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Vorbild „schwäbische Hausfrau“?

IN meiner Stammkneipe, Ihr wisst schon, war mal wieder Stimmung am Tresen-Stammtisch.
„Ja, Leute, Deutschland mit guten Straßen und guter Infrastruktur — das war einmal. Heutzutage muss man hoffen, dass die Brücken so lange halten, bis sie nach einem Sanierungsplan in ein paar Jahren endlich dran sind.“
„Aber das Tolle ist, die Große Koalition von Merkel hatte ihre Schwarze Null, die Ampel hat ihre Schuldenbremse, alles klar… auf der Andrea Doria!“
„Schuldenbremse ist richtig, damit die nachfolgenden Generationen nicht zu sehr belastet werden!“
„Werden sie aber, nämlich mit noch mehr Sanierungsstau in der Infrastruktur, mit der Bildungsmisere, mit…“
„Genau! Das mit den Schulden für die nächste Generation ist doch Geschwätz! Die Bahn ist ein Trauerspiel, die Brücken bröckeln, in die Schulen regnet es rein — wo ist das Geld hin, das da eingespart wurde? Was haben sich die Verantwortlichen bloß dabei gedacht?“
„Ja, ich kann’s auch nicht mehr hören. Alle kloppen auf der Ampel rum, dabei hat sie all diese Probleme von den Vorgängerregierungen geerbt, inklusive eine heruntergesparte Bundeswehr. Und dann kommen ein paar Hanseln und wollen am Sozialen sparen, am Bürgergeld und so.“
„Was mich am meisten aufregt: Ein paar Klugscheißer wollen uns weiter verarschen. Bei Finanzminister Schäuble hieß es damals, eine schwäbische Hausfrau könnte auch nicht mehr ausgeben, als reinkommt. So ein Quatsch! Der Bundeshaushalt funktioniert ganz anders. Eine schwäbische Hausfrau hätte z.B. die nicht benötigten Coronahilfen natürlich für andere dringende Sachen ausgegeben. Nein, das durfte die Ampel-Regierung nicht, dagegen klagte die CDU beim Bundesverfassungsgericht und bekam auch noch Recht. Von wegen, schwäbische Hausfrau! Das Naheliegende darf nicht gemacht werden. Und die CDU schlachtete das noch propagandistisch aus, von wegen „illegaler Haushalt“, und so. Was da wirklich abging, verstand der Normalbürger sowieso nicht.“
„Darum geht es ja meistens: Wer erzählt die überzeugendste Geschichte, um die Bürger zu beeindrucken? Sorry, ‚zu betuppen‘ hätte ich beinahe gesagt.“
„Ganz genau. Wie Sahra Putinknecht, die den Leuten Sachen verspricht, die sie gar nicht umsetzen kann. Aber die Parole „Frieden“ zieht halt, besonders, wenn man Wünsche und Sehnsüchte bedient und keine Politik daraus machen muss.“
„Logisch. Inzwischen begreift es fast Jede und Jeder: Politik in Wahlzeiten wird mit Gefühlen gemacht, wie man auch bei der AfD sieht. Ach, lasst mich in Ruhe, das kotzt mich langsam an, ich will nicht dauernd mit Politik belästigt werden. Jupp, Nachschub bitte!“
„Endlich ein vernünftiges Wort, was für das praktische Leben! Danke, Jupp, Du bist mal wieder dermaßen auf Zack!“
„Bei Jupp funktioniert die Lieferkette! Prost — auf Jupp!“

Alle hoben ihre Kölsch-Stange und stießen auf Jupp an. In diesem Moment war die Welt schwer in Ordnung. Auch für Jupp, der für ein paar Augenblicke vergessen konnte, welche Sorgen ihn bedrückten, z.B. der Personalmangel, der ihn zwang, in seinem fortgeschrittenen Alter noch Vollzeit hinterm Tresen zu stehen und nebenbei das ganze Drumherum zu organisieren…

W. R.

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Einwurf: Gehirn einschalten!

EINWURF: Man hört, die AfD sei eine Gefahr für unsere Demokratie. Das ist viel zu sanft formuliert, denn die AfD und die gewaltbereiten Islamisten triggern sich gegenseitig und fördern dumme Kurzsichtigkeit bei ihren Anhängern und Sympathisanten. Beide Seiten sägen am Ast, auf dem wir sitzen: Die Islamisten wollen unsere Freiheit zerstören, ebenso die Rechtslastigen, und das sogar aus ähnlichen Motiven.
Die AfD will, dass im AfD-Staat wieder der Blockwart ums Haus patrouilliert und unser Leben überwacht — genau wie im Gottesstaat auch. Außerdem will die AfD unsere Wirtschaft ruinieren.
Putin gefällt das. Wen das nicht stört, der lege endlich seine Scheuklappen ab, im Zweifel kann man hier im Blog nachlesen, wer Putin ist (siehe „Putin verstehen“, u.a. Beiträge). Und kommt mir nicht mit dem BSW! Ähnliche Masche, von der cleveren Sahra Putinknecht eingefädelt, bei Trump viel abgeschaut und von Lafontaine verfeinert.
Ehe mir übel wird, noch dies: Meine letzte Hoffnung setze ich auf die Vernünftigen, die nicht allein aus dem Bauch heraus politische Entscheidungen treffen, sondern dazu auch ihr Gehirn einschalten.
W. R.

Noch eins: Ich habe nichts gegen Russland-Freundlichkeit, im Gegenteil, ich habe auch Sympathie mit den Menschen in Russland. Aber gerade deswegen kann ich diesen blutigen Möchtegern-Zaren Putin nicht gutheißen. Wieviele Zehntausend junge Soldaten mussten schon für seine Machtfantasien sterben? Wieviele gute Leute mit Gewissen hat er schon in Lager gesteckt oder umbringen lassen? Dieser skrupellose Geheimdienst-Mann an der Spitze des Machtapparates bringt Unheil über Russland.

Übrigens, Ihr Algorithmus-Gesteuerten: Was Ihr in den social media als „russlandfreundlich“ wahrnehmt, ist getarnte Putin-Propaganda, und wer es jetzt noch nicht begreift, der kommt aus seiner Blase eh nicht mehr raus. Merke: Russlandfreundlich sein heißt, gegen Putin sein. Punkt.

Und hallo, Ihr Algorithmus-Gesteuerten und Verschwörungsgläubigen: Den „großen Austausch“ der Bevölkerung gibt es tatsächlich — aber ganz woanders, als Ihr glaubt! Den gibt es in Russland und den von Russland besetzten Gebieten der Ukraine, da werden nicht nur Kinder entführt und weit weg in Russland zu Putin-treuen „Patrioten“ erzogen, da werden Menschen aus Russland in größeren Mengen umgesiedelt und in die Häuser von getöteten oder geflohenen Ukrainern eingewiesen. Putin knüpft damit auch an alte, von Zaren und von Stalin verübte Praktiken an. Auf Menschen und ihre Wünsche wird da grundsätzlich keine Rücksicht genommen, da findet in der Tat ein geplanter und von oben verordneter Bevölkerungsaustausch statt.

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Ist Armut strafbar?

KINDERGRUNDSICHERUNG sollte von der Ampel-Regierung eigentlich beschlossen werden, wird aber von Seiten der FDP torpediert. Was haben die FDP-Leute und andere gegen Kinder?
Diese Frage zu stellen, ist kein populistischer Angriff im tagespolitischen Gezänk, wie Manche jetzt spontan denken mögen. Denn Kinderarmut ist in Deutschland schon seit vielen Jahren ein Thema, allerdings eines, das in den höheren Etagen der Politik eher vernachlässigt wurde. Jedes siebte Kind in Deutschland von Armut bedroht | tagesschau.de
Das Problem dabei scheint mir der grundsätzliche Blick auf Armut und Reichtum zu sein. Reiche und Wohlhabende sehen ihre Knete nicht nur als wohlverdient an, sondern auch als Ergebnis vermehrter Anstrengung und Leistung. Daraus folgt im Umkehrschluss: Wer nicht wohlhabend oder gar arm ist, der hat sich nicht genug angestrengt, der ist womöglich zu faul, um auf einen grünen Zweig zu kommen. Oder er ist zu blöd oder nicht clever genug, um die Chancen zu nutzen, die (theoretisch) jeder hat.
Dagegen erarbeiten sich Andere bescheidenen oder größeren Wohlstand, sind clever genug, Steuervorteile und -schlupflöcher zu nutzen und ihre Steuerlast zu minimieren (mit Hilfe gut bezahlter Fachleute). Wer (wie Fettaugen auf der Suppe) obenauf schwimmt, neigt leicht dazu, das nicht nur als Lohn für eigene Leistung zu verstehen, sondern mehr noch, sich als etwas Besseres zu fühlen, als die Creme der Gesellschaft. So schleicht sich in die Wertschätzung der eigenen, gehobenen Stellung leicht eine Geringschätzung derer ein, die nicht zur Creme zählen, die es schwerer haben, die auf keinen grünen Zweig kommen, oder gar arm sind.
In Deutschland zahlst du im Grunde (im Verhältnis) weniger Steuern, wenn du sehr viel Knete hast und die sowohl clever investierst als auch irgendwo auf der Welt in Steueroasen parkst. Die meisten Steuern zahlen aber die hart arbeitenden „Kleinen Leute“ und Mittelständler.
Neben Kinderarmut haben wir auch noch Altersarmut, die häufiger Frauen als Männer betrifft. Doch eine Ursache, das Ehegattensplitting, wollen interessierte Männer nicht abschaffen. Dabei ist diese Steuer-Regelung längst aus der Zeit gefallen. Aber die Verteidiger dieser Regelung führen trotzdem bei anderen Themen gern das Wort „Fortschritt“ im Mund.
Ein Land wie Deutschland, das in der Welt als reich gilt, leistet sich trotzdem einen hohen Anteil an Kinderarmut, dazu eine krasse Bildungsmisere mit geringer Chancengleichheit (wie PISA-Studien belegen), und immer noch steigende Mieten sowie steigende Zahlen an Obdachlosen.
Wie kann es sein, dass ein großer Teil der Bevölkerung das hinnimmt und dennoch Parteien wählt, die sozialer Not im Lande relativ gleichgültig gegenüberstehen?
Wie, frage ich mich, ist diese verbreitete Gleichgültigkeit zu erklären? Ich fühle mich erinnert an Zustände im Mittelalter, als Armut nicht nur als Schande galt, sondern auch bestraft wurde: Konnte jemand seine Schulden nicht bezahlen, landete er im Schuldturm, bis er ausgelöst wurde. Wir Deutschen im 21. Jahrhundert haben uns scheinbar daran gewöhnt, Armut als eher selbstverschuldet oder gar gottgegeben zu betrachten. Hauptsache, wir Bessergestellten können noch konsumieren und uns mit teurem Smartphone und fettem SUV von der „Masse“ absetzen. Wenn nicht, verstecken wir die „Schande“, dass wir uns sowas nicht leisten können. Im Zweifel schleichen wir zur Tafel, weil uns die Ernährung teils schon zu teuer geworden ist.

Empörend finde ich populistischen Dummschwätz beim Thema Bürgergeld: Einige Politiker wollen uns weismachen, dass ein paar Bürgergeld-Empfänger, die angebotene Jobs nicht annehmen, ein Riesenproblem seien. Fragt man nach den realen Zahlen, dann sind das bei 1,7 Millionen Empfängern nur 16 Tausend, also eigentlich nur ein Häuflein Leute. Daneben hören wir, dass weit mehr Menschen gern arbeiten würden, aber von bürokratischen Barrieren ausgebremst werden. Und überhaupt, hat es sich doch längst herumgesprochen, dass niemand wirklich in Arbeitslosigkeit glücklich ist, denn grundsätzlich hebt es das Selbstwertgefühl, wenn man nicht von Unterstützung abhängig ist, sondern seinen Lebensunterhalt selbst bestreitet. Und der Kontakt zu ArbeitskollegInnen und anderen Menschen im Berufsleben gibt ein Gefühl von Teilhabe an der Gesellschaft, man fühlt sich wahrgenommen… erst recht dann, wenn man noch ein paar Kröten übrig hat, um nach Feierabend mit Anderen ein Bier zu trinken.

Ist Deutschland so sozial, wie es Viele sehen oder behaupten?

Ich glaube eher, dass man in Deutschland leicht ins Elend rutschen kann, sobald man auf Hilfe angewiesen ist. Zumindest wird man dann schief angesehen: Du liegst dem Staat auf der Tasche, die anständig Arbeitenden finanzieren Dich mit ihren Steuern. Dagegen wird nicht schief angesehen, wer nahezu gar keine Steuern zahlt und eine 40m lange Jacht in Marbella liegen hat. Da heißt es nur: Respekt, der hat es geschafft! Kaum jemand fragt, ob oder wieweit dieser Reichtum rechtmäßig erwirtschaftet wurde.

Der Staat lässt sich dabei einen Batzen Steuereinnahmen entgehen, indem er seine Behörden, insbesondere Steuerfahnder, sehr knapp ausstattet, ja sogar manchmal erfolgreiche Steuerfahnder bremst, die den großen Steuersündern zu dicht auf den Fersen sind.

Ich lasse mir nicht einreden, dass reiche Menschen moralisch bessere sein sollen als arme. Ich sehe systemische Gründe, die manchen Menschen das Leben schwerer machen als anderen. Und Korrekturen im System sind der Knackpunkt, da kann der Sozialstaat noch besser werden. Da sollte nachgesteuert werden, statt die Leute dumm zu schwätzen und die Schieflage noch zu verstärken. —

Nein, kommt mir jetzt nicht mit dem Vorwurf „Neiddebatte“! Das liegt mir fern. Ich beurteile Menschen nicht nach dem, was sie besitzen oder nicht besitzen, und sehe reich begüterte Menschen weder als per se bessere noch schlechtere an. Man muss schon differenzierter hinsehen. Und ja, es gibt reiche Menschen, die ein Gefühl für soziale Schieflagen haben und einen Teil ihres Vermögens für soziale Zwecke einsetzen, z.B. in Form von Spenden oder Stiftungen — und einige fordern darüber hinaus, dass große Vermögen angemessener besteuert werden. Superreiche: Mehr als 100 Millionäre sprechen sich für Vermögenssteuer aus | ZEIT ONLINE

W. R.

P.S.: Lasst Euch nicht irreführen und ablenken: Seit Jahrzehnten versuchen Leute aus AfD-Kreisen und einige Andere, von Putins Trolls unterstützt, im Lande Stimmung gegen Migranten und Geflüchtete zu machen und unsere Gesellschaft zu spalten. Schon vor mehr als 20 Jahren, als es nur wenige Geflüchtete und Asylsuchende hier gab, hörte ich ein Gerede in der Art: „Die kommen hierher und kriegen alles vom Staat bewilligt, während wir Deutschen in die Röhre gucken.“ Mir war schon damals klar, dass es da gar nicht um Fakten, sondern um Gemaule und Stimmungsmache ging. Dahinter steckt, wie wir längst wissen, eine gezielte politische Kampagne, um Teile der Bevölkerung gegen andere aufzuwiegeln und Unruhe zu provozieren.

Darum: Lasst Euch nicht an der Nase herumführen und von den echten Problemen auf Scheindebatten ablenken. Nicht Armut ist eine Schande, sondern der Dummschwätz, der von den Ursachen ablenken will. Zu wenige Chancen für Benachteiligte, zu viele Arme in einem reichen Land, das ist die wahre Schande im Staate D.

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Nachtrag im Januar 2025: Die Überschrift „Ist Armut strafbar?“ wirft auch die Frage auf, ob Arme nicht sowieso schon genug gestraft sind — z.B. mit schlechterer Gesundheit und damit auch geringerer Lebenserwartung. Dessenungeachtet überbieten sich besonders im Wahlkampf einige Politiker darin, Kürzungen des Bürgergelds zu fordern und Stimmungsmache auf dem Rücken der Armen zu machen. Schäbig, sowas! —

Offen rassistisch

NUN ist wissenschaftlich festgestellt: Rechtspopulisten reden die Welt schlecht, insbesondere die Lage im eigenen Land, und verbreiten miese Stimmung — mit der Folge, dass ihre WählerInnen die Lage düsterer beurteilen, als sie objektiv ist, und auch ihre persönliche Situation negativer sehen, als es vernünftig zu begründen wäre.
Das kann man gut bei den Trump-WählerInnen beobachten, aber auch bei denen der AfD. Missmutig blicken sie in die Welt und lassen sich mental herunterziehen. Da geht es gar nicht mehr um sachliche Kritik, da wird in Bausch und Bogen alles schlecht geredet und abgelehnt. Da wird alles verteufelt, was von der Regierung kommt, von „denen da oben“, die vom Volk gewählt wurden, aber angeblich alle nur an sich denken.
Das kann man weiter fortsetzen, aber es zeigt schon: Die Populisten fördern eine kindliche Naivität, die glaubt, man könne eine schöngeredete Vergangenheit wieder herstellen; die glaubt, ein autoritärer Übervater würde einem die Sorgen abnehmen und alles in (strenge) Ordnung bringen, und dann wäre alles gut.

Zur strengen Ordnungsvorstellung gehört auch, Menschen zu sortieren — nach Hautfarbe, nach „der gehört zu uns“ und „der nicht“. Da soll eine lebendige Lebenswirklichkeit zerstört werden, indem man grob sortiert wie die Bauklötzchen in einem Holzkasten.

Und während die Fußball-Europameisterschaft der Männer im eigenen Land stattfindet und viele Menschen bewegt, kommen ein paar AfD-Köpfe daher, machen uns die eigene Nationalmannschaft mies und fordern de facto zu einem Boykott der „Regenbogenmannschaft“ auf!

Braucht es einen deutlicheren Beweis dafür, dass Rechtspopulisten, wie oben gesagt, miese Stimmung verbreiten, und dass sie sogar offen rassistisch gegen angeblich nicht zu Deutschland gehörende Menschen hetzen?

W. R.

P.S. Wer meint, Pessimismus sei die einzig angesagte Stimmungslage für die Zukunft, der halte einmal inne und denke an positive Fortschritte, an Menschlichkeit und soziale Taten, die sich auch auf dem Konto des Homo Sapiens finden lassen. Es ist nicht alles mies und schlecht und hoffnungslos, sondern… Dazu gibt es nachdenkliche Beiträge wie diesen: >Pessimismus: Warum wir trotzdem an das Gute glauben sollten – Kolumne – DER SPIEGEL

P.P.S., 01.07.2024 Sieht so aus, als könnte Trump noch einmal zum US-Präsidenten gewählt werden. Wenn Trump die Galeonsfigur der „white supremacy“ sein sollte, dann kann man nur feststellen: Die Wahl eines inkompetenten und zugleich großmäuligen Dödels blamiert die selbsternannte „Herrenrasse“ und offenbart einmal mehr den Schwachsinn aller rassistischen Vorstellungen. Aber da es vielen Menschen offenbar gefällt, sich grundlos für etwas Besseres zu halten, ist Rassismus immer noch verbreitet.

Höcke, make Germany small again!

Man könnte sich fast totlachen darüber, aber dieser Irrsinn hat Methode: Im Fernsehen sah ich Bernd, Verzeihung, Björn Höcke vor einer öffentlichen Versammlung reden, wo er die Massenptoteste in deutschen Städten gegen die AfD und den Faschismus ansprach. Ihm fiel nichts Besseres ein, als einen irren Gedankensalto zu machen und — es ist schon unglaublich — zu behaupten, dass in den friedlichen Massenprotesten dieselben Leute gelaufen wären, die 1933 in Fackelzügen für Hitler aufgetreten seien.

Das muss man sich mal reinziehen: Der mit Amtssiegel bestätigte Faschist Höcke versucht, Demonstranten gegen den Faschismus als das Gegenteil darzustellen. Das ist Lügen nach der Methode Putin: Immer das Gegenteil behaupten, die eigenen Schandtaten Anderen zuschieben, dass sich die Balken nur so biegen.

Das ist nicht frech, das ist schon halsbrecherisch tollkühn. Wie sauer muss Höcke über diese Demonstrationen sein, dass er so einen Quark verzapft und sich damit lächerlich macht! Jetzt werden einige Leute, die ihn bisher irgendwie noch für wählbar hielten, wohl endlich wieder ihr Gehirn einschalten und sich fragen, ob sie so einem Kerl den Steigbügel halten sollen für ein politisches Amt.

Wer AfD wählt, sagt damit im Grunde: Ja, ich will mal voll verarscht werden! Die „Altparteien“ sind mir noch zu anständig, aber jetzt haben wir die Chance, Deutschland ohne Skrupel so richtig in den Abgrund zu stoßen! Make Germany small again! Mit Höcke und seinen Kumpanen müsste das gelingen.

W. R.

BesucherInnen, die diesen Beitrag genossen, interessierten sich auch für den Blog-Beitrag „Köln-Notizen #17“ vom 09.01.2015. —

Neues Milliardärshobby

Neulich mal wieder in meiner Stammkneipe gesessen und zugehört, was am Tresen vor sich ging:


N’Abend zusammen, meine Freunde eines guten Schlucks! (klopft dreimal laut auf den Tresen) Danke, Jupp, wie immer auf Zack mit einem frisch gezapften Kölsch! Hier ist die Welt noch einigermaßen in Ordnung, oder? Prost!
Kann man ja leider so allgemein nicht sagen. (Zustimmung in der Runde am Tresen)
Und statt dass die Menschen mal nachdenken und zur Vernunft kommen, beklatschen sie immer neue Idioten und Rattenfänger und sehnen sich nach autoritärer Führung, die ihnen das Denken abnimmt.
Immer mehr schwerreiche Männer scheinen sich neben all ihren Statussymbolen in letzter Zeit noch potenter darstellen zu wollen, indem sie sich in die Politik einmischen. Die über 40m lange Luxusjacht reicht schon lange nicht mehr, als Milliardär kauft man Fußballklubs, griechische Häfen, ganze Inseln und Nachrichtenportale ein — und was früher nur hinter den Kulissen betrieben wurde, passiert heute ganz offen und erklärtermaßen: Man mischt sich in Wahlkämpfe ein und propagiert seine persönlichen Ansichten als politische Ziele für Alle.

Jenau! ruft einer aus der Runde. Dat hammer doch schon beim Brexit jesehen! Ein sojenannter Medienzar, dieser Rupert Murdoch in den USA, mischt mit seinen Zeitungen in der Brexit-Kampagne mit und hilft, Lügen über die EU zu verbreiten. Und keiner schreitet ein und sagt: Misch dich nicht ein, schon gar nicht als Amerikaner!

Jenau dat mein ich. Seit einiger Zeit fällt dabei besonders Elon Musk unangenehm auf. Er wird mir immer unsympathischer, er scheint sich für zuminnnndest einen Halbgott zu halten. Jetzt ruft er auch noch zur Wahl der AfD auf. Ein Mann, der wirklich besser wissen sollte, dass eine AfD-Regierung unser Land in den Abgrund reißen würde — allein schon mit ihren Vorstellungen zur Wirtschaft und zur EU…. Aber Moment mal, das ist womöglich ja die geheime Absicht von Musk: Deutschland in den Niedergang stoßen mit Hilfe der AfD!
(Manche am Tresen runzeln die Stirn)
Ihr meint, das sei doch abwegig? Dann erklärt mir, wieso der Mann noch für zurechnungsfähig gilt. Na gut, anschließend könnt Ihr mit Eurer Erklärung gleich bei Trump weitermachen, der leidet ja auch an krankhaft vergrößertem Ego.
Aber Trump macht sich sowieso schon selbst lächerlich. Politisch wird er trotzdem getragen von einer großen Zahl von US-Bürgern, da kann er weiter lügen, betrügen, herumpöbeln und Frauen begrapschen, denn seine Anhänger werden von einer evangelikalen und rassistischen Mischpoke aufgehetzt und sind schon lange keinen Argumenten mehr zugänglich. Sie spenden sogar große Summen, damit er seine Top-Anwälte bezahlen kann.

Sowas scheinen sich die Radikaleren in der AfD auch hier zu wünschen: Wir wollen keine denkenden Leute, wir wollen eine Masse, die unsere Parolen nachplärrt und alles Andere niederbrüllt. Und wenn wir erst an der Macht sind, dann, hihi, werden diese Lemminge schon sehen, was wir wirklich vorhaben.
Woher willst du das denn wissen? fragt Einer aus der Runde.
Na, woher wohl? Schau Dir an, was da passiert, wo rechte Parteien an die Macht gekommen sind! Ich rede jetzt nicht mal von unserer Geschichte und Hitler, ich rede von heute, von Ländern, wo solche Parteien an die Macht gewählt wurden und nun alles daransetzen, die Macht zu behalten und keine Konkurrenz mehr hochkommen zu lassen. Schau z.B. nach Ungarn oder Polen, da siehste, wie machtgeile Leute das Land umbauen, um ihre Macht einzubetonieren.
Ach, und jetzt kommen noch solche Großkotze wie Elon Musk. Diese Leute hat niemand gewählt, sie haben kein politisches Mandat, und trotzdem ist ihr neues Hobby, in der Politik mitzumischen. Wer sich daran nicht stört, der hat von Politik für die Menschen, hat von Demokratie nichts verstanden. — Jupp, schnell noch eins, ich rede mich schon wieder in Rage.

—– Ich wäre noch geblieben, aber bei der Vorstellung, dass solche Typen demnächst über uns alle bestimmen könnten, wurde mir schlecht, und ich musste an die frische Luft… Als ich wieder reinkam und zu meinem Tisch ging, diskutierte der Tresen-Stammtisch schon über ein anderes Thema. —–

Ich finde das beschissen, meinte Einer, da laufen sich die Leute beim Marathon die Seele aus dem Leib und stellen einen Rekord auf, und kurz danach heißt es: „Sorry, wir haben die Strecke leider versehentlich zu kurz abgemessen, daher gilt dein Rekord nicht.“ Na toll, die Gelackmeierten sind die Spitzensportler, die nix dafür können, dass sie ein paar Meter zu wenig gelaufen sind.

Stimmt, wirfte ein Anderer ein, dem Reinhold Messner haben sie auch so einen Streich gespielt. Da kommt viele Jahre nach seinen Extrembesteigungen im Himalaya Einer daher und sagt, er habe mit modernen Methoden scharf nachgemessen und festgestellt, dass manche Bergsteiger nicht auf dem richtigen Berggipfel waren, sondern auf einem, wie jetzt messbar ist, Nebengipfel, ohne das zu wissen. Ja, Leute, was soll das denn? Ein Wichtigtuer wird in allen Medien zitiert als der, der dafür sorgt, dass einigen Bergsteigern Rekorde aberkannt werden, insbesondere dem Prominenten Messner.

Ein Weiterer ruft: Und dann diese Fehlentscheidungen beim Fußball trotz Videobeweis…!

—– Mir war immer noch flau im Magen, ich hatte genug gehört, zahlte und verließ das Lokal. Draußen blickte ich hoch zu den Sternen — die mussten da irgendwo sein, aber bei dieser Lichtverschmutzung hatte keiner die Chance, sie zu sehen.

W.R.



Bierzelt-Politik

UND wieder mal macht am Tresen Einer seinem Herzen Luft:

Ja, was ist denn schon passiert? Kennt jemand hier überhaupt Sonneberg? Das ist der kleinste Landkreis Deutschlands, da wurde ein Landrat gewählt. Und ein Landrat ist nicht viel mehr als eine Galionsfigur, die vertritt, was der Kreistag beschlossen hat. Im Kreistag dort ist die AfD aber derzeit eine kleine Fraktion. Also, was soll die Aufregung?
Jupp, ein Kölsch, und bitte schnell!
Du meine Güte, was regen sich jetzt die anderen Parteien künstlich auf, weil ein Mann der AfD diese Wahl gewonnen hat und nicht der bisher amtierende CDU-Mann. Komisch ist, dass die CDU in Berlin sich hinstellt und sagt, die Ampel-Regierung sei schuld. Wirklich komisch! Die größte Oppositionspartei wird doch geradezu vorgeführt: Die Mehrheit der Wählenden hat da eine Partei gewählt, von der sie genau weiß, dass die gar keine konstruktive Politik machen können und wollen. Es geht ihnen nicht um kluge Opposition, nein, es geht um „mal richtig auf den Putz hauen.“ Politik in der Demokratie ermüdet sie sowieso, ist ihnen zu kompliziert. Sie wollen es wie im Bierzelt krachen lassen.

Ich möchte solchen WählerInnen manchmal zurufen: Dann geht doch nach Russland und fühlt euch da aufgehoben! Ihr glaubt ja sowieso allen Quatsch, den die Russen ins Internet spülen.
Viele Menschen im Osten der Republik dürften wissen: Wenn wir wirklich die AfD ans Ruder lassen, dann geht es bergab. Diese Partei nennt sich gern „patriotisch“, aber falls sie das Sagen bekommen, werden z.B. ausländische Investoren abwandern, werden ausländische Fachkräfte einen Bogen um die ausländerfeindlich regierten Länder machen, usw. Wem schadet das? Na? Wie wär’s zur Abwechslung mal mit Denken?
Jupp das nächste.
Das ist ja das Geschäft der Populisten: Auf den Bauch der Leute zielen, dumpfe Gefühle und Empörung schüren und verstärken, Aufputschmittel in Form simpler Parolen verabreichen und damit die Leute am Denken hindern …
Ach, Jupp, ich muss mir mal wieder die Politik schöntrinken. Ja, noch eins.
Aber Saufen ist ja auch keine Lösung, schon gar nicht für politische Probleme. Bei steigendem Alkoholpegel grölen viele Leute noch ungehemmter jeden Blödsinn mit. Das geht mir auf den Zeiger! Und wenn solche „Patrioten“ auch noch anfangen, alle Leute anzupöbeln, die aussehen, als wären sie keine „Bio-Deutsche“, dann kann man sich nur noch fremdschämen für diese Plattköpfe. Die sind so beschränkt, dass sie ernsthaft meinen, sie könnten ihre kleine Welt zurückdrehen in eine Retro-Utopie, eine Schrebergarten-Schwarzwalduhr-Idylle, wo alle gleich aussehen, gleich ticken, und am liebsten im Gleichschritt hinter einem Führer herdackeln.

Schnell, das nächste, Jupp, ich muss nachspülen, sonst steigt mir noch die Kotze hoch!

(aufgezeichnet kurz nach dem Kneipenbesuch von W. R.; sorry, liebe FreundInnen der Schrebergärten und Schwarzwalduhren, das geht nicht gegen Euch, sondern — Ihr wisst schon)

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Nachtrag am 01.08.2023: Nachdem ich mehrere Stimmen vom AfD-Parteitag gehört habe, muss ich kurz und sachlich zusammenfassend über diese Partei sagen: DIE AfD IST DIE MENSCHENGEMACHTE VOLKSVERDUMMUNG. Und ihre Führer, die ständig Unsinn verbreiten, sind auch noch mächtig stolz darauf, dass sie soviele Leute foppen können… Und ihre Opfer können einem leid tun.

Schon Bertolt Brecht schrieb über Hitlers WählerInnen: „Die dümmsten Kälber wählen ihre Schlächter selber.“ Das haltet Ihr für maßlos übertrieben oder anmaßend? Schön wär’s. Aber diese Studie hier sagt etwas Anderes: DIW: AfD-Wähler würden laut Studie am stärksten unter AfD-Politik leiden – DER SPIEGEL

P.S.: Wer ein zu kurzes Gedächtnis hat, der schaue mal in den Blog-Beitrag von Juni 2016…! …. (Ich sehe nun: Es war doch gut, ältere Blog-Beiträge nicht zu löschen.)

Gute Nachrichten

Muster eines jap. Kimonos (Ausschnitt)

ES gibt auch noch gute Nachrichten. He, hallo, Ihr Miesepeter und Weltuntergangsapostel da draußen! Lasst Euch nicht ins Bockshorn jagen! Die Nachrichtenlage mag zwar beschissen sein, doch das liegt auch an der Art der Berichterstattung, und die wendet sich meist an unser alarmistisches Gehirn, das schlechte Nachrichten und Katastrophenmeldungen stärker beachtet als die beruhigenden Mitteilungen. Das ist unser Steinzeit-Gehirn (das wissen wir doch inzwischen, wenn wir gut Informiert sind).
Und weil unsere Medien um Einschaltquoten, Reichweite usw. buhlen, treiben sie in den Nachrichten auch ständig eine neue Sau durch’s Dorf („Bad news is good news“). Das hat u.a. den Nachteil, dass die Leute kaum zum Nachdenken kommen, denn ehe etwas im Bewusstsein gesackt und verarbeitet ist, kommt schon der nächste Aufreger um die Ecke (möglichst in Großbuchstaben, you know what I mean).
Sowas sehe ich mit Unbehagen, da ich zu den Menschen gehöre, die nicht nur Nachrichten sacken lassen, sondern auch Zusammenhänge herstellen wollen. Die sich also bei isolierten Nachrichten auch was denken wollen, sie einordnen und in Ruhe bewerten wollen.
Wer das nicht tut, bleibt oft an der Oberfläche der Dinge und begreift die tieferen Zusammenhänge nicht. Oder er macht gedankliche Schnellschüsse und ordnet Dinge ohne  Nachdenken in irgendwelche Verschwörungstheorien ein. Dafür soll es ja im Internet reichlich Angebote geben, mal dumm-dreist, mal clever ausgetüftelt. Weiterlesen

Danke, Greta!

Nachdem es den rechten Geiferern nicht gelungen war, die Person mit persönlichen Beleidigungen madig zu machen, nachdem es Christian Lindner (FDP) nicht gelungen war, ihr und den anderen jungen Demonstrierenden die Sachkompetenz abzusprechen, bemühten sich weitere Personen, Greta Thunberg und die Bewegung Fridays-For-Future zu diskreditieren. Da war z.B. im ZDF ein Beitrag im „Auslandsjournal“ über einen „Personenkult“ um Greta, den die Autorin da sehen will, da gab es angeblich Greta unkritisch anhimmelnde jugendliche Fans, da wurde ein Stab von Leuten thematisiert, die Gretas PR planen, usw. Im Internet-Begleittext des ZDF stand tatsächlich: „Greta spaltet.“
Da schlag doch einer lang hin! Man glaubt es kaum: Greta T. wird da in ein schräges Licht gestellt, als ob man über einen Donald Trump berichtete! Und das ist noch nicht alles: Nun will man Gretas Glaubwürdigkeit massiv untergraben, indem alle Medien unisono melden, ihre Segel-Überfahrt nach New York habe doch, scharf gerechnet, eine schlechtere CO2-Bilanz, als wenn sie geflogen wäre — was sich nur errechnen lässt, wenn man noch ein paar sidekicks dazuzählt. Aber egal, Hauptsache, es gibt schlechte PR für Greta, man will ja endlich mal Negativ-Schlagzeilen über sie produzieren und vor allem: ihre Glaubwürdigkeit untergraben.
Wer ist „man“? Das sind z.B. Leute, die gewissen „Altparteien“ nahestehen, die Panik bekommen angesichts davonlaufender JungwählerInnen, und da sind Leute, die einer Uraltpartei* (die sich fälschlich „Alternative“ nennt) nahestehen, die Panik bekommen, weil sie nicht mehr die Themen in der öffentlichen Debatte bestimmmen, sondern einem Thema hinterherlaufen müssen, zu dem sie aber auch gar nichts Brauchbares zu bieten haben.
Ist schon bemerkenswert, was alles versucht wird, um Greta vom Sockel zu stoßen. Dabei sind es doch eher die Medien, die ihr einen Promi- und sogar Heldinnen-Status zuschreiben, während sie selbst bei öffentlichen Auftritten auf dem Teppich bleibt und ernsthaft und sachlich zur Thematik spricht.
Wäre ich ein Verschwörungstheoretiker, dann sähe ich jetzt eine konzertierte Kampagne ins Werk gesetzt, die in Berliner Hinterzimmern bei Hintergrundgesprächen zwischen Politikern und Medienleuten ausgeheckt wurde. Solche Theorien braucht aber keiner, der einfach nur seinen kritischen Verstand arbeiten lässt und wie gewohnt fragt: Wer hat in diesem Spiel welche Interessen? Wem geht die Klimadebatte gegen den Strich? Wer möchte lieber ein gemächliches Weiter-so im gewohnten Politikbetrieb, wo die Ungeduld der jungen Leute nur stört?
Selbst-denkenden Menschen brauche ich das nicht zu sagen. Durch Gretas öffentliches Auftreten ist aber Vielen bewusst geworden: Das ist keine jugendliche Ungeduld, das ist das berechtigte Verlangen nach einer lebenswerten Zukunft! Fridays-For-Future hat für Klarheit gesorgt: Wir hören und sehen, wer auf der Bremse steht.

Danke für die Klärung, Greta!

W. R.

 * Uralt-Partei? Das wird klar, wenn man sich anhört, was von der AfD an Äußerungen und Parolen kommt. Das ist inhaltlich Altbackenes und Gestriges, Fremdenfeindlichkeit, Provinzmief, und Reaktionäres. Ansonsten versuchen sie immer wieder, Begriffe umzudeuten, Tabus zu brechen und damit zu provozieren — was ihnen bisher mehr Medien-Aufmerksamkeit brachte, als es ihren inhaltlichen Punkten angemessen wäre (weil die zum Gähnen sind). Aber auch diese Masche nutzt sich auf Dauer ab.

Sie können ja weiter von einem Klimawandel (hört sich eher harmlos an) reden, der natürliche Ursachen habe (prima, da brauchen wir nichts zu ändern und können die Erde weiter verheizen), oder Sie hören mal richtig hin, wenn wirkliche Fachleute die globale Erderwärmung und ihre Ursachen erklären.

Wenn Sie ein Weiter-wie-bisher wünschen und die entsprechenden Politiker wählen, werden Sie in einigen Jahren darüber stöhnen, dass es nun soweit gekommen sei, dass man wirklich nicht mehr viel gegen die katastrophalen Folgen der globalen Erderwärmung tun könne. Die weltweiten Auswirkungen werden uns überrollen und für Alle Folgen haben (allein schon durch die gigantischen Kosten, mit denen die Katastrophen bekämpft werden müssen).

Niemand wird ein Raumschiff zum Mars oder sonstwohin besteigen und die verheizte Erde hinter sich lassen können. Denn dummerweise nimmt die Erderwärmung immer mehr Fahrt auf. Umsiedlung auf den Mond oder den Mars (für wieviele Menschen? 50? 80? 116?) bleibt eine Illusion, schon weil die technischen Voraussetzungen frühestens in einigen Jahrzehnten evtl. in greifbare Nähe kommen, wenn überhaupt. Die Zeit haben wir nicht. Und für 8 Milliarden Menschen ist das eh keine Option.

Nachtrag vom 29.09.19: Dazu ausführlicher > Klimawandel: Es wird Zeit für zivilen Ungehorsam – Kolumne – SPIEGEL ONLINE

Ergänzung vom 30.11.2019: Wir erwähnten ihn früher schon, aber wir müssen wieder an den Kallendresser erinnern und verweisen z.B. auf diesen Artikel: James Black sagte 1977 die Klimakrise voraus – leider arbeitete er bei Exxon – SPIEGEL ONLINE

Noch eine Ergänzung vom 07.12.2019 — auch solche Meinungsäußerungen müssen erlaubt sein! >Hass gegen Kinder im Internet: Habt ein wenig Anstand – Kolumne – SPIEGEL ONLINE —

Nachdem Greta in New York vor der UN-Vollversammlung ihre „How dare you“-Wutrede gehalten hatte, kritisierten Einige sie wegen ihres emotionalen Auftritts. Ja herrgottnochmal,

aus: Kölner Stadt-Anzeiger, 23.12.2019, S. 14

was sollen die jungen Leute denn noch tun neben all den friedlichen Demonstrationen? Auf die große Mehrheit der Wissenschaftler wollen viele Entscheider in der Welt immer noch nicht hören. Da kann einem leicht der Kragen platzen, besonders nach dem Trauerspiel der Klimakonferenz in Madrid. Vielleicht sollte man die Klimakatastrophen-Leugner und diejenigen, deren Geschäftsmodell auf dem Weiter-wie-bisher fußt, mal nach Australien zur Brandbekämpfung schicken oder in den bereits verbrannten Regionen Urlaub machen lassen.

Warum bestreiten etliche Leute eigentlich so eifrig das, was 99% der Wissenschaftler sagen? Dazu hier eine sachliche, psychologische Erklärung: EU-Klimapaket: Zerschlagt das Kartell des Nichtstu Da ist nicht nur ein psychologisches Phänomen wirksam, sondern auch Profitgier mächtiger Konzerne, deren Einfluss auf Politik und einen Teil der Medien immer noch das Geschäftsmodell „Weiter-wie-bisher“ propagiert. Das sieht man besonders deutlich im Falle Australiens: Klimakrise in Australien: Verrat an der Bevölkerung – SPIEGEL ONLINE

Apropos Australien: Pressezar Rupert Murdoch beherrscht dort ähnlich wie in Großbritannien einen großen Teil der Medien, und das auf unheilvolle Weise. In Australien verharmlosen seine Zeitungen die Klimakrise und die katastrophalen Buschbrände, um das Kartell von Kohleindustrie und Regierung zu schützen; in Großbritannien hetzten sie viele Jahre lang auch mit Fake News gegen die EU und befeuerten die Brexit-Kampagne. Dazu mehr: Rupert Murdoch: Der gefährlichste Mann der Welt – Kolumne – DER SPIEGEL

Noch ein Fundstück zum Thema, ein Beitrag von der guten Sarah Bosetti: Sarah Bosetti | Greta Thunberg – YouTube

Bauernschläue gegen Weitsicht

Es widerspricht eigentlich der erklärten Absicht und üblichen Praxis, hier im Blog die momentan aktuelle Tagespolitik zu kommentieren — aber diese Ausnahme muss sein.

1. Der noch amtierende Landwirtschaftsminister der geschäftsführenden Bundesregierung … Ach, lesen Sie selbst diesen frischen Artikel hier, den ich Ihnen im Link anbiete, ein Sachartikel und zugleich berechtigter Kommentar: http://www.tagesspiegel.de/politik/streit-um-glyphosat-zustimmung-klientelpolitik-von-der-duemmsten-sorte/20638232.html
2. Da wir gerade bei den aktuellen Nachrichten dieses Tages (27.11.2017) sind, erwähne ich auch jene, wie ich glaube, ungute Entwicklung in der EU: In Osteuropa schließen Staaten Verträge mit China, die zur Folge haben, dass die kommende Weltmacht mehr Einfluss in der EU bekommt…
Wer glaubt, dass so etwas (→2.) die EU stärke und enger zusammenbringe, der hat wohl noch keinen Arzttermin derhalben bekommen. Und wer dem CSU-Landwirtschaftsminister (→1.) glaubt, dass er rein sachlich und berechtigterweise in Brüssel für Glyphosat entschieden habe, der … (siehe oben).

W. R. am Abend des 27. Nov. 2017

P.S. Die Überschrift stellt indirekt die Frage: Sollen solche Politiker uns regieren dürfen? Wollen wir uns das Treiben solcher Egoshooter und Trolls schweigend gefallen lassen? Ist denen komplett entfallen, wofür sie eigentlich gewählt und zuständig sind? Deutsche Politiker schwören im Amtseid, dass sie sich bemühen, „Schaden vom Volke abzuwenden“. Manche Politiker bei uns und anderswo haben da eine „flexiblere“ Vorstellung von ihren Amtspflichten, wie in vielen Ländern, in denen Machthaber ihre erste Pflicht darin sehen, sich selbst und ihre Anhänger zu bedienen. Gut, in demokratisch verfassten Staaten ist mehr Kontrolle, in autokratischen von vorneherein mehr Willkür möglich. (Das spricht auf jeden Fall dafür, die Demokratie nicht leichtfertig abzuschaffen, denn wer sich von einem autoritären System Besserung verspricht, muss sich eher auf das Gegenteil gefasst machen — wie zahlreiche Beispiele in Vergangenheit und Gegenwart zeigen.)

P.P.S. (Nachtrag am 24.02.2018:) Ich warte immer noch darauf, dass endlich mehr Schaden vom Volke abgewendet wird. In Sachen Diesel- bzw. Verbrennungsmotor geht nichts voran, ebenso wenig in Sachen Klimaschutz. In Talkrunden im Fernsehen wird über Koalitionen, Perspektiven für Parteien und Machtoptionen von Politikern debattiert… und ich höre nichts von der Macht der Lobbyisten, die sowohl die Energie- wie die Landwirtschaftspolitik massiv beeinflussen, nicht zu reden von Waffenexporten usw. Welchen Spielraum für richtige Entscheidungen für die Bevölkerung haben Politiker und Abgeordnete überhaupt? Manchmal frage ich mich, ob da der Eine oder die Andere nur noch herumeiert, um zu kaschieren, dass er oder sie Lobby-Interessen vertritt.

Selten tritt Einer so dummdreist auf wie Landwirtschaftsminister Schmidt am 27.11.2017: „So isser, der Schmidt.“ Bleibt mir weg mit euren Argumenten für Mensch und Umwelt! Glyphosat ist gut (für den Profit der großagrarischen, industriellen Landwirtschaft).

Dabei ist diese Verlängerung für Glyphosat-Zulassung ja nur ein Symptom, dahinter sieht man die ganze verfehlte Art zu wirtschaften, über die die Politik ihre Hand hält. Vielfältige Schäden für Natur und Umwelt werden billigend in Kauf genommen. Das betrifft uns alle. So werden z.B. die Wasserpreise für uns Endverbraucher erhöht, weil die Wasserwerke immer mehr Aufwand für genießbares Trinkwasser treiben müssen. Wie das? Die Großbetriebe produzieren Unmengen Gülle, die als Dünger auf die Felder gekippt werden und z.T. ins Grundwasser absinken. Könnte man das ändern?

Wer jetzt über Alternativen in der Politik nachdenkt, denkt vielleicht an Wahlplakate der AfD. Aber diese selbsternannte „Alternative für Deutschland“ ist keine. Schaut euch nur an, was die zum Thema Umwelt und Klima bieten, dann wisst ihr Bescheid. Die versuchen, sich der Kohle- und Atomlobby an den Hals zu werfen. Also: Schlimmer geht’s immer, nämlich mit denen. Passt bloß auf, dass Ihr nicht aus bloßem Protest-Bauchgefühl Leute wählt, die uns lediglich noch mehr für dumm verkaufen wollen.