Archiv der Kategorie: Köln

Köln-Notizen und Sonstiges Köln betreffend

Nur noch Realsatire?

EIGENTLICH wollte ich mal wieder in Ruhe in meiner Stammkneipe ein Schnitzel verspeisen, doch mit der Ruhe war es bald vorbei. Denn am Tresen wurde es in der Stammtisch-Runde laut.
„Menschenskind, begreifst du denn nicht? Der Merz und seine Politikerriege leben auf einem anderen Planeten! Die wissen so wenig vom Alltag der großen Mehrheit, dass sie solchen Unsinn produzieren. Das mit den Attesten am ersten Tag hat auch den Protest der niedergelassenen Ärzte provoziert.“
„Und was die Bär als Bafög-Reform vorgeschlagen hat, war auch realitätsfern.“
Und jetzt kommt der Spahn mit seinem Leihmutter-Kind aus den USA, ja wo simmer denn? Hier macht er sich gegen Leihmutterschaft stark, und dann…“
„… entscheidet er sich mit seinem Partner für eine Vaterschaft, obwohl das für ihn politisch heikel ist. Klar, dass er nun ein Problem als Politiker hat, aber menschlich — ich muss sagen, ich konnte ihn nicht leiden, aber jetzt kriegt er für mich zum ersten Mal menschliche Züge.“
„Ist eine Frage, an der sich die Geister scheiden, das mit der Leihmutterschaft. Einer von der CSU redete vom christlichen Menschenbild, und dass das nicht ginge aus Respekt vor dem Leben. Also, ich habe den Respekt vor dem Leben schon an anderen Stellen vermisst, und zwar vor dem längst geborenen.“
„Genau! Zum Beispiel vor den sogenannten vulnerablen Gruppen, die sehr unter den Hitzeperioden leiden, die wir immer öfter erleben. Da wird Klimapolitik der Wirtschaft zuliebe …“
„… und aus antigrüner Besessenheit…“
„… total ausgeblendet, ja sogar zurückgedreht, und man tut so, als sei das auch der Wille der Bevölkerung. In Umfragen sagen Viele aber etwas Anderes.“
„Und lokal werden hier in Köln gern mal reihenweise alte Bäume gefällt, weil Bauvorhaben wichtiger sein sollen. Ausgerechnet jetzt, wo bei sehr vielen Menschen der Groschen gefallen ist: Der Klimawandel ist keine Theorie, er ist schon da, und es wird schlimmer.“
„Trotzdem wird in Chefetagen und Verwaltungen immer noch getrickst und getäuscht, wenn es um Grün in der Stadt oder um Verkehrspolitik geht. Das Verbrenner-Aus für Neuwagen ab 2035 hat die Union torpediert, sie hat sich gegen ein Tempolimit auf Autobahnen gewehrt…“
„… wobei hier nicht das Ausland zum Vergleich genommen wird, wo es fast überall Tempolimits gibt. Aber wenn es um Atomkraftwerke geht, dann ziehen sie gern das Ausland aus der Tasche, wo angeblich überall die AKWs auf dem Vormarsch sind. Man zieht nur Vergleiche, wenn’s gerade passt.“
„Oder es wird passend gemacht. So werden auch Statistiken benutzt. Da pickt man sich Daten zum Vergleich heraus, um irgendwas zu beweisen, und verschweigt dabei, dass man tatsächlich Äpfel mit Birnen vergleicht.“
„Sarkastisch gesprochen, sage ich dir: Sei froh, dass sie sich wenigstens diese Mühe machen. Denn schlimmer geht immer, siehe Trump. Der lügt schamlos in die Fernsehkameras und auf seinem Kanal, dass sich die Balken biegen. Jetzt versuchen angeblich die Chinesen, Wahlen in den USA zu manipulieren. Seine Niederlage gegen Biden damals war ja angeblich eine gestohlene Wahl.“
„Die Chinesen müssen bei Trump ja für alles Mögliche herhalten.“
„Dabei gibt es deutliche Anzeichen dafür, dass 2016 Putin ihm bei seiner ersten Wahl zum Präsidenten geholfen hat. Später hat Trump alle verfolgt und gestraft, die damals in Sachen russische Einflussnahme ermittelt haben.“
„Ja, rachsüchtig ist er auch, der Lügenbaron und Möchtegern-Kaiser.“
„Er ist einfach unmöglich als Politiker.“
„Da passt er gut mit Infantino zusammen, der ist unmöglich als FIFA-Präsident. Beide haben nur Geldgier im Kopf.“
„Da werden alle Maßstäbe von Moral und Anstand in die Tonne gekloppt. Das ist alles nur noch Realsatire.“
„Genau, wer das vor zwölf Jahren vorausgesagt hätte, wäre nicht mal als Komiker ernst genommen worden.“
„Überlegt euch das mal: So weit sind wir gekommen! Was ist aus dieser Welt geworden, wenn die Großkopferten sich nicht mal mehr Mühe geben, ihre Unmoral zu verbergen…“
„… während ich jetzt mal gegenüber unserem Jupp nicht verbergen will, dass Nachschub in unseren Gläsern äußerst willkommen wäre. Leute, positiv denken! Trotz alledem! Jupp, schaff er frisches Bier herbei! Und dann wollen wir uns die Welt ein bisschen schöner trinken!“


aufgezeichnet von W. R.

On Top zu allem Anderen

UNSERE Wetterberichte melden Temperaturen, wie sie bei uns noch nie im Juni gemessen wurden. Schon länger wird gewarnt, dass unsere Städte beim zunehmenden Klimawandel zu Hitze-Inseln und Brutöfen werden können.

Aber aus unserer Regierung hört man keine Signale, die erkennen ließen, dass man dort die kommenden Probleme im Blick hätte und gegensteuern wollte. Gewiss, seit die beiden Regierungsparteien (mit Unterbrechungen) in Koalitionen die Bundesregierung stellen, wurden so viele Dinge auf die lange Bank geschoben, dass ihnen nun quasi ein Riesenbatzen Probleme auf die Füße gefallen ist.

Ist das vergossene Milch? Ja und Nein: Natürlich muss man nach vorn blicken, aber aus der Vergangenheit lässt sich manche Lehre ziehen. Wir hatten vor ca. einem Jahrzehnt einen Finanzminister, der ständig die Schwarze Null im Bundeshaushalt beschwor und keine neuen Schulden machen wollte. Zeitgleich folgten immer mehr Finanzminister in Bund und Ländern einer vermeintlich genialen Idee: Langfristige Investitionen, die nicht für die nächste Wahl mehr Wählerstimmen bringen, wurden erstmal zurückgestellt, und damit wurde z.B. die Infrastruktur nicht im eigentlich nötigen Maße gewartet, repariert oder erneuert.

Das hieß beispielsweise für etliche Brücken: Trotz zunehmender Belastung durch immer mehr Schwerlastverkehr wurde erst einmal auf Verschleiß gefahren in der Hoffnung, dass die Brücken noch ein paar Jahre durchhalten würden — obwohl sie für solche Belastungen nicht gebaut waren (Denn vor 50-60 Jahren rollte weniger Warenverkehr in weniger schweren Lkw über die Straßen). Parallel dazu wurde die Schiene gegenüber der Straße benachteiligt, sodass wir heute großen Sanierungsbedarf im Schienenverkehr haben. Das wäre, verkürzt gesagt, die Misere, die wir aus der Vergangenheit mitschleppen. Vom Bildungsbereich wollen wir gar nicht erst reden.

Nun ächzen wir aktuell unter ungewohnt hohen Temperaturen, und wir erleben dabei nichts Überraschendes, sofern wir zugehört haben, als Wissenschaftler schon vor langer Zeit warnten. Aber zuviele Nebelkerzen wurden von vielen PolitikerInnen weltweit gezündet, die uns einreden wollten, das Klima ändere sich nicht entscheidend, und alle Zeichen des Wandels seien doch nur normale Wetterausschläge, die es immer schon gegeben habe. So redeten alle, die am Weiter-so-wie-bisher gut verdienten, zumindest aber die Augen vor Veränderungen verschließen und keine Gefahr sehen wollten.

Wir erinnern uns noch, dass ein Donald Trump den Klimawandel als „eine Erfindung der Chinesen“ abtat und statt der Sorge um die Zukunft der Menschheit lieber die Parole „America First“ ausrief. (Übrigens war das nicht originell, denn so hatte auch einige Jahre zuvor schon George W. Bush jr. getönt.) Bush jr. war ein entschiedener Vertreter der fossilen Energieträger (Kohle, Gas und vor allem Öl), und Trump folgte in seinen Fußstapfen.

Zu den Nebelkerzen gehört auch der Versuch, uns die Atomenergie wieder schmackhaft zu machen. Auch da wird die Sorge um die Zukunft (Strahlengefahr, Endlager für Atommüll) beiseite gewischt, angeblich reichen Erneuerbare Energien (Sonne, Wind, Wasser) nicht, um einen stetig steigenden Energiebedarf zu decken. Atomenergie ist außerdem die teuerste Form der Energiegewinnung. Da hilft auch die harmloser klingende Bezeichnung „Kernenergie“ nicht.

Der Kern der Misere ist: Trotz vollmundiger Zusagen und Versprechen im Pariser Klima-Abkommen haben viele Staaten ihre Klimaziele nicht erreicht. Das gemeinsame Ziel war: Die globale Erwärmung darf die Grenze von 1.5 Grad Celsius nicht überschreiten. Dann hätten wir die Chance, die weltweit drohenden Folgen zu vermeiden bzw. zu verlangsamen.

Doch seit einiger Zeit hören wir: Das 1,5-Grad-Ziel ist nicht zu halten, die globale Erwärmung überschreitet diese Grenze. Und dabei ist Europa fatalerweise auch noch der Kontinent, der sich stärker erwärmt als andere!

Statt die weltweite, übernationale Zusammenarbeit zu stärken und im Dienste der gesamten Menschheit an einem Strang zu ziehen, scheren ausgerechnet die USA unter Trump aus und propagieren nationalen Egoismus. Die von Trump vertretene Politik ist zu dumm, um zu verstehen, dass die USA die Klimakrise weder ignorieren noch allein bewältigen kann. Aber das ist nicht neu: Schon lange gab es in den USA Stimmen, die die Vereinten Nationen (UN) als nutzlos und für die USA schädlich ablehnten. Die Trump-Regierung entzieht Organisationen Gelder, die Hilfsprojekte in armen Ländern betreiben oder unterstützen, die den Hunger in Krisengebieten bekämpfen, etc.

Wer moralisieren will, sieht Trumps jüngste Blamage im Krieg gegen den Iran als eine Strafe für überheblichen Egoismus. Aber es gibt wenig Anlass zur Schadenfreude, da wir alle in Mitleidenschaft gezogen werden. Was da an Geld verpulvert wurde und wird, hätte anderswo sinnvoll eingesetzt werden können. (Wer möchte, kann so auch rückblickend den Irak-Krieg von Bush jr. von 2003 bewerten.)

Apropos Dummheit: Als vor wenigen Jahren ein deutscher Wetter-Moderator ein paar Mal im Wetterbericht auf Auswirkungen des Klimawandels verwies, erhielt er wüste Beschimpfungen und sogar anonyme Morddrohungen. Da muss man sich schon Sorgen machen um die Denkfähigkeit einiger ZeitgenossInnen und ihren moralischen Kompass. Auch da hat ein gewisser D. Trump Grenzen von Moral und Anstand eingerissen und ein schlechtes Vorbild gesetzt.

Übrigens: Wissenschaftlich erwiesene Tatsachen leugnen und Lügen verbreiten ist zwar ein Markenzeichen von Trump geworden, aber auch da hat Bush jr. schon Vorarbeit geleistet, indem er Fakten verdrehte (um den Klimawandel zu leugnen) und Falschbehauptungen in die Welt setzte (um seinen Krieg gegen den Irak zu begründen).

Es sieht also danach aus, dass sowohl Präsident Bush jr. als auch Trump in der Linie einer Politik stehen, die wesentlich von Öl-Milliardären vorgegeben und finanziert wurde und im „Project 2025“ der Heritage Foundation für Trump ausformuliert wurde.

Um zum vorläufigen Schluss zu kommen: Wir müssen offenbar nicht nur noch mehr Hitzetage ertragen, sondern auch die fast täglichen Ausfälle und Show-Einlagen des gegenwärtigen US-Präsidenten — on top zu all den anderen Problemen.

W. R.

Mehr zum 1,5-Grad-Ziel: Das 1,5-Grad-Ziel nach dem Übereinkommen von Paris | Umweltbundesamt

Konkret in Köln: das Thema Hitze ist auch hier relevant, siehe den Blog-Beitrag Köln-Notizen Sept. 2025

Profitgier an der Macht

ALS der Theken-Stammtisch diesmal ins Gespräch kam, schnitt Einer ein ganz anderes Thema an:
„Ich habe ja schon mal mit ner Kreuzfahrt geliebäugelt, meine Frau wollte mich vor unserem letzten Urlaub davon überzeugen. Aber nachdem ich einige Berichte im Fernsehen gesehen und Einiges gehört habe, ist das für mich keine Option mehr. Und ich konnte inzwischen meine Frau überzeugen, dass wir so nicht Urlaub machen wollen.“
„Ja, aber wieso denn nicht? Luxus, gutes Essen, Meerblick, und Bespaßung und Sportmöglichkeiten, und ab und zu mal ein Landgang mit Besichtigung und Shoppen…“
„Wer’s mag, soll’s machen. Ich nicht, mir gefällt diese Art Urlaub nicht.“
„Und warum, wenn ich fragen darf?“
„Weil ich die ganze Zeit nur unter Urlaubern bin. Weil ich genauso gut in ein Wellness-Hotel im Lande fahren kann. Weil ich beim Landgang nicht viel vom Land sehe, die Einheimischen nur kurz beim Shoppen kontaktiere, den Anwohnern in der sehenswürdigen Altstadt nur auf die Nerven gehe (die froh sind, wenn sich unsere Massen wieder verziehen) und vom übrigen Land bestenfalls ein, zwei Postkarten-Ansichten mitnehme.“
„Ja, aber Du kannst sagen, ich war da, in dieser und jener berühmten Stadt.“
„Also wirklich, diesen Selfie-Tourismus finde ich sowieso abartig. Da sammeln die Leute nur Postkarten, auf denen sie selbst mit drauf sind und grinsen, und die senden sie dann zur Selbstdarstellung an ihre Blase. Die Empfänger sollen ultra-beeindruckt und neidisch sein. Was für ein eitler Stuss!“
„Du kannst die Selfies ja weglassen. Aber so eine Kreuzfahrt…“
„… macht für mich keinen Sinn. Ich will mich im Urlaub erholen, mal meine Ruhe haben, mal was Interessantes ansehen, von Leuten Geschichten über das Land hören, und das nicht nur von Fremdenführern. Wenn ich die Landessprache verstehe oder mich mit Einheimischen auf Englisch verständigen kann, wenn ich mit denen zusammensitzen und was trinken kann, dann bringt mir das erheblich mehr als so ein Landgang vom Schiff aus. Es sind nicht nur die Anblicke von historischen Gebäuden und von Landschaften, es sind auch die Menschen, die dazugehören, wenn ich wirkliche Eindrücke von einem Land auf mich wirken lassen und mitnehmen will.“
„Ja, wenn Du das haben willst… Klar, dann lernst Du mehr von der Welt kennen.“
„Gut, ich verstehe ja, dass das manchen Menschen zu anstrengend ist. Die sind zufrieden, wenn sie auf ihrem Campingplatz in jedem Urlaub dieselben Leute antreffen. Und die sind auch zufrieden, wenn sie auf dem Kreuzfahrtschiff auf Nachbarn aus ihrer Straße treffen und sich eher wie zu Hause fühlen. Meinetwegen, sollen sie haben, wie sie’s mögen. Ich sag ja nur: nix für mich.“
„Gut, jedem das Seine.“
„Ja, das ist gut, vielleicht profitiere ich sogar davon, wenn Andere in großer Zahl den Kreuzfahrt-Urlaub buchen. Die sind dann schon mal nicht da, wo ich im Urlaub vorbeischaue, da ist es dann nicht so überlaufen.“
„ja, überlaufen — das ist ein Stichwort! Wenn ich im Fernsehen die von Touristen überlaufene Altstadt von Dubrovnik sehe, die fast alle mit Kreuzfahrtschiffen kommen und für ein paar Stunden da ausschwärmen, dann wird mir auch anders. Dann denke ich schon: Da möchte ich jetzt bestimmt nicht sein.“
„Dasselbe in Venedig. Das wird kaputt-besucht. Die Einheimischen können das kaum noch aushalten, wenn sie keinen Shop für Touristen betreiben. Das Eintrittsgeld von 5 Euro schreckt ja auch niemanden ab.“
„Oder Barcelona. Die schöne Stadt wird hässlich durch Overtourism. Die Anwohner protestieren schon, genauso wie in Palma de Mallorca.“
„Genau, da gibt’s bald keinen bezahlbaren Wohnraum mehr für Einheimische, weil immer mehr an Touristen vermietet wird. Denn daran verdienen die Vermieter mehr.“
„Du brauchst gar nicht so weit gucken, hier in Köln ist das doch auch eingerissen, vor allem in der Altstadt.“
„Genau! Und das Schlimmste sind die Sauf-Touristen, ob in Köln, auf Mallorca oder sonstwo. Die lassen die Sau raus und sind dann wieder weg.“
„Ja, echt, abartig. Sauferei geht nicht zusammen mit Verstand und rücksichtsvollem Benehmen. Aber was willste dagegen machen?“
„Die Menschen kannste nicht ändern, aber man kann z.B. die ungenehmigten Vermietungen an Kurzurlauber mit Kontrollen eindämmen.“
„Sofern man das Personal hat für die Kontrollen!“
Einen Moment nickten Alle am Tresen und schwiegen.
„So wird man der Wohnungsnot nicht Herr. Vielleicht müsste man auch die Gewinnsucht der Kurzvermieter ächten, oder gleich den ganzen Wohnraum in einer Stadt kontrollieren und zentral regulieren…“
„… und gleich den Kapitalismus abschaffen, oder was? Wie willste denn das machen?“
„Ja, ich weiß, das ist jetzt zu hoch gegriffen. Man müsste sich mal umsehen, ob es Städte gibt, die das besser managen als andere. Da könnte man vielleicht was lernen.“
„Jaaa, das wäre was. Aber bei alldem muss auch der politische Wille dasein, wirklich etwas gegen den Missbrauch von Wohnraum zu tun. Sonst wird das nichts.“
„Richtig. Die Profitgier an sich kann man wohl nicht abschaffen.“
„Schon gar nicht, wenn sie in den USA jetzt ganz offiziell an der Macht ist und der Welt die Geschäftsbedingungen diktieren will. Das ist ein seeehr schlechtes Vorbild, und ausgerechnet damit tun sich auch noch die AfD, Putin und andere zusammen. Ich frage mich, wie die AfD sich da noch als ‚patriotisch‘ und ‚volksnah‘ bezeichnen kann.“
„Solange die Obengenannten im Verbund in den „social media“ trommeln und die Leute vom Nachdenken abhalten.“
„Apropos Nachdenken, auch Nachschenken ist gerade angesagt. Jupp, eine Runde — wir müssen uns die Welt schöner trinken!“ —–

aufgezeichnet von W. R.

Zum Thema ein Update am 08.02.2026: Elon Musk, Peter Thiel, Jeff Bezos: Wenn Gier gut ist, sind die Gierigsten die Besten – Kolumne – DER SPIEGEL


P.S. Was Propaganda, social media und verzerrte Wahrnehmung der Realität betrifft, so gibt dieser Beitrag nähere Auskunft: Donald Trump und die »Sicherheitsstrategie«: Die Realität ändert man nicht, indem man gegen sie anlügt – DER SPIEGEL

Köln-Notizen Sept. 2025

ALSO sprach der größte Prophet ever: „Der Klimawandel ist der größte Betrug aller Zeiten.“ Da dies aber konträr zum heutigen Stand der Wissenschaft steht, misstraue ich den Behauptungen des großen Lügenbarons Trump auch in diesem Punkt und halte mich an vielfach belegte und von Allen beobachtbare Vorgänge und Fakten. Ich verweise nur auf Beispiele wie Ahr-Hochwasser und andere, auf vermehrte Waldbrände, auf sich aufheizende Städte und, nicht zuletzt, auf Probleme mit der Weinernte durch Klimaveränderungen.

Auch in Köln macht man sich Sorgen wegen länger andauernder Hitzeperioden im Sommer, man will mehr Grün in die Stadt und ihre Umgebung bringen, versiegelte Flächen entsiegeln (Stichwort: Schwammstadt), u.a.m.

In Köln haben die Grünen in den letzten Wahlen gut abgeschnitten, weil sie als einzige Partei den Klimawandel ernst genug nehmen, weil sie entschieden dafür eintreten, viel dafür zu tun, dass die weitere Erderwärmung mit ihren katastrophalen Folgen gebremst wird. Das bedeutet für Köln auch, keine Flächen mehr zu versiegeln und zuzubauen, vor allem nicht die für das Stadtklima notwendigen Lüftungsschneisen zu blockieren. Es geht darum, die schon jetzt nicht mehr aufzuhaltenden Folgen des Klimawandels für die Gesundheit der Stadtbewohner möglichst erträglich zu machen. Und, liebe MitbürgerInnen, man muss auch vorausdenken: Wo soll das noch hinführen?

Vor diesem Hintergrund gibt es Kontroversen um ein Erweiterungsprojekt des Fußballvereins und Bundesligisten 1.FC Köln, der sein Gelände im Kölner Grüngürtel erweitern will, indem er dafür u.a. ein langgestrecktes Wiesengelände vereinnahmen will, die „Gleueler Wiese.“

Im aktuell laufenden Kommunalwahlkampf hat der FC lautstark seinen Anspruch erneuert, dass für ihn nur diese Erweiterung in Frage komme. Er hofft auf mehr Rückhalt in der Stadtpolitik, doch scheint diese Hoffnung trügerisch. Zwar spricht sich vor der Stichwahl zum OB der SPD-Kandidat für den FC aus, aber die Kandidatin der Grünen bleibt zu diesem Projekt auf Distanz.

Gleueler Wiese – Wikipedia Derzeit ist noch ein Gerichtsverfahren anhängig, das eine Bürgerinitiative zur Erhaltung der Gleueler Wiese angestoßen hatte.

Übigens, auch im Hinblick auf Natur ist dieses Wiesenterrain keineswegs belanglos >Gleuer Wiese – Insekten, Pflanzen, Biodiversität

Nachtrag am 25.09.25: >Klimakrise: Experten warnen vor mehr Extremwetter durch globale Erwärmung – DER SPIEGEL — Da haben wir’s! —

Nachtrag am 29.09.25: In Köln holte der SPD-Kandidat bei der Stichwahl zum OB die meisten Stimmen. Das heißt aber nicht, dass er im Stadtrat, wo die Grünen die stärkste Fraktion bilden, die Bebauung der Gleueler Wiese leichter durchsetzen könnte. —

W. R.

Lesen und Vorlesen

Köln-Notizen Nr. 1/2025

WER kulturell interessiert ist und sich derzeit in Köln langweilt, hat noch nicht vom Kölner Kultur-Sommer Kenntnis genommen. Da gibt es eine Vielfalt von Angeboten und Events, man kann sich berieseln und begeistern lassen, und man kann bei einigen Sachen aktiv mitmachen.
Literaturaffine Menschen können sich zu Lesungen begeben, denn Vorlesen ist nicht dasselbe wie still für sich lesen. Da wird mancher Text und manche Textpassage lebendiger, weil eine menschliche Stimme ihn mit mehr oder weniger stark hörbaren Emotionen vorträgt.
Wer es sich lieber zu Hause mit Literatur gemütlich macht, aber dabei nicht allein sein will, der kann einen Text selbst vorlesen — dem Partner oder der Partnerin, Freunden und Besuchern (sofern sie denn gewillt sind, zuzuhören und sich auf diese Art der Textdarbietung einzulassen).
Und wer seinen Kindern Gutes tun und ihre geistigen und kulturellen Kompetenzen fördern will, der lese ihnen unbedingt vor. Viele Eltern tun das am Abend, wenn die Kinder zu Bett gehen und zum Ritual vor dem Einschlafen eine Gute-Nacht-Geschichte gehört. (Mehr dazu auf der Unterseite LITERATUR).
Leider gibt es etliche Haushalte, in denen man kein Buch findet. Schade, denn neugierige Kinder können da nicht in einem Regal stöbern und so mit Literatur und Sachbüchern in Kontakt kommen.
Wer glaubt, das sei doch heutzutage überflüssig, weil man alles auf dem Handy oder Computer finden kann, der überlege einen Moment und frage sich, was er denn in den letzten Wochen so heruntergeladen oder im Netz angeschaut hat. Weiß er noch, was er Wichtiges gefunden und dazugelernt hat? Oder hat er sich nur von Algorithmen verführen und treiben lassen, ist er in der Informationsflut versunken und hat dabei viel Zeit verbraucht, und am Ende mit brummendem Kopf gar keine Informationen mehr aufnehmen können?
Literatur, die ich mir in Ruhe zu Gemüte führe, an der ich Gefallen finde, weil sie mich berührt, erstaunt, ja begeistert — das ist, wie sich inmitten der Flut auf einer Insel ausstrecken und sich selbst etwas Gutes tun.
Es gibt viele gute Bücher, die sich gut dazu eignen. Wer jetzt gerade nicht den passenden Lesestoff findet oder griffbereit hat, wer mal für eine begrenzte oder kurze Zeit etwas zum Lesen oder Vorlesen sucht, der greift eher nicht zum dicken Wälzer im Regal und freut sich, wenn er z.B. hier auf dieser Website etwas geboten kriegt, wo er auswählen kann, was ihm gerade passt und geeignet erscheint. Das kann er, wenn er will, auch herunterladen und ausdrucken, denn auf Papier lesen ist für Viele immer noch die angenehmere Art. Und man braucht dann keinen Strom und kann das Gedruckte überall hin mitnehmen, ohne Wiedergabegerät und Akku-Aufladen.
So, genug der Aufzählung von wohltuenden Wirkungen des Lesens. Ich könnte noch einige Punkte hinzufügen. Aber Sie wollen sicher jetzt gerade nicht noch mehr über das Lesen lesen, sondern sich entspannt etwas Interessantes vornehmen, sei es zum stillen Lesen oder Vorlesen. Darum verweise ich nun auf die Unterseite LITERATUR…. die Bibliothek der F.U.F. Sie müssen nicht sofort einer der Empfehlungen folgen, Sie können einfach in die PDF-Datei „Ein Paket“ schauen und dort etwas auswählen, und schon können Sie mit dem Lesen oder Vorlesen starten. Gute Unterhaltung!

W. R.




Köln-Notizen Nov. ’24

DIE Investoren und die Manhattan-Fans lassen nicht locker: Schon in den frühen Nuller-Jahren gab es einen Anlauf von Investoren und Manhattan-begeisterten Stadtpolitikern, in Köln Wolkenkratzer hochzuziehen und damit das Stadtpanorama (in ihren Augen) zu verweltstädtischen, dabei aber die prägende Wirkung des Kölner Doms mit Hochhaussilhouetten zuzuballern. Das wurde damals verhindert, auch mit der Drohung der Unesco, den Dom von der Liste des Weltkulturerbes zu streichen. Letzteres wäre konsequent gewesen, wenn Köln selbst gezeigt hätte, dass es seine Identität und das deutschlandweit beliebteste Wahrzeichen nicht mehr wertgeschätzt hätte.
Eine Folge des damaligen Streits war, dass Köln 2007 ein Höhenkonzept für die Bebauung beschloss, um künftig aus dem Rahmen fallende Bauplanungen schon im Vorfeld begrenzen zu können.
Dennoch versuchten immer mal wieder Bauherren, Ausnahmen von dieser Begrenzung zu erwirken. Aktuell ist es ein geplantes 50 m hohes Gebäude am „Weltstadthaus“ an der Schildergasse, das die Gemüter erregt. Das Vorhaben stößt auf Protest, auch vom Pfarrer der nahen Antoniterkirche. In einem Bericht des Kölner Stadt-Anzeigers vom 7.11.24 beschwert er sich: Viele Auflagen waren bei Bauten rund um die Antoniterkirche zu beachten, nicht nur wegen des Höhenkonzeptes, auch wegen des benachbarten Weltstadthauses. Und nun dies!
Zudem: Würde diese Höhenausnahme zugelassen, gäbe es wahrscheinlich einen Dammbruch, weitere Bauherren stünden Schlange…
Im Kern geht es den Bauherren bzw. Investoren natürlich um die Rendite pro qm. Daher wollen sie auf teurem Baugrund möglichst viel umbauten Raum schaffen, also in die Höhe bauen. Das ist die finanzielle Seite.
Die andere Seite ist grundsätzlich, ob sich ein Bauvorhaben a) ins Gesamtbild der Umgebung einfügt oder störend heraussticht, und b) ob es sich mit dem Denkmalschutz verträgt und Rücksicht auf die Substanz und optische Wirkung vorhandener Denkmäler nimmt.

Ausführlich habe ich den Streit der Nuller-Jahre schon 2013 im Buch „Die Beatus-Chronik“, S. 120-123, kommentiert und eingeordnet. – – –

Anderes Thema: In den Köln-Notizen#18 vom 12.2.15 war bereits von der Sessionseröffnung des Kölner Karnevals und von Goethes „Qualitätssiegel“ die Rede. Nach den Erfahrungen der vergangenen zwei Jahre im Bereich Zülpicher Straße und auf der „Ausweichfläche“ Uni-Wiesen muss man einräumen: Der Kölner Karneval, von Goethe vor ca. 100 Jahren zum Kulturgut geadelt, könnte seinen Ruf einbüßen und wie vor einem Jahrhundert wieder zum reinen Besäufnis mit Sittenlosigkeit herabsinken, wenn weiterhin Massen von jungen Leuten nach Köln strömen, um sich dort vollaufen und gehen zu lassen. – – –

W. R.


Des Menschen Kampf gegen die Natur – und sich selbst

MIT dem Beitrag „Grundsätzlich“ vom 16./17.08.2022 wäre im Grunde alles Wichtige gesagt — oder davon abzuleiten, denn ich gehe davon aus, dass BesucherInnen dieser Website und dieses Blogs die Bereitschaft mitbringen, selbst zu denken. Also muss ich ihnen nicht jede Schlussfolgerung bis ins Kleinste vorkauen bzw. vordenken.

Nachdem also das Allerwichtigste zum weiteren Vorgehen geklärt ist, kann ich ruhig noch einmal ins Detail gehen und mich einem Unterthema widmen, das sowohl unser Verhältnis zur Natur und Umwelt betrifft als auch unser Selbstbild als Gattung Homo Sapiens.

Der Homo Sapiens der Gegenwart glaubt es meist nicht, doch unterscheidet er sich biologisch nicht nennenswert von den Menschen, die vor 50tausend, ja vor 100tausend Jahren auf diesem Planeten herumliefen. Fakt ist: „Der Mensch“ ändert sich nicht dadurch, dass er in Sneakers läuft, ein Mobiltelefon benutzt oder Fischstäbchen und Fast Food verzehrt. Der Mensch glaubt, sich durch „Zivilisation“ immer weiter von der Natur zu entfernen, bleibt in Wahrheit aber selbst immer Teil der Natur.

Beweis: die Corona-Pandemie. Woher kam dieses Virus, das Covid 19 genannt wurde? Die wahrscheinlichste Annahme ist, dass es irgendwo, vermutlich auf einem Tiermarkt in China, vom Tier auf den Menschen übersprang. Von dort breitete es sich aus, weil Menschen nicht auf dieses Virus vorbereitet waren und daher keine Antikörper zur Abwehr besaßen.

Wenn Leute glauben wollen, Corona gäbe es gar nicht — geschenkt! Es gibt jede Menge anderer Viren, Bakterien, und sonstiger natürlicher Wesen, die uns krank machen können. Gegen manche haben wir Mittel gefunden oder entwickelt, die dagegen wirken und heilen. Andere setzen uns weiter zu, wenn wir das Pech haben, uns so eine Krankheit einzufangen. Will sagen: Der Natur entkommen wir nicht, weil wir selbst auch Natur sind und natürlich funktionieren wie andere Tiere auch.

Wer sich sträubt, Menschen in einem Atemzug mit Tieren zu nennen, ist noch befangen in der hochmütigen Vorstellung, dass der Mensch „Krone der Schöpfung“ sei und daher eher Gottes Ebenbild denn ein Verwandter der Tiere. Diese Einbildung mag religiös geprägt sein, widerspricht aber längst anerkannten wissenschaftlichen Feststellungen.

Der Mensch ist — allen biblischen Behauptungen zum Trotz — ein Säugetier, das erst entstand, als andere Tierarten schon hunderte von Millionen Jahren existierten. Der biblische Schöpfungsbericht schnurrt die Entstehung unseres Planeten und die Evolution des Lebens zu sieben Tagen zusammen. Das ist vom Zeitbegriff her natürlich symbolisch gemeint. Wer hätte denn zur Zeit, als diese biblische Erzählung entstand, eine Vorstellung von den wahren Zeiträumen haben können? Einen realistisch geschilderten Schöpfungsvorgang hätte doch niemand verstanden.

Ich will hier kein Seminar über die Historie biblischer Texte und die Mentalitäts- und Philosophiegeschichte der europäischen Zivilisation eröffnen. Behalten wir aber im Blick, wie abgehoben und unrealistisch wir Menschen uns oft sehen, von der Natur getrennt, in einer eigenen, höheren Sphäre. Unsinn! Nicht nur Krankheiten holen uns auf den Boden der Tatsachen zurück. Auch wenn wir menschliches Verhalten studieren, sehen wir jede Menge Parallelen zum Verhalten von Säugetieren, insbesondere von nahen Artverwandten, die wir Menschenaffen nennen.

Eine Folge dieser abgehobenen Denkweise, die in der Bibel in dem missverständlichen Satz „Macht Euch die Erde untertan“ gipfelt, sehen wir im Umgang der Menschen mit „der Natur“ (= der uns fremd gegenüberstehenden Welt). Menschen wüten geradezu gegen „die Natur“, holzen Wald in Quadratkilometern ab, fischen Meere leer, vermüllen die Ozeane, jagen Tiere bis zur Ausrottung, scheren sich einen Dreck um die zunehmende Verschmutzung des Planeten mit Abgasen, Plastik, nächtlicher Beleuchtung, Atommüll…

Daran ändert sich auch nichts, solange es als clever gilt, sich auf Kosten der Umwelt und wehrloser Menschen zu bereichern. Wenn globale Geldgier vor nichts halt macht und nur die Macht des Geldes respektiert wird, geht die Menschheit ihrem Untergang entgegen. Das ist ganz klar. Ebenso klar: Wenn die Warnungen vor der drohenden Klimakatastrophe zuwenig ernst genommen werden, kann die Menschheit langfristig nicht überleben.

I HR braucht nicht erst nach Brasilien zu schauen, wo ein Präsident namens Jair Bolsonaro den Krieg gegen die Natur für Ausbeutung und Mammon auf die Spitze treibt. Schaut Euch mal in Eurer Nähe um. Da wird es manch Einem und Einer ungemütlich: Viele Mitmenschen haben kein Problem damit, ihre Umgebung zu vermüllen. Sie haben kein Problem damit, die Verantwortung von sich zu schieben und darauf zu warten, dass „irgendwer“, der dafür zuständig sein muss, ihnen ihren Müll von der Liegewiese räumt — damit sie sich da wieder niederlassen und erneut ihren Müll hinterlassen können.

Irre: Das nennen sie dann FREIHEIT und glauben, das habe mit Verantwortung rein gar nichts zu tun. Das ist aber keine Freiheit, sondern Rücksichtslosigkeit auf Kosten Anderer und auf Kosten der Lebewesen, die außer uns Menschen auch in unserer Umwelt existieren. Welche Lebewesen (gemeint sind damit auch Pflanzen) freuen sich denn über Plastikmüll, Zigarettenkippen, Kronkorken, Glasscherben, etc. ? Das sind Fragen, die die Verantwortungsscheuen gar nicht an sich heranlassen. Denn es geht allein um die eigene Bequemlichkeit.

Ich wette, dass viele RaucherInnen gar nicht wissen, was für Schadstoffbomben ihre Kippen sind, die sie unter sich fallen lassen. Und manche kümmert selbst das nicht. Sehe ich das zu negativ? Nee, dafür habe ich schon zuviel menschliches Verhalten (und Fehlverhalten) gesehen. Muss das so sein?

Als wir Kinder waren und mit den Eltern auch mal raus „in die Natur“ wanderten und dort unser mitgebrachtes Essen verzehrten, ließen wir da zum Schluss alles liegen? Nein. Unsere Mutter leitete uns an: Was sich natürlich zersetzt, z.B. Obstschalen, das verschwand in einer Grube, die wir dafür buddelten. Und die nicht verrottbaren Abfälle kamen in eine Tüte, die wir mitnahmen, um sie in den nächsten Abfalleimer oder zu Hause in den Mülleimer zu entsorgen.

Wer jetzt hämisch meint, das sei so ein Öko-Gutmenschen-Gehabe, der nehme zur Kenntnis: Unsere Mutter war einfach nur sehr naturverbunden, sie mochte intakte Natur und wollte den Tieren und Pflanzen nicht schaden. Außerdem wollte sie die Landschaft genießen und sie nicht von Müll verunstaltet sehen. Das war kein „Gehabe“, das war ihr ein Bedürfnis, daher nur logisch und vernünftig. Und daher hatten wir Kinder auch kein Problem damit, diese Haltung unserer Mutter zu übernehmen — und als Erwachsene beizubehalten.

Wenn sich viele Leute anders verhalten und Krieg gegen die Natur immer noch angesagt finden (und sei es auch nur aus Bequemlichkeit), dann muss ich dafür kein Verständnis haben — oder? Schließlich schaden sich diese Rücksichtslosen auch selbst. Jedoch: Mancher denkfaule Plattkopf braucht Nachhilfe, um das zu erkennen. Solche Menschen brauchen Verbote und Kontrollen, die Verstöße ahnden und „Denkzettel“ verteilen. Anders lernen Manche es nie.

Manche leiden auch an einer gelernten Anspruchshaltung: Sie selbst dürfen alles, unverschämt sind immer nur die Anderen. Das sind Leute, die für Umweltschutz sind, aber sich selbst nicht einbeziehen — schon gar nicht, wenn es um eigene Bequemlichkeit geht. Und im Zweifel regen sie sich sogar über freilebende Tiere auf, die in den Parks und Grünanlagen natürliche Ausscheidungen hinterlassen. Ist das schlimmer als die Plastikverpackung, die das Kind fallen lässt, während Mutter oder Vater bewusst weg- und lieber zu den Gänsen schauen, die angeblich den Park verdrecken?*

Ja, da kommt bei Manchen hinzu, dass Erziehung der eigenen Kinder (und Vorbild sein) ihnen zuviel Mühe macht. Lieber zeigt man auf Andere…

W. R.

* Fakt ist: Im Gegensatz etwa zu Zigarettenkippen enthält Gänsekot keine Schadstoffe, und er baut sich zudem bald ab und düngt den Boden. — Zum Thema „Plastik in unserem Alltag“ lesen Sie mehr hier: (1) Plastikmüll: Verraten und verpackt – Meinung – Tagesspiegel

Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist 13g+.jpg

Murks mit Amtsstempel

Gern wird pauschal gesagt und hundertfach wiederholt: Das Vertrauen der Bürger in „die Politik“ schwindet. Dieser Tage gibt es aber Anlässe, die eher das Vertrauen in unsere Behörden schwinden lassen. Aktuell zwei Fälle in Köln:
1. Der Attentäter vom Hauptbahnhof, der am 15.10.18 eine Menge Menschen anzünden wollte und zwei Menschen schweren Schaden zugefügt hat, war offenbar nur deshalb in Deutschland, weil das BAMF vor Jahren geschludert und den Termin verpasst hatte, bis zu dem eine Rückführung nach Tschechien (wo er zuerst Asyl beantragt hatte) möglich gewesen wäre. Sogenanntes Behördenversagen

Schlagzeile 19.10.2018 Kölner Stadt-Anzeiger

gibt es also nicht nur im sattsam bekannten Fall Amri — oder im Fall der NSU-Morde.

2. Ein bestens integrierter, fließend Deutsch sprechender, sein Geld als Chefkoch in einem Kölner Restaurant selbst verdienender Mensch, der vor Jahren als Flüchtling kam, bekommt von der für ihn zuständigen Ausländerbehörde in Siegburg keine Arbeitserlaubnis mehr! Niemand versteht den Sinn dieses Behördenbescheides. Anscheinend wollten da Entscheider nach Vorschrift eine Akte abarbeiten und hatten Angst vor einer Rüge „von oben“, wenn sie ihren Verstand ein wenig mehr einsetzen und ein wenig über den Sinn ihrer Maßnahme nachdenken würden. Jetzt folgt der verdiente Shitstorm für eine total blödsinnige Entscheidung.

Aber ehe ich nun auf die handelnden Amtleute draufhaue, frage ich: Was ist das für ein Murks-Laden bei unseren Behörden, wenn Mitarbeiter nicht nach gesundem Menschenverstand entscheiden dürfen, sondern stur nach Vorschrift vorgehen müssen? Da liegt doch Weiterlesen

Bach-Revival

Wer buddelt denn da? Es ist die Stadt Köln, die im Westen, zwischen Stadtwald und Marsdorf, Natur und Landschaft weiter zu beleben unternimmt: Sie „revitalisiert“ ein Teilstück des Frechener Bachs.
Lange Zeit, d.h. seit Jahrtausenden, floss der Frechener Bach, ähnlich dem Duffesbach in Hürth, von der Ville herunter ins Rheintal der Kölner Bucht. Im Unterschied zum Duffesbach, der in den Rhein mündete, floss der Frechener Bach nur bis zum Gebiet des heutigen Stadtwald und versickerte dort in einem Sumpf, der gegen Ende des 19. Jahrhunderts zu einem Park umgewandelt wurde. Durchlässige Kiesschichten unter dem Sumpf leiteten das zufließende Wasser ins Grundwasser und weiter Richtung Rhein.
Der Bachlauf wurde im späten 19. Jahrhundert ab Stüttgenhof geändert: Statt durch die flache Talsenke wurde er nun durch einen Graben geführt, der sich entlang des neu gebauten Bahnkörpers Richtung Militärring zog.
Damit wurde in diesem Bereich der historische Bachlauf beseitigt. Später wurde das Wasser meist nicht einmal mehr durch den Graben geleitet, sondern in den in Marsdorf quer laufenden Randkanal, der Sümpfungswasser des Braunkohletagebaus abführte.
Ab Marsdorf wird nun der Bach „revitalisiert“, was bedeutet, dass man ihn in ein halbwegs natürliches Fließgewässer zurückverwandeln will. Dazu wird das Bachbett neu gestaltet und in besagtem Abschnitt hinter dem Stüttgenhof ganz neu gegraben. Die Versickerung soll dann in einem Kiesbett vor dem Militärring stattfinden.
Im neu belebten Frechener Bach soll eine Flora und Fauna angesiedelt werden, die einem natürlichen Bachlauf entspricht. Man darf gespannt sein, wie sich das Ganze in den kommenden Jahren entwickelt.
Aus der Sicht des Historikers wäre anzumerken, dass der neu gegrabene Bachverlauf nicht ganz dem historischen entspricht. Um genau zu sein: auf jeden Fall nicht dem prähistorischen in der Jungsteinzeit (siehe auch unten: Kartenskizze). Denn das jungsteinzeitliche Dorf der Bandkeramiker, das um 1930 archäologisch untersucht wurde, lag zum Schutz vor Hochwasser erhöht über dem Bachbett in einem Bereich (punktierte Linie in der Kartenskizze), den der neu entstehende Bachverlauf jetzt durchschneidet. Der prähistorische Bach floss in der (heute kaum erkennbaren) Talsohle, doch kann er durchaus in den folgenden Jahrtausenden seinen Verlauf variiert haben. Die Bahntrasse durchschneidet den Dorfbereich im südlichen Zipfel, sie existiert seit 1893.

Mehr Einzelheiten zu diesem Projekt eines Bach-„Revival“ findet man hier: Frechener Bach wird revitalisiert – Stadt Köln  Eine Kleinigkeit in diesem Text ist zu berichtigen: Im Unterschied zu Haus Vorst war der Stüttgenhof nie ein Adelssitz, auch wenn er von einem Wassergraben geschützt wird (der besonders zur Blüte der Rododendron-Büsche einen idyllischen Anblick bietet).

Für diejenigen, die noch weitere historische Fakten genau wissen wollen, sei hier Folgendes berichtet:

In historischer Perspektive floss der Frechener Bach vom Quellgebiet an der Burg Benzelrath bis ca. 300m vor der Versickerung immer durch Frechener Gebiet. Genauer gesagt: Seit dem Mittelalter bis Ende des 18. Jahrhunderts war es die „Herrschaft Frechen“. Im 19. Jahrhundert, in

Karte des alten Landkreises Köln (Ausschnitt) im Frechener Stadtarchiv, mit Gemeindegrenzen (schwarze Linien); gedruckt 1862; anklicken!

preußischer Zeit, wurde der Landkreis Köln westlich der Stadt Köln gebildet, und dabei wurde Üsdorf aus der ehemaligen Herrschaft Frechen der Gemeinde Lövenich zugeteilt; der östliche Zipfel der Herrschaft Frechen, der bis knapp vor den Militärring reichte, wurde gleich hinter dem Stüttgenhof abgezwackt und der Gemeinde Efferen zugeschlagen. Ab diesem Zeitpunkt endete das Gebiet der Gemeinde Frechen direkt hinter dem Stüttgenhof (siehe Karte). Das blieb so bis zur „Gebietsreform“, die 1974 festlegte, dass ab 1.1.1975 Kölns Stadtgrenze weiter westlich verlief und damit Marsdorf und der Stüttgenhof fortan zu Köln gehörten. Das Stadtgebiet Kölns reichte nun bis zur Autobahn A4, das Frechener Kreuz wurde umgetauft in Kreuz Köln-West.

Der alte Lauf des Frechener Baches ist übrigens in der oben abgebildeten, historischen Karte als dünne, schwarze Linie gut zu sehen, wenn man sie anklickt. (Die fetteren Linien zeigen die Gemeindegrenzen an.)

W. R.

Anmerkung im August 2019: Bachbett und Brücke zwischen Stüttgenhof und Militärring sind fertig, aber das Bachbett harrt noch seiner Ausgestaltung, und man kann noch kein Wasser fließen sehen. — Anm. Apr. 2021: Im Verlauf von Marsdorf zum Militärring fließt bisher kein Wasser, am Militärring wird noch gebuddelt an der „Erneuerung des Einlaufbauwerks Frechener Bach“. — Anm. Juni 2021: Zur Enttäuschung der Bach-Fans fließt in dem Schluss-Abschnitt (vgl. Kartenskizze oben: hellblaues Band) noch immer kein Bach. In Marsdorf ließ man ein paar Mal Wasser in Richtung Stüttgenhof fließen, davon blieben ein paar Tümpel und Pfützen, die teils bei warmem Wetter wegtrocknen. Ab Stüttgenhof bis vor den Militärring ist das extra gegrabene Bachbett (siehe Foto ganz oben) meist trocken.

Aktualisierung (oder, in besserem Neudeutsch: Update) Juli 2021: Inzwischen war des öfteren zu beobachten, dass dem Bachlauf Wasser zugeführt wurde. Dieses erreichte aber selten das Endstück, das ab der neuen Brücke verbreitert und zur Versickerung bestimmt ist. Wer auf der schicken Brücke stand und einen fließenden, gar rauschenden Bach erwartete, wurde meist enttäuscht. Doch am Nachmittag des 14. Juli sah man — oh Wunder! — einen fließenden Bach von Westen herbeiströmen und sich hinter der Brücke zu einem Teich ausdehnen. Die unwetterartigen Regenfälle hatten dem Bach anscheinend ein bachwürdiges Erscheinungsbild beschert (vielen Menschen allerdings vollgelaufene Keller und unbewohnbare Häuser). Die starken Regenfälle setzten sich am Abend fort. Am folgenden Nachmittag (15.7.) war der ganze Endabschnitt ab der Brücke in ein stehendes Gewässer verwandelt, wo die Versickerungsschicht überfordert war und das Wasser sogar bis Ende teils kniehoch stand.

                    seltener Anblick: Frechener Bach, Teilstück kurz vor Ende, Foto vom 15.07.21, Nachmittag

Auch in den Senken im benachbarten Gelände standen kleine Seen. Am Abend war das Wasser im Versickerungsabschnitt trotz weiteren Zuflusses aber schon soweit verschwunden, dass kein großflächiger Wasserspiegel mehr zu sehen war. —

Update am 05.05.2025: Die enttäuschten Bach-Fans (siehe oben) ziehen in den letzten Wochen die Mundwinkel noch weiter nach unten, wenn sie sich dem Endstück des Frechener Bachs nähern (ca. 300 m); und wenn sie auf die romantisch anmutende Teilansicht des Wassergrabens am Stüttgenhof schauen, sind sie auch nicht besser gelaunt: Der Wasserspiegel im Graben ist stark gesunken. Noch paddeln da ein paar Wasservögel herum, aber die erstaunten Spaziergänger fragen sich, warum der Wasserstand so lange niedrig bleibt, und warum der Graben nicht vom Zufluss aus dem Bach aufgefüllt wird.

Heute bringt ein Artikel im Kölner Stadt-Anzeiger Aufklärung über die seit Jahren praktizierte Regulierung des Wasserzulaufs in den Bach ab Marsdorf: „Frechener Bach in Junkersdorf liegt trocken.“ (S. 27 im Teil „Köln/Stadtteile“.) Daraus geht hervor: Es ist komplizierter, als man denkt, und es ist ohne bauliche Veränderungen am Schöpfwerk in Marsdorf nicht möglich, die Wassermenge beliebig zu erhöhen. Details entnehme man dem Artikel. —

Köln-Notizen März-2017

Während die diesjährige LitCologne zu Ende ging, legte Oberbürgermeisterin Henriette Reker feierlich am Eifelwall den Grundstein für den Neubau des Historischen Archivs der Stadt Köln. Als erstes Stadtoberhaupt hatte sie am 3.3. auch an der Gedenkfeier für den Archiveinsturz und seine drei Opfer teilgenommen und dort gesprochen. Kurz zuvor hatte der Stadtrat die Schenkung des Hinweisschildes (s. Foto links) angenommen, das Mischa Kuball für den Einsturzort entworfen hatte.
Auf der Gedenkfeier wurde auch das Stück „Kölner Klagegesang“ aufgeführt; mehr dazu >ArchivKomplex ist eine Webseite von Künstlern und Architekten zum Archiveinsturz in Köln   Auch der S.R. der FUF wohnte der Feier bei und machte ein paar Fotos.

Da man immer von zwei Todesopfern des Einsturz hörte, nämlich den beiden jungen Männern Khalil (24) und Kevin (17), dabei aber ein weiterer Mensch vergessen wurde, der indirekt auch Opfer des Einsturzes war, brachte der Kölner Stadt-Anzeiger am 3.3. einen ausführlichen Nachruf auf Josefine Borcilo (84): Sie verlor zunächst durch den Einsturz ihre Wohnung, wurde in einem Hotel untergebracht, verlor einige Tage später auch ihren Lebensmut und schied aus dem Leben, ohne die schon bereitstehende neue Wohnung zu beziehen. Mehr > Kölner Stadtarchiv: Nachruf auf Josefine Borcilo: Die wunde Seele vom Waidmarkt kam nicht zur Ruhe | Kölner Stadt-Anzeiger

Foto oben links: 2 der (lesenswerten!) Infotafeln zum Ereignis 2009 (Bild anklicken!) —– rechts: Die Anwesenden lauschen dem „Kölner Klagegesang“ während der Gedenkfeier am Einsturzort.

S. R.

Aktueller Nachtrag am 26.05.2017: Nach Berichten des Kölner Stadt-Anzeigers im Mai 2017 erhebt die Staatsanwaltschaft Anklage „wegen fahrlässiger Tötung und  Baugefährdung“ gegen mehrere Personen, die am Bau und an der Bauaufsicht beteiligt waren. Anscheinend führten unter Zeitdruck schlampig ausgeführte Arbeiten an Teilen der Schlitzwand in über 20m Tiefe sowie Vertuschung und mangelnde Kontrolle durch die Bauaufsicht zum Schlamm- und Gerölleinbruch, der dem Stadtarchiv den Untergrund entzog und zum Einsturz führte. Mehr und Genaueres >Archiveinsturz Köln: Vorwürfe an Baufirma und Kölner Verkehrsbetriebe wegen Baugefährdung | Kölner Stadt-Anzeiger

Aktueller Nachtrag am 11.12.2019: Um auf dem Laufenden zu bleiben, hier ein Link zum Stand der Arbeiten am Neubau des Kölner Stadtarchivs >Köln: Arbeiten am neuen Historischen Archiv schreiten voran | Kölner Stadt-Anzeiger