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Schlimmer geht immer

DA guckt man mal eine politische Talkshow im Fernsehen — und gewinnt wider Erwarten tiefere Einsichten:
Bei „Lanz“ sitzen am Abend des 10.06. neben dem Moderator Ines Schwerdtner, Co-Vorsitzende der Links-Partei und Bundestagsabgeordnete, außerdem der CSU-Politiker Markus Blume, bayrischer Wissenschaftsminister. Lanz schneidet das Thema „Tankrabatt“ an. Da ist offenichtlich, dass die von der Bundesregierung verfügte Steuersenkung auf Treibstoff zur Entlastung der Autofahrer von den Mineralölproduzenten nur teilweise als Preissenkung an die VerbraucherInnen weitergegeben wurde. Die Linke fragt den CSU-Mann, warum man nicht versucht habe, den Übergewinn der Mineralölkonzerne abzuschöpfen.

Da war Blume sofort auf der Zinne: Das gehe gar nicht. Und eierte im Folgenden wortreich herum, ohne nachvollziehbare Gründe zu nennen, ohne die Frage klar zu beantworten. Bei ihm lief es auf die alte Wahlkampfmasche hinaus: Wenn die Linkspartei etwas umverteilen wolle, sei das Sozialismus (und das ist ein dunkelrotes Tuch für die CSU). Da wurde für mitdenkende ZuschauerInnen klar: Der findet das Verhalten der Konzerne im Grunde nicht schlimm, das ist halt Kapitalismus, wenn die sich auf Kosten des Staates (und der SteuerzahlerInnen) bereichern.

Aha. Im Denken vieler Unionspolitiker, so muss ich daraufhin vermuten, ist das ein Axiom und wird nicht in Frage gestellt. Ungerechtfertigter Extraprofit ist okay, der Staat bzw. die Allgemeinheit bzw. die steuerzahlenden BürgerInnen müssen halt blechen, was an der Zapfsäule angezeigt wird. Warum? Weil der Staat in diesem politischen Weltbild der Wirtschaft nichts vorschreiben soll. Eher läuft es da schon umgekehrt. Bei der Union. Nicht wahr? So sieht’s doch aus.

Bei dieser Denkweise — wundert es mich schon weniger, dass bei der Union in letzter Zeit gern die ArbeitnehmerInnen kritisiert werden, wenn die Wirtschaft in Deutschland nicht rund läuft, und dass da ständig vorgebetet wird, wir könnten uns den Sozialstaat in der heutigen Form nicht mehr leisten. Der Staat müsse sparen (nachdem er zuvor riesige Schulden, die „Sondervermögen“, beschlossen hat). Wer da fragt, wie das alles zusammen passt, und wer dabei den Überblick verliert, der ist nicht allein.

Aaaber, nicht missverstehen: Das ist keine Fundamentalkritik am politischen System, und kein Plädoyer für Protestwahl im Sinne von „Lasst mal die AfD ran, dann können wir sehen, was die besser machen.“ Gerade wenn wir von Wirtschaft reden, können wir von einer AfD an der Macht nur Schlechtes für Deutschland erwarten. Allein das reicht schon als Ausschlusskriterium, da brauchen wir von anderen schlimmen Vorstellungen in der AfD gar nicht erst zu reden, oder?

Das Experiment sollten wir nicht ernsthaft erwägen. Das verbietet sich für jeden halbwegs denkfähigen Menschen (sofern er seine Fähigkeit auch benutzt!). Aber die AfD zielt ja auf Euren Bauch und nicht auf Euren Kopf, sie will mit plumpen Emotionen statt mit Argumenten Stimmen gewinnen. Sie will nicht, dass Ihr nachdenkt. Ihr sollt nicht erkennen, dass Parolen aus Opas Mottenkiste keine Probleme im 21. Jahrhundert lösen können.

An den gewalttätigen Krawallen in Nordirland, inszeniert von rechtsradikalen Aufwieglern, sehen wir aktuell deutlich, wohin Rassismus und falsch verstandene Identitätspolitik führen. Wir sehen wieder einmal, dass rechtsradikale Gesinnung immer mit Gewaltbereitschaft einhergeht. Mit denen ist kein friedliches Zusammenleben möglich, wenn sie sich zusammenrotten. Die Vorgänge in Nordirland erinnern mich verteufelt an Rostock-Lichtenhagen (Ihr erinnert Euch). Da sind Leute am Werk, die sich ein friedliches Zusammenleben mit Menschen nicht vorstellen können, sobald diese nicht genauso aussehen und genauso ticken wie sie. Sie wollen nur Abgrenzung, Ausgrenzung, wollen nur unter ihresgleichen sein. Sollen sie, wenn sie dabei nicht vergessen, dass auf der anderen Seite der Grenze auch nur Menschen sind.

Also: Bevor Ihr rechten Scharfmachern eine Chance gebt, bedenkt: Schlimmer geht immer. Deutschland tiefer in die Sch… reiten kann jeder, und Gewalt ist im Zweifel keine Politik, sondern Unfähigkeit zu kluger Politik. Opa lässt grüßen, aber um Himmels willen nicht mehr mit „deutschem Gruß“, wie die Nazis es nannten. Auch Opa hat dazugelernt.

W. R.

Sagen: So nicht!

ENDE Mai 2026 äußerten Unions-Politiker Zweifel an der scheinbar in der Regierungkoalition längst beschlossenen Bafög-Erhöhung zum kommenden Wintersemester.

Mail an kah@cdu.de [=CDU-Zentrale im Konrad-Adenauer-Haus, Berlin], gesendet am 01.06.2026 [hier wörtlich wiedergegeben]:

Bafög

Guten Tag!

„Was erlauben Spahn? Was erlauben Bär?“ so könnten empörte Rufe von der Seitenlinie lauten. Es erschließt sich (nicht nur) mir überhaupt nicht, wieso man an der Unions-Spitze plötzlich die beschlossene Bafög-Erhöhung in Frage stellt. Wenn das nicht wieder verdeckte Wahlkampfhilfe für die AfD ist …

Ich (im Alter von 70+) bin nicht mal indirekt von diesem Thema betroffen. Aber ich frage mich, was der Union einfällt, auch noch die letzten Stimmberechtigten der AfD zuzutreiben. Frau Bär müsste besser wissen, wie es um die realen Lebensverhältnisse sehr vieler Studierender steht. Dennoch behauptet sie, die Studierenden seien „sehr privilegiert“. Woran macht sie das bloß fest? Es wurde längst sachlich festgestellt, dass das Bafög in der bisherigen Gestaltung wenig dazu beiträgt, ein zügiges Vorankommen im Studium zu ermöglichen. Nicht die Studierenden sind „sehr privilegiert“, sondern nach Frau Bärs Vorstellung zukünftig die ohnehin privilegierten aus finanziell sehr gut gepolsterten Familien. Ich brauche nicht näher auszuführen, was für einen verheerenden Eindruck das hinterlässt, oder?

Übrigens wirft das weitere Fragen auf, z.B. diese: Wo sollen zukünftig all die klugen Köpfe herkommen, die Deutschland braucht, um international Schritt zu halten? Wenn man den Intelligenz-Pool der Bevölkerung auf die gut Betuchten einengt, wird das für Deutschland Folgen haben. Wir hatten vor rund 60 Jahren (die Älteren werden sich vielleicht erinnern) schon einmal die Situation, dass das herkömmliche Bildungssystem zu wenig Hochschulabsolventen lieferte und u.a. die Wirtschaft von der Politik Maßnahmen forderte …

Wer es ganz schwarz sehen will, stellt fest: Deutschland steckt schon in einer Bildungskatastrophe, und die Union will noch eins draufsetzen. Das kann doch wohl nicht wahr sein!!

Mit freundlichen Grüßen

Wolfgang Reinert


Glückwunsch zum Grundgesetz

HEUTE ist unser Grundgesetz 77 Jahre alt geworden. Glückwunsch! Wem? Na, uns! Guckt Euch doch um in der Welt: Es gibt viele Menschen, die froh wären, wenn sie in diesem Land leben dürften. Und das meist eben nicht wegen irgendwelcher Sozialleistungen, wie uns einige Leute hier ständig erzählen wollen, nein: die meisten wünschen sich ein Leben wie in Deutschland, weil man hier frei von Unterdrückung, Verfolgung, polizeilicher und Justiz-Willkür leben kann. Weil man hier nicht wegen seiner politischen Meinung ins Gefängnis oder in ein Arbeitslager gesteckt wird. Weil es hier Gesetze gibt, die Menschen gleich behandeln. Weil hier das Prinzip MENSCHENRECHTE die Leitlinie der Verfassung ist. Und weil diese Verfassung auch konkret die Rechtsprechung bindet und nicht bloß hehre Worte auf Papier bleibt.
Menschenrechte heißen so, weil sie für alle Menschen gelten. Das setzt voraus, dass Alle auch als Menschen gleichermaßen respektiert werden. Da gibt es keine Menschen erster oder zweiter Klasse, nicht hier im Lande, und auch nicht außerhalb.
Natürlich kommt es immer mal wieder zu Problemen, wenn mächtige Firmen, Gruppen oder Personen die Verfassung missachten und glauben, Menschenrechte und daraus abgeleitete Grundsätze nicht respektieren zu müssen. Es gibt Gerichte, die man anrufen kann, um gegen solche Verstöße vorzugehen.
Hier gibt es einige MitbürgerInnen, die das dumme Gerede von „Deutschland den Deutschen“ nachplappern und sich nicht sicher sind, ob an dem Gerede von der angeblich geplanten „Umvolkung“ nicht doch was dran sein könnte. Da fehlt wohl ein wenig politische Bildung, und da fehlt ein wenig Übung darin, den eigenen Verstand zu gebrauchen, statt nur an simple Parolen und Schlagworte zu glauben. Und da fehlt die moralische Haltung, allen Menschen (und nicht nur weißen, „normalen“ Landsleuten) dasselbe Lebensrecht zuzugestehen.
Unser Grundgesetz steht nicht vom Himmel gefallen im Raum, es ist nicht von ein paar Träumern erdacht, ganz im Gegenteil: Es ist die Frucht historischer Erfahrungen, die 1948/49 mit der frischen Erinnerung an die vergangenen „tausend Jahre“ deutscher Geschichte in eine Verfassung eingearbeitet wurden, um gegen Diktatur, Willkürherrschaft, Menschenverachtung, Rassismus und Mord von Staats wegen einen Riegel zu schieben.
Im Laufe der Jahrzehnte wurde das Eine oder Andere geändert oder ergänzt, um auch Fragen zu beantworten, die sich bis zum 23. Mai 1949 noch nicht stellten, sondern erst um Laufe der Zeit aufkamen oder sich als Problem erwiesen, das gelöst werden musste.
Die Verkündung des Grundgesetzes am 23.05.1949 gilt zugleich als Gründungstag der Bundesrepublik Deutschland. Diese Verfassung trat mit Ablauf dieses Tages in Kraft.
Warum hieß sie „Grundgesetz“ und nicht einfach „Verfassung“? Weil man sie nur für Westdeutschland in Kraft setzen konnte und nicht für ganz Deutschland. Eine Präambel (Vorbemerkung) verwies ausdrücklich auf das Ziel der Wiedervereinigung und daher auf den vorläufigen Charakter dieses Verfassungswerkes. Als es, sehr viel später als erhofft, dann (1990) zur Wiedervereinigung kam, sah die Mehrheitsmeinung in Deutschland dieses Grundgesetz als beste, d.h. freiheitlichste Verfassung, die je in der deutschen Geschichte in Kraft war. Daher verwarf man den Gedanken, eine von Grund auf neue Verfassung für das vereinigte Deutschland zu entwerfen. Die bisherige DDR trat dem Grundgesetz bei, so die Formulierung, und daraus wurden fünf neue Bundesländer.
Alles in Allem ist es immer noch die beste deutsche Verfassung, die je in Kraft war. Wer sie bekämpfen und abschaffen will, muss sich fragen lassen, was er Finsteres vorhat. Man kann immer darüber nachdenken, ob sie neuen Herausforderungen angepasst werden sollte oder muss. Aber bitte: Zuerst denken, dann reden.
W. R.

Expertenrunde

IN meiner Stammkneipe war der Tresen-Stammtisch zur Hochform aufgelaufen und versuchte sich als eine Runde von Experten der Weltpolitik und militärischen Lagebeurteilung:

„Ich sag’s ja schon lange: Putins Macht und seine Stärke im Kriege gegen die Ukraine werden bei uns überschätzt. Das müssen inzwischen auch fast Alle erkennen. Beispiel: Putin musste Trump bitten, eine Waffenruhe um den 9. Mai zu vermitteln, damit er seine jährliche Militärparade auf dem Roten Platz in Moskau abhalten konnte. Und trotzdem war die Angst vor ukrainischen Angriffen so groß, dass nur eine relativ kleine Parade ohne militärisches Großgerät stattfand — und fast ohne ausländische Staatsgäste. Das spricht Bände! Und getoppt wurde das noch kurz darauf von einem ukrainischen Vergeltungsangriff auf Moskau mit einer großen Zahl Drohnen — wie wir es sonst nur von russischen Angriffen auf ukrainische Städte hörten. Außerdem reichen ukrainische Drohnen immer weiter nach Russland hinein und zerstören Ölanlagen bei St. Petersburg oder am Ural, wo man sich vor einiger Zeit noch sicher fühlte.“ –
„Ja stimmt! Als Kanzler Scholz der Ukraine den Taurus verweigerte, den dann auch Kanzler Merz nicht lieferte, da meinte man noch, ohne solche weitreichende Waffen könnte die Ukraine gegen Russland nicht wirklich gegenhalten. Man glaubte weithin sogar, die Zeit arbeite für Putin. Wenn ich das Lagebild jetzt sehe, bin ich nicht sicher, ob die Zeit nicht mindestens genauso gegen Russland arbeitet. Putin muss doch erkennen, dass er zu lange gewartet hat, dass er das Zeitfenster nicht genutzt hat, in dem er einen Frieden mit Absicherung seiner Eroberungen hätte haben können. Nein, Putin wollte mehr, er beharrte auf seinen Maximalforderungen. Das wird wohl immer unrealistischer.“ – „Wenn China ihn nicht weiter stark unterstützt, geht es mit Russlands Wirtschaft wie mit seiner militärischen Macht bergab. Und seine Abhängigkeit von China wächst. Nicht Putin, Chi ist global der starke Machthaber neben Trump. Das sieht doch allmählich jeder Blinde.“ –
„Genau! Und Trump hat langfristig auf’s falsche Pferd gesetzt. Seine Anbiederung an Putin hat nur Putin genutzt. Seine Militär-Aktionen gegen Iran sind ein Fiasko für die Weltwirtschaft und militärisch wenig zielführend.“ –
„Was heißt hier zielführend? Welches Ziel denn? Er hatte keinen vernünftigen Plan, vor allem keinen Plan B. Er hat zu sehr auf Netanjahu gehört …“
“ … und sich für den großen Zampano gehalten nach dem gelungenen Coup gegen Maduro.“ –
„Und dann rief er der protestierenden Iranern, die das Regime niedermetzelte, noch zu: „Help is under way!“ Von wegen! Trump hat wohl gehofft, ein Aufstand im Iran würde IHM helfen, das Regime zu kippen.“ –
„Ja, aber zu seiner Verblüffung, vermute ich, haben die Enthauptungsschläge gegen die Führer das Regime nicht aus den Füßen gekippt. –
Stattdessen haben die Golfstaaten zu spüren gekriegt, dass der Iran noch Pfeile im Köcher hatte. Die baden den Schlamassel jetzt aus, an vorderster Front.“ –
„Überhaupt sorgt Trump dafür, dass Zweifel wachsen an den USA als Bündnispartner. Ich fürchte, Trump kapiert gar nicht, dass er die Stellung der USA als Weltmacht schwächt, zur Freude vor allem von China.“ –
„Die Ukraine kann heilfroh sein, dass sie so große Fortschritte in der Drohnentechnik und -produktion gemacht hat. Sie konnte sogar den Golfstaaten Hilfe anbieten, und sie ist mittlerweile gefragter Partner für die Rüstungsindustrie mehrerer Staaten.“ –
„Ja, aus der Sicht der Militärs geht doch nichts über direkte Kampferfahrung. Für die Entwickler von Panzern oder anderem Kriegsgerät ist das äußerst wertvoll, da können sie ihr Zeug unter realen Bedingungen testen und verbessern. — Hey, und wir haben gerade ein Nachschubproblem: Jupp, Komm herbei, lass die Luft aus unseren Gläsern und füll was Goldenes nach! Nicht Kerosin, das wird eher knapp, hört man, danke dafür, Trump, nein, goldenes Kölsch mit weißer Krone! Und da kommt der Nachschub schon, auf Jupp ist Verlass … “ —

aufgezeichnet von W. R.

Donald der Große

NORMALE Politik, politisches Handwerk mit Augenmaß? Das ist nichts für den Überflieger Donald Trump. Der macht Politik mit immer neuen Provokationen und hält sich so ständig in den Meldungen der Medien. Wenn schon nicht Godfather persönlich, dann präsentiert er sich als gottgleich neben Jesus, zumindest als von Gott inspiriert. Darunter geht es bei Trump einfach nicht. The show must go on.

Hauptsache: Alle reden über ihn (und nicht über den Misserfolg seines Iran-Krieges oder über seine Epstein-Verbindungen). Diese Methode zielt vor allem darauf ab, dass ein Klops und Missgriff umgehend durch den nächsten in den Schatten gestellt wird, sodass seine Kritiker hinterherhechelnd in Atemnot geraten und nicht mehr nachkommen, schon gar nicht mit möglichen Klagen vor Gericht.

Es kann aber sein, dass er dabei auch bei seinen treuen Anhängern überzieht und Grenzen überschreitet. Viele US-AmerikanerInnen verstehen nämlich keinen Spaß, wenn es um Religion geht. Niemand weiß daher im Voraus, ob seine KI-Bild-Posts ihm bzw. den Republikanern bei den Midterm-Wahlen schaden werden oder nicht. Man sollte nicht zu fest damit rechnen. Manche meinen sogar, dass ihn die Wahlen gar nicht mehr interessieren.
Sollte Trump durch seinen Vize Vance abgelöst werden, wird das wenig bessern: Vance erreichte nichts Vorzeigbares in den Verhandlungen mit dem Iran in Islamabad, er scheiterte auch mit seiner Unterstützung Orbans im Wahlkampf in Ungarn. Es ist also fraglich, ob Vance als Wahlkampflokomotive für die Republikaner taugen würde.

Fakt ist, dass Trump mit dem Iran-Krieg vom April/Mai Schaden angerichtet hat, statt Verbesserungen der Lage im Vergleich zu der vor dem Krieg zu erreichen. Sarkastisch könnte man sogar sagen: „Make Iran great again“ war die Folge von Trumps undedarftem politischen Handeln. Doch er fühlt sich als Überflieger, Fehler machen nur die Anderen. Und die Kritiker sind aus seiner Sicht nur doof und/oder böswillig.

Denn ein Donald Trump steht längst über allen Sterblichen, er baut am Ruhm in den Geschichtsbüchern, vergleicht sich mit den großen Namen der Weltgeschichte. Das ist mehr als nur ein steinerner Kopf neben anderen Präsidenten am Mount Rushmore. Ein Trump plant ein glorioses Weißes Haus und einen Triumphbogen in Washington D.C., will bald als Donald der Große historischen Ewigkeitswert erlangen. Von seinen Mitmenschen erwartet er nur eins: Bewunderung und Huldigung.

Da haben sich die USA was eingebrockt! Und die ganze Welt wird in Mitleidenschaft gezogen, allein schon durch Trumps dilettantische Art, in die Weltwirtschaft einzugreifen. Seine Zollwut z.B. gegen China hat beiden Seiten geschadet, was vorhersehbar war. Aber auch Vieles Andere, man braucht lange, um alles aufzuzählen.

Und wem verdanken wir das? In erster Linie den Leuten, die seine Neigung zum Cäsarenwahn frühzeitig erkannten, aber nichts oder zuwenig unternahmen, um ihn von der Macht fernzuhalten. In zweiter Linie den vielen Opportunisten in der Partei der Republikaner, die sich von seinem Populismus und seinem Showtalent eine Sicherung ihrer Macht und ihrer Pfründe versprachen und dabei seine toxischen Wirkungen auf die Politik in Kauf nahmen. So nahm das Unheil seinen Lauf…

Es wäre zu einseitig gedacht, wollte man Trumps Präsidentschaft nach dem Prinzip „Männer machen Geschichte“ erklären (Das wäre 19.-Jahrhundert-Denke). Denn die US-Politik war immer vom großen Geld dominiert, niemand konnte z.B. ohne die Unterstützung reicher Spender seinen Wahlkampf finanzieren. Donald Trump wurde von der einflussreichen Heritage Foundation gesponsert und für seine zweite Amtszeit mit einem Aktionsprogramm ins Weiße Haus geschickt, das er dann auch mit hoher Geschwindigkeit durchzog („Project 2025“). Es sind Öl-Magnaten und Milliardäre, die die Heritage Foundation als konservativen Thinktank aufbauten und Trump ihr Regierungsprogramm in die Jackentasche steckten. Dazu gehören z.B. das Festhalten an fossilen Energien (Trump: „Drill, baby,drill!“) und das Leugnen des von Menschen beschleunigten Klimawandels, die Abkehr von multilateralen Vereinbarungen, eine gegen Europa und besonders Deutschland gerichtete Wirtschaftspolitik, usw. — eben die Punkte, die bekanntlich Trump umsetzt.

Kurzum, wenn aus Trump bald „Donald der Große“ wird, dann haben Viele daran mitgewirkt und einige Superreiche ihm den Steigbügel gehalten, damit er auf das hohe Ross steigen konnte, von dem er nun auf Alle herabblickt, und auf dem er in einen goldenen Sonnenuntergang der Unsterblichkeit reiten will — als einer der ganz, ganz Großen der Weltgeschichte (bzw. in seiner Sicht als ein Supermann wie die Helden der Marvel-Comics).

Das hat für sehr viele Menschen einen gravierenden Nachteil: Diese „Großen“, mit denen Trump sich vergleichen möchte, sind Figuren der Weltgeschichte, denen das Leben von ein paar zehn- oder hunderttausenden Menschen ziemlich egal war, während sie ihre Ziele verfolgten.

An den Zielvorstellungen eines Putin, der ein Großer der russischen Geschichte sein möchte und ein neues Großrussisches Reich errichten will, sieht man das Ausmaß der Menschenverachtung, die mit solchen Wunschvorstellungen verbunden ist (weil sie ohne Gewalt und Krieg nicht zu realisieren sind). Und ausgerechnet mit Putin wünscht Trump sich eine kumpelhafte Partnerschaft.

W. R.

P.S.: Die Konservativen in den USA bewundern als Figuren der Weltgeschichte Alexander den Großen, Cäsar, Napoleon, und sehen das antike römische Reich als vorbildlich. Na, zu Alexander gibt es hier auf fu-frechen.de/Literatur Näheres (und nicht nur Positives!) von Matthias Schulz zu lesen.

Trump scheint das Zeug zu haben, als ein neuer Caligula in die Geschichte einzugehen. Wir erinnern uns: Caligula war ein römischer Kaiser, der sein Lieblingspferd zum Senator machen wollte (Weiteres schlagen Sie im Geschichtsbuch nach).

— Ergänzt am 9. Mai, dem National Day of Reason in den USA —

P.P.S.: Am 12. Mai erschien ein Interview mit dem Schriftsteller Alhierd Bacharevic im Kölner Stadt-Anzeiger, S. 18. Daraus zitieren wir hier einen Ausschnitt:

Noch eine Ergänzung: Dank des Geschäftsmodells der von US-Tech-Giganten beherrschten social media werden Extremismus und Radikalisierung gefördert, die Algorithmen treiben vor allem männliche junge Leute zuhauf in die Arme von Rechtsextremen, Islamisten, Verschwörungsfantasten und anderen Akteuren, die mangelnde politische Bildung ausnutzen und (vor allem männliche) Gewaltfantasien schüren. Immer mehr wird deutlich, dass auch durch viele Beiträge in TikTok &Co. die Demokratie in westlichen Ländern untergraben wird. Es gibt da kein Erkenntnisproblem mehr, aber immer noch ein Handlungsproblem. Wenn Regierungen, Behörden und viele andere sich von den großen US-IT-Unternehmen abhängig machen, können sie natürlich schlecht gegen sie vorgehen.

Ich nehme hier diese in Abhängigkeit Geratenen in Schutz: Sie sind nicht doof oder blind, sie haben aber in der Vergangenheit darauf vertraut, dass sich die Globalisierung in Wirtschaft und Internet (und damit auch eine zunehmende Verflechtung) positiv auf die internationalen Beziehungen und die Zusammenarbeit auswirken würde. Die Meisten konnten sich nicht vorstellen, dass disruptive Kräfte plötzlich wieder nationalen Egoismus in den Vordergrund rücken und Abhängigkeiten aggressiv für Dominanz und Kontrolle einsetzen könnten.

Aber genau das passiert, indem ein Präsident Trump internationale Abmachungen und Gepflogenheiten gering schätzt und lieber in zweiseitigen Verhandlungen als der mächtigere Partner „Deals“ erzwingt. Dabei setzt er bedenkenlos alle Druckmittel ein, die sich aus Abhängigkeiten ziehen lassen.

Man denke nur ans Stichwort „Grönland“, und schon weiß Jede/r Informierte, wovon die Rede ist, und wie gefährlich die von Trump verfolgten Expansionswünsche sind. Um nicht zu sagen: wie gefährlich ein Präsident Trump überhaupt für den Weltfrieden und die Weltwirtschaft ist, und nicht zuletzt für das Weltklima und die Artenvielfalt… —

Sagen, was man davon hält

UM nicht nur auf dieser Website www.fu-frechen.de Tacheles zu reden, sondern auch hin und wieder zusätzlich direkt politische Instanzen zu adressieren, schrieb W. R. wieder eine Mail.
Wie schon einmal zuvor, ging diese Wortmeldung an die CDU-Zeitrale in Berlin (Konrad-Adenauer-Haus). Sie ist eine Reaktion auf die fortgesetzte Attacke der derzeitigen Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) auf Errungenschaften der Energiewende. Die Mail richtet sich aber nicht an das Wirtschaftsministerium, sondern an die derzeitige Regierungspartei CDU.
Die Mail im Original-Wortlaut:

(Betreff:) Energiepolitik 8.4.2026, 21:08
An kah@cdu.de
Guten Tag,
es liegt selbst für die Doofen auf der Hand: Öl und Gas sind Auslaufmodelle der Energieversorgung. Wir haben damit Probleme, wir kriegen damit noch mehr Ärger. Und dennoch: Selbst Trumps jüngste Kriegseskapaden stimmen unsere Wirtschaftsministerin und ihre Regierung nicht um. Stur und verbissen wird an der Umsteuerung weg von Regenerativen gearbeitet, unbelehrbar wird für die Rückabwicklung grüner Politik gekämpft. Alles, was Grün oder Links ist oder so erscheint, wird als „ideologisch“ beschimpft, besonders oft aus der CSU-Spitze. Dabei sieht die Union selbst verteufelt ideologisch aus mit ihrer versessen-antigrünen Haltung. —
Worum geht es eigentlich? Ums Land? Ums Klima? Um die Partei? Nö. Es geht um die Geschäfte von EON & Co. und aller damit verbandelten Personen und Gruppen, nichts Anderes. Ein schändliches Bild!
Wolfgang Reinert, Köln

Allein

Unglaublich! Ich traute meinen Augen nicht, ich musste ganz genau hinsehen, als ich die Bilder im Fernsehen sah: Abgeordnete in der Knesset mit einem Anstecker am Revers, der eine Galgenschlinge darstellte. Das waren rechtsradikale Politiker, die sich laut für die Verschärfung der Todesstrafe stark machen.“ So tönte es vom Tresen-Stammtisch, als ich gestern meine Stammkneipe betrat.

„Jetzt lässt die Regierung Netanjahu ganz die Maske fallen: Sie sind ein Haufen rechtsradikaler Rassisten! Todesstrafe für Terroristen, aber nur für Palästinenser. Und wer Terrorist ist, bestimmen nicht die Betroffenen.“
„Nu komm, werd nicht antisemitisch. Die Israelis müssen sich doch wehren.“
„Aber nicht so! Wir wissen doch längst, dass in vielen Ländern das Wort ‚Terrorist‘ nach Belieben verwendet wird, besonders in Autokratien. Und komm mir nicht mit ‚antisemitisch‘! Ich bin Freund von Juden, ich kenne welche gut, die hier in Deutschland leben. Ich kann die Leute nicht verstehen, die den hirnrissigen Märchen über Juden glauben, anstatt ihrem Verstand zu folgen. Aber wenn ich die zahlreiche Wählerschaft der AfD sehe, dann zweifele ich sowieso am Fortschritt der menschlichen Entwicklung.“
„Da sagst du was! Der Homo Sapiens bildet sich was ein auf sein großes Hirn — dabei scheinen Viele der Gattung zu verlernen, dieses Hirn auch zu benutzen.“
„Genau! Der Antisemitismus ist dafür ein krasses Beispiel. Wir fallen trotz technischer Neuheiten zurück ins Mittelalter, geistig-moralisch jedenfalls.“
„In den USA sieht es nicht besser aus. Rassismus wird sogar durch die Trump-Regierung gefördert. Wie 19. Jahrhundert ist das denn: ‚White supremacy‘, und von massakrierten Indianern und von Sklaverei wollen sie nichts mehr hören. Make white America great again, das ist in Wahrheit Trumps Parole. Und einige schwarze Wähler haben das noch nicht durchschaut.“
„Hör mir auf mit Durchschauen. Bei uns wählen Arbeiter die AfD, obwohl diese Partei gar nichts für sie tun will. Ich vermute, diese Wähler fallen auf das Märchen herein, die Zuwanderer würden ihnen Jobs und Wohnungen wegnehmen. Mir scheint, die deutschen Arbeiter waren schon mal klüger.“
„Vorsicht! Ich hab vor Jahren mal gelesen, dass im vorigen Jahrhundert bei uns viele Arbeiter auch CDU gewählt haben. Rein von der Logik der Interessen hätten sie eher SPD wählen müssen. Aber denen war vielleicht das frühere Klassenbewusstsein abhanden gekommen.“
„Weil sie vielleicht schon verbürgerlicht waren, sie wollten nicht Arbeiter sein, sondern Mittelschicht, was ‚Besseres‘ eben. Die orientierten sich am Bürgertum, nachdem sie sich eine Dreizimmerwohnung, ein Mittelklasse-Auto und einen Farbfernseher leisten konnten.“
„Blieben aber Lohnabhängige. Und hätten wissen müssen, dass Lohnerhöhungen oder bessere Arbeitsbedingungen am ehesten mit Gewerkschaften durchsetzbar waren — und sind! Trotzdem traten viele um 2000 herum aus der Gewerkschaft aus.“
„Ja, der alte Spruch ‚Allein machen sie dich ein‘ geriet in Vergessenheit. Das wurde überhaupt ein Trend: Vereinzelung. Heutzutage liest man überall von Einsamkeit als verbreitetem Problem.“ —

Oha, da fühlte ich mich ertappt. Denn ich saß abseits allein an einem Tisch und aß mein Menü, ohne Tischgesellschaft, ohne Gesprächspartner. Und zu Hause wartete auch niemand auf mich. Ob ich das ändern sollte? Ich kam ins Grübeln, und darüber verpasste ich das weitere Gespräch am Tresen…

W. R.

Geschäftsmodell: Leute verblöden

WENN die Union so weitermacht, muss sie bald mit den Grünen und den Linken koalieren, um nicht mit der AfD zusammen zu gehen. Wenn sie aber mit der AfD koaliert, ist das der Untergang der Union. Wie im Februar 1933. Da haben sich die Konservativen Illusionen gemacht, sie könnten Hitler und seine Partei in einer Koalition „an die Wand drücken, bis er quietscht.“ Später wussten alle: Das war ein schwerer Irrtum.
Ja, ein Blick in die Geschichte lehrt so Einiges. Die Feinde der Demokratie tönten damals: Deutschland sei (durch den Versailler Vertrag) zu Unrecht gedemütigt, und man müsse die nationale Größe wieder aufrichten und die Schmach von Versailles tilgen. Einige träumten dabei nicht nur von der Rückkehr verlorener Gebiete „heim ins Reich“, sondern sogar von der Wiedererlangung verlorener Kolonien.
Ein bekanntes Schema: Ich erkläre die Nation als gedemütigt, geknechtet, zu Unrecht kleingemacht, damit ich mich als Retter und Messias aufblasen kann, der die Nation wieder groß macht. Dazu fasele ich noch von der ruhmreichen Geschichte der Nation, an der man sich orientieren sollte. Das ist ein Kern der Propaganda von Putin, aber auch von Trump („Make America great again“). Die AfD möchte das kopieren und behauptet, in Deutschland sei alles schlecht — und die AfD werde es wieder … ja was denn, vermasseln, so wie Adolf? Im Ernst: Sollen wir unsere Wirtschaft vollends ruinieren durch Austritt aus der EU, durch Stopp der Zuwanderung, ja sogar durch „Remigration“? Woher sollen denn nach Ansicht der AfD die fehlenden Fachkräfte in Industrie, Handwerk, Gastronomie, Kranken- und Altenpflege usw. kommen? Wie blöd muss man eigentlich sein, um als Arbeiter, Angestellter oder Rentner diese (würg!) AfD zu wählen? Und welcher Unternehmer will auf die Vorteile des EU-Binnenmarktes verzichten?

Ich kann mich des Verdachts nicht erwehren: Wenn so viele junge Leute, besoffen von social-media-clips, dieser Unglücks-Partei ihre Stimme geben, dann zeigt das die verheerende, ja verblödende Wirkung der social media.
Ein Prozess in Kalifornien hat gerade gezeigt, dass Algorithmen auf bekannten social-media-Kanälen süchtig machen. Das heißt: Sucht steuert die User, sie verhindert das Einschalten des Hirns, sie lähmt den Willen selbst zu entscheiden, was man sehen und hören will und was nicht.
Das ist prinzipiell schlecht, es macht die User zu hilflos weiterscrollenden Puppen der Profitsteigerung. Denn es ist ein Geschäftsmodell, das müssten inzwischen auch die Dummen schon mal gehört haben. Und wo Profit gemacht wird, da fehlt natürlich die Motivation, sich zurückzunehmen. Eher im Gegenteil: Die Tech-Giganten verfeinern weiter die Methoden der Manipulation und Gehirnwäsche.
Die Tech-Milliardäre werden damit von stinkreich zu superreich, und die daddelnden, scrollenden, wischenden Handy-Abhängigen sind ihre besten Kunden, diese fetten, zappelnden Fische werden sie nicht freiwillig von der Angel lassen. Mehr zum Urteil: Strafen für Meta und Google: Schadensersatz wegen Social-Media-Sucht | tagesschau.de

W. R.

Ohne Plan

Natürlich, ich konnte es mir denken, der Tresen-Stammtisch in meiner Stammkneipe hatte mal wieder die Weltlage im Blick:
„Oha! Trump ist enttäuscht von der Nato. Weil sie ihm nicht mit Militär beispringt, um die Sperrung der Straße von Hormus durch den Iran aufzuheben. Sowas aber auch! Die Nato war für Trump immer ein lästiger Klotz am Bein, die USA wollten allein stark genug sein, um alle Probleme in der Welt zu lösen.“
„Ja, jetzt weiß er nicht mehr weiter mit dem Krieg gegen den Iran, da sollen plötzlich Andere helfen, die er sonst gern vor’s Schienbein tritt.“
„Nun stößt er nebulöse Drohungen aus, was ja eine seiner Spezialitäten ist. Ich will schon gar nicht mehr hinhören, wenn er in den Nachrichten zitiert wird.“
„Und bald redet er noch mehr Unsinn, weil er geistig abbaut. Sagen jedenfalls einige Mediziner, die ihn scharf beobachten.“
„Ach, der redet doch sowieso nicht wie ein Staatsmann, er ist im Dauerwahlkampf und wendet sich in einfacher Sprache an seine Stammwähler. Die sollen ihm applaudieren. Und dazu möglichst noch ausländische Pollitiker.“
„Genau! Früher hätte man gesagt: Als Politiker ist er unmöglich, den wählen doch höchstens ein paar primitive Haudraufs ohne Bildung.“
„Er gibt sich auch gar keine Mühe, sowas wie staatsmännisches Format zu zeigen. Goldene Vorhänge im Oval Office reichen, meint er, damit alle sehen, wie bedeutend er ist.“
„Und wie er über Kuba redet! Das Land ist am Ende, ich kann damit machen, was ich will. Ich würde ihm am liebsten direkt eine reinhauen, dem Widerling!“
„Also bitte, jetzt komm mal runter! Gewalt ist keine Lösung, auch wenn Trump und seine Kumpane das meinen.“
„Gewalt ist keine Lösung, ja, aber es gibt Ausnahmen. Oder wie willste die verrohten Russen in der Ukraine stoppen? Hä?“
„Ja, schon, da ist Gewalt von Vorneherein programmiert.“
„Die armen jungen Russen, sie tun mir schon leid! Erst werden sie in der Armee erbarmungslos geschleift und wie Vieh behandelt, um dann an der Front verheizt zu werden. Kein Wunder, dass Putin die Soldaten ausgehen.“
„Eben! Bei uns hieß es immer, der Ukraine gehen die Soldaten aus, Russland ist so riesig, die haben viel mehr…“
„… arme Schlucker, die mit Geld in die Armee geködert werden. Aber das scheint auch nicht mehr richtig zu funktionieren. Oder warum mussten über zehntausend Nordkoreaner als Kanonenfutter geholt werden?“

„Aber Trump hilft ihm aus der Patsche, jetzt mit Lockerung der Sanktionen gegen russische Ölausfuhren. Und warum? Aus Angst vor den Wählern in den USA, die sich über steigende Benzinpreise beschweren.“

„Trump hat so Manches mit seinem Idol Putin gemeinsam, z.B. einen Krieg anfangen ohne Plan.“

„Ohne Plan stehen noch ein paar Andere da, z.B. unsere Bundesregierung. Besessen von der Rückabwicklung grüner Politik, rufen sie die Rückkehr zu mehr Verbrennung von Öl und Gas aus, und Rumms, gibt’s auf dem Weltmarkt einen Preisschock, und Deutschland steht dumm da, weil es sich gerade wieder abhängiger macht von fossilen Energien. Wie bescheuert ist das denn!“

„Eben! Wir sind nicht die USA, die auch Öl und Gas exportieren. Wir sollten mehr erneuerbare Energien nutzen und unser Geld vor allem in die Bildung unserer Kinder und Heranwachsenden stecken. Das würde unserem Land nutzen…“

„… und unsere Zukunftsaussichten verbessern, genau! Aber da passiert zu wenig, ich würde sagen: wider besseres Wissen. Lieber schielt man zurück in eine überholte Vergangenheit, allen voran die AfD. Ach hör mir auf, mir wird gleich schlecht. Da hilft nur eins: Jupp, noch ne Runde von diesem goldenen Getränk!“ —

Welt der Kriege

Hurra! Es gibt Menschen, die Krieg bejubeln und glauben, dieses großartige Spektakel sei eine Manifestation von Macht und Kraft, Männlichkeit und Herrlichkeit.

Und es gibt Menschen, die Krieg als Machtmittel grundsätzlich geächtet sehen wollen — und auf keinen Fall mitwirken wollen an Zerstörung, Mord, Vergewaltigung, Verstümmelung, Traumatisierung, an all dem Leid, das ein Krieg einer großen Zahl von Menschen zufügt.

Trotzdem Hurra? Das kann nicht euer Ernst sein, ihr Waffenfetischisten, Männlichkeitsfantasten, Empathielosen, gewaltaffinen Haudraufs! Spätestens wenn in einer gewalttätigen Auseinandersetzung ihr selbst und eure nächsten Angehörigen zu Schaden kommen, dann — schreit ihr auch noch nach Rache und Vergeltung, nach noch mehr Gewalt und Grausamkeit. Unbelehrbar haltet ihr nach wie vor Gewalt für die erste Wahl, wenn es Probleme gibt. Warum? Weil ihr gar nicht in der Lage seid, etwas Anderes zu denken, geschweige denn zu versuchen.

Warum ist das so? Weil ihr nie gelernt habt, mit Menschen anders als mit Imponiergehabe, Drohungen und Einsatz von Gewalt zu kommunizieren. Weil ihr nicht fähig seid, ein Gespräch auf Augenhöhe und eine friedliche Verständigung trotz unterschiedlicher Sichtweisen herbeizuführen. Weil ihr für Schwäche haltet, was ohne toxisches Männlichkeitsgehabe auskommt — auch wenn dabei gute Verhandlungsergebnisse erreicht werden.

Nicht nur in der gegenwärtigen Weltlage zeigt sich, wie schnell Konflikte eskalieren können und die Haudraufs das Geschehen anheizen. Im Nahen und Mittleren Osten konnte man das schon seit Jahrzehnten beobachten. Gewaltbereite Regime gibt es aber auch in anderen Regionen. Sie können immer Unterstützer mobilisieren, die Gewalttätigkeit und Männlichkeit in eins setzen und das herrlich finden.

Diese toxische Mentalität wird in unserem Lande von einigen rechtslastigen Politikern verbreitet (z.B. von Herrn Krah, der für die AfD im Bundestag sitzt), um nicht nur mit dem Finger auf fremde Länder zu zeigen. Oder was denkt Ihr, sollen wir uns vorstellen, wenn führende AfD-PolitikerInnen laut von „Remigration“ faseln? Wir haben gesehen, was der gegenwärtige US-Präsident mit Gewalt anstellt, um sein Wahlkampfversprechen umzusetzen. Er und seine Spießgesellen unterstützen die AfD und andere rechtslastige Parteien und Gruppierungen in Europa. Ebenso wie Putin will auch Trump ein schwaches, am liebsten ein von rechtsgerichteten Nationalisten beherrschtes (und zugleich zersplittertes) Europa.

Nach Putin hat nun auch Trump die militärische Drohung und Gewaltanwendung gegen andere Länder als Mittel entdeckt, das schnelle Erfolge verspricht (so glaubt Trump offenbar). Kritik aus demokratisch regierten Ländern passt ihm gar nicht, da schlägt er mit Zöllen zurück (seinem bisherigen Lieblingsspielzeug). Die Risiken und Nebenwirkungen seiner Zollwut erkennt er — wenn überhaupt — erst später. Ebenso läuft er zur Hochform als oberster Kriegsherr auf und bedenkt nicht, dass Krieg nicht immer nach Plan läuft (frag deinen Buddy Putin!) und man besser einen Plan B in der Schublade vorhält.

Putin mit seiner Kraftmeier-Show (wir erinnern uns an Fotos von einem muskulösen Reiter und Sportler) ist das Musterbeispiel für die oben angeführte toxische Männlichkeit. Da ist nicht nur Gewaltbereitschaft, da ist kalte Entschlossenheit, ohne Skrupel selbst die perfidesten Mittel einzusetzen, um Macht zu sichern und Widerstand auszuschalten — im Inneren des Landes wie nach außen. Und Krieg ist für Putin etwas Normales, ebenso Folter und Mord.

Wollen wir so etwas als „normal“ hinnehmen? Wollen wir Verständigung und friedlichen Austausch zwischen Völkern wie zwischen Gruppen mit unterschiedlichen Meinungen als schwach und „weiblich“ geringschätzen?

Morgen, am 8. März, ist Weltfrauentag. Da sollten etliche Männer mal ihren angeblich überlegenen Verstand einschalten und ihr Verständnis von „Männlichkeit“ einer Überprüfung unterziehen. Dabei könnten sie überlegen, warum sie ihre angeblich „weiblichen“ Gefühle eher unterdrücken — aus Angst, nicht als „männlich“ zu gelten. Männer haben Angst? Kann doch gar nicht sein — oder doch? Also, überlegt mal ernsthaft und in Ruhe. Vielleicht tut Ihr Euch selbst damit einen großen Gefallen: wenn der Macho-Krampf sich löst und ihr zu Euch selbst findet.

W. R.

Nachtrag am 15.03.2026: Über Person und Charakter des Chaoten Donald Trump muss man an dieser Stelle nicht erneut Worte verlieren. Zu erwähnen ist vielleicht, dass es eine Tragödie für die Welt ist, dass diese und andere unheilbringende Figuren nicht gestoppt oder im äußersten Fall aus dem Verkehr gezogen werden. Der derzeit laufende Krieg gegen den Iran ist nur ein weiteres Beispiel dafür.

Um dem letzten Zeitgenossen die Illusion zu nehmen, dass Trump und seine Bande irgendetwas für Demokratie und Menschenrechte übrig hätten, verweise ich auf diesen Kommentar: Donald Trump und sein Größenwahn: Seine historischen Vorbilder – Kolumne – DER SPIEGEL

Das ist gewiss peinlich für die AfD, die sich so beflissen an Trump und Musk herangewanzt hatte. Deren Vertreter wissen derzeit gar nicht, wie sie sich verhalten sollen, sie winden sich zwischen Distanzierung und Herunterspielen.

Dabei schlittert die Welt offensichtlich auf eine schiefe Bahn zurück in vergangene Jahrhunderte, als Machtpolitik selbstverständlich Krieg mit einschloss und Gewalt als normal galt* — so wie Putin das schon länger in seinem Machtbereich praktiziert und andere Machthaber seinem Beispiel gern folgen möchten. Auch Putin orientiert sich an historischen Vorbildern, nämlich russischen Gewaltherrschern von Zar Iwan dem Schrecklichen bis zu Stalin.

* Ein deutliches Zeichen gab Präsident Trump, als er vor einiger Zeit das Verteidigungsministerium in Kriegsministerium und den zuständigen Minister in Kriegsminister umtaufte. Das hatte die Welt nach 1945 nicht mehr gehört. Jedem Menschen muss damit klar sein: Die Zeichen stehen auf Gewalt und Krieg. —