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Schlechte Gedanken und die Folgen

REKORD-Temperaturen in Deutschland! Am 27. Juni trifft es Sachsen-Anhalt mit 41,5 Grad, dann folgt Brandenburg. Die Hitze-Glocke hat sich nun auch zum Osten hin ausgebreitet, ohne dabei an Wärme zu verlieren.

Man könnte als gläubiger Mensch, der mit Gottes Eingreifen in der Welt rechnet, auf die Idee kommen: Der „liebe Gott“ will nun auch die vielen AfD-Anhänger und -Sympathisanten in östlichen Bundesländern erleben lassen, was Klimawandel schon jetzt bedeutet. In der AfD vertrat man ja die Ansicht, der Klimawandel sei a) nicht wahr, sondern erfunden, dann b) nicht so schlimm und nichts Besonderes in der Geschichte, schließlich c) nicht menschengemacht und erst recht nicht von Menschen beeinflussbar. sodass wir auch gar nichts dagegen tun könnten.

Für die AfD war Klimapolitik und Reduktion des CO2-Ausstoßes überflüssiger Unfug — so wie es Donald Trump immer noch in die Welt posaunt und in den USA auch durchzusetzen versucht. Das freut natürlich die Öl-Multis und lässt Partei-Spenden fließen…

Der „liebe Gott“ versucht also gerade, die Klimawandel-Ungläubigen zu einem Sinneswandel zu bekehren. Motto: Jetzt könnt Ihr erleben, wie sich das anfühlt, was Ihr nicht wahrhaben wollt. Vielleicht hilft Euch ja eine AfD-geführte Regierung (die Ihr Euch wünscht) aus der Klima-Misere. Fragt die Partei-VertreterInnen doch mal nach ihren Lösungs-Vorschlägen!

Aus der AfD kommen „Lösungs“-Vorschläge wie: Alle Flüchtlinge/Zuwanderer abschieben (darunter diejenigen, die in der Hitze noch arbeiten können), oder: Gegen den Klimawandel können wir eh nichts tun (aber ihn mit mehr CO2-Ausstoß befeuern), oder: Atomkraftwerke bauen, denn angeblich ist die ganze übrige Welt dafür (und dabei sehen wir weg, wenn z.B. Frankreich bei Hitze AKWs abschaltet, weil Kühlwasser knapp wird).

Man sieht: Solche „Lösungen“ werden Leuten angeboten, die schlecht informiert sind und einseitigen Einflüsterungen im Internet erliegen; Leuten, denen das kritische Denken so weit abhanden gekommen ist, dass sie einfache Bauch-Parolen für kluge politische Konzepte halten.

Kann sein, dass sich der „liebe Gott“ daraufhin enttäuscht von seinen Geschöpfen abwendet und grummelt: Dann lauft doch in Euer Unglück und erlebt die Folgen am eigenen Leibe! Das wäre ja nicht das erste Mal, aber wieviel Schaden braucht Ihr eigentlich noch, bis Ihr daraus lernt?

Wir brauchen nicht unbedingt an den „lieben Gott“ zu denken, wir können auch an die Klimaschäden denken, die schon auftreten und sich Prognosen zufolge noch auftürmen werden. Aber bis der Letzte begreift, dass wir alles tun müssen, um die Katastrophen wenigstens einzudämmen, wird es zu spät sein, um das Desaster noch zu stoppen.

Denn Menschen können zäh an liebgewonnenen und gewohnten Denkmustern festhalten. Beispiel: Im Fersehen sprach kürzlich jemand mit einer Frau in den USA, die jahrelang fest in der MAGA-Bewegung von Trump stand und z.B. die Berichte über Schul-Massaker in den letzten Jahren für Fake-News hielt: Diese Amokläufe in Schulen sind erfunden, glaubte sie früher — weil das in der MAGA-Blase so kommuniziert wurde, und weil Trump die seriösen Medien immer wieder beschimpfte und beleidigte (so wie alle, die ihn öffentlich kritisierten ).

Denn eins ist auch klar: In den rechtspopulistischen und rechtsradikalen Kreisen spielen Fakten eine geringe Rolle, hier werden eher Gefühle erzeugt und gepuscht, mit denen man Menschen steuern kann. Da werden oft auch falsche Dinge einfach behauptet, um Gefühle zu mobilisieren: nur die Wirkung zählt.

Der „liebe Gott“ kennt seine Pappenheimer und macht sich nichts vor: Einige lernen nur auf die harte Tour…

In puncto Rekord-Temperaturen braucht ER sich gar nicht weiter zu bemühen. Die Wissenschaft erklärt uns schon seit Jahren: Wenn sich die Klimaveränderungen weiter aufschaukeln, werden bald Kipp-Punkte überschritten, dann gibt es kein Aufhalten und kein Zurückfahren mehr. Ach was, sagen die Klimaleugner, dann erklären wir einfach die Wissenschaft zu Fake-News. Vor längerer Zeit sagte z.B. J.D.Vance in einer Rede: „The professor is the enemy.“

Und „der liebe Gott“ schüttelt bekümmert sein Haupt und hat ein Déja-Vu: So haben sie schon im Mittelalter die Wahrheit bekämpft. Bis mehr Leute begriffen, dass ihnen Verstand gegeben wurde — und einige Mut fassten, ihn auch selbstständig zu benutzen. So konnte es zur Amerikanischen Revolution 1776 und zur Französischen 1789 kommen. Beide proklamierten eine Erklärung der Menschenrechte.

Das waren wichtige Schritte in der Menschheitsgeschichte. Nationalismus und Rassismus fallen aber zurück hinter diese fortschrittlichen Errungenschaften, weil sie Menschen in verschiedene Wertkategorien einteilen wollen. Und sie wollen uns weismachen, dass diese Einstellungen keine Folgen für die Behandlung von Menschen hätte. Doch viele Erfahrungen aus der Geschichte zeigen das Gegenteil: Der Fisch stinkt vom Kopf, und schlechte Gedanken führen oft zu schlechten Taten.

W. R.

Schlimmer geht immer

DA guckt man mal eine politische Talkshow im Fernsehen — und gewinnt wider Erwarten tiefere Einsichten:
Bei „Lanz“ sitzen am Abend des 10.06. neben dem Moderator Ines Schwerdtner, Co-Vorsitzende der Links-Partei und Bundestagsabgeordnete, außerdem der CSU-Politiker Markus Blume, bayrischer Wissenschaftsminister. Lanz schneidet das Thema „Tankrabatt“ an. Da ist offenichtlich, dass die von der Bundesregierung verfügte Steuersenkung auf Treibstoff zur Entlastung der Autofahrer von den Mineralölproduzenten nur teilweise als Preissenkung an die VerbraucherInnen weitergegeben wurde. Die Linke fragt den CSU-Mann, warum man nicht versucht habe, den Übergewinn der Mineralölkonzerne abzuschöpfen.

Da war Blume sofort auf der Zinne: Das gehe gar nicht. Und eierte im Folgenden wortreich herum, ohne nachvollziehbare Gründe zu nennen, ohne die Frage klar zu beantworten. Bei ihm lief es auf die alte Wahlkampfmasche hinaus: Wenn die Linkspartei etwas umverteilen wolle, sei das Sozialismus (und das ist ein dunkelrotes Tuch für die CSU). Da wurde für mitdenkende ZuschauerInnen klar: Der findet das Verhalten der Konzerne im Grunde nicht schlimm, das ist halt Kapitalismus, wenn die sich auf Kosten des Staates (und der SteuerzahlerInnen) bereichern.

Aha. Im Denken vieler Unionspolitiker, so muss ich daraufhin vermuten, ist das ein Axiom und wird nicht in Frage gestellt. Ungerechtfertigter Extraprofit ist okay, der Staat bzw. die Allgemeinheit bzw. die steuerzahlenden BürgerInnen müssen halt blechen, was an der Zapfsäule angezeigt wird. Warum? Weil der Staat in diesem politischen Weltbild der Wirtschaft nichts vorschreiben soll. Eher läuft es da schon umgekehrt. Bei der Union. Nicht wahr? So sieht’s doch aus.

Bei dieser Denkweise — wundert es mich schon weniger, dass bei der Union in letzter Zeit gern die ArbeitnehmerInnen kritisiert werden, wenn die Wirtschaft in Deutschland nicht rund läuft, und dass da ständig vorgebetet wird, wir könnten uns den Sozialstaat in der heutigen Form nicht mehr leisten. Der Staat müsse sparen (nachdem er zuvor riesige Schulden, die „Sondervermögen“, beschlossen hat). Wer da fragt, wie das alles zusammen passt, und wer dabei den Überblick verliert, der ist nicht allein.

Aaaber, nicht missverstehen: Das ist keine Fundamentalkritik am politischen System, und kein Plädoyer für Protestwahl im Sinne von „Lasst mal die AfD ran, dann können wir sehen, was die besser machen.“ Gerade wenn wir von Wirtschaft reden, können wir von einer AfD an der Macht nur Schlechtes für Deutschland erwarten. Allein das reicht schon als Ausschlusskriterium, da brauchen wir von anderen schlimmen Vorstellungen in der AfD gar nicht erst zu reden, oder?

Das Experiment sollten wir nicht ernsthaft erwägen. Das verbietet sich für jeden halbwegs denkfähigen Menschen (sofern er seine Fähigkeit auch benutzt!). Aber die AfD zielt ja auf Euren Bauch und nicht auf Euren Kopf, sie will mit plumpen Emotionen statt mit Argumenten Stimmen gewinnen. Sie will nicht, dass Ihr nachdenkt. Ihr sollt nicht erkennen, dass Parolen aus Opas Mottenkiste keine Probleme im 21. Jahrhundert lösen können.

An den gewalttätigen Krawallen in Nordirland, inszeniert von rechtsradikalen Aufwieglern, sehen wir aktuell deutlich, wohin Rassismus und falsch verstandene Identitätspolitik führen. Wir sehen wieder einmal, dass rechtsradikale Gesinnung immer mit Gewaltbereitschaft einhergeht. Mit denen ist kein friedliches Zusammenleben möglich, wenn sie sich zusammenrotten. Die Vorgänge in Nordirland erinnern mich verteufelt an Rostock-Lichtenhagen (Ihr erinnert Euch). Da sind Leute am Werk, die sich ein friedliches Zusammenleben mit Menschen nicht vorstellen können, sobald diese nicht genauso aussehen und genauso ticken wie sie. Sie wollen nur Abgrenzung, Ausgrenzung, wollen nur unter ihresgleichen sein. Sollen sie, wenn sie dabei nicht vergessen, dass auf der anderen Seite der Grenze auch nur Menschen sind.

Also: Bevor Ihr rechten Scharfmachern eine Chance gebt, bedenkt: Schlimmer geht immer. Deutschland tiefer in die Sch… reiten kann jeder, und Gewalt ist im Zweifel keine Politik, sondern Unfähigkeit zu kluger Politik. Opa lässt grüßen, aber um Himmels willen nicht mehr mit „deutschem Gruß“, wie die Nazis es nannten. Auch Opa hat dazugelernt.

W. R.

Allein

Unglaublich! Ich traute meinen Augen nicht, ich musste ganz genau hinsehen, als ich die Bilder im Fernsehen sah: Abgeordnete in der Knesset mit einem Anstecker am Revers, der eine Galgenschlinge darstellte. Das waren rechtsradikale Politiker, die sich laut für die Verschärfung der Todesstrafe stark machen.“ So tönte es vom Tresen-Stammtisch, als ich gestern meine Stammkneipe betrat.

„Jetzt lässt die Regierung Netanjahu ganz die Maske fallen: Sie sind ein Haufen rechtsradikaler Rassisten! Todesstrafe für Terroristen, aber nur für Palästinenser. Und wer Terrorist ist, bestimmen nicht die Betroffenen.“
„Nu komm, werd nicht antisemitisch. Die Israelis müssen sich doch wehren.“
„Aber nicht so! Wir wissen doch längst, dass in vielen Ländern das Wort ‚Terrorist‘ nach Belieben verwendet wird, besonders in Autokratien. Und komm mir nicht mit ‚antisemitisch‘! Ich bin Freund von Juden, ich kenne welche gut, die hier in Deutschland leben. Ich kann die Leute nicht verstehen, die den hirnrissigen Märchen über Juden glauben, anstatt ihrem Verstand zu folgen. Aber wenn ich die zahlreiche Wählerschaft der AfD sehe, dann zweifele ich sowieso am Fortschritt der menschlichen Entwicklung.“
„Da sagst du was! Der Homo Sapiens bildet sich was ein auf sein großes Hirn — dabei scheinen Viele der Gattung zu verlernen, dieses Hirn auch zu benutzen.“
„Genau! Der Antisemitismus ist dafür ein krasses Beispiel. Wir fallen trotz technischer Neuheiten zurück ins Mittelalter, geistig-moralisch jedenfalls.“
„In den USA sieht es nicht besser aus. Rassismus wird sogar durch die Trump-Regierung gefördert. Wie 19. Jahrhundert ist das denn: ‚White supremacy‘, und von massakrierten Indianern und von Sklaverei wollen sie nichts mehr hören. Make white America great again, das ist in Wahrheit Trumps Parole. Und einige schwarze Wähler haben das noch nicht durchschaut.“
„Hör mir auf mit Durchschauen. Bei uns wählen Arbeiter die AfD, obwohl diese Partei gar nichts für sie tun will. Ich vermute, diese Wähler fallen auf das Märchen herein, die Zuwanderer würden ihnen Jobs und Wohnungen wegnehmen. Mir scheint, die deutschen Arbeiter waren schon mal klüger.“
„Vorsicht! Ich hab vor Jahren mal gelesen, dass im vorigen Jahrhundert bei uns viele Arbeiter auch CDU gewählt haben. Rein von der Logik der Interessen hätten sie eher SPD wählen müssen. Aber denen war vielleicht das frühere Klassenbewusstsein abhanden gekommen.“
„Weil sie vielleicht schon verbürgerlicht waren, sie wollten nicht Arbeiter sein, sondern Mittelschicht, was ‚Besseres‘ eben. Die orientierten sich am Bürgertum, nachdem sie sich eine Dreizimmerwohnung, ein Mittelklasse-Auto und einen Farbfernseher leisten konnten.“
„Blieben aber Lohnabhängige. Und hätten wissen müssen, dass Lohnerhöhungen oder bessere Arbeitsbedingungen am ehesten mit Gewerkschaften durchsetzbar waren — und sind! Trotzdem traten viele um 2000 herum aus der Gewerkschaft aus.“
„Ja, der alte Spruch ‚Allein machen sie dich ein‘ geriet in Vergessenheit. Das wurde überhaupt ein Trend: Vereinzelung. Heutzutage liest man überall von Einsamkeit als verbreitetem Problem.“ —

Oha, da fühlte ich mich ertappt. Denn ich saß abseits allein an einem Tisch und aß mein Menü, ohne Tischgesellschaft, ohne Gesprächspartner. Und zu Hause wartete auch niemand auf mich. Ob ich das ändern sollte? Ich kam ins Grübeln, und darüber verpasste ich das weitere Gespräch am Tresen…

W. R.

Geschäftsmodell: Leute verblöden

WENN die Union so weitermacht, muss sie bald mit den Grünen und den Linken koalieren, um nicht mit der AfD zusammen zu gehen. Wenn sie aber mit der AfD koaliert, ist das der Untergang der Union. Wie im Februar 1933. Da haben sich die Konservativen Illusionen gemacht, sie könnten Hitler und seine Partei in einer Koalition „an die Wand drücken, bis er quietscht.“ Später wussten alle: Das war ein schwerer Irrtum.
Ja, ein Blick in die Geschichte lehrt so Einiges. Die Feinde der Demokratie tönten damals: Deutschland sei (durch den Versailler Vertrag) zu Unrecht gedemütigt, und man müsse die nationale Größe wieder aufrichten und die Schmach von Versailles tilgen. Einige träumten dabei nicht nur von der Rückkehr verlorener Gebiete „heim ins Reich“, sondern sogar von der Wiedererlangung verlorener Kolonien.
Ein bekanntes Schema: Ich erkläre die Nation als gedemütigt, geknechtet, zu Unrecht kleingemacht, damit ich mich als Retter und Messias aufblasen kann, der die Nation wieder groß macht. Dazu fasele ich noch von der ruhmreichen Geschichte der Nation, an der man sich orientieren sollte. Das ist ein Kern der Propaganda von Putin, aber auch von Trump („Make America great again“). Die AfD möchte das kopieren und behauptet, in Deutschland sei alles schlecht — und die AfD werde es wieder … ja was denn, vermasseln, so wie Adolf? Im Ernst: Sollen wir unsere Wirtschaft vollends ruinieren durch Austritt aus der EU, durch Stopp der Zuwanderung, ja sogar durch „Remigration“? Woher sollen denn nach Ansicht der AfD die fehlenden Fachkräfte in Industrie, Handwerk, Gastronomie, Kranken- und Altenpflege usw. kommen? Wie blöd muss man eigentlich sein, um als Arbeiter, Angestellter oder Rentner diese (würg!) AfD zu wählen? Und welcher Unternehmer will auf die Vorteile des EU-Binnenmarktes verzichten?

Ich kann mich des Verdachts nicht erwehren: Wenn so viele junge Leute, besoffen von social-media-clips, dieser Unglücks-Partei ihre Stimme geben, dann zeigt das die verheerende, ja verblödende Wirkung der social media.
Ein Prozess in Kalifornien hat gerade gezeigt, dass Algorithmen auf bekannten social-media-Kanälen süchtig machen. Das heißt: Sucht steuert die User, sie verhindert das Einschalten des Hirns, sie lähmt den Willen selbst zu entscheiden, was man sehen und hören will und was nicht.
Das ist prinzipiell schlecht, es macht die User zu hilflos weiterscrollenden Puppen der Profitsteigerung. Denn es ist ein Geschäftsmodell, das müssten inzwischen auch die Dummen schon mal gehört haben. Und wo Profit gemacht wird, da fehlt natürlich die Motivation, sich zurückzunehmen. Eher im Gegenteil: Die Tech-Giganten verfeinern weiter die Methoden der Manipulation und Gehirnwäsche.
Die Tech-Milliardäre werden damit von stinkreich zu superreich, und die daddelnden, scrollenden, wischenden Handy-Abhängigen sind ihre besten Kunden, diese fetten, zappelnden Fische werden sie nicht freiwillig von der Angel lassen. Mehr zum Urteil: Strafen für Meta und Google: Schadensersatz wegen Social-Media-Sucht | tagesschau.de

W. R.

Ohne Plan

Natürlich, ich konnte es mir denken, der Tresen-Stammtisch in meiner Stammkneipe hatte mal wieder die Weltlage im Blick:
„Oha! Trump ist enttäuscht von der Nato. Weil sie ihm nicht mit Militär beispringt, um die Sperrung der Straße von Hormus durch den Iran aufzuheben. Sowas aber auch! Die Nato war für Trump immer ein lästiger Klotz am Bein, die USA wollten allein stark genug sein, um alle Probleme in der Welt zu lösen.“
„Ja, jetzt weiß er nicht mehr weiter mit dem Krieg gegen den Iran, da sollen plötzlich Andere helfen, die er sonst gern vor’s Schienbein tritt.“
„Nun stößt er nebulöse Drohungen aus, was ja eine seiner Spezialitäten ist. Ich will schon gar nicht mehr hinhören, wenn er in den Nachrichten zitiert wird.“
„Und bald redet er noch mehr Unsinn, weil er geistig abbaut. Sagen jedenfalls einige Mediziner, die ihn scharf beobachten.“
„Ach, der redet doch sowieso nicht wie ein Staatsmann, er ist im Dauerwahlkampf und wendet sich in einfacher Sprache an seine Stammwähler. Die sollen ihm applaudieren. Und dazu möglichst noch ausländische Pollitiker.“
„Genau! Früher hätte man gesagt: Als Politiker ist er unmöglich, den wählen doch höchstens ein paar primitive Haudraufs ohne Bildung.“
„Er gibt sich auch gar keine Mühe, sowas wie staatsmännisches Format zu zeigen. Goldene Vorhänge im Oval Office reichen, meint er, damit alle sehen, wie bedeutend er ist.“
„Und wie er über Kuba redet! Das Land ist am Ende, ich kann damit machen, was ich will. Ich würde ihm am liebsten direkt eine reinhauen, dem Widerling!“
„Also bitte, jetzt komm mal runter! Gewalt ist keine Lösung, auch wenn Trump und seine Kumpane das meinen.“
„Gewalt ist keine Lösung, ja, aber es gibt Ausnahmen. Oder wie willste die verrohten Russen in der Ukraine stoppen? Hä?“
„Ja, schon, da ist Gewalt von Vorneherein programmiert.“
„Die armen jungen Russen, sie tun mir schon leid! Erst werden sie in der Armee erbarmungslos geschleift und wie Vieh behandelt, um dann an der Front verheizt zu werden. Kein Wunder, dass Putin die Soldaten ausgehen.“
„Eben! Bei uns hieß es immer, der Ukraine gehen die Soldaten aus, Russland ist so riesig, die haben viel mehr…“
„… arme Schlucker, die mit Geld in die Armee geködert werden. Aber das scheint auch nicht mehr richtig zu funktionieren. Oder warum mussten über zehntausend Nordkoreaner als Kanonenfutter geholt werden?“

„Aber Trump hilft ihm aus der Patsche, jetzt mit Lockerung der Sanktionen gegen russische Ölausfuhren. Und warum? Aus Angst vor den Wählern in den USA, die sich über steigende Benzinpreise beschweren.“

„Trump hat so Manches mit seinem Idol Putin gemeinsam, z.B. einen Krieg anfangen ohne Plan.“

„Ohne Plan stehen noch ein paar Andere da, z.B. unsere Bundesregierung. Besessen von der Rückabwicklung grüner Politik, rufen sie die Rückkehr zu mehr Verbrennung von Öl und Gas aus, und Rumms, gibt’s auf dem Weltmarkt einen Preisschock, und Deutschland steht dumm da, weil es sich gerade wieder abhängiger macht von fossilen Energien. Wie bescheuert ist das denn!“

„Eben! Wir sind nicht die USA, die auch Öl und Gas exportieren. Wir sollten mehr erneuerbare Energien nutzen und unser Geld vor allem in die Bildung unserer Kinder und Heranwachsenden stecken. Das würde unserem Land nutzen…“

„… und unsere Zukunftsaussichten verbessern, genau! Aber da passiert zu wenig, ich würde sagen: wider besseres Wissen. Lieber schielt man zurück in eine überholte Vergangenheit, allen voran die AfD. Ach hör mir auf, mir wird gleich schlecht. Da hilft nur eins: Jupp, noch ne Runde von diesem goldenen Getränk!“ —

Welt der Kriege

Hurra! Es gibt Menschen, die Krieg bejubeln und glauben, dieses großartige Spektakel sei eine Manifestation von Macht und Kraft, Männlichkeit und Herrlichkeit.

Und es gibt Menschen, die Krieg als Machtmittel grundsätzlich geächtet sehen wollen — und auf keinen Fall mitwirken wollen an Zerstörung, Mord, Vergewaltigung, Verstümmelung, Traumatisierung, an all dem Leid, das ein Krieg einer großen Zahl von Menschen zufügt.

Trotzdem Hurra? Das kann nicht euer Ernst sein, ihr Waffenfetischisten, Männlichkeitsfantasten, Empathielosen, gewaltaffinen Haudraufs! Spätestens wenn in einer gewalttätigen Auseinandersetzung ihr selbst und eure nächsten Angehörigen zu Schaden kommen, dann — schreit ihr auch noch nach Rache und Vergeltung, nach noch mehr Gewalt und Grausamkeit. Unbelehrbar haltet ihr nach wie vor Gewalt für die erste Wahl, wenn es Probleme gibt. Warum? Weil ihr gar nicht in der Lage seid, etwas Anderes zu denken, geschweige denn zu versuchen.

Warum ist das so? Weil ihr nie gelernt habt, mit Menschen anders als mit Imponiergehabe, Drohungen und Einsatz von Gewalt zu kommunizieren. Weil ihr nicht fähig seid, ein Gespräch auf Augenhöhe und eine friedliche Verständigung trotz unterschiedlicher Sichtweisen herbeizuführen. Weil ihr für Schwäche haltet, was ohne toxisches Männlichkeitsgehabe auskommt — auch wenn dabei gute Verhandlungsergebnisse erreicht werden.

Nicht nur in der gegenwärtigen Weltlage zeigt sich, wie schnell Konflikte eskalieren können und die Haudraufs das Geschehen anheizen. Im Nahen und Mittleren Osten konnte man das schon seit Jahrzehnten beobachten. Gewaltbereite Regime gibt es aber auch in anderen Regionen. Sie können immer Unterstützer mobilisieren, die Gewalttätigkeit und Männlichkeit in eins setzen und das herrlich finden.

Diese toxische Mentalität wird in unserem Lande von einigen rechtslastigen Politikern verbreitet (z.B. von Herrn Krah, der für die AfD im Bundestag sitzt), um nicht nur mit dem Finger auf fremde Länder zu zeigen. Oder was denkt Ihr, sollen wir uns vorstellen, wenn führende AfD-PolitikerInnen laut von „Remigration“ faseln? Wir haben gesehen, was der gegenwärtige US-Präsident mit Gewalt anstellt, um sein Wahlkampfversprechen umzusetzen. Er und seine Spießgesellen unterstützen die AfD und andere rechtslastige Parteien und Gruppierungen in Europa. Ebenso wie Putin will auch Trump ein schwaches, am liebsten ein von rechtsgerichteten Nationalisten beherrschtes (und zugleich zersplittertes) Europa.

Nach Putin hat nun auch Trump die militärische Drohung und Gewaltanwendung gegen andere Länder als Mittel entdeckt, das schnelle Erfolge verspricht (so glaubt Trump offenbar). Kritik aus demokratisch regierten Ländern passt ihm gar nicht, da schlägt er mit Zöllen zurück (seinem bisherigen Lieblingsspielzeug). Die Risiken und Nebenwirkungen seiner Zollwut erkennt er — wenn überhaupt — erst später. Ebenso läuft er zur Hochform als oberster Kriegsherr auf und bedenkt nicht, dass Krieg nicht immer nach Plan läuft (frag deinen Buddy Putin!) und man besser einen Plan B in der Schublade vorhält.

Putin mit seiner Kraftmeier-Show (wir erinnern uns an Fotos von einem muskulösen Reiter und Sportler) ist das Musterbeispiel für die oben angeführte toxische Männlichkeit. Da ist nicht nur Gewaltbereitschaft, da ist kalte Entschlossenheit, ohne Skrupel selbst die perfidesten Mittel einzusetzen, um Macht zu sichern und Widerstand auszuschalten — im Inneren des Landes wie nach außen. Und Krieg ist für Putin etwas Normales, ebenso Folter und Mord.

Wollen wir so etwas als „normal“ hinnehmen? Wollen wir Verständigung und friedlichen Austausch zwischen Völkern wie zwischen Gruppen mit unterschiedlichen Meinungen als schwach und „weiblich“ geringschätzen?

Morgen, am 8. März, ist Weltfrauentag. Da sollten etliche Männer mal ihren angeblich überlegenen Verstand einschalten und ihr Verständnis von „Männlichkeit“ einer Überprüfung unterziehen. Dabei könnten sie überlegen, warum sie ihre angeblich „weiblichen“ Gefühle eher unterdrücken — aus Angst, nicht als „männlich“ zu gelten. Männer haben Angst? Kann doch gar nicht sein — oder doch? Also, überlegt mal ernsthaft und in Ruhe. Vielleicht tut Ihr Euch selbst damit einen großen Gefallen: wenn der Macho-Krampf sich löst und ihr zu Euch selbst findet.

W. R.

Nachtrag am 15.03.2026: Über Person und Charakter des Chaoten Donald Trump muss man an dieser Stelle nicht erneut Worte verlieren. Zu erwähnen ist vielleicht, dass es eine Tragödie für die Welt ist, dass diese und andere unheilbringende Figuren nicht gestoppt oder im äußersten Fall aus dem Verkehr gezogen werden. Der derzeit laufende Krieg gegen den Iran ist nur ein weiteres Beispiel dafür.

Um dem letzten Zeitgenossen die Illusion zu nehmen, dass Trump und seine Bande irgendetwas für Demokratie und Menschenrechte übrig hätten, verweise ich auf diesen Kommentar: Donald Trump und sein Größenwahn: Seine historischen Vorbilder – Kolumne – DER SPIEGEL

Das ist gewiss peinlich für die AfD, die sich so beflissen an Trump und Musk herangewanzt hatte. Deren Vertreter wissen derzeit gar nicht, wie sie sich verhalten sollen, sie winden sich zwischen Distanzierung und Herunterspielen.

Dabei schlittert die Welt offensichtlich auf eine schiefe Bahn zurück in vergangene Jahrhunderte, als Machtpolitik selbstverständlich Krieg mit einschloss und Gewalt als normal galt* — so wie Putin das schon länger in seinem Machtbereich praktiziert und andere Machthaber seinem Beispiel gern folgen möchten. Auch Putin orientiert sich an historischen Vorbildern, nämlich russischen Gewaltherrschern von Zar Iwan dem Schrecklichen bis zu Stalin.

* Ein deutliches Zeichen gab Präsident Trump, als er vor einiger Zeit das Verteidigungsministerium in Kriegsministerium und den zuständigen Minister in Kriegsminister umtaufte. Das hatte die Welt nach 1945 nicht mehr gehört. Jedem Menschen muss damit klar sein: Die Zeichen stehen auf Gewalt und Krieg. —

Trump light

SCHON eine ganze Weile sehe ich, und verstehe inzwischen auch, warum unser derzeitiger Kanzler Friedrich Merz (CDU) es relativ gut mit Donald Trump konnte: Beide waren lange in Geschäften tätig und denken großenteils in Kategorien der Finanzwirtschaft.

In seiner Rede vor der UNO-Vollversammlung am 23.09.2025 freute sich Trump, dass Deutschland endlich „den kranken Weg der Klima-Politik“ verlassen habe. Abgesehen davon, dass man Worten aus Trumps Mund kaum einmal Glauben schenken darf (weil er fast immer entweder übertreibt oder lügt), sieht er bei uns wohl zu Recht Kräfte am Werk, die die Klimaziele aushebeln wollen zugunsten der Profite der Öl- und Gasverbrenner.

Die aktuelle Politik der Bundesregierung beschreibt dieser Kommentar: Heizungsgesetz: Robert Habeck doof finden ist keine Strategie – gefährdet aber Klimaziele – DER SPIEGEL

Alles klar? Wer jetzt meint, dann bliebe einfach nur noch der Protest mit der Wahl der AfD, der begibt sich voll auf den morschen Holzweg! Denn die Fachleute der Wirtschaft sind sich mit großer Mehrheit einig: Die Vorstellungen und Vorhaben der AfD sind keine annehmbare Alternative, sie würden Deutschland in den Abgrund stoßen. Darum kann man „AfD“ mit Fug und Recht so buchstabieren:

Mit einer AfD-Regierung bekämen wir statt „Trump light“ die volle Dröhnung antidemokratischer Umtriebe und autoritärer Herrschaft, Unterdrückung und Verfolgung von Minderheiten, dazu die weitgehende Verharmlosung der Nazi-Verbrechen (noch getarnt als angebliche Meinungsfreiheit), und eine gewaltverherrlichende Retro-Sicht auf die deutsche Geschichte. Nein, danke!!

Aktuell wird im Nahen Osten mal wieder Krieg geführt, und wer noch meint, damit hätten wir wenig am Hut, der fährt nicht Auto und heizt nicht mit Öl oder Gas. Und wer den Klimaschutz und die Energiewende nicht wichtig findet, dem wird trotzdem heiß, wenn er an die Preise für fossile Energieträger in der nahen Zukunft denkt. Hier schießt unsere Regierung für Deutschland gerade ein Eigentor. Wir erleben wieder ein böses Erwachen in der Abhängigkeit vom Weltmarkt — in Öl und Gas. Energiewende: Dieser Krieg ist eine Mahnung | DIE ZEIT

Was tun? Zuerst sollten wir uns keine Illusionen darüber machen, dass der alte Satz „Geld regiert die Welt“ immer noch viel Wahrheit enthält, Donald Trump macht es aller Welt ganz ungeniert vor. Und wer als BürgerIn und WählerIn politische Entscheidungen trifft, sollte genau hinschauen und hinhören: Wer vertritt da welche Interessen? Und wer redet nur, was die Leute hören wollen? Im Zweifel gilt der alte Spruch aus der Bibel: „An ihren Taten sollt ihr sie erkennen!“

Vielleicht sollte man zur Deutlichkeit noch hinzufügen: Wem sollen diese und jene Parolen den Geldbeutel füllen? Wenigstens die Leute mit Ahnung von Wirtschaft sollten das erkennen. Anders gesagt: Wessen Interessen vertritt dieser oder jene PolitikerIn wirklich, was steckt hinter den schönen Worten, wenn man mal nachfragt und nachdenkt?

Aber da kommen wir wieder an einen entscheidenden Punkt: Selber denken! Nicht denken lassen, auch nicht von einer KI. Und Vorsicht vor viel social-media-Konsum (weil das den Verstand lähmt)!

W. R.

Profitgier an der Macht

ALS der Theken-Stammtisch diesmal ins Gespräch kam, schnitt Einer ein ganz anderes Thema an:
„Ich habe ja schon mal mit ner Kreuzfahrt geliebäugelt, meine Frau wollte mich vor unserem letzten Urlaub davon überzeugen. Aber nachdem ich einige Berichte im Fernsehen gesehen und Einiges gehört habe, ist das für mich keine Option mehr. Und ich konnte inzwischen meine Frau überzeugen, dass wir so nicht Urlaub machen wollen.“
„Ja, aber wieso denn nicht? Luxus, gutes Essen, Meerblick, und Bespaßung und Sportmöglichkeiten, und ab und zu mal ein Landgang mit Besichtigung und Shoppen…“
„Wer’s mag, soll’s machen. Ich nicht, mir gefällt diese Art Urlaub nicht.“
„Und warum, wenn ich fragen darf?“
„Weil ich die ganze Zeit nur unter Urlaubern bin. Weil ich genauso gut in ein Wellness-Hotel im Lande fahren kann. Weil ich beim Landgang nicht viel vom Land sehe, die Einheimischen nur kurz beim Shoppen kontaktiere, den Anwohnern in der sehenswürdigen Altstadt nur auf die Nerven gehe (die froh sind, wenn sich unsere Massen wieder verziehen) und vom übrigen Land bestenfalls ein, zwei Postkarten-Ansichten mitnehme.“
„Ja, aber Du kannst sagen, ich war da, in dieser und jener berühmten Stadt.“
„Also wirklich, diesen Selfie-Tourismus finde ich sowieso abartig. Da sammeln die Leute nur Postkarten, auf denen sie selbst mit drauf sind und grinsen, und die senden sie dann zur Selbstdarstellung an ihre Blase. Die Empfänger sollen ultra-beeindruckt und neidisch sein. Was für ein eitler Stuss!“
„Du kannst die Selfies ja weglassen. Aber so eine Kreuzfahrt…“
„… macht für mich keinen Sinn. Ich will mich im Urlaub erholen, mal meine Ruhe haben, mal was Interessantes ansehen, von Leuten Geschichten über das Land hören, und das nicht nur von Fremdenführern. Wenn ich die Landessprache verstehe oder mich mit Einheimischen auf Englisch verständigen kann, wenn ich mit denen zusammensitzen und was trinken kann, dann bringt mir das erheblich mehr als so ein Landgang vom Schiff aus. Es sind nicht nur die Anblicke von historischen Gebäuden und von Landschaften, es sind auch die Menschen, die dazugehören, wenn ich wirkliche Eindrücke von einem Land auf mich wirken lassen und mitnehmen will.“
„Ja, wenn Du das haben willst… Klar, dann lernst Du mehr von der Welt kennen.“
„Gut, ich verstehe ja, dass das manchen Menschen zu anstrengend ist. Die sind zufrieden, wenn sie auf ihrem Campingplatz in jedem Urlaub dieselben Leute antreffen. Und die sind auch zufrieden, wenn sie auf dem Kreuzfahrtschiff auf Nachbarn aus ihrer Straße treffen und sich eher wie zu Hause fühlen. Meinetwegen, sollen sie haben, wie sie’s mögen. Ich sag ja nur: nix für mich.“
„Gut, jedem das Seine.“
„Ja, das ist gut, vielleicht profitiere ich sogar davon, wenn Andere in großer Zahl den Kreuzfahrt-Urlaub buchen. Die sind dann schon mal nicht da, wo ich im Urlaub vorbeischaue, da ist es dann nicht so überlaufen.“
„ja, überlaufen — das ist ein Stichwort! Wenn ich im Fernsehen die von Touristen überlaufene Altstadt von Dubrovnik sehe, die fast alle mit Kreuzfahrtschiffen kommen und für ein paar Stunden da ausschwärmen, dann wird mir auch anders. Dann denke ich schon: Da möchte ich jetzt bestimmt nicht sein.“
„Dasselbe in Venedig. Das wird kaputt-besucht. Die Einheimischen können das kaum noch aushalten, wenn sie keinen Shop für Touristen betreiben. Das Eintrittsgeld von 5 Euro schreckt ja auch niemanden ab.“
„Oder Barcelona. Die schöne Stadt wird hässlich durch Overtourism. Die Anwohner protestieren schon, genauso wie in Palma de Mallorca.“
„Genau, da gibt’s bald keinen bezahlbaren Wohnraum mehr für Einheimische, weil immer mehr an Touristen vermietet wird. Denn daran verdienen die Vermieter mehr.“
„Du brauchst gar nicht so weit gucken, hier in Köln ist das doch auch eingerissen, vor allem in der Altstadt.“
„Genau! Und das Schlimmste sind die Sauf-Touristen, ob in Köln, auf Mallorca oder sonstwo. Die lassen die Sau raus und sind dann wieder weg.“
„Ja, echt, abartig. Sauferei geht nicht zusammen mit Verstand und rücksichtsvollem Benehmen. Aber was willste dagegen machen?“
„Die Menschen kannste nicht ändern, aber man kann z.B. die ungenehmigten Vermietungen an Kurzurlauber mit Kontrollen eindämmen.“
„Sofern man das Personal hat für die Kontrollen!“
Einen Moment nickten Alle am Tresen und schwiegen.
„So wird man der Wohnungsnot nicht Herr. Vielleicht müsste man auch die Gewinnsucht der Kurzvermieter ächten, oder gleich den ganzen Wohnraum in einer Stadt kontrollieren und zentral regulieren…“
„… und gleich den Kapitalismus abschaffen, oder was? Wie willste denn das machen?“
„Ja, ich weiß, das ist jetzt zu hoch gegriffen. Man müsste sich mal umsehen, ob es Städte gibt, die das besser managen als andere. Da könnte man vielleicht was lernen.“
„Jaaa, das wäre was. Aber bei alldem muss auch der politische Wille dasein, wirklich etwas gegen den Missbrauch von Wohnraum zu tun. Sonst wird das nichts.“
„Richtig. Die Profitgier an sich kann man wohl nicht abschaffen.“
„Schon gar nicht, wenn sie in den USA jetzt ganz offiziell an der Macht ist und der Welt die Geschäftsbedingungen diktieren will. Das ist ein seeehr schlechtes Vorbild, und ausgerechnet damit tun sich auch noch die AfD, Putin und andere zusammen. Ich frage mich, wie die AfD sich da noch als ‚patriotisch‘ und ‚volksnah‘ bezeichnen kann.“
„Solange die Obengenannten im Verbund in den „social media“ trommeln und die Leute vom Nachdenken abhalten.“
„Apropos Nachdenken, auch Nachschenken ist gerade angesagt. Jupp, eine Runde — wir müssen uns die Welt schöner trinken!“ —–

aufgezeichnet von W. R.

Zum Thema ein Update am 08.02.2026: Elon Musk, Peter Thiel, Jeff Bezos: Wenn Gier gut ist, sind die Gierigsten die Besten – Kolumne – DER SPIEGEL


P.S. Was Propaganda, social media und verzerrte Wahrnehmung der Realität betrifft, so gibt dieser Beitrag nähere Auskunft: Donald Trump und die »Sicherheitsstrategie«: Die Realität ändert man nicht, indem man gegen sie anlügt – DER SPIEGEL

Angst essen Seele auf

ES fällt PolitikerInnen meistens leicht, über die Pflichten anderer Leute zu reden und von ihnen etwas zu verlangen — so auch am 03.11.25 Jens Spahn, Fraktionschef der Unionsfraktion im Deutschen Bundestag. Nachdem Außenminister Wadephul (CDU) persönlich die Zerstörungen in Syrien in Augenschein genommen hatte, sagte er, dass er momentan die massenhafte Rückkehr geflohener Syrer nicht für angesagt halte, wenn er das Ausmaß der Zerstörungen auch in der Infrastruktur sehe.
Dagegen brachte Spahn ins Spiel, es sei die „patriotische Pflicht“ der syrischen Flüchtlinge, zurückzukehren und beim Aufbau ihrer Heimat zu helfen.
Da wird manch ein Kenner der Realität in Deutschland spontan aufgestöhnt und sich an den Kopf gefasst haben: Wie kann Spahn so reden, wenn wir die syrische Ärzte, Pflege- und sonstige Fachkräfte in diesem Land brauchen!
Aber geht es überhaupt darum, den bald drohenden Kollaps unseres Gesundheitssystems zu verhindern — oder geht es nicht eher darum, kurzfristig populistisch auf Stimmenfang zu gehen und der in Umfragen starken AfD ein paar Stimmen abzujagen?
Was wir hier symptomatisch miterleben können, ist die abschüssige Bahn, auf die Deutschland gerät, wenn AfD-Parolen und ihre völkisch-ausländerfeindliche Grundausrichtung bei Wählern verfangen — und aus Angst vor Machtverlust in der Union aufgegriffen werden.

Ist es nicht außerdem unverschämt, Ausländern eine „patriotische Pflicht“ zu diktieren, wenn das erstens ihre eigene Sache ist, und wenn zweitens keine Rücksicht auf die tatsächlichen Verhältnisse in Syrien genommen wird? Und mir kommen da auch Zweifel, ob man bei einem durchaus nicht geeinten Syrien von einer homogenen Nation sprechen kann, für die sich alle Syrer selbstverständlich „patriotisch“ ins Zeug legen wollen oder sollen.

Da liegt überhaupt der Hase im Pfeffer: Manche PolitikerInnen hierzulande erzählen den Deutschen irgendwas über Syrer oder Menschen aus anderen Ländern, und das verfängt bei Vielen, weil sie uninformiert sind. So geht meist die AfD vor. Deren Vorsitzende Alice Weidel tönte sofort nach dem Sturz Assads, jetzt könnten alle geflüchteten Syrer umgehend zurückgehen, denn es gebe keinen Fluchtgrund mehr. Dabei wusste jeder informierte Zeitgenosse, wie es in vielen Teilen Syriens aussieht. Und unser Außenminister hat es sich vor Kurzem in Syrien live angeschaut. Da ist es völlig nachvollziehbar, dass er eine massenhafte Rückkehr der Flüchtlinge ausschließt, solange nicht abzusehen ist, wie und wovon sie dort leben sollen. Das ist so klar, dass man sich fragen muss: Was soll der shitstorm gegen Wadephul aus Teilen der Union?

Und da wir gerade bei diesem Thema sind: Immer noch ist der Umgang mit Afghanen beschämend, die nach Pakistan geflüchtet sind und eine Aufnahmezusage von Deutschland haben. Ich will mich nicht wiederholen, aber ich erinnere daran, was für einen schlechten Eindruck das macht, und was man international in Zukunft von Zusagen aus Deutschland halten wird — z.B. wenn wir mal wieder auf Hilfe von Ortskräften im Ausland angewiesen sein könnten.

Man kann Wadephul Empathie zugute halten, oder auch Vernunft und Realismus. Jedenfalls vermisse ich derzeit in unserer Regierung z.T. diese Eigenschaften, und darüber hinaus vermisse ich eine positive Strategie, wie man die Menschen hier von der Ablehnung populistischer Parolen überzeugt (statt die Populisten nachzuäffen).

Was dieses Land dringend braucht, ist eine positive Erzählung vom künftigen Leben in einem demokratischen, toleranten Deutschland.

Es hilft überhaupt nicht, den Leuten Sand in die Augen zu streuen und ihnen vorzugaukeln, alle Veränderungen der letzten Jahrzehnte in der Welt könnte man zurückdrehen oder außen vor halten. Das glaubt sowieso kein Mensch, der bei Verstand ist. Also muss „die Politik“ uns BürgerInnen positiv darstellen, wie wir mit der Zeit gehen und dabei keine schwerwiegenden Verluste erleiden, und wie wir auch Chancen nutzen, die sich aus Veränderungen ergeben.

Derzeit scheint eher das Prinzip „Angst essen Seele auf“ zu dominieren: Aus Angst vor den Rechtspopulisten gibt Deutschland seine tolerante, menschenfreundliche Seele auf und setzt aus kurzfristigen, wahltaktischen Motiven auf Angleichung an negative Erzählungen von Rechts, auf Abschottung, auf politischen Rückwärtsgang, auf fremdenfeindliche Kälte… Der Effekt ist keine Zurückdrängung der AfD, weil das Angleichungsverhalten eher eine Bestätigung der AfD als eine Bekämpfung ihrer Parolen ist.

Darum noch einmal: Verkündet endlich ein positives Bild, die Vision eines demokratischen Landes mit menschenfreundlichem Gesicht!

W. R.


Mit Weitblick?

ALS Trump die Heiligsprechung des erschossenen MAGA-Influencers Kirk inszenierte, wurde klar: Er will die USA zu einer MAGA-Sekte formen, wo es nur noch um Glauben und Folgen geht. In der Tat benehmen sich die meisten Trump-Follower auch wie Sektenangehörige.
Und als Trump wenige Tage später, am 23.09.25, vor der UNO-Vollversammlung sprach und sich rühmte, seit Beginn seiner zweiten Amtszeit sieben Kriege beendet zu haben (sicher, darunter tut es der Märchenonkel nicht), wurde klar, dass er sich nicht nur für den Friedensnobelpreis empfiehlt, sondern, mehr noch, als der Größte nach Jesus gelten will. Außerdem gab er den üblichen Unsinn von sich, z.B. dass der Klimawandel eine große Lüge sei. Dass er in seinen Reden gern unbewiesene Behauptungen benutzt, um seine Anhänger aufzuhetzen, ist ja schon ein alter Hut. Da macht er keinen Unterschied zwischen einer Wahlkampfveranstaltung in der Provinz und einer UNO-Vollversammlung.
Das Pikanteste in seiner UNO-Rede war für mich seine Darstellung, dass Deutschland nun den „kranken Weg“ der Klimapolitik verlassen habe.
Danke für die deutliche Klarstellung, Mister President! Ich argwöhnte ja schon seit Längerem, dass unser Kanzler Merz von den Ansichten Trumps gar nicht so weit entfernt sei, z.B. in der Innen- und Klimapolitik. Als Bestätigung redete er neulich im Bundestag heftiger gegen die Grünen als gegen die AfD. Da muss man sich schon Sorgen machen… Und ich werde den Verdacht nicht los, dass Friedrich Merz schon lange ein offenes Ohr für rechtslastige Konservative hat, die zumindest eine themenbezogene Zusammenarbeit mit der AfD befürworten. Wenn man auf neuere Umfrage-Zahlen schaut, dann sieht man einen Zuwachs an Sympathie aber hauptsächlich bei der AfD. Wo bleibt der vor einiger Zeit verkündete Anspruch von Merz, den Zuspruch für die AfD zu „halbieren“? Da läuft doch was schief, oder? Einige Unions-Politiker erklärten, man wolle die AfD „politisch stellen“. Und wie? Etwa mit Angleichung an die fremdenfeindlich-völkische Ausrichtung der AfD? Da sehe ich bei der Union kein Handeln, das sich logisch aus ihren erklärten Ansprüchen herleiten ließe. Wenn ich mal voraussetze, dass in den Spitzengremien der Unionsparteien nicht nur Dummköpfe sitzen, dann werden die Fragezeichen noch größer. Das Verhalten einiger Unions-Abgeordneter im Bundestag beim vergeigten Anlauf zur Wahl von drei Richtern für das Bundesverfassungsgericht warf auch die Frage auf: Wie fest stehen Teile der Union zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung, zur Demokratie?

Man muss ja zugestehen, dass Politik in diesen Zeiten, bei dieser Weltlage, ein schwieriges Geschäft ist. Aber man sollte nicht auf Ratgeber hören, die sich was bei Trump und seinen Dummheiten abschauen, bloß weil der in den USA wieder an die Macht gekommen ist. Wenn Unionspolitiker verlauten lassen, unter der Vorgänger-Regierung (Ampel) habe es „zuviel Umweltschutz“ gegeben, dann stehen nicht nur mir die Haare zu Berge. Wenn die CDU eine Lobbyistin aus der Gasbranche zur Wirtschaftsministerin macht, die dann auch von „zuviel Klimaschutz“ sabbelt und das Pendel zu mehr Verbrennung von fossilen Energieträgern zurückschwingen lässt… Leute, lasst Euch nicht den Blick trüben! China macht gerade vor, wie man strategisch und mit Weitblick auch Erneuerbare Energien massiv ausbaut und einem Trump eigene Klimaziele entgegensetzt. Aber in China muss die Regierung ja auch nicht auf die nächsten Umfragen und Wahlen schielen und die Konkurrenz einer AfD fürchten, sondern kann langfristig planen.

W. R.

Nachtrag am 9.11.25: Gerade läuft in Brasilien die große Klimakonferenz COP30. Die USA sind praktisch abwesend, der Pate Trump hat ja schon klargemacht, dass der Klimawandel ein großer Schwindel sei. Aber was trägt Deutschland bei? Ein Markus Söder (CSU) trommelt gegen Klimaschutz, der angeblich unsere Wirtschaft kaputt macht (das ist so falsch, dass man nicht mal drüber lachen kann). Unser Kanzler Friedrich Merz versucht den Spagat zwischen Schutz des Amazonas-Gebietes und Abbau von Klimaschutz in Deutschland. Dazwischen trommeln noch einige Lobbyisten der Fossilverbrenner für mehr Verbrennung von Öl, Gas und Kohle — als ob es kein Morgen gäbe. Mehr darüber sagt uns dieser Beitrag: >Energiewende: Diese Fakten werden Ihr Weltbild verändern – DER SPIEGEL

Da bleibt mir noch, mit den Worten eines Kabarettisten („Der Spind“) zu schließen: „Genießen Sie den Klimawandel!“

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