{"id":753,"date":"2013-08-26T12:28:25","date_gmt":"2013-08-26T10:28:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fu-frechen.de\/?p=753"},"modified":"2019-12-09T21:25:26","modified_gmt":"2019-12-09T20:25:26","slug":"mittelalter-magazin-koelns-raumproblem","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fu-frechen.de\/?p=753","title":{"rendered":"Mittelalter-Magazin: K\u00f6lns Raumproblem"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong><a href=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/052fa.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\" wp-image-810 alignleft\" alt=\"052fa\" src=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/052fa-300x189.jpg\" width=\"280\" height=\"168\"><\/a>D<\/strong>ie <strong>Stadt K\u00f6ln<\/strong> hat, wie schon in den K\u00f6ln-Notizen #3 angesprochen, ein <strong>Raumproblem<\/strong>. Vielleicht steckt dahinter aber auch <em>ein aus der Geschichte herr\u00fchrender Komplex:<\/em> K\u00f6ln hatte im Mittelalter und in der Neuzeit kein Territorium au\u00dferhalb seiner Mauern, anders als etwa die Freie Reichsstadt N\u00fcrnberg.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn im Buch DIE BEATUS-CHRONIK von K\u00f6ln und Frechen die Rede ist und der K\u00f6lner Macht- und Einflussbereich im Mittelalter angesprochen wird, wenn K\u00f6lns Bannmeile und auch der Burgbann in einer Karte zu sehen sind (S. 163), dann verschwimmt den meisten LeserInnen das Bild von den tats\u00e4chlichen Grenzen K\u00f6lner Machtbefugnisse au\u00dferhalb seinen Mauern. Aber der Autor wollte die LeserInnen nicht mit dieser schwierigen Materie belasten, zumal ihre differenzierte Betrachtung nicht notwendig zum Kernthema jenes Buches geh\u00f6rt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Um das f\u00fcr Interessierte aber doch einmal abzukl\u00e4ren, halten wir zun\u00e4chst fest: K\u00f6ln war, wie gesagt, eine Stadt ohne eigenes externes Territorium. K\u00f6ln war umgeben von fremdem Territorium, das zum gro\u00dfen Teil zum Erzstift alias Kurk\u00f6ln geh\u00f6rte (siehe Karte unten). Und dort regierte als weltlicher F\u00fcrst der Erzbischof von K\u00f6ln, der auf die Stadt K\u00f6ln nicht gut zu sprechen war. Grund f\u00fcr das seit dem Hochmittelalter meist schlechte Verh\u00e4ltnis waren die Querelen und Konflikte um Kompetenzen in Fragen der Rechtsprechung, der Besteuerung oder der Z\u00f6lle. Es ging um die Macht, die der formale Herr der Stadt real \u00fcber K\u00f6ln aus\u00fcben wollte, die ihm aber die Stadtregierung zunehmend streitig machte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In einem mehrere Jahrhunderte auf und ab schwankenden Ma\u00df hatten die K\u00f6lner dem Erzbischof das eine oder andere Recht (Privileg) abgerungen, abgeschwatzt oder als Dank f\u00fcr treue Dienste erhalten, so das f\u00fcr die Handelsstadt enorm wichtige Stapelrecht (1259). Allm\u00e4hlich hatte sich die Stadt ein St\u00fcck weit aus der Herrschaft und Bevormundung des Erzbischofs gel\u00f6st. Auch andere St\u00e4dte versuchten im Mittelalter, sich vom Stadtherrn zu emanzipieren und politisch von ihm unabh\u00e4ngig zu werden. Das gelang einigen auch, sie wurden reichsunmittelbar; das bedeutete, dass sie nur den Kaiser bzw. K\u00f6nig als Herren anerkannten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als der K\u00f6lner Erzbischof wieder einmal ver\u00e4rgert \u00fcber die K\u00f6lner war, strafte er die Stadt mit neuen Z\u00f6llen, die in Zollburgen am Rhein und anderswo erhoben wurden. Er brauchte ohnehin Geld, w\u00e4hrend die K\u00f6lner auf Handel angewiesen waren, den sie aber nicht durch neue Z\u00f6lle verteuert sehen wollten. Mit der Aussicht auf Zerst\u00f6rung von Zollburgen waren die K\u00f6lner von den Feinden des Erzbischofs gelockt worden, ihm vor der Schlacht von Worringen (1288, mehr &gt;Mittelalter Magazin, ~) in den R\u00fccken zu fallen und zur Gegenseite \u00fcberzulaufen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Danach war das Verh\u00e4ltnis verst\u00e4ndlicherweise nicht verbessert. Es kam zwar zu keinen gro\u00dfen milit\u00e4rischen Konfrontationen mehr, aber der Erzbischof sah sich weiter als rechtm\u00e4\u00dfigen Herrn der Stadt, und die K\u00f6lner versuchten ohne Erfolg, ihren eng begrenzten Machtbereich vor der mittelalterlichen Stadtmauer zu erweitern. Jedesmal, wenn sie Fakten schaffen wollten, schickte der Erzbischof Soldaten, z.B. als sie im Gel\u00e4nde vor den Toren ein Sch\u00fctzenfest abhielten: Die Soldaten ritten heran und l\u00f6sten die Veranstaltung auf. Der Erzbischof achtete genau darauf, dass die K\u00f6lner nicht auf sein Territorium \u00fcbergriffen (Becker, S. 78f.).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie die Karte hier eher ungenau zeigt, hatte K\u00f6ln im Mittelalter und danach bis Ende des 18. Jahrhunderts zwei verschiedene Bezirke um sich her: 1. den <em>Burgbann<\/em>, einen Rechtsbezirk, der ein St\u00fcck weit vor den <a href=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/13+a.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-774 alignleft\" alt=\"13+a\" src=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/13+a-300x286.jpg\" width=\"300\" height=\"286\" srcset=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/13+a-300x286.jpg 300w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/13+a-1024x979.jpg 1024w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/13+a-624x596.jpg 624w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/13+a.jpg 1265w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Mauern endete, 2. die <em>Bannmeile<\/em>, die im Halbkreis um K\u00f6ln mit etwa 5 km Abstand von der Mauer verlief und im Westen bis in Frechener Gebiet (Herrlichkeit Frechen) reichte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie man bei Becker* ausf\u00fchrlich nachlesen kann, hatte der Rat der Stadt K\u00f6ln aber in diesen Bereichen vor seinen Toren keine rechtlichen Befugnisse und keine politische Macht. K\u00f6ln versuchte zwar immer wieder, seine Kompetenzen \u00fcber das unmittelbare Vorfeld seiner Mauern hinaus auszuweiten, der Erzbischof wachte aber mit Argusaugen \u00fcber die Einhaltung der Grenzen (s.o.). Dasselbe gilt f\u00fcr den Rhein, an dessen Ufer K\u00f6ln stie\u00df, w\u00e4hrend das gegen\u00fcberliegende Ufer mit Deutz Territorium des Erzstiftes war. K\u00f6ln konnte seinen Anspruch auf den Fluss, oder wenigstens die Flussmitte als Grenze, nicht durchsetzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Man kann K\u00f6lns Interesse ebenso verstehen wie das des Erzbischofs: Letzterer hatte ein am Rhein langgestrecktes und gerade auf der H\u00f6he K\u00f6lns ziemlich schmales Territorium, durch J\u00fclichs Vogtei \u00fcber die Herrlichkeit Frechen von Westen eingeschn\u00fcrt (vgl. Karte oben). Da wollte er keinen Fu\u00dfbreit der Stadt K\u00f6ln \u00fcberlassen. Er sah sich ohnehin bis zuletzt, bis zur Annexion des Linksrheinischen durch Frankreich (1802), als rechtm\u00e4\u00dfigen Oberherrn der Stadt K\u00f6ln, und hatte trotz der verlorenen Schlacht bei Worringen diesen Anspruch nie aufgegeben. K\u00f6ln war zwar offiziell Freie Reichsstadt geworden (vom Kaiser best\u00e4tigt 1475), hatte aber dennoch nicht die volle Souver\u00e4nit\u00e4t, da vor allem die Burgvogtei \u00fcber K\u00f6ln, verbunden mit dem Hochgericht, seit 1279 wieder in der Hand des Erzbischofs war.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch die Gerichtshoheit in der Bannmeile lie\u00df sich nicht durchsetzen, sie lag in den H\u00e4nden Kurk\u00f6lns, bzw. im S\u00fcden das Gericht Rodenkirchen in H\u00e4nden Bergs, wie auch im Norden die Herrschaft Riehl, im S\u00fcdwesten stand Efferen und im Westen Frechen unter der Gerichtshoheit J\u00fclichs. Und diese starken Nachbarn lie\u00dfen keine Eingriffe in ihre Rechte zu. K\u00f6ln war und blieb auf sein Stadtgebiet beschr\u00e4nkt. Es gab auch keine kleineren Gebiete im n\u00e4heren Umkreis, die K\u00f6ln als territorialen Zuwachs h\u00e4tte erwerben k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Erst im 19. Jahrhundert, unter ganz anderen Voraussetzungen und ohne territoriale Umklammerung durch den Gegner Kurk\u00f6ln, konnte K\u00f6ln sein Stadtgebiet ausdehnen und erste D\u00f6rfer im Umkreis eingemeinden. Aber da war das Mittelalter l\u00e4ngst Geschichte, ebenso das Heilige R\u00f6mische Reich mit seiner Kleinstaaterei, mit den geistlichen F\u00fcrstent\u00fcmern wie Kurk\u00f6ln, und mit den Freien Reichsst\u00e4dten. K\u00f6ln war nun eine Gro\u00dfstadt in Preu\u00dfen, und die Industrialisierung lie\u00df seine Bev\u00f6lkerung stark anwachsen. K\u00f6ln machte seine mittelalterliche Stadtmauer weitgehend platt und wuchs dar\u00fcber hinaus &#8211; in mehreren Schritten w\u00e4hrend des 20. Jahrhunderts bis zu einer Ausdehnung, von der man bis zum Ende des 18. Jahrhunderts nicht einmal tr\u00e4umen konnte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Derzeit liegt K\u00f6lns Stadtgebiet in den Grenzen von 1975\/76, das scheint aber auf lange Sicht nicht das Ende K\u00f6lner Begehrlichkeit zu sein (vgl. W. Reinert, DIE BEATUS-CHRONIK, S. 115 u. 164). &#8211;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">______________________________<\/p>\n<p>* Wer sich damit ausf\u00fchrlicher besch\u00e4ftigen will, sei auf dieses fundierte Buch verwiesen: Hans-Michael Becker, &#8222;K\u00f6ln contra K\u00f6ln: Von den wechselvollen Beziehungen der Stadt zu ihren Erzbisch\u00f6fen und Kurf\u00fcrsten.&#8220; K\u00f6ln: J.P.Bachem Verlag, 1992.<\/p>\n<p>W. R.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/13g+.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\" wp-image-256 aligncenter\" alt=\"13g+\" src=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/13g+-300x219.jpg\" width=\"134\" height=\"97\" srcset=\"https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/13g+-300x219.jpg 300w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/13g+-624x457.jpg 624w, https:\/\/www.fu-frechen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/13g+.jpg 864w\" sizes=\"(max-width: 134px) 100vw, 134px\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Stadt K\u00f6ln hat, wie schon in den K\u00f6ln-Notizen #3 angesprochen, ein Raumproblem. 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