{"id":3015,"date":"2016-07-05T18:55:57","date_gmt":"2016-07-05T16:55:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fu-frechen.de\/?p=3015"},"modified":"2019-12-09T20:56:27","modified_gmt":"2019-12-09T19:56:27","slug":"koeln-notizen-32016","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fu-frechen.de\/?p=3015","title":{"rendered":"K\u00f6ln-Notizen 3\/2016"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong><a href=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/50.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-278\" src=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/50-300x191.jpg\" alt=\"50\" width=\"300\" height=\"191\" srcset=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/50-300x191.jpg 300w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/50-1024x654.jpg 1024w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/50-624x398.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>&#8222;D<\/strong>eutsche M\u00e4nner k\u00f6nnen nicht mehr pr\u00fcgeln.&#8220; So ist eine dpa-Meldung im K\u00f6lner Stadt-Anzeiger vom 21.\/22.5.2016 \u00fcbertitelt. Nanu! Was hei\u00dft das denn?<br \/>\nDer Gewaltforscher J. Barberowski wird dort mit der o.g. These zitiert, die er am Beispiel der &#8222;K\u00f6lner Siivesternacht&#8220; veranschaulicht sieht: Diese Vorg\u00e4nge (&gt;K\u00f6ln-Notizen 1\/2016) lie\u00dfen erkennen, dass deutsche M\u00e4nner ihre Frauen nicht gegen \u00dcbergriffe verteidigt h\u00e4tten &#8211; weil &#8222;M\u00e4nner in Deutschland gar nicht mehr wissen, wie man mit Gewalt umgeht.&#8220; Und er meint: &#8222;Gott sei Dank.&#8220; Deutsche M\u00e4nner vertrauen auf den Staat, auch in einer Situation wie in der Silvesternacht. Sie erwarten, dass der Staat aber sein Gewaltmonopol auch wahrnimmt (was bekanntlich in jener Nacht in K\u00f6ln nicht funktionierte, warum auch immer).<br \/>\nEs ist in der Tat ein Fortschritt, wenn in einem zivilisierten Land die B\u00fcrger friedlich zusammenleben und nicht wie im Wilden Westen zu Selbst- und Lynchjustiz greifen. Es ist ein weiterer Fortschritt, wenn die B\u00fcrger auch in privaten Auseinandersetzungen nicht gewaltt\u00e4tig werden, wenn sie sich im Griff haben, wenn sie nicht Frust oder schlechte Laune aggressiv an Schw\u00e4cheren auslassen.<br \/>\nIn patriarchalischen, m\u00e4nnerdominierten Gesellschaften sieht man oft etwas Anderes: M\u00e4nner d\u00fcrfen zu Gewalt greifen, &#8222;weil sie nun mal so sind&#8220;, sie d\u00fcrfen auch mal eine Frau vergewaltigen, &#8222;weil es mit ihnen durchging&#8220; oder die Frau sie angeblich gereizt hat, usw. In solchen Gesellschaften wird \u00fcblicherweise der Mann entschuldigt und das Opfer f\u00fcr erlittene \u00dcbergriffe verantwortlich gemacht.<br \/>\nDeutsche M\u00e4nner haben dazugelernt, und das nicht nur wegen Fortschritten in der Emanzipation der Frauen. Vielmehr ist es ein wichtiges Element demokratischer Gesinnung, Gewalt als Mittel der Auseinandersetzung zu \u00e4chten und nur in Notwehr anzuwenden.<br \/>\nIn einer gelebten Demokratie gibt es Regeln, die eine friedliche Diskussion und Auseinandersetzung erm\u00f6glichen. Und wer sich ungerecht behandelt sieht, kann sich beschweren oder Gerichte anrufen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hinzu kommt ein gesellschaftlicher Wandel: In der Wirtschaft werden immer weniger Muskelm\u00e4nner ben\u00f6tigt, aber immer mehr Menschen mit Grips und Nerven, um mit der Digitalisierung der Arbeitswelt und der weitgehend automatisierten Produktion umzugehen. Diese Entwicklung findet schon seit Jahrzehnten statt und ist in den Industriel\u00e4ndern weit fortgeschritten. Trotzdem hinken einige Menschen mental dieser Entwicklung hinterher, z.B. in ihrer Auffassung von den Geschechterrollen. Das trifft umso mehr auf Migranten aus L\u00e4ndern zu, wo dieser Wandel erst in Gang kommt oder noch gar nicht stattgefunden hat. F\u00fcr Machos aus solchen L\u00e4ndern muss es ein Kulturschock sein, dass in unserer Gesellschaft ein Mann nicht automatisch mehr gilt als eine Frau, und dass M\u00e4nnlichkeit hier nicht prim\u00e4r durch Muskeln und Gewaltbereitschaft gezeigt wird. Auch d\u00fcrfte vielen von ihnen neu sein, dass sexuelle \u00dcbergriffe auf Frauen hier Emp\u00f6rung ausl\u00f6sen und nicht hingenommen werden. Ich m\u00f6chte an dieser Stelle kein bestimmtes Herkunftsland als Beispiel nennen, vielmehr zu bedenken geben, dass es auch immer noch deutsche M\u00e4nner gibt, die mental mindestens ein halbes Jahrhundert zur\u00fcckliegen und sich die alten Macho-Zeiten zur\u00fcckw\u00fcnschen (weil sie sich nicht anpassen wollen). Im Klartext: Da schlummern immer noch latente Gewaltbereitschaft und Machtgel\u00fcste. Denn bei den sexuellen \u00dcbergriffen geht es nicht um Sex, sondern um <em>Macht<\/em>aus\u00fcbung. Dabei suchen sich schwache M\u00e4nner noch schw\u00e4chere Menschen aus, um sich einmal \u00fcberlegen zu f\u00fchlen. Die psychologische Seite ist ziemlich klar und durchsichtig.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die oben benannte Entwicklung in der Wirtschaft fordert von immer mehr Besch\u00e4ftigten, dass sie teamf\u00e4hig sind, und besonders von Personen in leitenden Funktionen, dass sie \u00fcber &#8222;soft skills&#8220; verf\u00fcgen. Das hei\u00dft, man erwartet von diesen Arbeitnehmern F\u00e4higkeiten im Umgang mit Menschen, man erwartet Kommunikationsbereitschaft und flexibles Eingehen auf Probleme und Konflikte mit oder unter MitarbeiterInnen. Man fasst das unter dem Begriff &#8222;soziale Kompetenzen&#8220; zusammen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Chef &#8222;alter Schule&#8220;, der kommandiert und den Chef &#8218;raush\u00e4ngen l\u00e4sst, ist out. Man liest sogar in einschl\u00e4gigen Zeitungsartikeln, dass Probleme in den Betrieben oft hausgemacht sind und vom F\u00fchrungspersonal verursacht werden, wenn es z.B. um mangelnde Motivation und hohe Krankenst\u00e4nde in der Belegschaft geht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Unterhaltungsindustrie, speziell die Filmproduktion, bedient immer noch reichlich das nostalgische Interesse an der guten(?) alten Zeit, als (angeblich) M\u00e4nner noch M\u00e4nner waren, und sie versucht, in vielen Filmen moderne Helden oder Superm\u00e4nner zu kreieren, die mit modernster Technik, vor allem Waffentechnik, umgehen, in ihrem Handeln aber von antiquierten Vorstellungen und Idealen geleitet werden. Das gilt besonders f\u00fcr viele Computerspiele. Bedenklich wird es, wenn solche Film- oder Ballerspiel-Helden jungen M\u00e4nnern als Identifikationsfiguren dienen, noch bedenklicher, wenn das ihre aus Frust und Unsicherheit geborene Gewaltbereitschaft verst\u00e4rkt, wenn sie zunehmend Gewalt als &#8222;normales&#8220; Mittel der Auseinandersetzung verstehen und Gelegenheiten suchen, wo ihnen Gewaltt\u00e4tigkeit Best\u00e4tigung und M\u00e4nnlichkeit zu geben scheint.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir brauchen hier nicht erst auf die Krawalle von Hooligans bei Fu\u00dfballspielen zu verweisen. Aggressivit\u00e4t kann sich, besonders unter Alkoholeinfluss, \u00fcberall Bahn brechen. Das l\u00e4sst sich nicht ganz aus der Welt schaffen. Aber wir sollten entschieden dem Eindruck entgegentreten, dass Gewaltt\u00e4tigkeit toleriert werden k\u00f6nnte. Und wir sollten entschieden widersprechen, wenn gewaltt\u00e4tige Menschen ihr Verhalten als normal bezeichnen, sich gar als Vorbilder hinstellen. Es ist in der Tat nicht schlimm, wenn deutsche M\u00e4nner nicht mehr pr\u00fcgeln k\u00f6nnen, wie es in der oben zitierten Meldung hie\u00df. Es muss aber klar sein, dass im Zweifel Polizei etc. das Gewaltmonopol haben und, wenn n\u00f6tig, auch aus\u00fcben.\u00a0 Der Schutz der Bev\u00f6lkerung vor Gewalt und sonstiger Kriminalit\u00e4t ist eine staatliche Aufgabe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und es muss klar sein, dass in unserer Gesellschaft keine Unterdr\u00fcckung toleriert wird, weder im privaten Bereich noch im \u00f6ffentlichen.<\/p>\n<p>W. R.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"aligncenter wp-image-256\" src=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/13g+-300x219.jpg\" sizes=\"(max-width: 119px) 100vw, 119px\" srcset=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/13g+-300x219.jpg 300w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/13g+-624x457.jpg 624w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/13g+.jpg 864w\" alt=\"13g+\" width=\"119\" height=\"87\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Deutsche M\u00e4nner k\u00f6nnen nicht mehr pr\u00fcgeln.&#8220; So ist eine dpa-Meldung im K\u00f6lner Stadt-Anzeiger vom 21.\/22.5.2016 \u00fcbertitelt. Nanu! Was hei\u00dft das denn? Der Gewaltforscher J. Barberowski wird dort mit der o.g. 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