Schlagwort-Archive: AfD

Die Lage

AM „Columbus-Day“ hören wir aus den USA mal wieder Dinge, die weltweit Kopfschütteln hervorrufen dürften. Nein, der mittelalterliche Rückfall in öffentliche Hinrichtungen von Kriegsminister Hegseth ist nicht gemeint, es gibt neuere „breaking news“ — oder soll man „breathtaking news“ sagen?
Trump fürchtet eine Wahlschlappe bei den Midterms und kauft jetzt schnell Diesel bei Putin, um seinen Landsleuten an der Zapfsäule sinkende Preise zu bescheren. Ob das ihm mehr nützt als der Tankrabatt der CDU vor den letzten Landtagswahlen?
Klar ist: Wer jetzt immer noch in Trump einen halbwegs verlässlichen Partner sehen will, steht ziemlich alleine da. Wer immer noch meint, die USA unter diesen aktuell regierenden Leuten seien mit uns auf der Basis gemeinsamer Werte verbunden, der hat zu tief ins Glas geschaut.
Ich sage bewusst nicht: … unter Trump, denn der erscheint geistig zunehmend überfordert und macht Politik nach dem Konzept des für ihn vorbereiteten Project 2025, oder er lässt sich von Stimmungen und momentanen Einflüsterungen leiten — sodass seine Entscheidungen oft eine kurze Haltbarkeitsdauer haben.
Ich hatte mal gehofft, über Trump brauchte man nicht mehr viel zu reden — aber man sieht ja, dass ihn niemand bremst, und dass er aus Selbstsucht und Unfähigkeit auf Allem, auf Jedem und Jeder nach Belieben herumtrampelt. Muss ich noch erwähnen, was das für eine AfD bedeutet, der Trump zum Wahlsieg in Sachsen-Anhalt gratulierte? Auf einen solchen Unterstützer sollte man verzichten, es sei denn, man stimmt inhaltlich mit vielen rechtsnationalen Positionen überein, ist wie Trump gegen EU und Deutschland eingestellt, und hat auch kein Problem damit, dass Trump überhaupt keine Moral kennt. Für ihn bedeuten nur zwei Dinge etwas: 1. Ich, 2. Geld. Ob Putin die Zivilbevölkerung der Ukraine bombardiert und garkeine Hemmungen in der Kriegführung kennt, ist Trump egal — und der AfD offenbar auch.
Noch immer wird behauptet, der Krieg würde nur fortgesetzt, weil man nicht mit Putin rede. Das ist eine einäugige Sicht und sachlich Quatsch, aber einige Leute bei uns wiederholen das gebetsmühlenartig und arbeiten damit unterm Strich Putin in die Hände. Wie kann man „in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt?“ Putin hat oft genug seine Ziele verkündet. Von Friedenssehnsucht oder Achtung des Völkerrechts war da nicht die Rede. Und wenn Trump sich kumpelhaft an Putin und andere Gewaltherrscher heranwanzt und sie gar „Freund“ nennt — wer will ihm da noch vertrauen? Abgesehen davon: Wer traut Trump denn überhaupt noch das politische Verständnis zu, das der Umgang mit Staatslenkern erfordert, sprich: Trump ist kein gelernter Politiker. Und er verkauft sich seinem Wahlvolk als erfahrener Dealmaker mit dem Anstrich, anders und besser zu sein als die üblichen, gelernten Politiker. Doch langsam brennt seine Hütte: Das Wahlvolk sieht, was „des Kaisers neue Kleider“ in Wahrheit sind. Skrupellos lässt er daher die Ukraine fallen und kauft bei Putin ein. Der große „Dealmaker“ sitzt in der selbstgebauten Falle: Seinen Irankrieg weiß er nicht zu beenden und sorgt für anhaltend teure Öl- und Gaspreise, vom Ukraine-Krieg ganz zu schweigen, den er angeblich als Präsident in 24 Stunden beenden würde. Jetzt findet er es eine gute Idee, in der Ukraine den Präsidenten auszutauschen. Das wäre vielleicht dann eine mögliche Verbesserung der Lage, wenn es um andere Präsidenten ginge…

W. R.

Es bleibt spannend

WIE nicht anders zu erwarten, waren am Tresen-Stammtisch in meiner Stammkneipe die letzten Landtagswahlen in drei Bundesländern das Thema…

„In Sachsen-Anhalt hat die AfD gesiegt, haushoch! Und die CDU deklassiert. Fast die absolute Mehrheit.“

„Aber nur fast. Und diejenigen, die nicht AfD gewählt haben, machen noch über 50% aus. Auch in Mecklenburg-Vorpommern. Da hat sich die SPD berappelt, dank dem konsequenten Auftreten von Manuela Schwesig gegen die AfD.“

„Kann man so sehen. Das mit den Prozenten ist ja immer relativ. Tatsache ist, dass die AfD viele Stimmen bei Leuten geholt hat, die vorher nicht gewählt hatten.“

„Und was sehen wir daran?“

„Ja, was? Das Wetter war schön, die AfD-Anhänger knatterten mit ihren Simpson-Mopeds herum, es war schön wie früher in DDR-Zeiten…“

„… glaubten viele Leute. Ha! Die Erinnerung malt mit goldenem Pinsel. Da wird ne Menge DDR-Frust ausgeblendet.“

„Man hört ja auch, dass Viele in Umfragen sagten: Mir persönlich geht’s gut, aber dem Land geht’s schlecht, so kann es nicht weitergehen.“

„Da muss man nicht groß nachfragen. Die Leute hören auf die allgemeine Miesmache der Politik, die von der AfD betrieben wird. Im Grunde ist das 90% Stimmungsmache, da werden nur Gefühle mobilisiert.“

„Genau! Falsche Gefühle! Im Übrigen: Wenn es dann sachlich und konkret werden soll, wenn man die AfD-Führer fragt, was sie denn tun wollen für die Verbesserung der Probleme, dann kommt meist nur allgemeines Gerede.“

„Und der Spitzenkandidat wollte entweder die absolute Mehrheit oder gar nicht regieren. Die absolute Mehrheit hat er nicht, jetzt eiert er rum und hofft auf Abtrünnige aus der CDU oder die Unterstützung des BSW.“

„Was das betrifft, bleibe ich cool: Da ich nicht in Sachsen-Anhalt lebe und weder schwul noch lesbisch noch Journalist oder Kulturschaffender bin, habe ich zunächst nichts zu befürchten und warte ab. Ich kann zusehen, wie sich die AfD-Schranzen in einer Regierung aufführen und was sie zuwege bringen. Ich meine nicht, dass sie sich selbst entzaubern. Aber wenn sie ihre Kern-Anliegen durchsetzen wollen, setzen sie sich schnell Klagen vor Gericht bis hin zum Bundesverfassungsgericht aus, vielleicht kommt es dann endlich auch zum Verbotsantrag beim Bundesverfassungsgericht.“

„Den zu stellen hat die CDU ja versäumt.“

„Eben! Was haben die sich bloß gedacht oder erhofft? Sie politisch bekämpfen, hieß es von der Union. Und was haben sie gemacht? Sie haben ins Horn der AfD getutet und geglaubt, mit härterer Asyl- und Abschiebepolitik könnten sie die Stimmen von der AfD zurückholen.“

„Ja, manchmal dachte ich vor’m Fernseher schon: Der Dobrindt, das ist der Innenminister einer zukünftigen AfD-Regierung. Und die Grenzkontrollen wollte er auch nicht zurücknehmen, obwohl das mit Schengen usw. kollidiert. Das ist auch ein Stück weit anti-EU.“

„Aber warum wählen denn so viele Leute AfD? Sind die alle gefühlsduselig und geistig eingeschläfert? Merken die nicht, dass die Richtung der AfD zum Chaos führt? Merken die nicht, dass die AfD nix mit Demokratie am Hut hat und das System kapern will, um es zu sprengen?“

„Hör mir auf: Demokratie! Viele Leute wissen doch nicht mal, was das ist. Die meinen doch, wenn Wahlen stattfinden, dann ist das Demokratie. Putin lässt auch Wahlen abhalten, aber nur unter kontrollierten Bedingungen. Opposition gibt es nicht mehr, und wer zu kritisch ist, oder wer Frieden fordert, wird von der Wahl ausgeschlossen — oder landet gleich im Arbeitslager. Auch Hitler ließ das Volk abstimmen — aber nur in einer kontrollierten Situation, in der er fest mit dem gewünschten Ergebnis rechnen konnte.“

„Und Demokratie ist doch mehr als freie Wahlen: Gewaltentrennung und gegenseitige Kontrolle, Minderheitenschutz, Rechtsstaat, und allem liegen die Menschenrechte zugrunde. So haben wir das im Grundgesetz festgeschrieben. Aus guten Gründen!“

„Eben. Aber bei den Menschenrechten gehen Rechtsradikale schon auf Distanz. Rechte für alle? Das passt ihnen nicht. Und die AfD unterscheidet zwischen verschiedenen Kategorien von Bürgern, will „Passdeutsche“ nicht so akzeptieren wie „Biodeutsche“. Das ist Blödsinn. Man stelle sich vor, was aus den USA geworden wäre, wenn sie keine Einwanderung gehabt hätten und nur die ersten weißen Siedler aus Europa als Bürger akzeptiert hätten.“

„Vielleicht wären dann nicht so viele Indianer, pardon: Indigene, abgeschlachtet worden.“

„Trump würde die vermutlich am liebsten noch heute von der ICE-Truppe verhaften und außer Landes bringen wollen…“

„… oder versklaven.“

„Trump, ein alter Mann, der Boss sein will, ein Narziss, der nur geliebt und bewundert werden will. Der überhaupt der Allergrößte sein will, und deshalb äußerst sauer auf Kritik reagiert.“

„Und sich im Amt dumm und dämlich bereichert.“

„Ach, Trump kennt doch sowieso keine Moral, und keine Rücksicht auf nix und niemanden, wenn es ums Durchsetzen und Erfolg geht. Wie ein Mafia-Boss.“

„Trump nennt den Diktator Kim Jon Un einen Freund. Der darf Atomwaffen besitzen, der Iran aber auf gar keinen Fall. Trump glaubt, mit Kumpelei könne er in der Oberliga der Mächtigen am meisten erreichen. Klappt aber bei Putin nicht so richtig. Der geht einfach nicht auf Trumps Friedensvorschläge mit der Ukraine ein.“

„Aber unsere Friedenstauben hier meinen, man müsse nur mit Putin reden, dann gäbe es Frieden. Was Putin offiziell sagt und schreibt, hört sich leider ganz anders an. Nicht mal über einen Waffenstillstand will er verhandeln, bevor die Ukraine ihm nicht kampflos weiteres Gebiet überlässt! Er setzt auf Gewalt, er will nicht anderes als die totale Unterwerfung der Ukraine, und möglichst weiterer Länder der früheren Sowjetunion. Er will der neue Zar von einem zurückeroberten Großrussland werden.“

„Damit hat die AfD wohl kein Problem. Die wollen Putins Regime und die Sympathie mit dem russischen Volk in einen Topf werfen. Ich persönlich unterscheide das aber! Mir tun die Russen leid, die für Putin massenhaft sterben, und die, die unter seinem Regime leiden.“

„Dass man das hier überhaupt sagen muss! Das liegt an den vielen kreml-nahen Einflüssen in den social media. Die stiften Desorientierung, damit möglichst viele Leute nicht mehr klar denken.“

„Apropos klar: Ich sehe klar, dass Jupp in Aktion treten sollte, um hier am Tisch einige Gläser zu füllen.“

„Kommt schon!“ rief Jupp und war längst beim Zapfen. Und alle schauten zu.

„Und was sagt ihr zu Berlin? Da hatte die AfD keinen Durchmarsch, da siegte die Linke.“

„Das war wohl die Quittung dafür, dass die bisherigen Regierungen in Berlin, ob Landes- oder Bundesregierung, das Problem der ständig steigenden Mieten nicht wirksam angegangen sind. Das betrifft so viele Leute…“

„… dass ich mich schon lange wundere, wieso außer der lachhaften ‚Mietpreisbremse‘ nichts getan wurde.“

„Das Volksbegehren in Berlin zur Enteignung großer Wohnungsgesellschaften hätte eine Warnung sein können, ja müssen.“

„Da hat auch die AfD nix bieten können, die ist ja kapitalistisch unterwegs, die wanzt sich eher an Bosse ran.“

„Na, jedenfalls können wir gespannt sein, wie es in diesen Bundesländern weiter geht mit der Regierungsbildung.“

„Sicher, es bleibt spannend.“

[aufgezeichnet von W. R.]

Anmerkung: Wer Enteignung prinzipiell für verfassungswidrig oder verwerflich hält, kennt das Grundgesetz nicht — siehe GG Art. 14, Abs 2 u. 3.

Prost!

MAL wieder in meiner Stammkneipe, wieder hörte ich den Tresen-Stammtisch in eifrigem Gespräch, das zeitweise laut wurde:

„Habt Ihr das schon gehört: Die Ablehnung der AfD ist bei BürgerInnen ab 70 am größten.“

„Das sind ja schlimme Aussichten! Die sterben bald weg, besonders bei der kommenden Hitze — jaaa, jetzt wird mir auch klar, warum die AfD weiter stur den Klimawandel leugnet und nur von heißem Sommerwetter spricht. Die wollen gar nichts für Hitzeschutz tun, damit noch mehr Alte wegsterben und nicht mehr andere Parteien wählen.“

„Das sind die Alten, die nicht auf TikTok etc. von Propaganda der AfD und Russland erreicht werden.“

„Oder die dagegen immun sind, weil sie noch soviel wissen: Diese Propaganda erinnert in Vielem den Sprüchen, die schon die Nazi-Propaganda geklopft hat.“

„Genau, siehe den Kulturkampf der AfD gegen das Bauhaus. Man glaubt es kaum, aber es ist wahr: Die holen dieselben Vorbehalte und Lügen aus der Mottenkiste, die schon vor ca. 100 Jahren in Weimar von rechtskonservativen Provinz-Holzköpfen benutzt wurden.“

„Davon habe ich auch gehört. Moderne Aufgeschlossenheit für Freiheit und Experimentierfreudigkeit in der Kunst, das soll ‚antideutsch‘ sein! In Weimar sagten sie damals ‚undeutsch‘. Den alten Provinzialismus wärmt die AfD einfach wieder auf und setzt wieder einmal auf Gefühle von Überforderung und Ressentiment.“

„Den Spruch der 68er ‚Unter den Talaren Muff von tausend Jahren‘ könnte man hier abgewandelt wieder anwenden. Provinzieller Muff ist das Kulturkonzept der AfD. Sowas wie Nazi-Kunst und Sozialistischer Realismus, alter, abgestandener Wein in neuen Schläuchen. Mit sowas würde sich Deutschland in der Welt doch nur lächerlich machen.“

„Eben! Während das Bauhaus international Ansehen genießt, will die AfD sich davon distanzieren und sich lieber in völkischem Muff verkriechen.“

„Überhaupt — was soll denn ‚völkisch‘ heißen? In unserer heutigen, vernetzten Welt ist es völlig daneben, sich in ein Schneckenhaus zurückzuziehen und so zu tun, als könnte man wirtschaftlich, kulturell oder sonstwie autark und abgeschottet bestehen. Das war schon in den 1930er Jahren nicht mehr zeitgemäß, da war Deutschland als Industrieland schon weiter entwickelt als die Nazis in ihren Ideen. Aber sie taten so, als gäbe es ein Zurück mit „Blut und Boden“ und all dem Unfug. Das konnte man damals auch nur den Leuten erzählen, die schlecht bzw. falsch informiert waren und daher manchen Stuss glaubten.“

„Und die gibt es auch heute, das ist das liebste Publikum der AfD. Ganz ähnlich übrigens auch wie in den USA die Anhängerschaft von Trump.“

„Nur, da merken allmählich immer mehr Leute, dass sie einem Hochstapler aufgesessen sind, der starke Sprüche klopft, aber das Land eben nicht ‚great again‘ macht.“

„Trump hat es versaut, als er sich selbst Lügen strafte: Er wollte keinen neuen Krieg anfangen. Und er wollte die Lebenshaltungkosten senken, an deren Höhe angeblich die Demokraten schuld waren.“

„Und bei uns gibt es tatsächlich ein paar Traumtänzer, die meinen, man sollte der AfD die Chance geben, mal zu zeigen, ob sie es besser können als die sogenannten Altparteien. Dabei zeigt die AfD schon ohne politische Macht, dass sie genauso korrupt und zerstritten ist, wie sie es den ‚Altparteien‘ nachsagt.“

„Ohne echte Demokratie, ohne echte gegenseitige Kontrolle der Institutionen oder ‚Gewalten‘ im Staat schleicht sich immer schnell Korruption und Machtmissbrauch ein. Dazu gibt es nicht nur in der Geschichte, sondern auch in der Gegenwart genug Beispiele. Schon das ist ein überzeugendes Argument für die Demokratie. Wer leichtsinnig meint, man könnte mal etwas anderes ausprobieren, der hat keine Krempe am Hut oder seinen Verstand weggekifft und weggesoffen.“

„Genau. Aber das tun wir hier nicht, auch wenn ich jetzt unserem Jupp zurufe: Jupp, eine Runde, wir haben zuviel Luft in unseren Gläsern!“

Jupp war wie gewohnt schnell und setzte flugs gut gezapfte Kölschstangen auf den Tresen.

„So läuft das! Also dann, Prost auf die Demokratie! Möge sie gut und noch besser funktionieren.“

Alle am Tresen hoben ihre Kölschstange und prosteten mit. Und — haste nicht gesehen — im Schankraum machten prompt Einige mit, und auch ich hob mein Glas.

W. R.

Schlechte Gedanken und die Folgen

REKORD-Temperaturen in Deutschland! Am 27. Juni trifft es Sachsen-Anhalt mit 41,5 Grad, dann folgt Brandenburg. Die Hitze-Glocke hat sich nun auch zum Osten hin ausgebreitet, ohne dabei an Wärme zu verlieren.

Man könnte als gläubiger Mensch, der mit Gottes Eingreifen in der Welt rechnet, auf die Idee kommen: Der „liebe Gott“ will nun auch die vielen AfD-Anhänger und -Sympathisanten in östlichen Bundesländern erleben lassen, was Klimawandel schon jetzt bedeutet. In der AfD vertrat man ja die Ansicht, der Klimawandel sei a) nicht wahr, sondern erfunden, dann b) nicht so schlimm und nichts Besonderes in der Geschichte, schließlich c) nicht menschengemacht und erst recht nicht von Menschen beeinflussbar. sodass wir auch gar nichts dagegen tun könnten.

Für die AfD war Klimapolitik und Reduktion des CO2-Ausstoßes überflüssiger Unfug — so wie es Donald Trump immer noch in die Welt posaunt und in den USA auch durchzusetzen versucht. Das freut natürlich die Öl-Multis und lässt Partei-Spenden fließen…

Der „liebe Gott“ versucht also gerade, die Klimawandel-Ungläubigen zu einem Sinneswandel zu bekehren. Motto: Jetzt könnt Ihr erleben, wie sich das anfühlt, was Ihr nicht wahrhaben wollt. Vielleicht hilft Euch ja eine AfD-geführte Regierung (die Ihr Euch wünscht) aus der Klima-Misere. Fragt die Partei-VertreterInnen doch mal nach ihren Lösungs-Vorschlägen!

Aus der AfD kommen „Lösungs“-Vorschläge wie: Alle Flüchtlinge/Zuwanderer abschieben (darunter diejenigen, die in der Hitze noch arbeiten können), oder: Gegen den Klimawandel können wir eh nichts tun (aber ihn mit mehr CO2-Ausstoß befeuern), oder: Atomkraftwerke bauen, denn angeblich ist die ganze übrige Welt dafür (und dabei sehen wir weg, wenn z.B. Frankreich bei Hitze AKWs abschaltet, weil Kühlwasser knapp wird).

Man sieht: Solche „Lösungen“ werden Leuten angeboten, die schlecht informiert sind und einseitigen Einflüsterungen im Internet erliegen; Leuten, denen das kritische Denken so weit abhanden gekommen ist, dass sie einfache Bauch-Parolen für kluge politische Konzepte halten.

Kann sein, dass sich der „liebe Gott“ daraufhin enttäuscht von seinen Geschöpfen abwendet und grummelt: Dann lauft doch in Euer Unglück und erlebt die Folgen am eigenen Leibe! Das wäre ja nicht das erste Mal, aber wieviel Schaden braucht Ihr eigentlich noch, bis Ihr daraus lernt?

Wir brauchen nicht unbedingt an den „lieben Gott“ zu denken, wir können auch an die Klimaschäden denken, die schon auftreten und sich Prognosen zufolge noch auftürmen werden. Aber bis der Letzte begreift, dass wir alles tun müssen, um die Katastrophen wenigstens einzudämmen, wird es zu spät sein, um das Desaster noch zu stoppen.

Denn Menschen können zäh an liebgewonnenen und gewohnten Denkmustern festhalten. Beispiel: Im Fersehen sprach kürzlich jemand mit einer Frau in den USA, die jahrelang fest in der MAGA-Bewegung von Trump stand und z.B. die Berichte über Schul-Massaker in den letzten Jahren für Fake-News hielt: Diese Amokläufe in Schulen sind erfunden, glaubte sie früher — weil das in der MAGA-Blase so kommuniziert wurde, und weil Trump die seriösen Medien immer wieder beschimpfte und beleidigte (so wie alle, die ihn öffentlich kritisierten ).

Denn eins ist auch klar: In den rechtspopulistischen und rechtsradikalen Kreisen spielen Fakten eine geringe Rolle, hier werden eher Gefühle erzeugt und gepuscht, mit denen man Menschen steuern kann. Da werden oft auch falsche Dinge einfach behauptet, um Gefühle zu mobilisieren: nur die Wirkung zählt.

Der „liebe Gott“ kennt seine Pappenheimer und macht sich nichts vor: Einige lernen nur auf die harte Tour…

In puncto Rekord-Temperaturen braucht ER sich gar nicht weiter zu bemühen. Die Wissenschaft erklärt uns schon seit Jahren: Wenn sich die Klimaveränderungen weiter aufschaukeln, werden bald Kipp-Punkte überschritten, dann gibt es kein Aufhalten und kein Zurückfahren mehr. Ach was, sagen die Klimaleugner, dann erklären wir einfach die Wissenschaft zu Fake-News. Vor längerer Zeit sagte z.B. J.D.Vance in einer Rede: „The professor is the enemy.“

Und „der liebe Gott“ schüttelt bekümmert sein Haupt und hat ein Déja-Vu: So haben sie schon im Mittelalter die Wahrheit bekämpft. Bis mehr Leute begriffen, dass ihnen Verstand gegeben wurde — und einige Mut fassten, ihn auch selbstständig zu benutzen. So konnte es zur Amerikanischen Revolution 1776 und zur Französischen 1789 kommen. Beide proklamierten eine Erklärung der Menschenrechte.

Das waren wichtige Schritte in der Menschheitsgeschichte. Nationalismus und Rassismus fallen aber zurück hinter diese fortschrittlichen Errungenschaften, weil sie Menschen in verschiedene Wertkategorien einteilen wollen. Und sie wollen uns weismachen, dass diese Einstellungen keine Folgen für die Behandlung von Menschen hätte. Doch viele Erfahrungen aus der Geschichte zeigen das Gegenteil: Der Fisch stinkt vom Kopf, und schlechte Gedanken führen oft zu schlechten Taten.

W. R.

Schlimmer geht immer

DA guckt man mal eine politische Talkshow im Fernsehen — und gewinnt wider Erwarten tiefere Einsichten:
Bei „Lanz“ sitzen am Abend des 10.06. neben dem Moderator Ines Schwerdtner, Co-Vorsitzende der Links-Partei und Bundestagsabgeordnete, außerdem der CSU-Politiker Markus Blume, bayrischer Wissenschaftsminister. Lanz schneidet das Thema „Tankrabatt“ an. Da ist offenichtlich, dass die von der Bundesregierung verfügte Steuersenkung auf Treibstoff zur Entlastung der Autofahrer von den Mineralölproduzenten nur teilweise als Preissenkung an die VerbraucherInnen weitergegeben wurde. Die Linke fragt den CSU-Mann, warum man nicht versucht habe, den Übergewinn der Mineralölkonzerne abzuschöpfen.

Da war Blume sofort auf der Zinne: Das gehe gar nicht. Und eierte im Folgenden wortreich herum, ohne nachvollziehbare Gründe zu nennen, ohne die Frage klar zu beantworten. Bei ihm lief es auf die alte Wahlkampfmasche hinaus: Wenn die Linkspartei etwas umverteilen wolle, sei das Sozialismus (und das ist ein dunkelrotes Tuch für die CSU). Da wurde für mitdenkende ZuschauerInnen klar: Der findet das Verhalten der Konzerne im Grunde nicht schlimm, das ist halt Kapitalismus, wenn die sich auf Kosten des Staates (und der SteuerzahlerInnen) bereichern.

Aha. Im Denken vieler Unionspolitiker, so muss ich daraufhin vermuten, ist das ein Axiom und wird nicht in Frage gestellt. Ungerechtfertigter Extraprofit ist okay, der Staat bzw. die Allgemeinheit bzw. die steuerzahlenden BürgerInnen müssen halt blechen, was an der Zapfsäule angezeigt wird. Warum? Weil der Staat in diesem politischen Weltbild der Wirtschaft nichts vorschreiben soll. Eher läuft es da schon umgekehrt. Bei der Union. Nicht wahr? So sieht’s doch aus.

Bei dieser Denkweise — wundert es mich schon weniger, dass bei der Union in letzter Zeit gern die ArbeitnehmerInnen kritisiert werden, wenn die Wirtschaft in Deutschland nicht rund läuft, und dass da ständig vorgebetet wird, wir könnten uns den Sozialstaat in der heutigen Form nicht mehr leisten. Der Staat müsse sparen (nachdem er zuvor riesige Schulden, die „Sondervermögen“, beschlossen hat). Wer da fragt, wie das alles zusammen passt, und wer dabei den Überblick verliert, der ist nicht allein.

Aaaber, nicht missverstehen: Das ist keine Fundamentalkritik am politischen System, und kein Plädoyer für Protestwahl im Sinne von „Lasst mal die AfD ran, dann können wir sehen, was die besser machen.“ Gerade wenn wir von Wirtschaft reden, können wir von einer AfD an der Macht nur Schlechtes für Deutschland erwarten. Allein das reicht schon als Ausschlusskriterium, da brauchen wir von anderen schlimmen Vorstellungen in der AfD gar nicht erst zu reden, oder?

Das Experiment sollten wir nicht ernsthaft erwägen. Das verbietet sich für jeden halbwegs denkfähigen Menschen (sofern er seine Fähigkeit auch benutzt!). Aber die AfD zielt ja auf Euren Bauch und nicht auf Euren Kopf, sie will mit plumpen Emotionen statt mit Argumenten Stimmen gewinnen. Sie will nicht, dass Ihr nachdenkt. Ihr sollt nicht erkennen, dass Parolen aus Opas Mottenkiste keine Probleme im 21. Jahrhundert lösen können.

An den gewalttätigen Krawallen in Nordirland, inszeniert von rechtsradikalen Aufwieglern, sehen wir aktuell deutlich, wohin Rassismus und falsch verstandene Identitätspolitik führen. Wir sehen wieder einmal, dass rechtsradikale Gesinnung immer mit Gewaltbereitschaft einhergeht. Mit denen ist kein friedliches Zusammenleben möglich, wenn sie sich zusammenrotten. Die Vorgänge in Nordirland erinnern mich verteufelt an Rostock-Lichtenhagen (1992, Ihr erinnert Euch). Da sind Leute am Werk, die sich ein friedliches Zusammenleben mit Menschen nicht vorstellen können, sobald diese nicht genauso aussehen und genauso ticken wie sie. Sie wollen nur Abgrenzung, Ausgrenzung, wollen nur unter ihresgleichen sein. Sollen sie, wenn sie dabei nicht vergessen, dass auf der anderen Seite der Grenze auch nur Menschen sind.

Also: Bevor Ihr rechten Scharfmachern eine Chance gebt, bedenkt: Schlimmer geht immer. Deutschland tiefer in die Sch… reiten kann jeder, und Gewalt ist im Zweifel keine Politik, sondern Unfähigkeit zu kluger Politik. Opa lässt grüßen, aber um Himmels willen nicht mehr mit „deutschem Gruß“, wie die Nazis es nannten. Auch Opa hat dazugelernt.

W. R.

Allein

Unglaublich! Ich traute meinen Augen nicht, ich musste ganz genau hinsehen, als ich die Bilder im Fernsehen sah: Abgeordnete in der Knesset mit einem Anstecker am Revers, der eine Galgenschlinge darstellte. Das waren rechtsradikale Politiker, die sich laut für die Verschärfung der Todesstrafe stark machen.“ So tönte es vom Tresen-Stammtisch, als ich gestern meine Stammkneipe betrat.

„Jetzt lässt die Regierung Netanjahu ganz die Maske fallen: Sie sind ein Haufen rechtsradikaler Rassisten! Todesstrafe für Terroristen, aber nur für Palästinenser. Und wer Terrorist ist, bestimmen nicht die Betroffenen.“
„Nu komm, werd nicht antisemitisch. Die Israelis müssen sich doch wehren.“
„Aber nicht so! Wir wissen doch längst, dass in vielen Ländern das Wort ‚Terrorist‘ nach Belieben verwendet wird, besonders in Autokratien. Und komm mir nicht mit ‚antisemitisch‘! Ich bin Freund von Juden, ich kenne welche gut, die hier in Deutschland leben. Ich kann die Leute nicht verstehen, die den hirnrissigen Märchen über Juden glauben, anstatt ihrem Verstand zu folgen. Aber wenn ich die zahlreiche Wählerschaft der AfD sehe, dann zweifele ich sowieso am Fortschritt der menschlichen Entwicklung.“
„Da sagst du was! Der Homo Sapiens bildet sich was ein auf sein großes Hirn — dabei scheinen Viele der Gattung zu verlernen, dieses Hirn auch zu benutzen.“
„Genau! Der Antisemitismus ist dafür ein krasses Beispiel. Wir fallen trotz technischer Neuheiten zurück ins Mittelalter, geistig-moralisch jedenfalls.“
„In den USA sieht es nicht besser aus. Rassismus wird sogar durch die Trump-Regierung gefördert. Wie 19. Jahrhundert ist das denn: ‚White supremacy‘, und von massakrierten Indianern und von Sklaverei wollen sie nichts mehr hören. Make white America great again, das ist in Wahrheit Trumps Parole. Und einige schwarze Wähler haben das noch nicht durchschaut.“
„Hör mir auf mit Durchschauen. Bei uns wählen Arbeiter die AfD, obwohl diese Partei gar nichts für sie tun will. Ich vermute, diese Wähler fallen auf das Märchen herein, die Zuwanderer würden ihnen Jobs und Wohnungen wegnehmen. Mir scheint, die deutschen Arbeiter waren schon mal klüger.“
„Vorsicht! Ich hab vor Jahren mal gelesen, dass im vorigen Jahrhundert bei uns viele Arbeiter auch CDU gewählt haben. Rein von der Logik der Interessen hätten sie eher SPD wählen müssen. Aber denen war vielleicht das frühere Klassenbewusstsein abhanden gekommen.“
„Weil sie vielleicht schon verbürgerlicht waren, sie wollten nicht Arbeiter sein, sondern Mittelschicht, was ‚Besseres‘ eben. Die orientierten sich am Bürgertum, nachdem sie sich eine Dreizimmerwohnung, ein Mittelklasse-Auto und einen Farbfernseher leisten konnten.“
„Blieben aber Lohnabhängige. Und hätten wissen müssen, dass Lohnerhöhungen oder bessere Arbeitsbedingungen am ehesten mit Gewerkschaften durchsetzbar waren — und sind! Trotzdem traten viele um 2000 herum aus der Gewerkschaft aus.“
„Ja, der alte Spruch ‚Allein machen sie dich ein‘ geriet in Vergessenheit. Das wurde überhaupt ein Trend: Vereinzelung. Heutzutage liest man überall von Einsamkeit als verbreitetem Problem.“ —

Oha, da fühlte ich mich ertappt. Denn ich saß abseits allein an einem Tisch und aß mein Menü, ohne Tischgesellschaft, ohne Gesprächspartner. Und zu Hause wartete auch niemand auf mich. Ob ich das ändern sollte? Ich kam ins Grübeln, und darüber verpasste ich das weitere Gespräch am Tresen…

W. R.

Geschäftsmodell: Leute verblöden

WENN die Union so weitermacht, muss sie bald mit den Grünen und den Linken koalieren, um nicht mit der AfD zusammen zu gehen. Wenn sie aber mit der AfD koaliert, ist das der Untergang der Union. Wie im Februar 1933. Da haben sich die Konservativen Illusionen gemacht, sie könnten Hitler und seine Partei in einer Koalition „an die Wand drücken, bis er quietscht.“ Später wussten alle: Das war ein schwerer Irrtum.
Ja, ein Blick in die Geschichte lehrt so Einiges. Die Feinde der Demokratie tönten damals: Deutschland sei (durch den Versailler Vertrag) zu Unrecht gedemütigt, und man müsse die nationale Größe wieder aufrichten und die Schmach von Versailles tilgen. Einige träumten dabei nicht nur von der Rückkehr verlorener Gebiete „heim ins Reich“, sondern sogar von der Wiedererlangung verlorener Kolonien.
Ein bekanntes Schema: Ich erkläre die Nation als gedemütigt, geknechtet, zu Unrecht kleingemacht, damit ich mich als Retter und Messias aufblasen kann, der die Nation wieder groß macht. Dazu fasele ich noch von der ruhmreichen Geschichte der Nation, an der man sich orientieren sollte. Das ist ein Kern der Propaganda von Putin, aber auch von Trump („Make America great again“). Die AfD möchte das kopieren und behauptet, in Deutschland sei alles schlecht — und die AfD werde es wieder … ja was denn, vermasseln, so wie Adolf? Im Ernst: Sollen wir unsere Wirtschaft vollends ruinieren durch Austritt aus der EU, durch Stopp der Zuwanderung, ja sogar durch „Remigration“? Woher sollen denn nach Ansicht der AfD die fehlenden Fachkräfte in Industrie, Handwerk, Gastronomie, Kranken- und Altenpflege usw. kommen? Wie blöd muss man eigentlich sein, um als Arbeiter, Angestellter oder Rentner diese (würg!) AfD zu wählen? Und welcher Unternehmer will auf die Vorteile des EU-Binnenmarktes verzichten?

Ich kann mich des Verdachts nicht erwehren: Wenn so viele junge Leute, besoffen von social-media-clips, dieser Unglücks-Partei ihre Stimme geben, dann zeigt das die verheerende, ja verblödende Wirkung der social media.
Ein Prozess in Kalifornien hat gerade gezeigt, dass Algorithmen auf bekannten social-media-Kanälen süchtig machen. Das heißt: Sucht steuert die User, sie verhindert das Einschalten des Hirns, sie lähmt den Willen selbst zu entscheiden, was man sehen und hören will und was nicht.
Das ist prinzipiell schlecht, es macht die User zu hilflos weiterscrollenden Puppen der Profitsteigerung. Denn es ist ein Geschäftsmodell, das müssten inzwischen auch die Dummen schon mal gehört haben. Und wo Profit gemacht wird, da fehlt natürlich die Motivation, sich zurückzunehmen. Eher im Gegenteil: Die Tech-Giganten verfeinern weiter die Methoden der Manipulation und Gehirnwäsche.
Die Tech-Milliardäre werden damit von stinkreich zu superreich, und die daddelnden, scrollenden, wischenden Handy-Abhängigen sind ihre besten Kunden, diese fetten, zappelnden Fische werden sie nicht freiwillig von der Angel lassen. Mehr zum Urteil: Strafen für Meta und Google: Schadensersatz wegen Social-Media-Sucht | tagesschau.de

W. R.

Ohne Plan

Natürlich, ich konnte es mir denken, der Tresen-Stammtisch in meiner Stammkneipe hatte mal wieder die Weltlage im Blick:
„Oha! Trump ist enttäuscht von der Nato. Weil sie ihm nicht mit Militär beispringt, um die Sperrung der Straße von Hormus durch den Iran aufzuheben. Sowas aber auch! Die Nato war für Trump immer ein lästiger Klotz am Bein, die USA wollten allein stark genug sein, um alle Probleme in der Welt zu lösen.“
„Ja, jetzt weiß er nicht mehr weiter mit dem Krieg gegen den Iran, da sollen plötzlich Andere helfen, die er sonst gern vor’s Schienbein tritt.“
„Nun stößt er nebulöse Drohungen aus, was ja eine seiner Spezialitäten ist. Ich will schon gar nicht mehr hinhören, wenn er in den Nachrichten zitiert wird.“
„Und bald redet er noch mehr Unsinn, weil er geistig abbaut. Sagen jedenfalls einige Mediziner, die ihn scharf beobachten.“
„Ach, der redet doch sowieso nicht wie ein Staatsmann, er ist im Dauerwahlkampf und wendet sich in einfacher Sprache an seine Stammwähler. Die sollen ihm applaudieren. Und dazu möglichst noch ausländische Pollitiker.“
„Genau! Früher hätte man gesagt: Als Politiker ist er unmöglich, den wählen doch höchstens ein paar primitive Haudraufs ohne Bildung.“
„Er gibt sich auch gar keine Mühe, sowas wie staatsmännisches Format zu zeigen. Goldene Vorhänge im Oval Office reichen, meint er, damit alle sehen, wie bedeutend er ist.“
„Und wie er über Kuba redet! Das Land ist am Ende, ich kann damit machen, was ich will. Ich würde ihm am liebsten direkt eine reinhauen, dem Widerling!“
„Also bitte, jetzt komm mal runter! Gewalt ist keine Lösung, auch wenn Trump und seine Kumpane das meinen.“
„Gewalt ist keine Lösung, ja, aber es gibt Ausnahmen. Oder wie willste die verrohten Russen in der Ukraine stoppen? Hä?“
„Ja, schon, da ist Gewalt von Vorneherein programmiert.“
„Die armen jungen Russen, sie tun mir schon leid! Erst werden sie in der Armee erbarmungslos geschleift und wie Vieh behandelt, um dann an der Front verheizt zu werden. Kein Wunder, dass Putin die Soldaten ausgehen.“
„Eben! Bei uns hieß es immer, der Ukraine gehen die Soldaten aus, Russland ist so riesig, die haben viel mehr…“
„… arme Schlucker, die mit Geld in die Armee geködert werden. Aber das scheint auch nicht mehr richtig zu funktionieren. Oder warum mussten über zehntausend Nordkoreaner als Kanonenfutter geholt werden?“

„Aber Trump hilft ihm aus der Patsche, jetzt mit Lockerung der Sanktionen gegen russische Ölausfuhren. Und warum? Aus Angst vor den Wählern in den USA, die sich über steigende Benzinpreise beschweren.“

„Trump hat so Manches mit seinem Idol Putin gemeinsam, z.B. einen Krieg anfangen ohne Plan.“

„Ohne Plan stehen noch ein paar Andere da, z.B. unsere Bundesregierung. Besessen von der Rückabwicklung grüner Politik, rufen sie die Rückkehr zu mehr Verbrennung von Öl und Gas aus, und Rumms, gibt’s auf dem Weltmarkt einen Preisschock, und Deutschland steht dumm da, weil es sich gerade wieder abhängiger macht von fossilen Energien. Wie bescheuert ist das denn!“

„Eben! Wir sind nicht die USA, die auch Öl und Gas exportieren. Wir sollten mehr erneuerbare Energien nutzen und unser Geld vor allem in die Bildung unserer Kinder und Heranwachsenden stecken. Das würde unserem Land nutzen…“

„… und unsere Zukunftsaussichten verbessern, genau! Aber da passiert zu wenig, ich würde sagen: wider besseres Wissen. Lieber schielt man zurück in eine überholte Vergangenheit, allen voran die AfD. Ach hör mir auf, mir wird gleich schlecht. Da hilft nur eins: Jupp, noch ne Runde von diesem goldenen Getränk!“ —

Welt der Kriege

Hurra! Es gibt Menschen, die Krieg bejubeln und glauben, dieses großartige Spektakel sei eine Manifestation von Macht und Kraft, Männlichkeit und Herrlichkeit.

Und es gibt Menschen, die Krieg als Machtmittel grundsätzlich geächtet sehen wollen — und auf keinen Fall mitwirken wollen an Zerstörung, Mord, Vergewaltigung, Verstümmelung, Traumatisierung, an all dem Leid, das ein Krieg einer großen Zahl von Menschen zufügt.

Trotzdem Hurra? Das kann nicht euer Ernst sein, ihr Waffenfetischisten, Männlichkeitsfantasten, Empathielosen, gewaltaffinen Haudraufs! Spätestens wenn in einer gewalttätigen Auseinandersetzung ihr selbst und eure nächsten Angehörigen zu Schaden kommen, dann — schreit ihr auch noch nach Rache und Vergeltung, nach noch mehr Gewalt und Grausamkeit. Unbelehrbar haltet ihr nach wie vor Gewalt für die erste Wahl, wenn es Probleme gibt. Warum? Weil ihr gar nicht in der Lage seid, etwas Anderes zu denken, geschweige denn zu versuchen.

Warum ist das so? Weil ihr nie gelernt habt, mit Menschen anders als mit Imponiergehabe, Drohungen und Einsatz von Gewalt zu kommunizieren. Weil ihr nicht fähig seid, ein Gespräch auf Augenhöhe und eine friedliche Verständigung trotz unterschiedlicher Sichtweisen herbeizuführen. Weil ihr für Schwäche haltet, was ohne toxisches Männlichkeitsgehabe auskommt — auch wenn dabei gute Verhandlungsergebnisse erreicht werden.

Nicht nur in der gegenwärtigen Weltlage zeigt sich, wie schnell Konflikte eskalieren können und die Haudraufs das Geschehen anheizen. Im Nahen und Mittleren Osten konnte man das schon seit Jahrzehnten beobachten. Gewaltbereite Regime gibt es aber auch in anderen Regionen. Sie können immer Unterstützer mobilisieren, die Gewalttätigkeit und Männlichkeit in eins setzen und das herrlich finden.

Diese toxische Mentalität wird in unserem Lande von einigen rechtslastigen Politikern verbreitet (z.B. von Herrn Krah, der für die AfD im Bundestag sitzt), um nicht nur mit dem Finger auf fremde Länder zu zeigen. Oder was denkt Ihr, sollen wir uns vorstellen, wenn führende AfD-PolitikerInnen laut von „Remigration“ faseln? Wir haben gesehen, was der gegenwärtige US-Präsident mit Gewalt anstellt, um sein Wahlkampfversprechen umzusetzen. Er und seine Spießgesellen unterstützen die AfD und andere rechtslastige Parteien und Gruppierungen in Europa. Ebenso wie Putin will auch Trump ein schwaches, am liebsten ein von rechtsgerichteten Nationalisten beherrschtes (und zugleich zersplittertes) Europa.

Nach Putin hat nun auch Trump die militärische Drohung und Gewaltanwendung gegen andere Länder als Mittel entdeckt, das schnelle Erfolge verspricht (so glaubt Trump offenbar). Kritik aus demokratisch regierten Ländern passt ihm gar nicht, da schlägt er mit Zöllen zurück (seinem bisherigen Lieblingsspielzeug). Die Risiken und Nebenwirkungen seiner Zollwut erkennt er — wenn überhaupt — erst später. Ebenso läuft er zur Hochform als oberster Kriegsherr auf und bedenkt nicht, dass Krieg nicht immer nach Plan läuft (frag deinen Buddy Putin!) und man besser einen Plan B in der Schublade vorhält.

Putin mit seiner Kraftmeier-Show (wir erinnern uns an Fotos von einem muskulösen Reiter und Sportler) ist das Musterbeispiel für die oben angeführte toxische Männlichkeit. Da ist nicht nur Gewaltbereitschaft, da ist kalte Entschlossenheit, ohne Skrupel selbst die perfidesten Mittel einzusetzen, um Macht zu sichern und Widerstand auszuschalten — im Inneren des Landes wie nach außen. Und Krieg ist für Putin etwas Normales, ebenso Folter und Mord.

Wollen wir so etwas als „normal“ hinnehmen? Wollen wir Verständigung und friedlichen Austausch zwischen Völkern wie zwischen Gruppen mit unterschiedlichen Meinungen als schwach und „weiblich“ geringschätzen?

Morgen, am 8. März, ist Weltfrauentag. Da sollten etliche Männer mal ihren angeblich überlegenen Verstand einschalten und ihr Verständnis von „Männlichkeit“ einer Überprüfung unterziehen. Dabei könnten sie überlegen, warum sie ihre angeblich „weiblichen“ Gefühle eher unterdrücken — aus Angst, nicht als „männlich“ zu gelten. Männer haben Angst? Kann doch gar nicht sein — oder doch? Also, überlegt mal ernsthaft und in Ruhe. Vielleicht tut Ihr Euch selbst damit einen großen Gefallen: wenn der Macho-Krampf sich löst und ihr zu Euch selbst findet.

W. R.

Nachtrag am 15.03.2026: Über Person und Charakter des Chaoten Donald Trump muss man an dieser Stelle nicht erneut Worte verlieren. Zu erwähnen ist vielleicht, dass es eine Tragödie für die Welt ist, dass diese und andere unheilbringende Figuren nicht gestoppt oder im äußersten Fall aus dem Verkehr gezogen werden. Der derzeit laufende Krieg gegen den Iran ist nur ein weiteres Beispiel dafür.

Um dem letzten Zeitgenossen die Illusion zu nehmen, dass Trump und seine Bande irgendetwas für Demokratie und Menschenrechte übrig hätten, verweise ich auf diesen Kommentar: Donald Trump und sein Größenwahn: Seine historischen Vorbilder – Kolumne – DER SPIEGEL

Das ist gewiss peinlich für die AfD, die sich so beflissen an Trump und Musk herangewanzt hatte. Deren Vertreter wissen derzeit gar nicht, wie sie sich verhalten sollen, sie winden sich zwischen Distanzierung und Herunterspielen.

Dabei schlittert die Welt offensichtlich auf eine schiefe Bahn zurück in vergangene Jahrhunderte, als Machtpolitik selbstverständlich Krieg mit einschloss und Gewalt als normal galt* — so wie Putin das schon länger in seinem Machtbereich praktiziert und andere Machthaber seinem Beispiel gern folgen möchten. Auch Putin orientiert sich an historischen Vorbildern, nämlich russischen Gewaltherrschern von Zar Iwan dem Schrecklichen bis zu Stalin.

* Ein deutliches Zeichen gab Präsident Trump, als er vor einiger Zeit das Verteidigungsministerium in Kriegsministerium und den zuständigen Minister in Kriegsminister umtaufte. Das hatte die Welt nach 1945 nicht mehr gehört. Jedem Menschen muss damit klar sein: Die Zeichen stehen auf Gewalt und Krieg. —

Trump light

SCHON eine ganze Weile sehe ich, und verstehe inzwischen auch, warum unser derzeitiger Kanzler Friedrich Merz (CDU) es relativ gut mit Donald Trump konnte: Beide waren lange in Geschäften tätig und denken großenteils in Kategorien der Finanzwirtschaft.

In seiner Rede vor der UNO-Vollversammlung am 23.09.2025 freute sich Trump, dass Deutschland endlich „den kranken Weg der Klima-Politik“ verlassen habe. Abgesehen davon, dass man Worten aus Trumps Mund kaum einmal Glauben schenken darf (weil er fast immer entweder übertreibt oder lügt), sieht er bei uns wohl zu Recht Kräfte am Werk, die die Klimaziele aushebeln wollen zugunsten der Profite der Öl- und Gasverbrenner.

Die aktuelle Politik der Bundesregierung beschreibt dieser Kommentar: Heizungsgesetz: Robert Habeck doof finden ist keine Strategie – gefährdet aber Klimaziele – DER SPIEGEL

Alles klar? Wer jetzt meint, dann bliebe einfach nur noch der Protest mit der Wahl der AfD, der begibt sich voll auf den morschen Holzweg! Denn die Fachleute der Wirtschaft sind sich mit großer Mehrheit einig: Die Vorstellungen und Vorhaben der AfD sind keine annehmbare Alternative, sie würden Deutschland in den Abgrund stoßen. Darum kann man „AfD“ mit Fug und Recht so buchstabieren:

Mit einer AfD-Regierung bekämen wir statt „Trump light“ die volle Dröhnung antidemokratischer Umtriebe und autoritärer Herrschaft, Unterdrückung und Verfolgung von Minderheiten, dazu die weitgehende Verharmlosung der Nazi-Verbrechen (noch getarnt als angebliche Meinungsfreiheit), und eine gewaltverherrlichende Retro-Sicht auf die deutsche Geschichte. Nein, danke!!

Aktuell wird im Nahen Osten mal wieder Krieg geführt, und wer noch meint, damit hätten wir wenig am Hut, der fährt nicht Auto und heizt nicht mit Öl oder Gas. Und wer den Klimaschutz und die Energiewende nicht wichtig findet, dem wird trotzdem heiß, wenn er an die Preise für fossile Energieträger in der nahen Zukunft denkt. Hier schießt unsere Regierung für Deutschland gerade ein Eigentor. Wir erleben wieder ein böses Erwachen in der Abhängigkeit vom Weltmarkt — in Öl und Gas. Energiewende: Dieser Krieg ist eine Mahnung | DIE ZEIT

Was tun? Zuerst sollten wir uns keine Illusionen darüber machen, dass der alte Satz „Geld regiert die Welt“ immer noch viel Wahrheit enthält, Donald Trump macht es aller Welt ganz ungeniert vor. Und wer als BürgerIn und WählerIn politische Entscheidungen trifft, sollte genau hinschauen und hinhören: Wer vertritt da welche Interessen? Und wer redet nur, was die Leute hören wollen? Im Zweifel gilt der alte Spruch aus der Bibel: „An ihren Taten sollt ihr sie erkennen!“

Vielleicht sollte man zur Deutlichkeit noch hinzufügen: Wem sollen diese und jene Parolen den Geldbeutel füllen? Wenigstens die Leute mit Ahnung von Wirtschaft sollten das erkennen. Anders gesagt: Wessen Interessen vertritt dieser oder jene PolitikerIn wirklich, was steckt hinter den schönen Worten, wenn man mal nachfragt und nachdenkt?

Aber da kommen wir wieder an einen entscheidenden Punkt: Selber denken! Nicht denken lassen, auch nicht von einer KI. Und Vorsicht vor viel social-media-Konsum (weil das den Verstand lähmt)!

W. R.