Schlagwort-Archive: Donald Trump

Schlechte Gedanken und die Folgen

REKORD-Temperaturen in Deutschland! Am 27. Juni trifft es Sachsen-Anhalt mit 41,5 Grad, dann folgt Brandenburg. Die Hitze-Glocke hat sich nun auch zum Osten hin ausgebreitet, ohne dabei an Wärme zu verlieren.

Man könnte als gläubiger Mensch, der mit Gottes Eingreifen in der Welt rechnet, auf die Idee kommen: Der „liebe Gott“ will nun auch die vielen AfD-Anhänger und -Sympathisanten in östlichen Bundesländern erleben lassen, was Klimawandel schon jetzt bedeutet. In der AfD vertrat man ja die Ansicht, der Klimawandel sei a) nicht wahr, sondern erfunden, dann b) nicht so schlimm und nichts Besonderes in der Geschichte, schließlich c) nicht menschengemacht und erst recht nicht von Menschen beeinflussbar. sodass wir auch gar nichts dagegen tun könnten.

Für die AfD war Klimapolitik und Reduktion des CO2-Ausstoßes überflüssiger Unfug — so wie es Donald Trump immer noch in die Welt posaunt und in den USA auch durchzusetzen versucht. Das freut natürlich die Öl-Multis und lässt Partei-Spenden fließen…

Der „liebe Gott“ versucht also gerade, die Klimawandel-Ungläubigen zu einem Sinneswandel zu bekehren. Motto: Jetzt könnt Ihr erleben, wie sich das anfühlt, was Ihr nicht wahrhaben wollt. Vielleicht hilft Euch ja eine AfD-geführte Regierung (die Ihr Euch wünscht) aus der Klima-Misere. Fragt die Partei-VertreterInnen doch mal nach ihren Lösungs-Vorschlägen!

Aus der AfD kommen „Lösungs“-Vorschläge wie: Alle Flüchtlinge/Zuwanderer abschieben (darunter diejenigen, die in der Hitze noch arbeiten können), oder: Gegen den Klimawandel können wir eh nichts tun (aber ihn mit mehr CO2-Ausstoß befeuern), oder: Atomkraftwerke bauen, denn angeblich ist die ganze übrige Welt dafür (und dabei sehen wir weg, wenn z.B. Frankreich bei Hitze AKWs abschaltet, weil Kühlwasser knapp wird).

Man sieht: Solche „Lösungen“ werden Leuten angeboten, die schlecht informiert sind und einseitigen Einflüsterungen im Internet erliegen; Leuten, denen das kritische Denken so weit abhanden gekommen ist, dass sie einfache Bauch-Parolen für kluge politische Konzepte halten.

Kann sein, dass sich der „liebe Gott“ daraufhin enttäuscht von seinen Geschöpfen abwendet und grummelt: Dann lauft doch in Euer Unglück und erlebt die Folgen am eigenen Leibe! Das wäre ja nicht das erste Mal, aber wieviel Schaden braucht Ihr eigentlich noch, bis Ihr daraus lernt?

Wir brauchen nicht unbedingt an den „lieben Gott“ zu denken, wir können auch an die Klimaschäden denken, die schon auftreten und sich Prognosen zufolge noch auftürmen werden. Aber bis der Letzte begreift, dass wir alles tun müssen, um die Katastrophen wenigstens einzudämmen, wird es zu spät sein, um das Desaster noch zu stoppen.

Denn Menschen können zäh an liebgewonnenen und gewohnten Denkmustern festhalten. Beispiel: Im Fersehen sprach kürzlich jemand mit einer Frau in den USA, die jahrelang fest in der MAGA-Bewegung von Trump stand und z.B. die Berichte über Schul-Massaker in den letzten Jahren für Fake-News hielt: Diese Amokläufe in Schulen sind erfunden, glaubte sie früher — weil das in der MAGA-Blase so kommuniziert wurde, und weil Trump die seriösen Medien immer wieder beschimpfte und beleidigte (so wie alle, die ihn öffentlich kritisierten ).

Denn eins ist auch klar: In den rechtspopulistischen und rechtsradikalen Kreisen spielen Fakten eine geringe Rolle, hier werden eher Gefühle erzeugt und gepuscht, mit denen man Menschen steuern kann. Da werden oft auch falsche Dinge einfach behauptet, um Gefühle zu mobilisieren: nur die Wirkung zählt.

Der „liebe Gott“ kennt seine Pappenheimer und macht sich nichts vor: Einige lernen nur auf die harte Tour…

In puncto Rekord-Temperaturen braucht ER sich gar nicht weiter zu bemühen. Die Wissenschaft erklärt uns schon seit Jahren: Wenn sich die Klimaveränderungen weiter aufschaukeln, werden bald Kipp-Punkte überschritten, dann gibt es kein Aufhalten und kein Zurückfahren mehr. Ach was, sagen die Klimaleugner, dann erklären wir einfach die Wissenschaft zu Fake-News. Vor längerer Zeit sagte z.B. J.D.Vance in einer Rede: „The professor is the enemy.“

Und „der liebe Gott“ schüttelt bekümmert sein Haupt und hat ein Déja-Vu: So haben sie schon im Mittelalter die Wahrheit bekämpft. Bis mehr Leute begriffen, dass ihnen Verstand gegeben wurde — und einige Mut fassten, ihn auch selbstständig zu benutzen. So konnte es zur Amerikanischen Revolution 1776 und zur Französischen 1789 kommen. Beide proklamierten eine Erklärung der Menschenrechte.

Das waren wichtige Schritte in der Menschheitsgeschichte. Nationalismus und Rassismus fallen aber zurück hinter diese fortschrittlichen Errungenschaften, weil sie Menschen in verschiedene Wertkategorien einteilen wollen. Und sie wollen uns weismachen, dass diese Einstellungen keine Folgen für die Behandlung von Menschen hätte. Doch viele Erfahrungen aus der Geschichte zeigen das Gegenteil: Der Fisch stinkt vom Kopf, und schlechte Gedanken führen oft zu schlechten Taten.

W. R.

On Top zu allem Anderen

UNSERE Wetterberichte melden Temperaturen, wie sie bei uns noch nie im Juni gemessen wurden. Schon länger wird gewarnt, dass unsere Städte beim zunehmenden Klimawandel zu Hitze-Inseln und Brutöfen werden können.

Aber aus unserer Regierung hört man keine Signale, die erkennen ließen, dass man dort die kommenden Probleme im Blick hätte und gegensteuern wollte. Gewiss, seit die beiden Regierungsparteien (mit Unterbrechungen) in Koalitionen die Bundesregierung stellen, wurden so viele Dinge auf die lange Bank geschoben, dass ihnen nun quasi ein Riesenbatzen Probleme auf die Füße gefallen ist.

Ist das vergossene Milch? Ja und Nein: Natürlich muss man nach vorn blicken, aber aus der Vergangenheit lässt sich manche Lehre ziehen. Wir hatten vor ca. einem Jahrzehnt einen Finanzminister, der ständig die Schwarze Null im Bundeshaushalt beschwor und keine neuen Schulden machen wollte. Zeitgleich folgten immer mehr Finanzminister in Bund und Ländern einer vermeintlich genialen Idee: Langfristige Investitionen, die nicht für die nächste Wahl mehr Wählerstimmen bringen, wurden erstmal zurückgestellt, und damit wurde z.B. die Infrastruktur nicht im eigentlich nötigen Maße gewartet, repariert oder erneuert.

Das hieß beispielsweise für etliche Brücken: Trotz zunehmender Belastung durch immer mehr Schwerlastverkehr wurde erst einmal auf Verschleiß gefahren in der Hoffnung, dass die Brücken noch ein paar Jahre durchhalten würden — obwohl sie für solche Belastungen nicht gebaut waren (Denn vor 50-60 Jahren rollte weniger Warenverkehr in weniger schweren Lkw über die Straßen). Parallel dazu wurde die Schiene gegenüber der Straße benachteiligt, sodass wir heute großen Sanierungsbedarf im Schienenverkehr haben. Das wäre, verkürzt gesagt, die Misere, die wir aus der Vergangenheit mitschleppen. Vom Bildungsbereich wollen wir gar nicht erst reden.

Nun ächzen wir aktuell unter ungewohnt hohen Temperaturen, und wir erleben dabei nichts Überraschendes, sofern wir zugehört haben, als Wissenschaftler schon vor langer Zeit warnten. Aber zuviele Nebelkerzen wurden von vielen PolitikerInnen weltweit gezündet, die uns einreden wollten, das Klima ändere sich nicht entscheidend, und alle Zeichen des Wandels seien doch nur normale Wetterausschläge, die es immer schon gegeben habe. So redeten alle, die am Weiter-so-wie-bisher gut verdienten, zumindest aber die Augen vor Veränderungen verschließen und keine Gefahr sehen wollten.

Wir erinnern uns noch, dass ein Donald Trump den Klimawandel als „eine Erfindung der Chinesen“ abtat und statt der Sorge um die Zukunft der Menschheit lieber die Parole „America First“ ausrief. (Übrigens war das nicht originell, denn so hatte auch einige Jahre zuvor schon George W. Bush jr. getönt.) Bush jr. war ein entschiedener Vertreter der fossilen Energieträger (Kohle, Gas und vor allem Öl), und Trump folgte in seinen Fußstapfen.

Zu den Nebelkerzen gehört auch der Versuch, uns die Atomenergie wieder schmackhaft zu machen. Auch da wird die Sorge um die Zukunft (Strahlengefahr, Endlager für Atommüll) beiseite gewischt, angeblich reichen Erneuerbare Energien (Sonne, Wind, Wasser) nicht, um einen stetig steigenden Energiebedarf zu decken. Atomenergie ist außerdem die teuerste Form der Energiegewinnung. Da hilft auch die harmloser klingende Bezeichnung „Kernenergie“ nicht.

Der Kern der Misere ist: Trotz vollmundiger Zusagen und Versprechen im Pariser Klima-Abkommen haben viele Staaten ihre Klimaziele nicht erreicht. Das gemeinsame Ziel war: Die globale Erwärmung darf die Grenze von 1.5 Grad Celsius nicht überschreiten. Dann hätten wir die Chance, die weltweit drohenden Folgen zu vermeiden bzw. zu verlangsamen.

Doch seit einiger Zeit hören wir: Das 1,5-Grad-Ziel ist nicht zu halten, die globale Erwärmung überschreitet diese Grenze. Und dabei ist Europa fatalerweise auch noch der Kontinent, der sich stärker erwärmt als andere!

Statt die weltweite, übernationale Zusammenarbeit zu stärken und im Dienste der gesamten Menschheit an einem Strang zu ziehen, scheren ausgerechnet die USA unter Trump aus und propagieren nationalen Egoismus. Die von Trump vertretene Politik ist zu dumm, um zu verstehen, dass die USA die Klimakrise weder ignorieren noch allein bewältigen kann. Aber das ist nicht neu: Schon lange gab es in den USA Stimmen, die die Vereinten Nationen (UN) als nutzlos und für die USA schädlich ablehnten. Die Trump-Regierung entzieht Organisationen Gelder, die Hilfsprojekte in armen Ländern betreiben oder unterstützen, die den Hunger in Krisengebieten bekämpfen, etc.

Wer moralisieren will, sieht Trumps jüngste Blamage im Krieg gegen den Iran als eine Strafe für überheblichen Egoismus. Aber es gibt wenig Anlass zur Schadenfreude, da wir alle in Mitleidenschaft gezogen werden. Was da an Geld verpulvert wurde und wird, hätte anderswo sinnvoll eingesetzt werden können. (Wer möchte, kann so auch rückblickend den Irak-Krieg von Bush jr. von 2003 bewerten.)

Apropos Dummheit: Als vor wenigen Jahren ein deutscher Wetter-Moderator ein paar Mal im Wetterbericht auf Auswirkungen des Klimawandels verwies, erhielt er wüste Beschimpfungen und sogar anonyme Morddrohungen. Da muss man sich schon Sorgen machen um die Denkfähigkeit einiger ZeitgenossInnen und ihren moralischen Kompass. Auch da hat ein gewisser D. Trump Grenzen von Moral und Anstand eingerissen und ein schlechtes Vorbild gesetzt.

Übrigens: Wissenschaftlich erwiesene Tatsachen leugnen und Lügen verbreiten ist zwar ein Markenzeichen von Trump geworden, aber auch da hat Bush jr. schon Vorarbeit geleistet, indem er Fakten verdrehte (um den Klimawandel zu leugnen) und Falschbehauptungen in die Welt setzte (um seinen Krieg gegen den Irak zu begründen).

Es sieht also danach aus, dass sowohl Präsident Bush jr. als auch Trump in der Linie einer Politik stehen, die wesentlich von Öl-Milliardären vorgegeben und finanziert wurde und im „Project 2025“ der Heritage Foundation für Trump ausformuliert wurde.

Um zum vorläufigen Schluss zu kommen: Wir müssen offenbar nicht nur noch mehr Hitzetage ertragen, sondern auch die fast täglichen Ausfälle und Show-Einlagen des gegenwärtigen US-Präsidenten — on top zu all den anderen Problemen.

W. R.

Mehr zum 1,5-Grad-Ziel: Das 1,5-Grad-Ziel nach dem Übereinkommen von Paris | Umweltbundesamt

Konkret in Köln: das Thema Hitze ist auch hier relevant, siehe den Blog-Beitrag Köln-Notizen Sept. 2025

Expertenrunde

IN meiner Stammkneipe war der Tresen-Stammtisch zur Hochform aufgelaufen und versuchte sich als eine Runde von Experten der Weltpolitik und militärischen Lagebeurteilung:

„Ich sag’s ja schon lange: Putins Macht und seine Stärke im Kriege gegen die Ukraine werden bei uns überschätzt. Das müssen inzwischen auch fast Alle erkennen. Beispiel: Putin musste Trump bitten, eine Waffenruhe um den 9. Mai zu vermitteln, damit er seine jährliche Militärparade auf dem Roten Platz in Moskau abhalten konnte. Und trotzdem war die Angst vor ukrainischen Angriffen so groß, dass nur eine relativ kleine Parade ohne militärisches Großgerät stattfand — und fast ohne ausländische Staatsgäste. Das spricht Bände! Und getoppt wurde das noch kurz darauf von einem ukrainischen Vergeltungsangriff auf Moskau mit einer großen Zahl Drohnen — wie wir es sonst nur von russischen Angriffen auf ukrainische Städte hörten. Außerdem reichen ukrainische Drohnen immer weiter nach Russland hinein und zerstören Ölanlagen bei St. Petersburg oder am Ural, wo man sich vor einiger Zeit noch sicher fühlte.“ –
„Ja stimmt! Als Kanzler Scholz der Ukraine den Taurus verweigerte, den dann auch Kanzler Merz nicht lieferte, da meinte man noch, ohne solche weitreichende Waffen könnte die Ukraine gegen Russland nicht wirklich gegenhalten. Man glaubte weithin sogar, die Zeit arbeite für Putin. Wenn ich das Lagebild jetzt sehe, bin ich nicht sicher, ob die Zeit nicht mindestens genauso gegen Russland arbeitet. Putin muss doch erkennen, dass er zu lange gewartet hat, dass er das Zeitfenster nicht genutzt hat, in dem er einen Frieden mit Absicherung seiner Eroberungen hätte haben können. Nein, Putin wollte mehr, er beharrte auf seinen Maximalforderungen. Das wird wohl immer unrealistischer.“ – „Wenn China ihn nicht weiter stark unterstützt, geht es mit Russlands Wirtschaft wie mit seiner militärischen Macht bergab. Und seine Abhängigkeit von China wächst. Nicht Putin, Chi ist global der starke Machthaber neben Trump. Das sieht doch allmählich jeder Blinde.“ –
„Genau! Und Trump hat langfristig auf’s falsche Pferd gesetzt. Seine Anbiederung an Putin hat nur Putin genutzt. Seine Militär-Aktionen gegen Iran sind ein Fiasko für die Weltwirtschaft und militärisch wenig zielführend.“ –
„Was heißt hier zielführend? Welches Ziel denn? Er hatte keinen vernünftigen Plan, vor allem keinen Plan B. Er hat zu sehr auf Netanjahu gehört …“
“ … und sich für den großen Zampano gehalten nach dem gelungenen Coup gegen Maduro.“ –
„Und dann rief er der protestierenden Iranern, die das Regime niedermetzelte, noch zu: „Help is under way!“ Von wegen! Trump hat wohl gehofft, ein Aufstand im Iran würde IHM helfen, das Regime zu kippen.“ –
„Ja, aber zu seiner Verblüffung, vermute ich, haben die Enthauptungsschläge gegen die Führer das Regime nicht aus den Füßen gekippt. –
Stattdessen haben die Golfstaaten zu spüren gekriegt, dass der Iran noch Pfeile im Köcher hatte. Die baden den Schlamassel jetzt aus, an vorderster Front.“ –
„Überhaupt sorgt Trump dafür, dass Zweifel wachsen an den USA als Bündnispartner. Ich fürchte, Trump kapiert gar nicht, dass er die Stellung der USA als Weltmacht schwächt, zur Freude vor allem von China.“ –
„Die Ukraine kann heilfroh sein, dass sie so große Fortschritte in der Drohnentechnik und -produktion gemacht hat. Sie konnte sogar den Golfstaaten Hilfe anbieten, und sie ist mittlerweile gefragter Partner für die Rüstungsindustrie mehrerer Staaten.“ –
„Ja, aus der Sicht der Militärs geht doch nichts über direkte Kampferfahrung. Für die Entwickler von Panzern oder anderem Kriegsgerät ist das äußerst wertvoll, da können sie ihr Zeug unter realen Bedingungen testen und verbessern. — Hey, und wir haben gerade ein Nachschubproblem: Jupp, Komm herbei, lass die Luft aus unseren Gläsern und füll was Goldenes nach! Nicht Kerosin, das wird eher knapp, hört man, danke dafür, Trump, nein, goldenes Kölsch mit weißer Krone! Und da kommt der Nachschub schon, auf Jupp ist Verlass … “ —

aufgezeichnet von W. R.

Donald der Große

NORMALE Politik, politisches Handwerk mit Augenmaß? Das ist nichts für den Überflieger Donald Trump. Der macht Politik mit immer neuen Provokationen und hält sich so ständig in den Meldungen der Medien. Wenn schon nicht Godfather persönlich, dann präsentiert er sich als gottgleich neben Jesus, zumindest als von Gott inspiriert. Darunter geht es bei Trump einfach nicht. The show must go on.

Hauptsache: Alle reden über ihn (und nicht über den Misserfolg seines Iran-Krieges oder über seine Epstein-Verbindungen). Diese Methode zielt vor allem darauf ab, dass ein Klops und Missgriff umgehend durch den nächsten in den Schatten gestellt wird, sodass seine Kritiker hinterherhechelnd in Atemnot geraten und nicht mehr nachkommen, schon gar nicht mit möglichen Klagen vor Gericht.

Es kann aber sein, dass er dabei auch bei seinen treuen Anhängern überzieht und Grenzen überschreitet. Viele US-AmerikanerInnen verstehen nämlich keinen Spaß, wenn es um Religion geht. Niemand weiß daher im Voraus, ob seine KI-Bild-Posts ihm bzw. den Republikanern bei den Midterm-Wahlen schaden werden oder nicht. Man sollte nicht zu fest damit rechnen. Manche meinen sogar, dass ihn die Wahlen gar nicht mehr interessieren.
Sollte Trump durch seinen Vize Vance abgelöst werden, wird das wenig bessern: Vance erreichte nichts Vorzeigbares in den Verhandlungen mit dem Iran in Islamabad, er scheiterte auch mit seiner Unterstützung Orbans im Wahlkampf in Ungarn. Es ist also fraglich, ob Vance als Wahlkampflokomotive für die Republikaner taugen würde.

Fakt ist, dass Trump mit dem Iran-Krieg vom April/Mai Schaden angerichtet hat, statt Verbesserungen der Lage im Vergleich zu der vor dem Krieg zu erreichen. Sarkastisch könnte man sogar sagen: „Make Iran great again“ war die Folge von Trumps undedarftem politischen Handeln. Doch er fühlt sich als Überflieger, Fehler machen nur die Anderen. Und die Kritiker sind aus seiner Sicht nur doof und/oder böswillig.

Denn ein Donald Trump steht längst über allen Sterblichen, er baut am Ruhm in den Geschichtsbüchern, vergleicht sich mit den großen Namen der Weltgeschichte. Das ist mehr als nur ein steinerner Kopf neben anderen Präsidenten am Mount Rushmore. Ein Trump plant ein glorioses Weißes Haus und einen Triumphbogen in Washington D.C., will bald als Donald der Große historischen Ewigkeitswert erlangen. Von seinen Mitmenschen erwartet er nur eins: Bewunderung und Huldigung.

Da haben sich die USA was eingebrockt! Und die ganze Welt wird in Mitleidenschaft gezogen, allein schon durch Trumps dilettantische Art, in die Weltwirtschaft einzugreifen. Seine Zollwut z.B. gegen China hat beiden Seiten geschadet, was vorhersehbar war. Aber auch Vieles Andere, man braucht lange, um alles aufzuzählen.

Und wem verdanken wir das? In erster Linie den Leuten, die seine Neigung zum Cäsarenwahn frühzeitig erkannten, aber nichts oder zuwenig unternahmen, um ihn von der Macht fernzuhalten. In zweiter Linie den vielen Opportunisten in der Partei der Republikaner, die sich von seinem Populismus und seinem Showtalent eine Sicherung ihrer Macht und ihrer Pfründe versprachen und dabei seine toxischen Wirkungen auf die Politik in Kauf nahmen. So nahm das Unheil seinen Lauf…

Es wäre zu einseitig gedacht, wollte man Trumps Präsidentschaft nach dem Prinzip „Männer machen Geschichte“ erklären (Das wäre 19.-Jahrhundert-Denke). Denn die US-Politik war immer vom großen Geld dominiert, niemand konnte z.B. ohne die Unterstützung reicher Spender seinen Wahlkampf finanzieren. Donald Trump wurde von der einflussreichen Heritage Foundation gesponsert und für seine zweite Amtszeit mit einem Aktionsprogramm ins Weiße Haus geschickt, das er dann auch mit hoher Geschwindigkeit durchzog („Project 2025“). Es sind Öl-Magnaten und Milliardäre, die die Heritage Foundation als konservativen Thinktank aufbauten und Trump ihr Regierungsprogramm in die Jackentasche steckten. Dazu gehören z.B. das Festhalten an fossilen Energien (Trump: „Drill, baby,drill!“) und das Leugnen des von Menschen beschleunigten Klimawandels, die Abkehr von multilateralen Vereinbarungen, eine gegen Europa und besonders Deutschland gerichtete Wirtschaftspolitik, usw. — eben die Punkte, die bekanntlich Trump umsetzt.

Kurzum, wenn aus Trump bald „Donald der Große“ wird, dann haben Viele daran mitgewirkt und einige Superreiche ihm den Steigbügel gehalten, damit er auf das hohe Ross steigen konnte, von dem er nun auf Alle herabblickt, und auf dem er in einen goldenen Sonnenuntergang der Unsterblichkeit reiten will — als einer der ganz, ganz Großen der Weltgeschichte (bzw. in seiner Sicht als ein Supermann wie die Helden der Marvel-Comics).

Das hat für sehr viele Menschen einen gravierenden Nachteil: Diese „Großen“, mit denen Trump sich vergleichen möchte, sind Figuren der Weltgeschichte, denen das Leben von ein paar zehn- oder hunderttausenden Menschen ziemlich egal war, während sie ihre Ziele verfolgten.

An den Zielvorstellungen eines Putin, der ein Großer der russischen Geschichte sein möchte und ein neues Großrussisches Reich errichten will, sieht man das Ausmaß der Menschenverachtung, die mit solchen Wunschvorstellungen verbunden ist (weil sie ohne Gewalt und Krieg nicht zu realisieren sind). Und ausgerechnet mit Putin wünscht Trump sich eine kumpelhafte Partnerschaft.

W. R.

P.S.: Die Konservativen in den USA bewundern als Figuren der Weltgeschichte Alexander den Großen, Cäsar, Napoleon, und sehen das antike römische Reich als vorbildlich. Na, zu Alexander gibt es hier auf fu-frechen.de/Literatur Näheres (und nicht nur Positives!) von Matthias Schulz zu lesen.

Trump scheint das Zeug zu haben, als ein neuer Caligula in die Geschichte einzugehen. Wir erinnern uns: Caligula war ein römischer Kaiser, der sein Lieblingspferd zum Senator machen wollte (Weiteres schlagen Sie im Geschichtsbuch nach).

— Ergänzt am 9. Mai, dem National Day of Reason in den USA —

P.P.S.: Am 12. Mai erschien ein Interview mit dem Schriftsteller Alhierd Bacharevic im Kölner Stadt-Anzeiger, S. 18. Daraus zitieren wir hier einen Ausschnitt:

Noch eine Ergänzung: Dank des Geschäftsmodells der von US-Tech-Giganten beherrschten social media werden Extremismus und Radikalisierung gefördert, die Algorithmen treiben vor allem männliche junge Leute zuhauf in die Arme von Rechtsextremen, Islamisten, Verschwörungsfantasten und anderen Akteuren, die mangelnde politische Bildung ausnutzen und (vor allem männliche) Gewaltfantasien schüren. Immer mehr wird deutlich, dass auch durch viele Beiträge in TikTok &Co. die Demokratie in westlichen Ländern untergraben wird. Es gibt da kein Erkenntnisproblem mehr, aber immer noch ein Handlungsproblem. Wenn Regierungen, Behörden und viele andere sich von den großen US-IT-Unternehmen abhängig machen, können sie natürlich schlecht gegen sie vorgehen.

Ich nehme hier diese in Abhängigkeit Geratenen in Schutz: Sie sind nicht doof oder blind, sie haben aber in der Vergangenheit darauf vertraut, dass sich die Globalisierung in Wirtschaft und Internet (und damit auch eine zunehmende Verflechtung) positiv auf die internationalen Beziehungen und die Zusammenarbeit auswirken würde. Die Meisten konnten sich nicht vorstellen, dass disruptive Kräfte plötzlich wieder nationalen Egoismus in den Vordergrund rücken und Abhängigkeiten aggressiv für Dominanz und Kontrolle einsetzen könnten.

Aber genau das passiert, indem ein Präsident Trump internationale Abmachungen und Gepflogenheiten gering schätzt und lieber in zweiseitigen Verhandlungen als der mächtigere Partner „Deals“ erzwingt. Dabei setzt er bedenkenlos alle Druckmittel ein, die sich aus Abhängigkeiten ziehen lassen.

Man denke nur ans Stichwort „Grönland“, und schon weiß Jede/r Informierte, wovon die Rede ist, und wie gefährlich die von Trump verfolgten Expansionswünsche sind. Um nicht zu sagen: wie gefährlich ein Präsident Trump überhaupt für den Weltfrieden und die Weltwirtschaft ist, und nicht zuletzt für das Weltklima und die Artenvielfalt… —

Sagen, was man davon hält

UM nicht nur auf dieser Website www.fu-frechen.de Tacheles zu reden, sondern auch hin und wieder zusätzlich direkt politische Instanzen zu adressieren, schrieb W. R. wieder eine Mail.
Wie schon einmal zuvor, ging diese Wortmeldung an die CDU-Zeitrale in Berlin (Konrad-Adenauer-Haus). Sie ist eine Reaktion auf die fortgesetzte Attacke der derzeitigen Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) auf Errungenschaften der Energiewende. Die Mail richtet sich aber nicht an das Wirtschaftsministerium, sondern an die derzeitige Regierungspartei CDU.
Die Mail im Original-Wortlaut:

(Betreff:) Energiepolitik 8.4.2026, 21:08
An kah@cdu.de
Guten Tag,
es liegt selbst für die Doofen auf der Hand: Öl und Gas sind Auslaufmodelle der Energieversorgung. Wir haben damit Probleme, wir kriegen damit noch mehr Ärger. Und dennoch: Selbst Trumps jüngste Kriegseskapaden stimmen unsere Wirtschaftsministerin und ihre Regierung nicht um. Stur und verbissen wird an der Umsteuerung weg von Regenerativen gearbeitet, unbelehrbar wird für die Rückabwicklung grüner Politik gekämpft. Alles, was Grün oder Links ist oder so erscheint, wird als „ideologisch“ beschimpft, besonders oft aus der CSU-Spitze. Dabei sieht die Union selbst verteufelt ideologisch aus mit ihrer versessen-antigrünen Haltung. —
Worum geht es eigentlich? Ums Land? Ums Klima? Um die Partei? Nö. Es geht um die Geschäfte von EON & Co. und aller damit verbandelten Personen und Gruppen, nichts Anderes. Ein schändliches Bild!
Wolfgang Reinert, Köln

Geschäftsmodell: Leute verblöden

WENN die Union so weitermacht, muss sie bald mit den Grünen und den Linken koalieren, um nicht mit der AfD zusammen zu gehen. Wenn sie aber mit der AfD koaliert, ist das der Untergang der Union. Wie im Februar 1933. Da haben sich die Konservativen Illusionen gemacht, sie könnten Hitler und seine Partei in einer Koalition „an die Wand drücken, bis er quietscht.“ Später wussten alle: Das war ein schwerer Irrtum.
Ja, ein Blick in die Geschichte lehrt so Einiges. Die Feinde der Demokratie tönten damals: Deutschland sei (durch den Versailler Vertrag) zu Unrecht gedemütigt, und man müsse die nationale Größe wieder aufrichten und die Schmach von Versailles tilgen. Einige träumten dabei nicht nur von der Rückkehr verlorener Gebiete „heim ins Reich“, sondern sogar von der Wiedererlangung verlorener Kolonien.
Ein bekanntes Schema: Ich erkläre die Nation als gedemütigt, geknechtet, zu Unrecht kleingemacht, damit ich mich als Retter und Messias aufblasen kann, der die Nation wieder groß macht. Dazu fasele ich noch von der ruhmreichen Geschichte der Nation, an der man sich orientieren sollte. Das ist ein Kern der Propaganda von Putin, aber auch von Trump („Make America great again“). Die AfD möchte das kopieren und behauptet, in Deutschland sei alles schlecht — und die AfD werde es wieder … ja was denn, vermasseln, so wie Adolf? Im Ernst: Sollen wir unsere Wirtschaft vollends ruinieren durch Austritt aus der EU, durch Stopp der Zuwanderung, ja sogar durch „Remigration“? Woher sollen denn nach Ansicht der AfD die fehlenden Fachkräfte in Industrie, Handwerk, Gastronomie, Kranken- und Altenpflege usw. kommen? Wie blöd muss man eigentlich sein, um als Arbeiter, Angestellter oder Rentner diese (würg!) AfD zu wählen? Und welcher Unternehmer will auf die Vorteile des EU-Binnenmarktes verzichten?

Ich kann mich des Verdachts nicht erwehren: Wenn so viele junge Leute, besoffen von social-media-clips, dieser Unglücks-Partei ihre Stimme geben, dann zeigt das die verheerende, ja verblödende Wirkung der social media.
Ein Prozess in Kalifornien hat gerade gezeigt, dass Algorithmen auf bekannten social-media-Kanälen süchtig machen. Das heißt: Sucht steuert die User, sie verhindert das Einschalten des Hirns, sie lähmt den Willen selbst zu entscheiden, was man sehen und hören will und was nicht.
Das ist prinzipiell schlecht, es macht die User zu hilflos weiterscrollenden Puppen der Profitsteigerung. Denn es ist ein Geschäftsmodell, das müssten inzwischen auch die Dummen schon mal gehört haben. Und wo Profit gemacht wird, da fehlt natürlich die Motivation, sich zurückzunehmen. Eher im Gegenteil: Die Tech-Giganten verfeinern weiter die Methoden der Manipulation und Gehirnwäsche.
Die Tech-Milliardäre werden damit von stinkreich zu superreich, und die daddelnden, scrollenden, wischenden Handy-Abhängigen sind ihre besten Kunden, diese fetten, zappelnden Fische werden sie nicht freiwillig von der Angel lassen. Mehr zum Urteil: Strafen für Meta und Google: Schadensersatz wegen Social-Media-Sucht | tagesschau.de

W. R.

Ohne Plan

Natürlich, ich konnte es mir denken, der Tresen-Stammtisch in meiner Stammkneipe hatte mal wieder die Weltlage im Blick:
„Oha! Trump ist enttäuscht von der Nato. Weil sie ihm nicht mit Militär beispringt, um die Sperrung der Straße von Hormus durch den Iran aufzuheben. Sowas aber auch! Die Nato war für Trump immer ein lästiger Klotz am Bein, die USA wollten allein stark genug sein, um alle Probleme in der Welt zu lösen.“
„Ja, jetzt weiß er nicht mehr weiter mit dem Krieg gegen den Iran, da sollen plötzlich Andere helfen, die er sonst gern vor’s Schienbein tritt.“
„Nun stößt er nebulöse Drohungen aus, was ja eine seiner Spezialitäten ist. Ich will schon gar nicht mehr hinhören, wenn er in den Nachrichten zitiert wird.“
„Und bald redet er noch mehr Unsinn, weil er geistig abbaut. Sagen jedenfalls einige Mediziner, die ihn scharf beobachten.“
„Ach, der redet doch sowieso nicht wie ein Staatsmann, er ist im Dauerwahlkampf und wendet sich in einfacher Sprache an seine Stammwähler. Die sollen ihm applaudieren. Und dazu möglichst noch ausländische Pollitiker.“
„Genau! Früher hätte man gesagt: Als Politiker ist er unmöglich, den wählen doch höchstens ein paar primitive Haudraufs ohne Bildung.“
„Er gibt sich auch gar keine Mühe, sowas wie staatsmännisches Format zu zeigen. Goldene Vorhänge im Oval Office reichen, meint er, damit alle sehen, wie bedeutend er ist.“
„Und wie er über Kuba redet! Das Land ist am Ende, ich kann damit machen, was ich will. Ich würde ihm am liebsten direkt eine reinhauen, dem Widerling!“
„Also bitte, jetzt komm mal runter! Gewalt ist keine Lösung, auch wenn Trump und seine Kumpane das meinen.“
„Gewalt ist keine Lösung, ja, aber es gibt Ausnahmen. Oder wie willste die verrohten Russen in der Ukraine stoppen? Hä?“
„Ja, schon, da ist Gewalt von Vorneherein programmiert.“
„Die armen jungen Russen, sie tun mir schon leid! Erst werden sie in der Armee erbarmungslos geschleift und wie Vieh behandelt, um dann an der Front verheizt zu werden. Kein Wunder, dass Putin die Soldaten ausgehen.“
„Eben! Bei uns hieß es immer, der Ukraine gehen die Soldaten aus, Russland ist so riesig, die haben viel mehr…“
„… arme Schlucker, die mit Geld in die Armee geködert werden. Aber das scheint auch nicht mehr richtig zu funktionieren. Oder warum mussten über zehntausend Nordkoreaner als Kanonenfutter geholt werden?“

„Aber Trump hilft ihm aus der Patsche, jetzt mit Lockerung der Sanktionen gegen russische Ölausfuhren. Und warum? Aus Angst vor den Wählern in den USA, die sich über steigende Benzinpreise beschweren.“

„Trump hat so Manches mit seinem Idol Putin gemeinsam, z.B. einen Krieg anfangen ohne Plan.“

„Ohne Plan stehen noch ein paar Andere da, z.B. unsere Bundesregierung. Besessen von der Rückabwicklung grüner Politik, rufen sie die Rückkehr zu mehr Verbrennung von Öl und Gas aus, und Rumms, gibt’s auf dem Weltmarkt einen Preisschock, und Deutschland steht dumm da, weil es sich gerade wieder abhängiger macht von fossilen Energien. Wie bescheuert ist das denn!“

„Eben! Wir sind nicht die USA, die auch Öl und Gas exportieren. Wir sollten mehr erneuerbare Energien nutzen und unser Geld vor allem in die Bildung unserer Kinder und Heranwachsenden stecken. Das würde unserem Land nutzen…“

„… und unsere Zukunftsaussichten verbessern, genau! Aber da passiert zu wenig, ich würde sagen: wider besseres Wissen. Lieber schielt man zurück in eine überholte Vergangenheit, allen voran die AfD. Ach hör mir auf, mir wird gleich schlecht. Da hilft nur eins: Jupp, noch ne Runde von diesem goldenen Getränk!“ —

Welt der Kriege

Hurra! Es gibt Menschen, die Krieg bejubeln und glauben, dieses großartige Spektakel sei eine Manifestation von Macht und Kraft, Männlichkeit und Herrlichkeit.

Und es gibt Menschen, die Krieg als Machtmittel grundsätzlich geächtet sehen wollen — und auf keinen Fall mitwirken wollen an Zerstörung, Mord, Vergewaltigung, Verstümmelung, Traumatisierung, an all dem Leid, das ein Krieg einer großen Zahl von Menschen zufügt.

Trotzdem Hurra? Das kann nicht euer Ernst sein, ihr Waffenfetischisten, Männlichkeitsfantasten, Empathielosen, gewaltaffinen Haudraufs! Spätestens wenn in einer gewalttätigen Auseinandersetzung ihr selbst und eure nächsten Angehörigen zu Schaden kommen, dann — schreit ihr auch noch nach Rache und Vergeltung, nach noch mehr Gewalt und Grausamkeit. Unbelehrbar haltet ihr nach wie vor Gewalt für die erste Wahl, wenn es Probleme gibt. Warum? Weil ihr gar nicht in der Lage seid, etwas Anderes zu denken, geschweige denn zu versuchen.

Warum ist das so? Weil ihr nie gelernt habt, mit Menschen anders als mit Imponiergehabe, Drohungen und Einsatz von Gewalt zu kommunizieren. Weil ihr nicht fähig seid, ein Gespräch auf Augenhöhe und eine friedliche Verständigung trotz unterschiedlicher Sichtweisen herbeizuführen. Weil ihr für Schwäche haltet, was ohne toxisches Männlichkeitsgehabe auskommt — auch wenn dabei gute Verhandlungsergebnisse erreicht werden.

Nicht nur in der gegenwärtigen Weltlage zeigt sich, wie schnell Konflikte eskalieren können und die Haudraufs das Geschehen anheizen. Im Nahen und Mittleren Osten konnte man das schon seit Jahrzehnten beobachten. Gewaltbereite Regime gibt es aber auch in anderen Regionen. Sie können immer Unterstützer mobilisieren, die Gewalttätigkeit und Männlichkeit in eins setzen und das herrlich finden.

Diese toxische Mentalität wird in unserem Lande von einigen rechtslastigen Politikern verbreitet (z.B. von Herrn Krah, der für die AfD im Bundestag sitzt), um nicht nur mit dem Finger auf fremde Länder zu zeigen. Oder was denkt Ihr, sollen wir uns vorstellen, wenn führende AfD-PolitikerInnen laut von „Remigration“ faseln? Wir haben gesehen, was der gegenwärtige US-Präsident mit Gewalt anstellt, um sein Wahlkampfversprechen umzusetzen. Er und seine Spießgesellen unterstützen die AfD und andere rechtslastige Parteien und Gruppierungen in Europa. Ebenso wie Putin will auch Trump ein schwaches, am liebsten ein von rechtsgerichteten Nationalisten beherrschtes (und zugleich zersplittertes) Europa.

Nach Putin hat nun auch Trump die militärische Drohung und Gewaltanwendung gegen andere Länder als Mittel entdeckt, das schnelle Erfolge verspricht (so glaubt Trump offenbar). Kritik aus demokratisch regierten Ländern passt ihm gar nicht, da schlägt er mit Zöllen zurück (seinem bisherigen Lieblingsspielzeug). Die Risiken und Nebenwirkungen seiner Zollwut erkennt er — wenn überhaupt — erst später. Ebenso läuft er zur Hochform als oberster Kriegsherr auf und bedenkt nicht, dass Krieg nicht immer nach Plan läuft (frag deinen Buddy Putin!) und man besser einen Plan B in der Schublade vorhält.

Putin mit seiner Kraftmeier-Show (wir erinnern uns an Fotos von einem muskulösen Reiter und Sportler) ist das Musterbeispiel für die oben angeführte toxische Männlichkeit. Da ist nicht nur Gewaltbereitschaft, da ist kalte Entschlossenheit, ohne Skrupel selbst die perfidesten Mittel einzusetzen, um Macht zu sichern und Widerstand auszuschalten — im Inneren des Landes wie nach außen. Und Krieg ist für Putin etwas Normales, ebenso Folter und Mord.

Wollen wir so etwas als „normal“ hinnehmen? Wollen wir Verständigung und friedlichen Austausch zwischen Völkern wie zwischen Gruppen mit unterschiedlichen Meinungen als schwach und „weiblich“ geringschätzen?

Morgen, am 8. März, ist Weltfrauentag. Da sollten etliche Männer mal ihren angeblich überlegenen Verstand einschalten und ihr Verständnis von „Männlichkeit“ einer Überprüfung unterziehen. Dabei könnten sie überlegen, warum sie ihre angeblich „weiblichen“ Gefühle eher unterdrücken — aus Angst, nicht als „männlich“ zu gelten. Männer haben Angst? Kann doch gar nicht sein — oder doch? Also, überlegt mal ernsthaft und in Ruhe. Vielleicht tut Ihr Euch selbst damit einen großen Gefallen: wenn der Macho-Krampf sich löst und ihr zu Euch selbst findet.

W. R.

Nachtrag am 15.03.2026: Über Person und Charakter des Chaoten Donald Trump muss man an dieser Stelle nicht erneut Worte verlieren. Zu erwähnen ist vielleicht, dass es eine Tragödie für die Welt ist, dass diese und andere unheilbringende Figuren nicht gestoppt oder im äußersten Fall aus dem Verkehr gezogen werden. Der derzeit laufende Krieg gegen den Iran ist nur ein weiteres Beispiel dafür.

Um dem letzten Zeitgenossen die Illusion zu nehmen, dass Trump und seine Bande irgendetwas für Demokratie und Menschenrechte übrig hätten, verweise ich auf diesen Kommentar: Donald Trump und sein Größenwahn: Seine historischen Vorbilder – Kolumne – DER SPIEGEL

Das ist gewiss peinlich für die AfD, die sich so beflissen an Trump und Musk herangewanzt hatte. Deren Vertreter wissen derzeit gar nicht, wie sie sich verhalten sollen, sie winden sich zwischen Distanzierung und Herunterspielen.

Dabei schlittert die Welt offensichtlich auf eine schiefe Bahn zurück in vergangene Jahrhunderte, als Machtpolitik selbstverständlich Krieg mit einschloss und Gewalt als normal galt* — so wie Putin das schon länger in seinem Machtbereich praktiziert und andere Machthaber seinem Beispiel gern folgen möchten. Auch Putin orientiert sich an historischen Vorbildern, nämlich russischen Gewaltherrschern von Zar Iwan dem Schrecklichen bis zu Stalin.

* Ein deutliches Zeichen gab Präsident Trump, als er vor einiger Zeit das Verteidigungsministerium in Kriegsministerium und den zuständigen Minister in Kriegsminister umtaufte. Das hatte die Welt nach 1945 nicht mehr gehört. Jedem Menschen muss damit klar sein: Die Zeichen stehen auf Gewalt und Krieg. —

Trump light

SCHON eine ganze Weile sehe ich, und verstehe inzwischen auch, warum unser derzeitiger Kanzler Friedrich Merz (CDU) es relativ gut mit Donald Trump konnte: Beide waren lange in Geschäften tätig und denken großenteils in Kategorien der Finanzwirtschaft.

In seiner Rede vor der UNO-Vollversammlung am 23.09.2025 freute sich Trump, dass Deutschland endlich „den kranken Weg der Klima-Politik“ verlassen habe. Abgesehen davon, dass man Worten aus Trumps Mund kaum einmal Glauben schenken darf (weil er fast immer entweder übertreibt oder lügt), sieht er bei uns wohl zu Recht Kräfte am Werk, die die Klimaziele aushebeln wollen zugunsten der Profite der Öl- und Gasverbrenner.

Die aktuelle Politik der Bundesregierung beschreibt dieser Kommentar: Heizungsgesetz: Robert Habeck doof finden ist keine Strategie – gefährdet aber Klimaziele – DER SPIEGEL

Alles klar? Wer jetzt meint, dann bliebe einfach nur noch der Protest mit der Wahl der AfD, der begibt sich voll auf den morschen Holzweg! Denn die Fachleute der Wirtschaft sind sich mit großer Mehrheit einig: Die Vorstellungen und Vorhaben der AfD sind keine annehmbare Alternative, sie würden Deutschland in den Abgrund stoßen. Darum kann man „AfD“ mit Fug und Recht so buchstabieren:

Mit einer AfD-Regierung bekämen wir statt „Trump light“ die volle Dröhnung antidemokratischer Umtriebe und autoritärer Herrschaft, Unterdrückung und Verfolgung von Minderheiten, dazu die weitgehende Verharmlosung der Nazi-Verbrechen (noch getarnt als angebliche Meinungsfreiheit), und eine gewaltverherrlichende Retro-Sicht auf die deutsche Geschichte. Nein, danke!!

Aktuell wird im Nahen Osten mal wieder Krieg geführt, und wer noch meint, damit hätten wir wenig am Hut, der fährt nicht Auto und heizt nicht mit Öl oder Gas. Und wer den Klimaschutz und die Energiewende nicht wichtig findet, dem wird trotzdem heiß, wenn er an die Preise für fossile Energieträger in der nahen Zukunft denkt. Hier schießt unsere Regierung für Deutschland gerade ein Eigentor. Wir erleben wieder ein böses Erwachen in der Abhängigkeit vom Weltmarkt — in Öl und Gas. Energiewende: Dieser Krieg ist eine Mahnung | DIE ZEIT

Was tun? Zuerst sollten wir uns keine Illusionen darüber machen, dass der alte Satz „Geld regiert die Welt“ immer noch viel Wahrheit enthält, Donald Trump macht es aller Welt ganz ungeniert vor. Und wer als BürgerIn und WählerIn politische Entscheidungen trifft, sollte genau hinschauen und hinhören: Wer vertritt da welche Interessen? Und wer redet nur, was die Leute hören wollen? Im Zweifel gilt der alte Spruch aus der Bibel: „An ihren Taten sollt ihr sie erkennen!“

Vielleicht sollte man zur Deutlichkeit noch hinzufügen: Wem sollen diese und jene Parolen den Geldbeutel füllen? Wenigstens die Leute mit Ahnung von Wirtschaft sollten das erkennen. Anders gesagt: Wessen Interessen vertritt dieser oder jene PolitikerIn wirklich, was steckt hinter den schönen Worten, wenn man mal nachfragt und nachdenkt?

Aber da kommen wir wieder an einen entscheidenden Punkt: Selber denken! Nicht denken lassen, auch nicht von einer KI. Und Vorsicht vor viel social-media-Konsum (weil das den Verstand lähmt)!

W. R.

Deal?

AM Tresen herrschte gute Laune, man hatte sich die Welt schon ein wenig schön getrunken, und Einer meinte zum aktuellen Problem mit Trump und Grönland:

„Warum hat eigentlich noch niemand Trump einen Deal angeboten, einfach einen Tausch: Hör mal, Donald, wenn du unbedingt Grönland als Bundesstaat der USA haben willst, dann tausche es doch einfach gegen einen anderen Bundesstaat, z. B. Kentucky. Oder besser noch: Florida, weil das von Grönland per Boot erreichbar ist. Dann können die Grönländer über eine echte Alternative nachdenken. Und vergiss die hässlichen Drohungen mit Militär, das verdirbt die Stimmung am Verhandlungstisch. Versuch es doch mal mit Freundlichkeit, das löst die Spannungen, damit kommst du wahrscheinlich weiter.“

„Meinst du wirklich, Trump würde sich auf sowas einlassen? Doch nicht Florida, das fest in der Hand einer republikanischen Regierung ist. Trump würde eher, sagen wir, Connecticut anbieten…“

„… diesen Zwerg unter den US-Bundesstaaten? Von der Größe her schon, aber das ist, habe ich gehört, eine Art Steuerparadies, dagegen hätten viele reiche Trump-Unterstützer etwas einzuwenden. Das scheidet damit praktisch als Tauschobjekt aus.“

„Was dann? Montana vielleicht, im Norden gelegen und winterkalt?“

„Nee, glaub ich nicht. Der Trump meint doch, er kann alle in die Tasche stecken, mit Drohungen, wie ein Mafiaboss. Der verhandelt nur auf Augenhöhe, wenn ein ähnlich rücksichtsloser Mafiaboss am Tisch sitzt.“

„Stimmt leider. Jetzt droht er wieder mit der Zollkeule. Strafzölle für europäische Länder, die seinen Griff nach Grönland kritisieren. Damit will er Europa klar spalten.“

„Und leider stehen die Chancen nicht schlecht, dass Europa mal wieder uneinig bleibt…“

„… weil zwei oder drei Regierungen lieber ihr eigenes Süppchen kochen und sich Vorteile bei Trump erschleimen wollen — das alte Spiel, das Europa nicht vorankommen lässt.“

„Ja, schlimm, das kann man selbst mit leckerem Kölsch nicht schöntrinken.“

„Un? Wat willste maache? Jupp, trotzdem noch ne Runde!“

aufgezeichnet von W. R.