine Zugangsbeschränkungen wie Abiturzeugnis o.a. Nachweis der Hochschulreife
  • keinen Numerus Clausus, und erhebt
  • keine Gebühren für Zulassung, Studiensemester oder Exmatrikulation,

und sie vergibt

  • keine anerkannten Hochschulabschlüsse
  • keine anerkannten akademischenTitel, auch nicht gegen „Spenden“
  • keine formale Berechtigung zum Wechsel auf eine staatlich anerkannte Hochschule
  • keine Atteste zum Bezug kommunaler oder staatlicher Leistungen
  • keine steuerlich absetzbaren Spendenbescheinigungen

und gibt auch

  • keine moralische Berechtigung, die Nase in akademischem Dünkel hoch zu tragen und sich nur aufgrund der Mitgliedschaft für etwas Besseres zu halten.

Was aber ist die  FREIE UNIVERSITÄT FRECHEN, was hat sie, was gibt sie?

Die  FREIE UNIVERSITÄT FRECHEN  ist

  • frei in beinahe jeder Hinsicht
  • geistig universal orientiert
  • ein non-profit Unternehmen
  • eine NGO ohne feste Organisation
  • ein Club (allerdings ohne formalen Vorsitzenden, stattdessen geleitet vom „Spiritus Rector“, hier kurz „SR“, der zugleich als Sprecher fungiert)
  • unabhängig von jeglicher Förderung (und Forderung) seitens politischer, religiöser oder wirtschaftsnaher Gruppen oder Organisationen
  • bestrebt, vor allem durch Bildung in die Gesellschaft hineinzuwirken, ohne sich dabei für irgendwelche tagespolitischen Zwecke einspannen zu lassen

    40

    Lagekarte: Deutschland in den Grenzen von 1990

  • den Grundwerten der Demokratie verpflichtet, wie sie u.a. im Grundgesetz formuliert sind, und deshalb ist sie
  • für alles, was die Menschen anleitet, die Welt tiefer zu begreifen und sinnvoller mitzugestalten.

 

Aus der Geschichte der Freien Universität Frechen:

Die F.U.F. wurde am 29.01.1970 von Wolfgang Reinert gegründet, um im Internationalen Jahr der Bildung (ausgerufen von der UNO) ein Zeichen zu setzen (zu verstehen vor dem zeitgeschichtlichen und soziokulturellen Hintergrund der ausgehenden 60er und beginnenden 70er Jahre — was an dieser Stelle aus Platzgründen nicht näher ausgeführt werden kann). Außerdem sollte der sich abzeichnenden Fraktionierung der „Studentenbewegung“ alias „anti-autoritäre Bewegung“ entgegengewirkt werden (in späteren Jahrzehnten „68er-Bewegung“ genannt). Dieses Auseinanderfasern hatte W.R. auf dem letzten Song-Festival auf Burg Waldeck im September 1969 live miterlebt.

Im Laufe der auf den 29.01.70 folgenden 7 Wochen warb W.R. neun weitere Mitglieder, die sich offiziell einschrieben und eine Immatrikulationsbescheinigung erhielten. Im Februar und März besuchte er mit den bereits Eingeschriebenen kulturelle Veranstaltungen wie einen Auftritt des Politkabaretts „Floh de Cologne“ und die Ausstellung „Jetzt“ zur zeitgenössischen Kunst (in der Kunsthalle Köln). Bis 20. März 1970 wuchs die F.U.F. auf 10 eingeschriebene Mitglieder. (Diejenigen, die nicht mehr in Kontakt zur F.U.F. stehen oder verstorben sind [>Persönliches], werden hiermit als Alumni herzlich gegrüßt.)

Nach der Gründungsphase stellte W.R. seine Aktivitäten als Organisator einstweilen zurück, um seine Aufmerksamkeit und Energie schwerpunktmäßig dem Fortgang seines Studiums an der Universität zu Köln zu widmen (zumal er immer vielseitig interessiert war, und daher neben dem Fachstudium ein „Studium Generale“ betrieb sowie sich auf mehreren Gebieten kreativ betätigte). Die F.U.F. hatte sich soweit nur locker zusammengefunden, es gab noch kein ausgearbeitetes Konzept, und eine feste Organisationsstruktur war vom Gründer 1h+ohnehin nicht vorgesehen: Vielmehr sollten sich die Mitglieder gleichberechtgt und auf Augenhöhe begegnen und sich eher König Arthurs Tafelrunde als einen organisierten „e.V.“ mit Vorstand etc. zum Vorbild nehmen (Daher taucht auf der Seite >Home/Start oben auch die Bezeichnung „Club“ auf).

In diesem Sinne gab es in der Folgezeit eher spontane Treffen von Mitgliedern. Eine Art Vollversammlung aller Eingeschriebenen, auf der man ein ausgearbeitetes Konzept oder eine Satzung oder was immer sonst hätte beschließen können, kam aus verschiedenen Gründen nicht zustande, und also38 steht geschrieben: Wo zwei oder drei in diesem Geiste versammelt sind, da ist die F.U.F. mitten unter ihnen. („Liederbuch der Freien Universität Frechen“, S. 190)

Nach einer leidenschaftlichen Diskussion unter Clubmitgliedern im Januar 1975 sah sich der Gründer veranlasst, als spiritus rector in einer Epistula Dogmatica (=Lehrbrief) eine lateinisch verfasste Klarstellung zu grundsätzlichen Fragen der Lebensphilosophie („Humanae Vero Vitae„) niederzuschreiben und zunächst  an die TeilnehmerInnen der o.a. Diskussion zu senden (Febr. 1975). Darin geht es u.a. um geistige Unabhängigkeit. (Ironie: Nach dem formalen Vorbild einer lateinisch verfassten päpstlichen Enzyklika predigt der spiritus rector der F.U.F. als Leitbild die unabhängige, individuelle Urteilsbildung. Vgl. auch unten, Leitsätze, 2.)

Zu erwähnen wäre noch eine organisatorische Initiative des Spiritus Rector aus dem Jahre 1976: Am 13.11. stand ein Konzert von Wolf Biermann in Köln an, das erste in Westdeutschland (In der DDR hatte er seit Jahren Auftrittsverbot). W.R., Biermann-Fan seit 1966, besuchte es mit einigen F.U.F.-Mitgliedern und -Sympathisanten. Dieses Konzert wurde zu dem legendären Biermann-Auftritt, dem seine Ausbürgerung aus der DDR folgte, was wiederum für Unruhe unter Kulturschaffenden der DDR sorgte… Manche Publizisten meinen, nach Jahrzehnten zurückblickend, dass damals mit diesem Vorgang der Anfang vom Ende der DDR eingeläutet worden sei. Wenn man es so sieht, dann wohnten wir damals live einem historischen Ereignis bei. —

Aus den folgenden Jahrzehnten:

Die  FREIE UNIVERSITÄT FRECHEN  versteht sich seit Bekanntwerden der Beatus-Chronik (mehr >„Die Beatus-Chronik“) in einem ideellen Sinne als Erbin und Sachwalterin des Projekts „Universitas Frekenae“. Zu diesem Projekt finden Sie Näheres in ebenjenem Buch.

Was ist oder war dieses Projekt? Dazu hier kurz nur soviel: Sei es, dass im Jahre 1300 ein päpstliches Privileg zur Gründung einer Universitas in Frechen erteilt, die Gründung aber 1303 vereitelt wurde, oder sei es, dass dieses Projekt (schon aufgrund nur einer Quelle) eher eine Sage und ein Mythos ist — die 4+1970 (im internationalen Jahr der Bildung) gegründete Freie Universität Frechen hat dieses Projekt als historischen Vorläufer „adoptiert“ — nicht in einem institutionellen Sinne, sondern im Hinblick auf Inhalte.

Welche Inhalte sind gemeint? Es genügt ein Hinweis auf den Wahlspruch „Sol lucet omnibus“ der 1303 Projekt gebliebenen Universitas Frekenae (s. Text der Beatus-Chronik, § 104) und seine Interpretation (DIE BEATUS-CHRONIK, S. 128). Um im Bild zu bleiben: Die „Sonne“ der Bildung scheint für Alle. Daher soll es gleichberechtigten Zugang Aller zum Bildungsangebot geben, und zwar nicht nur in der Theorie, nicht nur in politischen Fensterreden, sondern auch im praktischen Handeln des Staates und seiner Institutionen, und im Handeln aller Staatsbürger. In diesem Lichte ist übrigens auch diese Website zu sehen.

Was die BürgerInnen tun oder woran sie sich orientieren sollten, das ergibt sich glasklar aus den ersten Artikeln des Grundgesetzes, den Grundrechten. Wer das nicht mehr so genau „auf dem Schirm“ hat, kann es hier nachlesen: I. Die Grundrechte (Art. 1-19) | bpb. Aus diesem „Grundrechtskatalog“, vor allem aus Artikel 1, ergibt sich auch der Inhalt der oben erwähnten Grundwerte der Demokratie, denen sich die F.U.F. verpflichtet sieht.

Mehr zu den Inhalten und zur Geschichte der F.U.F. ist nachzulesen im LIEDERBUCH DER FREIEN UNIVERSITÄT FRECHEN, S. 189f., unter der Überschrift „Kurz-Info über die F.U.F.“. Seit April 2013 betreibt der Spiritus Rector die Website fu-frechen.de, die den Inhalten und der Lehre der F.U.F. gewidmet ist (und auf der Sie sich gerade befinden). Hier wird auch — auf der Unterseite >F.U.F.-Bibliothek — der Animus-Preis für bemerkenswerte Bücher vergeben (Näheres siehe dort).

-SR-

3h+

.

 Gedenk- und Feierkalender

der Freien Universität Frechen

 

27.01. Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus

29.01.1970 Gründung der Freien Universität Frechen5-Der Gründer der FUF, Selbstportr. als antiker Philosoph - 1969 (ideelle „Gegengründung“ zur Universität Köln)

25.02.1591 Friedrich Spee von Langenfeld geb., Autor der „Cautio Criminalis“ gegen die Hexenprozesse

03.03.2009 Einsturz des Kölner Stadtarchivs mit angrenzenden Wohngebäuden, 2 junge Menschen sterben

20.03.1970 Ende des astronomischen Venusjahres 1969/70; die FUF hat 10 eingeschriebene Mitglieder; außerdem Geburtstag des Gründungsmitglieds Ulrich Schumann (1948-2001) , der später als Gymnasiallehrer von seinen SchülerInnen „der Professor“ genannt wird (mehr >Persönliches / Ulrich E. Schumann)

21.03. Welttag der Poesie28

 

22.04. Earth Day

23.04. Welttag des Buches u. vermutlicher Geburtstag von William Shakespeare 1564 (mehr >Blog / Shakespeare!)

 

03.05. Internationaler Tag der Pressefreiheit

06.05.1925 Hanns-Dieter Hüsch geb.

23.07. Vanilleeis-Tag (in den USA)

06.08.1945 Atombombenabwurf auf Hiroshima

01.09. Antikriegstag

02.09.1951 Frechen wird Stadt

04.10. Tag des hl. Franz von Assisi / Internationaler Tierschutztag

09.10.1940 John Lennon geb.

16.10.1752 Adolf Freiherr von Knigge geb.

—1906 F. W. Voigt tritt als Hauptmann in Köpenick auf

10.11.1759 Friedrich Schiller geb.034b+Friedr. Schiller

—1807 Robert Blum geb.

3. Donnerstag im Nov. Internationaler Tag der Philosophie

21.11.1694 François-Marie Arouet geb., später bekannt als Voltaire, Autor u.a. des «Candide»

23.11.615 Tag des hl. Columbanus

30.11.1835 Mark Twain geb.

03.12.1923 Wolfgang Neuß geb.

10.12. Internationaler Tag der Menschenrechte041

13.12. Tag der hl. Luzia, Tagesmotto: „Es ist besser, das kleinste Licht zu entzünden, statt sich über Dunkelheit zu beklagen.“ (Kung-Fu-Tse)

 

 

 

—1878 Johann Semrau geb.

19.12.1940 Phil Ochs geb.

13g+

.

Gratulation / Congratulations!

Die F.U.F. gratuliert…

,,,Conchita Wurst und dem ganzen Land Österreich zum Gewinn des Grand Prix Eurovision 2014. Österreich poliert sein Alm-Öhi-Image auf und katapultiert sich in der Außenwirkung weit nach vorn in die Moderne. Als Kommentar genügt, was man dazu auf folgendem link lesen kann: http://songtexte-schreiben-lernen.de/blog/ (Da muss man inzwischen, 2016, weit herunterscrollen zur S. 4 zum Beitrag „Merci Conchita“ vom 12.05.2014).

Im Übrigen sei daran erinnert, dass Österreich, im Besonderen Wien, durchaus auf der Höhe der Zeit ist, auch wenn sein Image ein wenig getrübt ist durch das, was in Nachrichtensendungen oft vorrangig gezeigt wird: Jubel für Hitler 1938, Wahlerfolge für Jörg Haider, alternder Multimillionär kauft sich Glamour-Begleitung für den Opernball, und so. Weniger schön auch: Oswald Wiener wurde weggemobbt und ging nach Berlin. Immerhin missioniert seine tüchtige Tochter Sarah Wiener in Sachen vernünftige und gesunde Ernährung (was man nur unterstützen kann!) und rät dringend davon ab, sich nur von der gängigen Industrie-Matsche zu ernähren, sondern rät vielmehr dazu, möglichst regionale Produkte zu kaufen, Fleischprodukte aus tierquälerischer Herstellung zu meiden sowie Nahrungsmittel mit zweifelhaften chemischen Zusätzen (wozu auch übermäßig verabreichte Antibiotika zählen). —

13a

… den 2001 Menschen, die zum Welt-Umwelttag am 05.06.2014 in einem Park vor Kathmandu/Nepal zwei Minuten lang Bäume umarmten. Egal, ob das als neuer Weltrekord im Bäumeumarmen gilt, auf jeden Fall ist dies ein064 Signal: „Hallo, Bruder Baum!“ Eine innige Verbundenheit mit anderen Geschöpfen der Natur wird hier sinnbildlich verdeutlicht.

Der Mensch kann sich zwar als von der Natur abgehobenes Wesen denken, aber er ist es nicht. Und wütendes Abholzen schafft ihm auch keine Distanz — weil ihn dieser Verlust auf die eine oder andere Art wieder einholt. Dafür kennt die Geschichte wie die Gegenwart zahllose Beispiele. —

Übrigens: Am 25.04. ist Tag des Baumes. Man sollte Bäume aber nicht nur an diesem Tag wertschätzen. Mehr >Happy Tree-Day! | Greenpeace Blog

13a

Malala Yousafzai und Kailash Satyarthi zum Friedensnobelpreis 2014. Die Eine engagiert sich — trotz des beinahe erfolgreichen Mordversuchs an ihr — für die Bildung von Kindern, besonders der benachteiligten Mädchen; der Andere kämpft in Indien gegen die Versklavung von Kindern bzw. Kinderarbeit unter menschenunwürdigen Bedingungen.

In einer Rede vor den Vereinten Nationen in New York sagte Malala (17): „Ein Kind, ein Lehrer, ein Buch und ein Stift können die Welt verändern.“ Ganz bestimmt kann Bildung wesentlich dazu beitragen, dass Menschen nicht an längst überholten Ansichten über die Herrschaft des Mannes über die Frau festhalten; und überhaupt: dass Menschen nicht schicksalsergeben Herrschaftsverhältnisse hinnehmen müssen, die auf Ausbeutung und Unterdrückung ausgerichtet sind; dass geknechtete Menschen sich nicht in Abhängigkeit und Unwissenheit auch noch für die Zementierung mittelalterlicher Verhältnisse einsetzen, weil sie glauben, dass die von Menschen geschaffenen Machtverhältnisse natürlich oder gottgewollt seien.

Bildung und Aufklärung sind den Vertretern und Nutznießern einer patriarchalischen Gesellschaftsordnung wie auch eines autoritären Regimes immer ein Dorn im Auge. Daher werden Ausgaben für das Bildungswesen in konservativ geprägten Ländern als zweitrangig betrachtet, und meist für Mädchen gar nicht erst vorgesehen. Den Herrschaftsnachwuchs schicken die Vermögenden sowieso auf Eliteschulen (vozugsweise in Europa oder in den USA). Im eigenen Land reicht — aus der Sicht der Herrschenden — ein niedriges Bildungsniveau für die breite Bevölkerung vollkommen aus.

Im feudalistischen Europa früherer Jahrhunderte prägte einmal ein adliger Großgrundbesitzer die Formel: „Ein Ochse vor dem Pflug und einer hinter dem Pflug.“ So wünschten sich die Herrschenden die agrarisch geprägte Gesellschaft. „Zuviel“ Wissen war ihrer Meinung nach für die Untertanen unnötig, und suspekt — als möglicher Auslöser eigener Gedanken. Denken, und auch noch selbständig? Unerwünscht! So sehen das herrschende Kreise in vielen Ländern noch heute. —

13a

… Tushi (23) zu ihrem entschlossenen Vorgehen gegen unerwünschte Beobachtung durch eine Drohne: Im April 2015 griff sie zu einer fast 2m langen Weidenrute und holte damit schon beim zweiten Peitschenhieb die Drohne aus der Luft, die sie filmen sollte. Die Drohne stürzte zu Boden und war hinüber.

„Fein gemacht!“ möchte man ihr lobend zurufen: Eine Schimpansenfrau in einem Zoo in Arnheim demonstrierte den Menschenaffen beiderseits der Umzäunung des Freigeheges, dass man sich gegen Totalüberwachung wehren muss. Die Primaten außerhalb des Geheges, die Tushi verblüfft zuschauten, waren gewöhnt zu denken, sie seien die Oberschlauen, die Schimpansen dagegen bloß Affen mit bescheidener Intelligenz. Denkste! Wer sich „Mensch“ nennt, ist damit noch nicht selbstverständlich allen Tieren überlegen. Von Tushi können wir jedenfalls was lernen. —

13a

Snowden auf einem Poster

Snowden auf einem Poster

… Maximilian Schrems (28) zum Erfolg seiner Datenschutz-Klage vor dem Europäischen Gerichtshof und schließt sich den Glückwünschen von Edward Snowden* vom 06.10.2015 an. Max Schrems zeigt wie schon zuvor u.a. Conchita Wurst (s.o.), dass Österreich helle Köpfe hat, die das Land weit nach vorn ins 21. Jahrhundert bringen. Das kann man aber nicht mal eben im Handstreich erledigen, vielmehr braucht man gute Kenntnisse und einen langen Atem: Der Jurist Schrems gründete in Wien den Verein „Europa versus Facebook“ und legte los mit Klagen, ließ sich auch von abschlägigen Bescheiden nicht bremsen und bekam nun vor dem EuGH recht. Noch sind unsere Daten nicht vollends in der Hand weltumspannender Datenkraken! —

* mehr zu Edward Snowdon → Chronik einer Enthüllung

13a

… Bob Dylan (75) zum Literatur-Nobelpreis, für den er seit Jahren vorgeschlagen wurde. Für FUF-Mitglieder des Jahres 1970 wie für Viele dieser Generation war Dylan eine Stimme des geistigen Aufbruchs hin zu einer kritischen Distanz zum etablierten Konservatismus, man hörte Songs von Bob Dylan (z.B. „The times, they are-a changing“) und tanzte zur Musik der Beatles und anderer Bands, die das Lebensgefühl der jungen Generation ausdrückten  Es war ein Aufbruchsgefühl, man wollte nicht mehr angepasst und folgsam sein:

          Your sons and your daughters / Are beyond your command / Your old road is / Rapidly agin‘

Dylan produzierte mehr als nur „Protest-Songs“ für die Jugend der 1960er Jahre, sein Werk ist vielfältig, seine Wandlungen über die Jahrzehnte sind legendär. —

13a

.… Michelle Obama (52, Präsidenten-Gattin, First Lady) zu ihrer Rede am 16. Oktober 2016, die mehr war als eine Unterstützung von Hillary Clinton im Präsidentschaftswahlkampf: Sie rückte nach den vielen Ausfällen und Entgleisungen auch frauenfeindlicher Art des Kandidaten D. Trump die moralischen Maßstäbe gerade. Sie bekräftigte die demokratischen Werte, insbesondere auch die Selbstbestimmung der Frauen. Wer des Englischen mächtig genug ist, sollte sich diese Rede anhören und anschauen: >#AmericanShortStories: Kampf ums Weiße Haus | ZEIT ONLINE  (Das Video kann mit engl. Untertiteln gesehen werden.) Dem ist nichts hinzuzufügen, auch der SR applaudiert. —

13g+

— Leitsätze —

4-allegor. Fig.+Res severa est verum gaudium. (Seneca). – Frei übersetzt: Let’s have a Durchblick, yeah!

Des Geistes Substanz ist die Freiheit. (Georg Wilhelm Friedrich Hegel) – Heißt: Der echte Philosoph und der wahre Durchblicker kennen keine Denkverbote.

Wichtig ist, dass man nicht aufhört zu fragen. (Albert Einstein) – … sonst wird es nichts mit dem Durchblick!

13g+

Da gibt es doch tatsächlich…

… zum Ärger der Saturierten, Autokraten, Potentaten, Konzernmagnaten, diktatorischen Psychopathen, Egomanen und anderen Machtbesessenen sowie in ihrem Gefolge an ihrer Schleimspur erkennbaren Opportunisten…

… einige Menschen, die sich erdreisten, sich ihres eigenen Verstandes zu bedienen und geistiger Verfettung entgegenzuwirken – indem sie nachfragen, indem sie Antworten nicht nur in den Verlautbarungen suchen, die ihnen von amtlicher Seite und von kommerziellen Medien angeboten werden, indem sie auch mal weiter nachforschen und sich nicht mit der erstbesten Antwort zufrieden geben, kurzum: Menschen, die sich nicht für dumm verkaufen lassen wollen und dafür auch mal etwas Zeit und Denkarbeit investieren, öfter mal das Kleingedruckte lesen, zwischen den Zeilen lesen, genau hinhören und auch mal da hinsehen, wovon sie der Mainstream mit seiner Reiz- und Informationsüberflutung eher ablenken will.IMG_0483

Zu diesem Verhalten will die F.U.F. nicht nur ermutigen. Da sie soviel Aufklärung, wie nötig ist und nachgefragt wird, allein gar nicht bereitstellen und anbieten kann, verweist sie bei Gelegenheit auf Fundstellen im Netz, wo ergänzend und ausführlicher informiert wird. Deshalb werden in dieser Website hier und da Links gesetzt. Die F.U.F. ist ja frei in (fast) jeder Hinsicht, wie oben bereits gesagt, also werden auch Hinweise auf Zusatzinformation sowie auf offene Fragen kostenlos an Interessierte weitergegeben.

Natürlich bedeutet ein empfohlener Link nicht, dass die F.U.F. bedenkenlos alles und jede Einzelmeinung unterstützt, die sich irgendwo auf einer verlinkten Seite findet.  Wer den Geist der F.U.F. richtig einschätzt und versteht, der weiß, dass hier nicht dazu aufgerufen wird, das eigene Hirn und Denkvermögen zeitweise abzuschalten oder in einen Schlafmodus zu versetzen, während man einen Text liest. Vielmehr sollte man nie auf eine kritische Distanz verzichten. Das gilt natürlich auch für diese Website hier! Man sollte im Prinzip alles kritisch prüfen und hinterfragen, aber ja doch! Etwas Anderes zu behaupten wäre unglaubwürdig. Denn unsere Seite dient nicht einer Gehirnwäsche und Indoktrination, und daher rufen wir nicht dazu auf, nur uns und sonst niemandem zu glauben.

Wir empfehlen: Grundsätzlich sollte man nicht vorschnell glauben, was dem gesunden Menschenverstand, sicheren Fakten und klarer Logik widerspricht. Und man sollte auch nicht nur auf Textinhalte achten, sondern immer beachten, welches Medium und welcher Kommunikator diese Inhalte vermittelt. Und eins sollte auch klar sein: Jede Darstellung oder Analyse bedeutet eine Auswahl und Bewertung von Fakten — selbst dann, wenn sie um Objektivität bemüht ist und vermeintlich neutral und unvoreingenommen berichtet.

071

Es gibt mehr zu entdecken, als man im vorgegebenen Rahmen sieht… Und Achtung: Jede Auswahl ist auch schon eine Interpretation! (Blck aus dem Staff-Landschaftspark in Lemgo)

Das berechtigt aber nicht dazu, jeder Informationsquelle von vorneherein verborgene, womöglich finstere Absichten zu unterstellen, wenn sie der eigenen Meinung widerspricht. Im Übrigen dürfen Sie sich darüber freuen, dass es die F.U.F. und andere kostenlose Bildungsangebote gibt, die nicht bloß Informationen liefern, sondern auch geistige Anregung und moralische Orientierung anbieten — ohne Sie zu bevormunden. Denn in der F.U.F. gilt:

Selber Denken bringt’s!

.

30a-Allegorie auf die Gelehrsamkeit - Frechen, Ringschule

.

Aber Weisheit, personifiziert in obiger Statue in Frechen, erwirbt man nicht mit einer kurzen Anstrengung, man frisst sie auch nicht mit Löffeln, wie eine alte, ironische Redewendung es formuliert. „Weisheit“ leitet sich aus dem Wort Wissen ab und bedeutet eine qualitative Steigerung, weniger eine quantitative Anhäufung von Wissen. Weisheit wächst aus Wissen und dem Abgleich von erworbenem Wissen mit Lebenserfahrung, also aus der Reflexion und tieferen Durchdringung von Wissen und Erleben.

So spricht man auch von Altersweisheit, da dieser langandauernde Prozess vielen Menschen mit zunehmendem Alter einen Zuwachs an Weisheit bringt — aber nicht zwangsläufig. Denn dieser Prozess setzt schon ein eigenes Bemühen voraus, nämlich ein Bemühen um mehr Verständnis der Welt und der Menschen.

6d

Nepomuk-Figur, Burg Bachem

Eine gewisse Weltoffenheit und Lernbereitschaft gehören dazu; hinderlich dagegen ist eine Haltung, die immer nur die Bestätigung bisheriger Erkenntnisse und die Bestätigung liebgewonnener Vorurteile sucht, und dabei alles ignoriert, was nicht ins eigene, feststehende Weltbild passt. Gerade in unserer heutigen Welt mit Beschleunigung, Informationsflut und Globalisierung ist Lernbereitschaft — auch im fortgeschrittenen Alter — unverzichtbar, um noch halbwegs durchzublicken; aber ebenso nötig ist auch das gelegentliche Innehalten, um Erlebtes „sacken zu lassen“, gedanklich zu ordnen und in Ruhe zu reflektieren.

Selbstredend verbietet es sich, Urteile und Bewertungen von Anderen einfach kritiklos zu übernehmen, solange man zu eigenem Denken fähig ist; und es ist eines vernunftbegabten Wesens unwürdig, ohne ausreichende Sachinformation Urteile zu fällen. In diesem Sinne gilt die oben schon ausgerufene Parole: Selber denken bringt’s!

Das sollte man auch denjenigen Menschen nahelegen, die sich für oberkritisch halten und z.B. in letzter Zeit auf gewissen Demos den Medienvertretern „Lügenpresse!“ zurufen. Wer hat denen bloß eingeredet, etablierte Medien seien grundsätzlich nicht vertrauenswürdig? Und woher beziehen sie dann ihre „vertrauenswürdigen Informationen“? Aus eher obskuren Quellen, die oft geschwängert sind mit allerlei Verschwörungstheorien. Na, toll!

Es ist ja schön und lobenswert, wenn sich ein Mensch bemüht, Zusammenhänge zwischen einzelnen Dingen zu sehen oder aufzuspüren; aber es führt zu nichts Gutem, wenn jemand mit aller Gewalt Zusammenhänge konstruiert, die so beim besten Willen nicht erkennbar oder nicht nachweisbar sind, und dann noch Anderen unterstellt, sie würden diese Zusammenhänge bewusst verschleiern oder leugnen.

Und da kommen wir wieder zur Unterscheidung von seriösen Informationsquellen und solchen, die nur eine bestimmte Meinung oder ein bestimmtes Weltbild propagieren wollen.

Wer, wie z.B. der S.R. der F.U.F., schon seit Jahrzehnten die Medienwelt mit kritischem Interesse beobachtet, und sich ein wenig für Journalismus und die Arbeitsbedingungen der Medien interessiert, der sieht eher den Unterschied zwischen gelenkter oder voreingenommener Berichterstattung einerseits und dem Bemühen andererseits, die Öffentlichkeit sowohl möglichst neutral zu informieren als auch die Informationen einzuordnen und — deutlich getrennt davon — zu kommentieren.

Das muss der Anspruch an „die Medien“ generell sein, und im Besonderen an solche, die sich nicht in die Boulevard-Schublade einsortiert sehen wollen. Was damit gemeint ist: Wenn ein Boulevard-Blatt bzw. seine Online-Ausgabe mit der Nachricht gleich auch Emotionen und Meinung in einem Zug mitliefert, dann wird dem Leser/der Leserin nahegelegt und suggeriert, was er/sie dabei fühlen und denken soll (bzw. ihm/ihr wird das Denken gleich abgenommen — was geistig bequemen Leuten entgegenkommt).

Dagegen nimmt ein QualitätsBlatt bzw. seine Online-Ausgabe seine LeserInnen ernst in ihrer Erwartung, zuerst sachlich informiert zu werden, um sich dann eine eigene Meinung zu bilden. Voraussetzung ist, dass gut ausgebidete JournalistInnen beschäftigt werden, die professionell recherchieren, statt bloß Gerüchte zu kolportieren oder sich auf der Basis weniger Informationen vorschnell eine Meinung zu bilden. Guter Journalismus, also gute Recherche, Prüfung und Einordnung der Informationen, kostet aber auch, und dazu muss ein Blatt finanziell in der Lage sein — was heutzutage schwieriger geworden ist.

3n-Zi

Detail am Zeitungsbrunnen in Köln, Breite Straße

Auch hier gilt für LeserInnen: Selber Denken bringt’s! Es steht uns frei, dem Kommentar eines Redakteurs zu einem bestimmten Thema zu folgen und seine Meinung für gut zu befinden, oder uns eine andere zu bilden. Wem das zu mühsam ist, der liest halt nur ein Tendenzblatt, das eine Meinungsrichtung von vorneherein bevorzugt und es darauf anlegt, diese zu bestätigen und für sie zu werben.

Eine besondere Kategorie ist der Bereich der öffentlich-rechtlichen Medien. Sie arbeiten unter bestimmten gesetzlichen Vorgaben: Hier soll sich das Meinungsspektrum der Gesellschaft abbilden, und hier soll auch der demokratische Diskurs gefördert werden.

Doch mit dem demokratischen Diskurs ist das so eine Sache: Wo ein Meinungsaustausch und eine sachliche Diskussion stattfinden sollen, muss von den TeilnehmerInnen erwartet werden, dass sie Anderen zuhören und auf ihre Argumente eingehen. Oft erlebt man aber, z.B. in Talk-Runden im Fernsehen, dass nicht sachlich diskutiert und debattiert wird, sondern insbesondere parteipolitisch engagierte Leute nur ihre eigene Position darstellen wollen und jedem ins Wort fallen, der eine andere Position darzustellen versucht. Damit verärgern sie aber das Publikum, soweit es aus der Diskussion sachliche Informationen über die verschiedenen Positionen erhalten und sich selbst eine Meinung bilden will.

Im Übrigen würde ich sagen: Wer schlecht zuhören kann, wer andere Meinungen nicht ertragen kann, sollte sich nicht wundern, wenn man lieber ohne seine Anwesenheit diskutiert. Denn eine der demokratischen Tugenden ist: andere Meinungen respektieren, statt sie niederzuschreien.

Grundsätzlich lebt eine Demokratie davon, dass Leute sich informieren und diskutieren. Das war schon im alten Athen so, als man für die Polis (=den Stadtstaat) die Demokratie erfunden und eingeführt hatte. Die freien, stimmberechtigten Bürger interessierten sich selbstverständlich für Politik (=die Angelegenheiten der Polis), und wer das nicht tat und nicht mitreden konnte, wurde verachtet. Der Bürger der griechischen Polis war ein engagierter Staatsbürger, der sein Recht zur Teilhabe als Pflicht wahrnahm.

Nach diesem Vorbild entwickelte man in der Großen Französischen Revolution von 1789 das Ideal des Citoyen, eines engagiert an der Politik teilnehmenden Staatsbürgers, der sich dieses Recht auch nicht nehmen lässt. Voraussetzung dafür ist natürlich Information, die hauptsächlich von Massenmedien bereitgestellt wird. Deshalb sind oben die Medien so ausführlich behandelt worden: Sie spielen eine wichtige Rolle.

Und darum gab und gibt es auch immer Versuche, über die Massenmedien eine bestimmte Meinung zu verbreiten bzw. eine bestimmte Partei zu unterstützen. Das ist okay, wenn das offen gesagt wird und der/die Informationshungrige weiß, welche Tendenz er/sie in einer bestimmten Zeitung, in einem bestimmten Radio- oder Fersehsender, auf einer bestimmten Internet-Seite usw. zu erwarten hat. Aber Medien, die sich „unabhängig“ nennen, sollten sich tendenziöser Berichterstattung enthalten und Versuche zurückweisen, auf ihre Berichterstattung Einfluss zu nehmen, sei es von Interessenvertretern aus der Politik, der Wirtschaft oder sonstigen Interessenverbänden.

Um als Citoyens eine Demokratie zu beleben, sollten wir 1. als interessierte BürgerInnen die Politik beobachten, 2. zuverlässige, unabhängige Informationsmedien nutzen, und 3. den Willen zum Mitbestimmen und Mitgestalten haben. Letzteres bedeutet mehr als  bloß Teilnahme an Wahlen, sondern darüber hinaus Beteiligung an anderen Möglichkeiten der Mitwirkung und Mitbestimmung in verschiedenen Lebensbereichen — auf jeden Fall da, wo man selbst betroffen ist und sich auskennt, denn da kann man am ehesten an einer Verbesserung der Zustände mitarbeiten. Ansonsten muss man sich informieren, um qualifiziert mitreden und urteilen zu können.

So, das musste einmal so deutlich und ausführlich dargestellt werden. Für viele BesucherInnen dieser Website war das sicher schon vorher klar, für Andere war das hoffentlich eine Erinnerung, und ein Anstoß zu eigener Aktivität: nicht bloß meckern, sondern Demokratie aktiv mitgestalten!

—————

P.S. Gehören Sie vielleicht zu den Menschen, die längeren Texten nicht oder nur mit Anstrengung gedanklich folgen können und selbst in Boulevard-Zeitungen nur die fetten Überschriften lesen? Dann hat Sie der obige Text sicherlich ermüdet, und Sie haben unterwegs geistig abgeschaltet. Nun, da hilft die Empfehlung: Lesen Sie die „Leitsätze“ oben, und versuchen Sie, diese für sich selbst zu beherzigen!

Dazu noch eine dringende Empfehlung gegen schnelles Ermüden: Schlafen Sie sich aus! Ausreichender (Nacht-)Schlaf ist wichtig für die Gesundheit und Fitness, der Körper führt im Tiefschlaf zahlreiche Reparaturarbeiten aus, die Psyche verarbeitet liegengebliebene Dinge in den Traumphasen. Lassen Sie sich nicht von den Medien (Fernsehen, Computer, Smartphone) Ihren Tagesablauf diktieren, hören Sie auf die Signale Ihres Körpers wie Hunger, Durst, Müdigkeit, und seien Sie HerrIn Ihrer Entscheidungen! (ein Tipp aus dem Ganzheitlichen Institut der Freien Universität Frechen). —

Nachtrag zu den öffentlich-rechtlichen Medien vom 05.05.2016: Man kann sich genaues Hinsehen und qualifizierte Kritik sparen, simpel „Lügenpresse“ rufen und den Rundfunkbeitrag eine „Zwangssteuer“ nennen… oder sich mal genauer mit der Thematik beschäftigen und z.B. das Fernsehen von ARD und ZDF mit sachlichen Argumenten kritisieren, wie es dieser Wortbeitrag macht: >Öffentlich-rechtliche in der Kritik: Wie ARD und ZDF ihren Programmauftrag verraten – Medien – Tagesspiegel

S. R.

13g+.

Bildung — wozu?

Wozu Bildung gut sein soll, ist für Viele eine gänzlich überflüssige Frage. Natürlich, so finden sie, ist Bildung grundsätzlich erstrebenswert, und erworbene Bildung ein hohes Gut. Die Schulbildung, ergänzt durch weitere Aus- und Fortbildung, ist ihnen nicht nur eine Bereicherung ihrer Persönlichkeit und eine Erweiterung ihres Horizonts, sondern auch eine Bereicherung im Hinblick auf berufliche Chancen zu Aufstieg und höherem Einkommen.

Doch das Mantra von mehr Bildung = mehr Berufschancen, oder mehr Qualifikation = mehr Gehalt, dieser in den letzten Jahrzehnten ständig wiederholte Glaubenssatz stimmt so nicht ganz. Abgesehen davon, dass mancher Jobsuchende für manche Stelle überqualifiziert ist, gibt es noch ganz andere Gesichtspunkte, die dieses Bildungsmantra heutzutage in Frage stellen. Der Grund hierfür ist in der realen Entwicklung des Arbeitsmarktes und der Einkommen zu suchen.

Ein Artikel, genau genommen, ein Interview mit einem Buchautor, der dazu Näheres ausführt und zu denken gibt, findet sich hier: >Kapitalismuskritik: Was macht die Angst vorm Abstieg mit uns? – SPIEGEL ONLINE

In der BRD gab es eine Zeit, da wurde von der Politik weitgehend akzeptiert, dass der Staat mehr für die Bildung einer breiten Bevölkerung tun müsse, da verkündete ein Bundeskanzler in seiner Regierungserklärung die Parole „Mehr Demokratie wagen“, da wurde die Gesamtschule als Modellversuch eingeführt (und von Konservativen heftig abgelehnt). Neben dem politischen Aspekt stand auch ein Interesse der Wirtschaft, die Potentiale der Bevölkerung besser auszuschöpfen, d.h. vorhandene Begabungen und Fähigkeiten besser zu nutzen, als es das traditionelle, dreigliedrige Schulsystem bis dahin leistete.

So machten im Laufe der 1970er Jahre mehr junge Leute Abitur, die Zahl der Studierenden an den Hochschulen stieg, u.a.m. Der Trend hielt an, zugleich aber setzte in den 1980er und 1990er Jahren eine Sparpolitik ein, die das Lehrpersonal reduzierte und vorgab, so durch eine Zeit steigender Schülerzahlen hindurch wirtschaften zu können. (In NRW verlautete das zuständige Landesministerium damals, man werde den zu erwartenden „Schülerberg untertunneln“. Diese Worthülse verschleierte: Man würde sich mit kurzfristigen Maßnahmen durchwursteln.)

Seit dieser Zeit gab es immer wieder Elternbeschwerden über ausfallende oder nur unzureichend vertretene Unterrichtsstunden. Eine „Lehrerfeuerwehr“ (bestehend aus arbeitslosen Lehrkräften mit Zeitvertrag) sollte Ausfall durch längerfristige Erkrankungen auffangen, was statistisch zu weniger Unterrichtsausfall führte, praktisch aber Reibungsverluste und mangelde Kontinuität im realen Unterricht nach sich zog. So streiten sich seitdem immer wieder Elternvertreter mit dem Schulministerium über die Bewertung von Unterrichtsausfall und dessen Auswirkungen.

Dass dieser Streit nicht abebbt, macht u.a. das oben zitierte Interview deutlich: Eltern fürchten Bildungsdefizite bei ihren Kindern und damit Benachteiligung auf dem Arbeitsmarkt. Diese Ängste haben sich eher noch verschärft. (Den weiteren Zusammenhang entnehme man dort.)

Bildung dient also nicht nur der Persönlichkeitsentfaltung und Horizonterweiterung, sondern ganz konkret dem späteren höheren Gehalt und damit dem besseren Leben. Danach streben sehr Viele. Und doch ist die Situation in dem Interview mit Oliver Nachtwey so beschrieben: „Für viele Menschen stellt sich unsere Gesellschaft als eine nach unten fahrende Rolltreppe dar, gegen die sie anlaufen müssen, um nicht abzusteigen.“

Bildung bietet heute keine Garantie mehr für einen sicheren, gut bezahlten Arbeitsplatz. Das bedeutet, dass Verunsicherung sich auch im Bildungsbürgertum ausbreitet. Aber wie konnte es dazu kommen? Wir sprachen oben von der Sparpolitik an Schulen. Die Idee dazu kam nicht aus dem Schulbereich, sondern von Unternehmensberatern, gerufen von Schulministern, die sich überreden ließen: Überall ist jetzt neoliberale Wirtschaftspolitik angesagt, da darf die Bildungs-Branche nicht abseits stehen, auch sie kann Personalkosten reduzieren und dem Staat weitere Verschuldung ersparen.

Der fatale Wendepunkt war, dass in Politik und Verwaltung nun ein Umdenken forciert wurde: Es ist altmodisch, wie früher zu wirtschaften, seid auf der Höhe der Zeit und „verschlankt“ vor allem die personalintensive Verwaltung. Und dann wurden auch die Bildungseinrichtungen als personalintensives Einsparpotential ins Visier genommen. Und die Gesundheitsfürsorge! An Krankenhäusern begann man nun, den Patienten als Kostenfaktor zu berechnen, für den nicht mehr soviel Zeit und Aufwand nötig sein durfte. Ebenso drängten die Krankenkassen nun die niedergelassenen Ärzte, usw. Die folgende Misere ist bekannt.

Vor einigen Jahren beschrieb schon Dr. Bogner-Lafranc kritisch den Siegeszug „der neoliberalen Wirtschaftsideologie, die den Ökonomismus selbst in Bereiche vortreibt, wo er nichts zu suchen hat, etwa im Bereich der Erziehung, der sozialen und der Krankenfürsorge.“ (Man lese mit Gewinn den ganzen Text in DIE BEATUS-CHRONIK: „Nachwort für das akademische Publikum“, S. 137-145). Denn ethisch schwer zu vertreten sind Einsparungen im Bereich der Daseinsvorsorge, wenn andererseits der Staat mit Steuergeldern Unternehmensgewinne maximiert (z.B. per Subventionierung von Niedriglöhnen durch Aufstockung auf Hartz-IV-Niveau).

Nun, Bildung mag heute kein Garant mehr für gute, sichere Jobs sein; aber sie hilft zumindest, den Durchblick zu bekommen und vielleicht sogar zu erkennen, von wem man ausgenommen und von wem man hinter’s Licht geführt wird. Denn immer noch schwebt der Kallendresser in Köln über dem Alter Markt… (siehe dazu >Blog / Köln-Notizen #16, vom 23.11.2014).

S. R.

.

Als food for thought sei hier noch ein Satz des Fotografen Michael Horbach zitiert:

Eine gerechte Welt ist möglich.

Ok, und abgehakt? Nein! So schnell gehen wir nicht über einen solchen Satz hinweg, als wär’s ein beliebiger Werbespruch aus dem Werbeblock in einer Fernsehsendung. Wir halten inne, lesen den Satz noch einmal. Und dann noch einmal gaaaanz in Ruhe. Wort für Wort. Besonders das letzte Wort. Und dann dämmert uns hoffentlich, was in diesem Satz steckt! Viel Spaß beim Denken!

S. R., 29.04.2017

8b