{"id":9620,"date":"2025-11-06T22:34:49","date_gmt":"2025-11-06T21:34:49","guid":{"rendered":"https:\/\/www.fu-frechen.de\/?p=9620"},"modified":"2025-11-10T18:01:25","modified_gmt":"2025-11-10T17:01:25","slug":"angst-essen-seele-auf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fu-frechen.de\/?p=9620","title":{"rendered":"Angst essen Seele auf"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-drop-cap\">E<strong>S<\/strong> f\u00e4llt PolitikerInnen meistens leicht, \u00fcber die Pflichten anderer Leute zu reden und von ihnen etwas zu verlangen &#8212; so auch am 03.11.25 Jens Spahn, Fraktionschef der Unionsfraktion im Deutschen Bundestag. Nachdem Au\u00dfenminister Wadephul (CDU) pers\u00f6nlich die Zerst\u00f6rungen in Syrien in Augenschein genommen hatte, sagte er, dass er momentan die massenhafte R\u00fcckkehr geflohener Syrer nicht f\u00fcr angesagt halte, wenn er das Ausma\u00df der Zerst\u00f6rungen auch in der Infrastruktur sehe.<br>Dagegen brachte Spahn ins Spiel, es sei die &#8222;patriotische Pflicht&#8220; der syrischen Fl\u00fcchtlinge, zur\u00fcckzukehren und beim Aufbau ihrer Heimat zu helfen.<br>Da wird manch ein Kenner der Realit\u00e4t in Deutschland spontan aufgest\u00f6hnt und sich an den Kopf gefasst haben: Wie kann Spahn so reden, wenn wir die syrische \u00c4rzte, Pflege- und sonstige Fachkr\u00e4fte in diesem Land brauchen!<br>Aber geht es \u00fcberhaupt darum, den bald drohenden Kollaps unseres Gesundheitssystems zu verhindern &#8212; oder geht es nicht eher darum, kurzfristig populistisch auf Stimmenfang zu gehen und der in Umfragen starken AfD ein paar Stimmen abzujagen? <br>Was wir hier symptomatisch miterleben k\u00f6nnen, ist die absch\u00fcssige Bahn, auf die Deutschland ger\u00e4t, wenn AfD-Parolen und ihre v\u00f6lkisch-ausl\u00e4nderfeindliche Grundausrichtung bei W\u00e4hlern verfangen &#8212; und aus Angst vor Machtverlust in der Union aufgegriffen werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Ist es nicht au\u00dferdem unversch\u00e4mt, Ausl\u00e4ndern eine &#8222;patriotische Pflicht&#8220; zu diktieren, wenn das erstens ihre eigene Sache ist, und wenn zweitens keine R\u00fccksicht auf die tats\u00e4chlichen Verh\u00e4ltnisse in Syrien genommen wird? Und mir kommen da auch Zweifel, ob man bei einem durchaus nicht geeinten Syrien von einer homogenen Nation sprechen kann, f\u00fcr die sich alle Syrer selbstverst\u00e4ndlich &#8222;patriotisch&#8220; ins Zeug legen wollen oder sollen.<\/p>\n\n\n\n<p>Da liegt \u00fcberhaupt der Hase im Pfeffer: Manche PolitikerInnen hierzulande erz\u00e4hlen den Deutschen irgendwas \u00fcber Syrer oder Menschen aus anderen L\u00e4ndern, und das verf\u00e4ngt bei Vielen, weil sie uninformiert sind. So geht meist die AfD vor. Deren Vorsitzende Alice Weidel t\u00f6nte sofort nach dem Sturz Assads, jetzt k\u00f6nnten alle gefl\u00fcchteten Syrer umgehend zur\u00fcckgehen, denn es gebe keinen Fluchtgrund mehr. Dabei wusste jeder informierte Zeitgenosse, wie es in vielen Teilen Syriens aussieht. Und unser Au\u00dfenminister hat es sich vor Kurzem in Syrien live angeschaut. Da ist es v\u00f6llig nachvollziehbar, dass er eine massenhafte R\u00fcckkehr der Fl\u00fcchtlinge ausschlie\u00dft, solange nicht abzusehen ist, wie und wovon sie dort leben sollen. Das ist so klar, dass man sich fragen muss: Was soll der shitstorm gegen Wadephul aus Teilen der Union? <\/p>\n\n\n\n<p>Und da wir gerade bei diesem Thema sind: Immer noch ist der Umgang mit Afghanen besch\u00e4mend, die nach Pakistan gefl\u00fcchtet sind und eine Aufnahmezusage von Deutschland haben. Ich will mich nicht wiederholen, aber ich erinnere daran, was f\u00fcr einen schlechten Eindruck das macht, und was man international in Zukunft von Zusagen aus Deutschland halten wird &#8212; z.B. wenn wir mal wieder auf Hilfe von Ortskr\u00e4ften im Ausland angewiesen sein k\u00f6nnten. <\/p>\n\n\n\n<p>Man kann Wadephul Empathie zugute halten, oder auch Vernunft und Realismus. Jedenfalls vermisse ich derzeit in unserer Regierung z.T. diese Eigenschaften, und dar\u00fcber hinaus vermisse ich eine positive Strategie, wie man die Menschen hier von der Ablehnung populistischer Parolen \u00fcberzeugt (statt die Populisten nachzu\u00e4ffen).<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Was dieses Land dringend braucht, ist eine positive Erz\u00e4hlung vom k\u00fcnftigen Leben in einem demokratischen, toleranten Deutschland.<\/strong> <\/p>\n\n\n\n<p>Es hilft \u00fcberhaupt nicht, den Leuten Sand in die Augen zu streuen und ihnen vorzugaukeln, alle Ver\u00e4nderungen der letzten Jahrzehnte in der Welt k\u00f6nnte man zur\u00fcckdrehen oder au\u00dfen vor halten. Das glaubt sowieso kein Mensch, der bei Verstand ist. Also muss &#8222;die Politik&#8220; uns B\u00fcrgerInnen <em>positiv<\/em> darstellen, wie wir mit der Zeit gehen und dabei keine schwerwiegenden Verluste erleiden, und wie wir auch Chancen nutzen, die sich aus Ver\u00e4nderungen ergeben.<\/p>\n\n\n\n<p>Derzeit scheint eher das Prinzip &#8222;Angst essen Seele auf&#8220; zu dominieren: Aus Angst vor den Rechtspopulisten gibt Deutschland seine tolerante, menschenfreundliche Seele auf und setzt aus kurzfristigen, wahltaktischen Motiven auf Angleichung an negative Erz\u00e4hlungen von Rechts, auf Abschottung, auf politischen R\u00fcckw\u00e4rtsgang, auf fremdenfeindliche K\u00e4lte&#8230; Der Effekt ist keine Zur\u00fcckdr\u00e4ngung der AfD, weil das Angleichungsverhalten eher eine Best\u00e4tigung der AfD als eine Bek\u00e4mpfung ihrer Parolen ist. <\/p>\n\n\n\n<p>Darum noch einmal: Verk\u00fcndet endlich ein positives Bild, die Vision eines demokratischen Landes mit menschenfreundlichem Gesicht! <\/p>\n\n\n\n<p>W. R. <\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><br><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ES f\u00e4llt PolitikerInnen meistens leicht, \u00fcber die Pflichten anderer Leute zu reden und von ihnen etwas zu verlangen &#8212; so auch am 03.11.25 Jens Spahn, Fraktionschef der Unionsfraktion im Deutschen Bundestag. 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