{"id":471,"date":"2013-07-08T18:08:04","date_gmt":"2013-07-08T16:08:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fu-frechen.de\/?page_id=471"},"modified":"2026-01-09T21:34:34","modified_gmt":"2026-01-09T20:34:34","slug":"f-u-f-die-beatus-chronik","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.fu-frechen.de\/?page_id=471","title":{"rendered":"Frekena (Geschichte Frechens)"},"content":{"rendered":"\n<p><a href=\"https:\/\/www.dmgh.de\/de\/fs1\/object\/display\/bsb00000749_00232.html?sortIndex=010%3A020%3A0002%3A010%3A00%3A00&amp;zoom=0.75\"> <\/a><\/p>\n\n\n<h1 style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: #ff0000;\"><a href=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/Frek.png\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"aligncenter wp-image-4447\" src=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/Frek-300x163.png\" alt=\"\" width=\"608\" height=\"331\" srcset=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/Frek-300x163.png 300w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/Frek-768x418.png 768w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/Frek-1024x558.png 1024w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/Frek-624x340.png 624w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/Frek.png 1241w\" sizes=\"(max-width: 608px) 100vw, 608px\" \/><\/a>&#8230; ist die Bezeichnung des Ortes Frechen in einer mittel-alterlichen Urkunde,<\/span><\/h1>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #ff0000;\"><strong>nicht irgendeiner Urkunde<\/strong><\/span>, sondern derjenigen, die Kaiser Karl III. am 20. Juni 877 in Compi\u00e8gne dem Abt der Abtei Saint-Bertin in St.-Omer\/Flandern ausgestellt hat: eine Best\u00e4tigung der Besitzt\u00fcmer der Abtei.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Was ist daran so Besonderes?<\/strong> Die Urkunde z\u00e4hlt unter den Besitzt\u00fcmern der Abtei auch L\u00e4ndereien im Rheinland auf, darunter die Kirche und H\u00f6fe mit Land im Dorf Frechen. Dies ist die <span style=\"color: #ff0000;\"><strong><em>\u00e4lteste schriftliche Erw\u00e4hnung Frechens<\/em><\/strong>.<\/span> Das bedeutet, dass der Ort mit Sicherheit im Jahr 877 schon l\u00e4nger existierte. Mehr noch, aus dem Zusammenhang des Inhalts der Urkunde ergibt sich, eingebettet in den historischen Hintergrund, folgendes Bild:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Frechen existierte bereits in der Zeit der Merowinger (482-751) als Dorf und bekam den Status &#8222;Freies Kaufdorf&#8220; zugesprochen, weil es in der Region an Markt- und Handelspl\u00e4tzen mangelte. Das nahegelegene K\u00f6ln hatte n\u00e4mlich seine alte Bedeutung als r\u00f6mische Provinzhauptstadt und Handelsstadt nahezu vollst\u00e4ndig eingeb\u00fc\u00dft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Seit K\u00f6nig Chlodwig sich zum r\u00f6misch-katholischen Christentum bekannt hatte (ca. 500 n. Chr.), war die herrschende Adelsschicht wie die Kirche daran interessiert, die Bev\u00f6lkerung im Frankenreich, die gro\u00dfenteils weiterhin &#8222;heidnischem&#8220; Glauben anhing, zum Christentum zu bekehren. Daher machte der gro\u00dfgrundbesitzende Adel der Kirche immer wieder Landbesitz zum Geschenk, um sie materiell zu versorgen und ihre Missionst\u00e4tigkeit im Lande zu unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So erhielt die bereits erw\u00e4hnte Abtei Saint-Bertin, gegr\u00fcndet von Audomar, Schenkungen im Rheinland, u.a. in Frechen. Damit wurde diese Abtei die gr\u00f6\u00dfte Grundbesitzerin am Ort.\u00a0 Und nach damals geltenden Regeln war sie somit verpflichtet, die \u00f6rtliche Kirche zu errichten. Nach dem Prinzip der Eigenkirche war sie nicht nur Besitzerin dieser Kirche, sondern bestimmte dort auch den Pfarrer.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aus dieser Zeit stammt auch das Patrozinium &#8222;Sankt Audomar&#8220;. Diesen Namen tr\u00e4gt die Kirche bis heute. Laut besagter Urkunde von 877 war sie damals &#8222;Mutterkirche&#8220;. Daraus leiten sich Folgerungen ab: Diese Kirche war bereits Ausgangspunkt weiterer (Tochter-) Kirchengr\u00fcndungen im Umkreis gewesen, sie muss also 877 schon eine l\u00e4ngere Zeit bestanden haben. Doch mangels schriftlicher Zeugnisse l\u00e4sst sich der Zeitpunkt der Kirchengr\u00fcndung in Frechen nur ungef\u00e4hr eingrenzen: nicht vor Einsetzen der Verehrung Audomars als Heiliger, und nicht vor der Schenkung an die Abtei, also nicht vor ca. 720, und lange vor 877, n\u00e4mlich vor 820, weil in diesem Jahr das neugegr\u00fcndete Stift an Notre Dame in Saint-Omer Miteigent\u00fcmer der rheinischen Besitzungen wurde.\u00a0 Wahrscheinlich liegt die Angabe in der Beatus-Chronik (s.u.) richtig, die um 750 als Datum nennt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die <strong>Urkunde von 877<\/strong> ist also wichtig f\u00fcr unsere Kenntnis der fr\u00fchen Geschichte Frechens, sie ist aber keineswegs seine Geburtsurkunde. Sie best\u00e4tigt nur, was schon lange Bestand hatte. Und: <strong>&#8222;Frekena&#8220;<\/strong> ist nicht etwa der offizielle Name Frechens gewesen; es ist ein Kunstwort, das in die lateinische Urkunde eingesetzt wurde. Das Dorf Frechen entstand weit fr\u00fcher, n\u00e4mlich als Gr\u00fcndung fr\u00e4nkischer Siedler, und hatte daher einen fr\u00e4nkischen Namen. <a href=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/7wf.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignright wp-image-4542\" src=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/7wf-207x300.jpg\" alt=\"\" width=\"307\" height=\"445\" srcset=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/7wf-207x300.jpg 207w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/7wf-768x1114.jpg 768w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/7wf-706x1024.jpg 706w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/7wf-624x905.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 307px) 100vw, 307px\" \/><\/a>N\u00e4heres siehe FRECHENER GESCHICHTE, S. 16f. (und hier weiter unten unter der \u00dcberschrift &#8222;Wie Frechen entstand&#8220;). Im Anhang dieses Buches ist auch der Text der Urkunde von 877 zitiert. \u00dcberhaupt widmet dieses Buch der fr\u00fchen Geschichte Frechens viel Aufmerksamkeit, weil Kenntnisse dar\u00fcber in Frechen kaum verbreitet waren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine zweite, f\u00fcr die Frechener Geschichte fast noch wichtigere Quelle ist dort ebenfalls \u2014 in Ausz\u00fcgen \u2014 abgedruckt: das <strong>Frechener Weistum<\/strong> (S. 46-48). Diese Quelle aus dem 16. Jahrhundert gibt uns Auskunft \u00fcber das teils schon Jahrhunderte alte Gewohnheitsrecht, das viele Details des Zusammenlebens der Menschen in Frechen regelte. Und in diesem Zusammenhang f\u00e4llt der Name eines echten Helden der Frechener Geschichte, dem wir die Aufzeichnung des Weistums verdanken: Hermann Spies von B\u00fcllesheim (siehe dort S. 32).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieses Weistum ist mehr als eine historische Quelle. Anhand des Waldweistums und des Schicksals des Erbenwaldes oberhalb von Frechen (vgl. dort S. 48) kommt man ins Gr\u00fcbeln: Die in diesem Falle erfolgte Umwandlung von Gemeineigentum in parzelliertes Privateigentum (1827) hatte f\u00fcr Frechen langfristig den Verlust dieses Waldes zur Folge. \u2014<\/p>\n<h2><span style=\"color: #ff6600;\"><em><strong><span style=\"text-decoration: underline;\">Das Buch:<\/span><\/strong><\/em><\/span><\/h2>\n<h4 style=\"text-align: justify;\"><strong>Wolfgang Reinert, <em>FRECHENER GESCHICHTE.<\/em> Edition Animus, 2018; <\/strong>Format A5, 52 Seiten, mit vielen Abbildungen. F\u00fcr 8,- \u20ac erh\u00e4ltlich in der Buchhandlung Brauns, Frechen, Keimesstr. 22.<\/h4>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Vorstellung des Buches:<\/em> Klappentext S. 52 (back page) hier anklicken &gt; <a href=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/FG-Backpage-1a.odt\">FG Backpage 1a<\/a><em> sowie Artikel &gt;<\/em> <a href=\"https:\/\/www.rheinische-anzeigenblaetter.de\/mein-blatt\/wochenende\/frechen\/kurz-und-kompakt-freyaheim--frekena--frechen-31702238\">Frechen: Kurz und kompakt: Freyaheim, Frekena, Frechen | rheinische-anzeigenblaetter.de<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Buch war sieben Monate nach seinem Erscheinen bereits vergriffen. In der Stadtbibliothek Frechen findet man es im Obergeschoss unter der Signatur &#8222;Dek REI&#8220;. Der Autor erw\u00e4gt eine durchgesehene, erweiterte Neuauflage. Diese wird m\u00f6glicherweise auch online publiziert werden &#8212; hier auf <em>fu-frechen.de. <\/em>Aber Geduld: &#8222;Gut Ding braucht Weile.&#8220; (Die \u00c4lteren kennen dieses Sprichwort noch.)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Einstweilen kann man seine Wissbegierde mit der Lekt\u00fcre von mehreren hier folgenden Beitr\u00e4gen zur Frechener Geschichte\u00a0 befriedigen:<em><br \/><\/em><\/p>\n<h3>\u00a0&#8211; Wie Frechen entstand, Teil 1 und 2<\/h3>\n<h3>\u00a0&#8211; Wie kam Audomar nach Frechen?<\/h3>\n<h3>\u00a0&#8211; Das Buch\u00a0 <em>Die Beatus-Chronik <\/em>: Inhalt, Resonanz, weitere Forschungen<\/h3>\n<h3>\u00a0&#8211; Anmerkungen zur fr\u00fchen Geschichte Frechens: Baugeschichte von Sankt Audomar &#8212; Saint-Omer &#8212; Was blieb?<\/h3>\n<p><a href=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/FG-Engel.png\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"aligncenter wp-image-4408\" src=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/FG-Engel-300x238.png\" alt=\"\" width=\"120\" height=\"95\" srcset=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/FG-Engel-300x238.png 300w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/FG-Engel-768x610.png 768w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/FG-Engel-624x496.png 624w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/FG-Engel.png 847w\" sizes=\"(max-width: 120px) 100vw, 120px\" \/><\/a><\/p>\n<h4><span style=\"color: #ffffff;\">.<\/span><\/h4>\n<h4 style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #008000;\">Schon 2013 ver\u00f6ffentlichte der Autor des oben vorgestellten Buches mehrere Beitr\u00e4ge zur fr\u00fchen Geschichte Frechens im <em>Blog<\/em> von <span style=\"text-decoration: underline;\">fu-frechen.de<\/span>. Diese Beitr\u00e4ge sind umgezogen und finden nun einen Platz hier auf der Unterseite <em>Frekena: <\/em><\/span><\/h4>\n<h2 style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: #008000;\"><em>Wie Frechen entstand (Teil 1 und 2)<\/em> <span style=\"color: #99cc00;\">und<\/span> <em>Wie kam Audomar nach Frechen?<\/em><\/span><\/h2>\n<h1 style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #ffffff;\">.<\/span><\/h1>\n<h1 style=\"text-align: center;\"><span style=\"text-decoration: underline;\">Wie Frechen entstand (Teil 1)<\/span><\/h1>\n<p><span style=\"color: #ffffff;\">.<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_400\" style=\"width: 105px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/48.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-400\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\" wp-image-400 \" src=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/48-252x300.jpg\" alt=\"48\" width=\"95\" height=\"114\" srcset=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/48-252x300.jpg 252w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/48-863x1024.jpg 863w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/48-624x739.jpg 624w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/48.jpg 1103w\" sizes=\"(max-width: 95px) 100vw, 95px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-400\" class=\"wp-caption-text\">Frekena<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>D<\/strong>ie Anf\u00e4nge liegen, wie bei vielen anderen Orten, im Dunkeln. Die Beatus-Chronik berichtet mit Berufung auf Gerlacus und Fredegar in wenigen S\u00e4tzen \u00fcber Frechens Geschichte vor und w\u00e4hrend der R\u00f6merzeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Noch weiter zur\u00fcckreichende Siedlungsspuren hat die Arch\u00e4ologie gefunden: Aus der Steinzeit stammen Spuren am Sandberg, aus der Jungsteinzeit Reste eines Dorfes von Bandkeramikern am Frechener Bach zwischen St\u00fcttgenhof und dem Milit\u00e4rring. \u00dcber diese Menschen wei\u00df man wenig, benannt wurden sie von Forschern aufgrund der von ihnen zur\u00fcckgelassenen Reste von gebranntem Tongeschirr, das mit Schnur- und Bandmustern verziert war. Man ist heute vorsichtig damit, allein dies als Indiz <a href=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Tal-des-Fre.Baches-hint.-St\u00fcttgenhof.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-383 alignright\" src=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Tal-des-Fre.Baches-hint.-St\u00fcttgenhof-300x225.jpg\" alt=\"Tal des Fre.Baches hint. St\u00fcttgenhof\" width=\"300\" height=\"173\" \/><\/a>daf\u00fcr zu werten, dass alle Bandkeramiker der gleichen Volksgruppe zugerechnet werden k\u00f6nnten, w\u00e4hrend man fr\u00fcher noch annahm, man k\u00f6nnte &#8222;die Bandkeramiker&#8220; als ein \u00fcberall dort siedelndes Volk annehmen, wo diese Keramikreste auftauchten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nebenstehendes Foto zeigt den Blick aus der nach K\u00f6ln fahrenden Linie 7 zum Tal des Frechener Baches, wo die Arch\u00e4ologen in den 1920er Jahren gruben. Den Ort f\u00fcr ihr Dorf hatten die Erbauer nahe dem lebenswichtigen Wasser gew\u00e4hlt, ihn aber etwas h\u00f6her gelegt wegen m\u00f6glicher Hochwasser. Wo die Bahngleise den festen Fu\u00dfweg kreuzen, rollt die Bahn durch einen Teil des fr\u00fcheren Dorfbereiches. In den Geschichtsb\u00fcchern nennt man es das &#8222;jungsteinzeitliche Dorf von K\u00f6ln-Lindenthal&#8220;.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Siedlung wurde, wie man fr\u00fcher annahm, mehrfach verlassen und wieder in Benutzung genommen. M\u00f6glicherweise deutet dies darauf hin, dass seine Bewohner zwar schon an der Schwelle zur Sesshaftigkeit standen, aber dennoch zeitweise umherwanderten, wenn sie sich in der Umgebung ihrer Siedlung nicht ausreichend ern\u00e4hren konnten oder mit ihrem Vieh weiter entfernte Weidegr\u00fcnde aufsuchten. Allgemein sieht die Forschung bekanntlich die Menschen in der Jungsteinzeit (=Neolithikum) die &#8222;neolithische Revolution&#8220; vollziehen, d.h. sie gehen vom Nomadendasein mit Viehherden allm\u00e4hlich zur Ansiedlung mit Ackerbau \u00fcber und werden Bauern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Inzwischen neigt die Forschung zu der Ansicht, nicht das Dorf sei zeitweise verlassen und wieder bewohnt gewesen, vielmehr habe man in langen zeitlichen Abst\u00e4nden die H\u00e4user an anderer Stelle im Dorf neu errichtet, aber w\u00e4hrend dieser Zeit das Dorf nicht aufgegeben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Dorf der Bandkeramiker war l\u00e4ngst von der Erdoberfl\u00e4che verschwunden, als keltische St\u00e4mme in Rheinland und Voreifel siedelten. Genaueres wei\u00df man eigentlich aus schriftlichen Quellen nicht, ausgenommen den Bericht des Eroberers C\u00e4sar (De Bello Gallico &#8211; Vom Gallischen Krieg). Er interessierte sich vorrangig f\u00fcr wirtschaftlich entwickelte Gebiete, wo nicht nur reiche Beute winkte, sondern auch saftige Steuern erhoben werden konnten. So verzichtete er auf Eroberungen in den W\u00e4ldern Germaniens und hielt sich mehr an das relativ dicht besiedelte Gallien und das heutige Belgien.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die keltischen Eburonen, die zwischen Rhein und Maas siedelten, wollten aber nicht einfach unter r\u00f6mische Oberhoheit kommen. Unter ihrem Anf\u00fchrer Ambiorix lockten sie die Besatzung des r\u00f6mischen Winterquartiers mitten in ihrem Gebiet aus dem Lager und \u2014 \u00e4hnlich wie sp\u00e4ter Arminius die Legionen des Varus \u2014 in einen Hinterhalt: Die r\u00f6mische Legion wurde in einem Tal \u00fcberfallen und niedergemacht. Das provozierte die \u00fcbliche Reaktion r\u00f6mischer Feldherren: In einer &#8222;Strafexpedition&#8220; brach eine r\u00f6mische \u00dcbermacht ins Land der Eburonen ein und metzelte Menschen und Vieh nieder, verbrannte die H\u00e4user und rottete diesen Volksstamm nahezu aus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">R\u00f6mische Feldherren und Politiker \u2014 C\u00e4sar war beides \u2014 verstanden dies als &#8222;abschreckendes Beispiel&#8220; f\u00fcr alle, die die Absicht hatten, sich ihrem Willen zu widersetzen und Aufst\u00e4nde anzuzetteln. Zur Ehrenrettung der R\u00f6mer muss man aber erw\u00e4hnen, dass solche Gewaltorgien des Milit\u00e4rs auch auf Kritik stie\u00dfen. In einem anderen Fall wurde C\u00e4sar im r\u00f6mischen Senat daf\u00fcr scharf kritisiert, seine Gegner forderten sogar, ihm das Kommando zu entziehen. C\u00e4sar war aber geschickt und politisch gut genug vernetzt, um solche Versuche abzuwehren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die R\u00f6mer wollten nun das Eburonen-Land nicht nahezu menschenleer lassen. Da kamen ihnen die rechtsrheinisch lebenden Ubier gerade recht: Diese baten die R\u00f6mer um Unterst\u00fctzung gegen Nachbarst\u00e4mme, von denen sie bedr\u00e4ngt wurden. Die R\u00f6mer, wie gesagt, waren aber zumindest zu diesem Zeitpunkt wenig am rechtsrheinischen Germanien interessiert. Deshalb holte der Befehlshaber Agrippa die Ubier, von ihren Nachbarn als R\u00f6merfreunde verschrien, \u00fcber den Rhein ins entv\u00f6lkerte Eburonenland.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ubier besiedelten als treue r\u00f6mischen Untertanen das linksrheinische Rheinland, bevorzugt die Ebenen entlang des Rheins, und den von den R\u00f6mern bestimmten Ort auf einem hochwassersicheren Plateau <a href=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/48c.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-499 alignleft\" src=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/48c-300x289.jpg\" alt=\"48c\" width=\"324\" height=\"313\" srcset=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/48c-300x289.jpg 300w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/48c-1024x987.jpg 1024w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/48c-624x602.jpg 624w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/48c.jpg 1675w\" sizes=\"(max-width: 324px) 100vw, 324px\" \/><\/a>am Rhein, der zun\u00e4chst <em>Oppidum Ubiorum<\/em> (Ortschaft der Ubier) hie\u00df und sp\u00e4ter zur r\u00f6mischen Siedler-Stadt, einer <em>colonia<\/em>, hochgestuft wurde, besser bekannt unter ihrem neuen Namen <em>Colonia Claudia Ara Agrippinensium<\/em>, von der r\u00f6mischen Verwaltung abgek\u00fcrzt mit CCAA.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die r\u00f6mische Macht wurde an der Germanengrenze durch Legionslager gesichert. Die im <em>Oppidum Ubiorum<\/em> stationierten Soldaten wurden bald nach Neu\u00df und Bonn verlegt, s\u00fcdlich der Siedlung entstand ein St\u00fctzpunkt der r\u00f6mischen Rheinflotte. Die bekannten, meist schnurgerade durchs Land gef\u00fchrten R\u00f6merstra\u00dfen verbanden Legionslager und St\u00e4dte und machten schnelle Truppenverlegungen m\u00f6glich. Von CCAA f\u00fchrte u.a. eine Fernstra\u00dfe nach Westen durch das heutige K\u00f6nigsdorf \u00fcber J\u00fclich bis zum heutigen Boulogne an der Kanalk\u00fcste, eine Nebenstrecke bog vor den Mauern K\u00f6lns nach S\u00fcdwesten ab und f\u00fchrte durch das heutige Frechen (Alte Stra\u00dfe) und westw\u00e4rts \u00fcber Kerpen und D\u00fcren in Richtung <em>Aquae Sextiae<\/em> (Aachen).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aus r\u00f6mischer Zeit gibt es auch in Frechen Reste von Geb\u00e4uden, und Gr\u00e4ber. Sie werden den Landg\u00fctern (<em>villae rusticae<\/em>) zugeordnet, die im Umland der R\u00f6merstadt Landwirtschaft betrieben und K\u00f6ln mit Nahrungsmitteln belieferten. J\u00fcngst wurden in K\u00f6nigsdorf (In der Widdau) Reste einer <em>Villa Rustica<\/em> untersucht, einige Funde waren <a href=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/06-\u00d6llampe-Bronze-Grabbeig..jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-382 alignleft\" src=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/06-\u00d6llampe-Bronze-Grabbeig.-300x219.jpg\" alt=\"06 \u00d6llampe Bronze, Grabbeig.\" width=\"267\" height=\"233\" \/><\/a>in einer Ausstellung im Stadtarchiv Frechen zu sehen, wie die hier abgebildete bronzene \u00d6llampe in Gestalt einer Sandale mit Fu\u00df &#8211; ein recht seltener Fund aus r\u00f6mischer Zeit n\u00f6rdlich der Alpen. Am Rathaus kann man zwei r\u00f6mische Steins\u00e4rge besichtigen, die zwischen Frechen und Haus Vorst gefunden wurden. Hier k\u00f6nnte der Begr\u00e4bnisplatz einer <em>Villa Rustica<\/em> an der Bonnstra\u00dfe gelegen haben, von der Reste gefunden wurden. Au\u00dferdem fand man in Frechens Erde auch Reste einer <em>Villa Rustica<\/em> am Herbertskaul. Wir m\u00fcssen annehmen, dass Einiges (zum Kummer vor Allem der Arch\u00e4ologen) untergepfl\u00fcgt, \u00fcberbaut oder von Raubgr\u00e4bern und Grabr\u00e4ubern entwendet wurde \u2014 wie leider an vielen anderen Orten auch.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nebenstehendes Foto zeigt die oben erw\u00e4hnten Steins\u00e4rge am Rathaus. Sie waren erst kurz<a href=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/IMG_0580.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignright size-medium wp-image-1471\" src=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/IMG_0580-300x215.jpg\" alt=\"IMG_0580\" width=\"300\" height=\"215\" srcset=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/IMG_0580-300x215.jpg 300w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/IMG_0580-1024x734.jpg 1024w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/IMG_0580-624x447.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a> vor ihrer Bergung von einem Grabr\u00e4uber heimgesucht worden \u2014 was bedeutet, dass wertvolle Hinweise und der Fundzusammenhang ge- oder zerst\u00f6rt wurden. W\u00e4hrend der Grabr\u00e4uber vielleicht Fundst\u00fccke f\u00fcr ein paar Euro auf dem Schwarzmarkt verscherbeln kann, entsteht uns Allen ein Verlust: Uns wurde eine M\u00f6glichkeit gestohlen, mehr \u00fcber Frechens Vergangenheit in der R\u00f6merzeit zu erfahren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Von einer Ortschaft Frechen kann man zur R\u00f6merzeit nicht sprechen, da wir nur von verstreut liegenden <em>Villae Rusticae<\/em> wissen. Die Landg\u00fcter der R\u00f6mer (oft gebaut von Veteranen des r\u00f6mischen Milit\u00e4rs, die sich den Traum vom Landleben als Pension\u00e4re erf\u00fcllten) lagen bevorzugt nahe der Verkehrswege, also der R\u00f6merstra\u00dfen, auf denen die landwirtschaftlichen Produkte geradewegs zum Markt in K\u00f6ln transportiert werden konnten. Das in K\u00f6nigsdorf untersuchte Gut lag nur einen guten Steinwurf entfernt von der Fernstra\u00dfe K\u00f6ln-Boulogne (<em>Via Belgica<\/em>). Andere lehnten sich an die erw\u00e4hnte Stra\u00dfe K\u00f6ln-D\u00fcren-Aachen an.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00dcber die\u00a0 Stra\u00dfen gelangten auch Rohstoffe nach K\u00f6ln: Frechener Quarzsand wurde in K\u00f6lner Glaswerkst\u00e4tten verarbeitet. Spezialisten stellten dort die kunstvollen Di\u00e4tret-Gl\u00e4ser her. Man kann wenige erhaltene im R\u00f6misch-Germanischen Museum in K\u00f6ln bestaunen, die als Grabbeigaben bis in unsere Zeit \u00fcberdauerten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In den unsicheren Zeiten des fr\u00fchen 4. Jahrhunderts, als germanische St\u00e4mme \u00fcber den Rhein in r\u00f6misches Gebiet eindrangen und zun\u00e4chst &#8222;nur&#8220; pl\u00fcnderten und brandschatzten, verlie\u00dfen einige r\u00f6mische Besitzer ihre G\u00fcter, andere versuchten, sich und ihre Hofanlage mit Befestigungen bzw. einem Fluchtturm <em>(Burgus)<\/em> zu sch\u00fctzen. Als sich dann aber Teile verschiedener St\u00e4mme zu gr\u00f6\u00dferen Verb\u00e4nden zusammenschlossen, die sich &#8222;Franken&#8220; nannten, da wurde es f\u00fcr die R\u00f6mer brenzlig: Erst nahmen die Franken vor\u00fcbergehend K\u00f6ln ein. Sp\u00e4ter, im 5. Jahrhundert, kamen sie in gro\u00dfer Zahl \u00fcber den Rhein, um zu bleiben und sich an geeigneten Siedlungspl\u00e4tzen niederzulassen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie ging der Wechsel der Herrschaft vor sich? Die r\u00f6mische Macht br\u00f6ckelte infolge der wandernden, in r\u00f6mische Gebiete eindringenden St\u00e4mme und V\u00f6lker; milit\u00e4risch konnte man ohne germanische Hilfstruppen dieses Andrangs nicht mehr Herr werden. Die r\u00f6mische Armee hatte schon lange Germanen in Dienst genommen und germanische Einheiten aufgestellt. Au\u00dferdem wurden verb\u00fcndete St\u00e4mme in die Verteidigungsoperationen einbezogen. Germanen waren also schon im Rheinland pr\u00e4sent, n\u00e4mlich als Teil r\u00f6mischer Legionen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als r\u00f6mische Truppen zur Verteidigung der Kernlande des Reiches abgezogen wurden und es auf den Verbindungsstra\u00dfen teilweise drunter und dr\u00fcber ging, kamen die Soldzahlungen nicht mehr im Rheinland an, sodass die auf sich selbst gestellten germanischen Truppeneinheiten kurzerhand die Macht \u00fcbernahmen. Es war weniger eine Eroberung, eher eine \u00dcbernahme der Provinz <em>Germania Inferior<\/em> (Niedergermanien). Familien und Stammesverwandte aus dem Rechtsrheinischen zogen nach und besiedelten die teils entv\u00f6lkerten Gebiete im Rheinland.\u00a0 &#8212;\u00a0 (Forts.: Teil 2)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">W. R.\u00a0 <a href=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/13g+.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\" wp-image-256 aligncenter\" src=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/13g+-300x219.jpg\" alt=\"13g+\" width=\"107\" height=\"81\" \/><\/a><\/p>\n<h1><span style=\"color: #ffffff;\">.<\/span><\/h1>\n<h1 style=\"text-align: center;\"><span style=\"text-decoration: underline;\">Wie Frechen entstand (Teil 2)<\/span><\/h1>\n<p><span style=\"color: #ffffff;\">.<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_400\" style=\"width: 105px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/48.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-400\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\" wp-image-400\" src=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/48-252x300.jpg\" alt=\"48\" width=\"95\" height=\"114\" srcset=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/48-252x300.jpg 252w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/48-863x1024.jpg 863w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/48-624x739.jpg 624w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/48.jpg 1103w\" sizes=\"(max-width: 95px) 100vw, 95px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-400\" class=\"wp-caption-text\">Frekena<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>M<\/strong>it der Einwanderung fr\u00e4nkischer Siedler ins Linksrheinische kam die Wende in der Entwicklung Frechens. Nun entstand, soweit wir wissen*, erstmals in historischer Zeit eine d\u00f6rfliche Siedlung. Die Franken \u00fcbernahmen selten eine <em>Villa<\/em> <em>Rustica<\/em>, viel lieber bauten sie sich neue H\u00f6fe und Siedlungen. Den Siedlungskern Frechens w\u00e4hlten sie da, wo der Kirchplatz (an St. Audomar) sp\u00e4ter die Ortsmitte markierte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie in pr\u00e4historischer Zeit schon die Bandkeramiker weiter \u00f6stlich (siehe Teil 1), so bauten auch die Franken ihre Behausungen nahe am Bach. Je mehr sich die Ansiedlung vergr\u00f6\u00dferte, desto weiter schob sich die Bebauung nach Westen, parallel zum Frechener Bach, auf leicht ansteigendem Gel\u00e4nde hinauf bis zur Ville. Dabei lagen die begehrtesten Siedlungspl\u00e4tze zwischen der sp\u00e4teren Hauptstra\u00dfe und dem Bachlauf. Daher lagen die gro\u00dfen H\u00f6fe im Ortskern an der S\u00fcdseite der Hauptstra\u00dfe, wie Weyerhof, T\u00f6nnishof, Clarenhof. Die &#8222;billigeren Pl\u00e4tze&#8220; lagen an der Nordseite der Hauptstra\u00dfe, von wo man weiter laufen musste, um am Bach Wasser zu sch\u00f6pfen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der Klassifizierung der Siedlungsformen ist Frechen als Stra\u00dfendorf anzusprechen, wohlgemerkt: in Bezug auf die Hauptstra\u00dfe, die zun\u00e4chst einfach die &#8222;Dorfstra\u00dfe&#8220; war, bevor sp\u00e4ter Nebenwege zu weiteren Stra\u00dfen wurden. Die Fernstra\u00dfe f\u00fchrte n\u00f6rdlich am Dorf vorbei (Alte Stra\u00dfe), sie spielte f\u00fcr die Siedlung lange Zeit keine direkte Rolle. \u00c4hnliches gilt f\u00fcr viele andere D\u00f6rfer entlang der alten R\u00f6merstra\u00dfen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">B\u00e4che waren nicht nur wichtig f\u00fcr die Wasserversorgung, sie wurden auch f\u00fcr die F\u00fcllung der Wassergr\u00e4ben genutzt, die um die <strong>Burgen<\/strong> des Flachlandes angelegt wurden. Auch<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/IMG_2478-1.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignleft  wp-image-6238\" src=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/IMG_2478-1-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"328\" height=\"246\" srcset=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/IMG_2478-1-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/IMG_2478-1-768x575.jpg 768w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/IMG_2478-1-1024x767.jpg 1024w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/IMG_2478-1-624x468.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 328px) 100vw, 328px\" \/><\/a>manche der gr\u00f6\u00dferen H\u00f6fe waren von einem Wassergraben umgeben. Der St\u00fcttgenhof (seit 1975 auf K\u00f6lner Gebiet, fr\u00fcher zur Herrschaft Frechen geh\u00f6rend) besitzt noch z.T. den gef\u00fcllten Wassergraben (siehe Foto links), der vom Frechener Bach sein Wasser bekommt. Aber vielfach sind solche Gr\u00e4ben heute trocken bzw. zugesch\u00fcttet, z.B. an der Vorburg von Burg Bachem.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Man kann nicht immer scharf zwischen Burg und Hofanlage unterscheiden. So spricht man von einer &#8222;Ackerfeste&#8220;, wenn ein Gutshof befestigt war. Viele Burgen waren aber gleichzeitig Rittersitz und Gutshof; der m\u00f6glichst repr\u00e4sentativen Hauptburg war die Vorburg vorgelagert, die dem <a href=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/049a+.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignright wp-image-1214\" src=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/049a+-300x170.jpg\" alt=\"049a+\" width=\"225\" height=\"127\" srcset=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/049a+-300x170.jpg 300w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/049a+-1024x582.jpg 1024w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/049a+-624x355.jpg 624w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/049a+.jpg 2015w\" sizes=\"(max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/><\/a>landwirtschaftlichen Betrieb diente. Diese typische Grundstruktur rheinischer Wasserburgen (in nebenstehender Abbildung schematisch dargestellt) erkennt man noch heute z.B. an Haus Vorst oder Burg Bachem. Meist gelangt man von der Vorburg \u00fcber eine Br\u00fccke in den Hof der Hauptburg, die als letzte R\u00fcckzugsm\u00f6glichkeit f\u00fcr die Verteidiger in der Regel noch einen besonders festen Wehrturm besitzt, der oft &#8222;Bergfried&#8220; genannt wird. Viele Burgen haben sich aus einer kleineren Anlage im Laufe des Mittelalters durch Erweiterungen erst zur gr\u00f6\u00dferen Anlage entwickelt. Dabei hat Haus Vorst in der Neuzeit eine typische Umgestaltung erfahren: Die milit\u00e4rische Verteidigung trat in den Hintergrund, daf\u00fcr wurden der Wohnkomfort und das repr\u00e4sentative Aussehen der Hauptburg wichtiger; das Haupthaus wurde im barocken Baustil umgebaut. Das Grabensystem blieb bestehen, bis beim Neubau der B 264 an der Nordseite ein Teil abgeschnitten wurde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der <strong>Frechener Bach<\/strong> speiste sich aus mehreren Quellen, die die Teiche und Gr\u00e4ben von Burg Benzelrath f\u00fcllten (1954 weggebaggert). Von dort floss er durch ein Tal im Ville-Abhang ostw\u00e4rts, vorbei am Dorf Frechen, vorbei am Dorf Marsdorf, und ergoss sich hinter dem Dorf Lind in einen Sumpf, wo er versickerte. Hier, in einem ehemaligen Rheinarm, lie\u00dfen Kiesablagerungen das Wasser ins Grundwasser und weiter in den Rhein abflie\u00dfen. Wo einst Sumpf war, liegt heute der K\u00f6lner Stadtwald.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die fr\u00e4nkischen Siedlungsnamen enden oft auf &#8222;-heim&#8220;. So kann man an einigen Ortsnamen ablesen, wohin der Strom der Siedler damals floss. Der Zustrom nach Frechen hatte im Raum Neu\u00df den Rhein \u00fcberquert und floss weiter \u00fcber<strong> Bachem<\/strong> (Bach-Heim!) bis in die Eifel (z.B. Blankenheim).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Keine Sicherheit haben wir \u00fcber die <strong>Deutung des Namens<\/strong> <strong>&#8222;Frechen&#8220;<\/strong>. Die verschriftlichten Namensformen helfen nicht weiter: Die Schreibung &#8222;Frechen&#8220; ist eine neuzeitliche Festlegung. Die lateinischen Versionen, z.B. &#8222;Frekena&#8220; (877), wurden f\u00fcr Urkunden des Mittelalters gew\u00e4hlt und lateinischen Sprachformen angepasst. Die Urkunden (&#8222;Briefe&#8220;) wurden in Latein geschrieben, daher wurde auch f\u00fcr Frechen eine lateinische Namensform eingesetzt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Man muss auch auf den Klang des Namens in der Volkssprache achten: &#8222;Vreischem&#8220; sagten die Alten, und in der m\u00fcndlichen \u00dcberlieferung m\u00fcssen wir am ehesten den urspr\u00fcnglichen Namen suchen. Nat\u00fcrlich erkennt man leicht in der zweiten Silbe eine Verschleifung von &#8222;-heim&#8220;, wie bei &#8222;Bachem&#8220;.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Manche meinten, nach keltischen W\u00f6rtern zur Erkl\u00e4rung des ersten Teils des Ortsnamens greifen zu m\u00fcssen; so vermutete z.B. Rudolf Niemann darin einen Hinweis auf Heideland. Das erscheint mir jedoch wenig wahrscheinlich angesichts der fruchtbaren B\u00f6den im Umkreis des alten Dorfkerns von Frechen. Au\u00dferdem waren es Franken aus germanischen Gebieten, die Frechen gr\u00fcndeten und ihm den Namen gaben. Von einem bereits fr\u00fcher existierenden keltischen Dorf ist nichts bekannt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Franken setzten oft einen Namen, z.B. den Namen des Ortsgr\u00fcnders, in ihre Benennung der neuen Siedlung ein und h\u00e4ngten dann ein &#8222;-heim&#8220; an. Im Fall von &#8222;Vreischem&#8220; jedoch tappt die Forschung in dieser Hinsicht im Dunkeln. Man darf also weiter spekulieren: Wie w\u00e4re es mit der Herleitung aus der germanischen G\u00f6ttin Freya? In oder bei Freya-Heim k\u00f6nnte es ein Heiligtum gegeben haben, an dem die Franken wegen der Fruchtbarkeit der L\u00f6\u00df-B\u00f6den dankbar ihre Fr\u00fchlings-, Fruchtbarkeits- und Liebesg\u00f6ttin Freya verehrten. Dies ist eine Vermutung \u2014 zu sch\u00f6n, um wahr zu sein?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Keltische Namen in der Landschaft haben z.T. \u00fcberlebt. Sie gingen nicht in jedem Fall durch fr\u00e4nkische Besiedlung verloren. So blieb der Name des flachen H\u00f6henzuges bei Frechen erhalten: die <strong>Ville<\/strong>. W\u00e4hrend man fr\u00fcher glaubte, diesen Namen auf die r\u00f6mischen <em>Villae Rusticae<\/em> (siehe Teil 1) zur\u00fcckf\u00fchren zu k\u00f6nnen, sieht man heute darin eine m\u00f6gliche \u00dcbernahme der keltischen Bezeichnung f\u00fcr ein eingeschnittenes Bachtal. Solche gab und gibt es am Ostabhang der Ville.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vorstellbar w\u00e4re: Fr\u00e4nkische Siedler, von Nordosten kommend, fragten Einheimische, wie denn der H\u00f6henzug hie\u00dfe; die Einheimischen glaubten, die mit Sack und Pack heranziehenden Franken wollten wissen, wo man am besten die H\u00f6he ersteige, und zeigten auf ein Bachtal und sprachen von der &#8222;Ville&#8220;. Durch ein solches Missverst\u00e4ndnis k\u00f6nnte die Bezeichnung &#8222;Ville&#8220; auf den ganzen H\u00f6henzug \u00fcbertragen worden sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Etliche dieser Siedler w\u00e4hlten den fruchtbaren Boden in Bachn\u00e4he als neue Heimat, woraus sich das fr\u00e4nkische Dorf Frechen entwickelte. Da die r\u00f6mischen Wirtschafts- und Verwaltungsstrukturen teilweise zusammengebrochen waren und auch die nahe R\u00f6merstadt K\u00f6ln ihre Bedeutung als Handelsplatz nahezu eingeb\u00fc\u00dft hatte, stattete ein fr\u00e4nkischer Herrscher aus der Sippe der Merowinger Frechen und einige andere D\u00f6rfer bzw. Ortschaften mit dem Status eines Freien Kaufdorfs aus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das <strong>Freie Kaufdorf<\/strong> war eine Sonderstellung, die manche fr\u00e4nkische Orte erhielten: Sie sollten die Funktion eines \u00fcber\u00f6rtlichen Handelszentrums erf\u00fcllen, wo landwirtschaftliche Produkte und handwerkliche Erzeugnisse angeboten und gekauft wurden. Hier konnte jeder, der wollte, Handel treiben oder ein Handwerk aus\u00fcben. Hier gab es im Unterschied zu vielen Orten, die sp\u00e4ter mit mittelalterlichem Stadtrecht zur Stadt erhoben wurden, keinen Zunftzwang und keine Handelsbeschr\u00e4nkungen. Frechen war also bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts eine Art Freihandelszone und ein Marktplatz.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir wissen nicht genau, wann in fr\u00e4nkischer Zeit Frechen diese Sonderstellung erhielt. Sie erwies sich aber als dauerhaft und blieb nicht nur das ganze Mittelalter \u00fcber bestehen, sie \u00fcberdauerte auch in der Neuzeit, bis die Franzosen 1802 das Linksrheinische annektierten, viele \u00dcberbleibsel des Mittelalters abschafften und ihre modernen Rechtsverh\u00e4ltnisse wie im \u00fcbrigen Frankreich einf\u00fchrten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es gibt keine Urkunde \u00fcber die Verleihung des Status Freies Kaufdorf, wir haben aber gl\u00fccklicherweise die Aufzeichnung des Weistums aus dem 16. Jahrhundert, wo Frechen als Freies Kaufdorf definiert wird. Die Franken kannten von Hause aus keine schriftlichen Urkunden oder Vertr\u00e4ge, es galt der Handschlag als Besiegelung und die Garantie durch Eid und Zeugen. So blieb auch im neu eroberten und teils neu besiedelten Frankenreich unter den Merowingern Vieles unbeurkundet. In sp\u00e4terer Zeit, als Urkunden im Rechtswesen wichtig wurden, vermisste man oft schmerzlich Urkunden zum Nachweis von althergebrachten Besitzverh\u00e4ltnissen und Nutzungsrechten. Das gab Anlass zu allerlei F\u00e4lschungen, denn ohne Vorlage einer Urkunde konnte man oft strittige Eigentumsverh\u00e4ltnisse nicht kl\u00e4ren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch schafften die Merowinger-K\u00f6nige die Schriftlichkeit keineswegs ab, als sie in ehemals r\u00f6mische Gebiete vorstie\u00dfen und die Herrschaft \u00fcbernahmen. Entgegen fr\u00fcheren Vorstellungen st\u00fcrzten die Franken auch keineswegs \u00fcberall wohlorganisierte und hochzivilisierte, bl\u00fchende Landschaften ins Chaos. Vielmehr erkannten fr\u00e4nkische Herrscher, wie wichtig im Durcheinander nach V\u00f6lkerwanderung und Eroberungen eine halbwegs funktionierende <strong>Verwaltung<\/strong> war. Sie fanden in den Abteien und Bischofssitzen die Fachleute der Kirche, die sich mit so etwas auskannten \u2014 und machten sie zu ihren Fachkr\u00e4ften in Sachen Beurkundung, Archivierung, Kodifizierung des Rechts, und historischer Dokumentation. Dadurch \u00fcberlebte auch die Kenntnis des Lesens und Schreibens, zun\u00e4chst in lateinischer Sprache.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So brauchen wir uns nicht allzu sehr dar\u00fcber zu wundern, dass der Frankenk\u00f6nig Chlodwig, nicht nur wegen seiner dem christlichen Glauben anh\u00e4ngenden Ehefrau, dem \u00dcbertritt zum <strong>Christentum<\/strong> nicht abgeneigt war. Ob Legende oder nicht, den Sieg in der Schlacht bei Z\u00fclpich schrieb er der Hilfe des Christengottes zu, bekannte sich zum christlichen Glauben, und seine n\u00e4chsten Gefolgsleute taten es ihm gleich (um 498). Wenn geplant, war das nicht ungeschickt: Seine Heerf\u00fchrer waren sicher durch einen Gott des Sieges leichter zu \u00fcberzeugen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es war ein historischer, folgenreicher Schritt: Chlodwig und die (r\u00f6misch-katholische) Kirche gingen eine engere Bindung ein. Man f\u00fchlt sich an Kaiser Konstantin erinnert, der die christliche Kirche seit 313 als einigende Klammer seines Reiches nutzte und f\u00f6rderte. Chlodwig hatte damit aber noch lange kein christliches Reich; der Adel wurde zwar weitgehend christlich, die Bev\u00f6lkerung aber nur teilweise. Darum musste im Reich noch lange Zeit eifrig missioniert werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im <strong>K\u00f6lngau<\/strong>, also dem Herrschaftsbereich eines fr\u00e4nkischen Grafen im Gro\u00dfraum K\u00f6ln, war die Bev\u00f6lkerung ebenfalls noch gr\u00f6\u00dftenteils &#8222;heidnisch&#8220;, d.h. sie verehrten germanische und keltische Gottheiten. Darum unterst\u00fctzten Herrscher und Adlige die Kirche durch Stiftungen von Kl\u00f6stern und Schenkungen von Landbesitz (und f\u00f6rderten durch solch &#8222;gottgef\u00e4llige&#8220; Taten auch ihr pers\u00f6nliches Seelenheil). In <strong>Ripuarien<\/strong>, wie das Land zwischen Rhein und Maas in fr\u00e4nkischen Quellen genannt wird, wurde also missioniert, wurden Kirchen und Kl\u00f6ster gebaut und das Christentum verk\u00fcndet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Etlicher Landbesitz in <strong>Frechen<\/strong> wurde in dieser Zeit einem Kloster in Nordfrankreich geschenkt. Die Abtei <em>Saint-Bertin<\/em>, gegr\u00fcndet von Audomar (mehr siehe unten: &#8222;Wie kam Audomar nach Frechen?&#8220;) erhielt diese Schenkung nicht nur aus lauter Fr\u00f6mmigkeit. Diese (nicht beurkundete) Schenkung hatte sicher auch den o.g. missionarischen Zweck. Und <em>Saint-Bertin<\/em> baute daraufhin die Dorfkirche in Frechen und weihte sie ihrem Klostergr\u00fcnder und Missionar, dem heiligen Audomar. Das war laut Beatus-Chronik um 750. Urkunden aus sp\u00e4teren Jahrhunderten des Mittelalters lassen den Schluss zu, dass von dieser &#8222;Mutterkirche&#8220; aus weitere Kirchen und Kapellen in der Region gegr\u00fcndet wurden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Junge Menschen des fr\u00fchen 21. Jahrhunderts k\u00f6nnen sich das vielleicht nur schwer vorstellen: Die Dorfkirche war in fr\u00fcheren Zeiten der wahre Mittelpunkt des Ortes. Das &#8222;\u00f6ffentliche Leben&#8220; spielte sich in und an der Kirche ab. In Frechen waren Sankt Audomar und der Kirchplatz daher das Dorfzentrum. Da dies die einzige Kirche in Frechen war und bis in die fr\u00fche Neuzeit blieb, mussten die Menschen z.T. lange Fu\u00dfwege in Kauf nehmen, um am Gottesdienst teilzunehmen, sei es aus dem Oberdorf oder aus H\u00fccheln \u2014 und das war eine Selbstverst\u00e4ndlichkeit: Wer nicht aus der Gemeinschaft ausgesto\u00dfen sein wollte, fand sich sonntags beim Gottesdienst ein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Laufe der Jahrhunderte hatte sich im &#8222;Oberdorf&#8220; ein zweiter Siedlungsschwerpunkt gebildet. Zwischen beiden lag an der Hauptstra\u00dfe die Spiesburg, manchmal im Mittelalter als &#8222;die Frechener Burg&#8220; tituliert, weil sie zwischen Ober- und Unterdorf lag, also aus sp\u00e4terer Sicht zentral.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/P1100154-scaled.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"aligncenter size-large wp-image-7458\" src=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/P1100154-1024x823.jpg\" alt=\"\" width=\"625\" height=\"502\" srcset=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/P1100154-1024x823.jpg 1024w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/P1100154-300x241.jpg 300w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/P1100154-768x617.jpg 768w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/P1100154-1536x1234.jpg 1536w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/P1100154-2048x1645.jpg 2048w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/P1100154-624x501.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 625px) 100vw, 625px\" \/><\/a><em> \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0\u00a0 \u00a0\u00a0 Kartenskizze zur historischen Topografie Frechens<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Tats\u00e4chlich gab es in der Herrschaft Frechen mehrere <strong>Burgen<\/strong>. Das waren Rittersitze mit Landwirtschaft, umgeben von Wassergr\u00e4ben, die vom Frechener Bach mit Wasser versorgt wurden. Ihre Urspr\u00fcnge liegen im 11. und 12. Jahrhundert. Entlang des Frechener Baches gab es Burg Benzelrath, die Spiesburg, dann von der Kirche abw\u00e4rts Haus Hochsteden, Haus Rost\/Palant, und Haus Vorst.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der Herrschaft <strong>Buschbell<\/strong> lag die Burg Vogtsbell. <strong>K\u00f6nigsdorf<\/strong> geh\u00f6rt erst seit 1975 zu Frechen. Auch dort gab es im Mittelalter eine Burg, vom Erzbischof als Zollburg an die S\u00fcdseite der Aachener Stra\u00dfe gesetzt, wenige Meter vom Bach entfernt, der heute wie die Burg selbst verschwunden ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Dorf <strong>Bachem<\/strong> war eine eigene Herrschaft, dort fanden sich drei Rittersitze: Die Burg (Ober-)Bachem, Haus Bitz und Burg Hemmerich (siehe Karte oben). Bachem kam erst nach 1815, als das Rheinland Teil der preu\u00dfischen Rheinprovinz wurde, zur B\u00fcrgermeisterei Frechen, 1927 wurden die Gemeinden Bachem und Buschbell nach Frechen eingemeindet. Frechen <a href=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/IMG_0578.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignright wp-image-1441\" src=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/IMG_0578-300x225.jpg\" alt=\"IMG_0578\" width=\"246\" height=\"185\" srcset=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/IMG_0578-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/IMG_0578-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/IMG_0578-624x468.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 246px) 100vw, 246px\" \/><\/a>beantragte nun die Genehmigung eines <a href=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/IMG_0576.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\" wp-image-1440 alignleft\" src=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/IMG_0576-300x225.jpg\" alt=\"IMG_0576\" width=\"176\" height=\"132\" \/><\/a>Gemeindewappens, die 1928 erteilt wurde.\u00a0Anschaulich f\u00fcr die Bev\u00f6lkerung lie\u00df man unter dem Dach des Rathaus-Aufgangs rechts das neue Wappen an die Wand malen, links gegen\u00fcber das Wappen der preu\u00dfischen Rheinprovinz (Rheinpreu\u00dfen).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als Frechen am 2.9.1951 Stadt wurde, blieb man beim gewohnten Wappen. Eine gute Entscheidung, denn das Wappen nahm ja Bezug auf die Geschichte Frechens, und sein schmuckes Aussehen steht auch der Stadt gut zu Gesicht, nicht wahr?<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Wappen.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\" wp-image-636 aligncenter\" src=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Wappen-256x300.jpg\" alt=\"Wappen\" width=\"230\" height=\"270\" srcset=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Wappen-256x300.jpg 256w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Wappen-876x1024.jpg 876w\" sizes=\"(max-width: 230px) 100vw, 230px\" \/><\/a><\/p>\n<p>_________________<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">* <em>&#8222;Soweit wir wissen&#8220;<\/em> m\u00fcssen wir als Einschr\u00e4nkung zu vielen Aussagen \u00fcber Geschichte eigentlich hinzudenken: Der Stand der Forschung ist oft nur ein vorl\u00e4ufiger, bis neue Funde gemacht und neue Erkenntnisse ver\u00f6ffentlicht werden (mehr &gt;DIE BEATUS-CHRONIK, S. 93-98).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00dcber die Gr\u00fcndung von Frechen liegt jedenfalls nichts Schriftliches vor. Darum z\u00e4hlt Frechen wie viele andere Orte sein nachweisliches(!) Alter ab der &#8222;ersten urkundlichen Erw\u00e4hnung&#8220;. Diese findet sich in einer Urkunde Kaiser Karls des Kahlen aus dem Jahr 877. Daher feierte Frechen 1977 sein 1100j\u00e4hriges Jubil\u00e4um, auch wenn das Dorf, inzwischen Stadt, wohl um die drei Jahrhunderte \u00e4lter ist und somit in einer Zeit entstand, in der schriftliche Urkunden kaum \u00fcblich waren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Einen gut nachvollziehbaren \u00dcberblick \u00fcber die Entwicklung Frechens von den Anf\u00e4ngen bis ins 20. Jahrhundert gibt Egon Heeg in seinem Buch &#8222;Frechener Stra\u00dfen&#8220; (1984), S. 15-27.<\/p>\n<p>W. R.<\/p>\n<h1 style=\"text-align: center;\"><a href=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/13g+.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\" wp-image-256 aligncenter\" src=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/13g+-300x219.jpg\" alt=\"13g+\" width=\"107\" height=\"79\" srcset=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/13g+-300x219.jpg 300w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/13g+-624x457.jpg 624w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/13g+.jpg 864w\" sizes=\"(max-width: 107px) 100vw, 107px\" \/><span style=\"color: #ffffff;\">,<\/span><\/a><\/h1>\n<h1 style=\"text-align: center;\"><span style=\"text-decoration: underline;\">Wie kam Audomar nach Frechen?<\/span><\/h1>\n<p><span style=\"color: #ffffff;\">.<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_400\" style=\"width: 94px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/48.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-400\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-400 \" src=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/48-252x300.jpg\" alt=\"48\" width=\"84\" height=\"100\" srcset=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/48-252x300.jpg 252w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/48-863x1024.jpg 863w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/48-624x739.jpg 624w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/48.jpg 1103w\" sizes=\"(max-width: 84px) 100vw, 84px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-400\" class=\"wp-caption-text\">Frekena<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>D<\/strong>ie Frage k\u00f6nnte auch lauten: Wie kam Frechen zu Audomar? Denn seltsam: Nur Frechen hat, als einziger Ort in deutschen Landen, eine Kirche, die &#8222;Sankt Audomar&#8220; hei\u00dft. Hei\u00dft das, dass ein <a href=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/40.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-342 alignright\" src=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/40-236x300.jpg\" alt=\"40\" width=\"367\" height=\"466\" srcset=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/40-236x300.jpg 236w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/40-806x1024.jpg 806w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/40-624x792.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 367px) 100vw, 367px\" \/><\/a>Heiliger dieses Namens in Frechen wirkte, oder dass ein solcher hier begraben ist?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Weder noch, vielmehr ist Audomar physisch nur in Gestalt einer <strong>Reliquie<\/strong>, und zwar eines ziemlich kleinen Knochenst\u00fccks, in Frechen anwesend. Dieses wird, wie \u00fcblich, in einem Reliquiar aufbewahrt, das in der Kirche auf einem schmalen Seitenaltar zu sehen ist. Das Reliquiar, eine aus Silber gearbeitete B\u00fcste, zeigt am Hals-Ansatz das von einem Bergkristall gesch\u00fctzte Gebein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So kostbar den Gl\u00e4ubigen Reliquien sind, so ver\u00e4chtlich gingen Soldaten in der Franz\u00f6sischen Revolution damit um. In <em>Saint-Omer<\/em> (deutsch: Heiliger-Audomar) st\u00fcrmten sie<a href=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/013d.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\" wp-image-331 alignleft\" src=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/013d-224x300.jpg\" alt=\"013d\" width=\"160\" height=\"165\" \/><\/a> damals in die Kathedrale und pl\u00fcnderten das Grab des Heiligen. Die Knochen streuten sie drau\u00dfen auf das Stra\u00dfenpflaster. Weniges davon wurde von einem Gl\u00e4ubigen aufgelesen und gerettet. Den Schrein lie\u00dfen sie einschmelzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aus dem Rest des Gebeins stammt ebenjenes Knochenteil, das Mitte des 20. Jahrhunderts der Kirche St. Audomar in Frechen geschenkt wurde.* Das wertvolle Reliquiar (siehe Foto links) soll veranschaulichen, wie bedeutsam der Inhalt ist. Das hat Tradition: Viele Heilige wurden in Kirchen nicht einfach in einem Steinsarg bestattet; man bem\u00fchte sich, den ideelen Wert in materieller, sichtbarer Form auszudr\u00fccken. Darum hat man z.B. die Gebeine der Heiligen Drei K\u00f6nige im K\u00f6lner Dom in einem gro\u00dfen, goldenen Schrein mit aufw\u00e4ndigen Verzierungen<a href=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/013b.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-348 alignright\" src=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/013b-111x300.jpg\" alt=\"013b\" width=\"111\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/013b-111x300.jpg 111w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/013b-380x1024.jpg 380w\" sizes=\"(max-width: 111px) 100vw, 111px\" \/><\/a> beigesetzt (siehe Foto unten).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ansonsten ist Audomar in seiner Frechener Kirche noch als farbig bemalte Holzfigur aus dem 19. Jahrhundert pr\u00e4sent. Sie stand lange flankierend am Altarraum, als Pendant stand auf der anderen Seite eine Figur des Erzengels Michael. Letztere wurde entfernt im Zuge einer &#8222;Modernisierung&#8220; des Kircheninneren, w\u00e4hrend die Audomar-Figur in das linke Seitenschiff versetzt wurde, wo man an der Au\u00dfenwand auch das oben abgebildete Reliquiar findet. Die Figur stellt ihn als b\u00e4rtigen, segnenden Bischof dar. Sein tats\u00e4chliches Aussehen ist unbekannt, weil wir keine authentischen Abbildungen oder Beschreibungen aus seiner Lebenszeit (um 590-670) oder<\/p>\n<div id=\"attachment_5652\" style=\"width: 291px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/1o-Omer_et_le_Roi_Dagobert.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-5652\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-5652\" src=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/1o-Omer_et_le_Roi_Dagobert-281x300.jpg\" alt=\"\" width=\"281\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/1o-Omer_et_le_Roi_Dagobert-281x300.jpg 281w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/1o-Omer_et_le_Roi_Dagobert-624x667.jpg 624w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/1o-Omer_et_le_Roi_Dagobert.jpg 646w\" sizes=\"(max-width: 281px) 100vw, 281px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-5652\" class=\"wp-caption-text\">K\u00f6nig Dagobert ernennt Audomar zum Bischof, Buchmalerei aus der Vita Audomarii, 11. Jh., Saint-Bertin [Abb.: wikimedia, gemeinfrei]<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">von Zeitzeugen kurz danach kennen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Mittelalter kennt ohnehin kaum portr\u00e4t\u00e4hnliche Abbildungen von Heiligen. Selten wird \u00fcberhaupt bei Heiligen wie bei Herrschern eine \u00e4u\u00dferliche Besonderheit abgebildet, und auch nur dann, wenn sie \u00fcberliefert und bekannt, also ein pers\u00f6nliches Kennzeichen war wie das Heiligen-Attribut. Im Falle von Audomar waren Buch und Weinrebe sowie der Bischofsstab h\u00e4ufig verwendete Attribute.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der Abbildung links, die ca. drei Jahrhunderte nach dem Tod Audomars entstand, d\u00fcrfen wir ebenfalls keine Portr\u00e4ts der dargestellten Personen sehen. Wichtig ist hier die Handlung, die symbolische \u00dcbergabe des Bischofsstabs an Audomar, der das Bischofs-Ornat angelegt hat. Im \u00dcbrigen zeigt die Darstellung zwei nahezu gleichrangige Personen, auf Augenh\u00f6he und nicht in einer Szene eines Herrschaftsverh\u00e4ltnisses. Beide Personen f\u00fcllen gleicherma\u00dfen das Bild in einer ausgewogenen Gewichtung. Eine andere Frage ist, ob dieses Verh\u00e4ltnis im 7. Jahrhundert der Wirklichkeit entsprach. Denn die Investitur (Einsetzung des Bischofs in sein Amt) durch den K\u00f6nig wurde erst im 11. Jahrhundert in Frage gestellt (Investiturstreit, H\u00f6hepunkt: &#8222;Gang nach Canossa&#8220; 1077). Die Darstellung m\u00f6chte wohl die ver\u00e4nderten Verh\u00e4ltnisse spiegeln und weniger eine historisch korrekte Wiedergabe der Investitur im Jahr 637 zeigen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">.An seinen Attributen erkannte man den jeweiligen Heiligen. So hat auch der Bildhauer Olaf H\u00f6hnen (1933-2009) Anfang der 1980er Jahre die Statue aus Basaltlava gestaltet, die au\u00dfen am Portal auf einer S\u00e4ule steht. F\u00fcr unseren heutigen Geschmack wirkt sie sch\u00f6ner als die aus heutiger Sicht etwas kitschige Figur in der Kirche (siehe oben). Die Kopfbedeckung der Stein-Plastik (<em>Mitra<\/em> in der Form des fr\u00fchen Mittelalters) weist Audomar als Mann der Kirche aus (Diese Steinplastik ist also etwas n\u00e4her an der historischen Erscheinung als die Holzfigur im Ornat sp\u00e4terer Zeiten). Audomar wirkte nicht <a href=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/2a.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\" wp-image-352 alignleft\" src=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/2a-136x300.jpg\" alt=\"2a\" width=\"151\" height=\"333\" srcset=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/2a-136x300.jpg 136w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/2a-466x1024.jpg 466w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/2a-624x1370.jpg 624w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/2a.jpg 1069w\" sizes=\"(max-width: 151px) 100vw, 151px\" \/><\/a>nur als Missionar und Klostergr\u00fcnder, sondern auch \u00fcber drei Jahrzehnte als Bischof.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie kam es zu seiner Verehrung als Heiliger? Im fr\u00fchen Mittelalter war die offizielle Heiligsprechung (Kanonisierung) noch nicht von Rom reguliert und kodifiziert. Als Heilige galten per se die M\u00e4rtyrer des Glaubens, hinzu kamen im Laufe der Zeit Pers\u00f6nlichkeiten, die sich in herausragender Weise als fromme und karitativ t\u00e4tige Menschen ausgezeichnet hatten (siehe dazu DIE BEATUS-CHRONIK, S. 56, Anm. 10). Manche ihrer Taten erschienen als Wunder, und nach ihrem Tod wurden oft Wunder berichtet, die sich an ihrem Grab zugetragen hatten oder von ihren Reliquien ausgingen (vgl. ebda, S. 24, \u00a7 46).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als die Zahl der Heiligen immer weiter anwuchs und sich die Gedenktage im Jahreskalender h\u00e4uften, nahm die Kirchenleitung in Rom die Koordination in die Hand und erlie\u00df Regeln. Voraussetzung zur <strong>Heiligsprechung<\/strong> wurde 1. ein heiligm\u00e4\u00dfiges Leben und 2. ein wundert\u00e4tiges Wirken, d.h. ein \u00fcber das normalmenschliche Ma\u00df hinausgehendes in Form von wundersamer Heilung unheilbar Kranker, oder \u00e4hnlichem. Das Verfahren wurde sp\u00e4ter weiter differenziert und gilt auch f\u00fcr die Vorstufe einer Heiligsprechung, die Seligsprechung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr Audomar, seine Mitbr\u00fcder Bertin und Momelin sowie andere Zeitgenossen galten noch die einfachen Regeln: Heilig ist, wer als solcher angesehen und verehrt wird. Und diese Verehrung ging meist vom Volk aus, sie wurde seltener von oben verordnet. In vielen F\u00e4llen hie\u00df das: Die unmittelbar Betroffenen, die das Charisma und die hilfreiche T\u00e4tigkeit des Heiligen selbst erfahren hatten, k\u00fcrten die Person zum Heiligen, manchmal schon vor ihrem Ableben. In sp\u00e4terer Zeit wurden von Rom viele Heilige zwar nicht in den offiziellen Kanon \u00fcbernommen, man tolerierte aber die lokale bzw. regionale Verehrung (Beispiel: Engelbert von K\u00f6ln, +1225). Die lie\u00df sich in vielen F\u00e4llen auch schwer unterbinden, erst recht, wenn das Grab des Heiligen eine gro\u00dfe Zahl von Pilgern anzog.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hier kommen auch wirtschaftliche Motive ins Spiel. <strong>Pilgerfahrten<\/strong> waren im Mittelalter so bedeutend <a href=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/IMG_1519.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-349 alignleft\" src=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/IMG_1519-300x190.jpg\" alt=\"IMG_1519\" width=\"389\" height=\"246\" srcset=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/IMG_1519-300x190.jpg 300w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/IMG_1519-1024x648.jpg 1024w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/IMG_1519-624x395.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 389px) 100vw, 389px\" \/><\/a>wie heute Pauschalreisen, Pilger galten wie heute Touristen als wichtige Einnahmequelle. So profitierte z.B. K\u00f6ln wirtschaftlich sehr vom Einzug der Reliquien der Heiligen Drei K\u00f6nige (1164): In erster Linie Handelszentrum, wurde die Stadt im sp\u00e4ten 12. Jahrhunderts auch noch bedeutendes Wallfahrtsziel, und die drei Kronen zierten fortan das Stadtwappen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In Frechens Kirche m\u00fcsste es schon im Mittelalter eine Reliquie des Audomar gegeben haben (DIE BEATUS-CHRONIK, S. 22, \u00a7 35), vielleicht am Altar platziert oder an sonst prominenter Stelle. Wir wissen nichts von ihrem Verbleib. M\u00f6glich, dass sie bei einer Pl\u00fcnderung Frechens geraubt wurde, oder bei anderen Ereignissen verlorenging. Vielleicht war sie auch im Chor vergraben und wurde bei Umbauten der Kirche nicht geborgen (siehe auch ebda, S. 58, Anm. 45-47).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Soweit zur Person des Audomar und seinen Reliquien. Doch noch steht die Frage im Raum, warum Frechen als einziger deutscher Ort das Patrozinium des heiligen Audomar aufweist. Die Antwort liegt wiederum weit zur\u00fcck, im fr\u00fchen Mittelalter, als Frechen im Frankenreich lag und in diesem die Dynastie der Merowinger herrschte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das von Audomar gegr\u00fcndete Kloster Sithiu wurde bald umgetauft auf den Namen des zweiten Abtes <em>Saint-Bertin<\/em> (+709, wie Audomar als Heiliger verehrt). Diese Abtei hatte besondere Beziehungen zum merowingischen Herrscherhaus. Hier wurden die fr\u00e4nkischen Reichsannalen aufgezeichnet; hier nahm man auch abgesetzte K\u00f6nige auf, die als M\u00f6nche quasi &#8222;entsorgt&#8220; wurden (kahlgeschoren und unter Aufsicht gestellt, kamen sie immerhin mit dem Leben davon).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Beatus-Chronik berichtet: &#8222;Bald nach 720 erhielt die Abtei<em> Saint-Bertin<\/em> Schenkungen von Landbesitz im Rheinland, in Ripuarien, wie man damals das Land zwischen Rhein und Maas nannte.&#8220; (Beatus-Chronik, \u00a7 29) Diese L\u00e4ndereien lagen in Frechen, Gelsdorf und Niederkassel (\u00a7 43). Was das f\u00fcr Frechen bedeutete, berichtet \u00a7 45: &#8222;Um das Jahr 750 baute die Abtei, als gr\u00f6\u00dfte Grundbesitzerin am Ort, Frechen eine Kirche aus Holz, die dem heiligen Audomar geweiht wurde.&#8220; Nach dem Rechtsgrundsatz der &#8222;Eigenkirche&#8220; war die Abtei, als gr\u00f6\u00dfter Landbesitzer am Ort, zu diesem Bau verpflichtet, damit verbunden war das Patronatsrecht (Sie bestimmte den Pfarrer an dieser Kirche).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So bekam das Dorf Frechen im 8. Jahrhundert seine Kirche St. Audomar. Sie wurde am urspr\u00fcnglichen Zentrum des Dorfes errichtet: An der Kirche war unter der Gerichtslinde der Versammlungs- und Gerichtsplatz, und gegen\u00fcber lag der vermutlich erste Gasthof, in bester Lage: am Dorfzentrum, und nahe der Fernstra\u00dfe, die am Dorf vorbeilief (heutige Alte Stra\u00dfe). In der Beatus-Chronik (um 1300) wird dieser Gasthof unter dem Namen &#8222;Zur Sonne&#8220; erw\u00e4hnt. Im 20. Jahrhundert stand hier bis zum Abbruch im Jahre 1970 das Gasthaus &#8222;Zur Glocke&#8220;, dessen Fassaden mit gr\u00fcn-glasierter Ooms&#8217;scher Keramik verziert waren.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/016.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-341 aligncenter\" src=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/016-219x300.jpg\" alt=\"016\" width=\"281\" height=\"385\" srcset=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/016-219x300.jpg 219w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/016-748x1024.jpg 748w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/016-624x853.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 281px) 100vw, 281px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Kirchplatz mit Linde, Gasthof &#8222;Zur Glocke&#8220; und Christus-Statue, \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 vor dem Abbruch der &#8222;Glocke&#8220; und der benachbarten H\u00e4user (Blick von der Kirche Richtung H\u00fcchelner Stra\u00dfe; Foto: W. R., Juni 1969)<\/p>\n<p><span style=\"color: #ffffff;\">.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0* Durch die Freundschaft zwischen dem Frechener Stadtarchivar Karl G\u00f6bels und dem Stadtarchivar von Saint-Omer, Georges Coolen, kam es 1952 zu einer \u00dcbergabe der Reliquie f\u00fcr die Kirche St. Audomar in Frechen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/13g+.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\" wp-image-256 aligncenter\" src=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/13g+-300x219.jpg\" alt=\"13g+\" width=\"124\" height=\"90\" srcset=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/13g+-300x219.jpg 300w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/13g+-624x457.jpg 624w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/13g+.jpg 864w\" sizes=\"(max-width: 124px) 100vw, 124px\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/BC-Titel-Fa.jpg\"><span style=\"color: #ffffff;\">.<\/span><\/a><\/p>\n<p><span style=\"color: #ffffff;\">.<\/span><\/p>\n<h1 style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: #008000;\">Im April 2013 erschien ein Buch mit dem Titel <\/span><\/h1>\n<h1 style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: #008000;\">&#8222;DIE BEATUS-CHRONIK&#8220;. <\/span><\/h1>\n<p><span style=\"color: #ffffff;\">.<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_1872\" style=\"width: 266px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/1s2++.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-1872\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\" wp-image-1872\" src=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/1s2++-209x300.jpg\" alt=\"\" width=\"256\" height=\"367\" srcset=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/1s2++-209x300.jpg 209w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/1s2++-714x1024.jpg 714w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/1s2++-624x894.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 256px) 100vw, 256px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-1872\" class=\"wp-caption-text\">allegorische Darstellung der &#8222;Universitas Frekenae&#8220;, nach einer Buchmalerei Anf. 14. Jh.<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>D<\/strong>er Herausgeber schrieb dazu unter anderem: Diese mittelalterliche Chronik enth\u00fcllt den bislang unbekannten Plan aus dem Beginn des 14. Jahrhunderts, in Frechen eine Universit\u00e4t zu gr\u00fcnden. Aus der Sicht heutiger Menschen erscheint das h\u00f6chst unwahrscheinlich. Ist dieser Plan erfunden? Ist die Chronik gar gef\u00e4lscht? Oder wurde dieses Projekt sieben Jahrhunderte lang ignoriert und vergessen, weil vertuscht, totgeschwiegen, schlie\u00dflich als unglaubw\u00fcrdig beiseite geschoben?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zur Bewertung dieser Chronik aus Sicht von Historikern ist sachlich festzustellen: Im Abgleich mit dem heutigen Stand der historischen Forschung zeigt sich, dass die Chronik nichts Anderes berichtet, als was damals, um das Jahr 1300, durchaus denkbar war. Der Plan (der nur aus heutiger Sicht kaum vorstellbar erscheint) und auch das Scheitern des Projekts &#8222;Universitas Frekenae&#8220; passen durchaus in die historische Gesamtsituation, d.h. in die politischen Machtspiele und -interessen sowie die kulturellen Rahmenbedingungen der europ\u00e4ischen Geschichte in den Jahrzehnten um 1300. Damit entfaltet die <em>Beatus-Chronik<\/em> auch ein historisches Tableau, das uns das sp\u00e4te Mittelalter n\u00e4her bringt und Einblicke in die Vorstellungswelt jener Zeit erm\u00f6glicht.<\/p>\n<p class=\" wp-image-1412 \" style=\"text-align: justify;\">Wenn man bedenkt, dass unsere Schulgeschichtsb\u00fccher uns Einiges von K\u00f6ln als mittelalterlicher Stadt, aber nichts von Frechen berichtet haben, dann wird uns hier gleichsam eine Flut von Informationen geboten. Hier ruht der Scheinwerfer der Aufmerksamkeit nicht allein auf der gro\u00dfen Stadt K\u00f6ln, wie wir es gewohnt sind, sondern vor allem auf dem &#8222;Freien Kaufdorf Frechen&#8220;, das bereits in der Zeit der fr\u00e4nkischen Merowinger-K\u00f6nige diese<\/p>\n<div id=\"attachment_798\" style=\"width: 241px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/1e.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-798\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\" wp-image-798\" src=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/1e-205x300.jpg\" alt=\"\" width=\"231\" height=\"338\" srcset=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/1e-205x300.jpg 205w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/1e-700x1024.jpg 700w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/1e-624x912.jpg 624w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/1e.jpg 1894w\" sizes=\"(max-width: 231px) 100vw, 231px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-798\" class=\"wp-caption-text\">Eine Lekt\u00fcre, die auch der hl. Audomar empfiehlt &#8211; auch weil man dort etwas mehr \u00fcber ihn erf\u00e4hrt<\/p><\/div>\n<p class=\" wp-image-1412 \" style=\"text-align: justify;\">Sonderstellung erlangte und damit eine Art &#8222;Freihandelszone&#8220; war. Und obwohl es bald vom wieder aufbl\u00fchenden K\u00f6ln \u00fcberschattet wurde, blieb ihm der Sonderstatus doch bis Ende des 18. Jahrhunderts erhalten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Chronik f\u00fcllt eine L\u00fccke im historischen Ged\u00e4chtnis Frechens: Die Stadt erinnert sich meist nur ihrer gro\u00dfen Zeit als T\u00f6pfer-Ort im 16. bis 18. Jahrhundert, auf die auch der Bartmannkrug im Stadtwappen verweist. Die davor liegende Zeit, das Mittelalter, wird dagegen als gr\u00f6\u00dftenteils &#8222;wei\u00dfer Fleck&#8220;, als fast leere Seite im Buch der lokalen Geschichte wahrgenommen. Folglich wird diese Zeit im historischen Ged\u00e4chtnis der Stadt meist \u00fcbergangen. Das soll nicht l\u00e4nger so bleiben, und die Ver\u00f6ffentlichung der Beatus-Chronik will und kann dazu beitragen, dies zu \u00e4ndern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Warum wussten wir bisher nichts von jenem Universit\u00e4ts-Projekt? Das liegt auf der Hand: Diejenigen, die damals diese Gr\u00fcndung verhindern wollten, waren nicht an einer weiteren Publizit\u00e4t des Projekts interessiert. Und die Betreiber, d.h. Abtei und Stift in St.-Omer, wollten nach ihrem R\u00fcckzieher den franz\u00f6sischen K\u00f6nig nicht weiter ver\u00e4rgern und fuhren offiziell die Linie: &#8222;Niemand hat die Absicht, in Frechen eine Universit\u00e4t zu gr\u00fcnden.&#8220; Sie verleugneten die Planung und verlegten sich, ebenso wie die Gegner des Projekts, auf Vertuschen und Totschweigen. Dieser Schulterschluss einer quasi unheiligen Allianz war offenbar erfolgreich, das Projekt verschwand aus dem kollektiven Ged\u00e4chtnis der Region.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Apropos Ged\u00e4chtnis: Der Herausgeber dieser Chronik widmet sein Buch den beiden jungen Menschen, die 2009 beim Einsturz des K\u00f6lner Stadtarchivs ums Leben kamen. (Dort wurden \u00fcbrigens auch einige Frechen betreffende Dokumente aus dem Mittelalter vermeintlich sicher aufbewahrt.) In seiner Vorbemerkung zum Buch begr\u00fcndet er diese Widmung mit der anhaltenden Betroffenheit \u00fcber dieses Ereignis. Deshalb wurde auch auf der Website <span style=\"text-decoration: underline;\">fu-frechen.de<\/span> das Thema nach dem Erscheinen des Buches (April 2013) weiterverfolgt (&gt;<em>Blog\/<\/em>K\u00f6ln-Notizen).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieses Buch impliziert eine Aufforderung an HistorikerInnen, nicht zur Tagesordnung der &#8222;wichtigeren&#8220; Forschungsthemen \u00fcberzugehen, sondern zu pr\u00fcfen, ob sich nicht an anderer Stelle Hinweise ergeben, die man bisher ohne Kenntnis der Beatus-Chronik nicht einordnen konnte und wom\u00f6glich \u00fcbergangen hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Herausgeber der Beatus-Chronik wendet sich aber nicht nur an HistorikerInnen, sondern auch an ein gr\u00f6\u00dferes, historisch interessiertes Publikum, dem er mit Anmerkungen zum Text, mit Hintergrund-Informationen, und als &#8222;Ausklang&#8220; des zweiten Teils mit einer anschaulichen Kurzgeschichte deutlich macht, was die Historie f\u00fcr unsere Gegenwart bedeutet.<\/p>\n<div id=\"attachment_257\" style=\"width: 275px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/02cb++.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-257\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\" wp-image-257 \" src=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/02cb++-300x223.jpg\" alt=\"02cb++\" width=\"265\" height=\"197\" srcset=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/02cb++-300x223.jpg 300w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/02cb++-1024x761.jpg 1024w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/02cb++-624x463.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 265px) 100vw, 265px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-257\" class=\"wp-caption-text\">Der Chronist Beatus<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dabei hat dieses Buch durchaus einen doppelten Boden: Man kann es als ein popul\u00e4rwissenschaftlich angelegtes Werk lesen, wie es der Herausgeber in der Einf\u00fchrung deklariert; man kann aber auch auf Hintergr\u00fcndiges sto\u00dfen und Zusammenh\u00e4nge finden, die nicht gleich ins Auge springen; und man kann sich sich zum Nachdenken, z.B. \u00fcber Sinn und Wesen von &#8222;Geschichte&#8220;, anregen lassen. F\u00fcr das akademisch gebildete Publikum gibt das Nachwort einer Geisteswissenschaftlerin weitere Denkanst\u00f6\u00dfe. Alles in Allem kann man sagen: Dieses Buch bietet in verst\u00e4ndlicher Sprache Jeder und Jedem etwas, sowohl den historischen Laien als auch den Informierteren, den Leuten mit normaler Schulbildung ebenso wie den Studierten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Anliegen des Herausgebers, m\u00f6glichst Vielen den Zugang zu Information, Aufkl\u00e4rung und Orientierung anzubieten, entspricht seiner Grundhaltung, die scheinbar beil\u00e4ufig in einer Bemerkung im Buch aufscheint: <em><span style=\"color: #800000;\">&#8222;Keiner ist unwichtig.&#8220;<\/span><\/em> Er schlie\u00dft in diesen Satz die beiden Opfer des Archiveinsturzes in K\u00f6ln ein, sowie die vielen Menschen, die ungenannt im Dunkel der Geschichte bleiben. Dort blieb auch eine ganze Ortschaft (n\u00e4mlich Frechen), die im Schatten K\u00f6lns bei Historikern kaum Beachtung fand. \u2014<\/p>\n<h2 style=\"text-align: center;\"><a href=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/1b.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"aligncenter wp-image-4614\" src=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/1b-220x300.jpg\" alt=\"\" width=\"283\" height=\"386\" srcset=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/1b-220x300.jpg 220w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/1b-768x1048.jpg 768w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/1b-751x1024.jpg 751w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/1b-624x851.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 283px) 100vw, 283px\" \/><\/a><\/h2>\n<h5 style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\"><strong><a style=\"color: #000000;\" href=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/1e.jpg\">Ein gutes Geschenk f\u00fcr Leute, die sich f\u00fcr Geschichte<\/a> <span style=\"text-decoration: underline;\">interessieren<\/span>\u00a0\u2013 <\/strong><\/span><strong>und d<\/strong>ie richtige Lekt\u00fcre f\u00fcr diejenigen, die auch das Gro\u00dfe Ganze im Blick behalten wollen. Au\u00dferdem ist es eine wichtige Lekt\u00fcre f\u00fcr FrechenerInnen, die bisher ihre Heimatstadt im Hinblick auf ihre Geschichte f\u00fcr unbedeutend gehalten (und damit untersch\u00e4tzt) haben.<\/h5>\n<h5 style=\"text-align: justify;\">N\u00e4heres zum derzeitigen Stand der Verf\u00fcgbarkeit f\u00fcr potentielle K\u00e4uferInnen k\u00f6nnen Sie weiter unten erfahren.<\/h5>\n<p style=\"text-align: justify;\">Grunds\u00e4tzlich ist DIE BEATUS-CHRONIK f\u00fcr Interessierte noch antiquarisch erh\u00e4ltlich.\u00a0 Sollten Sie dennoch kein Exemplar ergattert haben, dann wenden Sie sich an den Herausgeber (solange der noch einige Exemplare in Reserve hat.) Im Impressum finden Sie seine Mail-Adresse.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wer sich in die <strong><em>Stadtbibliothek Frechen<\/em><\/strong> begibt (was sich immer lohnt), kann dort (1. Stock, Signatur: Dek-REI) im Buch bl\u00e4ttern und lesen oder es ausleihen. Au\u00dferdem f\u00fchrt es der Frechener Geschichtsverein in seiner Bibiliothek (Kat.Nr. 963). Au\u00dferhalb von Frechen haben einige gr\u00f6\u00dfere Bibliotheken das Buch in ihrem Bestand,\u00a0 z.B\u00a0 die Di\u00f6zesan-Bibliothek in K\u00f6ln. <span style=\"color: #ffffff;\">.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Buch war ab 3. April 2013 erh\u00e4ltlich f\u00fcr 15,50\u20ac bei verschiedenen H\u00e4ndlern im Internet wie auch im n\u00e4chsten Buchladen vor Ort, der Ihnen im Zweifel das Buch bestellte.<\/p>\n<p>[<em>Anmerkung 04.11.2022:<\/em> Wer im Internet sucht, st\u00f6\u00dft derzeit auf Angebote, wo f\u00fcr dieses Buch (gut 9\u00bd Jahre nach seinem Erscheinen) ganz verschiedene, teils erstaunliche Preise bis 150,-\u20ac aufgerufen werden. Das mag damit zusammenh\u00e4ngen, dass der Verlag in M\u00fcnster seit 2017 insolvent ist und das Buch seitdem nicht mehr geordert werden kann, weder als Book-on-Demand noch als E-Book.]\u00a0<\/p>\n<p>Der Klappentext zum Buch Buch teilt mit:<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Screenshot-2022-03-16-at-20-44-06-Die-Beatus-Chronik.png\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"aligncenter size-full wp-image-8032\" src=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Screenshot-2022-03-16-at-20-44-06-Die-Beatus-Chronik.png\" alt=\"\" width=\"783\" height=\"481\" srcset=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Screenshot-2022-03-16-at-20-44-06-Die-Beatus-Chronik.png 783w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Screenshot-2022-03-16-at-20-44-06-Die-Beatus-Chronik-300x184.png 300w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Screenshot-2022-03-16-at-20-44-06-Die-Beatus-Chronik-768x472.png 768w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Screenshot-2022-03-16-at-20-44-06-Die-Beatus-Chronik-624x383.png 624w\" sizes=\"(max-width: 783px) 100vw, 783px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein Leser meinte: &#8222;In diesem Buch ist Stoff f\u00fcr gleich mehrere B\u00fccher.&#8220; Wahrlich, die K\u00e4uferInnen bekamen<strong> <em><span style=\"color: #ff6600;\">viel Buch f\u00fcr&#8217;s Geld.<\/span><\/em><\/strong> Hier traf das Wort <a href=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/1bp.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignleft wp-image-2440\" src=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/1bp-281x300.jpg\" alt=\"1bp\" width=\"126\" height=\"135\" srcset=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/1bp-281x300.jpg 281w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/1bp.jpg 593w\" sizes=\"(max-width: 126px) 100vw, 126px\" \/><\/a>&#8222;preiswert&#8220; voll zu. Daran zeigt sich auch: Dieses Buch ist nicht prim\u00e4r kommerziell (auf maximale Verkaufszahlen) konzipiert, also auch nicht auf eine bestimmte Seitenzahl k\u00fcnstlich aufgebl\u00e4ht, sondern, im Gegenteil, inhaltlich stark aufgeladen.\u00a0Au\u00dferdem wird der Inhalt nicht schnell veralten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Interessierte sollten die Chance nutzen, sich diese, fast m\u00f6chte man mit Frau Bogner-Lafranc sagen: &#8222;heimliche Frechener Bibel&#8220;, f\u00fcr den eigenen B\u00fccherschrank zu sichern, einmal wegen der l\u00e4ngerfristigen Aktualit\u00e4t dieses Buches, und zum Anderen auch als Langzeit-Investition (weil es zur Rarit\u00e4t geworden ist, siehe z.B. hier &gt;<a href=\"https:\/\/search.worldcat.org\/de\/title\/861176834\">Die Beatus-Chronik | WorldCat.org<\/a> ).<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/1a.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"aligncenter wp-image-4512\" src=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/1a-270x300.jpg\" alt=\"\" width=\"87\" height=\"96\" srcset=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/1a-270x300.jpg 270w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/1a-768x854.jpg 768w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/1a-921x1024.jpg 921w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/1a-624x694.jpg 624w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/1a.jpg 1800w\" sizes=\"(max-width: 87px) 100vw, 87px\" \/><\/a><\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Geht es in diesem Buch um historische Wahrheit oder eher um legend\u00e4re Vorg\u00e4nge?<br \/><\/span><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Man kann sagen, dass die Frage, was wir unter &#8222;Geschichte&#8220; verstehen und was &#8222;historische Wahrheit&#8220; ist, sich im Grunde wie ein roter Faden durch fast das ganze Buch zieht, mal indirekt, mal direkt thematisiert. Als Historiker m\u00f6chte der Herausgeber niemandem vorgaukeln, <strong>Geschichte<\/strong> sei ein feststehendes Faktenger\u00fcst zum Auswendiglernen, also blo\u00df ein Wissensgebiet mit in Stein gemei\u00dfelter, ewig g\u00fcltiger Wahrheit. Nein, <strong><span style=\"color: #ff0000;\">Geschichte ist mehr, es ist ein Bet\u00e4tigungsfeld f\u00fcr Neugierige, die die Oberfl\u00e4che der Welt und die scheinbar oft zusammenhanglose Folge von Ereignissen hinterfragen wollen, f\u00fcr DenkerInnen, die Zusammenh\u00e4ngen nachsp\u00fcren und sie wenigstens ein St\u00fcck weit aufhellen, einordnen und verstehen wollen.<\/span><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Buch auf den Seiten 96 bis 98 wird ausgef\u00fchrt und begr\u00fcndet, was Geschichte ist, und warum die Besch\u00e4ftigung mit ihr so wichtig ist. Und am Schluss, im Nachwort von Frau Dr. Bogner-Lafranc, wird den Durchblickern ins Gewissen geredet, sich nicht solit\u00e4r im stillen K\u00e4mmerlein, oder im kleinen Zirkel von Spezialisten, an ihrem Wissen zu erg\u00f6tzen, sondern gesellschaftliche Verantwortung zu \u00fcbernehmen, d.h. sich auch anderen, weniger informierten Menschen mitzuteilen, und das bitte in <em>verst\u00e4ndlicher<\/em> Form.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diesem Anspruch nachzukommen bem\u00fcht sich auch der Herausgeber. Denn daran hapert es leider oft: Es gibt eine Menge WissenschaftlerInnen, die sich nur in der Fachsprache und nur in komplexen Schachtels\u00e4tzen \u00fcber ihre Forschungsergebnisse \u00e4u\u00dfern. Das hat in Deutschland \u2014 anders als im angels\u00e4chsischen Sprachraum \u2014 Tradition, weil hier offenbar die Wissenschaft immer etwas abgehoben und sprachlich verklausuliert daherkam, um als seri\u00f6s respektiert zu werden. &#8212;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/2-Beatus-scriptor_LI-2.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignleft wp-image-3903\" src=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/2-Beatus-scriptor_LI-2-300x197.jpg\" alt=\"\" width=\"280\" height=\"184\" srcset=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/2-Beatus-scriptor_LI-2-300x197.jpg 300w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/2-Beatus-scriptor_LI-2.jpg 489w\" sizes=\"(max-width: 280px) 100vw, 280px\" \/>D<\/a>as Scheitern des Universit\u00e4tsprojekts in Frechen war f\u00fcr die Menschen jener Zeit keineswegs wahrscheinlich, geschweige denn vorhersehbar. Erst lange Zeit danach (hinterher ist man immer schlauer) k\u00f6nnen wir im R\u00fcckblick sagen: Der Plan konnte nicht gelingen, jedenfalls nicht in dieser historischen Gesamtsituation (wie wir sie <em>heute<\/em> \u00fcberschauen k\u00f6nnen). Daf\u00fcr liefert die Chronik selbst gen\u00fcgend Hinweise, weil sich der Chronist Beatus an \u2014 auch aus heutiger Sicht \u2014 g\u00fcltige, nachpr\u00fcfbare &#8222;historische Fakten&#8220; h\u00e4lt und nicht zum Fabulieren neigt (wie manch andere seiner Kollegen). Das h\u00e4lt ihn aber nicht davon ab, durchaus emotional beteiligt zu sein und teils sehr entschieden Stellung zu beziehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Streng wissenschaftlich sagt der <em>heutige<\/em> Historiker: Solange ein Vorfall, ein Ereignis oder ein Projekt wie das einer mittelalterlichen Universit\u00e4t in Frechen in nur <em>einer<\/em> Quelle erw\u00e4hnt wird, eine Best\u00e4tigung durch weitere aber (noch) nicht vorliegt, k\u00f6nnen wir formell nicht von einem <em>gesicherten<\/em> Fakt sprechen. M\u00f6gen daher Manche dieses Projekt als historische These, Andere als Sage oder Mythos ansehen, das steht Jeder und Jedem frei. Auf jeden Fall aber erhalten die Leserinnen und Leser durch die Beatus-Chronik einen faktenreichen Einblick in die realen Verh\u00e4ltnisse im beginnenden Sp\u00e4tmittelalter. Und was in Bezug auf das Projekt &#8222;Universitas Frekenae&#8220; dann in der historischen Forschung zum anerkannten, also eindeutig belegten Fakt der Geschichte wird, mag der Fortgang der historischen Forschung und Diskussion entscheiden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Denn der Herausgeber W. Reinert w\u00fcnscht sich, dass diese Ver\u00f6ffentlichung Anlass und Ansto\u00df f\u00fcr weitere Forschungen sein m\u00f6ge, dass berufene HistorikerInnen (Medi\u00e4vistInnen mit besonderer Kenntnis der rheinischen Geschichte) gezielt den Fragen nachgehen, die dieses Buch aufwirft oder offen l\u00e4sst, und dass im Laufe dieser Forschungen neue Hinweise in Archiven entdeckt werden, die von anderen Forschern zuvor \u00fcbersehen oder \u00fcberlesen wurden. Das ist durchaus vorstellbar, weil deren erkenntnisleitendes Interesse anderen Fragen nachsp\u00fcrte und sie vom Projekt <em>Universitas Frekenae<\/em> noch nichts ahnten.**\u00a0 \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <a href=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/050.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignright size-medium wp-image-596\" src=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/050-242x300.jpg\" alt=\"050\" width=\"242\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/050-242x300.jpg 242w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/050-826x1024.jpg 826w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/050-624x773.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 242px) 100vw, 242px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Neben einer historischen Darstellung und Diskussion geht es in diesem Buch aber auch um moralische Fragen. Daher f\u00e4llt, bei dieser thematischen Bandbreite des Buches, die Einordnung in eine Themen-Schublade nicht leicht. Bei Verlag und Handel wird es mit Recht in der Kategorie &#8222;Geschichte&#8220; bzw. &#8222;historisches Fachbuch&#8220; gef\u00fchrt. Inhaltlich geht es aber weit \u00fcber ein rein historisches Sachbuch hinaus. Das meint auch Frau Bogner-Lafranc mit ihrer oben zitierten Etikettierung dieses Buches als &#8222;quasi Frechener Bibel.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Besonders f\u00fcr die FrechenerInnen von heute k\u00f6nnte man dieses Buch als Bereicherung des historischen Ged\u00e4chtnisses ansehen, dazu als Beitrag zur Einordnung Frechener und rheinischer Geschichte in den europ\u00e4ischen Hintergrund, und weiter als Aufforderung zu mehr Nachdenklichkeit im Umgang mit Geschichte \u2014 statt gewohnheitsm\u00e4\u00dfig und ungepr\u00fcft Bilder der Vergangenheit mit ihren blinden Flecken und Irrt\u00fcmern beizubehalten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">_____________________________________<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">* <em>Nachtrag\u00a0 am 29.01.2017:<\/em> Als h\u00e4tte ich es vorausgeahnt, wird inzwischen diskutiert, dass wir im &#8222;postfaktischen&#8220; Zeitalter leben, wo L\u00fcge und Wahrheit, Fakten und Verschw\u00f6rungsmythen oft austauschbar bzw. gleichrangig nebeneinander gestellt werden. Daran sind z.T. die sozialen Medien und Internetforen schuld, die nicht nur alle \u00c4u\u00dferungen unbewertet einstellen, sondern dem Nutzer zus\u00e4tzlich per Algorithmus eine Blase oder Echokammer bauen, in der sich nur noch seine Vorlieben und bevorzugten Meinungen finden. Dort wird \u2014 im Gegensatz zu den hergebrachten Medien \u2014 keine Einordnung bzw. Orientierungshilfe geboten, wie sie gelernte Journalisten in seri\u00f6sen Medien bereitstellen. Folglich stehen im Netz &#8222;fake news&#8220; oft ohne Unterscheidung vermischt mit echten Nachrichten. Die Folge: Der durchschnittlich gebildete bzw. informierte User kann Falschmeldungen und Desinformation meist nicht erkennen und durchschauen \u2014 und glaubt daher manche Unwahrheit. Das ist im Ergebnis das Gegenteil von Ermunterung zu kritischem Hinterfragen und zum Gebrauch des eigenen Verstandes (wozu ja gerade auch diese Website <span style=\"text-decoration: underline;\">fu-frechen.de<\/span> auffordert).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">** Wer ein solches \u00dcberlesen oder \u00dcbersehen f\u00fcr kaum vorstellbar h\u00e4lt, bedenke das Folgende: Karl G\u00f6bels nennt in seiner Aufz\u00e4hlung historischer Irrt\u00fcmer \u00fcber Frechen auch das Jahr der urkundlichen Ersterw\u00e4hnung Frechens, Rosellen (1887) zitierte dazu eine Urkunde des C\u00e4cilienstifts zu K\u00f6ln aus dem Jahr 941. Diese Jahresangabe wurde lange Zeit von anderen Autoren \u00fcbernommen, selbst nachdem die Urkunde aus dem Jahr 877 (siehe oben in der Einleitung) bereits mehrfach w\u00f6rtlich publiziert worden war. Nur war eben lange niemandem aufgefallen, dass im Text der \u00e4lteren Urkunde von 877 das Dorf Frechen (in der latinisierten Form) &#8222;Frekena&#8220; genannt wurde (vgl. Karl G\u00f6bels, <em>Frechen damals<\/em>. K\u00f6ln 1977, N.D. 1986, S. 16).<\/p>\n<p>W. R.<a href=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/1a.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"aligncenter wp-image-4512\" src=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/1a-270x300.jpg\" alt=\"\" width=\"87\" height=\"96\" srcset=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/1a-270x300.jpg 270w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/1a-768x854.jpg 768w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/1a-921x1024.jpg 921w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/1a-624x694.jpg 624w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/1a.jpg 1800w\" sizes=\"(max-width: 87px) 100vw, 87px\" \/><\/a><span style=\"color: #ffffff;\">&#8211;<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/1h.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone wp-image-934\" src=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/1h-300x177.jpg\" alt=\"1h\" width=\"402\" height=\"237\" srcset=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/1h-300x177.jpg 300w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/1h-1024x605.jpg 1024w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/1h-624x369.jpg 624w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/1h.jpg 1082w\" sizes=\"(max-width: 402px) 100vw, 402px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Foto: DIE BEATUS-CHRONIK in guter Gesellschaft, im Fr\u00fchjahr 2013 in der Buchhandlung Brauns in Frechen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wieso &#8222;in guter Gesellschaft&#8220;? Weil in Teilen des Buches Kritik an gesellschaftlichen Verh\u00e4ltnissen aufkommt, besonders im &#8222;Nachwort f\u00fcr das akademische Publikum&#8220; von Julie Bogner-Lafranc, das Sie hier lesen k\u00f6nnen: <a href=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/BC-Nachwort-von-JBL-HP-Vers-odt.pdf\">BC-Nachwort von JBL &#8211; HP-Vers odt<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: #ffffff;\">&#8211;<\/span><span style=\"color: #000000;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><strong><a href=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/1a.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"aligncenter wp-image-4512\" src=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/1a-270x300.jpg\" alt=\"\" width=\"87\" height=\"96\" srcset=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/1a-270x300.jpg 270w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/1a-768x854.jpg 768w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/1a-921x1024.jpg 921w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/1a-624x694.jpg 624w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/1a.jpg 1800w\" sizes=\"(max-width: 87px) 100vw, 87px\" \/><\/a><\/strong><\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Welchen Stellenwert oder welche Bedeutung hat dieses Buch im Hinblick auf die Geschichte Frechens und der Region?<\/span><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da m\u00f6chte ich mich als Herausgeber zur\u00fcckhalten und die Antwort Anderen \u00fcberlassen, n\u00e4mlich den LeserInnen sowie den Fachleuten in den Bereichen Geschichte, Religionswissenschaft, Ethik, u.a.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Frau Dr. Bogner-Lafranc, die das <em>Nachwort f\u00fcr das akademische Publikum (<\/em>S. 137-145) beisteuerte, meinte dazu im Januar 2013:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify; padding-left: 30px;\"><em>Diese Ver\u00f6ffentlichung wird kein Strohfeuer oder ein schnell verpuffender Knalleffekt sein\u00a0\u2014 im Gegenteil, aus meiner Sicht wird dies voraussichtlich ein Langzeit-Brenner. Nach meiner Einsch\u00e4tzung werden sich die Verkaufszahlen zwar kurzfristig in Grenzen halten, und das Buch wird wohl kaum auf einer Bestsellerliste auftauchen\u00a0\u2014 aber <strong>langfristig<\/strong> wird es immer wieder zitiert werden, es wird andere Ver\u00f6ffentlichungen beeinflussen und \u2014 wer wei\u00df? \u2014 wom\u00f6glich auf lange Sicht sogar als eine Art &#8222;Frechener Bibel&#8220; gesch\u00e4tzt werden.<br \/><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dem m\u00f6chte ich wenig hinzuf\u00fcgen. Das Buch enth\u00e4lt Anregungen und Fragen bzw. Denkanst\u00f6\u00dfe zu vielen Themen und ist auf jeden Fall ein Diskussionsbeitrag, der \u00fcber eine tagesaktuelle Bedeutung weit hinausreicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/1a.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"aligncenter wp-image-4512\" src=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/1a-270x300.jpg\" alt=\"\" width=\"87\" height=\"96\" srcset=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/1a-270x300.jpg 270w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/1a-768x854.jpg 768w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/1a-921x1024.jpg 921w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/1a-624x694.jpg 624w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/1a.jpg 1800w\" sizes=\"(max-width: 87px) 100vw, 87px\" \/><\/a><\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Wieviel Lokalpatriotismus schwingt in diesem Buch mit?<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Zugang zum historischen Frechen findet hier nicht nur in sachlicher, n\u00fcchterner Art statt. Vielmehr schwingen da auch Gef\u00fchle mit, die im Buch selbst im zweiten Teil unter der \u00dcberschrift &#8222;Frechens Vineta&#8220; angesprochen werden, und zwar in dem vorangestellten Zitat, in dem der Begriff &#8222;Vineta&#8220; f\u00fcr das Interesse an einer teils sagenhaften, n\u00e4her zu ergr\u00fcndenden Vergangenheit eines Ortes steht (S. 101).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn man in die Fr\u00fche Neuzeit zur\u00fcckgeht, wird einem sofort bewusst, dass Frechen ein solches, versunkenes &#8222;Vineta&#8220; besitzt: Fast der gesamte Ortskern im Bereich Hauptstra\u00dfe \u2014 Alte Stra\u00dfe \u2014 Oberdorf ist dicht besetzt mit Relikten fr\u00fcherer T\u00f6pfer-Werkst\u00e4tten, die bei jedem Ausschachten f\u00fcr ein Bauvorhaben zutage treten (und seit Jahrzehnten die Raubgr\u00e4ber anlocken). Was Wunder: Wir wissen von Zeiten, in denen gewaltige Mengen an Tonkr\u00fcgen und -geschirr produziert und von H\u00e4ndlern in alle Welt verkauft wurden. Damals muss zeitweise das halbe Gro\u00dfdorf Frechen direkt oder indirekt in oder f\u00fcr die T\u00f6pfer-Branche besch\u00e4ftigt gewesen sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist allerdings nicht dieses durch Grabungen und schriftliche Quellen gut belegte &#8222;Vineta&#8220; der Fr\u00fchen Neuzeit, dem sich DIE BEATUS-CHRONIK haupts\u00e4chlich widmet, vielmehr der vorangegangenen Zeit des Mittelalters, von der \u2013 im Vergleich \u2013 sehr wenig bekannt ist. Das T\u00f6pferhandwerk war schon im Mittelalter in Frechen pr\u00e4sent (auch wenn in manch einer Publikation in Unkenntnis etwas Anderes behauptet wird). Der Status &#8222;Freies Kaufdorf&#8220; spielte dabei f\u00fcr Handel und Handwerk eine wichtige Rolle.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr Frechen liegt die Bedeutung dieses Buches u.a. vielleicht gerade in der <strong><em>Anregung<\/em><\/strong>, den Ort, seine Geschichte mit mehr Interesse und Wertsch\u00e4tzung zu betrachten, ihn sogar zum Objekt oder Schauplatz von Literatur zu machen, ihn als lohnenden Stoff zu begreifen, statt sich von der kleinm\u00fctigen Sicht einiger Frechener herunterziehen zu lassen, die von vorneherein nach K\u00f6ln blicken und Frechen kaum eines Blickes f\u00fcr wert halten. Diese fast &#8222;nestbeschmutzende&#8220; Identifikation mit dem gro\u00dfst\u00e4dtischen Nachbarort ist wohlfeil, um nicht zu sagen: platt und gedankenlos; sie verachtet die eigene Herkunft und glaubt, sich der nahen Gro\u00dfstadt und ihren L\u00e4sterm\u00e4ulern anbiedern zu k\u00f6nnen, indem sie den eigenen Wohn- oder Herkunftsort schm\u00e4ht. Das ist mit Sicherheit auch der mangelnden Kenntnis der Frechener Geschichte geschuldet \u2014 ein Grund mehr, dieser Unkenntnis endlich abzuhelfen!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Frechen-Lied des Kabarettisten Rainald Grebe mag es witzig klingen, weil er wohl noch ein Frechen erlebt hat, das, gerade erst nominell Stadt geworden, der traditionell sp\u00f6ttischen Geringsch\u00e4tzung seitens der K\u00f6lner nicht viel entgegenzusetzen wusste. In fr\u00fcheren Zeiten blickten St\u00e4dter meist \u00fcberheblich auf die Bewohner des Umlandes herab. Doch das ist heute nicht mehr Stand des wirklichen Lebens und Erlebens.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich kenne jenes Gro\u00dfdorf Frechen mit Industrie aus meiner Kindheit und Jugend und habe selbst in jungen Jahren so manche geringsch\u00e4tzige oder satirische \u00c4u\u00dferung \u00fcber die &#8222;junge Stadt mit Tradition&#8220; gemacht. Seitdem ist viel Wasser den Rhein hinuntergeflossen, ich habe viele Jahre in K\u00f6ln gelebt und kenne auch dort manch unsch\u00f6ne Gegenden und Ecken, die wenig vorzeigbar sind. Auch K\u00f6ln wird von den K\u00f6lnern selbst viel kritisiert, z.B. wegen unattraktiver Pl\u00e4tze, die nicht zum Verweilen einladen. Der Tourist sieht Vieles nicht, oder er sieht K\u00f6ln als One-stop-city, wo man den Dom anschaut, in der Altstadt ein K\u00f6lsch trinkt und dann weiterf\u00e4hrt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">K\u00f6ln wird au\u00dferdem von Politik und Verwaltung, sagen wir: nicht immer optimal gemanagt. Das sagen und schreiben (z. B. in Leserbriefen an die lokalen Zeitungen) viele K\u00f6lnerInnen nicht erst seit dem Archiveinsturz von 2009. Auch darum gibt es aus Frechener Sicht derzeit weder Grund noch Anlass, K\u00f6lns Expansions-Begehrlichkeiten nachzugeben und sich in die Gro\u00dfstadt eingemeinden zu lassen. Davon w\u00fcrde eher K\u00f6ln als Frechen profitieren.<\/p>\n<p>W. R.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Nachtrag dazu:<\/em> Wie der K\u00f6lner Stadt-Anzeiger am 27.11.2013 meldete, gibt uns Bergheim ein Beispiel, wie man selbstbewusst die lokale Geschichte pflegt und verteidigt und sich dabei lokalpatriotisch gegen K\u00f6lner Gro\u00dfstadt-Gebaren behauptet. Da geht es n\u00e4mlich um den historischen Reitergeneral Jan von Werth, den K\u00f6ln f\u00fcr seine Geschichte vereinnahmt hat. In Bergheim hat man aber herausgefunden, dass die erste Begegnung des Jan mit der angeschmachteten Griet nicht auf einem Hof in K\u00f6ln stattfand, sondern auf Gut Schlenderhan bei Bergheim. Jawoll, auch im Rhein-Erft-Kreis ist lebendige Geschichte zu Hause!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Erst im weiteren Verlauf spielt Jan eine Rolle f\u00fcr K\u00f6ln: Im Drei\u00dfigj\u00e4hrigen Krieg gelang ihm 1637 die Vertreibung feindlicher Truppen aus der Festung Ehrenbreitstein, sodass die Rheinschifffahrt f\u00fcr den K\u00f6lner Handel wieder aufgenommen werden konnte. Das machte ihn f\u00fcr den K\u00f6lner Rat zum Helden, entsprechend bejubelt zog er in K\u00f6ln ein. Der Sage nach traf er am Severinstor auf seine alte Flamme Griet, die ihn als &#8222;Nobody&#8220; einst verschm\u00e4ht hatte. Die Szene mit dem legend\u00e4ren Dialog zwischen den Beiden, sie an einem Marktstand, er als Reitergeneral hoch zu Ross, wird j\u00e4hrlich vor Ort an Weiberfastnacht aufgef\u00fchrt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8211; W. R. &#8211;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/1a.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"aligncenter wp-image-4512\" src=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/1a-270x300.jpg\" alt=\"\" width=\"87\" height=\"96\" srcset=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/1a-270x300.jpg 270w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/1a-768x854.jpg 768w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/1a-921x1024.jpg 921w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/1a-624x694.jpg 624w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/1a.jpg 1800w\" sizes=\"(max-width: 87px) 100vw, 87px\" \/><\/a><\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\"><strong>Gibt es (neben den Artikeln in der Presse anl\u00e4sslich des Erscheinens) Rezensionen zu diesem Buch?<br \/><\/strong><\/span><\/h3>\n<p>Ja, es gibt Kurzbesprechungungen und Bezugnahmen, aus denen hier folgend zitiert wird:<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Das Buch richtet den Blick weniger auf Fragen nach der Zuverl\u00e4ssigkeit der Quelle, sondern auf den Text selbst, der in einer lesbaren Fassung, d.h. in heutigem Deutsch, erstmals gedruckt vorliegt. Im Focus stehen der Chronik-Text, seine Entstehungsgeschichte, das historische Umfeld, in dem er entstand, und damit die Zeit und die Situation, wodurch vor dem geistigen Auge des Lesers auch ein Bild des sp\u00e4ten Mittelalters um 1300 entsteht.&#8220; \u2014 Gerhard Gengenheim in: Historische Literatur und ihre Autoren, Folge 5 (2013), Rubrik &#8222;Neue B\u00fccher&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;&#8230; ist ein Werk, das sich der einfachen Einordnung in eine literarische Gattung widersetzt und irgendwo zwischen Literatur und Sachbuch anzusiedeln ist. (&#8230;) Mich erinnert es an die Sachliteratur des Mittelalters: Der Text eines alten Meisters bzw. Kirchenvaters wurde glossiert und kommentiert, und die Textauslegung entwickelte oft seine Gedanken weiter und leistete damit einen Beitrag zum gelehrten Diskurs. So hat der Herausgeber der Beatus-Chronik auch Zusatzinformationen, Denkanst\u00f6\u00dfe und weiterf\u00fchrende Gedanken aufgeboten, um nicht blo\u00df einen Text zu edieren, sondern die LeserInnen dar\u00fcber hinaus zu weiterer Besch\u00e4ftigung mit den angeschnittenen Themen anzuregen.&#8220;\u00a0 \u2014\u00a0 Renate Munzinger in: Geschichte in Antike und Mittelalter XXVIII (2013), S. 215, Rubrik &#8222;Neu erschienen&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Bemerkenswert aus feministischer Sicht ist die Haltung des Chronisten Beatus: Er setzt sich deutlich ab von der absch\u00e4tzigen, frauenfeindlichen Sichtweise der Altvorderen wie Kirchenvater Augustinus, und weist auf die altirische Tradition hin, die den Frauen mehr Respekt entgegenbrachte, und die von Missionaren wie Columbanus nach Westeuropa importiert wurde. Hier prallte sie auf die r\u00f6misch-patriarchalisch gepr\u00e4gte Kirchenhierarchie, der sie auf Dauer unterlag&#8230;&#8220;\u00a0 \u2014\u00a0 Genevi\u00e8ve Mandel, \u00abFemme, tais-toi\u00bb, in: La France M\u00e9di\u00e9vale CXVII (2014), S. 185-230; \u00fcbersetzt von J. Bogner-Lafranc<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Hier wird die Geschichte eines Ortes einmal ganz anders aufgerollt: Ausgehend von einer mittelalterlichen Chronik, entfaltet Reinert ein Bild der Frechener Geschichte, verwoben mit der Geschichte des Rheinlandes und Europas. Und nebenbei stellt er auch noch die herk\u00f6mmliche Geschichtsschreibung bzw. unser Verst\u00e4ndnis davon in Frage, teils in subtiler Weise. So bietet dieses Buch viele Ans\u00e4tze zum Weiterdenken. Es ist ein Buch \u00fcber lokale Geschichte, aber zugleich \u2014 und sogar mehr \u2014 \u00fcber Geschichte schlechthin. (&#8230;) Und es zeigt auch: &#8222;Geschichte&#8220; h\u00e4ngt nicht umsonst sprachlich mit &#8222;Geschichten&#8220; zusammen, denn &#8222;Geschichte&#8220; bekommt erst Leben eingehaucht, wenn sie erz\u00e4hlt wird. Geschichte ist also kein 1:1 Abbild der Vergangenheit, sondern immer die Erz\u00e4hlung der Vergangenheit. Das mag selbstverst\u00e4ndlich klingen, doch das wird hier von Reinert in einer ganz eigenen Art demonstriert&#8230;&#8220;\u00a0 \u2014\u00a0 Johannes T. K\u00f6hler, &#8222;Neue Beitr\u00e4ge zum historischen Diskurs: eine Umschau.&#8220; Bl\u00e4tter des Klio-Instituts, Folge 37, Febr. 2016, S. 111-154\u00a0<\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Erg\u00e4nzung im November 2021: Vor Kurzem wurde mir ein Text zugeleitet, der &#8222;Die Beatus-Chronik&#8220; erw\u00e4hnt und sie in eigener Weise beleuchtet.<\/p>\n<blockquote>\n<p>&#8230; &#8222;So gibt es B\u00fccher, die uns aus wissenschaftlicher Sicht Kopfzerbrechen machen, wenn es um die Einordnung in eine Gattung oder eine Kategorie geht. Zu diesen z\u00e4hle ich beispielsweise &#8222;Die Beatus-Chronik&#8220; von Wolfgang Reinert, erschienen 2013.<\/p>\n<p>Ist die hier publizierte Chronik aus dem Mittelalter ein authentisches Werk, transskribiert in heutiges Deutsch, dann wird dieser Text mit Anmerkungen und erkl\u00e4renden Aufs\u00e4tzen gut eingeordnet und einem historisch weniger bewanderten Lesepublikum auch inhaltlich verst\u00e4ndlich gemacht.<\/p>\n<p>Ist diese Chronik aber Fiktion, also kein origin\u00e4res mittelalterliches Produkt aus der Zeit um 1300, dann kann man sie dennoch nicht als Phantasie abtun. Als Historiker mit Schwerpunkt Mittelalter kann ich sagen, dass sie durchaus den Handschriften entspricht, die man zuvor schon aus dem Mittelalter kannte. Sie entspricht sowohl dem historischen Hintergrund, soweit ein Autor um 1300 davon Kenntnis haben konnte, als auch dem Denkhorizont der gebildeten ZeitgenossInnen. Kurzum: Wenn sie nicht authentisch ist, so ist sie doch ziemlich gut erfunden, sozusagen eine &#8222;wahre Erfindung.&#8220; Und daher verschaukelt sie die LeserInnen auch nicht, sie informiert im Gegenteil \u00fcber eine historische Zeit und eine Mentalit\u00e4t, sodass man fast sagen k\u00f6nnte: Wenn erfunden, erz\u00e4hlt sie dennoch Geschichte in einer anschaulichen Art.<\/p>\n<p>Nebenbei zerpfl\u00fcckt Reinert auch manchen hergebrachten Mythos von Historie, die mehr Legende als Fakt ist. Und in diesem Sinne wirkt er aufkl\u00e4rerisch. &#8230;&#8220;\u00a0 &#8212;&#8211;\u00a0\u00a0 G\u00fcnter Rheinau, Fakt und Fiktion in der historischen Legendenliteratur. Manuskript, Weingarten 2017 (unver\u00f6ffentlicht)<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Frau Bogner-Lafranc, die ich weiter oben schon zitiert habe, gew\u00e4hrte mir Einblick in einen Briefwechsel mit G. Rheinau und gab mir die Erlaubnis, aus ihrem Brief an ihn das Folgende zu zitieren:<\/p>\n<blockquote>\n<p>(&#8230;) Wie mir scheint, neigen Sie zu der Ansicht, die &#8222;Beatus-Chronik&#8220; sei ein fiktionaler Text, eine &#8222;wahre Erfindung&#8220;, wie Sie schreiben. Dieser Meinung k\u00f6nnen Sie nat\u00fcrlich sein, doch m\u00f6chte ich Sie daran erinnern, dass nicht nur der Text selbst durchaus in die Entstehungszeit passt; es sind auch Aspekte der historisch belegten Umst\u00e4nde, die zumindest offen lassen, ob es nicht doch einen realen Versuch zur Gr\u00fcndung einer Universitas Frekenae gegeben hat.<\/p>\n<p>Das widerspricht allerdings der fest gef\u00fcgten Vorstellung vieler ZeitgenossInnen, denn so etwas passt nicht zum Bild eines bedeutungslosen Dorfes Frechen im historischen Schatten K\u00f6lns. Darin sehe ich ein Hindernis f\u00fcr eine ergebnisoffene Forschung; man k\u00f6nnte fast sagen: Die Zeit ist noch nicht reif f\u00fcr neue Erkenntnisse in dieser Richtung.<\/p>\n<p>Wenn Sie einen Blick auf die Widerspr\u00fcche zwischen Aussagen franz\u00f6sischer und deutscher Quellen werfen, dann bleiben bislang ungekl\u00e4rte Fragen offen, z.B. um die Person des Johannes Duns Scotus und seine letzte Reise nach K\u00f6ln, oder um die Frage, wie ernsthaft im Rheinland \u2014 und wo genau \u2014 die Gr\u00fcndung einer Universit\u00e4t zu Beginn des 14. Jahrhunderts erwogen wurde.<\/p>\n<p>Es w\u00e4re sicher eine wertvolle Erg\u00e4nzung, wenn Sie diese Fragen in Ihre noch unver\u00f6ffentlichte Arbeit einbeziehen k\u00f6nnten. Das k\u00f6nnte allerdings den Rahmen Ihres Textes sprengen, und daher hielte ich es f\u00fcr eine gute Idee, wenn Sie oder jemand anders diesen Fragen eigens in einem qualifizierten Forschungsbeitrag nachginge. Ein Thema f\u00fcr eine Dissertation w\u00e4re das allemal. (&#8230;)<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Nachtrag vom 04.03.2022: Inzwischen erreichte mich die Nachricht, dass es m\u00f6glicherweise einen weiteren Text oder ein Textfragment der Beatus-Chronik gibt (oder gegeben hat?). Die Grafschaft Manderscheid-Blankenheim fiel 1794 wie andere\u00a0 linksrheinische Gebiete in die Hand franz\u00f6sischer Truppen. Wir erinnern uns: Ein Vorfahr des Grafen von Manderscheid hatte 1553 die rheinischen Besitzt\u00fcmer von Stift Notre Dame und Abtei St.Bertin in Saint-Omer erworben. In der Burg Blankenheim wurde eine Sammlung alter Handschriften und Kunstgegenst\u00e4nde aufbewahrt, ein Teil wurde von einem franz\u00f6sischen Sonderbeauftragten f\u00fcr die franz\u00f6sische Nationalbibliothek beschlagnahmt. Jacob Grimm fand dort 1815 mehrere Objekte (z. B. eine Handschrift des <em>Tristan<\/em> von Gottfried von Stra\u00dfburg) und veranlasste die \u00dcbergabe an Preu\u00dfen, das nun auch \u00fcber die Rheinprovinz gebot. In Berlin kamen verschiedene St\u00fccke aber erst sp\u00e4ter an, weil der Germanist Eberhard von Groote in K\u00f6ln sie f\u00fcr seine Forschungen nutzte. Sollte unter den restituierten Schriften auch eine Abschrift der <em>Beatus-Chronik<\/em> oder Fragmente derselben gewesen sein, so w\u00fcrde das die Frage aufwerfen, wo denn diese verblieben ist bzw. sind. Die bisher erkennbaren Verbindungslinien zwischen verschiedenen Orten, an denen eine Kopie der Beatus-Chronik m\u00f6glicherweise aufbewahrt wurde, sind noch d\u00fcnn. Hier sehen wir weiteren Forschungsbedarf.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/1a.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"aligncenter wp-image-4512\" src=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/1a-270x300.jpg\" alt=\"\" width=\"87\" height=\"96\" srcset=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/1a-270x300.jpg 270w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/1a-768x854.jpg 768w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/1a-921x1024.jpg 921w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/1a-624x694.jpg 624w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/1a.jpg 1800w\" sizes=\"(max-width: 87px) 100vw, 87px\" \/><\/a><\/p>\n<\/blockquote>\n<h3><strong>W<\/strong>ie kam es dazu, dass der Herausgeber der Beatus-Chronik beschloss, eine <em>Frechener<\/em> <em>Geschichte<\/em> zu schreiben?<\/h3>\n<p>Ganz einfach: Bei der Hintergrundarbeit zur Herausgabe dieser Chronik stellte ich fest, dass es an einem modernen, kompakten \u00dcberblick \u00fcber Frechens Geschichte mangelt. Die meiste historische Literatur behandelte die Zeit ab dem 16. Jahrhundert. Das ist nicht verwunderlich, denn erst ab da liegt Einiges an Quellenmaterial zu Frechen vor, aus dem man sch\u00f6pfen kann; dagegen sind die Quellen f\u00fcr das Mittelalter (besonders vor dem Fund der Beatus-Chronik) doch eher l\u00fcckenhaft und streckenweise so rar ges\u00e4t, dass mehr Fragen offen bleiben, als beantwortet werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Bis dahin lag meines Wissens aus den vergangenen Jahrzehnten nur ein Werk vor, das <em>Frechener Geschichte<\/em> \u00fcberhaupt <em>in einem L\u00e4ngsschnitt<\/em> behandelte: Egon Heegs Publikation zum Frechener Jubil\u00e4um &#8222;50 Jahre Stadt&#8220; im Jahre 2001, herausgegeben vom Stadtarchiv Frechen (und dort noch erh\u00e4ltlich). Heeg beginnt mit Frechens Aufwertung zum Freien Kaufdorf in fr\u00e4nkischer Zeit, fokussiert die Geschichte auf die Dorf- und Gemeindeverfassung und behandelt ausf\u00fchrlich die Zeit des Nationalsozialismus. Er liefert den Frechenern zum Jubil\u00e4um Nachhilfe zum Auff\u00fcllen von Wissensl\u00fccken vor allem in der lokalen Geschichte \u2014 ein, wie ich finde, n\u00f6tiges, wichtiges und wertvolles Unterfangen, denn es verhilft den heutigen Frechenern zu einem ausgepr\u00e4gteren geschichtlichen Bewusstsein und der Stadt zu <span style=\"color: #ff6600;\"><span style=\"color: #ff0000;\">mehr<\/span> <span style=\"color: #ff0000;\">Selbstbewusstsein<\/span><\/span><span style=\"color: #ff0000;\"> eingedenk ihrer weit zur\u00fcckreichenden Geschichte.<\/span><\/p>\n<p>Noch ein Letztes zur historischen Literatur \u00fcber Frechen und Umgebung. Bis Anfang der 1990er Jahre gab es den Rheinland-Verlag in K\u00f6ln, der einige gut bebilderte B\u00fccher \u00fcber Kulturdenkm\u00e4ler im Rhein-Erft-Kreis (damals noch Erftkreis) verlegte. Seit der Verlag diese Arbeit eingestellt hat, finde ich nur noch wenige Publikationen dieser Art auf dem Buchmarkt. Es scheint f\u00fcr HistorikerInnen und KunsthistorikerInnen schwieriger geworden zu sein, B\u00fccher \u00fcber die Region zu ver\u00f6ffentlichen. Eher muss man heute F\u00fchrer f\u00fcr Rad- oder Wandertouren schreiben, um wenigstens in knappen Dossiers Informationen \u00fcber am Wege liegende, sehenswerte kulturgeschichtliche Objekte unter die Leute zu bringen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dagegen haben es ausf\u00fchrliche kulturhistorische Werke auf dem Markt schwer. Beispiel: In einem besonderen Kraftakt schafften es im Jahre 2011 die Herausgeber Egon Heeg, Axel Kurth und Peter Schreiner mit Unterst\u00fctzung weiterer Personen, das Buch <em>K\u00f6nigsdorf im Rheinland: Beitr\u00e4ge zu seiner Geschichte<\/em> zu ver\u00f6ffentlichen. Allein die lange Liste der Sponsoren und Beitragenden auf S. 3 zeigt schon, dass viel Geld eingeworben werden musste, um dieses umfangreiche, reich bebilderte Sachbuch zu finanzieren. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Doch eine derart aufw\u00e4ndige Ver\u00f6ffentlichung stemmt man vielleicht nur einmal im Jahrzehnt \u2014 und auch nur dann, wenn Leute mit Know-how, Energie und langem Atem das Projekt vorantreiben.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/FG-Engel.png\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"aligncenter wp-image-4408\" src=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/FG-Engel-300x238.png\" alt=\"\" width=\"122\" height=\"97\" srcset=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/FG-Engel-300x238.png 300w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/FG-Engel-768x610.png 768w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/FG-Engel-624x496.png 624w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/FG-Engel.png 847w\" sizes=\"(max-width: 122px) 100vw, 122px\" \/><\/a><\/p>\n<p>.<\/p>\n<h1 style=\"text-align: center;\">Anmerkungen zur fr\u00fchen Geschichte Frechens<\/h1>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>von W. R.<\/strong><\/p>\n<p>.<\/p>\n<h2 style=\"text-align: center;\">Zur Baugeschichte der Kirche St. Audomar<\/h2>\n<p><strong>W<\/strong>er sich f\u00fcr die Geschichte Frechens im Mittelalter interessiert, kommt an einer historischen Tatsache nicht vorbei: an der schriftlich bezeugten Verbindung des Dorfes Frechen zur Abtei <em>Saint-Bertin<\/em> in Saint-Omer. Das ist oben aus den einleitenden Ausf\u00fchrungen schon hinreichend klar geworden. Und dabei spielt die Pers\u00f6nlichkeit Audomars, der posthum als Heiliger verehrt wurde, eine wichtige Rolle.<\/p>\n<p>Wie oben bereits erw\u00e4hnt, gibt es von Audomar keine zeitgen\u00f6ssische oder zeitnahe Abbildung, die wir als Portr\u00e4t werten k\u00f6nnten. Darum ist in meinen Augen die Statue von <a href=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/2b.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignright size-medium wp-image-4496\" src=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/2b-225x300.jpg\" alt=\"\" width=\"225\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/2b-225x300.jpg 225w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/2b-768x1024.jpg 768w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/2b-624x832.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/><\/a>Olaf H\u00f6hnen eine umso verdienstvollere Leistung, weil sie nicht nur eine historisch glaubhafte, sondern auch eine dem Respekt gegen\u00fcber der Lebensleistung angemessene Darstellung liefert.<\/p>\n<p>Diese Statue flankiert gemeinsam mit der des Erzengels Michael das Portal der heutigen Kirche St. Audomar. Auch das ist kein Zufall: Zun\u00e4chst einmal ist Michael ein weiterer Namenspatron dieser Kirche. Zudem ist das Portal Teil des Westwerks des neuromanischen Neubaus, der 1909 fertiggestellt wurde und in der Bautradition der romanischen Kirchen steht: Dort war das Westwerk eine Art Bollwerk gegen das B\u00f6se in der Welt und wurde oft burgartig gestaltet. Zudem lie\u00df man au\u00dfen Figuren und Darstellungen anbringen, die apotrop\u00e4ische Bedeutung hatten, d.h. die gegen das B\u00f6se abwehrend und abschreckend wirken sollten.<\/p>\n<p>So brachte man au\u00dfen an romanischen Kirchen oft steinerne D\u00e4monen und Fabelwesen an, die ihre &#8222;Artgenossen&#8220; in Fleisch und Blut in Schach halten und abweisen sollten. Aber auch Figuren und Darstellungen von Heiligen und Engeln hatten solche Wirkung, indem sie das B\u00f6se bannten. Daher standen z.B. am Westportal der Frechener Kirche zwei heilige Apostel, n\u00e4mlich Peter und Paul. Sie gingen irgendwann verloren, und Olaf H\u00f6hnen bekam Anfang der 1980er Jahre den Auftrag, zwei neue Figuren zu schaffen.<\/p>\n<p>Weil St. Peter und St. Paul schon die Schutzpatrone der Abtei <em>Saint-Bertin<\/em> waren, die die erste <a href=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/2g.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-4497\" src=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/2g-225x300.jpg\" alt=\"\" width=\"225\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/2g-225x300.jpg 225w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/2g-768x1024.jpg 768w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/2g-624x832.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/><\/a>Kirche in Frechen baute, liegt es nahe, hier den Grund f\u00fcr die Platzierung der fr\u00fcheren Figuren am Westportal zu suchen. Doch nach dem Abbruch der Hofkapelle des Klarenhofs, die dem Erzengel Michael geweiht war, &#8222;wanderte&#8220; dieses Patrozinium zur Kirche St. Audomar. Dieser Erzengel gilt als starker K\u00e4mpfer gegen das B\u00f6se, daher steht seine Statue wehrhaft mit Schild und Lanze, in manchen Darstellungen sticht er auf das B\u00f6se (in symbolischer Gestalt eines Drachens) zu seinen F\u00fc\u00dfen ein. Schon an fr\u00fchen romanischen Kirchen wachte er am Westwerk.<\/p>\n<p>Hier wirkt er weniger martialisch (ganz anders als z.B. der Michael \u00fcber dem Portal von<a href=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/0n.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-7656 alignright\" src=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/0n-300x236.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"236\" srcset=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/0n-300x236.jpg 300w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/0n-1024x805.jpg 1024w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/0n-768x604.jpg 768w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/0n-1536x1208.jpg 1536w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/0n-2048x1610.jpg 2048w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/0n-624x491.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a> St. Michael in Hamburg, s. Foto rechts), vielmehr blickt er eher versonnen auf die Menschen herab, die sich dem Portal n\u00e4hern.<\/p>\n<p>Die Michaels-Statue an St. Audomar ist also keineswegs eine Verlegenheitsl\u00f6sung, vielmehr hat sie ihren berechtigten Platz am Westwerk der neuromanischen Kirche St. Audomar. Und was bedeutet die Aufschrift auf dem Schild: &#8222;Quis ut deus&#8220; (Wer ist wie Gott)? Das ist die lateinische \u00dcbersetzung des hebr\u00e4ischen &#8222;Mikael&#8220;.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/020.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\" wp-image-4495 aligncenter\" src=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/020-225x300.jpg\" alt=\"\" width=\"413\" height=\"551\" srcset=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/020-225x300.jpg 225w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/020-768x1024.jpg 768w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/020-624x832.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 413px) 100vw, 413px\" \/><\/a>Michael und Audomar stehen auf S\u00e4ulen, die von ausgeschm\u00fcckten Kapitellen bekr\u00f6nt sind. Auffallend sind die Flechtwerk-Ornamente. Sie passen durchaus zur fr\u00fchen Romanik, man findet sie auch in der Buchmalerei mittelalterlicher Handschriften bis ins Hochmittelalter. Urspr\u00fcnglich war diese Flechtwerk-Ornamentik Teil des in der altirischen Kultur entwickelten Stils. Irische M\u00f6nche, die in Westeuropa seit dem 7. Jahrhundert missionierten, brachten diesen Stil mit. (siehe dazu ausf\u00fchrlicher im &gt;<em>Blog<\/em> den Beitrag &#8222;Als Irland&#8230;&#8220;, zu finden in der Kategorie <em>Mittelalter-Magazin<\/em>)<\/p>\n<p>Indirekt ist auch die Frechener Kirche mit dem Alten Irland verbunden: Das Kloster Luxeuil (eine Gr\u00fcndung des irischen Missionars Columban des J\u00fcngeren) sandte Audomar als Missionar zur Kanalk\u00fcste. Dieser gr\u00fcndete dort die Abtei Sithiu, sp\u00e4ter umbenannt in Saint-Bertin, die wiederum die Kirche in Frechen begr\u00fcndete (was oben schon ausf\u00fchrlich dargestellt ist). Die irischen Kl\u00f6ster und die Gr\u00fcndungen auf dem Kontinent legten Wert auf Bildung. Daher hatten die columbanischen Kl\u00f6ster St. Gallen und Saint-Bertin gro\u00dfe, ber\u00fchmte Bibliotheken. Von daher war der Gedanke in St.-Omer nicht abwegig, im Rheinland eine Universit\u00e4t zu gr\u00fcnden, zumal in deutschen Landen bis ins sp\u00e4te 14. Jahrhundert keine Hochschule existierte. Aus politischen Gr\u00fcnden wurde dieser Gedanke kurz vor der Realisierung im Jahr 1303 fallengelassen, wie die Beatus-Chronik \u00fcberliefert.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: center;\">Fr\u00fcheres Aussehen der Kirche zu Frechen<\/h3>\n<p>Die heutige Gestalt von St. Audomar in Frechen geht bekanntlich auf den Entwurf des K\u00f6lner Dombaumeisters Ernst Friedrich Zwirner (1802-1861) zur\u00fcck, welcher 1859 fertiggestellt und 1909 erweitert wurde. Der Bau von 1859 behielt noch den alten Turm, der 1714 im Zuge des Neubaus der Kirche errichtet worden war (Foto in G\u00f6bels 1961, Abb. 18). Dieser Turm musste der Erweiterung von 1909 weichen, die sich ein St\u00fcck dar\u00fcber hinaus nach Westen schob und vom oben erw\u00e4hnten Westwerk mit dem hoch aufragenden, neuen Turm abgeschlossen wurde, alles im neuromanischen Stil nach Zwirners Absicht.<\/p>\n<p>Leider fehlen uns Darstellungen oder Akten zu den Vorg\u00e4ngerbauten. Auf Fotos des sp\u00e4ten 19. Jahrhunderts sieht man zwar noch den Turm von 1714, mehr ist aber von diesem Kirchenbau nicht dokumentiert (was uns nicht wundern sollte, da doch die methodisch-wissenschaftliche arch\u00e4ologische Ausgrabungstechnik erst in den 1870er Jahren von Heinrich Schliemann wesentlich entwickelt wurde). Wir wissen nur soviel: Vor dem Neubau nach Zwirners Plan lag der Chor weiter vorn, da wo heute die Stufen zum Altarraum liegen. Der Kirchenraum reichte von dort bis zur heutigen Empore mit der Orgel.<\/p>\n<p>\u00dcberhaupt, der <em>Innenraum:<\/em> \u00d6fter noch als das \u00c4u\u00dfere hat das Innere Umgestaltungen erfahren. Der Bau von 1859\/1909 war innen gem\u00e4\u00df dem Stil romanischer Kirchen ausgemalt, wie er heute noch z.B. in Hildesheim, in Gengenbach (Abteikirche) oder den &#8222;bonten Kerken&#8220; im Oberbergischen zu sehen ist.<\/p>\n<p>Was wir heute in vielen alten Kirchen sehen, n\u00e4mlich wei\u00df gek\u00e4lkte oder gestrichene W\u00e4nde, entspricht nicht dem Erscheinungsbild des Mittelalters. Vielmehr setzte sich vor allem um die Mitte des 20. Jahrhunderts die Vorstellung durch, in den Kirchen sollte es hell und n\u00fcchtern sein, und dunkle Einrichtung oder Ausmalung sollte m\u00f6glichst entfernt werden. So war auch St. Audomar eine Zeitlang innen ziemlich wei\u00df und nur karg geschm\u00fcckt (siehe Foto in G\u00f6bels 1961, Abb. 23)<a href=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/1a-Kirche-St.-Audomar-Frechen-Inneres.jpg\">;<\/a><a href=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/1a-Kirche-St.-Audomar-Frechen-Inneres.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignright  wp-image-5692\" src=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/1a-Kirche-St.-Audomar-Frechen-Inneres-225x300.jpg\" alt=\"\" width=\"319\" height=\"425\" srcset=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/1a-Kirche-St.-Audomar-Frechen-Inneres-225x300.jpg 225w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/1a-Kirche-St.-Audomar-Frechen-Inneres-768x1024.jpg 768w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/1a-Kirche-St.-Audomar-Frechen-Inneres-624x832.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 319px) 100vw, 319px\" \/><\/a> 1981 wurden zur\u00fcckhaltend wieder farbige Akzente gesetzt, und erst 2002 kehrte wieder mehr Farbe ein (siehe Foto rechts: Blick durch das Mittelschiff zum Chor, 20.11.2011, ca. 14 Uhr).*<\/p>\n<p>Und wie sah die Kirche in fr\u00fcheren Jahrhunderten aus, vor dem Neubau im 19. Jahrhundert? Wie gesagt, der Vorg\u00e4ngerbau reicht zur\u00fcck ins Jahr 1714. Dar\u00fcber ist wenig bekannt. Und wie die Kirche aussah, bevor sie 1583, im Truchsessischen Krieg, abgefackelt wurde, ist noch weniger dokumentiert. Es d\u00fcrfte sich um einen Bau mit s\u00fcdlichem Seitenschiff und einem Turm gehandelt haben.<\/p>\n<p>Urspr\u00fcnglich, zur Zeit der Gr\u00fcndung der Kirche zu Frechen im 8. Jahrhundert, wurde zun\u00e4chst ein Bau aus Holz errichtet. Das klingt f\u00fcr heutige Ohren nach einem sehr einfach gehaltenen Bauwerk, da wir doch an Kirchen in Form von Steinbauten gew\u00f6hnt sind. Doch zu jener Zeit, als im Frankenreich noch viel Missionsarbeit zu leisten war, wurden sehr h\u00e4ufig Kirchen und Kapellen aus Holz gebaut.<\/p>\n<p>Daf\u00fcr gab es mehrere Gr\u00fcnde. Zum Einen war die Errichtung von Steinbauten bei den Germanen nicht \u00fcblich, hingegen gab es viele gute Holz-Handwerker. Zum Zweiten waren geeignete Stein-Materialien nicht \u00fcberall verf\u00fcgbar, selbst wenn man an manchen Orten r\u00f6mische Ruinen als Steinbruch nutzen konnte. M\u00f6glicherweise spielten bei der Standortwahl f\u00fcr die Kirche in Frechen auch r\u00f6mische Fundamente eine Rolle (Heeg 1984, S. 133). Den ersten Bau hat man wahrscheinlich oberirdisch aus Holz errichtet.<\/p>\n<div id=\"attachment_4534\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/2015-11-25-10.47.22-Borr.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-4534\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-4534 size-medium\" src=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/2015-11-25-10.47.22-Borr-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/2015-11-25-10.47.22-Borr-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/2015-11-25-10.47.22-Borr-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/2015-11-25-10.47.22-Borr-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/2015-11-25-10.47.22-Borr-624x468.jpg 624w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/2015-11-25-10.47.22-Borr.jpg 1600w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-4534\" class=\"wp-caption-text\">St. Martinus in Borr; der kleine Vorbau links dient lediglich dem Wetterschutz am Eingang<\/p><\/div>\n<p>Die \u00e4u\u00dfere Gestalt der ersten Kirche in Frechen k\u00f6nnte (sicher wei\u00df man es nicht) dem Erscheinungsbild der Kirche von Borr (s\u00fcdlich von Lechenich) \u00e4hnlich gewesen sein: eine kleine Hallenkirche mit Apsis, ein gr\u00f6\u00dferer Dachreiter tr\u00e4gt den Glockenstuhl. W\u00e4hrend die heutige Kirche in Borr ein Steinbau ist, war damals noch der gesamte Aufbau aus Holz. Daher hatte auch die Apsis der Holzkirchen einen rechteckigen Grundriss; runde Apsiden finden sich an Steinbauten. In Borr f\u00fcgte man im fr\u00fchen 18. Jahrhundert der Apsis in Stein noch eine Erweiterung mit trapezf\u00f6rmigem Grundriss an. Auch der Windfang am Westeingang (links im Bild) entstand erst sp\u00e4ter. Trotz fehlender Nachweise vor dem 14. Jahrhundert kann man in Borr eine Gr\u00fcndung in fr\u00e4nkischer Zeit annehmen; darauf weist das Patrozinium des heiligen Martin hin. Wie in jener Zeit \u00fcblich, nutzte man die r\u00f6mische Wasserleitung von der Eifel nach K\u00f6ln als Steinbruch: Die Friedhofsmauer um das Areal wurde teils aus Gussplatten des (nicht mehr genutzten) Aqu\u00e4dukts errichtet.<\/p>\n<p>Wie gesagt, man darf sich die fr\u00fchen Holzkirchen nicht durchweg als primitive Bauten vorstellen. Das technische Know-how der Holzbearbeitung war auf hohem Niveau, und die Ausschm\u00fcckung der Kirchen kann durchaus anspruchsvoll gestaltet worden sein. Gr\u00f6\u00dfere Kirchenbauten wurden auch noch sp\u00e4ter nicht zwingend in Mauerwerksbau errichtet:<\/p>\n<blockquote>\n<p>Bisch\u00f6fliche Holzkirchen sind aus Hamburg (um 1020), aus Verden (um 850 bis um 1000) und aus Schwerin (um 1200) \u00fcberliefert. (Conrad 1990, S. 15)<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Wann in Frechen der Holzbau der Kirche ganz oder teilweise durch Mauerwerk und Steinmetzarbeit ersetzt wurde, ist nicht klar auszumachen. In der Beatus-Chronik hei\u00dft es:<\/p>\n<blockquote>\n<p>[47] Zu einem weiteren Umbau von St. Audomar gab der Einsturz des gro\u00dfen Dachreiters Anlass, der mit dem Glockenstuhl beim gro\u00dfen Erdbeben von 1117 herabgesch\u00fcttelt wurde. So gab h\u00f6here Gewalt den Anlass, dass die vielfach ausgebesserte und teils bauf\u00e4llige Holzkirche durch einen auf Stein gegr\u00fcndeten Fachwerkbau ersetzt wurde. Dazu erhielt die Kirche einen Turm, der in Stein aufgef\u00fchrt wurde. (&#8230;) Dem einschiffigen Bau wurde etwa 90 Jahre sp\u00e4ter, zur Zeit des Pfarrers Gerlacus (&#8230;) noch ein s\u00fcdliches Seitenschiff mit gro\u00dfen Bogenfenstern angesetzt &#8230; (S. 24f.)<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Ob weitere Um- oder Ausbauten stattfanden, wissen wir nicht. Fest steht, dass die Kirche im ersten Jahr des Truchsessischen alias K\u00f6lnischen Kriegs (1583-90) in Flammen aufging. Es bleibt im Dunkel der Geschichte, inwieweit der Neubau sich am Vorg\u00e4ngerbau orientierte. 1714 wurde er mit der Errichtung des neuen Turms abgeschlossen. Gut 100 Jahre sp\u00e4ter war er zu klein geworden f\u00fcr die wachsende Zahl der katholischen Gl\u00e4ubigen, sodass man eine Erweiterung oder einen Neubau ins Auge fasste.<\/p>\n<p>Doch war es ein langer Weg mit einigen H\u00fcrden, bis endlich Zwirners Plan abgesegnet und realisiert werden konnte. Unterwegs gab es Finanzn\u00f6te, die Gemeinde konnte das n\u00f6tige Geld nicht aufbringen, der Bau geriet ins Stocken und kam durch ein &#8222;Gnadengeschenk&#8220; der Preu\u00dfischen Regierung wieder in Gang. H. J. Riesop bilanziert:<\/p>\n<blockquote>\n<p>F\u00fcr die Frechener Bev\u00f6lkerung war die Finanzierung des Kirchenbaus im 19. Jahrhundert eine ungeheure Leistung und die daf\u00fcr ben\u00f6tigte Summe von 22000 Talern ein f\u00fcr uns heute kaum vorstellbares Opfer. (Riesop 1983, S. 42)<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Karl G\u00f6bels schildert in seinem Buch von 1961 ausf\u00fchrlich diese Baugeschichte. Der 1859 vollendete Bau war aber auch bald schon wieder zu klein, weil Frechens Bev\u00f6lkerung durch die beginnende Industrialisierung rasch wuchs:<\/p>\n<blockquote>\n<p>Schon kurz nach der Jahrhundertwende musste man sich wiederum um eine Vergr\u00f6\u00dferung der Kirche bem\u00fchen. Allerdings hielt man sich dann nicht mehr an die Pl\u00e4ne Zwirners, die nur noch eine Aufstockung des Turmes vorsahen. Man verl\u00e4ngerte das Kirchenschiff um ein Joch und baute einen neuen Turm. Dadurch bekam die Kirche ihre heutige Gestalt. (S. 119)<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Die Autoren sind geteilter Meinung dar\u00fcber, ob die Erweiterung von 1909 ein gelungener Wurf ist, oder ob dadurch der urspr\u00fcngliche Plan Zwirners in ein proportionales Missverh\u00e4ltnis ver\u00e4ndert wurde. Die Erweiterung war damals offenbar notwendig, und sie wurde auch dem neuromanischen Stil des bis dahin ausgef\u00fchrten Baus angepasst. Man mag den Turm mit seinen 57 Metern H\u00f6he f\u00fcr \u00fcbergro\u00df halten; er passt fast schon f\u00fcr einen &#8222;Frechener Dom&#8220;, aber er markiert weithin sichtbar als ein Wahrzeichen Frechens den Bereich, wo die historische Keimzelle des Dorfes Frechen liegt. \u2014<\/p>\n<p>\u00a0* Da zur Intention des K\u00fcnstlers und der Auftraggeber nichts N\u00e4heres zu erfahren war, lieferte W. R. in DIE BEATUS-CHRONIK, S. 125-128, unter der \u00dcberschrift &#8222;Eine Impression aus St. Audomar&#8220; eine eigene Interpretation der Ausmalung des Chorraumes. \u2014<\/p>\n<p><em>Zitierte Literatur:<\/em><\/p>\n<p>Dietrich Conrad, <em>Kirchenbau im Mittelalter.<\/em> Leipzig 1990<\/p>\n<p>Karl G\u00f6bels, <em>Geschichte der Pfarrkirche St. Audomar in Frechen.<\/em> Frechen, o.J. (1961)<\/p>\n<p>Egon Heeg, <em>Frechener Stra\u00dfen.<\/em> K\u00f6ln 1984<\/p>\n<p>Wolfgang Reinert (Hg.), <em>Die Beatus-Chronik.<\/em> M\u00fcnster 2013<\/p>\n<p>Hermann Josef Riesop, <em>Die Pfarrkirche St. Audomar in Frechen.<\/em> Frechen 1983<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/FG-Engel.png\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"aligncenter wp-image-4408\" src=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/FG-Engel-300x238.png\" alt=\"\" width=\"133\" height=\"106\" srcset=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/FG-Engel-300x238.png 300w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/FG-Engel-768x610.png 768w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/FG-Engel-624x496.png 624w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/FG-Engel.png 847w\" sizes=\"(max-width: 133px) 100vw, 133px\" \/><\/a>\u00dcbrigens: Der hier gezeigte Wappenschild mit dem Engel als Schildhalter ist inspiriert von dem Bild in einem Frechener Gerichtssiegel aus dem fr\u00fchen 17. Jahrhundert. Ein Foto dieses Siegels findet sich in G\u00f6bels&#8216; Buch <em>Frechen damals, <\/em>S. 79, zuvor wurde es schon von Robert Steimel abgebildet und erl\u00e4utert. Steimel bespricht das Frechener Stadtwappen [Abb. siehe oben am Schluss des Beitrags &#8222;Wie Frechen entstand (2)] unter heraldischen Gesichtspunkten und schreibt:<\/p>\n<blockquote>\n<p>Grunds\u00e4tzlich sollte man bei der Annahme eines neuen Gemeindewappens von den alten Siegeln, wenn \u00fcberliefert, ausgehen, um die vorhandene Tradition fortzusetzen. Aber das einzige Siegel von Frechen geh\u00f6rt der heraldisch schwachen Epoche des Barock an und verst\u00f6\u00dft gegen eine Grundregel der Heraldik: Im Wappenschild gibt es keine Zahlen und keine Buchstaben. (&#8230;) Mit der inhaltslosen Initiale &#8222;F&#8220; kann auch das barocke Englein als Schildhalter nicht vers\u00f6hnen. In diesem besonderen Fall war man in den 1920er Jahren gut beraten, als man mit dem J\u00fclicher L\u00f6wen die alte Landeszugeh\u00f6rigkeit und mit dem Bartmannskrug die alte Frechener T\u00f6pferkunst in heraldisch einwandfreier Form darstellte. (Siegel und Wappen&#8230;, S. 122)<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Mich st\u00f6rt in dem fr\u00fchbarocken Siegel (erhalten an einer Urkunde vom 10. Okt. 1603) eher die harte Ausf\u00fchrung des &#8222;F&#8220; \u00e4hnlich eines modernen Druckbuchstabens mit Serifen, daher w\u00e4hlte ich in der Zeichnung einen Buchstaben in geschwungenen, weicheren Linien, gab dem Schild eine klarere Form und machte den Engel deutlicher erkennbar. So ziert die Zeichnung auch das Titelblatt der kleinen Ausgabe meiner FRECHENER GESCHICHTE sowie die Seite 51 der gro\u00dfen Ausgabe.<\/p>\n<p><em>Zitierte Literatur:<\/em><\/p>\n<p>Karl G\u00f6bels, <em>Frechen \u2014 damals<\/em>. K\u00f6ln 1977, N.D. 1986<\/p>\n<p>K\u00f6llen\/Kisky\/Steimel,<em> Siegel und Wappen, Burgen und Schl\u00f6sser im Landkreis K\u00f6ln.<\/em> K\u00f6ln o.J. (1966)<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/FG-Engel.png\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"aligncenter wp-image-4408\" src=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/FG-Engel-300x238.png\" alt=\"\" width=\"133\" height=\"106\" srcset=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/FG-Engel-300x238.png 300w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/FG-Engel-768x610.png 768w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/FG-Engel-624x496.png 624w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/FG-Engel.png 847w\" sizes=\"(max-width: 133px) 100vw, 133px\" \/>.<\/a><\/p>\n<p>Zur Kl\u00e4rung von Detailfragen, die aufmerksame LeserInnen m\u00f6glicherweise besch\u00e4ftigen oder irritieren, folgen hier ein paar sachliche Anmerkungen.<\/p>\n<h1 style=\"text-align: center;\"><strong>Saint-Omer<\/strong><\/h1>\n<p><strong>S<\/strong>aint-Omer ist heute eine Stadt in Nordfrankreich, im Artois. Im Mittelalter z\u00e4hlte sie jedoch zu Flandern, und diese Grafschaft war Teil des Heiligen R\u00f6mischen Reiches. In Folge der Bem\u00fchungen des franz\u00f6sischen K\u00f6nigs Philipp des Sch\u00f6nen (+ 1308), Flandern unter seine Kontrolle zu bringen, kam es zu einer Abtrennung eines s\u00fcdwestlichen Teils von Flandern, der zur franz\u00f6sischen Grafschaft Artois wurde.\u00a0 Die Stadt Saint-Omer, eine der flandrischen St\u00e4dte, die durch Tuchmacherei und -handel aufgebl\u00fcht waren, lag am Rande des Artois und geh\u00f6rt seit 1678 zu Frankreich.<\/p>\n<p>Das Fl\u00fcsschen Aa, das heute durch Saint-Omer flie\u00dft, trennte einst das Kloster Saint-Bertin von der Siedlung, die zu Saint-Omer wurde. Der Missionar Audomar hatte sein Kloster zun\u00e4chst weiter flussabw\u00e4rts an der M\u00fcndungsbucht gegr\u00fcndet.* Dort blieb das Dorf Saint-Momelin,<a href=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/Audomars-Wirk.png\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignright  wp-image-5701\" src=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/Audomars-Wirk-300x288.png\" alt=\"\" width=\"285\" height=\"274\" srcset=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/Audomars-Wirk-300x288.png 300w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/Audomars-Wirk-768x738.png 768w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/Audomars-Wirk-1024x984.png 1024w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/Audomars-Wirk-624x600.png 624w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/Audomars-Wirk.png 2044w\" sizes=\"(max-width: 285px) 100vw, 285px\" \/><\/a> benannt nach dem Mitgr\u00fcnder und ersten Abt des Klosters, w\u00e4hrend Audomar das Kloster auf eine Insel im Fluss weiter oberhalb verlegte, wo es auf einer Bodenerhebung besser vor Feuchtigkeit und Hochwasser gesch\u00fctzt war.<\/p>\n<p>Im Jahr 649 hatte ein reicher Adliger dem Missionar diese Insel mit dem Anwesen Sithiu und einigen H\u00f6fen mit zugeh\u00f6rigem Land geschenkt, sodass die wirtschaftliche Basis des Klosters gest\u00e4rkt wurde. Der erste Abt von Sithiu wurde Audomars Mitbruder Momelin; der wurde dann Bischof von Noyon-Tournai, und Bertin sein Nachfolger als Abt. Nach dessen Tod erhielt die Abtei den Namen Saint-Bertin. Audomar selbst wurde nicht Abt, er war im Jahr 637 zum Bischof von Th\u00e9rouanne berufen worden. Wie bei Bertin setzte auch bei Audomar eine Verehrung als Heiliger sp\u00e4testens bei seinem Tod ein, daher nannte sich die Siedlung nahe der Abtei Saint-Omer (=Heiliger Audomar). Mehr zur Heiligenverehrung im fr\u00fchen Mittelalter siehe DIE BEATUS-CHRONIK, S. 56, Anm. 10.<\/p>\n<p>Jenseits des Flusses, auf einem H\u00fcgel, hatte Audomar eine Marienkapelle errichtet, an der die M\u00f6nche der Abtei begraben wurden (weil der Boden auf der Klosterinsel ungeeignet war). Diese Friedhofskapelle wurde sp\u00e4ter ausgegebaut und zur Kathedrale Notre Dame von Saint-Omer. Der Bischofssitz war die Stadt Th\u00e9rouanne, doch wurde Audomar seinem Wunsch gem\u00e4\u00df nach seinem Tod auf dem M\u00f6nchsfriedhof bei der Kapelle beigesetzt. Sp\u00e4ter wurde er in die vergr\u00f6\u00dferte Kapelle umgebettet. Hier ruhte er in einem Steinsarkophag. Die Kirche wurde Kathedrale und Bischofskirche, nachdem im 16. Jahrhundert Karl V. die Stadt Th\u00e9rouanne dem Erdboden gleichgemacht hatte.<\/p>\n<p>Im Gefolge der Franz\u00f6sischen Revolution wurde die Abtei Saint-Bertin 1791 aufgel\u00f6st. Als Soldaten in antireligi\u00f6sem Furor die Kathedrale pl\u00fcnderten und das Grab Audomars verw\u00fcsteten, warfen sie die Knochen drau\u00dfen auf das Stra\u00dfenpflaster. Ein Gl\u00e4ubiger barg ein paar davon. So konnte im 20. Jahrhundert ein kleines Knochenst\u00fcck als Reliquie in die Kirche St. Audomar zu Frechen gegeben werden.<\/p>\n<p>Die Kirche der Abtei Saint-Bertin in Saint-Omer verfiel, im Zweiten Weltkrieg erlitt sie weitere Sch\u00e4den. Sie blieb Ruine und wurde nicht wieder aufgebaut.<\/p>\n<p>______________________<\/p>\n<p>\u00a0* Die M\u00fcndungsbucht der Aa und ihr sumpfiges Umland wurden durch Landgewinnungs-Ma\u00dfnahmen schon im Mittelalter weitgehend trockengelegt; die K\u00fcstenlinie wurde damit soweit verschoben, dass man auf der heutigen Landkarte eine durchgehende Linie an der Nordseek\u00fcste sieht und von der fr\u00fcheren Einbuchtung sowie mehreren vorgelagerten Inseln nichts mehr erkennt. Ein Sumpfgebiet bei Saint-Omer hei\u00dft bis heute das Audomarois, seit 2013 ist es von der Unesco als Naturerbe gesch\u00fctzt. \u2014<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">.<\/p>\n<h1 style=\"text-align: center;\">Was blieb?<\/h1>\n<p>Sie fragen sich nat\u00fcrlich \u2013 nachdem Sie Einiges \u00fcber das historische Frechen erfahren haben: Was blieb vom fr\u00fcheren Frechen, was ist davon heute noch \u00fcbrig, was kann man als\u00a0 Denkmal der Geschichte besichtigen? Wer an alte Zeiten denkt, zumal ans Mittelalter, fragt meist zuerst nach den augenf\u00e4lligsten Zeugen der Geschichte, nach Burgen und \u00e4hnlichen Bauwerken. Dazu werfen wir einen Blick auf die folgende topografische \u00dcbersicht:<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/P1000695_LI-scaled.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"aligncenter size-large wp-image-7421\" src=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/P1000695_LI-1024x791.jpg\" alt=\"\" width=\"625\" height=\"483\" srcset=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/P1000695_LI-1024x791.jpg 1024w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/P1000695_LI-300x232.jpg 300w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/P1000695_LI-768x593.jpg 768w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/P1000695_LI-1536x1187.jpg 1536w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/P1000695_LI-2048x1582.jpg 2048w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/P1000695_LI-624x482.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 625px) 100vw, 625px\" \/><\/a>Sie wollen in Frechen alte Burgen besichtigen? Von den in obiger \u00dcbersicht gezeigten Burgen ist heute nur noch die Burg Bachem zu besichtigen, eigentlich Oberbachem zu nennen. Und weiter unterhalb das Haus Bitz. Von Burg Hemmersbach sind nur Mauerreste \u00fcbrig, wenig spektakul\u00e4r. Weiter unterhalb liegt Haus Vorst mit seinen nicht mehr vollst\u00e4ndig vorhandenen Wassergr\u00e4ben. Noch weiter \u00f6stlich reichte bis um 1800 die Herrschaft Frechen, da liegt am Frechener Bach noch der St\u00fcttgenhof mit seinem teils noch vorhandenen Wassergraben; dieser Hof war jedoch kein Rittersitz.<\/p>\n<p>Wer die genannten \u00d6rtlichkeiten besichtigen m\u00f6chte, kann nicht einfach da hinein schlendern und sich umsehen. Entweder erlangt man ausnahmsweise mit gutem Kontakt die Erlaubnis des jeweiligen Hausherrn, sich in dessen Privatbesitz umzusehen, oder man schlie\u00dft sich einer seltenen Sonderf\u00fchrung an, wenn eine Institution oder ein Verein f\u00fcr eine Gruppe Interessierter eine Erlaubnis bekommen hat. Da sich dort auch Privatwohnungen befinden, ist Zur\u00fcckhaltung angesagt, um die BewohnerInnen nicht zu bel\u00e4stigen.<\/p>\n<p>In obiger Skizze sind Objekte mit [\u2014] gekennzeichnet, das hei\u00dft, sie sind praktisch verschwunden und nicht einmal als \u00dcberrest in Augenschein zu nehmen. Dazu z\u00e4hlen auch die H\u00f6fe, die vor langer Zeit im Zentrum des Dorfes Frechen lagen. Neben der Spiesburg lag an der Dorfstra\u00dfe der Klarenhof, so genannt, weil er dem Kloster der Klarissinnen in K\u00f6ln geh\u00f6rte. Dieser Hof besa\u00df wie einige andere eine eigene Kapelle. Diese Michaelskapelle wurde mit dem Hof wie die benachbarte Spiesburg im 19. Jahrhundert niedergelegt. Das Patrozinium des Erzengels Michael wurde zur Kirche Sankt Audomar \u00fcbertragen (siehe oben, Baugeschichte der Kirche).\u00a0<\/p>\n<p>In H\u00fccheln, am heutigen Baumannshof, steht ebenfalls eine Hofkapelle, die im romanischen Stil erbaut und in der Zeit des Barock teilweise umgestaltet wurde. Sie ist dem heiligen \u00c4gidius geweiht, an den sich u.a. stillende M\u00fctter wenden. Fr\u00fcher gab es sogar am Tag dieses Heiligen eine Pilgerprozession, die von Sankt Audomar hinauf an den Abhang des Sandberges und von dort durch die Felder hinunter zur Kapelle zog. Wer sich \u00fcber dieses Aufhebens wundert, der bedenke, dass in fr\u00fcheren Zeiten viele M\u00fctter im Kindbett starben, und dass die Kindersterblichkeit hoch war.<\/p>\n<p>\u00c4gidius war auch Beistand zu einer guten Beichte und Vergebung. Daher wird eine runde \u00d6ffnung in der S\u00fcdwand der Kapelle als Beichtfenster gedeutet: Die Feldarbeiter konnten von au\u00dfen mit ihren schmutzigen Schuhen an die Kapelle treten und ihre Beichte ablegen, um danach ihre Arbeit fortzusetzen. Die Beichte nahm ein Geistlicher von Sankt Audomar ab, denn H\u00fccheln geh\u00f6rte zur Herrschaft Frechen.<\/p>\n<p>Auch in Marsdorf (das seit 1975 zu K\u00f6ln geh\u00f6rt) gab es eine Kapelle am Krummenhof, geweiht der heiligen Dreifaltigkeit (Trinitatis). Sie wurde sp\u00e4ter an der Landstra\u00dfe neu gebaut und ist heute Event-Kapelle, die man mieten kann.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/3c-Wimarus-Figur-rechte-Wand-scaled.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-7502\" src=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/3c-Wimarus-Figur-rechte-Wand-162x300.jpg\" alt=\"\" width=\"162\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/3c-Wimarus-Figur-rechte-Wand-162x300.jpg 162w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/3c-Wimarus-Figur-rechte-Wand-552x1024.jpg 552w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/3c-Wimarus-Figur-rechte-Wand-768x1425.jpg 768w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/3c-Wimarus-Figur-rechte-Wand-828x1536.jpg 828w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/3c-Wimarus-Figur-rechte-Wand-1104x2048.jpg 1104w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/3c-Wimarus-Figur-rechte-Wand-624x1158.jpg 624w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/3c-Wimarus-Figur-rechte-Wand-scaled.jpg 1380w\" sizes=\"(max-width: 162px) 100vw, 162px\" \/><\/a>Ein Sonderfall ist die Wimarus-Kapelle in Bachem. Dort befand sich seit alters her eine heilt\u00e4tige Quelle. Schon in r\u00f6mischer Zeit wurde hier ein Weihestein f\u00fcr die keltischen <a href=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/IMG-2404-scaled.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignright wp-image-7457 \" src=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/IMG-2404-182x300.jpg\" alt=\"St. Mauritius\" width=\"217\" height=\"358\" srcset=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/IMG-2404-182x300.jpg 182w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/IMG-2404-620x1024.jpg 620w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/IMG-2404-768x1269.jpg 768w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/IMG-2404-929x1536.jpg 929w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/IMG-2404-1239x2048.jpg 1239w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/IMG-2404-624x1031.jpg 624w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/IMG-2404-scaled.jpg 1549w\" sizes=\"(max-width: 217px) 100vw, 217px\" \/><\/a>Matronen gesetzt. Sp\u00e4ter wurde die Quelle &#8222;christianisiert&#8220;, d.h. mit einer Kapelle dem heiligen Wimarus geweiht. In der nahen Kirche Sankt Mauritius (unterhalb der Burg, s. Foto rechts) findet man eine Statue dieses Heiligen.<\/p>\n<p>Die Quelle wurde fr\u00fcher von Menschen aufgesucht, die Linderung ihres Leidens erhofften. Zum Dank f\u00fcr Besserung oder Heilung brachte man Kleidung in die Kapelle; diese wurde dann Bed\u00fcrftigen im Dorf zugeteilt.<\/p>\n<p>Die Quelle fiel dem Braunkohle-Abbau zum Opfer, die Kapelle wurde um gut 100m versetzt, sp\u00e4ter noch einmal weiter weg am heutigen Mahlweiher errichtet. Neben der Kapelle erinnert ein gemauerter Ring an die fr\u00fchere<\/p>\n<div id=\"attachment_7456\" style=\"width: 438px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/IMG_2413-scaled.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-7456\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\" wp-image-7456\" src=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/IMG_2413-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"428\" height=\"321\" srcset=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/IMG_2413-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/IMG_2413-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/IMG_2413-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/IMG_2413-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/IMG_2413-2048x1536.jpg 2048w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/IMG_2413-624x468.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 428px) 100vw, 428px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-7456\" class=\"wp-caption-text\">Die heutige Wimarus-Kapelle am Mahlweiher<\/p><\/div>\n<p>Quelle.\u00a0 mehr \u2192<a href=\"https:\/\/stadtarchiv-frechen.de\/foerderverein\/informationstafeln\/der-wimmarus-puetz\">Der Wimmarus-P\u00fctz &#8211; Stadtarchiv-Frechen<\/a><\/p>\n<p>An die Zeit der Braunkohle-Gewinnung und -verarbeitung erinnert inzwischen auch nur noch wenig. Oberhalb der Frechener Innenstadt, hinter dem Wasserturm, liegt der junge Stadtteil Grube Carl. Dahinter befand sich die namensgebende Grube, die Kohle wurde in der Fabrik getrocknet und zu Briketts gepresst. Die Geb\u00e4ude stehen noch, sind aber zu Wohnquartieren umgebaut (s. Foto unten). Leider gelang es nicht, dort ein Industriemuseum einzurichten und die gro\u00dfen Maschinen der Nachwelt zur Besichtigung zu pr\u00e4sentieren.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/IMG_5371-scaled.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"aligncenter size-large wp-image-7435\" src=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/IMG_5371-1024x572.jpg\" alt=\"\" width=\"625\" height=\"349\" srcset=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/IMG_5371-1024x572.jpg 1024w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/IMG_5371-300x167.jpg 300w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/IMG_5371-768x429.jpg 768w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/IMG_5371-1536x858.jpg 1536w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/IMG_5371-2048x1143.jpg 2048w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/IMG_5371-624x348.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 625px) 100vw, 625px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Den Hinterlassenschaften der Tonr\u00f6hren-Industrie erging es nicht besser. Die Fabrik Cremer&amp;Breuer am Bahnhof mit ihrem Keramik-Fassadenschmuck wurde abgerissen (s. Foto &gt;<em>Arts in Fr.<\/em>) Ihr Tunnelofen, in dem gro\u00dfe Tonr\u00f6hren gebrannt wurden, sollte als Denkmal erhalten werden. Doch auch daraus wurde nichts, das ganze Gel\u00e4nde wurde f\u00fcr gewerbliche Zwecke vermarktet.<\/p>\n<p>Lediglich ganz am Ende dieses Gel\u00e4ndes blieb das Keramion, das der ehemalige Besitzer, Gottfried Cremer, als Museum f\u00fcr moderne Keramik geschaffen hatte. Er war selbst Liebhaber und Sammler dieser Kunst. Doch die Eigent\u00fcmer nach ihm, die den Standort Frechen verlie\u00dfen, boten es der Stadt zur \u00dcbereignung und Erhaltung an. Die Stadtverwaltung sah in ihre Kasse und sich selbst mit dem Betrieb eines weiteren Museums \u00fcberfordert.<\/p>\n<p>So fand man eine, wie man dachte, elegante L\u00f6sung: Das stadtgeschichtliche Keramikmuseum mit Schwerpunkt historische Keramik (Frechener Bartmannkr\u00fcge, u.a.m.) im Zentrum (alte Marienschule) wurde aufgel\u00f6st bzw. teilweise mit dem Keramion zusammengelegt, konkret: Die historische Sammlung wanderte in den Keller des Keramions, und am alten Standort im Zentrum blieb nur das Stadtarchiv.<\/p>\n<p>Zum Unterhalt des Museums sollte eine eigens gegr\u00fcndete Stiftung Geld einsammeln. Die Einen fanden, das sei eine (zumindest finanztechnisch) gelungene L\u00f6sung, Andere beklagten, dass der Stadt die Pr\u00e4sentation ihrer Geschichte an zentralem Ort wenig bedeute. Praktisch war nun die historische Sammlung z.B. f\u00fcr Schulklassen weniger gut erreichbar, und das Zentrum verlor einen kulturellen Anziehungspunkt. Vom stadtgeschichtlichen Museum blieb nur ein kleiner Teil als Ausstellung unter der Betreuung des Stadtarchivs am alten Standort.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/8b.png\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"aligncenter wp-image-3224\" src=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/8b-300x79.png\" alt=\"8b\" width=\"365\" height=\"96\" srcset=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/8b-300x79.png 300w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/8b-768x203.png 768w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/8b-1024x271.png 1024w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/8b-624x165.png 624w\" sizes=\"(max-width: 365px) 100vw, 365px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #ffffff;\">\u00dc.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\u00a0<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8230; ist die Bezeichnung des Ortes Frechen in einer mittel-alterlichen Urkunde, nicht irgendeiner Urkunde, sondern derjenigen, die Kaiser Karl III. am 20. Juni 877 in Compi\u00e8gne dem Abt der Abtei Saint-Bertin in St.-Omer\/Flandern ausgestellt hat: eine Best\u00e4tigung der Besitzt\u00fcmer der Abtei. Was ist daran so Besonderes? Die Urkunde z\u00e4hlt unter den Besitzt\u00fcmern der Abtei auch [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":3,"comment_status":"closed","ping_status":"open","template":"","meta":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.fu-frechen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/471"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.fu-frechen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.fu-frechen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.fu-frechen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.fu-frechen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=471"}],"version-history":[{"count":571,"href":"https:\/\/www.fu-frechen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/471\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9745,"href":"https:\/\/www.fu-frechen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/471\/revisions\/9745"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.fu-frechen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=471"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}