{"id":745,"date":"2013-08-16T12:15:44","date_gmt":"2013-08-16T10:15:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fu-frechen.de\/?p=745"},"modified":"2019-06-02T14:22:39","modified_gmt":"2019-06-02T12:22:39","slug":"mittelalter-vorsicht-vor-missverstaendnissen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fu-frechen.de\/?p=745","title":{"rendered":"Mittelalter: Vorsicht vor Missverst\u00e4ndnissen"},"content":{"rendered":"<h2 style=\"text-align: justify;\"><strong><a href=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/052fa.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-810 alignleft\" src=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/052fa-300x189.jpg\" alt=\"052fa\" width=\"300\" height=\"189\" srcset=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/052fa-300x189.jpg 300w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/052fa-1024x646.jpg 1024w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/052fa-624x393.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>An der Schwelle zum Mittelalter: Vorsicht vor Missverst\u00e4ndnissen! <\/strong><\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>W<\/strong>er sich mit Geschichte in der Epoche des Mittelalters besch\u00e4ftigt, st\u00f6\u00dft mehr oder weniger schnell auf Dinge und Begriffe, die sich mit den uns heute gel\u00e4ufigen Vorstellungen kaum oder gar nicht in Einklang bringen lassen. Dazu geh\u00f6ren nicht nur mentale Bereiche wie Religion und Aberglaube, dazu geh\u00f6ren vor allem Rechtsverh\u00e4ltnisse* und gesellschaftliche Gliederungen und Regeln. Hinzu kommen politische Ordnungen, die nicht nur Hierarchien betreffen, sondern auch territoriale Zuordnungen &#8211; und damit nicht genug, auch Begriffe, die wir erst einmal gar nicht verstehen, wie Burgbann, K\u00f6nigsbann oder Bannmeile.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Blickt man in den historischen Atlas des mittelalterlichen Europa, sieht man Grenzlinien und verschieden gef\u00e4rbte Gebiete und meint zun\u00e4chst, diese Markierungen entspr\u00e4chen heutigen Grenzen in politischen Landkarten. Doch da lauert schon das erste Missverst\u00e4ndnis: Fl\u00e4chenstaaten und kompakte Herrschaftsgebiete sind dem Mittelalter weitgehend unbekannt, vielmehr sind &#8222;Staaten&#8220; damals Personalverb\u00e4nde mit Gefolgschafts- und Abh\u00e4ngigkeitsverh\u00e4ltnissen, also noch keine Staaten im modernen Sinne, die von der Grundidee des Staatsvolkes in einem Staatsgebiet ausgehen und im Idealfall** einen Nationalstaat bilden. Diese Vorstellung verbreitete sich aber erst im 19. Jahrhundert in Europa, vorher dominierten die aus dem Mittelalter \u00fcberkommenen feudalen Abh\u00e4ngigkeitsverh\u00e4ltnisse.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wer sich auf der Landkarte des Mittelalters ein Dorf herauspickt und meint, dieses st\u00fcnde ganz unter der Herrschaft eines Feudalherren, der wiederum einem F\u00fcrsten oder K\u00f6nig verpfichtet sei, kann auch hier v\u00f6llig danebenliegen: Oft haben Menschen oder Besitzt\u00fcmer, die im selben Dorf existieren, ganz unterschiedliche Herren und Verpflichtungen. Im Extremfall kann sogar jeder Hof im Dorf einem anderen Herrn abgabepflichtig und zus\u00e4tzlich noch mit besonderen Pflichten oder Rechten ausgestattet sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ausgehend von der Grundherrschaft, konnte ein Hof dem K\u00f6nig (Krondom\u00e4ne), einem adligen Herren, einem Kloster oder auch einem Domstift geh\u00f6ren &#8211; eben allen, die Grundbesitz hatten. Komplizierter noch wird es, wenn z.B. Abgaben eines Besitzes Teil einer kirchlichen Pfr\u00fcnde waren, mit denen ein Pfarrer, Domherr, Bischof etc. versorgt wurde, w\u00e4hrend andere Pflichten und Rechte aber einem anderen Herren geh\u00f6ren, weil sie z.B. verpf\u00e4ndet wurden. Aus dieser Gemengelage kann sich im Laufe der Jahrhunderte ein Flickenteppich von Besitz- und Rechtsverh\u00e4ltnissen entwickelt haben, der ohne genaues Studium der einzelnen Verh\u00e4ltnisse nicht zu durchschauen ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch ein freier Besitz konnte durch Erbteilungen im Laufe der Zeit nicht nur zersplittern, sondern auch in unterschiedliche Abh\u00e4ngigkeiten geraten. Das Mittelalter umfasst tausend Jahre, und in dieser Zeit \u00e4nderte sich Vieles. So versuchten gegen Ende des Mittelalters die Grundherren verst\u00e4rkt, freib\u00e4uerlichen Besitz unter ihre Herrschaft zu bringen. In manchen Gebieten eigneten sie sich auch bisher gemeinschaftlich genutztes Land (Allmende) an, weil sie sich auf das um sich greifende r\u00f6mische Recht beriefen. Im Gegensatz zu germanischer Rechtstradition folgte dieses dem Grundsatz: Kein Land ohne Herren. Im Zweifel beanspruchte also der n\u00e4chstgr\u00f6\u00dfere adlige Feudalherr das Allmende-Land. Dies war in manchen Gegenden ein Ausl\u00f6ser f\u00fcr Bauernaufst\u00e4nde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was die Bildung von Territorien oder Herrschaftsgebieten angeht, so darf man, wie gesagt, auch da nicht mit heutigen Vorstellungen herangehen. Wenn man etwa die Entwicklung im Frankenreich im fr\u00fchen Mittelalter ins Auge fasst, so stand am Anfang die Eroberung und Landnahme ehemals r\u00f6mischer Provinzen durch die fr\u00e4nkischen Stammesverb\u00e4nde, an deren Spitze der K\u00f6nig als Heerf\u00fchrer stand.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Besitz an wertvollem, d.h. in erster Linie fruchtbarem Ackerland wurde bisherigen Besitzern der alten F\u00fchrungsschicht weggenommen, der K\u00f6nig verteilte es neu unter seine Gefolgsleute, wie auch sonstige Beute unter den Mitk\u00e4mpfern verteilt wurde. Die besten St\u00fccke behielt der K\u00f6nig f\u00fcr sich. Er hortete nach M\u00f6glichkeit Land und Edelmetall, um daraus auch sp\u00e4ter Gefolgsleute f\u00fcr treue Dienste belohnen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das gro\u00dfe Frankenreich konnte vom K\u00f6nig allein nicht effektiv regiert werden, er setzte Grafen ein, die f\u00fcr ihn Gebiete kontrollierten, indem sie vor allem die h\u00f6here Gerichtsbarkeit aus\u00fcbten. Er selbst ritt m\u00f6glichst viel umher, denn nur da, wo er pr\u00e4sent war, konnte er auch unmittelbar regieren. Dieses &#8222;Reisek\u00f6nigtum&#8220; st\u00fctzte sich auf verstreut angelegte K\u00f6nigspfalzen, die als gro\u00dfe Wirtschaftsh\u00f6fe K\u00f6nig und Gefolge eine Zeitlang versorgen konnten. Au\u00dferdem quartierte er sich auch bei verm\u00f6genden Adligen oder Bisch\u00f6fen und bei reichen Abteien ein, die f\u00fcr die Versorgung und Unterhaltung der G\u00e4ste aufzukommen hatten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Adligen, Bisch\u00f6fe und Abteien erhielten Land als Lehen (=eine Art Leihgabe), die Kirchen und Abteien oft als Schenkungen, und daraus ergab sich in Summe das formale Herrschaftsgebiet des K\u00f6nigs, das K\u00f6nigreich. Doch konnte der K\u00f6nig eben nicht &#8222;von oben&#8220; beliebig in seine Gebiete hineinregieren: Die kirchlichen Besitzt\u00fcmer waren formal seinem Einfluss entzogen, und oft unterstellten sich Kl\u00f6ster direkt der Herrschaft des Papstes, ansonsten standen sie unter der Aufsicht eines Bischofs. Die Adligen trachteten schon bald danach, ihre Lehen in erblichen Besitz umzuwandeln, was ihnen auch immer h\u00e4ufiger gelang. Daher st\u00fctzten sich die K\u00f6nige des Mittelalters haupts\u00e4chlich auf das Kronland, den direkten Besitz des K\u00f6nigs.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Einen folgenschweren Einschnitt in dieser Entwicklung nahm Kaiser Friedrich II. von Hohenstaufen vor. Im Jahre 1220 trat er an die Erzbisch\u00f6fe und Bisch\u00f6fe eine Reihe seiner Herrschaftsrechte (Regalien) ab, um sich ihre Zustimmung zu seiner Politik zu sichern und sich mehr um seine Herrschaft in Italien k\u00fcmmern zu k\u00f6nnen. \u00c4hnlich bedachte er 1232 auch die Gro\u00dfen unter den weltlichen Herren des Reiches mit Privilegien. Die nutzten die Regalien sofort und ausgiebig, um ihre Herrschaft \u00fcber die ihnen zu Gebote stehenden Gebiete auszubauen und zu sichern. Erst nachdem sie in diesen Gebieten weitgehend die Herrschaft \u00fcbernommen hatten, kann man hier vorsichtig von ersten &#8222;Staaten&#8220; sprechen, die zumindest weitgehend politisch unabh\u00e4ngig waren: Der K\u00f6nig bzw. Kaiser hatte dort nicht mehr viel zu bestimmen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Entwicklung setzte sich in der Goldenen Bulle Kaiser Karls IV. (1356) fort. Im Zuge der Regelung der Kaiserwahl durch sieben Kurf\u00fcrsten wurden nicht nur letztere in ihrer Macht gefestigt, sondern die Zustimmung anderer F\u00fcrsten durch Erhebung von Grafen zu Herz\u00f6gen erkauft. So war der Erzbischof von K\u00f6ln nun als einer der Kurf\u00fcrsten festgeschrieben, w\u00e4hrend die benachbarten Grafen von J\u00fclich und Berg zu Herz\u00f6gen aufstiegen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In Geschichtsatlanten schl\u00e4gt sich das lediglich in den Bezeichnungen &#8222;Kurk\u00f6ln&#8220; f\u00fcr das Erzstift (=weltliches Herzogtum des Erzbischofs von K\u00f6ln) und &#8222;Herzogtum J\u00fclich&#8220; sowie &#8222;Herzogtum Berg&#8220; nieder. Der politische Schacher um Macht und Eink\u00fcnfte wird darin nicht sichtbar. Eink\u00fcnfte brachte den Kurf\u00fcrsten jede Kaiserwahl, da Bestechung der Wahlberechtigten durch die Kandidaten \u00fcblich war. Das setzte sich weit \u00fcber das Ende des Mittelalters hinaus fort.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Mittelalter wurde also schrittweise die Grundlage der &#8222;Kleinstaaterei&#8220; in Deutschland gelegt, die im 19. Jahrhundert die Bildung eines deutschen Nationalstaates behinderte. Doch enthalten wir uns hier besser einer Bewertung: Auch die Idee des Nationalstaates ist in die Jahre gekommen und wird im heutigen Europa nicht mehr durchweg als Nonplusultra (=das Allerh\u00f6chste) der historischen Entwicklung gesehen. Will sagen: Das heutige Europa handelt politisch als EU oft nicht harmonisch vereint, vielmehr sperrt sich oft nationaler Eigensinn gegen z.B. eine gemeinsame Au\u00dfenpolitik.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Mittelalter hat aber selbst f\u00fcr das heutige Europa noch eine Bedeutung, die man leicht \u00fcbersieht: Die Verfechter der europ\u00e4ischen Idee, d.h. des Zusammenwachsens zu einem vereinten oder wenigstens eng zusammenr\u00fcckenden Europa, berufen sich auf die Vorstellung, dass Europa kulturell eine Einheit bildet, dass (wie vor allem bayrische Politiker gern hervorheben) im Mittelalter ein christliches Abendland entstand, das die Wurzeln eines (kulturellen) Gesamt-Europas ausmacht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Manche loben Karl den Gro\u00dfen als quasi ersten Europ\u00e4er hoch, weil sein Frankenreich eine \u00fcbernational-europ\u00e4ische Idee vorgepr\u00e4gt habe. Wenn man deshalb in Aachen den&nbsp;<strong>Karlspreis<\/strong> an gute Europ\u00e4er verleiht, habe ich pers\u00f6nlich als Historiker leichte Bauchschmerzen: Hat jener Karl denn wirklich im Sinne von V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung und einem friedlich zusammenwachsenden Europa ein Vorbild abgegeben? Daran h\u00e4tten damals, im 9. Jahrhundert, nicht nur die Sachsen erhebliche Zweifel angemeldet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wer Karls Frankenreich im Geschichtsatlas anschaut, der gewinnt leicht einen falschen Eindruck. Die weit gespannten \u00e4u\u00dferen Grenzen umfassen keineswegs ein wohlorganisiertes, vor allem kein einfach zu regierendes Reich (s.o.). Au\u00dferdem drohte auch immer der Abfall von Gebieten, deren Herrscher sich zwar unterworfen, aber sp\u00e4ter dann doch lieber ohne Karl als Oberherrn regiert h\u00e4tten. Das traf nicht nur auf Sachsen zu.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieses Reich war eben nicht vergleichbar mit dem R\u00f6mischen Reich, das als Vielv\u00f6lkerstaat und gro\u00dfer Wirtschaftsraum mit gut gepflegten Verkehrswegen und einheitlicher W\u00e4hrung doch eher als Vorbild Europas taugen k\u00f6nnte &#8211; aber eben auch zusammenerobert war und ohne neue Eroberungen fast zwangsl\u00e4ufig in strukturelle Krisen geriet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nun, wie auch immer, Geschichte wiederholt sich nicht, und historische Vergleiche hinken schon deshalb. Im Mittelalter jedenfalls wurde der Begriff &#8222;Europa&#8220; so gut wie gar nicht verwendet, eher spielte die Idee des christlichen Kaiserreiches eine Rolle, des &#8222;Heiligen R\u00f6mischen Reichs&#8220; in Nachfolge des westr\u00f6mischen Kaiserreichs. Dessen Grenzen waren noch weniger europa-umgreifend als die des o.a. Karls-Reiches, und hier gilt auch: Was im Geschichtsatlas als zum Reich geh\u00f6rend gekennzeichnet ist, ist nicht immer fester Bestandteil.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kurzum: Wer Vorbilder oder Vergleiche aus der Mittelalter-Kiste hervorholt, sollte sich gut informieren und die zahlreichen Schwellen beachten, die wir \u00fcberwinden m\u00fcssen, ehe wir die Verh\u00e4ltnisse jener Zeit richtig verstehen k\u00f6nnen. Das aber ist nicht einfach, wir sind auf die Arbeit von Spezialisten angewiesen, die uns das m\u00f6glichst nachvollziehbar erkl\u00e4ren. Dagegen mag ein Besuch auf einem Mittelalter-Markt unterhaltsam sein, er erkl\u00e4rt uns aber bestenfalls &#8211; und anschaulich &#8211; ein paar Dinge aus der praktischen Lebenswelt der damals lebenden Menschen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Mittelalter-Markt ist aber in erster Linie eine kommerzielle Veranstaltung, die eher an die Vorstellungen des Publikums ankn\u00fcpft, als ihm bis dahin fremde Welten realit\u00e4tsnah zu zeigen. Damit die Besucher nicht weggbleiben, muss man Kompromisse machen, z.B. sprachliche: Die altert\u00fcmlich klingenden Wendungen, die Akteure in mittelalterlicher &#8222;Gewandung&#8220;&nbsp; in der Ansprache des Publikums benutzen, sind eine Kunstsprache mit Elementen aus h\u00f6fischen Floskeln des 18. Jahrhunderts. Das klingt dem Publikum aus irgendwelchen Romanen oder Hollywood-Filmen noch halbwegs vertraut. Man kann ihm aber keine &#8222;Originalsprache&#8220; des Mittelalters zumuten &#8211; soweit man sie nach heutiger wissenschaftlicher Erkenntnis korrekt aussprechen k\u00f6nnte &#8211; und z.B. eine Variante des Mittelhochdeutschen verwenden. Das w\u00fcrde in den allermeisten Ohren wie eine Fremdsprache klingen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00c4hnliches gilt f\u00fcr die Betrachtung der Bildwelten des Mittelalters, wo es eine uns weitgehend fremd gewordenen Symbolsprache zu entschl\u00fcsseln gilt. Noch am Ausgang des Mittelalters, als in&nbsp; Italien l\u00e4ngst die Renaissance Einzug gehalten hat, entstehen in Deutschland Kunstwerke (z.B. von Cranach oder D\u00fcrer), die man ohne besondere Kenntnis der mittelalterlichen Symbolik (und selbstredend der Bibel) nicht deuten kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Warnung vor Missverst\u00e4ndnissen soll niemanden abschrecken, sich mit dem Mittelalter zu besch\u00e4ftigen, im Gegenteil; aber man darf keine vorschnellen Vergleiche mit der heutigen Lebenswelt ziehen, man muss vielmehr beachten: Vieles hat sich \u00e4u\u00dferlich wie inhaltlich stark ver\u00e4ndert. Am wenigsten trifft dies auf die Natur des Menschen zu, denn die Evolution ver\u00e4ndert ihn vielleicht ein wenig in Zehntausenden von Jahren, wenn \u00fcberhaupt, w\u00e4hrend die von ihm entwickelte technische Zivilisation der Evolution immer schneller davoneilt. &#8211;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">_______________________________<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">* Wer sich einen Begriff von der Un\u00fcbersichtlichkeit der Rechtsverh\u00e4ltnisse im Mittetalter machen will, lese Dietmars zusammenfassende Darstellung am Beispiel K\u00f6ln: &#8222;Das K\u00f6lner Gerichtswesen im Mittelalter&#8220;, in: Carl Dietmar,&nbsp;<em>Das mittelalterliche K\u00f6ln. <\/em>K\u00f6ln: J.P.Bachem Verlag, 2004, S. 35-39.&nbsp;\u2014 Auch am Beispiel &#8222;Universitas&#8220; und &#8222;Universit\u00e4t&#8220; kann man gro\u00dfe Unterschiede zwischen den Verh\u00e4ltnissen des Mittelalters und den heutigen erkennen. Siehe dazu ausf\u00fchrlich den Beitrag in der Unterseite &#8222;F.U.F. &#8211; der Club&#8220;, dort weit unten zu finden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">** &#8222;Idealfall&#8220; ist hier nicht als Wertung zu verstehen: Wie es den Menschen in einem Staat geht, hat nicht allein mit der Staatsform zu tun. So gibt es Nationalstaaten, die eine homogene Nation k\u00fcnstlich herbeizwingen wollen und deshalb ihren Minderheiten deren eigene Sprache und kulturelle Identit\u00e4t verbieten. Derartige Staatswesen sind keineswegs als Ideal geeignet! W\u00fcnschenswert sind eher Staaten, die sich ohne ideologische \u00dcberh\u00f6hung erst einmal als Organisationsform betrachten, die allen Staatsb\u00fcrgern ein ertr\u00e4gliches Leben erm\u00f6glichen wollen, und daher Interessengegens\u00e4tze auszugleichen suchen, anstatt die Interessen einer Bev\u00f6lkerungsgruppe gegen andere durchzusetzen. Diese Einstellung ist auch nach au\u00dfen, gegen\u00fcber anderen Staaten, die beste Voraussetzung f\u00fcr ein friedliches Miteinander.<\/p>\n<p>W. R.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/13g+.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-256 aligncenter\" src=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/13g+-300x219.jpg\" alt=\"13g+\" width=\"110\" height=\"81\" srcset=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/13g+-300x219.jpg 300w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/13g+-624x457.jpg 624w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/13g+.jpg 864w\" sizes=\"(max-width: 110px) 100vw, 110px\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>An der Schwelle zum Mittelalter: Vorsicht vor Missverst\u00e4ndnissen! 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