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Geschäftsmodell: Leute verblöden

WENN die Union so weitermacht, muss sie bald mit den Grünen und den Linken koalieren, um nicht mit der AfD zusammen zu gehen. Wenn sie aber mit der AfD koaliert, ist das der Untergang der Union. Wie im Februar 1933. Da haben sich die Konservativen Illusionen gemacht, sie könnten Hitler und seine Partei in einer Koalition „an die Wand drücken, bis er quietscht.“ Später wussten alle: Das war ein schwerer Irrtum.
Ja, ein Blick in die Geschichte lehrt so Einiges. Die Feinde der Demokratie tönten damals: Deutschland sei (durch den Versailler Vertrag) zu Unrecht gedemütigt, und man müsse die nationale Größe wieder aufrichten und die Schmach von Versailles tilgen. Einige träumten dabei nicht nur von der Rückkehr verlorener Gebiete „heim ins Reich“, sondern sogar von der Wiedererlangung verlorener Kolonien.
Ein bekanntes Schema: Ich erkläre die Nation als gedemütigt, geknechtet, zu Unrecht kleingemacht, damit ich mich als Retter und Messias aufblasen kann, der die Nation wieder groß macht. Das ist ein Kern der Propaganda von Putin, aber auch von Trump („Make America great again“). Die AfD möchte das kopieren und behauptet, in Deutschland sei alles schlecht — und die AfD werde es wieder … ja was denn, vermasseln? Im Ernst: Sollen wir unsere Wirtschaft vollends ruinieren durch Austritt aus der EU, durch Stopp der Zuwanderung, ja sogar durch „Remigration“? Woher sollen denn nach Ansicht der AfD die fehlenden Fachkräfte in Industrie, Handwerk, Gastronomie, Kranken- und Altenpflege usw. kommen? Wie blöd muss man eigentlich sein, um als Arbeiter, Angestellter oder Rentner diese (würg!) AfD zu wählen? Und welcher Unternehmer will auf die Vorteile des EU-Binnenmarktes verzichten?
Ich kann mich des Verdachts nicht erwehren: Wenn so viele junge Leute, besoffen von social-media-clips, dieser Unglücks-Partei ihre Stimme geben, dann zeigt das die verheerende, ja verblödende Wirkung der social media.
Ein Prozess in Kalifornien hat gerade gezeigt, dass Algorithmen auf bekannten social-media-Kanälen süchtig machen. Das heißt: Sucht steuert die User, sie verhindert das Einschalten des Hirns, sie lähmt den Willen selbst zu entscheiden, was man sehen und hören will und was nicht.
Das ist prinzipiell schlecht, es macht die User zu hilflos weiterscrollenden Puppen der Profitsteigerung. Denn es ist ein Geschäftsmodell, das müssten inzwischen auch die Dummen schon mal gehört haben. Und wo Profit gemacht wird, da fehlt natürlich die Motivation, sich zurückzunehmen. Eher im Gegenteil: Die Tech-Giganten verfeinern weiter die Methoden der Manipulation und Gehirnwäsche.
Die Tech-Milliardäre werden damit von stinkreich zu superreich, und die daddelnden, scrollenden, wischenden Handy-Abhängigen sind ihre besten Kunden, diese fetten, zappelnden Fische werden sie nicht freiwillig von der Angel lassen. Mehr zum Urteil: Strafen für Meta und Google: Schadensersatz wegen Social-Media-Sucht | tagesschau.de

W. R.

Ohne Plan

Natürlich, ich konnte es mir denken, der Tresen-Stammtisch in meiner Stammkneipe hatte mal wieder die Weltlage im Blick:
„Oha! Trump ist enttäuscht von der Nato. Weil sie ihm nicht mit Militär beispringt, um die Sperrung der Straße von Hormus durch den Iran aufzuheben. Sowas aber auch! Die Nato war für Trump immer ein lästiger Klotz am Bein, die USA wollten allein stark genug sein, um alle Probleme in der Welt zu lösen.“
„Ja, jetzt weiß er nicht mehr weiter mit dem Krieg gegen den Iran, da sollen plötzlich Andere helfen, die er sonst gern vor’s Schienbein tritt.“
„Nun stößt er nebulöse Drohungen aus, was ja eine seiner Spezialitäten ist. Ich will schon gar nicht mehr hinhören, wenn er in den Nachrichten zitiert wird.“
„Und bald redet er noch mehr Unsinn, weil er geistig abbaut. Sagen jedenfalls einige Mediziner, die ihn scharf beobachten.“
„Ach, der redet doch sowieso nicht wie ein Staatsmann, er ist im Dauerwahlkampf und wendet sich in einfacher Sprache an seine Stammwähler. Die sollen ihm applaudieren. Und dazu möglichst noch ausländische Pollitiker.“
„Genau! Früher hätte man gesagt: Als Politiker ist er unmöglich, den wählen doch höchstens ein paar primitive Haudraufs ohne Bildung.“
„Er gibt sich auch gar keine Mühe, sowas wie staatsmännisches Format zu zeigen. Goldene Vorhänge im Oval Office reichen, meint er, damit alle sehen, wie bedeutend er ist.“
„Und wie er über Kuba redet! Das Land ist am Ende, ich kann damit machen, was ich will. Ich würde ihm am liebsten direkt eine reinhauen, dem Widerling!“
„Also bitte, jetzt komm mal runter! Gewalt ist keine Lösung, auch wenn Trump und seine Kumpane das meinen.“
„Gewalt ist keine Lösung, ja, aber es gibt Ausnahmen. Oder wie willste die verrohten Russen in der Ukraine stoppen? Hä?“
„Ja, schon, da ist Gewalt von Vorneherein programmiert.“
„Die armen jungen Russen, sie tun mir schon leid! Erst werden sie in der Armee erbarmungslos geschleift und wie Vieh behandelt, um dann an der Front verheizt zu werden. Kein Wunder, dass Putin die Soldaten ausgehen.“
„Eben! Bei uns hieß es immer, der Ukraine gehen die Soldaten aus, Russland ist so riesig, die haben viel mehr…“
„… arme Schlucker, die mit Geld in die Armee geködert werden. Aber das scheint auch nicht mehr richtig zu funktionieren. Oder warum mussten über zehntausend Nordkoreaner als Kanonenfutter geholt werden?“

„Aber Trump hilft ihm aus der Patsche, jetzt mit Lockerung der Sanktionen gegen russische Ölausfuhren. Und warum? Aus Angst vor den Wählern in den USA, die sich über steigende Benzinpreise beschweren.“

„Trump hat so Manches mit seinem Idol Putin gemeinsam, z.B. einen Krieg anfangen ohne Plan.“

„Ohne Plan stehen noch ein paar Andere da, z.B. unsere Bundesregierung. Besessen von der Rückabwicklung grüner Politik, rufen sie die Rückkehr zu mehr Verbrennung von Öl und Gas aus, und Rumms, gibt’s auf dem Weltmarkt einen Preisschock, und Deutschland steht dumm da, weil es sich gerade wieder abhängiger macht von fossilen Energien. Wie bescheuert ist das denn!“

„Eben! Wir sind nicht die USA, die auch Öl und Gas exportieren. Wir sollten mehr erneuerbare Energien nutzen und unser Geld vor allem in die Bildung unserer Kinder und Heranwachsenden stecken. Das würde unserem Land nutzen…“

„… und unsere Zukunftsaussichten verbessern, genau! Aber da passiert zu wenig, ich würde sagen: wider besseres Wissen. Lieber schielt man zurück in eine überholte Vergangenheit, allen voran die AfD. Ach hör mir auf, mir wird gleich schlecht. Da hilft nur eins: Jupp, noch ne Runde von diesem goldenen Getränk!“ —

Welt der Kriege

Hurra! Es gibt Menschen, die Krieg bejubeln und glauben, dieses großartige Spektakel sei eine Manifestation von Macht und Kraft, Männlichkeit und Herrlichkeit.

Und es gibt Menschen, die Krieg als Machtmittel grundsätzlich geächtet sehen wollen — und auf keinen Fall mitwirken wollen an Zerstörung, Mord, Vergewaltigung, Verstümmelung, Traumatisierung, an all dem Leid, das ein Krieg einer großen Zahl von Menschen zufügt.

Trotzdem Hurra? Das kann nicht euer Ernst sein, ihr Waffenfetischisten, Männlichkeitsfantasten, Empathielosen, gewaltaffinen Haudraufs! Spätestens wenn in einer gewalttätigen Auseinandersetzung ihr selbst und eure nächsten Angehörigen zu Schaden kommen, dann — schreit ihr auch noch nach Rache und Vergeltung, nach noch mehr Gewalt und Grausamkeit. Unbelehrbar haltet ihr nach wie vor Gewalt für die erste Wahl, wenn es Probleme gibt. Warum? Weil ihr gar nicht in der Lage seid, etwas Anderes zu denken, geschweige denn zu versuchen.

Warum ist das so? Weil ihr nie gelernt habt, mit Menschen anders als mit Imponiergehabe, Drohungen und Einsatz von Gewalt zu kommunizieren. Weil ihr nicht fähig seid, ein Gespräch auf Augenhöhe und eine friedliche Verständigung trotz unterschiedlicher Sichtweisen herbeizuführen. Weil ihr für Schwäche haltet, was ohne toxisches Männlichkeitsgehabe auskommt — auch wenn dabei gute Verhandlungsergebnisse erreicht werden.

Nicht nur in der gegenwärtigen Weltlage zeigt sich, wie schnell Konflikte eskalieren können und die Haudraufs das Geschehen anheizen. Im Nahen und Mittleren Osten konnte man das schon seit Jahrzehnten beobachten. Gewaltbereite Regime gibt es aber auch in anderen Regionen. Sie können immer Unterstützer mobilisieren, die Gewalttätigkeit und Männlichkeit in eins setzen und das herrlich finden.

Diese toxische Mentalität wird in unserem Lande von einigen rechtslastigen Politikern verbreitet (z.B. von Herrn Krah, der für die AfD im Bundestag sitzt), um nicht nur mit dem Finger auf fremde Länder zu zeigen. Oder was denkt Ihr, sollen wir uns vorstellen, wenn führende AfD-PolitikerInnen laut von „Remigration“ faseln? Wir haben gesehen, was der gegenwärtige US-Präsident mit Gewalt anstellt, um sein Wahlkampfversprechen umzusetzen. Er und seine Spießgesellen unterstützen die AfD und andere rechtslastige Parteien und Gruppierungen in Europa. Ebenso wie Putin will auch Trump ein schwaches oder ein von rechtsgerichteten Nationalisten beherrschtes (und zugleich zersplittertes) Europa.

Nach Putin hat nun auch Trump die militärische Drohung und Gewaltanwendung gegen andere Länder als Mittel entdeckt, das schnelle Erfolge verspricht (so glaubt Trump offenbar). Kritik aus demokratisch regierten Ländern passt ihm gar nicht, da schlägt er mit Zöllen zurück (seinem bisherigen Lieblingsspielzeug). Die Risiken und Nebenwirkungen seiner Zollwut erkennt er — wenn überhaupt — erst später. Ebenso läuft er zur Hochform als oberster Kriegsherr auf und bedenkt nicht, dass Krieg nicht immer nach Plan läuft (frag deinen Buddy Putin!) und man besser einen Plan B in der Schublade vorhält.

Putin mit seiner Kraftmeier-Show (wir erinnern uns an Fotos von einem muskulösen Reiter und Sportler) ist das Musterbeispiel für die oben angeführte toxische Männlichkeit. Da ist nicht nur Gewaltbereitschaft, da ist kalte Entschlossenheit, ohne Skrupel selbst die perfidesten Mittel einzusetzen, um Macht zu sichern und Widerstand auszuschalten — im Inneren des Landes wie nach außen. Und Krieg ist für Putin etwas Normales, ebenso Folter und Mord.

Wollen wir so etwas als „normal“ hinnehmen? Wollen wir Verständigung und friedlichen Austausch zwischen Völkern wie zwischen Gruppen mit unterschiedlichen Meinungen als schwach und „weiblich“ geringschätzen?

Morgen, am 8. März, ist Weltfrauentag. Da sollten etliche Männer mal ihren angeblich überlegenen Verstand einschalten und ihr Verständnis von „Männlichkeit“ einer Überprüfung unterziehen. Dabei könnten sie überlegen, warum sie ihre angeblich „weiblichen“ Gefühle eher unterdrücken — aus Angst, nicht als „männlich“ zu gelten. Männer haben Angst? Kann doch gar nicht sein — oder doch? Also, überlegt mal ernsthaft und in Ruhe. Vielleicht tut Ihr Euch selbst damit einen großen Gefallen: wenn der Macho-Krampf sich löst und ihr zu Euch selbst findet.

W. R.

Nachtrag am 15.03.2026: Über Person und Charakter des Chaoten Donald Trump muss man an dieser Stelle nicht erneut Worte verlieren. Zu erwähnen ist vielleicht, dass es eine Tragödie für die Welt ist, dass diese und andere unheilbringende Figuren nicht gestoppt oder im äußersten Fall aus dem Verkehr gezogen werden. Der derzeit laufende Krieg gegen den Iran ist nur ein weiteres Beispiel dafür.

Um dem letzten Zeitgenossen die Illusion zu nehmen, dass Trump und seine Bande irgendetwas für Demokratie und Menschenrechte übrig hätten, verweise ich auf diesen Kommentar: Donald Trump und sein Größenwahn: Seine historischen Vorbilder – Kolumne – DER SPIEGEL

Das ist gewiss peinlich für die AfD, die sich so beflissen an Trump und Musk herangewanzt hatte. Deren Vertreter wissen derzeit gar nicht, wie sie sich verhalten sollen, sie winden sich zwischen Distanzierung und Herunterspielen.

Dabei schlittert die Welt offensichtlich auf eine schiefe Bahn zurück in vergangene Jahrhunderte, als Machtpolitik selbstverständlich Krieg einschloss und Gewalt als normal galt — so wie Putin das schon länger in seinem Machtbereich praktiziert und andere Machthaber seinem Beispiel gern folgen möchten. Auch Putin orientiert sich an historischen Vorbildern, nämlich russischen Gewaltherrschern von Zar Iwan dem Schrecklichen bis zu Stalin.

Spezialoperationen

DER Spiritus Rector der Freien Universität Frechen grüßt alle BesucherInnen im neuen Jahr und wünscht ein gutes 2026!


Wer weiß, was alles passieren mag. Schon mehrfach habe ich darauf hingewiesen, dass W. Putins „standing“ im Krieg gegen die Ukraine hierzulande oft überschätzt wird. Man sollte dazu das größere Bild nicht aus den Augen verlieren.
Zum größeren Bild gehört aktuell die jüngste „militärische Spezialoperation“ von Donald Trump. Wer vom Schlag gegen Venezuela und der Entführung von Maduro und seiner Frau überrascht ist, verkennt Trumps Bewunderung für Putin: Trump möchte so wie Putin machen, was er will, ohne irgendwelche Hemmungen oder Rücksichten.
Aber mit dieser „Spezialoperation“, die Trump gern als Strafverfolgungs-Aktion und nicht als militärische Intervention gesehen haben möchte (offiziell: das US-Kriegsministerium leistete dem Justizministerium Hilfe, das Anklage gegen Maduro erhob), bringt Trump seinen Buddy Putin in die Bredouille.
Putin verliert ein weiteres Mal einen Bündnispartner, dem er nicht beistehen kann. Und warum? Weil seine Kräfte durch den Krieg gegen die Ukraine gebunden sind. Das zeigte sich schon bei der Eroberung der Region Berg-Karabach durch Truppen Aserbaidschans (Sept. 2023), als Russland seinem Verbündeten Armenien nicht beistand. Das zeigte sich beim Fall des Assad-Regimes in Syrien (8.12.2024), dem Putin früher bei der Bombardierung von Wohnvierteln und Krankenhäusern in Rebellengebieten unter die Arme gegriffen hatte.

Und jetzt Maduro in Venezuela! Putin hat, auch wenn er das Gegenteil behauptet, alle Hände voll zu tun, um nicht nur im Ukraine-Krieg nicht ins Hintertreffen zu geraten, sondern auch seine Herrschaft in Russland stabil zu halten.
Bisher hat Trump ihm immer wieder geholfen, als starker Mann dazustehen. Nun könnten aber einige Leute, mehr als zuvor, fragen, ob der Kaiser wirklich so tolle Kleider trägt, und ob seine Erfolgsstory in der Ukraine nicht in Wahrheit schon viel zu lange viel zu hohe Verluste einfährt — an der Front wie auch in der Wirtschaft.
Putin kann es sich nicht leisten, jetzt Trump zu verärgern, das würde seine Karten im Spiel mit Trump verschlechtern, das er bisher so gut beherrscht hat. Denn in Wahrheit hängt Putin inzwischen ein großes Stück weit vom Wohlwollen Trumps ab. Er könnte seine Karten überreizen, wenn er wie bisher auf Maximalforderungen beharrt, auf de-facto-Kapitulation der Ukraine. Für ihn könnte es sehr schnell darum gehen, das Gesicht nicht zu verlieren, vor allem innenpolitisch.
Trump versucht übrigens auch, die Unzufriedenheit mit steigenden Lebenshaltungskosten in den USA durch Flucht in außenpolitische Aktionen zu dämpfen. Dabei trägt er selbst zur Misere bei, sowohl durch seine Zollwut als auch durch die Verfolgung illegaler Einwanderer, die nun als Arbeitskräfte der Landwirtschaft fehlen.
Manchmal fragt sich der Beobachter, ob Trump überhaupt in der Lage ist, wirtschaftliche Folgen seiner Dekrete im Voraus zu überdenken. Vermutlich fehlen ihm dazu die richtigen Berater. Denn wer ihm widerspricht, auf den hört er nicht, der wird gefeuert.
Aber das wissen Sie, die informierteren BesucherInnen dieses Blogs, ohnehin schon. Also, genug davon. Ich will nicht wiederholen, was schon vor Wochen und Monaten hier zu lesen war.

Was viele BeobachterInnen vom neuen Jahr erhoffen: Europa möge sich endlich — endlich!! — zusammenraufen und, statt quälende Uneinigkeit zu demonstrieren, zu gemeinsamer Handlungsfähigkeit finden und damit seine Stärke realisieren. Du meine Güte, wenn 27 Staaten gemeinsam einstimmig abstimmen müssen, ein paar wenige Politiker aber ihr nationalistisches Süppchen kochen und die Einigkeit torpedieren, dann werft sie raus, stellt sie kalt, sperrt ihnen die EU-Subventionen, da wird doch was gehen, nicht nur bei Orban aus Ungarn. Das wäre doch auch im eigenen, wohlverstandenen Interesse ihrer Länder! Denn in der heutigen Weltlage gilt umso mehr: „Allein — machen sie dich ein!“ (mehr > …und Europa? vom 30.04.2025)

S.R.

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Nachtrag am 05.01.2026: Großes Ablenkungsgepolter kam vom Oberschmutzwerfer der russischen Propaganda, Medwedew: Er überlegte laut, man könne doch eine Entführung von Kanzler Merz ins Auge fassen. Tja, wenn das schon ein akzeptiertes Mittel der Politik werden sollte, dann schau mal lieber auf deinen Chef Putin: Sicher, dass er es im Zweifel in den Safe Room schaffen würde?

Ergänzung am 07.01.2026: Putin hat’s offenbar nötig. Um Zweifel am Sinn seines Ukraine-Krieges möglichst zu übertünchen, zieht er die religiöse Karte und nennt seine Soldaten „heilige Krieger“. Unterstützung bekommt er dabei schon seit Jahren vom Metropoliten Moskaus, der auch aus kirchenpolitischem Eigeninteresse Putins Krieg gegen die Ukraine unterstützt — ein klassisches Bündnis von Kirche und staatlicher Macht als Win-Win-Situation, wie wir es seit Jahrhunderten kennen.

Nachtrag am 08.01.2026: Trump wäre nicht Trump, wenn er seine Maduro-Show nicht nur auskosten, sondern — ehe Kritik zu laut wird — gleich noch einen draufsetzen würde. Weitere Staaten und Gebiete kommen ins Fadenkreuz seiner imperialistischen Überlegungen, er kündigt eine enorme Erhöhung des US-Rüstungsetats an (der eh schon Weltspitze ist), finanziert durch Strafzölle, alles zu dem Zweck, der Welt den Stinkefinger zu zeigen: Uns bzw. mich kann keiner aufhalten, wagt es gar nicht erst!

Und um auch im Inneren Klarheit zu schaffen, verurteilt er den tödlichen Kopfschuss eines ICE-Mannes auf eine Autofahrerin nicht etwa, sondern entschuldigt das als Notwehr gegen eine „Terroristin“! Alles klar? Vergesst den Rechtsstaat ebenso wie internationales Recht, hier bestimme ich! Das ist Trumps Botschaft.

Notabene am Rande: Trumps Vize Vance schwadroniert ohne Sachkenntis über Grönland. Dänemark habe die Grönländer in der Vergangenheit zeitweise schlecht behandelt, und er vergisst dabei den Schulterblick zurück auf die US-Vergangenheit, in der indigene Einwohner der USA (früher „Indianer“ genannt) ziemlich schlecht behandelt wurden (Die Fakten sind bekannt, das braucht hier nicht näher erläutert zu werden).

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Profitgier an der Macht

ALS der Theken-Stammtisch diesmal ins Gespräch kam, schnitt Einer ein ganz anderes Thema an:
„Ich habe ja schon mal mit ner Kreuzfahrt geliebäugelt, meine Frau wollte mich vor unserem letzten Urlaub davon überzeugen. Aber nachdem ich einige Berichte im Fernsehen gesehen und Einiges gehört habe, ist das für mich keine Option mehr. Und ich konnte inzwischen meine Frau überzeugen, dass wir so nicht Urlaub machen wollen.“
„Ja, aber wieso denn nicht? Luxus, gutes Essen, Meerblick, und Bespaßung und Sportmöglichkeiten, und ab und zu mal ein Landgang mit Besichtigung und Shoppen…“
„Wer’s mag, soll’s machen. Ich nicht, mir gefällt diese Art Urlaub nicht.“
„Und warum, wenn ich fragen darf?“
„Weil ich die ganze Zeit nur unter Urlaubern bin. Weil ich genauso gut in ein Wellness-Hotel im Lande fahren kann. Weil ich beim Landgang nicht viel vom Land sehe, die Einheimischen nur kurz beim Shoppen kontaktiere, den Anwohnern in der sehenswürdigen Altstadt nur auf die Nerven gehe (die froh sind, wenn sich unsere Massen wieder verziehen) und vom übrigen Land bestenfalls ein, zwei Postkarten-Ansichten mitnehme.“
„Ja, aber Du kannst sagen, ich war da, in dieser und jener berühmten Stadt.“
„Also wirklich, diesen Selfie-Tourismus finde ich sowieso abartig. Da sammeln die Leute nur Postkarten, auf denen sie selbst mit drauf sind und grinsen, und die senden sie dann zur Selbstdarstellung an ihre Blase. Die Empfänger sollen ultra-beeindruckt und neidisch sein. Was für ein eitler Stuss!“
„Du kannst die Selfies ja weglassen. Aber so eine Kreuzfahrt…“
„… macht für mich keinen Sinn. Ich will mich im Urlaub erholen, mal meine Ruhe haben, mal was Interessantes ansehen, von Leuten Geschichten über das Land hören, und das nicht nur von Fremdenführern. Wenn ich die Landessprache verstehe oder mich mit Einheimischen auf Englisch verständigen kann, wenn ich mit denen zusammensitzen und was trinken kann, dann bringt mir das erheblich mehr als so ein Landgang vom Schiff aus. Es sind nicht nur die Anblicke von historischen Gebäuden und von Landschaften, es sind auch die Menschen, die dazugehören, wenn ich wirkliche Eindrücke von einem Land auf mich wirken lassen und mitnehmen will.“
„Ja, wenn Du das haben willst… Klar, dann lernst Du mehr von der Welt kennen.“
„Gut, ich verstehe ja, dass das manchen Menschen zu anstrengend ist. Die sind zufrieden, wenn sie auf ihrem Campingplatz in jedem Urlaub dieselben Leute antreffen. Und die sind auch zufrieden, wenn sie auf dem Kreuzfahrtschiff auf Nachbarn aus ihrer Straße treffen und sich eher wie zu Hause fühlen. Meinetwegen, sollen sie haben, wie sie’s mögen. Ich sag ja nur: nix für mich.“
„Gut, jedem das Seine.“
„Ja, das ist gut, vielleicht profitiere ich sogar davon, wenn Andere in großer Zahl den Kreuzfahrt-Urlaub buchen. Die sind dann schon mal nicht da, wo ich im Urlaub vorbeischaue, da ist es dann nicht so überlaufen.“
„ja, überlaufen — das ist ein Stichwort! Wenn ich im Fernsehen die von Touristen überlaufene Altstadt von Dubrovnik sehe, die fast alle mit Kreuzfahrtschiffen kommen und für ein paar Stunden da ausschwärmen, dann wird mir auch anders. Dann denke ich schon: Da möchte ich jetzt bestimmt nicht sein.“
„Dasselbe in Venedig. Das wird kaputt-besucht. Die Einheimischen können das kaum noch aushalten, wenn sie keinen Shop für Touristen betreiben. Das Eintrittsgeld von 5 Euro schreckt ja auch niemanden ab.“
„Oder Barcelona. Die schöne Stadt wird hässlich durch Overtourism. Die Anwohner protestieren schon, genauso wie in Palma de Mallorca.“
„Genau, da gibt’s bald keinen bezahlbaren Wohnraum mehr für Einheimische, weil immer mehr an Touristen vermietet wird. Denn daran verdienen die Vermieter mehr.“
„Du brauchst gar nicht so weit gucken, hier in Köln ist das doch auch eingerissen, vor allem in der Altstadt.“
„Genau! Und das Schlimmste sind die Sauf-Touristen, ob in Köln, auf Mallorca oder sonstwo. Die lassen die Sau raus und sind dann wieder weg.“
„Ja, echt, abartig. Sauferei geht nicht zusammen mit Verstand und rücksichtsvollem Benehmen. Aber was willste dagegen machen?“
„Die Menschen kannste nicht ändern, aber man kann z.B. die ungenehmigten Vermietungen an Kurzurlauber mit Kontrollen eindämmen.“
„Sofern man das Personal hat für die Kontrollen!“
Einen Moment nickten Alle am Tresen und schwiegen.
„So wird man der Wohnungsnot nicht Herr. Vielleicht müsste man auch die Gewinnsucht der Kurzvermieter ächten, oder gleich den ganzen Wohnraum in einer Stadt kontrollieren und zentral regulieren…“
„… und gleich den Kapitalismus abschaffen, oder was? Wie willste denn das machen?“
„Ja, ich weiß, das ist jetzt zu hoch gegriffen. Man müsste sich mal umsehen, ob es Städte gibt, die das besser managen als andere. Da könnte man vielleicht was lernen.“
„Jaaa, das wäre was. Aber bei alldem muss auch der politische Wille dasein, wirklich etwas gegen den Missbrauch von Wohnraum zu tun. Sonst wird das nichts.“
„Richtig. Die Profitgier an sich kann man wohl nicht abschaffen.“
„Schon gar nicht, wenn sie in den USA jetzt ganz offiziell an der Macht ist und der Welt die Geschäftsbedingungen diktieren will. Das ist ein seeehr schlechtes Vorbild, und ausgerechnet damit tun sich auch noch die AfD, Putin und andere zusammen. Ich frage mich, wie die AfD sich da noch als ‚patriotisch‘ und ‚volksnah‘ bezeichnen kann.“
„Solange die Obengenannten im Verbund in den „social media“ trommeln und die Leute vom Nachdenken abhalten.“
„Apropos Nachdenken, auch Nachschenken ist gerade angesagt. Jupp, eine Runde — wir müssen uns die Welt schöner trinken!“ —–

aufgezeichnet von W. R.

Zum Thema ein Update am 08.02.2026: Elon Musk, Peter Thiel, Jeff Bezos: Wenn Gier gut ist, sind die Gierigsten die Besten – Kolumne – DER SPIEGEL


P.S. Was Propaganda, social media und verzerrte Wahrnehmung der Realität betrifft, so gibt dieser Beitrag nähere Auskunft: Donald Trump und die »Sicherheitsstrategie«: Die Realität ändert man nicht, indem man gegen sie anlügt – DER SPIEGEL

Milliardäre und die Anderen

AM Tresen meiner Stammkneipe war es relativ ruhig, bis ich mein Essen am Tisch genossen hatte und ein weiteres Kölsch bestellte. Das Gemurmel am Tresen, wo die übliche Runde versammelt war, wurde plötzlich durch ein lautes Geräusch unterbrochen. Einer hatte seine Hand auf den Tresen geklatscht und schimpfte los:

„Trumps „Friedensplan“ ist eine blanke Frechheit gegenüber der Ukraine. Aber was sollen sie machen? Der Winter kommt, und Putin bombardiert ständig Heizkraftwerke und andere Infrastruktur, von Wohnhäusern ganz abgesehen. Russland hat auf Kriegswirtschaft umgestellt und kann das noch lange so weitermachen.“ –

„Woher willst du das denn wissen?“ entgegnete sein Nachbar an der Theke. „Ich habe gelesen, dass Russlands Wirtschaft gar nicht gut läuft, dass dort die Panzerproduktion bald zum Erliegen kommt, dass sie kaum noch schweres Gerät an der Front einsetzen. In ihrer Verzweiflung setzen sie auf Masse von Soldaten, die bei Angriffen verheizt werden. Ihre Bomberflotte ist durch ukrainische Drohnenangriffe auch reduziert und muss von Flugplätzen fern der Front starten, ähnlich wie die Schwarzmeerflotte. Moderne Technik ist wegen der Sanktionen schwerer zu importieren. Das Einzige, was sie derzeit hochfahren können, ist die Produktion billiger Drohnen. Die lassen sie in möglichst großen Schwärmen anfliegen, um die Luftabwehr der Ukraine zu überfordern…“ –

„… und machen damit die Bevölkerung mürbe. Sag ich doch, Russland kann das noch lange weitermachen. Putin wartet darauf, dass sie bald um Frieden betteln.“ –

„Da könnte er lange warten. Aber Trump will ihm unbedingt goldene Brücken bauen. Nach dem Gipfeltreffen in Alaska, das nichts gebracht hat außer eine Aufwertung von Putin, setzt er nun einseitig die Ukraine unter Druck, seinem Plan zuzustimmen. Dabei, so scheint mir, will er wieder hauptsächlich Putin aus der Patsche helfen. Der bekommt nach diesem Plan nicht nur fast alles, was er wünscht, während die Ukraine praktisch kapitulieren soll — Trump will Putin auch davor bewahren, über Misserfolge zu stürzen. Trump glaubt wohl, mit einem Putin zukünftig gute Geschäfte machen zu können.“ –

„Ja, das scheint Trump vor allem wichtig zu sein. Gute Geschäfte, Deals machen von Autokrat zu Autokrat, mit dem saudischen Prinzen, mit Xi Jin Ping, mit Nordkoreas Diktator, egal, Hauptsache Deals. Trump spricht nicht von Vereinbarungen, Verträgen und so, er spricht immer von Deals, weil er immer als Geschäftsmann denkt.“ –

„Das sehe ich auch so. Und weil er nicht genug von Politik versteht, verlässt er sich weitgehend auf das, was ihm die Heritage Foundation in das Project 2025 reingeschrieben hat. Das ist sein Rezeptbuch, mit dem kocht er –“

“ — wobei ihm nicht jedes Menu gelingt. Auch weil er so wankelmütig ist und mal auf den, mal auf jenen anderen hört. Er ist einfach unzuverlässig. Und jetzt macht ihn auch noch die Epstein-Affäre nervös. Da braucht er dringend Ablenkung, am besten nochmal so einen Coup wie beim Gazakrieg.“ –

„Also, über seinen Charakter haben wir schon viel gehört. Ich persönlich glaube immer noch, dass Putin irgendwas gegen ihn in der Hand hat. Trump ist doch inzwischen so mächtig, dass er zu Putin nicht mehr in Bewunderung aufblicken müsste.“ –

„Sollte man meinen. Aber er fällt immer wieder zurück in diese rätselhafte Putin-Sympathie.“ –

„Vielleicht stehen ihm ja auch ein paar Milliardäre auf den Füßen, die wieder am Russland-Geschäft verdienen wollen.“ –

„Klar, und an den Rohstoffen, die günstig aus der Ukraine kommen sollen.“ –

„Wie auch immer, den beteiligten Amerikanern ist die Ukraine und ihre Menschen egal, es geht nur ums Geschäft. Trump hört wohl nur auf die.“ –

„Wenn er überhaupt mal auf jemanden hört. Er soll ja morgens immer erst seinen Lieblings-TV-Sender Fox News gucken und sich danach eine politische Meinung bilden. Andere Präsidenten ließen sich von ihrem Fachleute-Stab beraten und vom CIA briefen, um aktuell Bescheid zu wissen. Das ist Trump zu mühsam, da langweilt er sich nach wenigen Minuten, er schaut lieber bewegte Bilder.“ –

„Traurig. Die Amerikaner haben mehrheitlich einen hemdsärmeligen Immobilienmakler gewählt, der große Töne spuckt und lügt und nach Laune Kehrtwendungen macht. So einen Typen zum mächtigsten Mann der Welt zu machen ist grob fahrlässig und eine Schande.“ –

„Aber womöglich wird Trump ja bald wegen fortschreitender Demenz kaltgestellt, und —„

„— und Vance übernimmt? Nein, danke, dann wird alles nur schlimmer, das ist ein Radikaler.“

„Na, dann Prost, liebe Leute, schlucken wir unseren Ärger darüber mal runter. Jupp, ne Runde hier am Tresen, wir müssen uns die Welt mal wieder schön trinken!“ —

Um alles mitzukriegen, hatte ich mein Handy auf dem Tisch auf Aufnahme gestellt, allein aus dem Gedächtnis hätte ich das nicht so genau wiedergeben können. Natürlich habe ich das dann gelöscht, keine Angst, ich tue nichts Ungesetzliches, ich brauche das nur als Gedächtnisstütze, wenn es mal ein längerer Report wird. Und ich habe das ja soweit anonymisiert, dass keine Personen zu identifizieren sind. Also, keine Aufregung, hier werden keine Persönlichkeitsrechte verletzt.

Aufregen kann man sich leider zu Recht über so vieles Andere, nicht nur über das, was am Tresen Thema war. —

Wenig später trat ich gesättigt vor die Tür der Kneipe, ein kalter Wind fasste mich an, ich schlug den Mantelkragen hoch und vergrub meine Hände in den Taschen. In einiger Entfernung sah ich zwei Füße in Turnschuhen, da lag ein Mensch in einem Ladeneingang unter einer Plastikplane, offensichtlich ein Obdachloser. Neben ihm stand eine halbleere Flasche Fusel, das war seine Wärmequelle. Trotzdem fror er und zog seine Füße unter die Plane, kauerte auf der Pappkarton-Unterlage und griff zur Flasche. Ich überlegte, ob und wie ich ihm helfen könnte. Da näherte sich ihm ein Mann und sprach ihn an. Ich konnte nichts von der Unterhaltung verstehen, jedenfalls erhob sich nach kurzer Zeit der Obdachlose, der Mann neben ihm hakte sich ein, und beide gingen davon. Im Vorbeigehen hörte ich Wörter wie „Bahnhofsmission“ und „Obdachlosenhilfe“. Dann entfernten sie sich.

Ich stand da im Halbdunkel und hatte das beschämende Gefühl, Menschen im Stich zu lassen, denen es schlecht ging. Aber kann ich denn allen helfen? Mir wurde kalt, ich musste losgehen. Auf dem Weg zu meinem warmen Zuhause beschloss ich, wenigstens an die örtliche Obdachlosenhilfe zu spenden. Das ist das Mindeste, dachte ich.

Wir leben in einem angeblich reichen Land — aber immer mehr Menschen haben keine Wohnung. Nicht das Land ist reich, sondern ein Teil davon. „Na und?“ sagen die Wohlhabenden. „Strengt euch mehr an,“ sagen einige Milliardäre, „Dagobert Duck bückt sich noch als alter Mann auf der Straße nach jedem Kreuzer.“ Aber wenn Donald Duck das auch tut, wird er davon nicht reich. Es muss also doch was Anderes sein, was den Unterschied macht…

W. R.

P.S.: Gibt es Milliardäre auch bei uns in Deutschland? Dazu informiert unterhaltsam dieser Beitrag: >Reschke Fernsehen: Die Macht der Superreichen: Einfluss de luxe – hier anschauen

Frieden schaffen ohne Waffen?

Neulich im TV: Leute auf der Straße werden zum Thema Wehrpflicht befragt. Ein junger Mann sagt: „Nee, für Merz werde ich nicht in den Krieg ziehen.“
Da frage ich mich: Warum sagt er nicht gleich, dass er sich drücken will? Oder dass er sich nicht ein Stück Lebenszeit für den Wehrdienst klauen lassen will?
Wenn es aber Ernst wird mit einer militärischen Bedrohung, was dann? Von wem will er sich dann verteidigen lassen? Und wenn der Kanzler gar nicht mehr Merz heißt?
Pazifisten sagen, sie wollten gar nicht verteidigt werden, nicht mit Waffen. Im Ernstfall hieße das: Kommt herein, feindlich gesinnte Soldaten, besetzt unser Land, tretet unsere Haustür ein, macht mit uns, was Ihr wollt, wir werden uns nicht mit Gewalt wehren. Ja, sowas wie Butscha 2022 in der Ukraine, das war schlimm… aber das ist ja weit weg von uns, das wollen wir uns für hier gar nicht vorstellen, wir haben es auch fast schon verdrängt.

Ja, schließt die Augen und träumt weiter von der friedlichen Insel, auf der Ihr lebt! Ich persönlich habe in den 1960er Jahren widerwillig, weil ich gerade mein Studium angefangen hatte und sie mich dann eilig einberufen haben,18 Monate Wehrdienst abgeleistet. Nun ja, es war eben auch eine Erfahrung, 18 Monate für wenig Geld, aber ich kenne immerhin Dinge, die Nicht-Gedienten fremd geblieben sind. Und im Kriegsfall würde ich altersbedingt nicht einberufen, doch gäbe man mir eine Handfeuerwaffe, ich würde wohl die VerteidigerInnen zu unterstützen versuchen. Das wäre in meinen Augen dann Notwehr gegen eine akute Bedrohung.

Jetzt, wo Putin vermehrt die Nato und ihre Reaktionen auf allerlei Luftraumverletzungen u.a.m. testet, könnte es einigen Menschen hierzulande dämmern, dass sie doch nicht auf jener Friedensinsel leben, die gaaanz sicher auf seeehr lange Zeit von Krieg verschont bleiben wird.

Wenn ich mir vor Augen halte, dass unsere Bundeswehr derzeit nur bedingt verteidigungsfähig ist, ist mir nicht ganz wohl. Mir wird noch etwas mulmiger, wenn ich höre, dass wir nur bedingt verteidigungswillig sind. Einige Leute frage ich daher: Seid Ihr nicht bei Verstand, oder hat Putins verdeckte Propaganda auf Tiktok und anderswo Euch eingelullt und fest im Griff?

Putin zeigt täglich in der Ukraine, wie schrecklich Krieg ist, und wie kalt ihn all die Opfer lassen, auch die seiner eigenen Armee. Jede/r hat inzwischen verstanden: Der will keinen Frieden und gibt keine Ruhe, erst recht nicht dann, wenn er mit Waffengewalt, Folter und Mord Erfolg hat. So einem Gangster und Kriegsverbrecher muss man zumindest Grenzen setzen. Aber das wisst Ihr doch selbst, oder?

Wie? Dafür sind Andere zuständig? Wer denn, welche Anderen? Sollen Soldaten anderer Länder für Euch den Kopf hinhalten? Das tun sie, wenn überhaupt, bestimmt nicht ohne Gegenleistung. Und was seid Ihr bereit zu geben und zu leisten, um die zu entlohnen, die für Euch ihre Gesundheit und ihr Leben einsetzen?

Das wird sowieso nicht passieren, Russland ist weit genug weg — so glauben manche Traumtänzer. Ich will nicht Angst verbreiten, aber rein militärisch gesehen ist eine Hyperschallrakete aus der Region Kaliningrad (früher Königsberg) in wenigen Minuten über Deutschland. Ohne dass hier gleich Soldaten einmarschieren, kann jemand wie Putin das befehlen, was er seit Jahren in der Ukraine anrichten lässt: Zerstörung von Infrastruktur, Bombardierung von Wohngebieten, Menschenjagd mit Drohnen, etc. Soviel bekommt Ihr ja sicher aus Nachrichten mit.

Würdet Ihr denn nicht wenigstens in unsere Bundeswehr eintreten, um die Luftabwehr zu stärken, z.B. als IT-Spezialisten, die Drohnen durch Signalstörungen abwehren, und ähnliche Aktionen? Habt Ihr überhaupt mitgekriegt, wie derzeit moderne Kriegführung abläuft?

Also, überdenkt mal in Ruhe Eure Ohne-mich-Haltung, informiert Euch über das, was heute und morgen zu tun wäre, wenn der Verteidigungsfall einträte. Aber vielleicht wäre es dann schon zu spät, um sich für die Verteidigung unseres Landes und seiner Menschen zu entscheiden — und für die Bewahrung unserer freiheitlichen Staats- und Gesellschaftsordnung. Oder konkret: für den Schutz für dich und deine Familie – nicht nur Schutz vor feindlich gesinnten Soldaten, sondern auch Schutz vor Zerstörung der Infrastruktur, die du heute wie selbstverständlich nutzt. Wenn es dir dazu an Fantasie mangelt, dann schau mal die Berichte aus dem Krieg in der Ukraine an…

W. R.

Patrioten

WAR Hitler ein Patriot? Sind heutige Machthaber wie Putin, Xi Jin Ping, Netanjahu oder Chamenei Patrioten?
Was ist überhaupt ein Patriot? Vom Wortsinn ist es einer, der sich für sein Vaterland engagiert. Was heißt das genau, für den Staat, in dem er lebt, oder für seine Landsleute als Volk dieses Staates oder dieser Nation?
Wir hören von rechtsgerichteten oder Rechtsradikalen in Deutschland (und anderswo), dass sie sich als Patrioten bezeichnen. Und sie reklamieren für sich, dass völkisches Denken dasselbe sei wie Patriotismus. Aber stimmt das?
Wer den Nationalsozialismus nicht ablehnt und insgeheim oder offen für Hitler schwärmt, der übersieht einen kritischen Punkt: Hitler und seine Kumpanen redeten zwar viel von Volk und Vaterland, aber sie hatten keine Skrupel, in diesem Volk mit Gewalt, Folter und Mord zu wüten, wenn sie ihre Macht bedroht glaubten. Es ging ihnen nicht darum, die Deutschen an sich zu stärken und zu fördern, viel wichtiger war ihnen der Machterhalt. Dafür mussten viele Menschen über die Klinge springen, selbst eigene Gefolgsleute. Dafür genügte manchmal schon eine Denunziation.
Und so sah Hitler denn auch am Kriegsende nicht nur seine Herrschaft, sondern auch das ganze Deutschland untergehen, ja er erließ sogar den sogenannten Nero-Befehl, dass die Lebensgrundlagen vernichtet werden sollten. Seine Begründung: Das deutsche Volk habe sich als schwach erwiesen und verdiene nicht zu überleben. In der Nazi-Logik gab es nur den Kampf ums Überleben, das Starke stürzt das Schwache. Da war kein Platz für ein friedliches Miteinander, das Schwache verdiente den Tod.*
Hitler verachtete am Ende das deutsche Volk, das angeblich (d.h. in seiner völkisch-rassistischen Sicht) zu schwach war und sich von den alliierten Kriegsgegnern besiegen ließ. Das, liebe Völkischdenkende, ist die Kehrseite der völkischen Weltanschauung. Wollt Ihr das wieder aufleben lassen, wollt Ihr im Zweifel untergehen? Findet Ihr toll, am Ende quasi als Nibelungen im Kampf vor die Hunde zu gehen?

Wenn Ihr glaubt, die sozialdarwinistische Sicht auf die Menschheit sei ein Leitprinzip, dann denkt mal richtig nach. Darwin fand das Prinzip des „survival of the fittest“ in der Evolution des Lebens auf der Erde. Das bedeutet aber nicht den ständigen Kampf Aller gegen Alle. Also: kein ewiges Gemetzel, sondern über Jahrtausende und Jahrmillionen ständige Mutationen im Erbgut der Lebewesen. Von diesen Mutationen ändern manche gar nichts, einige aber schon — zum Nachteil oder auch zum Vorteil des Individuums, das sich wie die anderen weiter fortpflanzt und über eine lange Reihe von Nachkommen vielleicht einen Überlebensvorteil erlangt, oder das Gegenteil. Der Mensch, mit seinen rein körperlichen Fähigkeiten vielen Tieren nicht gewachsen, entwickelte über weite Zeiträume ein Gehirn, das — nein nicht wegen seiner Größe, sondern — wegen besonderer sozialer Fähigkeiten wie Zusammenarbeit und Zusammmenhalt in einer Gruppe in der Lage war, eine differenzierte Sprache auszubilden und damit die sozialen Kompetenzen weiter zu verfeinern. Damit glichen die Menschen der Frühzeit ihre Nachteile gegenüber großen Raubtieren weitgehend aus. Diese Kompetenzen hoben den Menschen aber noch nicht deutlich aus dem Rest der Lebewesen hervor, denn auch einige Affenarten zeigen ein ähnliches Gruppenverhalten und ähnliche Kompetenzen. Darum nannte man sie Menschenaffen. Und die Forschung hat uns in neuerer Zeit immer neue Erkenntnisse über Tierarten geliefert, die wir bis dahin unterschätzt hatten, Tierarten, die (für uns Menschen erstaunlich) viel Intelligenz und Sensibilität zeigen (wenn man offen für eine vorurteilsfreie, neutrale Beobachtung ist). Was den Menschen (wir müssen vorsichtig sagen: nach heutigem Wissen) aus der „Tierwelt“ herauszuheben scheint, ist sein Bewusstsein und seine Fähigkeit zur Selbstreflexion, zum Nachdenken über sich, die Welt, den Sinn des Lebens, usw.

Der Mensch hat leider dennoch auch die Fähigkeit, wider besseres Wissen plötzlichen Emotionen zu folgen, und er folgt oft auch egoistischen Vorteilsaussichten, ohne Rücksicht auf die Folgen zu nehmen. Er folgt dabei nur einem Raubtier-Instinkt. Und das ist gerade kein Grund, den Menschen über ein Raubtier auf eine höhere Stufe der Entwicklung zu stellen.

Das, liebe BesucherInnen dieser Website, halte ich für ein realistisches Menschenbild. Beweis: Wir erleben eine menschengemachte, nie zuvor erlebte, galoppierende Klimakrise. Doch mächtige Interessengruppen torpedieren internationale Zusammenarbeit, wenn sie wirksame Maßnahmen gegen diese Klimakrise beschließen und umsetzen will. Diese egoistische Politik verhindert ein gemeinsames Handeln für ein gemeinsames Ziel: das Wohl aller Menschen auf diesem Planeten.

Und weil der Mensch wie ein Raubtier handeln kann (und es oft tut), darum befinden wir uns genau da, wo wir sind: in einer Welt, in der immer wieder Gewalt aufflammt und bewaffnete Konflikte ausgelöst werden — all die gegenwärtigen Konflikte und Kriege auf dem Globus, die alle wider besseres Wissen vom Zaun gebrochen und gekämpft werden. Aber die Machthaber und Kriegsherren nutzen die emotionale Verführbarkeit der Menschen, um sie gegen andere Menschen aufzuwiegeln.

Ist das etwa ein evolutionärer Vorteil? Wem nützt es, dass Menschen sich massenhaft gegenseitig abschlachten? Nach zwei Weltkriegen war die Menschheit bereit zum Innehalten und Nachdenken, worauf sie u.a. 1945 die Vereinten Nationen (UN) gründeten: Sie sollten Frieden bewahren und zur friedlichen Lösung von Konflikten beitragen. Das gab Hoffnung auf eine friedlichere Zukunft, doch die wurde nur teilweise erfüllt, und inzwischen verdüstert sich der vormals hoffnungshelle Horizont. Wir erleben, wie Menschen massenweise wieder auf alte, eigentlich überholte Parolen und Ideen hereinfallen und sich aufhetzen und auf Schlachtfelder führen lassen. Über neue Kommunikationswege (Internet, social media) werden abgestandene (Macho-)Leitbilder verbreitet, werden dumpfe Gefühle aufgeputscht gegen klares Denken und abwägenden Verstand. Das ist eindeutig ein Rückschritt für den Homo Sapiens.

Es gibt aber noch genug Menschen, die sehen, was Patriotismus wirklich bedeutet: sich friedlich für sein Land einsetzen, dabei nicht nur die eigenen, sondern auch die Interessen der Nachbarländer sowie der Handelspartner in aller Welt berücksichtigen im Gespräch und in Verhandlungen. So kommt man in der heutigen Welt am weitesten, ohne Drohgebärden, ohne Krieg. Nur muss man sich leider auch gegen unbelehrbare Machthaber schützen, die mit den Rezepten aus früheren Jahrhunderten kochen und ihren Machtbereich mit Gewalt und Krieg erweitern wollen.

Dabei hat die deutsche Geschichte gezeigt, dass man so am Ende verliert, dass man aber — wie Westdeutschland nach 1948 — mit friedlichen Mitteln und kluger Politik einiges mehr erreichen kann, und vor allem: ein besseres Leben für die große Mehrheit der BürgerInnen. Letzteres steht gerade bei selbsternannten Patrioten nicht oben auf der Prioritäten-Liste. Und wenn alles in Scherben fällt, zucken sie die Achseln und tun unschuldig.

Also, liebe Leute: Erst nachdenken, Hirn einschalten und sich nicht von Herdentrieb und Brüllaffen in eine Katastrophe treiben lassen. Seid Menschen, seid wahre Patrioten!

W. R.

* Siehe auch den Beitrag vom 02.10.2020: „Liebe Faschisten?“

Wenn…

WENN die Union jetzt nicht aufpasst, wenn CDU und CSU nicht konsequent auf Distanz zur AfD handeln, dann droht die Union zum Steigbügelhalter für eine rechtsgerichtete Machtübernahme zu werden. Ich unterstelle: Auch in der Union will das kaum jemand, selbst wenn es gewisse ideologische Berührungspunkte oder zumindest die eine oder andere inhaltliche Nähe gibt.
Aber die AfD hat schon mehrfach gezeigt, dass sie sich auch gern mal bürgerlich-gemäßigt gibt, um bürgerliche WählerInnen nicht abzuschrecken. Die Radikalen in der AfD lassen das gern zu, denn sie wollen sich noch weiter an Unions-Wähler und konservative SPD-WählerInnen heranwanzen. Sie haben sich vorgenommen, eine Beteiligung an der Macht in einer Koalition mit der CDU zu erreichen, um im nächsten Schritt die Macht zu übernehmen und die Union zum Juniorpartner zu machen, solange sie sie noch brauchen — bis zur vollständigen Machtergreifung.
Denn wer sich nicht täuschen lässt, der sieht immer noch das erklärte Ziel der Rechtsaußen: Demokratie aushöhlen und abschaffen, ein autoritäres Regime errichten. Aus der Europäischen Union aussteigen, Deutschland politisch verzwergen, wirtschaftlich ruinieren, zum Vasallen Russlands machen. Und wir BürgerInnen dürfen nach der Pfeife einer gewaltbereiten Regierung tanzen, die auf Putin hört und sich Rat bei rechtskonservativen Milliardären holt.


Ich übertreibe? Nee, liebe Leute, ich denke voraus. Ich denke an die möglichen nächsten Entwicklungen, und ich befürchte einen zu schwachen Widerstand dagegen. Widerstand muss von den Demokraten in Deutschland kommen, von BürgerInnen, die die Vorzüge der Demokratie und unseres Grundgesetzes zu schätzen wissen, die ihre persönliche Freiheit und ihre Bürgerrechte verteidigen wollen, die nicht einem Regime untertan sein wollen, das Bürger- und Menschenrechte gering schätzt und im Zweifel mit Gewalt seine Absichten durchsetzt.
Wer sich das nicht vorstellen kann, der kann in den Nachrichten sehen, wie es unter einer PIS-Regierung in Polen zuging, wie es in Ungarn unter Orban zugeht, wie es in der Türkei zugeht, wo ein Präsident Erdogan den Willen seines Volkes missachtet, um an der Macht zu bleiben, … Das sind Beispiele aus Europa, aber ich könnte weitere aus anderen Kontinenten aufzählen. Ihr wisst auch ein paar, wenn — ja wenn Ihr die Nachrichten unabhängiger Sender verfolgt, die um guten Journalismus bemüht sind und Euch das Denken nicht ganz abnehmen, die Euch Informationen geben und nicht bloß Meinungen aufdrücken.

Aktuell wünsche ich mir keine Regierung, die quasi schon aus Angst vor der AfD eine AfD-nahe Politik macht.

Also, was tun? Bei Wahlen, auch bei Kommunalwahlen, konsequent die Demokraten und Menschenfreunde unterstützen, sich nicht dummschwätzen lassen mit nationalistischen Parolen. Wer sich anschaut, was z.B. die US-BürgerInnen unter Präsident Trump erleiden (sofern sie keine Milliardäre sind), der begreift, welchen Schaden eine nationalistische Politik anrichtet, die nicht einmal ihre eigenen Versprechen einhalten kann. Das sind keine Patrioten, das sind großmäulige Aufschneider, die ihr Land ruinieren. Also: Nicht jammern, wenn es zu spät ist, sondern vorher Hirn einschalten, dagegen halten und für Freiheit, Wahrheit, Menschlichkeit und friedliche Zusammenarbeit eintreten! Wann? Jetzt!

W. R.




Kulturkampf? Viel schlimmer!

TRUMP lässt bzw. nötigt oder zwingt in den USA renommierte Museen, ihre Präsentationen und ihr Veranstaltungsprogramm nach seinen Vorgaben zu ändern. Er selbst versteht wohl gar nicht so viel von Kultur im engeren Sinne, seine Vorgaben stammen ja auch im Wesentlichen nicht von ihm, sondern aus der Ecke der religiös-konservativen Nationalisten in der Heritage-Foundation und ihrem Dunstkreis Gleichgesinnter.
Worum geht es diesen Hardcore-Konservativen? Ihr geistiger Horizont ist nationalistisch, rassistisch (im Sinne von „white supremacy“), anti-aufklärerisch und antidemokratisch. Man könnte verniedlichend sagen: Was die Amish-People im Religiösen, das sind diese Retro-Konservativen im gesamten politischen und gesellschaftlichen Bereich: Für sie gelten nur Werte aus der guten alten Zeit mächtiger Könige. Für sie sind Gleichberechtigung der Geschlechter, der Hautfarben, sexueller Orientierungen, und das Recht auf Abtreibung prinzipiell des Teufels. Der Gegensatz von Arm und Reich ist quasi gottgegeben, und die Reichen haben es halt verdient, immer reicher zu werden.
Im Grunde bedeuten diese Wertorientierungen, wenn sie denn zu realer Politik werden, einen Rückschritt in die Zeit der Hexenverbrennungen. So kann man das im Kern zusammenfassen.
Nun glauben wohl Viele in Deutschland noch, das Ganze sei doch nur ein überhitztes US-Phänomen und hätte für uns keine nennenswerte Bedeutung. Vorsicht, liebe Landsleute! Dieses, ich nenne es hier mal: „Unternehmen Teufelsaustreibung“ hat seine Fühler längst in andere Länder ausgestreckt. Über religiös-fundamentalistische Kanäle (an vorderster Linie: radikale Evangelikale), über rechtsgerichtet-antidemokratische Medien und Akteure wird dieses Gift seit einiger Zeit verbreitet, dank Internet eben auch weit außerhalb der Grenzen der USA.
Und hierzulande wird das von gewissen Kreisen und vor allem einer nationalistischen, im Kern antidemokratischen Partei begierig aufgegriffen und verstärkt.
Diese Partei sitzt auch im Bundestag, ihre stellvertretende Fraktionsvorsitzende B. von Storch ist eine der treibenden Kräfte, die die Aktivitäten der „Teufesaustreiber“ im In- und Ausland vernetzt und befeuert. Also, kein US-Phänomen, die Zertörer der Demokratie und des gesellschaftlichen Fortschritts sind schon hier und aktiv.
Ein junges Beispiel für das, was die Antidemokraten hier anzetteln, war die konzertierte Kampagne gegen eine Frau, die vom zuständigen Ausschuss des Bundestages im Konsens der Beteiligten aus verschiedenen Parteien mit zwei anderen Personen zur Wahl für das Bundesverfassungsgericht nominiert wurde und noch vom Bundestag gewählt werden sollte. Die Verteufelungskampagne schreckte vor falschen und verleumderischen Behauptungen nicht zurück (sowas kennen wir schon länger von Trump&Co), und etliche Abgeordnete der Unionsparteien ließen sich davon beeindrucken, ohne eine sachliche Prüfung dieser Behauptungen abzuwarten. Das ist zunächst einmal eine Schande für die Union, deren Abgeordnete (wohlmeinend unterstellt) nicht begreifen, was da gespielt wird — mit der Folge, dass hier nun demokratische Institutionen und Abläufe infrage gestellt wurden.
Die Antidemokraten für Deutschland (AfD) sahen Grund zum Jubeln. Und sie sehen sich ermutigt, mit ähnlichen Kampagnen und Aktionen weiterzumachen. Danke für garnichts, CDU! Aber ideologisch noch näher dran an den Retro-Konservativen (Teufelsaustreibern) scheint mir in Teilen die CSU zu sein, und nicht zu vergessen ihr Koalitionspartner in Bayern, die (sogenannten) Freien Wähler.
Apropos „Freiheit“: Darunter verstehen monarchistisch gestrickte Konservative eben nicht die Bürgerfreiheit, die in unserem Grundgesetz in den Grundrechten definiert ist. Sie sehen vielmehr Freiheit darin verwirklicht, dass ein starker Herrscher das Land regiert und nach außen auftrumpfen kann, während der Bürger (wenn’s denn sein muss, ausnahmsweise auch mal eine Bürgerin) nach Reichtum streben darf und mit immer mehr Reichtum auch immer mehr Freiheit gewinnt. Wer das nicht schafft, hat sich eben nicht genug bemüht, oder Pech gehabt. Selbst schuld.
Die gegenwärtig zu beobachtende Politik von Donald Trump versucht mit Druck und Gewalt, genau diese Ziele zu verwirklichen und die USA, aber auch weite Teile der Welt in das Zeitalter der Hexenverbrennungen zurückzustoßen. Und Vorsicht vor vermeintlichem technischen Fortschritt: Trump & Co. werden auch KI (im Englischen AI) für ihre Absichten einsetzen.
Es ist absurd, was Homo Sapiens sich manchmal vorgaukeln lässt: Für ein paar wohlklingende Worte und altbacken-vertraute Parolen lässt er sich Freiheit abschwatzen, lässt er sich gegen andere Menschen aufhetzen, richtet er seine Abneigung und Aggression gegen die Falschen.
Warum haben die Teufelsaustreiber in den USA so einen Hass auf Universitäten? Weil da nach Fakten und nicht nach Parolen geforscht und gelehrt wird, weil Wissenschaft das Wissen der Menschheit erweitert und nicht zur Verdummung beiträgt, weil an den Universitäten Menschen tätig sind, die das Denken gelernt haben — und auch nicht an der Kasse abgeben wollen (in der Regel).
In den Zeiten der mächtigen Könige und Fürsten wurde auf Bildung wenig Wert gelegt, es bestand nur Bedarf nach ein paar Juristen und sonstigen Fachleuten für bestimmte Bereiche der staatlichen Verwaltung. Bildung für Alle? Bloß nicht! So dachten die Mächtigen. Motto: „Ein Ochse vor und einer hinter dem Pflug.“ Das funktionierte zumindest in vorindustrieller Zeit ganz gut. In den USA trauern viele Konzernherren und Milliardäre diesen Verhältnissen nach, sie behindern Gewerkschaften und Betriebsräte, sie spenden z.B. an die Heritage Foundation, um die Zeit möglichst zurückzudrehen. Das soll nun die Trump-Regierung umsetzen, in der es nicht auf Wissen und Können, sondern nur auf Gefolgschaft ankommt, auf Linientreue.
Was Manchen derzeit nur als Kulturkampf erscheint, ist in Wahrheit viel schlimmer: Es ist Teil eines großangelegten Feldzuges gegen Freiheit, Wahrheit, Menschlichkeit.
Und lassen Sie sich nicht täuschen: Hierzulande wollen sich einige Leute und Gruppierungen diesem Feldzug anschließen. Manche machen das aus Dummheit, Andere aus opportunistischem Kalkül. Davor muss die Menschheit bewahrt werden, sonst gehen wir unter mit Führern, die die Probleme des 21. Jahrhunderts wie Könige des 18. Jahrhunderts „lösen“ wollen.

Was Trump, der Putin-Bewunderer, und andere Machthaber auf dem Globus anstreben oder schon erreicht haben, ist die reine Willkürherrschaft: Alles in Reichweite soll auf den Machthaber und seine Wünsche und Ansichten ausgerichtet sein. Was das bedeutet, wird selbst einem wenig informierten Menschen sofort klar, wenn er/sie nur auf Trumps Zoll-Zirkus und seine Auswirkungen auf die Weltwirtschaft schaut.

Alles in Reichweite? Zu den Zielvorstellungen dieser Machthaber gehört auch die Ausdehnung ihres Machtbereiches. Das eigene Land ist nicht mehr genug, sobald sie es im Griff haben. Das Territorium soll vergrößert werden, man will ja schließlich auch in den Geschichtsbüchern groß dastehen, man will etwas Großes geleistet haben. Die Frage, wem das nützt und wer dafür bezahlt, die stellt sich nicht, weil allein die Ausdehnung der Staatsgrenzen schon einen Wert an sich darstellt (glauben sie).

So dachte auch ein Adolf Hitler, bis er den größten Teil der Welt gegen sich hatte und sein „Drittes Reich“ unterging. Bezahlen mussten dafür die vielen Soldaten und zivilen Opfer, er hinterließ ein Land in Trümmern. Das Schärfste daran: Hitler gab die Schuld an der Niederlage dem deutschen Volk, es hatte sich in seiner Vorstellungswelt als zu schwach erwiesen und verdiente nicht zu überleben. Deshalb gab er sogar kurz vor seinem Selbstmord noch den berüchtigten „Nero-Befehl“: Bevor die Sieger den verbliebenen Machtbereich besetzten, sollten dort die Lebensgrundlagen des deutschen Volkes vernichtet werden (also Dinge, die z.B. ein W. Putin derzeit in der Ukraine täglich bombardieren lässt). Daran sieht man: Beiden Diktatoren ist nichts heilig, sie gehen in ihrem Krieg bis zum Äußersten. In ihrer Gedankenwelt kann man Erfolg nur mit noch mehr Gewalt und Brutalität erzwingen.

Was ist da noch viel hinzuzufügen? Die Geschichte des „Dritten Reiches“ ist selbsterklärend. Jedoch versuchen ein paar völkisch denkende Traumtänzer, das alles umzudeuten und zurechtbiegen, die Verbrechen des Nazi-Regimes kleinzureden oder zu leugnen und Anderen irgendwie eine Mitschuld zuzuschieben.

Darum lasst Euch nicht behumsen: Schon das wieder verstärkt propagierte Männlichkeitsbild vom starken, aggressiven und gewaltbereiten, Frauen verachtenden Macho ist ein Schritt hin zum nächsten Gewaltregime. Was glaubt Ihr denn, warum es in manchen Regionen der Erde häufig zu gewaltsamen Auseinandersetzungen und Kriegen kommt? Da wird „männliche Ehre“ hochgejazzt, und sobald die auch nur vermeintlich ein wenig verletzt wurde, wird nach Vergeltung und Rache gerufen… So kann das nichts werden mit dauerhaftem Frieden, nicht in der Gesellschaft, und nicht zwischen den Clans, Volksgruppen, Nationen. Das testosterongetriebene Imponiergehabe verhindert klares Denken, verhindert eine Bereitschaft zum Dialog und Meinungsaustausch, verhindert Verständigung und friedlichen Interessenausgleich.

Die Vertreter dieses verqueren Männlichkeitskultes wollen uns weismachen, dass die Welt so und nicht anders funktioniert und schon immer funktioniert habe. Ein W. Putin lässt darum z.B. auch die Geschichtsbücher für die Schulen umschreiben, damit die Kinder nur eine „glorreiche“ Geschichte Russlands mit starken Herrschern kennenlernen, die für ein mächtiges und sich ausdehnendes Reich sorgten (für Ruhm und Ehre, weniger für ein gutes Leben der Menschen innerhalb der Grenzen Russlands!).

Das ist überhaupt eine wichtige Frage: Was leisten Herrscher, was leisten Regierungen zum Wohl ihrer StaatsbürgerInnen? Werden nur einzelne Interessen bedient, für die alle Anderen zahlen müssen? Greift eine egoistische Machtelite in die Kasse, in die Alle ihre Steuern eingezahlt haben? Wird Macht zur persönlichen Bereicherung missbraucht? Wird Kritik an den Herrschenden auf Minderheiten und/oder ausländische „Feinde“ abgelenkt? Das sind Fragen. Und lasst Euch nicht von pompösen Militärparaden und wehenden Fahnen blenden, das alles muss auch bezahlt werden! Fragt nach den Gründen, warum Euer Geld so ausgegeben wird.

Aber ja, auch Landesverteidigung ist in dieser real existierenden Welt nötig. Wer zugehört hat, wenn über die russischen Besatzer in der Ostukraine berichtet wurde, der muss sich fragen: Möchte ich achselzuckend hinnehmen, dass mir, meiner Familie, meinen Freundinnen und Freunden solche Leiden drohen, wie sie offensichtlich von russischem Militär den Menschen in besetzten Gebieten angetan werden? Möchte ich nicht doch helfen zu verhindern, dass weitere Menschen unter solchen Übergriffen und Grausamkeiten leiden?

W. R.