Archiv für den Monat: Juni 2026

Schlechte Gedanken und die Folgen

REKORD-Temperaturen in Deutschland! Am 27. Juni trifft es Sachsen-Anhalt mit 41,5 Grad, dann folgt Brandenburg. Die Hitze-Glocke hat sich nun auch zum Osten hin ausgebreitet, ohne dabei an Wärme zu verlieren.

Man könnte als gläubiger Mensch, der mit Gottes Eingreifen in der Welt rechnet, auf die Idee kommen: Der „liebe Gott“ will nun auch die vielen AfD-Anhänger und -Sympathisanten in östlichen Bundesländern erleben lassen, was Klimawandel schon jetzt bedeutet. In der AfD vertrat man ja die Ansicht, der Klimawandel sei a) nicht wahr, sondern erfunden, dann b) nicht so schlimm und nichts Besonderes in der Geschichte, schließlich c) nicht menschengemacht und erst recht nicht von Menschen beeinflussbar. sodass wir auch gar nichts dagegen tun könnten.

Für die AfD war Klimapolitik und Reduktion des CO2-Ausstoßes überflüssiger Unfug — so wie es Donald Trump immer noch in die Welt posaunt und in den USA auch durchzusetzen versucht. Das freut natürlich die Öl-Multis und lässt Partei-Spenden fließen…

Der „liebe Gott“ versucht also gerade, die Klimawandel-Ungläubigen zu einem Sinneswandel zu bekehren. Motto: Jetzt könnt Ihr erleben, wie sich das anfühlt, was Ihr nicht wahrhaben wollt. Vielleicht hilft Euch ja eine AfD-geführte Regierung (die Ihr Euch wünscht) aus der Klima-Misere. Fragt die Partei-VertreterInnen doch mal nach ihren Lösungs-Vorschlägen!

Aus der AfD kommen „Lösungs“-Vorschläge wie: Alle Flüchtlinge/Zuwanderer abschieben (darunter diejenigen, die in der Hitze noch arbeiten können), oder: Gegen den Klimawandel können wir eh nichts tun (aber ihn mit mehr CO2-Ausstoß befeuern), oder: Atomkraftwerke bauen, denn angeblich ist die ganze übrige Welt dafür (und dabei sehen wir weg, wenn z.B. Frankreich bei Hitze AKWs abschaltet, weil Kühlwasser knapp wird).

Man sieht: Solche „Lösungen“ werden Leuten angeboten, die schlecht informiert sind und einseitigen Einflüsterungen im Internet erliegen; Leuten, denen das kritische Denken so weit abhanden gekommen ist, dass sie einfache Bauch-Parolen für kluge politische Konzepte halten.

Kann sein, dass sich der „liebe Gott“ daraufhin enttäuscht von seinen Geschöpfen abwendet und grummelt: Dann lauft doch in Euer Unglück und erlebt die Folgen am eigenen Leibe! Das wäre ja nicht das erste Mal, aber wieviel Schaden braucht Ihr eigentlich noch, bis Ihr daraus lernt?

Wir brauchen nicht unbedingt an den „lieben Gott“ zu denken, wir können auch an die Klimaschäden denken, die schon auftreten und sich Prognosen zufolge noch auftürmen werden. Aber bis der Letzte begreift, dass wir alles tun müssen, um die Katastrophen wenigstens einzudämmen, wird es zu spät sein, um das Desaster noch zu stoppen.

Denn Menschen können zäh an liebgewonnenen und gewohnten Denkmustern festhalten. Beispiel: Im Fersehen sprach kürzlich jemand mit einer Frau in den USA, die jahrelang fest in der MAGA-Bewegung von Trump stand und z.B. die Berichte über Schul-Massaker in den letzten Jahren für Fake-News hielt: Diese Amokläufe in Schulen sind erfunden, glaubte sie früher — weil das in der MAGA-Blase so kommuniziert wurde, und weil Trump die seriösen Medien immer wieder beschimpfte und beleidigte (so wie alle, die ihn öffentlich kritisierten ).

Denn eins ist auch klar: In den rechtspopulistischen und rechtsradikalen Kreisen spielen Fakten eine geringe Rolle, hier werden eher Gefühle erzeugt und gepuscht, mit denen man Menschen steuern kann. Da werden oft auch falsche Dinge einfach behauptet, um Gefühle zu mobilisieren: nur die Wirkung zählt.

Der „liebe Gott“ kennt seine Pappenheimer und macht sich nichts vor: Einige lernen nur auf die harte Tour…

In puncto Rekord-Temperaturen braucht ER sich gar nicht weiter zu bemühen. Die Wissenschaft erklärt uns schon seit Jahren: Wenn sich die Klimaveränderungen weiter aufschaukeln, werden bald Kipp-Punkte überschritten, dann gibt es kein Aufhalten und kein Zurückfahren mehr. Ach was, sagen die Klimaleugner, dann erklären wir einfach die Wissenschaft zu Fake-News. Vor längerer Zeit sagte z.B. J.D.Vance in einer Rede: „The professor is the enemy.“

Und „der liebe Gott“ schüttelt bekümmert sein Haupt und hat ein Déja-Vu: So haben sie schon im Mittelalter die Wahrheit bekämpft. Bis mehr Leute begriffen, dass ihnen Verstand gegeben wurde — und einige Mut fassten, ihn auch selbstständig zu benutzen. So konnte es zur Amerikanischen Revolution 1776 und zur Französischen 1789 kommen. Beide proklamierten eine Erklärung der Menschenrechte.

Das waren wichtige Schritte in der Menschheitsgeschichte. Nationalismus und Rassismus fallen aber zurück hinter diese fortschrittlichen Errungenschaften, weil sie Menschen in verschiedene Wertkategorien einteilen wollen. Und sie wollen uns weismachen, dass diese Einstellungen keine Folgen für die Behandlung von Menschen hätte. Doch viele Erfahrungen aus der Geschichte zeigen das Gegenteil: Der Fisch stinkt vom Kopf, und schlechte Gedanken führen oft zu schlechten Taten.

W. R.

On Top zu allem Anderen

UNSERE Wetterberichte melden Temperaturen, wie sie bei uns noch nie im Juni gemessen wurden. Schon länger wird gewarnt, dass unsere Städte beim zunehmenden Klimawandel zu Hitze-Inseln und Brutöfen werden können.

Aber aus unserer Regierung hört man keine Signale, die erkennen ließen, dass man dort die kommenden Probleme im Blick hätte und gegensteuern wollte. Gewiss, seit die beiden Regierungsparteien (mit Unterbrechungen) in Koalitionen die Bundesregierung stellen, wurden so viele Dinge auf die lange Bank geschoben, dass ihnen nun quasi ein Riesenbatzen Probleme auf die Füße gefallen ist.

Ist das vergossene Milch? Ja und Nein: Natürlich muss man nach vorn blicken, aber aus der Vergangenheit lässt sich manche Lehre ziehen. Wir hatten vor ca. einem Jahrzehnt einen Finanzminister, der ständig die Schwarze Null im Bundeshaushalt beschwor und keine neuen Schulden machen wollte. Zeitgleich folgten immer mehr Finanzminister in Bund und Ländern einer vermeintlich genialen Idee: Langfristige Investitionen, die nicht für die nächste Wahl mehr Wählerstimmen bringen, wurden erstmal zurückgestellt, und damit wurde z.B. die Infrastruktur nicht im eigentlich nötigen Maße gewartet, repariert oder erneuert.

Das hieß beispielsweise für etliche Brücken: Trotz zunehmender Belastung durch immer mehr Schwerlastverkehr wurde erst einmal auf Verschleiß gefahren in der Hoffnung, dass die Brücken noch ein paar Jahre durchhalten würden — obwohl sie für solche Belastungen nicht gebaut waren (Denn vor 50-60 Jahren rollte weniger Warenverkehr in weniger schweren Lkw über die Straßen). Parallel dazu wurde die Schiene gegenüber der Straße benachteiligt, sodass wir heute großen Sanierungsbedarf im Schienenverkehr haben. Das wäre, verkürzt gesagt, die Misere, die wir aus der Vergangenheit mitschleppen. Vom Bildungsbereich wollen wir gar nicht erst reden.

Nun ächzen wir aktuell unter ungewohnt hohen Temperaturen, und wir erleben dabei nichts Überraschendes, sofern wir zugehört haben, als Wissenschaftler schon vor langer Zeit warnten. Aber zuviele Nebelkerzen wurden von vielen PolitikerInnen weltweit gezündet, die uns einreden wollten, das Klima ändere sich nicht entscheidend, und alle Zeichen des Wandels seien doch nur normale Wetterausschläge, die es immer schon gegeben habe. So redeten alle, die am Weiter-so-wie-bisher gut verdienten, zumindest aber die Augen vor Veränderungen verschließen und keine Gefahr sehen wollten.

Wir erinnern uns noch, dass ein Donald Trump den Klimawandel als „eine Erfindung der Chinesen“ abtat und statt der Sorge um die Zukunft der Menschheit lieber die Parole „America First“ ausrief. (Übrigens war das nicht originell, denn so hatte auch einige Jahre zuvor schon George W. Bush jr. getönt.) Bush jr. war ein entschiedener Vertreter der fossilen Energieträger (Kohle, Gas und vor allem Öl), und Trump folgte in seinen Fußstapfen.

Zu den Nebelkerzen gehört auch der Versuch, uns die Atomenergie wieder schmackhaft zu machen. Auch da wird die Sorge um die Zukunft (Strahlengefahr, Endlager für Atommüll) beiseite gewischt, angeblich reichen Erneuerbare Energien (Sonne, Wind, Wasser) nicht, um einen stetig steigenden Energiebedarf zu decken. Atomenergie ist außerdem die teuerste Form der Energiegewinnung. Da hilft auch die harmloser klingende Bezeichnung „Kernenergie“ nicht.

Der Kern der Misere ist: Trotz vollmundiger Zusagen und Versprechen im Pariser Klima-Abkommen haben viele Staaten ihre Klimaziele nicht erreicht. Das gemeinsame Ziel war: Die globale Erwärmung darf die Grenze von 1.5 Grad Celsius nicht überschreiten. Dann hätten wir die Chance, die weltweit drohenden Folgen zu vermeiden bzw. zu verlangsamen.

Doch seit einiger Zeit hören wir: Das 1,5-Grad-Ziel ist nicht zu halten, die globale Erwärmung überschreitet diese Grenze. Und dabei ist Europa fatalerweise auch noch der Kontinent, der sich stärker erwärmt als andere!

Statt die weltweite, übernationale Zusammenarbeit zu stärken und im Dienste der gesamten Menschheit an einem Strang zu ziehen, scheren ausgerechnet die USA unter Trump aus und propagieren nationalen Egoismus. Die von Trump vertretene Politik ist zu dumm, um zu verstehen, dass die USA die Klimakrise weder ignorieren noch allein bewältigen kann. Aber das ist nicht neu: Schon lange gab es in den USA Stimmen, die die Vereinten Nationen (UN) als nutzlos und für die USA schädlich ablehnten. Die Trump-Regierung entzieht Organisationen Gelder, die Hilfsprojekte in armen Ländern betreiben oder unterstützen, die den Hunger in Krisengebieten bekämpfen, etc.

Wer moralisieren will, sieht Trumps jüngste Blamage im Krieg gegen den Iran als eine Strafe für überheblichen Egoismus. Aber es gibt wenig Anlass zur Schadenfreude, da wir alle in Mitleidenschaft gezogen werden. Was da an Geld verpulvert wurde und wird, hätte anderswo sinnvoll eingesetzt werden können. (Wer möchte, kann so auch rückblickend den Irak-Krieg von Bush jr. von 2003 bewerten.)

Apropos Dummheit: Als vor wenigen Jahren ein deutscher Wetter-Moderator ein paar Mal im Wetterbericht auf Auswirkungen des Klimawandels verwies, erhielt er wüste Beschimpfungen und sogar anonyme Morddrohungen. Da muss man sich schon Sorgen machen um die Denkfähigkeit einiger ZeitgenossInnen und ihren moralischen Kompass. Auch da hat ein gewisser D. Trump Grenzen von Moral und Anstand eingerissen und ein schlechtes Vorbild gesetzt.

Übrigens: Wissenschaftlich erwiesene Tatsachen leugnen und Lügen verbreiten ist zwar ein Markenzeichen von Trump geworden, aber auch da hat Bush jr. schon Vorarbeit geleistet, indem er Fakten verdrehte (um den Klimawandel zu leugnen) und Falschbehauptungen in die Welt setzte (um seinen Krieg gegen den Irak zu begründen).

Es sieht also danach aus, dass sowohl Präsident Bush jr. als auch Trump in der Linie einer Politik stehen, die wesentlich von Öl-Milliardären vorgegeben und finanziert wurde und im „Project 2025“ der Heritage Foundation für Trump ausformuliert wurde.

Um zum vorläufigen Schluss zu kommen: Wir müssen offenbar nicht nur noch mehr Hitzetage ertragen, sondern auch die fast täglichen Ausfälle und Show-Einlagen des gegenwärtigen US-Präsidenten — on top zu all den anderen Problemen.

W. R.

Mehr zum 1,5-Grad-Ziel: Das 1,5-Grad-Ziel nach dem Übereinkommen von Paris | Umweltbundesamt

Konkret in Köln: das Thema Hitze ist auch hier relevant, siehe den Blog-Beitrag Köln-Notizen Sept. 2025

Schlimmer geht immer

DA guckt man mal eine politische Talkshow im Fernsehen — und gewinnt wider Erwarten tiefere Einsichten:
Bei „Lanz“ sitzen am Abend des 10.06. neben dem Moderator Ines Schwerdtner, Co-Vorsitzende der Links-Partei und Bundestagsabgeordnete, außerdem der CSU-Politiker Markus Blume, bayrischer Wissenschaftsminister. Lanz schneidet das Thema „Tankrabatt“ an. Da ist offenichtlich, dass die von der Bundesregierung verfügte Steuersenkung auf Treibstoff zur Entlastung der Autofahrer von den Mineralölproduzenten nur teilweise als Preissenkung an die VerbraucherInnen weitergegeben wurde. Die Linke fragt den CSU-Mann, warum man nicht versucht habe, den Übergewinn der Mineralölkonzerne abzuschöpfen.

Da war Blume sofort auf der Zinne: Das gehe gar nicht. Und eierte im Folgenden wortreich herum, ohne nachvollziehbare Gründe zu nennen, ohne die Frage klar zu beantworten. Bei ihm lief es auf die alte Wahlkampfmasche hinaus: Wenn die Linkspartei etwas umverteilen wolle, sei das Sozialismus (und das ist ein dunkelrotes Tuch für die CSU). Da wurde für mitdenkende ZuschauerInnen klar: Der findet das Verhalten der Konzerne im Grunde nicht schlimm, das ist halt Kapitalismus, wenn die sich auf Kosten des Staates (und der SteuerzahlerInnen) bereichern.

Aha. Im Denken vieler Unionspolitiker, so muss ich daraufhin vermuten, ist das ein Axiom und wird nicht in Frage gestellt. Ungerechtfertigter Extraprofit ist okay, der Staat bzw. die Allgemeinheit bzw. die steuerzahlenden BürgerInnen müssen halt blechen, was an der Zapfsäule angezeigt wird. Warum? Weil der Staat in diesem politischen Weltbild der Wirtschaft nichts vorschreiben soll. Eher läuft es da schon umgekehrt. Bei der Union. Nicht wahr? So sieht’s doch aus.

Bei dieser Denkweise — wundert es mich schon weniger, dass bei der Union in letzter Zeit gern die ArbeitnehmerInnen kritisiert werden, wenn die Wirtschaft in Deutschland nicht rund läuft, und dass da ständig vorgebetet wird, wir könnten uns den Sozialstaat in der heutigen Form nicht mehr leisten. Der Staat müsse sparen (nachdem er zuvor riesige Schulden, die „Sondervermögen“, beschlossen hat). Wer da fragt, wie das alles zusammen passt, und wer dabei den Überblick verliert, der ist nicht allein.

Aaaber, nicht missverstehen: Das ist keine Fundamentalkritik am politischen System, und kein Plädoyer für Protestwahl im Sinne von „Lasst mal die AfD ran, dann können wir sehen, was die besser machen.“ Gerade wenn wir von Wirtschaft reden, können wir von einer AfD an der Macht nur Schlechtes für Deutschland erwarten. Allein das reicht schon als Ausschlusskriterium, da brauchen wir von anderen schlimmen Vorstellungen in der AfD gar nicht erst zu reden, oder?

Das Experiment sollten wir nicht ernsthaft erwägen. Das verbietet sich für jeden halbwegs denkfähigen Menschen (sofern er seine Fähigkeit auch benutzt!). Aber die AfD zielt ja auf Euren Bauch und nicht auf Euren Kopf, sie will mit plumpen Emotionen statt mit Argumenten Stimmen gewinnen. Sie will nicht, dass Ihr nachdenkt. Ihr sollt nicht erkennen, dass Parolen aus Opas Mottenkiste keine Probleme im 21. Jahrhundert lösen können.

An den gewalttätigen Krawallen in Nordirland, inszeniert von rechtsradikalen Aufwieglern, sehen wir aktuell deutlich, wohin Rassismus und falsch verstandene Identitätspolitik führen. Wir sehen wieder einmal, dass rechtsradikale Gesinnung immer mit Gewaltbereitschaft einhergeht. Mit denen ist kein friedliches Zusammenleben möglich, wenn sie sich zusammenrotten. Die Vorgänge in Nordirland erinnern mich verteufelt an Rostock-Lichtenhagen (1992, Ihr erinnert Euch). Da sind Leute am Werk, die sich ein friedliches Zusammenleben mit Menschen nicht vorstellen können, sobald diese nicht genauso aussehen und genauso ticken wie sie. Sie wollen nur Abgrenzung, Ausgrenzung, wollen nur unter ihresgleichen sein. Sollen sie, wenn sie dabei nicht vergessen, dass auf der anderen Seite der Grenze auch nur Menschen sind.

Also: Bevor Ihr rechten Scharfmachern eine Chance gebt, bedenkt: Schlimmer geht immer. Deutschland tiefer in die Sch… reiten kann jeder, und Gewalt ist im Zweifel keine Politik, sondern Unfähigkeit zu kluger Politik. Opa lässt grüßen, aber um Himmels willen nicht mehr mit „deutschem Gruß“, wie die Nazis es nannten. Auch Opa hat dazugelernt.

W. R.

Sagen: So nicht!

ENDE Mai 2026 äußerten Unions-Politiker Zweifel an der scheinbar in der Regierungkoalition längst beschlossenen Bafög-Erhöhung zum kommenden Wintersemester.

Mail an kah@cdu.de [=CDU-Zentrale im Konrad-Adenauer-Haus, Berlin], gesendet am 01.06.2026 [hier wörtlich wiedergegeben]:

Bafög

Guten Tag!

„Was erlauben Spahn? Was erlauben Bär?“ so könnten empörte Rufe von der Seitenlinie lauten. Es erschließt sich (nicht nur) mir überhaupt nicht, wieso man an der Unions-Spitze plötzlich die beschlossene Bafög-Erhöhung in Frage stellt. Wenn das nicht wieder verdeckte Wahlkampfhilfe für die AfD ist …

Ich (im Alter von 70+) bin nicht mal indirekt von diesem Thema betroffen. Aber ich frage mich, was der Union einfällt, auch noch die letzten Stimmberechtigten der AfD zuzutreiben. Frau Bär müsste besser wissen, wie es um die realen Lebensverhältnisse sehr vieler Studierender steht. Dennoch behauptet sie, die Studierenden seien „sehr privilegiert“. Woran macht sie das bloß fest? Es wurde längst sachlich festgestellt, dass das Bafög in der bisherigen Gestaltung wenig dazu beiträgt, ein zügiges Vorankommen im Studium zu ermöglichen. Nicht die Studierenden sind „sehr privilegiert“, sondern nach Frau Bärs Vorstellung zukünftig die ohnehin privilegierten aus finanziell sehr gut gepolsterten Familien. Ich brauche nicht näher auszuführen, was für einen verheerenden Eindruck das hinterlässt, oder?

Übrigens wirft das weitere Fragen auf, z.B. diese: Wo sollen zukünftig all die klugen Köpfe herkommen, die Deutschland braucht, um international Schritt zu halten? Wenn man den Intelligenz-Pool der Bevölkerung auf die gut Betuchten einengt, wird das für Deutschland Folgen haben. Wir hatten vor rund 60 Jahren (die Älteren werden sich vielleicht erinnern) schon einmal die Situation, dass das herkömmliche Bildungssystem zu wenig Hochschulabsolventen lieferte und u.a. die Wirtschaft von der Politik Maßnahmen forderte …

Wer es ganz schwarz sehen will, stellt fest: Deutschland steckt schon in einer Bildungskatastrophe, und die Union will noch eins draufsetzen. Das kann doch wohl nicht wahr sein!!

Mit freundlichen Grüßen

Wolfgang Reinert