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Die Lage

AM „Columbus-Day“ hören wir aus den USA mal wieder Dinge, die weltweit Kopfschütteln hervorrufen dürften. Nein, der mittelalterliche Rückfall in öffentliche Hinrichtungen von Kriegsminister Hegseth ist nicht gemeint, es gibt neuere „breaking news“ — oder soll man „breathtaking news“ sagen?
Trump fürchtet eine Wahlschlappe bei den Midterms und kauft jetzt schnell Diesel bei Putin, um seinen Landsleuten an der Zapfsäule sinkende Preise zu bescheren. Ob das ihm mehr nützt als der Tankrabatt der CDU vor den letzten Landtagswahlen?
Klar ist: Wer jetzt immer noch in Trump einen halbwegs verlässlichen Partner sehen will, steht ziemlich alleine da. Wer immer noch meint, die USA unter diesen aktuell regierenden Leuten seien mit uns auf der Basis gemeinsamer Werte verbunden, der hat zu tief ins Glas geschaut.
Ich sage bewusst nicht: … unter Trump, denn der erscheint geistig zunehmend überfordert und macht Politik nach dem Konzept des für ihn vorbereiteten Project 2025, oder er lässt sich von Stimmungen und momentanen Einflüsterungen leiten — sodass seine Entscheidungen oft eine kurze Haltbarkeitsdauer haben.
Ich hatte mal gehofft, über Trump brauchte man nicht mehr viel zu reden — aber man sieht ja, dass ihn niemand bremst, und dass er aus Selbstsucht und Unfähigkeit auf Allem, auf Jedem und Jeder nach Belieben herumtrampelt. Muss ich noch erwähnen, was das für eine AfD bedeutet, der Trump zum Wahlsieg in Sachsen-Anhalt gratulierte? Auf einen solchen Unterstützer sollte man verzichten, es sei denn, man stimmt inhaltlich mit vielen rechtsnationalen Positionen überein, ist wie Trump gegen EU und Deutschland eingestellt, und hat auch kein Problem damit, dass Trump überhaupt keine Moral kennt. Für ihn bedeuten nur zwei Dinge etwas: 1. Ich, 2. Geld. Ob Putin die Zivilbevölkerung der Ukraine bombardiert und garkeine Hemmungen in der Kriegführung kennt, ist Trump egal — und der AfD offenbar auch.
Noch immer wird behauptet, der Krieg würde nur fortgesetzt, weil man nicht mit Putin rede. Das ist eine einäugige Sicht und sachlich Quatsch, aber einige Leute bei uns wiederholen das gebetsmühlenartig und arbeiten damit unterm Strich Putin in die Hände. Wie kann man „in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt?“ Putin hat oft genug seine Ziele verkündet. Von Friedenssehnsucht oder Achtung des Völkerrechts war da nicht die Rede. Und wenn Trump sich kumpelhaft an Putin und andere Gewaltherrscher heranwanzt und sie gar „Freund“ nennt — wer will ihm da noch vertrauen? Abgesehen davon: Wer traut Trump denn überhaupt noch das politische Verständnis zu, das der Umgang mit Staatslenkern erfordert, sprich: Trump ist kein gelernter Politiker. Und er verkauft sich seinem Wahlvolk als erfahrener Dealmaker mit dem Anstrich, anders und besser zu sein als die üblichen, gelernten Politiker. Doch langsam brennt seine Hütte: Das Wahlvolk sieht, was „des Kaisers neue Kleider“ in Wahrheit sind. Skrupellos lässt er daher die Ukraine fallen und kauft bei Putin ein. Der große „Dealmaker“ sitzt in der selbstgebauten Falle: Seinen Irankrieg weiß er nicht zu beenden und sorgt für anhaltend teure Öl- und Gaspreise, vom Ukraine-Krieg ganz zu schweigen, den er angeblich als Präsident in 24 Stunden beenden würde. Jetzt findet er es eine gute Idee, in der Ukraine den Präsidenten auszutauschen. Das wäre vielleicht dann eine mögliche Verbesserung der Lage, wenn es um andere Präsidenten ginge…

W. R.