Archiv für den Monat: August 2026

Prost!

MAL wieder in meiner Stammkneipe, wieder hörte ich den Tresen-Stammtisch in eifrigem Gespräch, das zeitweise laut wurde:

„Habt Ihr das schon gehört: Die Ablehnung der AfD ist bei BürgerInnen ab 70 am größten.“

„Das sind ja schlimme Aussichten! Die sterben bald weg, besonders bei der kommenden Hitze — jaaa, jetzt wird mir auch klar, warum die AfD weiter stur den Klimawandel leugnet und nur von heißem Sommerwetter spricht. Die wollen gar nichts für Hitzeschutz tun, damit noch mehr Alte wegsterben und nicht mehr andere Parteien wählen.“

„Das sind die Alten, die nicht auf TikTok etc. von Propaganda der AfD und Russland erreicht werden.“

„Oder die dagegen immun sind, weil sie noch soviel wissen: Diese Propaganda erinnert in Vielem den Sprüchen, die schon die Nazi-Propaganda geklopft hat.“

„Genau, siehe den Kulturkampf der AfD gegen das Bauhaus. Man glaubt es kaum, aber es ist wahr: Die holen dieselben Vorbehalte und Lügen aus der Mottenkiste, die schon vor ca. 100 Jahren in Weimar von rechtskonservativen Provinz-Holzköpfen benutzt wurden.“

„Davon habe ich auch gehört. Moderne Aufgeschlossenheit für Freiheit und Experimentierfreudigkeit in der Kunst, das soll ‚antideutsch‘ sein! In Weimar sagten sie damals ‚undeutsch‘. Den alten Provinzialismus wärmt die AfD einfach wieder auf und setzt wieder einmal auf Gefühle von Überforderung und Ressentiment.“

„Den Spruch der 68er ‚Unter den Talaren Muff von tausend Jahren‘ könnte man hier abgewandelt wieder anwenden. Provinzieller Muff ist das Kulturkonzept der AfD. Sowas wie Nazi-Kunst und Sozialistischer Realismus, alter, abgestandener Wein in neuen Schläuchen. Mit sowas würde sich Deutschland in der Welt doch nur lächerlich machen.“

„Eben! Während das Bauhaus international Ansehen genießt, will die AfD sich davon distanzieren und sich lieber in völkischem Muff verkriechen.“

„Überhaupt — was soll denn ‚völkisch‘ heißen? In unserer heutigen, vernetzten Welt ist es völlig daneben, sich in ein Schneckenhaus zurückzuziehen und so zu tun, als könnte man wirtschaftlich, kulturell oder sonstwie autark und abgeschottet bestehen. Das war schon in den 1930er Jahren nicht mehr zeitgemäß, da war Deutschland als Industrieland schon weiter entwickelt als die Nazis in ihren Ideen. Aber sie taten so, als gäbe es ein Zurück mit „Blut und Boden“ und all dem Unfug. Das konnte man damals auch nur den Leuten erzählen, die schlecht bzw. falsch informiert waren und daher manchen Stuss glaubten.“

„Und die gibt es auch heute, das ist das liebste Publikum der AfD. Ganz ähnlich übrigens auch wie in den USA die Anhängerschaft von Trump.“

„Nur, da merken allmählich immer mehr Leute, dass sie einem Hochstapler aufgesessen sind, der starke Sprüche klopft, aber das Land eben nicht ‚great again‘ macht.“

„Trump hat es versaut, als er sich selbst Lügen strafte: Er wollte keinen neuen Krieg anfangen. Und er wollte die Lebenshaltungkosten senken, an deren Höhe angeblich die Demokraten schuld waren.“

„Und bei uns gibt es tatsächlich ein paar Traumtänzer, die meinen, man sollte der AfD die Chance geben, mal zu zeigen, ob sie es besser können als die sogenannten Altparteien. Dabei zeigt die AfD schon ohne politische Macht, dass sie genauso korrupt und zerstritten ist, wie sie es den ‚Altparteien‘ nachsagt.“

„Ohne echte Demokratie, ohne echte gegenseitige Kontrolle der Institutionen oder ‚Gewalten‘ im Staat schleicht sich immer schnell Korruption und Machtmissbrauch ein. Dazu gibt es nicht nur in der Geschichte, sondern auch in der Gegenwart genug Beispiele. Schon das ist ein überzeugendes Argument für die Demokratie. Wer leichtsinnig meint, man könnte mal etwas anderes ausprobieren, der hat keine Krempe am Hut oder seinen Verstand weggekifft und weggesoffen.“

„Genau. Aber das tun wir hier nicht, auch wenn ich jetzt unserem Jupp zurufe: Jupp, eine Runde, wir haben zuviel Luft in unseren Gläsern!“

Jupp war wie gewohnt schnell und setzte flugs gut gezapfte Kölschstangen auf den Tresen.

„So läuft das! Also dann, Prost auf die Demokratie! Möge sie gut und noch besser funktionieren.“

Alle am Tresen hoben ihre Kölschstange und prosteten mit. Und — haste nicht gesehen — im Schankraum machten prompt Einige mit, und auch ich hob mein Glas.

W. R.

A failed president

ALS Vorspann zum vorläufig letzten Kommentar zum US-Präsidenten Donald Trump zitieren wir aus ZEITonline diesen Leserkommentar vom 22.08.2026, abgerufen 12.30h:

Man muss leider befürchten, dass einige von Trumps Fehlern und Missetaten nicht mehr zu reparieren sind, geschweige denn rückgängig zu machen (man denke nur an die Straße von Hormus und die Lage dort vor dem Krieg gegen Iran).

Der weltweit wirkende, moralische Flurschaden durch sein negatives Vorbild von Egoismus, Geldgier, Lügerei und absoluter Respektlosigkeit gegenüber Menschen wird bleiben, dazu die Folgen seiner klimaschädlichen Ignoranz. —

W. R.

Fortschritt?

JUHU Fortschritt, vorwärts mit KI? Hm, Vorsicht. Voooorsicht!
Was da in jüngster Zeit öffentlich wurde, lässt mich erneut zweifeln, ob es eine gute Idee wäre, KI mal auszuprobieren und sie in Anspruch zu nehmen. Zwei Beispiele:
1. https://www.spiegel.de/netzwelt/rumaenien-hacker-legt-offenbar-gesamten-immobilienmarkt-lahm-a-3cbf96b5-6447-4833-927b-13cce64857f1
2. https://www.spiegel.de/netzwelt/web/openai-ausgebrochenes-ki-modell-ging-tagelang-unbemerkt-auf-hacker-tour-a-fe0326a8-25f6-4b78-a77d-3aacee6d669f
Beispiel 1 zeigt, dass KI in den falschen Händen alles Andere als ungefährlich ist. Und Beispiel 2 zeigt, welches Risiko Menschen eingehen, wenn sie KI in einem scheinbar sicheren Gehege frei laufen lassen.
Eigentlich reichen diese beiden Fälle schon, um festzustellen: Nur weil interessierte Leute da viel Geld investiert haben (und noch viel mehr kassieren wollen) und angeblich alles unter Kontrolle haben, darf man solche neu entwickelten Systeme nicht einfach auf die Welt loslassen.
Während heute jeder Depp sagen würde, dass die Entwicklung der Atombombe ein Fehler war und offensichtlich unsere heutige Welt unsicherer gemacht hat, gibt es anscheinend genug Deppen, Nerds und Fachidioten, die eifrig an neuen KI-Modellen basteln. Verantwortung für die Folgen? Ach Blödsinn, wir treiben doch nur den technologischen Fortschritt weiter!
Was aber erkennbar negative Folgen für die Menschen hat, ist die Tatsache, dass Nutzer der KI das Denken an die KI delegieren und damit verlernen, selbst zu denken und ihren kritischen Verstand zu schärfen.
Und das, liebe Besucher dieser Website fu-frechen.de, läuft ganz klar unserem erklärten Ziel zuwider: Wir ermuntern und rufen dazu auf, den eigenen Verstand nicht in den Schlafmodus zu legen, sondern selbst zu denken und sich das nicht von irgendwelchen VordenkerInnen abnehmen zu lassen — also auch nicht von einer KI.
Mag sein, dass man KI für gewisse Fleißarbeiten gebrauchen kann, die selbige statt in Wochen in einer Stunde erledigt. Aber aufgepasst! Wo überschreite ich die Grenze zur Denkfaulheit, weil ich mich darauf verlasse, dass KI die Denkarbeit schnell und für mich bequem erledigt?
Das zumindest sollte man bedenken, ehe man so „easy“ Vieles der KI überlässt. Und wenn es unbedingt sein soll: Bleiben Sie HerrIn des Verfahrens!

Es hat sich langsam herumgesprochen: Blinde Fortschrittsgläubigkeit und KI-Entwicklung vertragen sich nicht. Schon mehrfach sind Experimente, die scheinbar gut abgesichert waren, aus dem Ruder gelaufen (siehe oben, Beispiel 2). Manche Kritiker warnten schon lange: Passt auf, sonst übernimmt ein KI-Programm die Initiative und macht, was es will. Im schlimmsten Fall passiert, was vor Jahrzehnten im Film „2001 — Odyssee im Weltraum“ vorweggenommen wurde. Da nahm der Bordcomputer den Menschen die Kontrolle über ihr Raumschiff…

Heutzutage läuft so unglaublich viel über digitale Systeme, dass man höllisch aufpassen muss, bevor man so einer KI-Entwicklung den Zugang in ein anderes System ermöglicht, und sei es aus Fahrlässigkeit. Auf jeden Fall aber eröffnet KI böswilligen Hackern große neue Möglichkeiten (siehe oben: Beispiel 1).

Man möchte bisweilen nostalgisch an die Zeit zurückdenken, als Computer noch große Maschinen mit begrenzter Leistung waren, verglichen mit heute. Und an die Zeit vor der Erfindung des Internet und des World Wide Web. Kein Wunder, dass es bei manchen jungen Leuten eine Art Nostalgie für Zeiten gibt, in denen sie noch nicht geboren waren, z.B. für die 1960er Jahre.

Natürlich war das nicht die „Gute Alte Zeit“, auch damals gab es Kriege und Bedrohungen auf der Erde. Aber wer keine Atombombe besaß, konnte damals auch nicht die halbe Welt lahmlegen oder an den Rand der Vernichtung bringen. Heute bin ich mir nicht so sicher, ob es nicht jemandem gelingen könnte, das hinzukriegen. Durchgeknallte Idioten und Größenwahnsinnige gab es schon immer, nur waren ihre Möglichkeiten, Unheil anzurichten, früher überschaubarer als heute.

Das ist wohl der Reiz an der o.g. Nostalgie: Im Rückblick erscheint Vielen die analoge Welt der 1960er Jahre überschaubar — im Gegensatz zur heutigen, weitgehend digitalisierten, in der wir aus allen Kanälen mit Informationen, Nachrichten und Fake News aus allen Ecken der Welt überschüttet werden. Das kann der Mensch nicht mehr gut verkraften und ordnen. Auch deshalb kommen die Verführer mit den einfachen Parolen bei vielen Überforderten gut an. Das ist gefährlich, weil damit ein politisch-moralischer Rückfall in die 1930er Jahre droht.

Da sage ich: Nein, danke. Mir ist eine Demokratie mit Mängeln immer noch lieber als ein autoritäres System. In einem demokratischen System sind Verbesserungen nicht nur denkbar, sondern auch möglich. Aber in einem Einparteienstaat oder in einer Diktatur? Man darf sich unsere Demokratie nicht schlechtreden lassen und der Illusion erliegen, eine autoritäre Alternative würde aus Deutschland ein Wünsch-dir-Was-Land machen, in dem ein Führer das große Glück bringt. Ich persönlich glaube jedenfalls nicht an den Weihnachtsmann. Ihr etwa?

W. R.

P.S. Was ich mit den 1930er Jahren meine? Ich bitte Euch, soviel Wissen und Verstand solltet Ihr selbst mitbringen!


Natürliche Auslese?

AM Tresen, Ihr wisst schon, gab es wieder große Gespräche:
„Unsere Welt wird immer unübersichtlicher, wer blickt da noch durch?“
„Ja, und immer kränker. Social media verderben die Jugend, desinformieren die Erwachsenen, verdummen das Volk…“
„… weil du gar nicht mehr weißt, welche Katastrophe du zuerst wahrnehmen sollst, denn überall brennt es, gibt es Überflutungen…“
„Und dabei wird soviel Geschwätz verbreitet, dass keine Regierung mehr das Thema Klimaschutz ernst nimmt — und immer mehr Verdummte AfD wählen.“
„Ja, danke CDU und CSU! Eure nicht vorhandene Klimapolitik hat ein Gutes: Die Rentner werden weniger, weil es immer mehr Hitzetote unter den Alten gibt. Und das Gesundheitssystem wird so auch saniert: Vulnerable Gruppen, das sind ja nicht nur Alte, sondern auch chronisch Kranke und geschwächte Personen. Die belasten dann bald nicht mehr unser Gesundheitssystem, weil sie früher versterben. Geniale Lösung! Danke, Unionsparteien! Wer Geld genug hat, kann sich sowieso immer noch besser versorgen, also sterben mehr Arme weg. Das kostet dann weniger Bürgergeld, nein, wie heißt das jetzt? Grundsicherung? Danke. Und die Tafeln können dann auch wieder durchschnaufen, da stehen dann weniger Leute an. Natürliche Auslese heißt das in der freien Natur. Und so sehen das auch Zyniker, Sozialdarwinisten, Rechtsradikale und Faschisten.“ —

Wow! Ich musste mal durchatmen, denn soviel Sarkasmus hatte ich selten vom Tresen-Stammtisch gehört. Ich stürzte meinen Rest Kölsch hinunter, zahlte und ging hinaus. Da warf mir (gefühlt) jemand eine dicke Wolldecke über, so eine warme, stickige Luft war draußen — um diese Zeit noch! Da sollte jetzt kühlende Abendluft über meine Wangen streichen, aber nix da.

Zu Hause angekommen, schaute ich noch Nachrichten. Aber das wurde mir zuviel, immer noch und schon wieder diese Waldbrände in verschiedenen Teilen Europas, das scheint gar nicht mehr aufzuhören. Und das Mittelmeer ist viel zu warm: Wer will an Mallorcas Strand in fast schon heißes Wasser (33 Grad) steigen? Und wie überleben das die Lebewesen im Meer? Zugleich schmelzen die verbliebenen Alpengletscher, Felsabbrüche mehren sich, den Kühen auf den Almen vertrocknet das Gras… Ach, es ist einfach grauenhaft. Am schlimmsten: Die galoppierende Klimaveränderung, die in der Geschichte noch nie so rasend schnell vor sich ging — sie kommt nicht unvorhergesehen. Aber wo und wie weit hat die Politik die Warnungen beherzigt? Im Gegenteil, nicht nur Trump geht den bequemen Weg und leugnet erst den Klimawandel, dann die Ursachen, und redet den Leuten ein, man könne weiter Kohle, Öl und Gas verbrennen und damit weiter die Erde aufheizen. Man macht kräftig Propaganda gegen Klimaschutzpolitik, und Trump bezahlt sogar RWE dafür, dass sie an Amerikas Küsten keine Windparks bauen, die schon geplant waren.

Und wenn du denkst, es reicht jetzt, ich will was Positives aus der Wirtschaft hören, dann trocknet der Rhein fast aus (auch das nicht überraschend, wir hatten das 2018 schon mal), und das hat Folgen für die Wirtschaft, weil Binnenschiffe kaum noch Lasten befördern können…

Aber Klimaschutz ist ja überflüssig, ist in den Augen der Union grünes Teufelszeug, das machen wir auf gar keinen Fall! Wir faseln zur Ablenkung was von Atomkraft und Mini-AKWs in der (fernen) Zukunft. Hätten wir auf die Atomkraft-Fans gehört und unsere AKWs weiter laufen lassen, dann hätten wir jetzt ähnliche Probleme wie Frankreich oder Rumänien, wo den AKWs, gebaut an Flüssen, das Kühlwasser fehlt.

Die Leute, die Vernunft und gesunden Menschenverstand für sich reklamieren und den Grünen immer „Ideologie“ vorwerfen wollen, sind selbst ideologisch verbohrt und ignorieren die Klimakrise in dem Glauben, Recht behalten zu können bis zum Gehtnichtmehr. Viele wollten Klimaschutz gegen Wirtschaftwachstum ausspielen, und nun kommt die Quittung: Die Hitze und Dürre gefährden gerade das ersehnte Wirtschaftswachstum. Und uns werden steigende Preise vorausgesagt. Ganz toll!

Ach ja, dazu wollen wir noch die alternativen Lösungen der AfD hören: Aber da sind keine. Da dreht sich alles, wirklich alles nur um das „Problem“ Migration. Migranten sind an allem schuld, so einfach ist das — für Leute, die meinen, es geht auch ohne Denken. Die AfD setzt voll auf Gefühl, aber leider auf Retro-Gefühlsmatsch. Da werden Heimatliebe, Nationalstolz, Angst vor „Überfremdung“ zu einem Matsch verrührt, der die Leute vom Denken abhalten soll. Und als Krönung wird von „Remigration“ gefaselt.

Wer immer noch nicht weiß, dass wir Mangel an Fachkräften haben und deshalb Zuwanderung brauchen, um die Wirtschaft am Laufen zu halten, dem ist nicht zu helfen. Wer immer noch nicht merkt, dass da harmlos tuende Leute Schwarz-Rot-Gold schwenken, aber sich Schwarz-Weiß-Rot wünschen (und einige diese Farben mit einem Kreuz, das schwere Haken hat), wer nur noch mitjohlen und mitlaufen will, der hat den letzten Rest seiner politischer Bildung vergessen.

Europa erwärmt sich schneller als der Rest der Welt. Vielleicht wird es uns bald zu heiß, und wir flüchten vor der Klimakrise in andere Weltgegenden. Wie wollen wir da empfangen werden?

W. R.