Schlagwort-Archive: Putin

Die Lage

AM „Columbus-Day“ hören wir aus den USA mal wieder Dinge, die weltweit Kopfschütteln hervorrufen dürften. Nein, der mittelalterliche Rückfall in öffentliche Hinrichtungen von Kriegsminister Hegseth ist nicht gemeint, es gibt neuere „breaking news“ — oder soll man „breathtaking news“ sagen?
Trump fürchtet eine Wahlschlappe bei den Midterms und kauft jetzt schnell Diesel bei Putin, um seinen Landsleuten an der Zapfsäule sinkende Preise zu bescheren. Ob das ihm mehr nützt als der Tankrabatt der CDU vor den letzten Landtagswahlen?
Klar ist: Wer jetzt immer noch in Trump einen halbwegs verlässlichen Partner sehen will, steht ziemlich alleine da. Wer immer noch meint, die USA unter diesen aktuell regierenden Leuten seien mit uns auf der Basis gemeinsamer Werte verbunden, der hat zu tief ins Glas geschaut.
Ich sage bewusst nicht: … unter Trump, denn der erscheint geistig zunehmend überfordert und macht Politik nach dem Konzept des für ihn vorbereiteten Project 2025, oder er lässt sich von Stimmungen und momentanen Einflüsterungen leiten — sodass seine Entscheidungen oft eine kurze Haltbarkeitsdauer haben.
Ich hatte mal gehofft, über Trump brauchte man nicht mehr viel zu reden — aber man sieht ja, dass ihn niemand bremst, und dass er aus Selbstsucht und Unfähigkeit auf Allem, auf Jedem und Jeder nach Belieben herumtrampelt. Muss ich noch erwähnen, was das für eine AfD bedeutet, der Trump zum Wahlsieg in Sachsen-Anhalt gratulierte? Auf einen solchen Unterstützer sollte man verzichten, es sei denn, man stimmt inhaltlich mit vielen rechtsnationalen Positionen überein, ist wie Trump gegen EU und Deutschland eingestellt, und hat auch kein Problem damit, dass Trump überhaupt keine Moral kennt. Für ihn bedeuten nur zwei Dinge etwas: 1. Ich, 2. Geld. Ob Putin die Zivilbevölkerung der Ukraine bombardiert und garkeine Hemmungen in der Kriegführung kennt, ist Trump egal — und der AfD offenbar auch.
Noch immer wird behauptet, der Krieg würde nur fortgesetzt, weil man nicht mit Putin rede. Das ist eine einäugige Sicht und sachlich Quatsch, aber einige Leute bei uns wiederholen das gebetsmühlenartig und arbeiten damit unterm Strich Putin in die Hände. Wie kann man „in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt?“ Putin hat oft genug seine Ziele verkündet. Von Friedenssehnsucht oder Achtung des Völkerrechts war da nicht die Rede. Und wenn Trump sich kumpelhaft an Putin und andere Gewaltherrscher heranwanzt und sie gar „Freund“ nennt — wer will ihm da noch vertrauen? Abgesehen davon: Wer traut Trump denn überhaupt noch das politische Verständnis zu, das der Umgang mit Staatslenkern erfordert, sprich: Trump ist kein gelernter Politiker. Und er verkauft sich seinem Wahlvolk als erfahrener Dealmaker mit dem Anstrich, anders und besser zu sein als die üblichen, gelernten Politiker. Doch langsam brennt seine Hütte: Das Wahlvolk sieht, was „des Kaisers neue Kleider“ in Wahrheit sind. Skrupellos lässt er daher die Ukraine fallen und kauft bei Putin ein. Der große „Dealmaker“ sitzt in der selbstgebauten Falle: Seinen Irankrieg weiß er nicht zu beenden und sorgt für anhaltend teure Öl- und Gaspreise, vom Ukraine-Krieg ganz zu schweigen, den er angeblich als Präsident in 24 Stunden beenden würde. Jetzt findet er es eine gute Idee, in der Ukraine den Präsidenten auszutauschen. Das wäre vielleicht dann eine mögliche Verbesserung der Lage, wenn es um andere Präsidenten ginge…

W. R.

Es bleibt spannend

WIE nicht anders zu erwarten, waren am Tresen-Stammtisch in meiner Stammkneipe die letzten Landtagswahlen in drei Bundesländern das Thema…

„In Sachsen-Anhalt hat die AfD gesiegt, haushoch! Und die CDU deklassiert. Fast die absolute Mehrheit.“

„Aber nur fast. Und diejenigen, die nicht AfD gewählt haben, machen noch über 50% aus. Auch in Mecklenburg-Vorpommern. Da hat sich die SPD berappelt, dank dem konsequenten Auftreten von Manuela Schwesig gegen die AfD.“

„Kann man so sehen. Das mit den Prozenten ist ja immer relativ. Tatsache ist, dass die AfD viele Stimmen bei Leuten geholt hat, die vorher nicht gewählt hatten.“

„Und was sehen wir daran?“

„Ja, was? Das Wetter war schön, die AfD-Anhänger knatterten mit ihren Simpson-Mopeds herum, es war schön wie früher in DDR-Zeiten…“

„… glaubten viele Leute. Ha! Die Erinnerung malt mit goldenem Pinsel. Da wird ne Menge DDR-Frust ausgeblendet.“

„Man hört ja auch, dass Viele in Umfragen sagten: Mir persönlich geht’s gut, aber dem Land geht’s schlecht, so kann es nicht weitergehen.“

„Da muss man nicht groß nachfragen. Die Leute hören auf die allgemeine Miesmache der Politik, die von der AfD betrieben wird. Im Grunde ist das 90% Stimmungsmache, da werden nur Gefühle mobilisiert.“

„Genau! Falsche Gefühle! Im Übrigen: Wenn es dann sachlich und konkret werden soll, wenn man die AfD-Führer fragt, was sie denn tun wollen für die Verbesserung der Probleme, dann kommt meist nur allgemeines Gerede.“

„Und der Spitzenkandidat wollte entweder die absolute Mehrheit oder gar nicht regieren. Die absolute Mehrheit hat er nicht, jetzt eiert er rum und hofft auf Abtrünnige aus der CDU oder die Unterstützung des BSW.“

„Was das betrifft, bleibe ich cool: Da ich nicht in Sachsen-Anhalt lebe und weder schwul noch lesbisch noch Journalist oder Kulturschaffender bin, habe ich zunächst nichts zu befürchten und warte ab. Ich kann zusehen, wie sich die AfD-Schranzen in einer Regierung aufführen und was sie zuwege bringen. Ich meine nicht, dass sie sich selbst entzaubern. Aber wenn sie ihre Kern-Anliegen durchsetzen wollen, setzen sie sich schnell Klagen vor Gericht bis hin zum Bundesverfassungsgericht aus, vielleicht kommt es dann endlich auch zum Verbotsantrag beim Bundesverfassungsgericht.“

„Den zu stellen hat die CDU ja versäumt.“

„Eben! Was haben die sich bloß gedacht oder erhofft? Sie politisch bekämpfen, hieß es von der Union. Und was haben sie gemacht? Sie haben ins Horn der AfD getutet und geglaubt, mit härterer Asyl- und Abschiebepolitik könnten sie die Stimmen von der AfD zurückholen.“

„Ja, manchmal dachte ich vor’m Fernseher schon: Der Dobrindt, das ist der Innenminister einer zukünftigen AfD-Regierung. Und die Grenzkontrollen wollte er auch nicht zurücknehmen, obwohl das mit Schengen usw. kollidiert. Das ist auch ein Stück weit anti-EU.“

„Aber warum wählen denn so viele Leute AfD? Sind die alle gefühlsduselig und geistig eingeschläfert? Merken die nicht, dass die Richtung der AfD zum Chaos führt? Merken die nicht, dass die AfD nix mit Demokratie am Hut hat und das System kapern will, um es zu sprengen?“

„Hör mir auf: Demokratie! Viele Leute wissen doch nicht mal, was das ist. Die meinen doch, wenn Wahlen stattfinden, dann ist das Demokratie. Putin lässt auch Wahlen abhalten, aber nur unter kontrollierten Bedingungen. Opposition gibt es nicht mehr, und wer zu kritisch ist, oder wer Frieden fordert, wird von der Wahl ausgeschlossen — oder landet gleich im Arbeitslager. Auch Hitler ließ das Volk abstimmen — aber nur in einer kontrollierten Situation, in der er fest mit dem gewünschten Ergebnis rechnen konnte.“

„Und Demokratie ist doch mehr als freie Wahlen: Gewaltentrennung und gegenseitige Kontrolle, Minderheitenschutz, Rechtsstaat, und allem liegen die Menschenrechte zugrunde. So haben wir das im Grundgesetz festgeschrieben. Aus guten Gründen!“

„Eben. Aber bei den Menschenrechten gehen Rechtsradikale schon auf Distanz. Rechte für alle? Das passt ihnen nicht. Und die AfD unterscheidet zwischen verschiedenen Kategorien von Bürgern, will „Passdeutsche“ nicht so akzeptieren wie „Biodeutsche“. Das ist Blödsinn. Man stelle sich vor, was aus den USA geworden wäre, wenn sie keine Einwanderung gehabt hätten und nur die ersten weißen Siedler aus Europa als Bürger akzeptiert hätten.“

„Vielleicht wären dann nicht so viele Indianer, pardon: Indigene, abgeschlachtet worden.“

„Trump würde die vermutlich am liebsten noch heute von der ICE-Truppe verhaften und außer Landes bringen wollen…“

„… oder versklaven.“

„Trump, ein alter Mann, der Boss sein will, ein Narziss, der nur geliebt und bewundert werden will. Der überhaupt der Allergrößte sein will, und deshalb äußerst sauer auf Kritik reagiert.“

„Und sich im Amt dumm und dämlich bereichert.“

„Ach, Trump kennt doch sowieso keine Moral, und keine Rücksicht auf nix und niemanden, wenn es ums Durchsetzen und Erfolg geht. Wie ein Mafia-Boss.“

„Trump nennt den Diktator Kim Jon Un einen Freund. Der darf Atomwaffen besitzen, der Iran aber auf gar keinen Fall. Trump glaubt, mit Kumpelei könne er in der Oberliga der Mächtigen am meisten erreichen. Klappt aber bei Putin nicht so richtig. Der geht einfach nicht auf Trumps Friedensvorschläge mit der Ukraine ein.“

„Aber unsere Friedenstauben hier meinen, man müsse nur mit Putin reden, dann gäbe es Frieden. Was Putin offiziell sagt und schreibt, hört sich leider ganz anders an. Nicht mal über einen Waffenstillstand will er verhandeln, bevor die Ukraine ihm nicht kampflos weiteres Gebiet überlässt! Er setzt auf Gewalt, er will nicht anderes als die totale Unterwerfung der Ukraine, und möglichst weiterer Länder der früheren Sowjetunion. Er will der neue Zar von einem zurückeroberten Großrussland werden.“

„Damit hat die AfD wohl kein Problem. Die wollen Putins Regime und die Sympathie mit dem russischen Volk in einen Topf werfen. Ich persönlich unterscheide das aber! Mir tun die Russen leid, die für Putin massenhaft sterben, und die, die unter seinem Regime leiden.“

„Dass man das hier überhaupt sagen muss! Das liegt an den vielen kreml-nahen Einflüssen in den social media. Die stiften Desorientierung, damit möglichst viele Leute nicht mehr klar denken.“

„Apropos klar: Ich sehe klar, dass Jupp in Aktion treten sollte, um hier am Tisch einige Gläser zu füllen.“

„Kommt schon!“ rief Jupp und war längst beim Zapfen. Und alle schauten zu.

„Und was sagt ihr zu Berlin? Da hatte die AfD keinen Durchmarsch, da siegte die Linke.“

„Das war wohl die Quittung dafür, dass die bisherigen Regierungen in Berlin, ob Landes- oder Bundesregierung, das Problem der ständig steigenden Mieten nicht wirksam angegangen sind. Das betrifft so viele Leute…“

„… dass ich mich schon lange wundere, wieso außer der lachhaften ‚Mietpreisbremse‘ nichts getan wurde.“

„Das Volksbegehren in Berlin zur Enteignung großer Wohnungsgesellschaften hätte eine Warnung sein können, ja müssen.“

„Da hat auch die AfD nix bieten können, die ist ja kapitalistisch unterwegs, die wanzt sich eher an Bosse ran.“

„Na, jedenfalls können wir gespannt sein, wie es in diesen Bundesländern weiter geht mit der Regierungsbildung.“

„Sicher, es bleibt spannend.“

[aufgezeichnet von W. R.]

Anmerkung: Wer Enteignung prinzipiell für verfassungswidrig oder verwerflich hält, kennt das Grundgesetz nicht — siehe GG Art. 14, Abs 2 u. 3.

Nur noch Realsatire?

EIGENTLICH wollte ich mal wieder in Ruhe in meiner Stammkneipe ein Schnitzel verspeisen, doch mit der Ruhe war es bald vorbei. Denn am Tresen wurde es in der Stammtisch-Runde laut.
„Menschenskind, begreifst du denn nicht? Der Merz und seine Politikerriege leben auf einem anderen Planeten! Die wissen so wenig vom Alltag der großen Mehrheit, dass sie solchen Unsinn produzieren. Das mit den Attesten am ersten Tag hat auch den Protest der niedergelassenen Ärzte provoziert.“
„Und was die Bär als Bafög-Reform vorgeschlagen hat, war auch realitätsfern.“
Und jetzt kommt der Spahn mit seinem Leihmutter-Kind aus den USA, ja wo simmer denn? Hier macht er sich gegen Leihmutterschaft stark, und dann…“
„… entscheidet er sich mit seinem Partner für eine Vaterschaft, obwohl das für ihn politisch heikel ist. Klar, dass er nun ein Problem als Politiker hat, aber menschlich — ich muss sagen, ich konnte ihn nicht leiden, aber jetzt kriegt er für mich zum ersten Mal menschliche Züge.“
„Ist eine Frage, an der sich die Geister scheiden, das mit der Leihmutterschaft. Einer von der CSU redete vom christlichen Menschenbild, und dass das nicht ginge aus Respekt vor dem Leben. Also, ich habe den Respekt vor dem Leben schon an anderen Stellen vermisst, und zwar vor dem längst geborenen.“
„Genau! Zum Beispiel vor den sogenannten vulnerablen Gruppen, die sehr unter den Hitzeperioden leiden, die wir immer öfter erleben. Da wird Klimapolitik der Wirtschaft zuliebe …“
„… und aus antigrüner Besessenheit…“
„… total ausgeblendet, ja sogar zurückgedreht, und man tut so, als sei das auch der Wille der Bevölkerung. In Umfragen sagen Viele aber etwas Anderes.“
„Und lokal werden hier in Köln gern mal reihenweise alte Bäume gefällt, weil Bauvorhaben wichtiger sein sollen. Ausgerechnet jetzt, wo bei sehr vielen Menschen der Groschen gefallen ist: Der Klimawandel ist keine Theorie, er ist schon da, und es wird schlimmer.“
„Trotzdem wird in Chefetagen und Verwaltungen immer noch getrickst und getäuscht, wenn es um Grün in der Stadt oder um Verkehrspolitik geht. Das Verbrenner-Aus für Neuwagen ab 2035 hat die Union torpediert, sie hat sich gegen ein Tempolimit auf Autobahnen gewehrt…“
„… wobei hier nicht das Ausland zum Vergleich genommen wird, wo es fast überall Tempolimits gibt. Aber wenn es um Atomkraftwerke geht, dann ziehen sie gern das Ausland aus der Tasche, wo angeblich überall die AKWs auf dem Vormarsch sind. Man zieht nur Vergleiche, wenn’s gerade passt.“
„Oder es wird passend gemacht. So werden auch Statistiken benutzt. Da pickt man sich Daten zum Vergleich heraus, um irgendwas zu beweisen, und verschweigt dabei, dass man tatsächlich Äpfel mit Birnen vergleicht.“
„Sarkastisch gesprochen, sage ich dir: Sei froh, dass sie sich wenigstens diese Mühe machen. Denn schlimmer geht immer, siehe Trump. Der lügt schamlos in die Fernsehkameras und auf seinem Kanal, dass sich die Balken biegen. Jetzt versuchen angeblich die Chinesen, Wahlen in den USA zu manipulieren. Seine Niederlage gegen Biden damals war ja angeblich eine gestohlene Wahl.“
„Die Chinesen müssen bei Trump ja für alles Mögliche herhalten.“
„Dabei gibt es deutliche Anzeichen dafür, dass 2016 Putin ihm bei seiner ersten Wahl zum Präsidenten geholfen hat. Später hat Trump alle verfolgt und gestraft, die damals in Sachen russische Einflussnahme ermittelt haben.“
„Ja, rachsüchtig ist er auch, der Lügenbaron und Möchtegern-Kaiser.“
„Er ist einfach unmöglich als Politiker.“
„Da passt er gut mit Infantino zusammen, der ist unmöglich als FIFA-Präsident. Beide haben nur Geldgier im Kopf.“
„Da werden alle Maßstäbe von Moral und Anstand in die Tonne gekloppt. Das ist alles nur noch Realsatire.“
„Genau, wer das vor zwölf Jahren vorausgesagt hätte, wäre nicht mal als Komiker ernst genommen worden.“
„Überlegt euch das mal: So weit sind wir gekommen! Was ist aus dieser Welt geworden, wenn die Großkopferten sich nicht mal mehr Mühe geben, ihre Unmoral zu verbergen…“
„… während ich jetzt mal gegenüber unserem Jupp nicht verbergen will, dass Nachschub in unseren Gläsern äußerst willkommen wäre. Leute, positiv denken! Trotz alledem! Jupp, schaff er frisches Bier herbei! Und dann wollen wir uns die Welt ein bisschen schöner trinken!“


aufgezeichnet von W. R.

Expertenrunde

IN meiner Stammkneipe war der Tresen-Stammtisch zur Hochform aufgelaufen und versuchte sich als eine Runde von Experten der Weltpolitik und militärischen Lagebeurteilung:

„Ich sag’s ja schon lange: Putins Macht und seine Stärke im Kriege gegen die Ukraine werden bei uns überschätzt. Das müssen inzwischen auch fast Alle erkennen. Beispiel: Putin musste Trump bitten, eine Waffenruhe um den 9. Mai zu vermitteln, damit er seine jährliche Militärparade auf dem Roten Platz in Moskau abhalten konnte. Und trotzdem war die Angst vor ukrainischen Angriffen so groß, dass nur eine relativ kleine Parade ohne militärisches Großgerät stattfand — und fast ohne ausländische Staatsgäste. Das spricht Bände! Und getoppt wurde das noch kurz darauf von einem ukrainischen Vergeltungsangriff auf Moskau mit einer großen Zahl Drohnen — wie wir es sonst nur von russischen Angriffen auf ukrainische Städte hörten. Außerdem reichen ukrainische Drohnen immer weiter nach Russland hinein und zerstören Ölanlagen bei St. Petersburg oder am Ural, wo man sich vor einiger Zeit noch sicher fühlte.“ –
„Ja stimmt! Als Kanzler Scholz der Ukraine den Taurus verweigerte, den dann auch Kanzler Merz nicht lieferte, da meinte man noch, ohne solche weitreichende Waffen könnte die Ukraine gegen Russland nicht wirklich gegenhalten. Man glaubte weithin sogar, die Zeit arbeite für Putin. Wenn ich das Lagebild jetzt sehe, bin ich nicht sicher, ob die Zeit nicht mindestens genauso gegen Russland arbeitet. Putin muss doch erkennen, dass er zu lange gewartet hat, dass er das Zeitfenster nicht genutzt hat, in dem er einen Frieden mit Absicherung seiner Eroberungen hätte haben können. Nein, Putin wollte mehr, er beharrte auf seinen Maximalforderungen. Das wird wohl immer unrealistischer.“ – „Wenn China ihn nicht weiter stark unterstützt, geht es mit Russlands Wirtschaft wie mit seiner militärischen Macht bergab. Und seine Abhängigkeit von China wächst. Nicht Putin, Chi ist global der starke Machthaber neben Trump. Das sieht doch allmählich jeder Blinde.“ –
„Genau! Und Trump hat langfristig auf’s falsche Pferd gesetzt. Seine Anbiederung an Putin hat nur Putin genutzt. Seine Militär-Aktionen gegen Iran sind ein Fiasko für die Weltwirtschaft und militärisch wenig zielführend.“ –
„Was heißt hier zielführend? Welches Ziel denn? Er hatte keinen vernünftigen Plan, vor allem keinen Plan B. Er hat zu sehr auf Netanjahu gehört …“
“ … und sich für den großen Zampano gehalten nach dem gelungenen Coup gegen Maduro.“ –
„Und dann rief er der protestierenden Iranern, die das Regime niedermetzelte, noch zu: „Help is under way!“ Von wegen! Trump hat wohl gehofft, ein Aufstand im Iran würde IHM helfen, das Regime zu kippen.“ –
„Ja, aber zu seiner Verblüffung, vermute ich, haben die Enthauptungsschläge gegen die Führer das Regime nicht aus den Füßen gekippt. –
Stattdessen haben die Golfstaaten zu spüren gekriegt, dass der Iran noch Pfeile im Köcher hatte. Die baden den Schlamassel jetzt aus, an vorderster Front.“ –
„Überhaupt sorgt Trump dafür, dass Zweifel wachsen an den USA als Bündnispartner. Ich fürchte, Trump kapiert gar nicht, dass er die Stellung der USA als Weltmacht schwächt, zur Freude vor allem von China.“ –
„Die Ukraine kann heilfroh sein, dass sie so große Fortschritte in der Drohnentechnik und -produktion gemacht hat. Sie konnte sogar den Golfstaaten Hilfe anbieten, und sie ist mittlerweile gefragter Partner für die Rüstungsindustrie mehrerer Staaten.“ –
„Ja, aus der Sicht der Militärs geht doch nichts über direkte Kampferfahrung. Für die Entwickler von Panzern oder anderem Kriegsgerät ist das äußerst wertvoll, da können sie ihr Zeug unter realen Bedingungen testen und verbessern. — Hey, und wir haben gerade ein Nachschubproblem: Jupp, Komm herbei, lass die Luft aus unseren Gläsern und füll was Goldenes nach! Nicht Kerosin, das wird eher knapp, hört man, danke dafür, Trump, nein, goldenes Kölsch mit weißer Krone! Und da kommt der Nachschub schon, auf Jupp ist Verlass … “ —

aufgezeichnet von W. R.

Donald der Große

NORMALE Politik, politisches Handwerk mit Augenmaß? Das ist nichts für den Überflieger Donald Trump. Der macht Politik mit immer neuen Provokationen und hält sich so ständig in den Meldungen der Medien. Wenn schon nicht Godfather persönlich, dann präsentiert er sich als gottgleich neben Jesus, zumindest als von Gott inspiriert. Darunter geht es bei Trump einfach nicht. The show must go on.

Hauptsache: Alle reden über ihn (und nicht über den Misserfolg seines Iran-Krieges oder über seine Epstein-Verbindungen). Diese Methode zielt vor allem darauf ab, dass ein Klops und Missgriff umgehend durch den nächsten in den Schatten gestellt wird, sodass seine Kritiker hinterherhechelnd in Atemnot geraten und nicht mehr nachkommen, schon gar nicht mit möglichen Klagen vor Gericht.

Es kann aber sein, dass er dabei auch bei seinen treuen Anhängern überzieht und Grenzen überschreitet. Viele US-AmerikanerInnen verstehen nämlich keinen Spaß, wenn es um Religion geht. Niemand weiß daher im Voraus, ob seine KI-Bild-Posts ihm bzw. den Republikanern bei den Midterm-Wahlen schaden werden oder nicht. Man sollte nicht zu fest damit rechnen. Manche meinen sogar, dass ihn die Wahlen gar nicht mehr interessieren.
Sollte Trump durch seinen Vize Vance abgelöst werden, wird das wenig bessern: Vance erreichte nichts Vorzeigbares in den Verhandlungen mit dem Iran in Islamabad, er scheiterte auch mit seiner Unterstützung Orbans im Wahlkampf in Ungarn. Es ist also fraglich, ob Vance als Wahlkampflokomotive für die Republikaner taugen würde.

Fakt ist, dass Trump mit dem Iran-Krieg vom April/Mai Schaden angerichtet hat, statt Verbesserungen der Lage im Vergleich zu der vor dem Krieg zu erreichen. Sarkastisch könnte man sogar sagen: „Make Iran great again“ war die Folge von Trumps undedarftem politischen Handeln. Doch er fühlt sich als Überflieger, Fehler machen nur die Anderen. Und die Kritiker sind aus seiner Sicht nur doof und/oder böswillig.

Denn ein Donald Trump steht längst über allen Sterblichen, er baut am Ruhm in den Geschichtsbüchern, vergleicht sich mit den großen Namen der Weltgeschichte. Das ist mehr als nur ein steinerner Kopf neben anderen Präsidenten am Mount Rushmore. Ein Trump plant ein glorioses Weißes Haus und einen Triumphbogen in Washington D.C., will bald als Donald der Große historischen Ewigkeitswert erlangen. Von seinen Mitmenschen erwartet er nur eins: Bewunderung und Huldigung.

Da haben sich die USA was eingebrockt! Und die ganze Welt wird in Mitleidenschaft gezogen, allein schon durch Trumps dilettantische Art, in die Weltwirtschaft einzugreifen. Seine Zollwut z.B. gegen China hat beiden Seiten geschadet, was vorhersehbar war. Aber auch Vieles Andere, man braucht lange, um alles aufzuzählen.

Und wem verdanken wir das? In erster Linie den Leuten, die seine Neigung zum Cäsarenwahn frühzeitig erkannten, aber nichts oder zuwenig unternahmen, um ihn von der Macht fernzuhalten. In zweiter Linie den vielen Opportunisten in der Partei der Republikaner, die sich von seinem Populismus und seinem Showtalent eine Sicherung ihrer Macht und ihrer Pfründe versprachen und dabei seine toxischen Wirkungen auf die Politik in Kauf nahmen. So nahm das Unheil seinen Lauf…

Es wäre zu einseitig gedacht, wollte man Trumps Präsidentschaft nach dem Prinzip „Männer machen Geschichte“ erklären (Das wäre 19.-Jahrhundert-Denke). Denn die US-Politik war immer vom großen Geld dominiert, niemand konnte z.B. ohne die Unterstützung reicher Spender seinen Wahlkampf finanzieren. Donald Trump wurde von der einflussreichen Heritage Foundation gesponsert und für seine zweite Amtszeit mit einem Aktionsprogramm ins Weiße Haus geschickt, das er dann auch mit hoher Geschwindigkeit durchzog („Project 2025“). Es sind Öl-Magnaten und Milliardäre, die die Heritage Foundation als konservativen Thinktank aufbauten und Trump ihr Regierungsprogramm in die Jackentasche steckten. Dazu gehören z.B. das Festhalten an fossilen Energien (Trump: „Drill, baby,drill!“) und das Leugnen des von Menschen beschleunigten Klimawandels, die Abkehr von multilateralen Vereinbarungen, eine gegen Europa und besonders Deutschland gerichtete Wirtschaftspolitik, usw. — eben die Punkte, die bekanntlich Trump umsetzt.

Kurzum, wenn aus Trump bald „Donald der Große“ wird, dann haben Viele daran mitgewirkt und einige Superreiche ihm den Steigbügel gehalten, damit er auf das hohe Ross steigen konnte, von dem er nun auf Alle herabblickt, und auf dem er in einen goldenen Sonnenuntergang der Unsterblichkeit reiten will — als einer der ganz, ganz Großen der Weltgeschichte (bzw. in seiner Sicht als ein Supermann wie die Helden der Marvel-Comics).

Das hat für sehr viele Menschen einen gravierenden Nachteil: Diese „Großen“, mit denen Trump sich vergleichen möchte, sind Figuren der Weltgeschichte, denen das Leben von ein paar zehn- oder hunderttausenden Menschen ziemlich egal war, während sie ihre Ziele verfolgten.

An den Zielvorstellungen eines Putin, der ein Großer der russischen Geschichte sein möchte und ein neues Großrussisches Reich errichten will, sieht man das Ausmaß der Menschenverachtung, die mit solchen Wunschvorstellungen verbunden ist (weil sie ohne Gewalt und Krieg nicht zu realisieren sind). Und ausgerechnet mit Putin wünscht Trump sich eine kumpelhafte Partnerschaft.

W. R.

P.S.: Die Konservativen in den USA bewundern als Figuren der Weltgeschichte Alexander den Großen, Cäsar, Napoleon, und sehen das antike römische Reich als vorbildlich. Na, zu Alexander gibt es hier auf fu-frechen.de/Literatur Näheres (und nicht nur Positives!) von Matthias Schulz zu lesen.

Trump scheint das Zeug zu haben, als ein neuer Caligula in die Geschichte einzugehen. Wir erinnern uns: Caligula war ein römischer Kaiser, der sein Lieblingspferd zum Senator machen wollte (Weiteres schlagen Sie im Geschichtsbuch nach).

— Ergänzt am 9. Mai, dem National Day of Reason in den USA —

P.P.S.: Am 12. Mai erschien ein Interview mit dem Schriftsteller Alhierd Bacharevic im Kölner Stadt-Anzeiger, S. 18. Daraus zitieren wir hier einen Ausschnitt:

Noch eine Ergänzung: Dank des Geschäftsmodells der von US-Tech-Giganten beherrschten social media werden Extremismus und Radikalisierung gefördert, die Algorithmen treiben vor allem männliche junge Leute zuhauf in die Arme von Rechtsextremen, Islamisten, Verschwörungsfantasten und anderen Akteuren, die mangelnde politische Bildung ausnutzen und (vor allem männliche) Gewaltfantasien schüren. Immer mehr wird deutlich, dass auch durch viele Beiträge in TikTok &Co. die Demokratie in westlichen Ländern untergraben wird. Es gibt da kein Erkenntnisproblem mehr, aber immer noch ein Handlungsproblem. Wenn Regierungen, Behörden und viele andere sich von den großen US-IT-Unternehmen abhängig machen, können sie natürlich schlecht gegen sie vorgehen.

Ich nehme hier diese in Abhängigkeit Geratenen in Schutz: Sie sind nicht doof oder blind, sie haben aber in der Vergangenheit darauf vertraut, dass sich die Globalisierung in Wirtschaft und Internet (und damit auch eine zunehmende Verflechtung) positiv auf die internationalen Beziehungen und die Zusammenarbeit auswirken würde. Die Meisten konnten sich nicht vorstellen, dass disruptive Kräfte plötzlich wieder nationalen Egoismus in den Vordergrund rücken und Abhängigkeiten aggressiv für Dominanz und Kontrolle einsetzen könnten.

Aber genau das passiert, indem ein Präsident Trump internationale Abmachungen und Gepflogenheiten gering schätzt und lieber in zweiseitigen Verhandlungen als der mächtigere Partner „Deals“ erzwingt. Dabei setzt er bedenkenlos alle Druckmittel ein, die sich aus Abhängigkeiten ziehen lassen.

Man denke nur ans Stichwort „Grönland“, und schon weiß Jede/r Informierte, wovon die Rede ist, und wie gefährlich die von Trump verfolgten Expansionswünsche sind. Um nicht zu sagen: wie gefährlich ein Präsident Trump überhaupt für den Weltfrieden und die Weltwirtschaft ist, und nicht zuletzt für das Weltklima und die Artenvielfalt… —

Geschäftsmodell: Leute verblöden

WENN die Union so weitermacht, muss sie bald mit den Grünen und den Linken koalieren, um nicht mit der AfD zusammen zu gehen. Wenn sie aber mit der AfD koaliert, ist das der Untergang der Union. Wie im Februar 1933. Da haben sich die Konservativen Illusionen gemacht, sie könnten Hitler und seine Partei in einer Koalition „an die Wand drücken, bis er quietscht.“ Später wussten alle: Das war ein schwerer Irrtum.
Ja, ein Blick in die Geschichte lehrt so Einiges. Die Feinde der Demokratie tönten damals: Deutschland sei (durch den Versailler Vertrag) zu Unrecht gedemütigt, und man müsse die nationale Größe wieder aufrichten und die Schmach von Versailles tilgen. Einige träumten dabei nicht nur von der Rückkehr verlorener Gebiete „heim ins Reich“, sondern sogar von der Wiedererlangung verlorener Kolonien.
Ein bekanntes Schema: Ich erkläre die Nation als gedemütigt, geknechtet, zu Unrecht kleingemacht, damit ich mich als Retter und Messias aufblasen kann, der die Nation wieder groß macht. Dazu fasele ich noch von der ruhmreichen Geschichte der Nation, an der man sich orientieren sollte. Das ist ein Kern der Propaganda von Putin, aber auch von Trump („Make America great again“). Die AfD möchte das kopieren und behauptet, in Deutschland sei alles schlecht — und die AfD werde es wieder … ja was denn, vermasseln, so wie Adolf? Im Ernst: Sollen wir unsere Wirtschaft vollends ruinieren durch Austritt aus der EU, durch Stopp der Zuwanderung, ja sogar durch „Remigration“? Woher sollen denn nach Ansicht der AfD die fehlenden Fachkräfte in Industrie, Handwerk, Gastronomie, Kranken- und Altenpflege usw. kommen? Wie blöd muss man eigentlich sein, um als Arbeiter, Angestellter oder Rentner diese (würg!) AfD zu wählen? Und welcher Unternehmer will auf die Vorteile des EU-Binnenmarktes verzichten?

Ich kann mich des Verdachts nicht erwehren: Wenn so viele junge Leute, besoffen von social-media-clips, dieser Unglücks-Partei ihre Stimme geben, dann zeigt das die verheerende, ja verblödende Wirkung der social media.
Ein Prozess in Kalifornien hat gerade gezeigt, dass Algorithmen auf bekannten social-media-Kanälen süchtig machen. Das heißt: Sucht steuert die User, sie verhindert das Einschalten des Hirns, sie lähmt den Willen selbst zu entscheiden, was man sehen und hören will und was nicht.
Das ist prinzipiell schlecht, es macht die User zu hilflos weiterscrollenden Puppen der Profitsteigerung. Denn es ist ein Geschäftsmodell, das müssten inzwischen auch die Dummen schon mal gehört haben. Und wo Profit gemacht wird, da fehlt natürlich die Motivation, sich zurückzunehmen. Eher im Gegenteil: Die Tech-Giganten verfeinern weiter die Methoden der Manipulation und Gehirnwäsche.
Die Tech-Milliardäre werden damit von stinkreich zu superreich, und die daddelnden, scrollenden, wischenden Handy-Abhängigen sind ihre besten Kunden, diese fetten, zappelnden Fische werden sie nicht freiwillig von der Angel lassen. Mehr zum Urteil: Strafen für Meta und Google: Schadensersatz wegen Social-Media-Sucht | tagesschau.de

W. R.

Ohne Plan

Natürlich, ich konnte es mir denken, der Tresen-Stammtisch in meiner Stammkneipe hatte mal wieder die Weltlage im Blick:
„Oha! Trump ist enttäuscht von der Nato. Weil sie ihm nicht mit Militär beispringt, um die Sperrung der Straße von Hormus durch den Iran aufzuheben. Sowas aber auch! Die Nato war für Trump immer ein lästiger Klotz am Bein, die USA wollten allein stark genug sein, um alle Probleme in der Welt zu lösen.“
„Ja, jetzt weiß er nicht mehr weiter mit dem Krieg gegen den Iran, da sollen plötzlich Andere helfen, die er sonst gern vor’s Schienbein tritt.“
„Nun stößt er nebulöse Drohungen aus, was ja eine seiner Spezialitäten ist. Ich will schon gar nicht mehr hinhören, wenn er in den Nachrichten zitiert wird.“
„Und bald redet er noch mehr Unsinn, weil er geistig abbaut. Sagen jedenfalls einige Mediziner, die ihn scharf beobachten.“
„Ach, der redet doch sowieso nicht wie ein Staatsmann, er ist im Dauerwahlkampf und wendet sich in einfacher Sprache an seine Stammwähler. Die sollen ihm applaudieren. Und dazu möglichst noch ausländische Pollitiker.“
„Genau! Früher hätte man gesagt: Als Politiker ist er unmöglich, den wählen doch höchstens ein paar primitive Haudraufs ohne Bildung.“
„Er gibt sich auch gar keine Mühe, sowas wie staatsmännisches Format zu zeigen. Goldene Vorhänge im Oval Office reichen, meint er, damit alle sehen, wie bedeutend er ist.“
„Und wie er über Kuba redet! Das Land ist am Ende, ich kann damit machen, was ich will. Ich würde ihm am liebsten direkt eine reinhauen, dem Widerling!“
„Also bitte, jetzt komm mal runter! Gewalt ist keine Lösung, auch wenn Trump und seine Kumpane das meinen.“
„Gewalt ist keine Lösung, ja, aber es gibt Ausnahmen. Oder wie willste die verrohten Russen in der Ukraine stoppen? Hä?“
„Ja, schon, da ist Gewalt von Vorneherein programmiert.“
„Die armen jungen Russen, sie tun mir schon leid! Erst werden sie in der Armee erbarmungslos geschleift und wie Vieh behandelt, um dann an der Front verheizt zu werden. Kein Wunder, dass Putin die Soldaten ausgehen.“
„Eben! Bei uns hieß es immer, der Ukraine gehen die Soldaten aus, Russland ist so riesig, die haben viel mehr…“
„… arme Schlucker, die mit Geld in die Armee geködert werden. Aber das scheint auch nicht mehr richtig zu funktionieren. Oder warum mussten über zehntausend Nordkoreaner als Kanonenfutter geholt werden?“

„Aber Trump hilft ihm aus der Patsche, jetzt mit Lockerung der Sanktionen gegen russische Ölausfuhren. Und warum? Aus Angst vor den Wählern in den USA, die sich über steigende Benzinpreise beschweren.“

„Trump hat so Manches mit seinem Idol Putin gemeinsam, z.B. einen Krieg anfangen ohne Plan.“

„Ohne Plan stehen noch ein paar Andere da, z.B. unsere Bundesregierung. Besessen von der Rückabwicklung grüner Politik, rufen sie die Rückkehr zu mehr Verbrennung von Öl und Gas aus, und Rumms, gibt’s auf dem Weltmarkt einen Preisschock, und Deutschland steht dumm da, weil es sich gerade wieder abhängiger macht von fossilen Energien. Wie bescheuert ist das denn!“

„Eben! Wir sind nicht die USA, die auch Öl und Gas exportieren. Wir sollten mehr erneuerbare Energien nutzen und unser Geld vor allem in die Bildung unserer Kinder und Heranwachsenden stecken. Das würde unserem Land nutzen…“

„… und unsere Zukunftsaussichten verbessern, genau! Aber da passiert zu wenig, ich würde sagen: wider besseres Wissen. Lieber schielt man zurück in eine überholte Vergangenheit, allen voran die AfD. Ach hör mir auf, mir wird gleich schlecht. Da hilft nur eins: Jupp, noch ne Runde von diesem goldenen Getränk!“ —

Welt der Kriege

Hurra! Es gibt Menschen, die Krieg bejubeln und glauben, dieses großartige Spektakel sei eine Manifestation von Macht und Kraft, Männlichkeit und Herrlichkeit.

Und es gibt Menschen, die Krieg als Machtmittel grundsätzlich geächtet sehen wollen — und auf keinen Fall mitwirken wollen an Zerstörung, Mord, Vergewaltigung, Verstümmelung, Traumatisierung, an all dem Leid, das ein Krieg einer großen Zahl von Menschen zufügt.

Trotzdem Hurra? Das kann nicht euer Ernst sein, ihr Waffenfetischisten, Männlichkeitsfantasten, Empathielosen, gewaltaffinen Haudraufs! Spätestens wenn in einer gewalttätigen Auseinandersetzung ihr selbst und eure nächsten Angehörigen zu Schaden kommen, dann — schreit ihr auch noch nach Rache und Vergeltung, nach noch mehr Gewalt und Grausamkeit. Unbelehrbar haltet ihr nach wie vor Gewalt für die erste Wahl, wenn es Probleme gibt. Warum? Weil ihr gar nicht in der Lage seid, etwas Anderes zu denken, geschweige denn zu versuchen.

Warum ist das so? Weil ihr nie gelernt habt, mit Menschen anders als mit Imponiergehabe, Drohungen und Einsatz von Gewalt zu kommunizieren. Weil ihr nicht fähig seid, ein Gespräch auf Augenhöhe und eine friedliche Verständigung trotz unterschiedlicher Sichtweisen herbeizuführen. Weil ihr für Schwäche haltet, was ohne toxisches Männlichkeitsgehabe auskommt — auch wenn dabei gute Verhandlungsergebnisse erreicht werden.

Nicht nur in der gegenwärtigen Weltlage zeigt sich, wie schnell Konflikte eskalieren können und die Haudraufs das Geschehen anheizen. Im Nahen und Mittleren Osten konnte man das schon seit Jahrzehnten beobachten. Gewaltbereite Regime gibt es aber auch in anderen Regionen. Sie können immer Unterstützer mobilisieren, die Gewalttätigkeit und Männlichkeit in eins setzen und das herrlich finden.

Diese toxische Mentalität wird in unserem Lande von einigen rechtslastigen Politikern verbreitet (z.B. von Herrn Krah, der für die AfD im Bundestag sitzt), um nicht nur mit dem Finger auf fremde Länder zu zeigen. Oder was denkt Ihr, sollen wir uns vorstellen, wenn führende AfD-PolitikerInnen laut von „Remigration“ faseln? Wir haben gesehen, was der gegenwärtige US-Präsident mit Gewalt anstellt, um sein Wahlkampfversprechen umzusetzen. Er und seine Spießgesellen unterstützen die AfD und andere rechtslastige Parteien und Gruppierungen in Europa. Ebenso wie Putin will auch Trump ein schwaches, am liebsten ein von rechtsgerichteten Nationalisten beherrschtes (und zugleich zersplittertes) Europa.

Nach Putin hat nun auch Trump die militärische Drohung und Gewaltanwendung gegen andere Länder als Mittel entdeckt, das schnelle Erfolge verspricht (so glaubt Trump offenbar). Kritik aus demokratisch regierten Ländern passt ihm gar nicht, da schlägt er mit Zöllen zurück (seinem bisherigen Lieblingsspielzeug). Die Risiken und Nebenwirkungen seiner Zollwut erkennt er — wenn überhaupt — erst später. Ebenso läuft er zur Hochform als oberster Kriegsherr auf und bedenkt nicht, dass Krieg nicht immer nach Plan läuft (frag deinen Buddy Putin!) und man besser einen Plan B in der Schublade vorhält.

Putin mit seiner Kraftmeier-Show (wir erinnern uns an Fotos von einem muskulösen Reiter und Sportler) ist das Musterbeispiel für die oben angeführte toxische Männlichkeit. Da ist nicht nur Gewaltbereitschaft, da ist kalte Entschlossenheit, ohne Skrupel selbst die perfidesten Mittel einzusetzen, um Macht zu sichern und Widerstand auszuschalten — im Inneren des Landes wie nach außen. Und Krieg ist für Putin etwas Normales, ebenso Folter und Mord.

Wollen wir so etwas als „normal“ hinnehmen? Wollen wir Verständigung und friedlichen Austausch zwischen Völkern wie zwischen Gruppen mit unterschiedlichen Meinungen als schwach und „weiblich“ geringschätzen?

Morgen, am 8. März, ist Weltfrauentag. Da sollten etliche Männer mal ihren angeblich überlegenen Verstand einschalten und ihr Verständnis von „Männlichkeit“ einer Überprüfung unterziehen. Dabei könnten sie überlegen, warum sie ihre angeblich „weiblichen“ Gefühle eher unterdrücken — aus Angst, nicht als „männlich“ zu gelten. Männer haben Angst? Kann doch gar nicht sein — oder doch? Also, überlegt mal ernsthaft und in Ruhe. Vielleicht tut Ihr Euch selbst damit einen großen Gefallen: wenn der Macho-Krampf sich löst und ihr zu Euch selbst findet.

W. R.

Nachtrag am 15.03.2026: Über Person und Charakter des Chaoten Donald Trump muss man an dieser Stelle nicht erneut Worte verlieren. Zu erwähnen ist vielleicht, dass es eine Tragödie für die Welt ist, dass diese und andere unheilbringende Figuren nicht gestoppt oder im äußersten Fall aus dem Verkehr gezogen werden. Der derzeit laufende Krieg gegen den Iran ist nur ein weiteres Beispiel dafür.

Um dem letzten Zeitgenossen die Illusion zu nehmen, dass Trump und seine Bande irgendetwas für Demokratie und Menschenrechte übrig hätten, verweise ich auf diesen Kommentar: Donald Trump und sein Größenwahn: Seine historischen Vorbilder – Kolumne – DER SPIEGEL

Das ist gewiss peinlich für die AfD, die sich so beflissen an Trump und Musk herangewanzt hatte. Deren Vertreter wissen derzeit gar nicht, wie sie sich verhalten sollen, sie winden sich zwischen Distanzierung und Herunterspielen.

Dabei schlittert die Welt offensichtlich auf eine schiefe Bahn zurück in vergangene Jahrhunderte, als Machtpolitik selbstverständlich Krieg mit einschloss und Gewalt als normal galt* — so wie Putin das schon länger in seinem Machtbereich praktiziert und andere Machthaber seinem Beispiel gern folgen möchten. Auch Putin orientiert sich an historischen Vorbildern, nämlich russischen Gewaltherrschern von Zar Iwan dem Schrecklichen bis zu Stalin.

* Ein deutliches Zeichen gab Präsident Trump, als er vor einiger Zeit das Verteidigungsministerium in Kriegsministerium und den zuständigen Minister in Kriegsminister umtaufte. Das hatte die Welt nach 1945 nicht mehr gehört. Jedem Menschen muss damit klar sein: Die Zeichen stehen auf Gewalt und Krieg. —

Spezialoperationen

DER Spiritus Rector der Freien Universität Frechen grüßt alle BesucherInnen im neuen Jahr und wünscht ein gutes 2026!


Wer weiß, was alles passieren mag. Schon mehrfach habe ich darauf hingewiesen, dass W. Putins „standing“ im Krieg gegen die Ukraine hierzulande oft überschätzt wird. Man sollte dazu das größere Bild nicht aus den Augen verlieren.
Zum größeren Bild gehört aktuell die jüngste „militärische Spezialoperation“ von Donald Trump. Wer vom Schlag gegen Venezuela und der Entführung von Maduro und seiner Frau überrascht ist, verkennt Trumps Bewunderung für Putin: Trump möchte so wie Putin machen, was er will, ohne irgendwelche Hemmungen oder Rücksichten.
Aber mit dieser „Spezialoperation“, die Trump gern als Strafverfolgungs-Aktion und nicht als militärische Intervention gesehen haben möchte (offiziell: das US-Kriegsministerium leistete dem Justizministerium Hilfe, das Anklage gegen Maduro erhob), bringt Trump seinen Buddy Putin in die Bredouille.
Putin verliert ein weiteres Mal einen Bündnispartner, dem er nicht beistehen kann. Und warum? Weil seine Kräfte durch den Krieg gegen die Ukraine gebunden sind. Das zeigte sich schon bei der Eroberung der Region Berg-Karabach durch Truppen Aserbaidschans (Sept. 2023), als Russland seinem Verbündeten Armenien nicht beistand. Das zeigte sich beim Fall des Assad-Regimes in Syrien (8.12.2024), dem Putin früher bei der Bombardierung von Wohnvierteln und Krankenhäusern in Rebellengebieten unter die Arme gegriffen hatte.

Und jetzt Maduro in Venezuela! Putin hat, auch wenn er das Gegenteil behauptet, alle Hände voll zu tun, um nicht nur im Ukraine-Krieg nicht ins Hintertreffen zu geraten, sondern auch seine Herrschaft in Russland stabil zu halten.
Bisher hat Trump ihm immer wieder geholfen, als starker Mann dazustehen. Nun könnten aber einige Leute, mehr als zuvor, fragen, ob der Kaiser wirklich so tolle Kleider trägt, und ob seine Erfolgsstory in der Ukraine nicht in Wahrheit schon viel zu lange viel zu hohe Verluste einfährt — an der Front wie auch in der Wirtschaft.
Putin kann es sich nicht leisten, jetzt Trump zu verärgern, das würde seine Karten im Spiel mit Trump verschlechtern, das er bisher so gut beherrscht hat. Denn in Wahrheit hängt Putin inzwischen ein großes Stück weit vom Wohlwollen Trumps ab. Er könnte seine Karten überreizen, wenn er wie bisher auf Maximalforderungen beharrt, auf de-facto-Kapitulation der Ukraine. Für ihn könnte es sehr schnell darum gehen, das Gesicht nicht zu verlieren, vor allem innenpolitisch.
Trump versucht übrigens auch, die Unzufriedenheit mit steigenden Lebenshaltungskosten in den USA durch Flucht in außenpolitische Aktionen zu dämpfen. Dabei trägt er selbst zur Misere bei, sowohl durch seine Zollwut als auch durch die Verfolgung illegaler Einwanderer, die nun als Arbeitskräfte der Landwirtschaft fehlen.
Manchmal fragt sich der Beobachter, ob Trump überhaupt in der Lage ist, wirtschaftliche Folgen seiner Dekrete im Voraus zu überdenken. Vermutlich fehlen ihm dazu die richtigen Berater. Denn wer ihm widerspricht, auf den hört er nicht, der wird gefeuert.
Aber das wissen Sie, die informierteren BesucherInnen dieses Blogs, ohnehin schon. Also, genug davon. Ich will nicht wiederholen, was schon vor Wochen und Monaten hier zu lesen war.

Was viele BeobachterInnen vom neuen Jahr erhoffen: Europa möge sich endlich — endlich!! — zusammenraufen und, statt quälende Uneinigkeit zu demonstrieren, zu gemeinsamer Handlungsfähigkeit finden und damit seine Stärke realisieren. Du meine Güte, wenn 27 Staaten gemeinsam einstimmig abstimmen müssen, ein paar wenige Politiker aber ihr nationalistisches Süppchen kochen und die Einigkeit torpedieren, dann werft sie raus, stellt sie kalt, sperrt ihnen die EU-Subventionen, da wird doch was gehen, nicht nur bei Orban aus Ungarn. Das wäre doch auch im eigenen, wohlverstandenen Interesse ihrer Länder! Denn in der heutigen Weltlage gilt umso mehr: „Allein — machen sie dich ein!“ (mehr > …und Europa? vom 30.04.2025)

S.R.

——–

Nachtrag am 05.01.2026: Großes Ablenkungsgepolter kam vom Oberschmutzwerfer der russischen Propaganda, Medwedew: Er überlegte laut, man könne doch eine Entführung von Kanzler Merz ins Auge fassen. Tja, wenn das schon ein akzeptiertes Mittel der Politik werden sollte, dann schau mal lieber auf deinen Chef Putin: Sicher, dass er es im Zweifel in den Safe Room schaffen würde?

Ergänzung am 07.01.2026: Putin hat’s offenbar nötig. Um Zweifel am Sinn seines Ukraine-Krieges möglichst zu übertünchen, zieht er die religiöse Karte und nennt seine Soldaten „heilige Krieger“. Unterstützung bekommt er dabei schon seit Jahren vom Metropoliten Moskaus, der auch aus kirchenpolitischem Eigeninteresse Putins Krieg gegen die Ukraine unterstützt — ein klassisches Bündnis von Kirche und staatlicher Macht als Win-Win-Situation, wie wir es seit Jahrhunderten kennen.

Nachtrag am 08.01.2026: Trump wäre nicht Trump, wenn er seine Maduro-Show nicht nur auskosten, sondern — ehe Kritik zu laut wird — gleich noch einen draufsetzen würde. Weitere Staaten und Gebiete kommen ins Fadenkreuz seiner imperialistischen Überlegungen, er kündigt eine enorme Erhöhung des US-Rüstungsetats an (der eh schon Weltspitze ist), finanziert durch Strafzölle, alles zu dem Zweck, der Welt den Stinkefinger zu zeigen: Uns bzw. mich kann keiner aufhalten, wagt es gar nicht erst!

Und um auch im Inneren Klarheit zu schaffen, verurteilt er den tödlichen Kopfschuss eines ICE-Mannes auf eine Autofahrerin nicht etwa, sondern entschuldigt das als Notwehr gegen eine „Terroristin“! Alles klar? Vergesst den Rechtsstaat ebenso wie internationales Recht, hier bestimme ich! Das ist Trumps Botschaft.

Notabene am Rande: Trumps Vize Vance schwadroniert ohne Sachkenntis über Grönland. Dänemark habe die Grönländer in der Vergangenheit zeitweise schlecht behandelt, und er vergisst dabei den Schulterblick zurück auf die US-Vergangenheit, in der indigene Einwohner der USA (früher „Indianer“ genannt) ziemlich schlecht behandelt wurden (Die Fakten sind bekannt, das braucht hier nicht näher erläutert zu werden).

——-

Profitgier an der Macht

ALS der Theken-Stammtisch diesmal ins Gespräch kam, schnitt Einer ein ganz anderes Thema an:
„Ich habe ja schon mal mit ner Kreuzfahrt geliebäugelt, meine Frau wollte mich vor unserem letzten Urlaub davon überzeugen. Aber nachdem ich einige Berichte im Fernsehen gesehen und Einiges gehört habe, ist das für mich keine Option mehr. Und ich konnte inzwischen meine Frau überzeugen, dass wir so nicht Urlaub machen wollen.“
„Ja, aber wieso denn nicht? Luxus, gutes Essen, Meerblick, und Bespaßung und Sportmöglichkeiten, und ab und zu mal ein Landgang mit Besichtigung und Shoppen…“
„Wer’s mag, soll’s machen. Ich nicht, mir gefällt diese Art Urlaub nicht.“
„Und warum, wenn ich fragen darf?“
„Weil ich die ganze Zeit nur unter Urlaubern bin. Weil ich genauso gut in ein Wellness-Hotel im Lande fahren kann. Weil ich beim Landgang nicht viel vom Land sehe, die Einheimischen nur kurz beim Shoppen kontaktiere, den Anwohnern in der sehenswürdigen Altstadt nur auf die Nerven gehe (die froh sind, wenn sich unsere Massen wieder verziehen) und vom übrigen Land bestenfalls ein, zwei Postkarten-Ansichten mitnehme.“
„Ja, aber Du kannst sagen, ich war da, in dieser und jener berühmten Stadt.“
„Also wirklich, diesen Selfie-Tourismus finde ich sowieso abartig. Da sammeln die Leute nur Postkarten, auf denen sie selbst mit drauf sind und grinsen, und die senden sie dann zur Selbstdarstellung an ihre Blase. Die Empfänger sollen ultra-beeindruckt und neidisch sein. Was für ein eitler Stuss!“
„Du kannst die Selfies ja weglassen. Aber so eine Kreuzfahrt…“
„… macht für mich keinen Sinn. Ich will mich im Urlaub erholen, mal meine Ruhe haben, mal was Interessantes ansehen, von Leuten Geschichten über das Land hören, und das nicht nur von Fremdenführern. Wenn ich die Landessprache verstehe oder mich mit Einheimischen auf Englisch verständigen kann, wenn ich mit denen zusammensitzen und was trinken kann, dann bringt mir das erheblich mehr als so ein Landgang vom Schiff aus. Es sind nicht nur die Anblicke von historischen Gebäuden und von Landschaften, es sind auch die Menschen, die dazugehören, wenn ich wirkliche Eindrücke von einem Land auf mich wirken lassen und mitnehmen will.“
„Ja, wenn Du das haben willst… Klar, dann lernst Du mehr von der Welt kennen.“
„Gut, ich verstehe ja, dass das manchen Menschen zu anstrengend ist. Die sind zufrieden, wenn sie auf ihrem Campingplatz in jedem Urlaub dieselben Leute antreffen. Und die sind auch zufrieden, wenn sie auf dem Kreuzfahrtschiff auf Nachbarn aus ihrer Straße treffen und sich eher wie zu Hause fühlen. Meinetwegen, sollen sie haben, wie sie’s mögen. Ich sag ja nur: nix für mich.“
„Gut, jedem das Seine.“
„Ja, das ist gut, vielleicht profitiere ich sogar davon, wenn Andere in großer Zahl den Kreuzfahrt-Urlaub buchen. Die sind dann schon mal nicht da, wo ich im Urlaub vorbeischaue, da ist es dann nicht so überlaufen.“
„ja, überlaufen — das ist ein Stichwort! Wenn ich im Fernsehen die von Touristen überlaufene Altstadt von Dubrovnik sehe, die fast alle mit Kreuzfahrtschiffen kommen und für ein paar Stunden da ausschwärmen, dann wird mir auch anders. Dann denke ich schon: Da möchte ich jetzt bestimmt nicht sein.“
„Dasselbe in Venedig. Das wird kaputt-besucht. Die Einheimischen können das kaum noch aushalten, wenn sie keinen Shop für Touristen betreiben. Das Eintrittsgeld von 5 Euro schreckt ja auch niemanden ab.“
„Oder Barcelona. Die schöne Stadt wird hässlich durch Overtourism. Die Anwohner protestieren schon, genauso wie in Palma de Mallorca.“
„Genau, da gibt’s bald keinen bezahlbaren Wohnraum mehr für Einheimische, weil immer mehr an Touristen vermietet wird. Denn daran verdienen die Vermieter mehr.“
„Du brauchst gar nicht so weit gucken, hier in Köln ist das doch auch eingerissen, vor allem in der Altstadt.“
„Genau! Und das Schlimmste sind die Sauf-Touristen, ob in Köln, auf Mallorca oder sonstwo. Die lassen die Sau raus und sind dann wieder weg.“
„Ja, echt, abartig. Sauferei geht nicht zusammen mit Verstand und rücksichtsvollem Benehmen. Aber was willste dagegen machen?“
„Die Menschen kannste nicht ändern, aber man kann z.B. die ungenehmigten Vermietungen an Kurzurlauber mit Kontrollen eindämmen.“
„Sofern man das Personal hat für die Kontrollen!“
Einen Moment nickten Alle am Tresen und schwiegen.
„So wird man der Wohnungsnot nicht Herr. Vielleicht müsste man auch die Gewinnsucht der Kurzvermieter ächten, oder gleich den ganzen Wohnraum in einer Stadt kontrollieren und zentral regulieren…“
„… und gleich den Kapitalismus abschaffen, oder was? Wie willste denn das machen?“
„Ja, ich weiß, das ist jetzt zu hoch gegriffen. Man müsste sich mal umsehen, ob es Städte gibt, die das besser managen als andere. Da könnte man vielleicht was lernen.“
„Jaaa, das wäre was. Aber bei alldem muss auch der politische Wille dasein, wirklich etwas gegen den Missbrauch von Wohnraum zu tun. Sonst wird das nichts.“
„Richtig. Die Profitgier an sich kann man wohl nicht abschaffen.“
„Schon gar nicht, wenn sie in den USA jetzt ganz offiziell an der Macht ist und der Welt die Geschäftsbedingungen diktieren will. Das ist ein seeehr schlechtes Vorbild, und ausgerechnet damit tun sich auch noch die AfD, Putin und andere zusammen. Ich frage mich, wie die AfD sich da noch als ‚patriotisch‘ und ‚volksnah‘ bezeichnen kann.“
„Solange die Obengenannten im Verbund in den „social media“ trommeln und die Leute vom Nachdenken abhalten.“
„Apropos Nachdenken, auch Nachschenken ist gerade angesagt. Jupp, eine Runde — wir müssen uns die Welt schöner trinken!“ —–

aufgezeichnet von W. R.

Zum Thema ein Update am 08.02.2026: Elon Musk, Peter Thiel, Jeff Bezos: Wenn Gier gut ist, sind die Gierigsten die Besten – Kolumne – DER SPIEGEL


P.S. Was Propaganda, social media und verzerrte Wahrnehmung der Realität betrifft, so gibt dieser Beitrag nähere Auskunft: Donald Trump und die »Sicherheitsstrategie«: Die Realität ändert man nicht, indem man gegen sie anlügt – DER SPIEGEL