{"id":6980,"date":"2021-04-13T23:17:22","date_gmt":"2021-04-13T21:17:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fu-frechen.de\/?p=6980"},"modified":"2021-05-23T14:50:09","modified_gmt":"2021-05-23T12:50:09","slug":"ein-desaster","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fu-frechen.de\/?p=6980","title":{"rendered":"Ein Desaster"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-drop-cap\">Dieses Land k\u00f6nnte in Vielem besser werden, das hat die Corona-Krise gezeigt. Was Modernisierung und Innovation angeht, mag es in einigen technischen Feldern durchaus vorn liegen. Schaut man aber auf den Zustand der Gesellschaft, dann scheint es, dass sich Viele in diesem Lande auf dem Erreichten ausruhen und nicht ernsthaft daran denken, fortschrittlichen Gedanken und Parolen auch die entsprechenden Taten folgen zu lassen. Was hei\u00dft eigentlich fortschrittlich?<\/p>\n\n\n\n<p>Seit wievielen Jahren wird die ungleiche Bezahlung von Frauen und M\u00e4nnern kritisiert, und was wird daran ge\u00e4ndert? Seit wievielen Jahren wird kritisiert, dass vor allem in Pflegeberufen (Kranken- und Altenpflege) ebenso wichtige wie wertvolle Arbeit miserabel bezahlt wird? Was ist das f\u00fcr ein Land, in dem Krankenh\u00e4user zu Geldmaschinen wurden und auf Teufelkommraus lukrative Operationen durchf\u00fchren, die Kranken aber quasi noch &#8222;blutig&#8220; schnellstens nach Hause entlassen, um Betten schneller neu zu belegen f\u00fcr neue &#8222;Kunden&#8220;, und mehr Kohle zu machen? Da wird weniger den Menschen geholfen, als vielmehr den Aktion\u00e4ren des Krankenhaus-Konzerns h\u00f6here Dividende erwirtschaftet.<\/p>\n\n\n\n<p>Was leider in der &#8222;freien Wirtschaft&#8220; um sich gegriffen hat, die neoliberale Denke (Profitsteigerung soweit m\u00f6glich vor allem auf dem R\u00fccken des Personals), wurde auf unverantwortliche Weise in Bereiche der Daseinsf\u00fcrsoge \u00fcbertragen. Der Mensch steht vielleicht noch in Werbespr\u00fcchen im Mittelpunkt, in Wirklichkeit tanzen die Verantwortlichen um das Goldene Kalb.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Folgen sind nicht mehr zu \u00fcbersehen, die Corona-Krise zeigt das selbst dem Begriffsstutzigsten. Was besonders emp\u00f6rt: &#8222;Die Politik&#8220;, genauer: die Entscheider in den Schl\u00fcsselpositionen, lassen sich jede Menge Zeit, daran etwas zu \u00e4ndern. Als Beobachter rauft man sich die Haare! Speziell um Ostern, in der ersten H\u00e4lfte April 2021, brennt die H\u00fctte, die Intensivstationen der Kliniken laufen voll, w\u00e4hrend die Bundesl\u00e4nder weder zu einheitlichen Ma\u00dfnahmen finden noch einsehen, dass dieser Flickenteppich unterschiedlicher Ma\u00dfnahmen ein Kommunikationsdesaster geworden ist.  Denn die Bev\u00f6lkerung versteht nicht mehr, was wo warum verf\u00fcgt oder auch nicht verf\u00fcgt wird. <\/p>\n\n\n\n<p>Und zur Illustration des Ganzen wird dann nach Ostern der Vorschlag von Armin Laschet von fast allen Seiten kritisiert, teils sogar l\u00e4cherlich gemacht: Er redete zuvor zwar selbst gern von Lockerungen, sah aber aktuell ein, dass man auf die Wissenschaft h\u00f6ren sollte, um die gegenw\u00e4rtige &#8222;dritte Welle&#8220; der Corona-Pandemie in Deutschland zu brechen. Laschet sah einen &#8222;harten Br\u00fccken-Lockdown&#8220; von 2-3 Wochen als n\u00f6tig an, w\u00e4hrend man die Impfungen forciert, bis deutlich mehr Menschen gesch\u00fctzt sind und damit die Ansteckungen zur\u00fcckgehen.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend noch Viele dabei waren, den &#8222;Br\u00fccken-Lockdown&#8220; schlecht zu reden (vor dem Hintergrund \u00fcbrigens, dass Laschet mit S\u00f6der um die Kanzlerkandidatur der Union konkurriert), stiegen die Infektionszahlen weiter, sodass die Kliniken Alarm schlugen. Das Personal arbeitet schon wieder am Limit. Pflegepersonal, chronisch \u00fcberlastet und zugleich schlecht bezahlt (irgendwer muss ja den Profit erwirtschaften!), wird selbst krank und\/oder schmei\u00dft ganz hin. (In 2020 k\u00fcndigten 6000 Pflegekr\u00e4fte in Deutschland ihren Job &#8211; den sie eigentlich lieben.)<\/p>\n\n\n\n<p>So rutschen wir sehenden Auges in ein Desaster, das vermeidbar w\u00e4re. Statt \u00fcberlastetes Pflegepersonal und \u00fcberarbeitetes medizinisches Personal nur mit warmen Worten zu loben, m\u00fcsste dringend (schon vorgestern!!) das Gesundheitssystem ver\u00e4ndert werden, und zwar an den Stellen, wo Geld verdient und wo Leistungen honoriert werden. Und es muss erlaubt sein, grunds\u00e4tzliche Zweifel anzubringen an der privatwirtschaftlich-gewinnorientierten Ausrichtung vor allem der Kliniken. Denn hier sieht man deutlich, wohin die Parole &#8222;Privat vor Staat&#8220; f\u00fchren kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Neoliberales Profitdenken geh\u00f6rt nicht in die Bereiche der Daseinsvorsorge und -f\u00fcrsorge. Das sollte, ja m\u00fcsste sich l\u00e4ngst herumgesprochen haben. Privatisierung ist kein Schritt zur effektiveren (und fl\u00e4chendeckenden!) Versorgung der Bev\u00f6lkerung &#8211;  im Gegenteil. Das wissen die meisten klugen Menschen l\u00e4ngst. Doch sind die Entscheider offenbar zu fest im Griff der Lobbyverb\u00e4nde, um sich zu wirklichen Verbesserungen zu entschlie\u00dfen. <\/p>\n\n\n\n<p>W. R.<\/p>\n\n\n\n<p>P.S.: Wir reden hier haupts\u00e4chlich vom Gesundheitssystem, doch m\u00f6gen die geneigten LeserInnen auch an andere Bereiche der Daseinsf\u00fcrsorge denken. Die &#8222;\u00f6ffentliche Hand&#8220; hat seit den 1990er Jahren gern die Dienste von Unternehmensberatungen in Anspruch genommen, um in ihrer Verwaltung, an den \u00f6ffentlichen Schulen, in der Polizei, in der Justiz &#8222;Sparpotential&#8220; zu entdecken. Inzwischen beklagen wir (schon seit Jahren) akuten Personalmangel in diesen Bereichen. W\u00e4hrend der Bedarf etwa an LehrerInnen wuchs, liefen die Einstellungen des Nachwuchses weiter auf Sparflamme. Schon seit Jahren wei\u00df man nicht, woher man die dringend ben\u00f6tigten LehrerInnen so schnell nehmen soll. Die Fensterreden von PolitikerInnen, die ab 2001 (nach der ersten PISA-Studie) von &#8222;oberster Priorit\u00e4t auf der Bildung&#8220; sprachen, sind l\u00e4ngst folgenlos verhallt. <\/p>\n\n\n\n<p>Wie hie\u00df es doch schon in der Bibel: &#8222;An ihren Taten sollt Ihr sie erkennen.&#8220; &#8212;<\/p>\n\n\n\n<p>Nachtrag am sp\u00e4ten Abend des 15.04.21: Man kann es sich kaum noch anh\u00f6ren! Da wird diskutiert, da wird taktiert, aber auf das n\u00f6tige schnelle Handeln zur Eind\u00e4mmung der Pandemie warten wir vergeblich. M\u00fcssen sich erst medizinische und Pflegekr\u00e4fte reihenweise aus den Klinikfenstern st\u00fcrzen &#8211; oder auf der Stra\u00dfe lauthals nach einer &#8222;Merkel-Diktatur&#8220; rufen? <\/p>\n\n\n\n<p>Auch am 18.04.21 ist wirkliche Besserung nicht in Sicht. In Diskussionsbeitr\u00e4gen im Fernsehen das \u00fcbliche Bild: Zu allem gibt es Zweifel und Kritik, egal was vorgeschlagen oder angeordnet wird. Und eine eingeblendete Grafik zeigt die Belegung von Intensivbetten in den Krankenh\u00e4usern, wo die Kurve wieder steil ansteigt, aber noch nicht so hoch wie auf dem H\u00f6hepunkt der letzten Welle. Alles nicht so dramatisch? Ist da noch Luft? Wenn man daneben eine Grafik des einsatzf\u00e4higen Klinikpersonals zeigen w\u00fcrde, dann s\u00e4he man sofort: Der Vergleich mit Vorher tr\u00fcgt, er hinkt, weil f\u00fcr die vorhandenen Betten immer weniger Personal zur Verf\u00fcgung steht&#8230; !<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"2560\" height=\"1594\" class=\"wp-image-7017\" style=\"width: 600px;\" src=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/7l-scaled.jpg\" alt=\"\" srcset=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/7l-scaled.jpg 2560w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/7l-300x187.jpg 300w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/7l-1024x638.jpg 1024w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/7l-768x478.jpg 768w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/7l-1536x956.jpg 1536w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/7l-2048x1275.jpg 2048w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/7l-624x389.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 2560px) 100vw, 2560px\" \/><\/p>\n\n\n\n<p>Nachtrag am 22.04.21: <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/gesellschaft\/berliner-intensivpfleger-an-der-corona-front-die-aerztin-schlaeft-nach-der-schicht-im-auto-weil-sie-den-heimweg-nicht-schafft\/27116592.html\">Berliner Intensivpfleger an der Corona-Front: \u201eDie \u00c4rztin schl\u00e4ft nach der Schicht im Auto, weil sie den Heimweg nicht schafft\u201c &#8211; Gesellschaft &#8211; Tagesspiegel<\/a>              <\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcbrigens zeigt mir das wieder, wie gut es ist, sich von den <em>social media<\/em> fernzuhalten (So muss ich nicht \u00f6fter solche &#8211; sorry &#8211; Idioten-Posts lesen wie die in diesem Artikel zitierten).<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter is-resized\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/13g+-300x219.jpg\" alt=\"Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. 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