Welt der Kriege

Hurra! Es gibt Menschen, die Krieg bejubeln und glauben, dieses großartige Spektakel sei eine Manifestation von Macht und Kraft, Männlichkeit und Herrlichkeit.

Und es gibt Menschen, die Krieg als Machtmittel grundsätzlich geächtet sehen wollen — und auf keinen Fall mitwirken wollen an Zerstörung, Mord, Vergewaltigung, Verstümmelung, Traumatisierung, an all dem Leid, das ein Krieg einer großen Zahl von Menschen zufügt.

Trotzdem Hurra? Das kann nicht euer Ernst sein, ihr Waffenfetischisten, Männlichkeitsfantasten, Empathielosen, gewaltaffinen Haudraufs! Spätestens wenn in einer gewalttätigen Auseinandersetzung ihr selbst und eure nächsten Angehörigen zu Schaden kommen, dann — schreit ihr auch noch nach Rache und Vergeltung, nach noch mehr Gewalt und Grausamkeit. Unbelehrbar haltet ihr nach wie vor Gewalt für die erste Wahl, wenn es Probleme gibt. Warum? Weil ihr gar nicht in der Lage seid, etwas Anderes zu denken, geschweige denn zu versuchen.

Warum ist das so? Weil ihr nie gelernt habt, mit Menschen anders als mit Imponiergehabe, Drohungen und Einsatz von Gewalt zu kommunizieren. Weil ihr nicht fähig seid, ein Gespräch auf Augenhöhe und eine friedliche Verständigung trotz unterschiedlicher Sichtweisen herbeizuführen. Weil ihr für Schwäche haltet, was ohne toxisches Männlichkeitsgehabe auskommt — auch wenn dabei gute Verhandlungsergebnisse erreicht werden.

Nicht nur in der gegenwärtigen Weltlage zeigt sich, wie schnell Konflikte eskalieren können und die Haudraufs das Geschehen anheizen. Im Nahen und Mittleren Osten konnte man das schon seit Jahrzehnten beobachten. Gewaltbereite Regime gibt es aber auch in anderen Regionen. Sie können immer Unterstützer mobilisieren, die Gewalttätigkeit und Männlichkeit in eins setzen und das herrlich finden.

Diese toxische Mentalität wird in unserem Lande von einigen rechtslastigen Politikern verbreitet (z.B. von Herrn Krah, der für die AfD im Bundestag sitzt), um nicht nur mit dem Finger auf fremde Länder zu zeigen. Oder was denkt Ihr, sollen wir uns vorstellen, wenn führende AfD-PolitikerInnen laut von „Remigration“ faseln? Wir haben gesehen, was der gegenwärtige US-Präsident mit Gewalt anstellt, um sein Wahlkampfversprechen umzusetzen. Er und seine Spießgesellen unterstützen die AfD und andere rechtslastige Parteien und Gruppierungen in Europa. Ebenso wie Putin will auch Trump ein schwaches oder ein von rechtsgerichteten Nationalisten beherrschtes (und zugleich zersplittertes) Europa.

Nach Putin hat nun auch Trump die militärische Drohung und Gewaltanwendung gegen andere Länder als Mittel entdeckt, das schnelle Erfolge verspricht (so glaubt Trump offenbar). Kritik aus demokratisch regierten Ländern passt ihm gar nicht, da schlägt er mit Zöllen zurück (seinem bisherigen Lieblingsspielzeug). Die Risiken und Nebenwirkungen seiner Zollwut erkennt er — wenn überhaupt — erst später. Ebenso läuft er zur Hochform als oberster Kriegsherr auf und bedenkt nicht, dass Krieg nicht immer nach Plan läuft (frag deinen Buddy Putin!) und man besser einen Plan B in der Schublade vorhält.

Putin mit seiner Kraftmeier-Show (wir erinnern uns an Fotos von einem muskulösen Reiter und Sportler) ist das Musterbeispiel für die oben angeführte toxische Männlichkeit. Da ist nicht nur Gewaltbereitschaft, da ist kalte Entschlossenheit, ohne Skrupel selbst die perfidesten Mittel einzusetzen, um Macht zu sichern und Widerstand auszuschalten — im Inneren des Landes wie nach außen. Und Krieg ist für Putin etwas Normales, ebenso Folter und Mord.

Wollen wir so etwas als „normal“ hinnehmen? Wollen wir Verständigung und friedlichen Austausch zwischen Völkern wie zwischen Gruppen mit unterschiedlichen Meinungen als schwach und „weiblich“ geringschätzen?

Morgen, am 8. März, ist Weltfrauentag. Da sollten etliche Männer mal ihren angeblich überlegenen Verstand einschalten und ihr Verständnis von „Männlichkeit“ einer Überprüfung unterziehen. Dabei könnten sie überlegen, warum sie ihre angeblich „weiblichen“ Gefühle eher unterdrücken — aus Angst, nicht als „männlich“ zu gelten. Männer haben Angst? Kann doch gar nicht sein — oder doch? Also, überlegt mal ernsthaft und in Ruhe. Vielleicht tut Ihr Euch selbst damit einen großen Gefallen: wenn der Macho-Krampf sich löst und ihr zu Euch selbst findet.

W. R.

Trump light

SCHON eine ganze Weile sehe ich, und verstehe inzwischen auch, warum unser derzeitiger Kanzler Friedrich Merz (CDU) es relativ gut mit Donald Trump konnte: Beide waren lange in Geschäften tätig und denken großenteils in Kategorien der Finanzwirtschaft.

In seiner Rede vor der UNO-Vollversammlung am 23.09.2025 freute sich Trump, dass Deutschland endlich „den kranken Weg der Klima-Politik“ verlassen habe. Abgesehen davon, dass man Worten aus Trumps Mund kaum einmal Glauben schenken darf (weil er fast immer entweder übertreibt oder lügt), sieht er bei uns wohl zu Recht Kräfte am Werk, die die Klimaziele aushebeln wollen zugunsten der Profite der Öl- und Gasverbrenner.

Die aktuelle Politik der Bundesregierung beschreibt dieser Kommentar: Heizungsgesetz: Robert Habeck doof finden ist keine Strategie – gefährdet aber Klimaziele – DER SPIEGEL

Alles klar? Wer jetzt meint, dann bliebe einfach nur noch der Protest mit der Wahl der AfD, der begibt sich voll auf den Holzweg! Denn die Fachleute der Wirtschaft sind sich mit großer Mehrheit einig: Die Vorstellungen und Vorhaben der AfD sind keine annehmbare Alternative, sie würden Deutschland in den Abgrund stoßen. Darum kann man „AfD“ mit Fug und Recht so buchstabieren:

Mit einer AfD-Regierung bekämen wir statt „Trump light“ die volle Dröhnung antidemokratischer Umtriebe und autoritärer Herrschaft, dazu die weitgehende Verharmlosung der Nazi-Verbrechen (noch getarnt als angebliche Meinungsfreiheit), und eine gewaltverherrlichende Retro-Sicht auf die deutsche Geschichte. Nein, danke!!

Aktuell wird im Nahen Osten mal wieder Krieg geführt, und wer noch meint, damit hätten wir wenig am Hut, der fährt nicht Auto und heizt nicht mit Öl oder Gas. Und wer den Klimaschutz und die Energiewende nicht wichtig findet, dem wird trotzdem heiß, wenn er an die Preise für fossile Energieträger in der nahen Zukunft denkt. Hier schießt unsere Regierung für Deutschland gerade ein Eigentor. Wir erleben wieder ein böses Erwachen in der Abhängigkeit vom Weltmarkt — in Öl und Gas. Energiewende: Dieser Krieg ist eine Mahnung | DIE ZEIT

Was tun? Zuerst sollten wir uns keine Illusionen darüber machen, dass der alte Satz „Geld regiert die Welt“ immer noch viel Wahrheit enthält, Donald Trump macht es aller Welt ganz ungeniert vor. Und wer als BürgerIn und WählerIn politische Entscheidungen trifft, sollte genau hinschauen und hinhören: Wer vertritt da welche Interessen? Und wer redet nur, was die Leute hören wollen? Im Zweifel gilt der alte Spruch aus der Bibel: „An ihren Taten sollt ihr sie erkennen!“

W. R.

Dumm, dümmer, KI-gesteuert?

WAS ist los mit der Menschheit? Will sie zurück ins Mittelalter, mit selbstherrlichen Königen, mit Brainwash? Früher durch Kirchen-Autoritäten, nun ersetzt durch allerlei Internet-Plattformen, Foren, Kanäle, etc.?), mit rassistisch-engstirnigem Weltbild, mit fremdenfeindlichem Provinzialismus und aggressivem Minderheiten-Bashing?
Das sogenannte Informations-Zeitalter wächst sich zum Zeitalter gigantischer Manipulation aus: Die Informationsflut wird von Algorithmen beherrscht, die undurchsichtige Vorgaben von Tech-Milliardären ausführen. „Künstliche Intelligenz“ macht uns ein X für ein U vor, damit wir das Vertrauen in Fakten, Wahrheit und Wissen verlieren. Wie im Mittelalter lebt bald jeder Mensch nur noch in einer Glaubens-Welt, Wissen und Wahrheit werden unglaubwürdig und damit unwichtig.

Und was geschieht daraufhin in der realen Welt? Die Manipulierten geben ihr Denken an der Kasse virtueller Verführungen ab und glauben, was ihnen da schön vorgegaukelt wird, sie jubeln „starken“ Führern zu und wollen nur noch ferngelenkt werden. Hauptsache: Entertainment! Dabei haben sie alle Daten über sich selbst längst preisgegeben und können perfekt manipuliert werden. Wer ist schuld? Beschwert euch nicht, ihr Einfaltspinsel, ihr habt doch selbst daran mitgewirkt!

Und wer profitiert davon? Die Fürsten und Führer scheffeln große Reichtümer zusammmen, ihre Tech-Diener scheffeln mit und sorgen dafür, dass die große Masse mit Entertainment abgelenkt, eingelullt, sediert wird und im Wachschlaf träumt, was die Algorithmen ihnen präsentieren.
Der feuchte Traum der Billionäre wird wahr, er überflügelt längst die utopische Vision von „Brave New World“. Das Buch kennt Ihr doch, oder? Was ist los mit der Menschheit, diese Frage scheint auf eine bestimmte Antwort zuzusteuern. Vor Jahren trug ein Buch den Titel: „Wir amüsieren und zu Tode“. Man könnte auch sagen: Wir lassen uns das Denken abkaufen und jubeln noch, während wir ungebremst auf der Achterbahn in einen Abgrund rasen.

Sorry, das hört sich schon wieder so pessimistisch an. Schnell im Internet ein paar drollige Tierbilder suchen, das bessert die Stimmung, und die Welt wird hübsch rosig. Hilft das noch nicht, werfe ich was ein oder rauche ’ne Tüte. Scheißegal, was in der realen Welt vor sich geht, ich koppele mich ab!

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann saufen und kiffen sie sich noch heute ihren Verstand weg… oder wischen den lieben langen Tag auf dem Handy herum und vergessen Zeit und reale Bedürfnisse.

W. R.

Deal?

AM Tresen herrschte gute Laune, man hatte sich die Welt schon ein wenig schön getrunken, und Einer meinte zum aktuellen Problem mit Trump und Grönland:

„Warum hat eigentlich noch niemand Trump einen Deal angeboten, einfach einen Tausch: Hör mal, Donald, wenn du unbedingt Grönland als Bundesstaat der USA haben willst, dann tausche es doch einfach gegen einen anderen Bundesstaat, z. B. Kentucky. Oder besser noch: Florida, weil das von Grönland per Boot erreichbar ist. Dann können die Grönländer über eine echte Alternative nachdenken. Und vergiss die hässlichen Drohungen mit Militär, das verdirbt die Stimmung am Verhandlungstisch. Versuch es doch mal mit Freundlichkeit, das löst die Spannungen, damit kommst du wahrscheinlich weiter.“

„Meinst du wirklich, Trump würde sich auf sowas einlassen? Doch nicht Florida, das fest in der Hand einer republikanischen Regierung ist. Trump würde eher, sagen wir, Connecticut anbieten…“

„… diesen Zwerg unter den US-Bundesstaaten? Von der Größe her schon, aber das ist, habe ich gehört, eine Art Steuerparadies, dagegen hätten viele reiche Trump-Unterstützer etwas einzuwenden. Das scheidet damit praktisch als Tauschobjekt aus.“

„Was dann? Montana vielleicht, im Norden gelegen und winterkalt?“

„Nee, glaub ich nicht. Der Trump meint doch, er kann alle in die Tasche stecken, mit Drohungen, wie ein Mafiaboss. Der verhandelt nur auf Augenhöhe, wenn ein ähnlich rücksichtsloser Mafiaboss am Tisch sitzt.“

„Stimmt leider. Jetzt droht er wieder mit der Zollkeule. Strafzölle für europäische Länder, die seinen Griff nach Grönland kritisieren. Damit will er Europa klar spalten.“

„Und leider stehen die Chancen nicht schlecht, dass Europa mal wieder uneinig bleibt…“

„… weil zwei oder drei Regierungen lieber ihr eigenes Süppchen kochen und sich Vorteile bei Trump erschleimen wollen — das alte Spiel, das Europa nicht vorankommen lässt.“

„Ja, schlimm, das kann man selbst mit leckerem Kölsch nicht schöntrinken.“

„Un? Wat willste maache? Jupp, trotzdem noch ne Runde!“

aufgezeichnet von W. R.

Spezialoperationen

DER Spiritus Rector der Freien Universität Frechen grüßt alle BesucherInnen im neuen Jahr und wünscht ein gutes 2026!


Wer weiß, was alles passieren mag. Schon mehrfach habe ich darauf hingewiesen, dass W. Putins „standing“ im Krieg gegen die Ukraine hierzulande oft überschätzt wird. Man sollte dazu das größere Bild nicht aus den Augen verlieren.
Zum größeren Bild gehört aktuell die jüngste „militärische Spezialoperation“ von Donald Trump. Wer vom Schlag gegen Venezuela und der Entführung von Maduro und seiner Frau überrascht ist, verkennt Trumps Bewunderung für Putin: Trump möchte so wie Putin machen, was er will, ohne irgendwelche Hemmungen oder Rücksichten.
Aber mit dieser „Spezialoperation“, die Trump gern als Strafverfolgungs-Aktion und nicht als militärische Intervention gesehen haben möchte (offiziell: das US-Kriegsministerium leistete dem Justizministerium Hilfe, das Anklage gegen Maduro erhob), bringt Trump seinen Buddy Putin in die Bredouille.
Putin verliert ein weiteres Mal einen Bündnispartner, dem er nicht beistehen kann. Und warum? Weil seine Kräfte durch den Krieg gegen die Ukraine gebunden sind. Das zeigte sich schon bei der Eroberung der Region Berg-Karabach durch Truppen Aserbaidschans (Sept. 2023), als Russland seinem Verbündeten Armenien nicht beistand. Das zeigte sich beim Fall des Assad-Regimes in Syrien (8.12.2024), dem Putin früher bei der Bombardierung von Wohnvierteln und Krankenhäusern in Rebellengebieten unter die Arme gegriffen hatte.

Und jetzt Maduro in Venezuela! Putin hat, auch wenn er das Gegenteil behauptet, alle Hände voll zu tun, um nicht nur im Ukraine-Krieg nicht ins Hintertreffen zu geraten, sondern auch seine Herrschaft in Russland stabil zu halten.
Bisher hat Trump ihm immer wieder geholfen, als starker Mann dazustehen. Nun könnten aber einige Leute, mehr als zuvor, fragen, ob der Kaiser wirklich so tolle Kleider trägt, und ob seine Erfolgsstory in der Ukraine nicht in Wahrheit schon viel zu lange viel zu hohe Verluste einfährt — an der Front wie auch in der Wirtschaft.
Putin kann es sich nicht leisten, jetzt Trump zu verärgern, das würde seine Karten im Spiel mit Trump verschlechtern, das er bisher so gut beherrscht hat. Denn in Wahrheit hängt Putin inzwischen ein großes Stück weit vom Wohlwollen Trumps ab. Er könnte seine Karten überreizen, wenn er wie bisher auf Maximalforderungen beharrt, auf de-facto-Kapitulation der Ukraine. Für ihn könnte es sehr schnell darum gehen, das Gesicht nicht zu verlieren, vor allem innenpolitisch.
Trump versucht übrigens auch, die Unzufriedenheit mit steigenden Lebenshaltungskosten in den USA durch Flucht in außenpolitische Aktionen zu dämpfen. Dabei trägt er selbst zur Misere bei, sowohl durch seine Zollwut als auch durch die Verfolgung illegaler Einwanderer, die nun als Arbeitskräfte der Landwirtschaft fehlen.
Manchmal fragt sich der Beobachter, ob Trump überhaupt in der Lage ist, wirtschaftliche Folgen seiner Dekrete im Voraus zu überdenken. Vermutlich fehlen ihm dazu die richtigen Berater. Denn wer ihm widerspricht, auf den hört er nicht, der wird gefeuert.
Aber das wissen Sie, die informierteren BesucherInnen dieses Blogs, ohnehin schon. Also, genug davon. Ich will nicht wiederholen, was schon vor Wochen und Monaten hier zu lesen war.

Was viele BeobachterInnen vom neuen Jahr erhoffen: Europa möge sich endlich — endlich!! — zusammenraufen und, statt quälende Uneinigkeit zu demonstrieren, zu gemeinsamer Handlungsfähigkeit finden und damit seine Stärke realisieren. Du meine Güte, wenn 27 Staaten gemeinsam einstimmig abstimmen müssen, ein paar wenige Politiker aber ihr nationalistisches Süppchen kochen und die Einigkeit torpedieren, dann werft sie raus, stellt sie kalt, sperrt ihnen die EU-Subventionen, da wird doch was gehen, nicht nur bei Orban aus Ungarn. Das wäre doch auch im eigenen, wohlverstandenen Interesse ihrer Länder! Denn in der heutigen Weltlage gilt umso mehr: „Allein — machen sie dich ein!“ (mehr > …und Europa? vom 30.04.2025)

S.R.

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Nachtrag am 05.01.2026: Großes Ablenkungsgepolter kam vom Oberschmutzwerfer der russischen Propaganda, Medwedew: Er überlegte laut, man könne doch eine Entführung von Kanzler Merz ins Auge fassen. Tja, wenn das schon ein akzeptiertes Mittel der Politik werden sollte, dann schau mal lieber auf deinen Chef Putin: Sicher, dass er es im Zweifel in den Safe Room schaffen würde?

Ergänzung am 07.01.2026: Putin hat’s offenbar nötig. Um Zweifel am Sinn seines Ukraine-Krieges möglichst zu übertünchen, zieht er die religiöse Karte und nennt seine Soldaten „heilige Krieger“. Unterstützung bekommt er dabei schon seit Jahren vom Metropoliten Moskaus, der auch aus kirchenpolitischem Eigeninteresse Putins Krieg gegen die Ukraine unterstützt — ein klassisches Bündnis von Kirche und staatlicher Macht als Win-Win-Situation, wie wir es seit Jahrhunderten kennen.

Nachtrag am 08.01.2026: Trump wäre nicht Trump, wenn er seine Maduro-Show nicht nur auskosten, sondern — ehe Kritik zu laut wird — gleich noch einen draufsetzen würde. Weitere Staaten und Gebiete kommen ins Fadenkreuz seiner imperialistischen Überlegungen, er kündigt eine enorme Erhöhung des US-Rüstungsetats an (der eh schon Weltspitze ist), finanziert durch Strafzölle, alles zu dem Zweck, der Welt den Stinkefinger zu zeigen: Uns bzw. mich kann keiner aufhalten, wagt es gar nicht erst!

Und um auch im Inneren Klarheit zu schaffen, verurteilt er den tödlichen Kopfschuss eines ICE-Mannes auf eine Autofahrerin nicht etwa, sondern entschuldigt das als Notwehr gegen eine „Terroristin“! Alles klar? Vergesst den Rechtsstaat ebenso wie internationales Recht, hier bestimme ich! Das ist Trumps Botschaft.

Notabene am Rande: Trumps Vize Vance schwadroniert ohne Sachkenntis über Grönland. Dänemark habe die Grönländer in der Vergangenheit zeitweise schlecht behandelt, und er vergisst dabei den Schulterblick zurück auf die US-Vergangenheit, in der indigene Einwohner der USA (früher „Indianer“ genannt) ziemlich schlecht behandelt wurden (Die Fakten sind bekannt, das braucht hier nicht näher erläutert zu werden).

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Mal etwas Zeitgeschichte: Überraschende Wendung

IN der Geschichte hat es schon öfter überraschende Wendungen gegeben, d.h. unerwartete Ereignisse, die den Lauf der Dinge entscheidend verändert haben. In der jüngeren Geschichte, auch Zeitgeschichte genannt, zählt dazu z.B. der unerwartet plötzliche „Fall der Mauer“ in Berlin.
Wie viele Andere verfolgte ich die Ereignisse um den 9.11.1989 anhand der TV-Nachrichten (in ARD und ZDF). Als Günter Schabowski auf der im Nachhinein berühmten Pressekonferenz am frühen Abend des 9. November noch einen Zettel zur Hand nahm und dann Reisefreiheit für DDR-Bürger bekannt gab, fragte ein Journalist nach, ab wann dies gelte, und Schabowski, selbst nicht auf die Frage vorbereitet und ohne nähere Informationen, antwortete: „Das gilt — nach meiner Kenntnis — ab sofort. Unverzüglich.“ Er verstand darunter den üblichen Instanzenweg, „sofort“ bedeutete demnach den bürokratischen Ablauf, der am 10.11. für Antragsteller beginnen würde. Aaaber… was die DDR-Funktionäre nicht auf dem Schirm hatten, war das westliche Mediengeschäft, wo jeder der Erste mit „breaking news“ sein wollte. So kam es, dass Journalisten in die Redaktionen telefonierten und diese daraus sofort Schlagzeilen machten: Reisefreiheit! Die Mauer ist offen! So eröffnete u.a. auch das Erste Deutsche Fernsehen die Nachrichten am Abend. Das sah ich live, und das sahen auch viele DDR-Bürger in Ost-Berlin; einige wollten das nicht glauben und sagten sich: Da gehen wir hin und schauen selbst nach, ob das stimmt. So kam es zu den bekannten Bildern im Fernsehen: An einigen Kontrollpunkten an der Berliner Mauer sammelten sich DDR-Bürger und wollten wissen, was Sache sei. Die Grenzpolizisten waren völlig ahnungslos und ohne jede Weisung, die höheren Vorgesetzten ebenso ahnungslos, im Feierabend und nicht direkt erreichbar. Der Rest der Geschichte ist bekannt: Am späten Abend ließen die Grenzer angesichts großer Menschenaufläufe an wenigen Stellen tatsächlich die Schlagbäume hochgehen, und die Menschen strömten hinüber und genossen einen Ausflug nach Westberlin. Das war nicht mehr zurückzudrehen — zumal die neue Regelung am 10.11. eh in Kraft treten sollte, wenn auch in bürokratisch geordneter Form.
Günter Schabowski wurde (in meinen Augen eher zu Unrecht) zum Sündenbock, ja sogar zum Trottel abgestempelt, weil er für die verstolperte Mauer-Öffnung verantwortlich sei. Ja, was sollte er denn tun? Er war nicht anwesend, als am Ende der Sitzung des ZK vom 09.11.89 noch dieser Beschluss gefasst wurde, denn er war auf dem Weg in die Pressekonferenz, Egon Krenz drückte ihm zwischen Tür und Angel noch das Papier mit der neuen Regelung in die Hand. Schabowski hatte keine Zeit, sich dieses Papier durchzulesen, er notierte sich das Wichtigste nach Krenz‘ Angaben stichwortartig auf einen Zettel. Entsprechend stockend verlas und verkündete er die neue Reisefreiheit. Ihm ging es ähnlich wie bald darauf den Grenzern, die nicht mit den nötigen Informationen versorgt und daher überrumpelt wurden.

Dieser Vorgang, dass eine für den 10.11. vorgesehene Verfügung durch die verstolperte Kommunikation schon am Abend des 9.11. Fakten schuf, überraschte alle Akteure und Beobachter. Manche entsetzten sich bald danach: Ausgerechnet am 9.11.! Aber das hatte sich so niemand ausgesucht; wie man später hörte, war es vielmehr eine Folge unklarer Kommunikation zwischen Krenz und Schabowski und — wohl mehr noch — der Eigendynamik in den westlichen Medien, die auch in der DDR gesehen und gehört wurden.

Es war zu erwarten gewesen, dass früher oder später die Reisebeschränkungen für DDR-Bürger gelockert würden. Aber so hatte sich den Ablauf niemand vorgestellt, geschweige denn ihn vorausgesehen.

Dazu gibt es eine ausführliche Darstellung aus Sicht eines damaligen DDR-Bürgers: Die abgelesene Maueröffnung

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Profitgier an der Macht

ALS der Theken-Stammtisch diesmal ins Gespräch kam, schnitt Einer ein ganz anderes Thema an:
„Ich habe ja schon mal mit ner Kreuzfahrt geliebäugelt, meine Frau wollte mich vor unserem letzten Urlaub davon überzeugen. Aber nachdem ich einige Berichte im Fernsehen gesehen und Einiges gehört habe, ist das für mich keine Option mehr. Und ich konnte inzwischen meine Frau überzeugen, dass wir so nicht Urlaub machen wollen.“
„Ja, aber wieso denn nicht? Luxus, gutes Essen, Meerblick, und Bespaßung und Sportmöglichkeiten, und ab und zu mal ein Landgang mit Besichtigung und Shoppen…“
„Wer’s mag, soll’s machen. Ich nicht, mir gefällt diese Art Urlaub nicht.“
„Und warum, wenn ich fragen darf?“
„Weil ich die ganze Zeit nur unter Urlaubern bin. Weil ich genauso gut in ein Wellness-Hotel im Lande fahren kann. Weil ich beim Landgang nicht viel vom Land sehe, die Einheimischen nur kurz beim Shoppen kontaktiere, den Anwohnern in der sehenswürdigen Altstadt nur auf die Nerven gehe (die froh sind, wenn sich unsere Massen wieder verziehen) und vom übrigen Land bestenfalls ein, zwei Postkarten-Ansichten mitnehme.“
„Ja, aber Du kannst sagen, ich war da, in dieser und jener berühmten Stadt.“
„Also wirklich, diesen Selfie-Tourismus finde ich sowieso abartig. Da sammeln die Leute nur Postkarten, auf denen sie selbst mit drauf sind und grinsen, und die senden sie dann zur Selbstdarstellung an ihre Blase. Die Empfänger sollen ultra-beeindruckt und neidisch sein. Was für ein eitler Stuss!“
„Du kannst die Selfies ja weglassen. Aber so eine Kreuzfahrt…“
„… macht für mich keinen Sinn. Ich will mich im Urlaub erholen, mal meine Ruhe haben, mal was Interessantes ansehen, von Leuten Geschichten über das Land hören, und das nicht nur von Fremdenführern. Wenn ich die Landessprache verstehe oder mich mit Einheimischen auf Englisch verständigen kann, wenn ich mit denen zusammensitzen und was trinken kann, dann bringt mir das erheblich mehr als so ein Landgang vom Schiff aus. Es sind nicht nur die Anblicke von historischen Gebäuden und von Landschaften, es sind auch die Menschen, die dazugehören, wenn ich wirkliche Eindrücke von einem Land auf mich wirken lassen und mitnehmen will.“
„Ja, wenn Du das haben willst… Klar, dann lernst Du mehr von der Welt kennen.“
„Gut, ich verstehe ja, dass das manchen Menschen zu anstrengend ist. Die sind zufrieden, wenn sie auf ihrem Campingplatz in jedem Urlaub dieselben Leute antreffen. Und die sind auch zufrieden, wenn sie auf dem Kreuzfahrtschiff auf Nachbarn aus ihrer Straße treffen und sich eher wie zu Hause fühlen. Meinetwegen, sollen sie haben, wie sie’s mögen. Ich sag ja nur: nix für mich.“
„Gut, jedem das Seine.“
„Ja, das ist gut, vielleicht profitiere ich sogar davon, wenn Andere in großer Zahl den Kreuzfahrt-Urlaub buchen. Die sind dann schon mal nicht da, wo ich im Urlaub vorbeischaue, da ist es dann nicht so überlaufen.“
„ja, überlaufen — das ist ein Stichwort! Wenn ich im Fernsehen die von Touristen überlaufene Altstadt von Dubrovnik sehe, die fast alle mit Kreuzfahrtschiffen kommen und für ein paar Stunden da ausschwärmen, dann wird mir auch anders. Dann denke ich schon: Da möchte ich jetzt bestimmt nicht sein.“
„Dasselbe in Venedig. Das wird kaputt-besucht. Die Einheimischen können das kaum noch aushalten, wenn sie keinen Shop für Touristen betreiben. Das Eintrittsgeld von 5 Euro schreckt ja auch niemanden ab.“
„Oder Barcelona. Die schöne Stadt wird hässlich durch Overtourism. Die Anwohner protestieren schon, genauso wie in Palma de Mallorca.“
„Genau, da gibt’s bald keinen bezahlbaren Wohnraum mehr für Einheimische, weil immer mehr an Touristen vermietet wird. Denn daran verdienen die Vermieter mehr.“
„Du brauchst gar nicht so weit gucken, hier in Köln ist das doch auch eingerissen, vor allem in der Altstadt.“
„Genau! Und das Schlimmste sind die Sauf-Touristen, ob in Köln, auf Mallorca oder sonstwo. Die lassen die Sau raus und sind dann wieder weg.“
„Ja, echt, abartig. Sauferei geht nicht zusammen mit Verstand und rücksichtsvollem Benehmen. Aber was willste dagegen machen?“
„Die Menschen kannste nicht ändern, aber man kann z.B. die ungenehmigten Vermietungen an Kurzurlauber mit Kontrollen eindämmen.“
„Sofern man das Personal hat für die Kontrollen!“
Einen Moment nickten Alle am Tresen und schwiegen.
„So wird man der Wohnungsnot nicht Herr. Vielleicht müsste man auch die Gewinnsucht der Kurzvermieter ächten, oder gleich den ganzen Wohnraum in einer Stadt kontrollieren und zentral regulieren…“
„… und gleich den Kapitalismus abschaffen, oder was? Wie willste denn das machen?“
„Ja, ich weiß, das ist jetzt zu hoch gegriffen. Man müsste sich mal umsehen, ob es Städte gibt, die das besser managen als andere. Da könnte man vielleicht was lernen.“
„Jaaa, das wäre was. Aber bei alldem muss auch der politische Wille dasein, wirklich etwas gegen den Missbrauch von Wohnraum zu tun. Sonst wird das nichts.“
„Richtig. Die Profitgier an sich kann man wohl nicht abschaffen.“
„Schon gar nicht, wenn sie in den USA jetzt ganz offiziell an der Macht ist und der Welt die Geschäftsbedingungen diktieren will. Das ist ein seeehr schlechtes Vorbild, und ausgerechnet damit tun sich auch noch die AfD, Putin und andere zusammen. Ich frage mich, wie die AfD sich da noch als ‚patriotisch‘ und ‚volksnah‘ bezeichnen kann.“
„Solange die Obengenannten im Verbund in den „social media“ trommeln und die Leute vom Nachdenken abhalten.“
„Apropos Nachdenken, auch Nachschenken ist gerade angesagt. Jupp, eine Runde — wir müssen uns die Welt schöner trinken!“ —–

aufgezeichnet von W. R.

Zum Thema ein Update am 08.02.2026: Elon Musk, Peter Thiel, Jeff Bezos: Wenn Gier gut ist, sind die Gierigsten die Besten – Kolumne – DER SPIEGEL


P.S. Was Propaganda, social media und verzerrte Wahrnehmung der Realität betrifft, so gibt dieser Beitrag nähere Auskunft: Donald Trump und die »Sicherheitsstrategie«: Die Realität ändert man nicht, indem man gegen sie anlügt – DER SPIEGEL

Milliardäre und die Anderen

AM Tresen meiner Stammkneipe war es relativ ruhig, bis ich mein Essen am Tisch genossen hatte und ein weiteres Kölsch bestellte. Das Gemurmel am Tresen, wo die übliche Runde versammelt war, wurde plötzlich durch ein lautes Geräusch unterbrochen. Einer hatte seine Hand auf den Tresen geklatscht und schimpfte los:

„Trumps „Friedensplan“ ist eine blanke Frechheit gegenüber der Ukraine. Aber was sollen sie machen? Der Winter kommt, und Putin bombardiert ständig Heizkraftwerke und andere Infrastruktur, von Wohnhäusern ganz abgesehen. Russland hat auf Kriegswirtschaft umgestellt und kann das noch lange so weitermachen.“ –

„Woher willst du das denn wissen?“ entgegnete sein Nachbar an der Theke. „Ich habe gelesen, dass Russlands Wirtschaft gar nicht gut läuft, dass dort die Panzerproduktion bald zum Erliegen kommt, dass sie kaum noch schweres Gerät an der Front einsetzen. In ihrer Verzweiflung setzen sie auf Masse von Soldaten, die bei Angriffen verheizt werden. Ihre Bomberflotte ist durch ukrainische Drohnenangriffe auch reduziert und muss von Flugplätzen fern der Front starten, ähnlich wie die Schwarzmeerflotte. Moderne Technik ist wegen der Sanktionen schwerer zu importieren. Das Einzige, was sie derzeit hochfahren können, ist die Produktion billiger Drohnen. Die lassen sie in möglichst großen Schwärmen anfliegen, um die Luftabwehr der Ukraine zu überfordern…“ –

„… und machen damit die Bevölkerung mürbe. Sag ich doch, Russland kann das noch lange weitermachen. Putin wartet darauf, dass sie bald um Frieden betteln.“ –

„Da könnte er lange warten. Aber Trump will ihm unbedingt goldene Brücken bauen. Nach dem Gipfeltreffen in Alaska, das nichts gebracht hat außer eine Aufwertung von Putin, setzt er nun einseitig die Ukraine unter Druck, seinem Plan zuzustimmen. Dabei, so scheint mir, will er wieder hauptsächlich Putin aus der Patsche helfen. Der bekommt nach diesem Plan nicht nur fast alles, was er wünscht, während die Ukraine praktisch kapitulieren soll — Trump will Putin auch davor bewahren, über Misserfolge zu stürzen. Trump glaubt wohl, mit einem Putin zukünftig gute Geschäfte machen zu können.“ –

„Ja, das scheint Trump vor allem wichtig zu sein. Gute Geschäfte, Deals machen von Autokrat zu Autokrat, mit dem saudischen Prinzen, mit Xi Jin Ping, mit Nordkoreas Diktator, egal, Hauptsache Deals. Trump spricht nicht von Vereinbarungen, Verträgen und so, er spricht immer von Deals, weil er immer als Geschäftsmann denkt.“ –

„Das sehe ich auch so. Und weil er nicht genug von Politik versteht, verlässt er sich weitgehend auf das, was ihm die Heritage Foundation in das Project 2025 reingeschrieben hat. Das ist sein Rezeptbuch, mit dem kocht er –“

“ — wobei ihm nicht jedes Menu gelingt. Auch weil er so wankelmütig ist und mal auf den, mal auf jenen anderen hört. Er ist einfach unzuverlässig. Und jetzt macht ihn auch noch die Epstein-Affäre nervös. Da braucht er dringend Ablenkung, am besten nochmal so einen Coup wie beim Gazakrieg.“ –

„Also, über seinen Charakter haben wir schon viel gehört. Ich persönlich glaube immer noch, dass Putin irgendwas gegen ihn in der Hand hat. Trump ist doch inzwischen so mächtig, dass er zu Putin nicht mehr in Bewunderung aufblicken müsste.“ –

„Sollte man meinen. Aber er fällt immer wieder zurück in diese rätselhafte Putin-Sympathie.“ –

„Vielleicht stehen ihm ja auch ein paar Milliardäre auf den Füßen, die wieder am Russland-Geschäft verdienen wollen.“ –

„Klar, und an den Rohstoffen, die günstig aus der Ukraine kommen sollen.“ –

„Wie auch immer, den beteiligten Amerikanern ist die Ukraine und ihre Menschen egal, es geht nur ums Geschäft. Trump hört wohl nur auf die.“ –

„Wenn er überhaupt mal auf jemanden hört. Er soll ja morgens immer erst seinen Lieblings-TV-Sender Fox News gucken und sich danach eine politische Meinung bilden. Andere Präsidenten ließen sich von ihrem Fachleute-Stab beraten und vom CIA briefen, um aktuell Bescheid zu wissen. Das ist Trump zu mühsam, da langweilt er sich nach wenigen Minuten, er schaut lieber bewegte Bilder.“ –

„Traurig. Die Amerikaner haben mehrheitlich einen hemdsärmeligen Immobilienmakler gewählt, der große Töne spuckt und lügt und nach Laune Kehrtwendungen macht. So einen Typen zum mächtigsten Mann der Welt zu machen ist grob fahrlässig und eine Schande.“ –

„Aber womöglich wird Trump ja bald wegen fortschreitender Demenz kaltgestellt, und —„

„— und Vance übernimmt? Nein, danke, dann wird alles nur schlimmer, das ist ein Radikaler.“

„Na, dann Prost, liebe Leute, schlucken wir unseren Ärger darüber mal runter. Jupp, ne Runde hier am Tresen, wir müssen uns die Welt mal wieder schön trinken!“ —

Um alles mitzukriegen, hatte ich mein Handy auf dem Tisch auf Aufnahme gestellt, allein aus dem Gedächtnis hätte ich das nicht so genau wiedergeben können. Natürlich habe ich das dann gelöscht, keine Angst, ich tue nichts Ungesetzliches, ich brauche das nur als Gedächtnisstütze, wenn es mal ein längerer Report wird. Und ich habe das ja soweit anonymisiert, dass keine Personen zu identifizieren sind. Also, keine Aufregung, hier werden keine Persönlichkeitsrechte verletzt.

Aufregen kann man sich leider zu Recht über so vieles Andere, nicht nur über das, was am Tresen Thema war. —

Wenig später trat ich gesättigt vor die Tür der Kneipe, ein kalter Wind fasste mich an, ich schlug den Mantelkragen hoch und vergrub meine Hände in den Taschen. In einiger Entfernung sah ich zwei Füße in Turnschuhen, da lag ein Mensch in einem Ladeneingang unter einer Plastikplane, offensichtlich ein Obdachloser. Neben ihm stand eine halbleere Flasche Fusel, das war seine Wärmequelle. Trotzdem fror er und zog seine Füße unter die Plane, kauerte auf der Pappkarton-Unterlage und griff zur Flasche. Ich überlegte, ob und wie ich ihm helfen könnte. Da näherte sich ihm ein Mann und sprach ihn an. Ich konnte nichts von der Unterhaltung verstehen, jedenfalls erhob sich nach kurzer Zeit der Obdachlose, der Mann neben ihm hakte sich ein, und beide gingen davon. Im Vorbeigehen hörte ich Wörter wie „Bahnhofsmission“ und „Obdachlosenhilfe“. Dann entfernten sie sich.

Ich stand da im Halbdunkel und hatte das beschämende Gefühl, Menschen im Stich zu lassen, denen es schlecht ging. Aber kann ich denn allen helfen? Mir wurde kalt, ich musste losgehen. Auf dem Weg zu meinem warmen Zuhause beschloss ich, wenigstens an die örtliche Obdachlosenhilfe zu spenden. Das ist das Mindeste, dachte ich.

Wir leben in einem angeblich reichen Land — aber immer mehr Menschen haben keine Wohnung. Nicht das Land ist reich, sondern ein Teil davon. „Na und?“ sagen die Wohlhabenden. „Strengt euch mehr an,“ sagen einige Milliardäre, „Dagobert Duck bückt sich noch als alter Mann auf der Straße nach jedem Kreuzer.“ Aber wenn Donald Duck das auch tut, wird er davon nicht reich. Es muss also doch was Anderes sein, was den Unterschied macht…

W. R.

P.S.: Gibt es Milliardäre auch bei uns in Deutschland? Dazu informiert unterhaltsam dieser Beitrag: >Reschke Fernsehen: Die Macht der Superreichen: Einfluss de luxe – hier anschauen

Frieden schaffen ohne Waffen?

Neulich im TV: Leute auf der Straße werden zum Thema Wehrpflicht befragt. Ein junger Mann sagt: „Nee, für Merz werde ich nicht in den Krieg ziehen.“
Da frage ich mich: Warum sagt er nicht gleich, dass er sich drücken will? Oder dass er sich nicht ein Stück Lebenszeit für den Wehrdienst klauen lassen will?
Wenn es aber Ernst wird mit einer militärischen Bedrohung, was dann? Von wem will er sich dann verteidigen lassen? Und wenn der Kanzler gar nicht mehr Merz heißt?
Pazifisten sagen, sie wollten gar nicht verteidigt werden, nicht mit Waffen. Im Ernstfall hieße das: Kommt herein, feindlich gesinnte Soldaten, besetzt unser Land, tretet unsere Haustür ein, macht mit uns, was Ihr wollt, wir werden uns nicht mit Gewalt wehren. Ja, sowas wie Butscha 2022 in der Ukraine, das war schlimm… aber das ist ja weit weg von uns, das wollen wir uns für hier gar nicht vorstellen, wir haben es auch fast schon verdrängt.

Ja, schließt die Augen und träumt weiter von der friedlichen Insel, auf der Ihr lebt! Ich persönlich habe in den 1960er Jahren widerwillig, weil ich gerade mein Studium angefangen hatte und sie mich dann eilig einberufen haben,18 Monate Wehrdienst abgeleistet. Nun ja, es war eben auch eine Erfahrung, 18 Monate für wenig Geld, aber ich kenne immerhin Dinge, die Nicht-Gedienten fremd geblieben sind. Und im Kriegsfall würde ich altersbedingt nicht einberufen, doch gäbe man mir eine Handfeuerwaffe, ich würde wohl die VerteidigerInnen zu unterstützen versuchen. Das wäre in meinen Augen dann Notwehr gegen eine akute Bedrohung.

Jetzt, wo Putin vermehrt die Nato und ihre Reaktionen auf allerlei Luftraumverletzungen u.a.m. testet, könnte es einigen Menschen hierzulande dämmern, dass sie doch nicht auf jener Friedensinsel leben, die gaaanz sicher auf seeehr lange Zeit von Krieg verschont bleiben wird.

Wenn ich mir vor Augen halte, dass unsere Bundeswehr derzeit nur bedingt verteidigungsfähig ist, ist mir nicht ganz wohl. Mir wird noch etwas mulmiger, wenn ich höre, dass wir nur bedingt verteidigungswillig sind. Einige Leute frage ich daher: Seid Ihr nicht bei Verstand, oder hat Putins verdeckte Propaganda auf Tiktok und anderswo Euch eingelullt und fest im Griff?

Putin zeigt täglich in der Ukraine, wie schrecklich Krieg ist, und wie kalt ihn all die Opfer lassen, auch die seiner eigenen Armee. Jede/r hat inzwischen verstanden: Der will keinen Frieden und gibt keine Ruhe, erst recht nicht dann, wenn er mit Waffengewalt, Folter und Mord Erfolg hat. So einem Gangster und Kriegsverbrecher muss man zumindest Grenzen setzen. Aber das wisst Ihr doch selbst, oder?

Wie? Dafür sind Andere zuständig? Wer denn, welche Anderen? Sollen Soldaten anderer Länder für Euch den Kopf hinhalten? Das tun sie, wenn überhaupt, bestimmt nicht ohne Gegenleistung. Und was seid Ihr bereit zu geben und zu leisten, um die zu entlohnen, die für Euch ihre Gesundheit und ihr Leben einsetzen?

Das wird sowieso nicht passieren, Russland ist weit genug weg — so glauben manche Traumtänzer. Ich will nicht Angst verbreiten, aber rein militärisch gesehen ist eine Hyperschallrakete aus der Region Kaliningrad (früher Königsberg) in wenigen Minuten über Deutschland. Ohne dass hier gleich Soldaten einmarschieren, kann jemand wie Putin das befehlen, was er seit Jahren in der Ukraine anrichten lässt: Zerstörung von Infrastruktur, Bombardierung von Wohngebieten, Menschenjagd mit Drohnen, etc. Soviel bekommt Ihr ja sicher aus Nachrichten mit.

Würdet Ihr denn nicht wenigstens in unsere Bundeswehr eintreten, um die Luftabwehr zu stärken, z.B. als IT-Spezialisten, die Drohnen durch Signalstörungen abwehren, und ähnliche Aktionen? Habt Ihr überhaupt mitgekriegt, wie derzeit moderne Kriegführung abläuft?

Also, überdenkt mal in Ruhe Eure Ohne-mich-Haltung, informiert Euch über das, was heute und morgen zu tun wäre, wenn der Verteidigungsfall einträte. Aber vielleicht wäre es dann schon zu spät, um sich für die Verteidigung unseres Landes und seiner Menschen zu entscheiden — und für die Bewahrung unserer freiheitlichen Staats- und Gesellschaftsordnung. Oder konkret: für den Schutz für dich und deine Familie – nicht nur Schutz vor feindlich gesinnten Soldaten, sondern auch Schutz vor Zerstörung der Infrastruktur, die du heute wie selbstverständlich nutzt. Wenn es dir dazu an Fantasie mangelt, dann schau mal die Berichte aus dem Krieg in der Ukraine an…

W. R.

Angst essen Seele auf

ES fällt PolitikerInnen meistens leicht, über die Pflichten anderer Leute zu reden und von ihnen etwas zu verlangen — so auch am 03.11.25 Jens Spahn, Fraktionschef der Unionsfraktion im Deutschen Bundestag. Nachdem Außenminister Wadephul (CDU) persönlich die Zerstörungen in Syrien in Augenschein genommen hatte, sagte er, dass er momentan die massenhafte Rückkehr geflohener Syrer nicht für angesagt halte, wenn er das Ausmaß der Zerstörungen auch in der Infrastruktur sehe.
Dagegen brachte Spahn ins Spiel, es sei die „patriotische Pflicht“ der syrischen Flüchtlinge, zurückzukehren und beim Aufbau ihrer Heimat zu helfen.
Da wird manch ein Kenner der Realität in Deutschland spontan aufgestöhnt und sich an den Kopf gefasst haben: Wie kann Spahn so reden, wenn wir die syrische Ärzte, Pflege- und sonstige Fachkräfte in diesem Land brauchen!
Aber geht es überhaupt darum, den bald drohenden Kollaps unseres Gesundheitssystems zu verhindern — oder geht es nicht eher darum, kurzfristig populistisch auf Stimmenfang zu gehen und der in Umfragen starken AfD ein paar Stimmen abzujagen?
Was wir hier symptomatisch miterleben können, ist die abschüssige Bahn, auf die Deutschland gerät, wenn AfD-Parolen und ihre völkisch-ausländerfeindliche Grundausrichtung bei Wählern verfangen — und aus Angst vor Machtverlust in der Union aufgegriffen werden.

Ist es nicht außerdem unverschämt, Ausländern eine „patriotische Pflicht“ zu diktieren, wenn das erstens ihre eigene Sache ist, und wenn zweitens keine Rücksicht auf die tatsächlichen Verhältnisse in Syrien genommen wird? Und mir kommen da auch Zweifel, ob man bei einem durchaus nicht geeinten Syrien von einer homogenen Nation sprechen kann, für die sich alle Syrer selbstverständlich „patriotisch“ ins Zeug legen wollen oder sollen.

Da liegt überhaupt der Hase im Pfeffer: Manche PolitikerInnen hierzulande erzählen den Deutschen irgendwas über Syrer oder Menschen aus anderen Ländern, und das verfängt bei Vielen, weil sie uninformiert sind. So geht meist die AfD vor. Deren Vorsitzende Alice Weidel tönte sofort nach dem Sturz Assads, jetzt könnten alle geflüchteten Syrer umgehend zurückgehen, denn es gebe keinen Fluchtgrund mehr. Dabei wusste jeder informierte Zeitgenosse, wie es in vielen Teilen Syriens aussieht. Und unser Außenminister hat es sich vor Kurzem in Syrien live angeschaut. Da ist es völlig nachvollziehbar, dass er eine massenhafte Rückkehr der Flüchtlinge ausschließt, solange nicht abzusehen ist, wie und wovon sie dort leben sollen. Das ist so klar, dass man sich fragen muss: Was soll der shitstorm gegen Wadephul aus Teilen der Union?

Und da wir gerade bei diesem Thema sind: Immer noch ist der Umgang mit Afghanen beschämend, die nach Pakistan geflüchtet sind und eine Aufnahmezusage von Deutschland haben. Ich will mich nicht wiederholen, aber ich erinnere daran, was für einen schlechten Eindruck das macht, und was man international in Zukunft von Zusagen aus Deutschland halten wird — z.B. wenn wir mal wieder auf Hilfe von Ortskräften im Ausland angewiesen sein könnten.

Man kann Wadephul Empathie zugute halten, oder auch Vernunft und Realismus. Jedenfalls vermisse ich derzeit in unserer Regierung z.T. diese Eigenschaften, und darüber hinaus vermisse ich eine positive Strategie, wie man die Menschen hier von der Ablehnung populistischer Parolen überzeugt (statt die Populisten nachzuäffen).

Was dieses Land dringend braucht, ist eine positive Erzählung vom künftigen Leben in einem demokratischen, toleranten Deutschland.

Es hilft überhaupt nicht, den Leuten Sand in die Augen zu streuen und ihnen vorzugaukeln, alle Veränderungen der letzten Jahrzehnte in der Welt könnte man zurückdrehen oder außen vor halten. Das glaubt sowieso kein Mensch, der bei Verstand ist. Also muss „die Politik“ uns BürgerInnen positiv darstellen, wie wir mit der Zeit gehen und dabei keine schwerwiegenden Verluste erleiden, und wie wir auch Chancen nutzen, die sich aus Veränderungen ergeben.

Derzeit scheint eher das Prinzip „Angst essen Seele auf“ zu dominieren: Aus Angst vor den Rechtspopulisten gibt Deutschland seine tolerante, menschenfreundliche Seele auf und setzt aus kurzfristigen, wahltaktischen Motiven auf Angleichung an negative Erzählungen von Rechts, auf Abschottung, auf politischen Rückwärtsgang, auf fremdenfeindliche Kälte… Der Effekt ist keine Zurückdrängung der AfD, weil das Angleichungsverhalten eher eine Bestätigung der AfD als eine Bekämpfung ihrer Parolen ist.

Darum noch einmal: Verkündet endlich ein positives Bild, die Vision eines demokratischen Landes mit menschenfreundlichem Gesicht!

W. R.