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Die Lage

AM „Columbus-Day“ hören wir aus den USA mal wieder Dinge, die weltweit Kopfschütteln hervorrufen dürften. Nein, der mittelalterliche Rückfall in öffentliche Hinrichtungen von Kriegsminister Hegseth ist nicht gemeint, es gibt neuere „breaking news“ — oder soll man „breathtaking news“ sagen?
Trump fürchtet eine Wahlschlappe bei den Midterms und kauft jetzt schnell Diesel bei Putin, um seinen Landsleuten an der Zapfsäule sinkende Preise zu bescheren. Ob das ihm mehr nützt als der Tankrabatt der CDU vor den letzten Landtagswahlen?
Klar ist: Wer jetzt immer noch in Trump einen halbwegs verlässlichen Partner sehen will, steht ziemlich alleine da. Wer immer noch meint, die USA unter diesen aktuell regierenden Leuten seien mit uns auf der Basis gemeinsamer Werte verbunden, der hat zu tief ins Glas geschaut.
Ich sage bewusst nicht: … unter Trump, denn der erscheint geistig zunehmend überfordert und macht Politik nach dem Konzept des für ihn vorbereiteten Project 2025, oder er lässt sich von Stimmungen und momentanen Einflüsterungen leiten — sodass seine Entscheidungen oft eine kurze Haltbarkeitsdauer haben.
Ich hatte mal gehofft, über Trump brauchte man nicht mehr viel zu reden — aber man sieht ja, dass ihn niemand bremst, und dass er aus Selbstsucht und Unfähigkeit auf Allem, auf Jedem und Jeder nach Belieben herumtrampelt. Muss ich noch erwähnen, was das für eine AfD bedeutet, der Trump zum Wahlsieg in Sachsen-Anhalt gratulierte? Auf einen solchen Unterstützer sollte man verzichten, es sei denn, man stimmt inhaltlich mit vielen rechtsnationalen Positionen überein, ist wie Trump gegen EU und Deutschland eingestellt, und hat auch kein Problem damit, dass Trump überhaupt keine Moral kennt. Für ihn bedeuten nur zwei Dinge etwas: 1. Ich, 2. Geld. Ob Putin die Zivilbevölkerung der Ukraine bombardiert und garkeine Hemmungen in der Kriegführung kennt, ist Trump egal — und der AfD offenbar auch.
Noch immer wird behauptet, der Krieg würde nur fortgesetzt, weil man nicht mit Putin rede. Das ist eine einäugige Sicht und sachlich Quatsch, aber einige Leute bei uns wiederholen das gebetsmühlenartig und arbeiten damit unterm Strich Putin in die Hände. Wie kann man „in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt?“ Putin hat oft genug seine Ziele verkündet. Von Friedenssehnsucht oder Achtung des Völkerrechts war da nicht die Rede. Und wenn Trump sich kumpelhaft an Putin und andere Gewaltherrscher heranwanzt und sie gar „Freund“ nennt — wer will ihm da noch vertrauen? Abgesehen davon: Wer traut Trump denn überhaupt noch das politische Verständnis zu, das der Umgang mit Staatslenkern erfordert, sprich: Trump ist kein gelernter Politiker. Und er verkauft sich seinem Wahlvolk als erfahrener Dealmaker mit dem Anstrich, anders und besser zu sein als die üblichen, gelernten Politiker. Doch langsam brennt seine Hütte: Das Wahlvolk sieht, was „des Kaisers neue Kleider“ in Wahrheit sind. Skrupellos lässt er daher die Ukraine fallen und kauft bei Putin ein. Der große „Dealmaker“ sitzt in der selbstgebauten Falle: Seinen Irankrieg weiß er nicht zu beenden und sorgt für anhaltend teure Öl- und Gaspreise, vom Ukraine-Krieg ganz zu schweigen, den er angeblich als Präsident in 24 Stunden beenden würde. Jetzt findet er es eine gute Idee, in der Ukraine den Präsidenten auszutauschen. Das wäre vielleicht dann eine mögliche Verbesserung der Lage, wenn es um andere Präsidenten ginge…

W. R.

Es bleibt spannend

WIE nicht anders zu erwarten, waren am Tresen-Stammtisch in meiner Stammkneipe die letzten Landtagswahlen in drei Bundesländern das Thema…

„In Sachsen-Anhalt hat die AfD gesiegt, haushoch! Und die CDU deklassiert. Fast die absolute Mehrheit.“

„Aber nur fast. Und diejenigen, die nicht AfD gewählt haben, machen noch über 50% aus. Auch in Mecklenburg-Vorpommern. Da hat sich die SPD berappelt, dank dem konsequenten Auftreten von Manuela Schwesig gegen die AfD.“

„Kann man so sehen. Das mit den Prozenten ist ja immer relativ. Tatsache ist, dass die AfD viele Stimmen bei Leuten geholt hat, die vorher nicht gewählt hatten.“

„Und was sehen wir daran?“

„Ja, was? Das Wetter war schön, die AfD-Anhänger knatterten mit ihren Simpson-Mopeds herum, es war schön wie früher in DDR-Zeiten…“

„… glaubten viele Leute. Ha! Die Erinnerung malt mit goldenem Pinsel. Da wird ne Menge DDR-Frust ausgeblendet.“

„Man hört ja auch, dass Viele in Umfragen sagten: Mir persönlich geht’s gut, aber dem Land geht’s schlecht, so kann es nicht weitergehen.“

„Da muss man nicht groß nachfragen. Die Leute hören auf die allgemeine Miesmache der Politik, die von der AfD betrieben wird. Im Grunde ist das 90% Stimmungsmache, da werden nur Gefühle mobilisiert.“

„Genau! Falsche Gefühle! Im Übrigen: Wenn es dann sachlich und konkret werden soll, wenn man die AfD-Führer fragt, was sie denn tun wollen für die Verbesserung der Probleme, dann kommt meist nur allgemeines Gerede.“

„Und der Spitzenkandidat wollte entweder die absolute Mehrheit oder gar nicht regieren. Die absolute Mehrheit hat er nicht, jetzt eiert er rum und hofft auf Abtrünnige aus der CDU oder die Unterstützung des BSW.“

„Was das betrifft, bleibe ich cool: Da ich nicht in Sachsen-Anhalt lebe und weder schwul noch lesbisch noch Journalist oder Kulturschaffender bin, habe ich zunächst nichts zu befürchten und warte ab. Ich kann zusehen, wie sich die AfD-Schranzen in einer Regierung aufführen und was sie zuwege bringen. Ich meine nicht, dass sie sich selbst entzaubern. Aber wenn sie ihre Kern-Anliegen durchsetzen wollen, setzen sie sich schnell Klagen vor Gericht bis hin zum Bundesverfassungsgericht aus, vielleicht kommt es dann endlich auch zum Verbotsantrag beim Bundesverfassungsgericht.“

„Den zu stellen hat die CDU ja versäumt.“

„Eben! Was haben die sich bloß gedacht oder erhofft? Sie politisch bekämpfen, hieß es von der Union. Und was haben sie gemacht? Sie haben ins Horn der AfD getutet und geglaubt, mit härterer Asyl- und Abschiebepolitik könnten sie die Stimmen von der AfD zurückholen.“

„Ja, manchmal dachte ich vor’m Fernseher schon: Der Dobrindt, das ist der Innenminister einer zukünftigen AfD-Regierung. Und die Grenzkontrollen wollte er auch nicht zurücknehmen, obwohl das mit Schengen usw. kollidiert. Das ist auch ein Stück weit anti-EU.“

„Aber warum wählen denn so viele Leute AfD? Sind die alle gefühlsduselig und geistig eingeschläfert? Merken die nicht, dass die Richtung der AfD zum Chaos führt? Merken die nicht, dass die AfD nix mit Demokratie am Hut hat und das System kapern will, um es zu sprengen?“

„Hör mir auf: Demokratie! Viele Leute wissen doch nicht mal, was das ist. Die meinen doch, wenn Wahlen stattfinden, dann ist das Demokratie. Putin lässt auch Wahlen abhalten, aber nur unter kontrollierten Bedingungen. Opposition gibt es nicht mehr, und wer zu kritisch ist, oder wer Frieden fordert, wird von der Wahl ausgeschlossen — oder landet gleich im Arbeitslager. Auch Hitler ließ das Volk abstimmen — aber nur in einer kontrollierten Situation, in der er fest mit dem gewünschten Ergebnis rechnen konnte.“

„Und Demokratie ist doch mehr als freie Wahlen: Gewaltentrennung und gegenseitige Kontrolle, Minderheitenschutz, Rechtsstaat, und allem liegen die Menschenrechte zugrunde. So haben wir das im Grundgesetz festgeschrieben. Aus guten Gründen!“

„Eben. Aber bei den Menschenrechten gehen Rechtsradikale schon auf Distanz. Rechte für alle? Das passt ihnen nicht. Und die AfD unterscheidet zwischen verschiedenen Kategorien von Bürgern, will „Passdeutsche“ nicht so akzeptieren wie „Biodeutsche“. Das ist Blödsinn. Man stelle sich vor, was aus den USA geworden wäre, wenn sie keine Einwanderung gehabt hätten und nur die ersten weißen Siedler aus Europa als Bürger akzeptiert hätten.“

„Vielleicht wären dann nicht so viele Indianer, pardon: Indigene, abgeschlachtet worden.“

„Trump würde die vermutlich am liebsten noch heute von der ICE-Truppe verhaften und außer Landes bringen wollen…“

„… oder versklaven.“

„Trump, ein alter Mann, der Boss sein will, ein Narziss, der nur geliebt und bewundert werden will. Der überhaupt der Allergrößte sein will, und deshalb äußerst sauer auf Kritik reagiert.“

„Und sich im Amt dumm und dämlich bereichert.“

„Ach, Trump kennt doch sowieso keine Moral, und keine Rücksicht auf nix und niemanden, wenn es ums Durchsetzen und Erfolg geht. Wie ein Mafia-Boss.“

„Trump nennt den Diktator Kim Jon Un einen Freund. Der darf Atomwaffen besitzen, der Iran aber auf gar keinen Fall. Trump glaubt, mit Kumpelei könne er in der Oberliga der Mächtigen am meisten erreichen. Klappt aber bei Putin nicht so richtig. Der geht einfach nicht auf Trumps Friedensvorschläge mit der Ukraine ein.“

„Aber unsere Friedenstauben hier meinen, man müsse nur mit Putin reden, dann gäbe es Frieden. Was Putin offiziell sagt und schreibt, hört sich leider ganz anders an. Nicht mal über einen Waffenstillstand will er verhandeln, bevor die Ukraine ihm nicht kampflos weiteres Gebiet überlässt! Er setzt auf Gewalt, er will nicht anderes als die totale Unterwerfung der Ukraine, und möglichst weiterer Länder der früheren Sowjetunion. Er will der neue Zar von einem zurückeroberten Großrussland werden.“

„Damit hat die AfD wohl kein Problem. Die wollen Putins Regime und die Sympathie mit dem russischen Volk in einen Topf werfen. Ich persönlich unterscheide das aber! Mir tun die Russen leid, die für Putin massenhaft sterben, und die, die unter seinem Regime leiden.“

„Dass man das hier überhaupt sagen muss! Das liegt an den vielen kreml-nahen Einflüssen in den social media. Die stiften Desorientierung, damit möglichst viele Leute nicht mehr klar denken.“

„Apropos klar: Ich sehe klar, dass Jupp in Aktion treten sollte, um hier am Tisch einige Gläser zu füllen.“

„Kommt schon!“ rief Jupp und war längst beim Zapfen. Und alle schauten zu.

„Und was sagt ihr zu Berlin? Da hatte die AfD keinen Durchmarsch, da siegte die Linke.“

„Das war wohl die Quittung dafür, dass die bisherigen Regierungen in Berlin, ob Landes- oder Bundesregierung, das Problem der ständig steigenden Mieten nicht wirksam angegangen sind. Das betrifft so viele Leute…“

„… dass ich mich schon lange wundere, wieso außer der lachhaften ‚Mietpreisbremse‘ nichts getan wurde.“

„Das Volksbegehren in Berlin zur Enteignung großer Wohnungsgesellschaften hätte eine Warnung sein können, ja müssen.“

„Da hat auch die AfD nix bieten können, die ist ja kapitalistisch unterwegs, die wanzt sich eher an Bosse ran.“

„Na, jedenfalls können wir gespannt sein, wie es in diesen Bundesländern weiter geht mit der Regierungsbildung.“

„Sicher, es bleibt spannend.“

[aufgezeichnet von W. R.]

Anmerkung: Wer Enteignung prinzipiell für verfassungswidrig oder verwerflich hält, kennt das Grundgesetz nicht — siehe GG Art. 14, Abs 2 u. 3.

Prost!

MAL wieder in meiner Stammkneipe, wieder hörte ich den Tresen-Stammtisch in eifrigem Gespräch, das zeitweise laut wurde:

„Habt Ihr das schon gehört: Die Ablehnung der AfD ist bei BürgerInnen ab 70 am größten.“

„Das sind ja schlimme Aussichten! Die sterben bald weg, besonders bei der kommenden Hitze — jaaa, jetzt wird mir auch klar, warum die AfD weiter stur den Klimawandel leugnet und nur von heißem Sommerwetter spricht. Die wollen gar nichts für Hitzeschutz tun, damit noch mehr Alte wegsterben und nicht mehr andere Parteien wählen.“

„Das sind die Alten, die nicht auf TikTok etc. von Propaganda der AfD und Russland erreicht werden.“

„Oder die dagegen immun sind, weil sie noch soviel wissen: Diese Propaganda erinnert in Vielem den Sprüchen, die schon die Nazi-Propaganda geklopft hat.“

„Genau, siehe den Kulturkampf der AfD gegen das Bauhaus. Man glaubt es kaum, aber es ist wahr: Die holen dieselben Vorbehalte und Lügen aus der Mottenkiste, die schon vor ca. 100 Jahren in Weimar von rechtskonservativen Provinz-Holzköpfen benutzt wurden.“

„Davon habe ich auch gehört. Moderne Aufgeschlossenheit für Freiheit und Experimentierfreudigkeit in der Kunst, das soll ‚antideutsch‘ sein! In Weimar sagten sie damals ‚undeutsch‘. Den alten Provinzialismus wärmt die AfD einfach wieder auf und setzt wieder einmal auf Gefühle von Überforderung und Ressentiment.“

„Den Spruch der 68er ‚Unter den Talaren Muff von tausend Jahren‘ könnte man hier abgewandelt wieder anwenden. Provinzieller Muff ist das Kulturkonzept der AfD. Sowas wie Nazi-Kunst und Sozialistischer Realismus, alter, abgestandener Wein in neuen Schläuchen. Mit sowas würde sich Deutschland in der Welt doch nur lächerlich machen.“

„Eben! Während das Bauhaus international Ansehen genießt, will die AfD sich davon distanzieren und sich lieber in völkischem Muff verkriechen.“

„Überhaupt — was soll denn ‚völkisch‘ heißen? In unserer heutigen, vernetzten Welt ist es völlig daneben, sich in ein Schneckenhaus zurückzuziehen und so zu tun, als könnte man wirtschaftlich, kulturell oder sonstwie autark und abgeschottet bestehen. Das war schon in den 1930er Jahren nicht mehr zeitgemäß, da war Deutschland als Industrieland schon weiter entwickelt als die Nazis in ihren Ideen. Aber sie taten so, als gäbe es ein Zurück mit „Blut und Boden“ und all dem Unfug. Das konnte man damals auch nur den Leuten erzählen, die schlecht bzw. falsch informiert waren und daher manchen Stuss glaubten.“

„Und die gibt es auch heute, das ist das liebste Publikum der AfD. Ganz ähnlich übrigens auch wie in den USA die Anhängerschaft von Trump.“

„Nur, da merken allmählich immer mehr Leute, dass sie einem Hochstapler aufgesessen sind, der starke Sprüche klopft, aber das Land eben nicht ‚great again‘ macht.“

„Trump hat es versaut, als er sich selbst Lügen strafte: Er wollte keinen neuen Krieg anfangen. Und er wollte die Lebenshaltungkosten senken, an deren Höhe angeblich die Demokraten schuld waren.“

„Und bei uns gibt es tatsächlich ein paar Traumtänzer, die meinen, man sollte der AfD die Chance geben, mal zu zeigen, ob sie es besser können als die sogenannten Altparteien. Dabei zeigt die AfD schon ohne politische Macht, dass sie genauso korrupt und zerstritten ist, wie sie es den ‚Altparteien‘ nachsagt.“

„Ohne echte Demokratie, ohne echte gegenseitige Kontrolle der Institutionen oder ‚Gewalten‘ im Staat schleicht sich immer schnell Korruption und Machtmissbrauch ein. Dazu gibt es nicht nur in der Geschichte, sondern auch in der Gegenwart genug Beispiele. Schon das ist ein überzeugendes Argument für die Demokratie. Wer leichtsinnig meint, man könnte mal etwas anderes ausprobieren, der hat keine Krempe am Hut oder seinen Verstand weggekifft und weggesoffen.“

„Genau. Aber das tun wir hier nicht, auch wenn ich jetzt unserem Jupp zurufe: Jupp, eine Runde, wir haben zuviel Luft in unseren Gläsern!“

Jupp war wie gewohnt schnell und setzte flugs gut gezapfte Kölschstangen auf den Tresen.

„So läuft das! Also dann, Prost auf die Demokratie! Möge sie gut und noch besser funktionieren.“

Alle am Tresen hoben ihre Kölschstange und prosteten mit. Und — haste nicht gesehen — im Schankraum machten prompt Einige mit, und auch ich hob mein Glas.

W. R.

A failed president

ALS Vorspann zum vorläufig letzten Kommentar zum US-Präsidenten Donald Trump zitieren wir aus ZEITonline diesen Leserkommentar vom 22.08.2026, abgerufen 12.30h:

Man muss leider befürchten, dass einige von Trumps Fehlern und Missetaten nicht mehr zu reparieren sind, geschweige denn rückgängig zu machen (man denke nur an die Straße von Hormus und die Lage dort vor dem Krieg gegen Iran).

Der weltweit wirkende, moralische Flurschaden durch sein negatives Vorbild von Egoismus, Geldgier, Lügerei und absoluter Respektlosigkeit gegenüber Menschen wird bleiben, dazu die Folgen seiner klimaschädlichen Ignoranz. —

W. R.

Nachtrag am 21.10.2026: Lässt sich überhaupt etwas Positives über Trump und seine Präsidentschaft sagen? Grundsätzlich kennt er keine Moral außer dem persönlichen Vorteil und der persönlichen Bereicherung. Er sieht auch keinen Sinn darin, sich an irgendwelche Sitten und Gepflogenheiten in der Politik zu halten. Er macht nicht einmal seine eigenen Regeln, bei ihm herrscht Regellosigkeit: Was er heute sagt oder anordnet, kann morgen schon nicht mehr gelten und sogar ins Gegenteil verkehrt werden. In der Außenpolitik kennt er keine Bündnistreue und opfert nach Belieben die Interessen oder sogar den Schutz von Verbündeten. Damit sorgt er dafür, dass das Ansehen der USA international sinkt, und dass die USA kaum einer Regierung auf dem Planeten noch als verlässlicher Partner gilt. Trump setzt seine Vorhaben im Zweifel mit Erpressung auch gegen Verbündete durch und straft unbotmäßige Regierungen mit empfindlichen Strafzöllen (auch wenn dies der Wirtschaft in den USA schadet). Sein Verständnis von Außenpolitik dümpelt auf mäßigem Niveau, deshalb setzt er im Zweifel auf brachiale Machtdemonstrationen: Sein Verhalten auf diplomatischer Ebene ähnelt dem eines Mafia-Bosses im Hinterzimmer, der gern mal seine „Kanone“ auf den Tisch legt und seine „Gorillas“ als Drohkulisse aufmarschieren lässt. Darum kann er mit Begriffen wie „wertebasierte Sicherheitsordnung“ oder Völkerrecht nichts anfangen.

Und so erstaunt auch nicht, dass er mit den Bossen von „Schurkenstaaten“ (wie man noch vor Jahren sagte) freundlich mit Shakehands vor Kameras posiert. Im Zweifel steht bei ihm nur die Frage im Raum, ob und wieweit er mit solchen Figuren Geschäfte einfädeln kann. Er begreift wohl gar nicht, dass sein Aufgabenbereich größer ist, als nur wirtschaftliche Deals abzuschließen. Dass er als Präsident mehr sein sollte als nur ein Geschäftsmann auf dem Stuhl des mächtigen Bosses. Von seinem persönlichen Narzissmus wollen wir lieber gar nicht erst reden, der kommt noch als weitere Schwäche obendrauf. Ja, Trump ist ein schwacher Präsident, und er hat sich mit speichelleckenden Schwachmaten umgeben. Wie soll da noch viel Gutes herauskommen? Man spricht bei Staaten, die nicht funktionieren, schon mal von „failed states“. Trump könnte ein Lehrbeispiel für einen „failed president“ sein, und das schon vor der Mitte seiner zweiten Amtszeit.

Was habt Ihr Anderes erwartet? Schon zu Beginn seiner ersten Amtszeit wurde bekannt, dass Trump sich bei längeren Erklärungen langweilt, dass er die bei früheren Präsidenten üblichen Briefings der Geheimdienste nicht schätzt und längere Dossiers gar nicht liest, dass er morgens erst einmal die Nachrichten seines rechtsgerichteten Lieblingssenders Fox schaut und dann auf Twitter (später umbenannt in X) ein paar Postings ‚raushaut. Und daran hat sich in seiner zweiten Amtszeit nichts gebessert, eher im Gegenteil: Einige Beobachter sprechen von Anzeichen beginnender Demenz bei Trump. Was er früher gegen seinen Kontrahenten Joe Biden ins Feld führte, trifft längst auf ihn selbst zu: Er zeigt Anzeichen von altersbedingten Ausfällen. Es wird also nicht besser werden mit Trump, eher schlimmer. —

Fortschritt?

JUHU Fortschritt, vorwärts mit KI? Hm, Vorsicht. Voooorsicht!
Was da in jüngster Zeit öffentlich wurde, lässt mich erneut zweifeln, ob es eine gute Idee wäre, KI mal auszuprobieren und sie in Anspruch zu nehmen. Zwei Beispiele:
1. https://www.spiegel.de/netzwelt/rumaenien-hacker-legt-offenbar-gesamten-immobilienmarkt-lahm-a-3cbf96b5-6447-4833-927b-13cce64857f1
2. https://www.spiegel.de/netzwelt/web/openai-ausgebrochenes-ki-modell-ging-tagelang-unbemerkt-auf-hacker-tour-a-fe0326a8-25f6-4b78-a77d-3aacee6d669f
Beispiel 1 zeigt, dass KI in den falschen Händen alles Andere als ungefährlich ist. Und Beispiel 2 zeigt, welches Risiko Menschen eingehen, wenn sie KI in einem scheinbar sicheren Gehege frei laufen lassen.
Eigentlich reichen diese beiden Fälle schon, um festzustellen: Nur weil interessierte Leute da viel Geld investiert haben (und noch viel mehr kassieren wollen) und angeblich alles unter Kontrolle haben, darf man solche neu entwickelten Systeme nicht einfach auf die Welt loslassen.
Während heute jeder Depp sagen würde, dass die Entwicklung der Atombombe ein Fehler war und offensichtlich unsere heutige Welt unsicherer gemacht hat, gibt es anscheinend genug Deppen, Nerds und Fachidioten, die eifrig an neuen KI-Modellen basteln. Verantwortung für die Folgen? Ach Blödsinn, wir treiben doch nur den technologischen Fortschritt weiter!
Was aber erkennbar negative Folgen für die Menschen hat, ist die Tatsache, dass Nutzer der KI das Denken an die KI delegieren und damit verlernen, selbst zu denken und ihren kritischen Verstand zu schärfen.
Und das, liebe Besucher dieser Website fu-frechen.de, läuft ganz klar unserem erklärten Ziel zuwider: Wir ermuntern und rufen dazu auf, den eigenen Verstand nicht in den Schlafmodus zu legen, sondern selbst zu denken und sich das nicht von irgendwelchen VordenkerInnen abnehmen zu lassen — also auch nicht von einer KI.
Mag sein, dass man KI für gewisse Fleißarbeiten gebrauchen kann, die selbige statt in Wochen in einer Stunde erledigt. Aber aufgepasst! Wo überschreite ich die Grenze zur Denkfaulheit, weil ich mich darauf verlasse, dass KI die Denkarbeit schnell und für mich bequem erledigt?
Das zumindest sollte man bedenken, ehe man so „easy“ Vieles der KI überlässt. Und wenn es unbedingt sein soll: Bleiben Sie HerrIn des Verfahrens!

Es hat sich langsam herumgesprochen: Blinde Fortschrittsgläubigkeit und KI-Entwicklung vertragen sich nicht. Schon mehrfach sind Experimente, die scheinbar gut abgesichert waren, aus dem Ruder gelaufen (siehe oben, Beispiel 2). Manche Kritiker warnten schon lange: Passt auf, sonst übernimmt ein KI-Programm die Initiative und macht, was es will. Im schlimmsten Fall passiert, was vor Jahrzehnten im Film „2001 — Odyssee im Weltraum“ vorweggenommen wurde. Da nahm der Bordcomputer den Menschen die Kontrolle über ihr Raumschiff…

Heutzutage läuft so unglaublich viel über digitale Systeme, dass man höllisch aufpassen muss, bevor man so einer KI-Entwicklung den Zugang in ein anderes System ermöglicht, und sei es aus Fahrlässigkeit. Auf jeden Fall aber eröffnet KI böswilligen Hackern große neue Möglichkeiten (siehe oben: Beispiel 1).

Man möchte bisweilen nostalgisch an die Zeit zurückdenken, als Computer noch große Maschinen mit begrenzter Leistung waren, verglichen mit heute. Und an die Zeit vor der Erfindung des Internet und des World Wide Web. Kein Wunder, dass es bei manchen jungen Leuten eine Art Nostalgie für Zeiten gibt, in denen sie noch nicht geboren waren, z.B. für die 1960er Jahre.

Natürlich war das nicht die „Gute Alte Zeit“, auch damals gab es Kriege und Bedrohungen auf der Erde. Aber wer keine Atombombe besaß, konnte damals auch nicht die halbe Welt lahmlegen oder an den Rand der Vernichtung bringen. Heute bin ich mir nicht so sicher, ob es nicht jemandem gelingen könnte, das hinzukriegen. Durchgeknallte Idioten und Größenwahnsinnige gab es schon immer, nur waren ihre Möglichkeiten, Unheil anzurichten, früher überschaubarer als heute.

Das ist wohl der Reiz an der o.g. Nostalgie: Im Rückblick erscheint Vielen die analoge Welt der 1960er Jahre überschaubar — im Gegensatz zur heutigen, weitgehend digitalisierten, in der wir aus allen Kanälen mit Informationen, Nachrichten und Fake News aus allen Ecken der Welt überschüttet werden. Das kann der Mensch nicht mehr gut verkraften und ordnen. Auch deshalb kommen die Verführer mit den einfachen Parolen bei vielen Überforderten gut an. Das ist gefährlich, weil damit ein politisch-moralischer Rückfall in die 1930er Jahre droht.

Da sage ich: Nein, danke. Mir ist eine Demokratie mit Mängeln immer noch lieber als ein autoritäres System. In einem demokratischen System sind Verbesserungen nicht nur denkbar, sondern auch möglich. Aber in einem Einparteienstaat oder in einer Diktatur? Man darf sich unsere Demokratie nicht schlechtreden lassen und der Illusion erliegen, eine autoritäre Alternative würde aus Deutschland ein Wünsch-dir-Was-Land machen, in dem ein Führer das große Glück bringt. Ich persönlich glaube jedenfalls nicht an den Weihnachtsmann. Ihr etwa?

W. R.

P.S. Was ich mit den 1930er Jahren meine? Ich bitte Euch, soviel Wissen und Verstand solltet Ihr selbst mitbringen!


Natürliche Auslese?

AM Tresen, Ihr wisst schon, gab es wieder große Gespräche:
„Unsere Welt wird immer unübersichtlicher, wer blickt da noch durch?“
„Ja, und immer kränker. Social media verderben die Jugend, desinformieren die Erwachsenen, verdummen das Volk…“
„… weil du gar nicht mehr weißt, welche Katastrophe du zuerst wahrnehmen sollst, denn überall brennt es, gibt es Überflutungen…“
„Und dabei wird soviel Geschwätz verbreitet, dass keine Regierung mehr das Thema Klimaschutz ernst nimmt — und immer mehr Verdummte AfD wählen.“
„Ja, danke CDU und CSU! Eure nicht vorhandene Klimapolitik hat ein Gutes: Die Rentner werden weniger, weil es immer mehr Hitzetote unter den Alten gibt. Und das Gesundheitssystem wird so auch saniert: Vulnerable Gruppen, das sind ja nicht nur Alte, sondern auch chronisch Kranke und geschwächte Personen. Die belasten dann bald nicht mehr unser Gesundheitssystem, weil sie früher versterben. Geniale Lösung! Danke, Unionsparteien! Wer Geld genug hat, kann sich sowieso immer noch besser versorgen, also sterben mehr Arme weg. Das kostet dann weniger Bürgergeld, nein, wie heißt das jetzt? Grundsicherung? Danke. Und die Tafeln können dann auch wieder durchschnaufen, da stehen dann weniger Leute an. Natürliche Auslese heißt das in der freien Natur. Und so sehen das auch Zyniker, Sozialdarwinisten, Rechtsradikale und Faschisten.“ —

Wow! Ich musste mal durchatmen, denn soviel Sarkasmus hatte ich selten vom Tresen-Stammtisch gehört. Ich stürzte meinen Rest Kölsch hinunter, zahlte und ging hinaus. Da warf mir (gefühlt) jemand eine dicke Wolldecke über, so eine warme, stickige Luft war draußen — um diese Zeit noch! Da sollte jetzt kühlende Abendluft über meine Wangen streichen, aber nix da.

Zu Hause angekommen, schaute ich noch Nachrichten. Aber das wurde mir zuviel, immer noch und schon wieder diese Waldbrände in verschiedenen Teilen Europas, das scheint gar nicht mehr aufzuhören. Und das Mittelmeer ist viel zu warm: Wer will an Mallorcas Strand in fast schon heißes Wasser (33 Grad) steigen? Und wie überleben das die Lebewesen im Meer? Zugleich schmelzen die verbliebenen Alpengletscher, Felsabbrüche mehren sich, den Kühen auf den Almen vertrocknet das Gras… Ach, es ist einfach grauenhaft. Am schlimmsten: Die galoppierende Klimaveränderung, die in der Geschichte noch nie so rasend schnell vor sich ging — sie kommt nicht unvorhergesehen. Aber wo und wie weit hat die Politik die Warnungen beherzigt? Im Gegenteil, nicht nur Trump geht den bequemen Weg und leugnet erst den Klimawandel, dann die Ursachen, und redet den Leuten ein, man könne weiter Kohle, Öl und Gas verbrennen und damit weiter die Erde aufheizen. Man macht kräftig Propaganda gegen Klimaschutzpolitik, und Trump bezahlt sogar RWE dafür, dass sie an Amerikas Küsten keine Windparks bauen, die schon geplant waren.

Und wenn du denkst, es reicht jetzt, ich will was Positives aus der Wirtschaft hören, dann trocknet der Rhein fast aus (auch das nicht überraschend, wir hatten das 2018 schon mal), und das hat Folgen für die Wirtschaft, weil Binnenschiffe kaum noch Lasten befördern können…

Aber Klimaschutz ist ja überflüssig, ist in den Augen der Union grünes Teufelszeug, das machen wir auf gar keinen Fall! Wir faseln zur Ablenkung was von Atomkraft und Mini-AKWs in der (fernen) Zukunft. Hätten wir auf die Atomkraft-Fans gehört und unsere AKWs weiter laufen lassen, dann hätten wir jetzt ähnliche Probleme wie Frankreich oder Rumänien, wo den AKWs, gebaut an Flüssen, das Kühlwasser fehlt.

Die Leute, die Vernunft und gesunden Menschenverstand für sich reklamieren und den Grünen immer „Ideologie“ vorwerfen wollen, sind selbst ideologisch verbohrt und ignorieren die Klimakrise in dem Glauben, Recht behalten zu können bis zum Gehtnichtmehr. Viele wollten Klimaschutz gegen Wirtschaftwachstum ausspielen, und nun kommt die Quittung: Die Hitze und Dürre gefährden gerade das ersehnte Wirtschaftswachstum. Und uns werden steigende Preise vorausgesagt. Ganz toll!

Ach ja, dazu wollen wir noch die alternativen Lösungen der AfD hören: Aber da sind keine. Da dreht sich alles, wirklich alles nur um das „Problem“ Migration. Migranten sind an allem schuld, so einfach ist das — für Leute, die meinen, es geht auch ohne Denken. Die AfD setzt voll auf Gefühl, aber leider auf Retro-Gefühlsmatsch. Da werden Heimatliebe, Nationalstolz, Angst vor „Überfremdung“ zu einem Matsch verrührt, der die Leute vom Denken abhalten soll. Und als Krönung wird von „Remigration“ gefaselt.

Wer immer noch nicht weiß, dass wir Mangel an Fachkräften haben und deshalb Zuwanderung brauchen, um die Wirtschaft am Laufen zu halten, dem ist nicht zu helfen. Wer immer noch nicht merkt, dass da harmlos tuende Leute Schwarz-Rot-Gold schwenken, aber sich Schwarz-Weiß-Rot wünschen (und einige diese Farben mit einem Kreuz, das schwere Haken hat), wer nur noch mitjohlen und mitlaufen will, der hat den letzten Rest seiner politischer Bildung vergessen.

Europa erwärmt sich schneller als der Rest der Welt. Vielleicht wird es uns bald zu heiß, und wir flüchten vor der Klimakrise in andere Weltgegenden. Wie wollen wir da empfangen werden?

W. R.

Vorwärts ins Mittelalter?

CSD: ein Fest nicht nur für die queere Community, vielmehr auch ein Fest der Freiheit, der Liebe, der Lebenslust, der Toleranz, der bunten Gesellschaft mit Offenheit für verschiedene Lebensentwürfe.
Das passt ein paar Leuten gar nicht, und einige davon haben einen richtigen Hass darauf. Das führte zu dem Anschlag in Berlin am Abend des 25.07.2026.
Soweit man hört, handelt es sich um einen Anschlag mit islamistischem Hintergrund. Islamistisch ist eine extreme Auslegung des Islam, nicht der „normale“ Islam, dem fast alle Moslems und Muslima angehören. Islamisten sind politisch auf das Ziel eines „Gottesstaates“ ausgerichtet; radikale Islamisten schließen gewalttätige Aktionen nicht aus, wollen die ihrer Ansicht nach einzig wahre Religion im Zweifel mit Gewalt und Mord verbreiten, wobei alle Ungläubigen Zielscheibe werden können, auch alle Nicht-Islamisten.
Eine solche Weltanschauung ist nach europäischen Maßstäben ein Rückschritt ins Mittelalter, kann also in unseren Augen nur mit Lächeln, Kopfschütteln und/oder totaler Ablehnung quittiert werden.
Aber es gibt nicht nur Islamisten (besonders die Anhänger des IS), es gibt auch andere Gruppen mit extremer Weltanschauung, die nicht nur über andere Menschen feindlich denken, sondern ihnen auch Gewalt androhen und sie bei Gelegenheit ausüben.
Kurz gesagt: In Sachen Hass auf Andersdenkende, Andersgläubige oder anderen Lebensentwürfen Folgende reichen sich Islamisten und Faschisten ideologisch die Hand. Sie wollen eine nach ihrer Weltanschauung ausgerichtete Gesellschaft, in der nicht Menschenrechte gelten, sondern die Zuteilung von Rechten durch einen Führer. Was Wunder, dass beide Ideologien einen Männlichkeitskult betreiben und Gewaltbereitschaft für eine zentrale männliche Eigenschaft halten. Da haben Frauen wenig zu sagen und, vor allem, sich den Männern unterzuordnen.
Der Männlichkeitskult ist zugleich ein Gewaltkult, folglich ergehen sich die Vertreter dieser Ideologien in Gewalt-Fantasien, in denen Schwächere unterjocht werden — und ganz besonders Frauen. Wo Faschisten oder Islamisten Macht erlangen, werden Frauen zu Menschen zweiter Klasse degradiert, werden sie weitgehend aus dem öffentlichen Leben ausgeschlossen, werden sie zu sexuellen Objekten und zu Gebärmaschinen gemacht.

Diese Feststellungen kann man auch auf Leute anwenden, die vorgeben, aus scheinbar ganz anderen religiösen oder weltanschaulichen Motiven solche mittelalterlichen Vorstellungen zu propagieren. Neulich hörte ich von einer Influencerin im Netz, die als „Christfluencerin“ jungen Menschen ihre eigene Art von Lebenshilfe und Orientierung geben will: Sie rät jungen Frauen, sie sollten „sehr gut auswählen, welchem Mann sie sich unterordnen.“ Wie bitte? Da bleibt mir die Spucke weg! Und als Begründung für diese Weibchen-Haltung wurde angeführt, dass das in der Bibel vorgegeben sei. Au weia! Für das 21. Jahrhundert sollen (ausgewählte!) Textpassagen aus einer Zeit zur Orientierung dienen, die nur Patriarchat und autoritäre Strukturen kannte. Unsere Gesellschaft soll demnach die Männerherrschaft und Sklavenhaltung des Römischen Reichs oder noch früherer Staaten zum Vorbild nehmen? Leute, geht’s noch?

Lasst Euch nicht jeden Sch… auf social media einblasen! Es gibt in der Bibel, speziell im Neuen Testament, eine Menge guter Orientierung, z.B. von einem Jesus, der den Frauen auf Augenhöhe begegnete. Aber das könnt Ihr, wenn Ihr möchtet, etwas ausführlicher hier auf fu-frechen.de auf der Unterseite Höheres lesen.

Soweit zur Unfreiheit in mittelalterlichen und noch weiter zurückliegenden Zeiten. Die können heute kein Vorbild sein. Also bitte, wirklich nicht! Die haben wir hinter uns gelassen. Und das wollen wir auch nicht wieder hochkommen lassen. Dagegen spricht schon die Vernunft, dagegen spricht auch das Bedürfnis der Menschen nach Freiheit und Selbstbestimmung.

Der Anschlag am 25.07. zeigt, worauf radikaler Islamismus und andere extreme, gewaltbereite Vorstellungen hinauslaufen. In ihrer Verbohrtheit können derer Anhänger nicht ertragen, dass Menschen nicht dieselben Vorstellungen teilen und sich auch nicht ihren Gewaltfantasien unterwerfen wollen. Darum müssen diese Fanatiker der Gewalt mit allen vertretbaren Mitteln bekämpft und unschädlich gemacht werden. Wenn wir Menschlichkeit, Demokratie und christliche wie islamische Werte ernst nehmen, dürfen wir diese menschenfeindlichen Ideen nicht verharmlosen.

Und, unter uns gesagt: Wer z.B. Musik und Tanz verbietet, verrät seine Angst vor unkontrollierter Emotionalität. „Männliche“ Ausbrüche von Hass und Gewalt werden da toleriert, wo gleichzeitig den Frauen so ziemlich alles verboten wird, was Männer nicht ständig kontrollieren können. Diese Männer sind in einem Korsett von „Männlichkeit“ gefangen und dazu verdammt, ihre Gefühle maximal zu kontrollieren. Sie sind nicht frei, sondern ständig gezwungen, sich als Macker zu zeigen. Die „starke“ Seite solcher Männer ist zugleich ihre Schwäche. Pst, nicht laut weitersagen, ein Macker in der Nähe könnte sich ertappt sehen und ausrasten!

W. R.

P.S. Der Begriff „Islamismus“ wird nicht überall exakt gleich definiert. Genaueres siehe: Islamismus – Wikipedia — und Islamismus – Was ist das überhaupt? | Islamismus | bpb.de

Näheres zu „Faschismus“ siehe u.a. den Blog-Beitrag „Liebe Faschisten?“ vom 02.10.2020

Nur noch Realsatire?

EIGENTLICH wollte ich mal wieder in Ruhe in meiner Stammkneipe ein Schnitzel verspeisen, doch mit der Ruhe war es bald vorbei. Denn am Tresen wurde es in der Stammtisch-Runde laut.
„Menschenskind, begreifst du denn nicht? Der Merz und seine Politikerriege leben auf einem anderen Planeten! Die wissen so wenig vom Alltag der großen Mehrheit, dass sie solchen Unsinn produzieren. Das mit den Attesten am ersten Tag hat auch den Protest der niedergelassenen Ärzte provoziert.“
„Und was die Bär als Bafög-Reform vorgeschlagen hat, war auch realitätsfern.“
Und jetzt kommt der Spahn mit seinem Leihmutter-Kind aus den USA, ja wo simmer denn? Hier macht er sich gegen Leihmutterschaft stark, und dann…“
„… entscheidet er sich mit seinem Partner für eine Vaterschaft, obwohl das für ihn politisch heikel ist. Klar, dass er nun ein Problem als Politiker hat, aber menschlich — ich muss sagen, ich konnte ihn nicht leiden, aber jetzt kriegt er für mich zum ersten Mal menschliche Züge.“
„Ist eine Frage, an der sich die Geister scheiden, das mit der Leihmutterschaft. Einer von der CSU redete vom christlichen Menschenbild, und dass das nicht ginge aus Respekt vor dem Leben. Also, ich habe den Respekt vor dem Leben schon an anderen Stellen vermisst, und zwar vor dem längst geborenen.“
„Genau! Zum Beispiel vor den sogenannten vulnerablen Gruppen, die sehr unter den Hitzeperioden leiden, die wir immer öfter erleben. Da wird Klimapolitik der Wirtschaft zuliebe …“
„… und aus antigrüner Besessenheit…“
„… total ausgeblendet, ja sogar zurückgedreht, und man tut so, als sei das auch der Wille der Bevölkerung. In Umfragen sagen Viele aber etwas Anderes.“
„Und lokal werden hier in Köln gern mal reihenweise alte Bäume gefällt, weil Bauvorhaben wichtiger sein sollen. Ausgerechnet jetzt, wo bei sehr vielen Menschen der Groschen gefallen ist: Der Klimawandel ist keine Theorie, er ist schon da, und es wird schlimmer.“
„Trotzdem wird in Chefetagen und Verwaltungen immer noch getrickst und getäuscht, wenn es um Grün in der Stadt oder um Verkehrspolitik geht. Das Verbrenner-Aus für Neuwagen ab 2035 hat die Union torpediert, sie hat sich gegen ein Tempolimit auf Autobahnen gewehrt…“
„… wobei hier nicht das Ausland zum Vergleich genommen wird, wo es fast überall Tempolimits gibt. Aber wenn es um Atomkraftwerke geht, dann ziehen sie gern das Ausland aus der Tasche, wo angeblich überall die AKWs auf dem Vormarsch sind. Man zieht nur Vergleiche, wenn’s gerade passt.“
„Oder es wird passend gemacht. So werden auch Statistiken benutzt. Da pickt man sich Daten zum Vergleich heraus, um irgendwas zu beweisen, und verschweigt dabei, dass man tatsächlich Äpfel mit Birnen vergleicht.“
„Sarkastisch gesprochen, sage ich dir: Sei froh, dass sie sich wenigstens diese Mühe machen. Denn schlimmer geht immer, siehe Trump. Der lügt schamlos in die Fernsehkameras und auf seinem Kanal, dass sich die Balken biegen. Jetzt versuchen angeblich die Chinesen, Wahlen in den USA zu manipulieren. Seine Niederlage gegen Biden damals war ja angeblich eine gestohlene Wahl.“
„Die Chinesen müssen bei Trump ja für alles Mögliche herhalten.“
„Dabei gibt es deutliche Anzeichen dafür, dass 2016 Putin ihm bei seiner ersten Wahl zum Präsidenten geholfen hat. Später hat Trump alle verfolgt und gestraft, die damals in Sachen russische Einflussnahme ermittelt haben.“
„Ja, rachsüchtig ist er auch, der Lügenbaron und Möchtegern-Kaiser.“
„Er ist einfach unmöglich als Politiker.“
„Da passt er gut mit Infantino zusammen, der ist unmöglich als FIFA-Präsident. Beide haben nur Geldgier im Kopf.“
„Da werden alle Maßstäbe von Moral und Anstand in die Tonne gekloppt. Das ist alles nur noch Realsatire.“
„Genau, wer das vor zwölf Jahren vorausgesagt hätte, wäre nicht mal als Komiker ernst genommen worden.“
„Überlegt euch das mal: So weit sind wir gekommen! Was ist aus dieser Welt geworden, wenn die Großkopferten sich nicht mal mehr Mühe geben, ihre Unmoral zu verbergen…“
„… während ich jetzt mal gegenüber unserem Jupp nicht verbergen will, dass Nachschub in unseren Gläsern äußerst willkommen wäre. Leute, positiv denken! Trotz alledem! Jupp, schaff er frisches Bier herbei! Und dann wollen wir uns die Welt ein bisschen schöner trinken!“


aufgezeichnet von W. R.

Schlechte Gedanken und die Folgen

REKORD-Temperaturen in Deutschland! Am 27. Juni trifft es Sachsen-Anhalt mit 41,5 Grad, dann folgt Brandenburg. Die Hitze-Glocke hat sich nun auch zum Osten hin ausgebreitet, ohne dabei an Wärme zu verlieren.

Man könnte als gläubiger Mensch, der mit Gottes Eingreifen in der Welt rechnet, auf die Idee kommen: Der „liebe Gott“ will nun auch die vielen AfD-Anhänger und -Sympathisanten in östlichen Bundesländern erleben lassen, was Klimawandel schon jetzt bedeutet. In der AfD vertrat man ja die Ansicht, der Klimawandel sei a) nicht wahr, sondern erfunden, dann b) nicht so schlimm und nichts Besonderes in der Geschichte, schließlich c) nicht menschengemacht und erst recht nicht von Menschen beeinflussbar. sodass wir auch gar nichts dagegen tun könnten.

Für die AfD war Klimapolitik und Reduktion des CO2-Ausstoßes überflüssiger Unfug — so wie es Donald Trump immer noch in die Welt posaunt und in den USA auch durchzusetzen versucht. Das freut natürlich die Öl-Multis und lässt Partei-Spenden fließen…

Der „liebe Gott“ versucht also gerade, die Klimawandel-Ungläubigen zu einem Sinneswandel zu bekehren. Motto: Jetzt könnt Ihr erleben, wie sich das anfühlt, was Ihr nicht wahrhaben wollt. Vielleicht hilft Euch ja eine AfD-geführte Regierung (die Ihr Euch wünscht) aus der Klima-Misere. Fragt die Partei-VertreterInnen doch mal nach ihren Lösungs-Vorschlägen!

Aus der AfD kommen „Lösungs“-Vorschläge wie: Alle Flüchtlinge/Zuwanderer abschieben (darunter diejenigen, die in der Hitze noch arbeiten können), oder: Gegen den Klimawandel können wir eh nichts tun (aber ihn mit mehr CO2-Ausstoß befeuern), oder: Atomkraftwerke bauen, denn angeblich ist die ganze übrige Welt dafür (und dabei sehen wir weg, wenn z.B. Frankreich bei Hitze AKWs abschaltet, weil Kühlwasser knapp wird).

Man sieht: Solche „Lösungen“ werden Leuten angeboten, die schlecht informiert sind und einseitigen Einflüsterungen im Internet erliegen; Leuten, denen das kritische Denken so weit abhanden gekommen ist, dass sie einfache Bauch-Parolen für kluge politische Konzepte halten.

Kann sein, dass sich der „liebe Gott“ daraufhin enttäuscht von seinen Geschöpfen abwendet und grummelt: Dann lauft doch in Euer Unglück und erlebt die Folgen am eigenen Leibe! Das wäre ja nicht das erste Mal, aber wieviel Schaden braucht Ihr eigentlich noch, bis Ihr daraus lernt?

Wir brauchen nicht unbedingt an den „lieben Gott“ zu denken, wir können auch an die Klimaschäden denken, die schon auftreten und sich Prognosen zufolge noch auftürmen werden. Aber bis der Letzte begreift, dass wir alles tun müssen, um die Katastrophen wenigstens einzudämmen, wird es zu spät sein, um das Desaster noch zu stoppen.

Denn Menschen können zäh an liebgewonnenen und gewohnten Denkmustern festhalten. Beispiel: Im Fersehen sprach kürzlich jemand mit einer Frau in den USA, die jahrelang fest in der MAGA-Bewegung von Trump stand und z.B. die Berichte über Schul-Massaker in den letzten Jahren für Fake-News hielt: Diese Amokläufe in Schulen sind erfunden, glaubte sie früher — weil das in der MAGA-Blase so kommuniziert wurde, und weil Trump die seriösen Medien immer wieder beschimpfte und beleidigte (so wie alle, die ihn öffentlich kritisierten ).

Denn eins ist auch klar: In den rechtspopulistischen und rechtsradikalen Kreisen spielen Fakten eine geringe Rolle, hier werden eher Gefühle erzeugt und gepuscht, mit denen man Menschen steuern kann. Da werden oft auch falsche Dinge einfach behauptet, um Gefühle zu mobilisieren: nur die Wirkung zählt.

Der „liebe Gott“ kennt seine Pappenheimer und macht sich nichts vor: Einige lernen nur auf die harte Tour…

In puncto Rekord-Temperaturen braucht ER sich gar nicht weiter zu bemühen. Die Wissenschaft erklärt uns schon seit Jahren: Wenn sich die Klimaveränderungen weiter aufschaukeln, werden bald Kipp-Punkte überschritten, dann gibt es kein Aufhalten und kein Zurückfahren mehr. Ach was, sagen die Klimaleugner, dann erklären wir einfach die Wissenschaft zu Fake-News. Vor längerer Zeit sagte z.B. J.D.Vance in einer Rede: „The professor is the enemy.“

Und „der liebe Gott“ schüttelt bekümmert sein Haupt und hat ein Déja-Vu: So haben sie schon im Mittelalter die Wahrheit bekämpft. Bis mehr Leute begriffen, dass ihnen Verstand gegeben wurde — und einige Mut fassten, ihn auch selbstständig zu benutzen. So konnte es zur Amerikanischen Revolution 1776 und zur Französischen 1789 kommen. Beide proklamierten eine Erklärung der Menschenrechte.

Das waren wichtige Schritte in der Menschheitsgeschichte. Nationalismus und Rassismus fallen aber zurück hinter diese fortschrittlichen Errungenschaften, weil sie Menschen in verschiedene Wertkategorien einteilen wollen. Und sie wollen uns weismachen, dass diese Einstellungen keine Folgen für die Behandlung von Menschen hätte. Doch viele Erfahrungen aus der Geschichte zeigen das Gegenteil: Der Fisch stinkt vom Kopf, und schlechte Gedanken führen oft zu schlechten Taten.

W. R.

On Top zu allem Anderen

UNSERE Wetterberichte melden Temperaturen, wie sie bei uns noch nie im Juni gemessen wurden. Schon länger wird gewarnt, dass unsere Städte beim zunehmenden Klimawandel zu Hitze-Inseln und Brutöfen werden können.

Aber aus unserer Regierung hört man keine Signale, die erkennen ließen, dass man dort die kommenden Probleme im Blick hätte und gegensteuern wollte. Gewiss, seit die beiden Regierungsparteien (mit Unterbrechungen) in Koalitionen die Bundesregierung stellen, wurden so viele Dinge auf die lange Bank geschoben, dass ihnen nun quasi ein Riesenbatzen Probleme auf die Füße gefallen ist.

Ist das vergossene Milch? Ja und Nein: Natürlich muss man nach vorn blicken, aber aus der Vergangenheit lässt sich manche Lehre ziehen. Wir hatten vor ca. einem Jahrzehnt einen Finanzminister, der ständig die Schwarze Null im Bundeshaushalt beschwor und keine neuen Schulden machen wollte. Zeitgleich folgten immer mehr Finanzminister in Bund und Ländern einer vermeintlich genialen Idee: Langfristige Investitionen, die nicht für die nächste Wahl mehr Wählerstimmen bringen, wurden erstmal zurückgestellt, und damit wurde z.B. die Infrastruktur nicht im eigentlich nötigen Maße gewartet, repariert oder erneuert.

Das hieß beispielsweise für etliche Brücken: Trotz zunehmender Belastung durch immer mehr Schwerlastverkehr wurde erst einmal auf Verschleiß gefahren in der Hoffnung, dass die Brücken noch ein paar Jahre durchhalten würden — obwohl sie für solche Belastungen nicht gebaut waren (Denn vor 50-60 Jahren rollte weniger Warenverkehr in weniger schweren Lkw über die Straßen). Parallel dazu wurde die Schiene gegenüber der Straße benachteiligt, sodass wir heute großen Sanierungsbedarf im Schienenverkehr haben. Das wäre, verkürzt gesagt, die Misere, die wir aus der Vergangenheit mitschleppen. Vom Bildungsbereich wollen wir gar nicht erst reden.

Nun ächzen wir aktuell unter ungewohnt hohen Temperaturen, und wir erleben dabei nichts Überraschendes, sofern wir zugehört haben, als Wissenschaftler schon vor langer Zeit warnten. Aber zuviele Nebelkerzen wurden von vielen PolitikerInnen weltweit gezündet, die uns einreden wollten, das Klima ändere sich nicht entscheidend, und alle Zeichen des Wandels seien doch nur normale Wetterausschläge, die es immer schon gegeben habe. So redeten alle, die am Weiter-so-wie-bisher gut verdienten, zumindest aber die Augen vor Veränderungen verschließen und keine Gefahr sehen wollten.

Wir erinnern uns noch, dass ein Donald Trump den Klimawandel als „eine Erfindung der Chinesen“ abtat und statt der Sorge um die Zukunft der Menschheit lieber die Parole „America First“ ausrief. (Übrigens war das nicht originell, denn so hatte auch einige Jahre zuvor schon George W. Bush jr. getönt.) Bush jr. war ein entschiedener Vertreter der fossilen Energieträger (Kohle, Gas und vor allem Öl), und Trump folgte in seinen Fußstapfen.

Zu den Nebelkerzen gehört auch der Versuch, uns die Atomenergie wieder schmackhaft zu machen. Auch da wird die Sorge um die Zukunft (Strahlengefahr, Endlager für Atommüll) beiseite gewischt, angeblich reichen Erneuerbare Energien (Sonne, Wind, Wasser) nicht, um einen stetig steigenden Energiebedarf zu decken. Atomenergie ist außerdem die teuerste Form der Energiegewinnung. Da hilft auch die harmloser klingende Bezeichnung „Kernenergie“ nicht.

Der Kern der Misere ist: Trotz vollmundiger Zusagen und Versprechen im Pariser Klima-Abkommen haben viele Staaten ihre Klimaziele nicht erreicht. Das gemeinsame Ziel war: Die globale Erwärmung darf die Grenze von 1.5 Grad Celsius nicht überschreiten. Dann hätten wir die Chance, die weltweit drohenden Folgen zu vermeiden bzw. zu verlangsamen.

Doch seit einiger Zeit hören wir: Das 1,5-Grad-Ziel ist nicht zu halten, die globale Erwärmung überschreitet diese Grenze. Und dabei ist Europa fatalerweise auch noch der Kontinent, der sich stärker erwärmt als andere!

Statt die weltweite, übernationale Zusammenarbeit zu stärken und im Dienste der gesamten Menschheit an einem Strang zu ziehen, scheren ausgerechnet die USA unter Trump aus und propagieren nationalen Egoismus. Die von Trump vertretene Politik ist zu dumm, um zu verstehen, dass die USA die Klimakrise weder ignorieren noch allein bewältigen kann. Aber das ist nicht neu: Schon lange gab es in den USA Stimmen, die die Vereinten Nationen (UN) als nutzlos und für die USA schädlich ablehnten. Die Trump-Regierung entzieht Organisationen Gelder, die Hilfsprojekte in armen Ländern betreiben oder unterstützen, die den Hunger in Krisengebieten bekämpfen, etc.

Wer moralisieren will, sieht Trumps jüngste Blamage im Krieg gegen den Iran als eine Strafe für überheblichen Egoismus. Aber es gibt wenig Anlass zur Schadenfreude, da wir alle in Mitleidenschaft gezogen werden. Was da an Geld verpulvert wurde und wird, hätte anderswo sinnvoll eingesetzt werden können. (Wer möchte, kann so auch rückblickend den Irak-Krieg von Bush jr. von 2003 bewerten.)

Apropos Dummheit: Als vor wenigen Jahren ein deutscher Wetter-Moderator ein paar Mal im Wetterbericht auf Auswirkungen des Klimawandels verwies, erhielt er wüste Beschimpfungen und sogar anonyme Morddrohungen. Da muss man sich schon Sorgen machen um die Denkfähigkeit einiger ZeitgenossInnen und ihren moralischen Kompass. Auch da hat ein gewisser D. Trump Grenzen von Moral und Anstand eingerissen und ein schlechtes Vorbild gesetzt.

Übrigens: Wissenschaftlich erwiesene Tatsachen leugnen und Lügen verbreiten ist zwar ein Markenzeichen von Trump geworden, aber auch da hat Bush jr. schon Vorarbeit geleistet, indem er Fakten verdrehte (um den Klimawandel zu leugnen) und Falschbehauptungen in die Welt setzte (um seinen Krieg gegen den Irak zu begründen).

Es sieht also danach aus, dass sowohl Präsident Bush jr. als auch Trump in der Linie einer Politik stehen, die wesentlich von Öl-Milliardären vorgegeben und finanziert wurde und im „Project 2025“ der Heritage Foundation für Trump ausformuliert wurde.

Um zum vorläufigen Schluss zu kommen: Wir müssen offenbar nicht nur noch mehr Hitzetage ertragen, sondern auch die fast täglichen Ausfälle und Show-Einlagen des gegenwärtigen US-Präsidenten — on top zu all den anderen Problemen.

W. R.

Mehr zum 1,5-Grad-Ziel: Das 1,5-Grad-Ziel nach dem Übereinkommen von Paris | Umweltbundesamt

Konkret in Köln: das Thema Hitze ist auch hier relevant, siehe den Blog-Beitrag Köln-Notizen Sept. 2025 —