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Sagen: So nicht!

ENDE Mai 2026 äußerten Unions-Politiker Zweifel an der scheinbar in der Regierungkoalition längst beschlossenen Bafög-Erhöhung zum kommenden Wintersemester.

Mail an kah@cdu.de [=CDU-Zentrale im Konrad-Adenauer-Haus, Berlin], gesendet am 01.06.2026 [hier wörtlich wiedergegeben]:

Bafög

Guten Tag!

„Was erlauben Spahn? Was erlauben Bär?“ so könnten empörte Rufe von der Seitenlinie lauten. Es erschließt sich (nicht nur) mir überhaupt nicht, wieso man an der Unions-Spitze plötzlich die beschlossene Bafög-Erhöhung in Frage stellt. Wenn das nicht wieder verdeckte Wahlkampfhilfe für die AfD ist …

Ich (im Alter von 70+) bin nicht mal indirekt von diesem Thema betroffen. Aber ich frage mich, was der Union einfällt, auch noch die letzten Stimmberechtigten der AfD zuzutreiben. Frau Bär müsste besser wissen, wie es um die realen Lebensverhältnisse sehr vieler Studierender steht. Dennoch behauptet sie, die Studierenden seien „sehr privilegiert“. Woran macht sie das bloß fest? Es wurde längst sachlich festgestellt, dass das Bafög in der bisherigen Gestaltung wenig dazu beiträgt, ein zügiges Vorankommen im Studium zu ermöglichen. Nicht die Studierenden sind „sehr privilegiert“, sondern nach Frau Bärs Vorstellung zukünftig die ohnehin privilegierten aus finanziell sehr gut gepolsterten Familien. Ich brauche nicht näher auszuführen, was für einen verheerenden Eindruck das hinterlässt, oder?

Übrigens wirft das weitere Fragen auf, z.B. diese: Wo sollen zukünftig all die klugen Köpfe herkommen, die Deutschland braucht, um international Schritt zu halten? Wenn man den Intelligenz-Pool der Bevölkerung auf die gut Betuchten einengt, wird das für Deutschland Folgen haben. Wir hatten vor rund 60 Jahren (die Älteren werden sich vielleicht erinnern) schon einmal die Situation, dass das herkömmliche Bildungssystem zu wenig Hochschulabsolventen lieferte und u.a. die Wirtschaft von der Politik Maßnahmen forderte …

Wer es ganz schwarz sehen will, stellt fest: Deutschland steckt schon in einer Bildungskatastrophe, und die Union will noch eins draufsetzen. Das kann doch wohl nicht wahr sein!!

Mit freundlichen Grüßen

Wolfgang Reinert


Geschäftsmodell: Leute verblöden

WENN die Union so weitermacht, muss sie bald mit den Grünen und den Linken koalieren, um nicht mit der AfD zusammen zu gehen. Wenn sie aber mit der AfD koaliert, ist das der Untergang der Union. Wie im Februar 1933. Da haben sich die Konservativen Illusionen gemacht, sie könnten Hitler und seine Partei in einer Koalition „an die Wand drücken, bis er quietscht.“ Später wussten alle: Das war ein schwerer Irrtum.
Ja, ein Blick in die Geschichte lehrt so Einiges. Die Feinde der Demokratie tönten damals: Deutschland sei (durch den Versailler Vertrag) zu Unrecht gedemütigt, und man müsse die nationale Größe wieder aufrichten und die Schmach von Versailles tilgen. Einige träumten dabei nicht nur von der Rückkehr verlorener Gebiete „heim ins Reich“, sondern sogar von der Wiedererlangung verlorener Kolonien.
Ein bekanntes Schema: Ich erkläre die Nation als gedemütigt, geknechtet, zu Unrecht kleingemacht, damit ich mich als Retter und Messias aufblasen kann, der die Nation wieder groß macht. Dazu fasele ich noch von der ruhmreichen Geschichte der Nation, an der man sich orientieren sollte. Das ist ein Kern der Propaganda von Putin, aber auch von Trump („Make America great again“). Die AfD möchte das kopieren und behauptet, in Deutschland sei alles schlecht — und die AfD werde es wieder … ja was denn, vermasseln, so wie Adolf? Im Ernst: Sollen wir unsere Wirtschaft vollends ruinieren durch Austritt aus der EU, durch Stopp der Zuwanderung, ja sogar durch „Remigration“? Woher sollen denn nach Ansicht der AfD die fehlenden Fachkräfte in Industrie, Handwerk, Gastronomie, Kranken- und Altenpflege usw. kommen? Wie blöd muss man eigentlich sein, um als Arbeiter, Angestellter oder Rentner diese (würg!) AfD zu wählen? Und welcher Unternehmer will auf die Vorteile des EU-Binnenmarktes verzichten?

Ich kann mich des Verdachts nicht erwehren: Wenn so viele junge Leute, besoffen von social-media-clips, dieser Unglücks-Partei ihre Stimme geben, dann zeigt das die verheerende, ja verblödende Wirkung der social media.
Ein Prozess in Kalifornien hat gerade gezeigt, dass Algorithmen auf bekannten social-media-Kanälen süchtig machen. Das heißt: Sucht steuert die User, sie verhindert das Einschalten des Hirns, sie lähmt den Willen selbst zu entscheiden, was man sehen und hören will und was nicht.
Das ist prinzipiell schlecht, es macht die User zu hilflos weiterscrollenden Puppen der Profitsteigerung. Denn es ist ein Geschäftsmodell, das müssten inzwischen auch die Dummen schon mal gehört haben. Und wo Profit gemacht wird, da fehlt natürlich die Motivation, sich zurückzunehmen. Eher im Gegenteil: Die Tech-Giganten verfeinern weiter die Methoden der Manipulation und Gehirnwäsche.
Die Tech-Milliardäre werden damit von stinkreich zu superreich, und die daddelnden, scrollenden, wischenden Handy-Abhängigen sind ihre besten Kunden, diese fetten, zappelnden Fische werden sie nicht freiwillig von der Angel lassen. Mehr zum Urteil: Strafen für Meta und Google: Schadensersatz wegen Social-Media-Sucht | tagesschau.de

W. R.